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Bei dem Buch "Auf Wolke 111" handelt es sich um ein Kinderbuch, das vorrangig die Altersgruppe bis 8 Jahre ansprechen soll. Informativ und unterhaltsam werden "Glückstaten" einer liebenswerten Marienkäferfamilie geschildert. Im Kindergarten, in der Schule oder im sonstigen Alltag tauchen unverhofft die kleinen Krabbler auf und vollbringen wahre Wunder. Die fantasievollen Abenteuer der sieben Glückskäfer sind in unabhängige Kurzgeschichten gegliedert. Aus diesem Grund eignet sich der Inhalt nicht nur besonders zum Vorlesen als Gute-Nacht-Geschichten, sondern auch für Grundschüler, die zur Lesefreude hingeführt werden sollen.
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Seitenzahl: 70
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Vielleicht war es Inspiration, dass ich die Namen Emil und Anton schon vor Jahren für den Inhalt meiner Geschichte ausgewählt hatte, ohne zu wissen, dass ich einen Enkel mit dem Namen Emil Anton bekommen würde.
Gewidmet meinem Enkel Emil Anton
Warum der Glückskäfer seinen Namen verdient
Familienrat
Kindergarten Regenbogen
Wochenmarkt
Schlaraffenland
Geheimnisvolle Unterhaltung
Bauer Hannes und Auguste
Freizeitspaß
Unfreiwilliges Badevergnügen
Kirchweihfest
Hauptgewinn
Pferdemarkt
Geburtstagsüberraschung
Aufregung
Neubeginn
Werkunterricht
Die Spannung wächst
Fertigstellung
Einzug ins Insektenhotel
Das Wölkchen schwebte seelenruhig dahin. Ein leichter Windhauch schubste es gemächlich wie einen flauschigen Teppich aus Zuckerwatte voran. Es war ein herrlich warmer Frühlingstag im Mai. Das schneeweiße, aufgeplusterte Wölkchen überflog gerade eine saftige Bergwiese, als es plötzlich rumpelte. Mit einem Schlag wurden seine Bewohner aus ihren sanften Träumen gerissen.
Was war geschehen? Cordula, die neugierigste aus der Marienkäfer-Familie, reckte als erste ihre feuchte Nasenspitze in die Höhe und jammerte mit verschlafener Stimme: „Hilfe, wir sitzen fest!“ Durch den heftigen Ruck waren die anderen sechs Familienmitglieder ebenfalls aufgeschreckt. Alle schauten verdutzt. Verflixt! Ihr fliegendes Sonnendeck hatte sich wirklich im dichten Geäst eines alten Kastanienbaumes verfangen.
„Kein Wunder“, maulte Amelia verdrossen, „so etwas passiert eben, wenn man bis in die Puppen pennt. Wir sind selber schuld! Lasst uns hier im sicheren Schutz des Baumriesen verweilen und überlegen, was zu tun ist. Wir müssen sowieso auf die nächste stärkere Windböe warten, damit sich unser Flugobjekt wieder losreißt. Dann werden wir hoffentlich wieder ganz von alleine weitergetragen.“
Belina, das etwas moppelige Käferchen, stimmte Amelias Idee gleich zu, denn wenn es um Ruhepausen und zusätzliche Nickerchen ging, war sie immer sofort zu überreden.
Ein zartes Gesummse und Flügelschlagen setzte ein und jeder war mit der Neuigkeit über den Kurzurlaub inmitten blühender Dolden einverstanden und zufrieden.
„Aber das soll nicht heißen, dass ihr auf der faulen Haut liegt. Selbstverständlich könnt ihr die nähere Gegend erkunden und euch schon einmal schlau machen, womit wir unsere Freizeit sinnvoll gestalten könnten“, brummte Emil, der Älteste der Familie, mit tiefer Stimme in seinen nicht vorhandenen Bart.
Aufgeregt tummelten sich die quirligen Käfer in ihrer neuen Umgebung. Die duftenden Kastanienblüten leuchteten in voller Pracht. Sie boten eine tolle Gelegenheit zum Fangen und Versteck spielen. Im Nu setzte ein ausgelassenes Hin- und Hergeflattere ein. Als die müden Flieger nach einer Weile vollkommen außer Puste waren, gönnten sie sich eine kleine Verschnaufpause auf einem sich wiegenden Kastanienzweig ganz oben im dichten, knorrigen Geäst und schaukelten in der warmen Sonne.
Der vorwitzige Emil fragte mit schnaubender Stimme in die Runde: „Wisst ihr überhaupt, warum uns die Menschen Glückskäfer nennen? Kann mir das vielleicht einmal jemand erklären? Das würde mich echt brennend interessieren. Ich habe mir schon öfter darüber Gedanken gemacht. Eigentlich gehören wir zur Familie der Marienkäfer, genauer ausgedrückt, zur Familie der Siebenpunkt-Marienkäfer. Professoren und Wissenschaftler der Menschen nennen uns sogar: Coccinella septempunctata. Auf unseren halbkugeligen Deckflügeln haben wir nämlich, wie ihr wisst, sieben auffällig schwarze Punkte. Die einzige Ausnahme stellt unsere Klein-Greta dar, sie besitzt nur fünf. Das kann schon einmal vorkommen.“
In diesem Moment zog Gretchen ihr errötetes Köpfchen ein und schämte sich, worauf Emil gleich liebevoll einen Fühler auf die Kleine legte und sie mit einfühlsamen Worten tröstete:
„Du kannst stolz darauf sein und brauchst dich deshalb nicht zu grämen. Du bist etwas ganz Besonderes. In der Regel sind die gleichmäßig angeordneten Punkte tiefschwarz, sie können aber auch rot, hell, gelb oder braun sein. Ihre Anzahl kann je nach Art zwischen zwei und vierundzwanzig variieren. Es gibt 2, 4, 5, 7, 10, 11, 13, 14, 16, 17, 18, 19, 20, 22 und 24 Punkte. Manchmal erzählen die Erwachsenen ihren Kindern, dass die Punkte das Alter eines Marienkäfers angeben. Solch ein Blödsinn, das ist natürlich ein Irrtum und völlig falsch. Ein Leben lang schmückt die gleiche Punktzahl unsere Deckflügel, wir haben also immer sieben Stück. Deshalb sind wir die Sieben-Punkt-Marienkäfer. Uns gibt es auf der ganzen Welt. Aber hauptsächlich leben unsere Verwandten in den Tropen, Subtropen und auf tropischen Inseln.“ „Ja, da hast du vollkommen Recht! Wir lieben eben den Sommer und die Wärme. Je sonnenreicher ein Land ist, desto wohler fühlen wir uns und um so artenreicher sind unsere Familien“, ergänzte Anton spontan die Ausführungen seines klugen Bruders.
Emil fuhr in seiner Erläuterung fort: „Nachdem wir bei den Menschen, vor allem bei den Kindern sehr beliebt sind, haben sie uns die unterschiedlichsten Namen in all ihren Sprachen gegeben, wie
Glücksbote,
Hoffnungsfunke,
Liebesflieger,
Glücksbringer
So, vermute ich, ist auch der Name Glückskäfer entstanden. Die Gärtner der herrlichen Stadtparks mit den blumengeschmückten Beeten, die Bergbauern mit ihren saftigen Weiden, die Landwirte mit ihren ertragreichen Äckern, die Besitzer von blühenden Obstplantagen, die Winzer der zahlreichen Weinanbaugebiete, all diese Leute schätzen uns sehr. Allein in unserer Larvenzeit können wir je nach Gattung bis zu 3000 Spinnmilben oder Blatt- und Schildläuse vertilgen. Wir helfen und das rein biologisch. Das ist doch für die Menschen ein Riesenglück. Nicht wahr?“
„Hm, was du alles weißt. Aber warum sie uns als Glückskäfer bezeichnen, das muss einen anderen Grund haben“, brummelte Anton. Er stand dem klugen Emil in Nichts nach und hatte sonst auf jede Frage eine passende Antwort.
„Lass mich einmal scharf nachdenken!“, platzte es aus Emil heraus.
„Wie wäre es, wenn wir uns auf den Weg machen würden, um uns diesen Ehrennamen zu verdienen? Jetzt, wo wir hier festsitzen, hätten wir doch genügend Zeit dafür. Dabei könnten wir vielleicht des Rätsels Lösung finden? Was meint ihr anderen dazu?“
Nun meldete sich Klein-Greta zögerlich zu Wort:
„Ich hoffe, dass meine fünf Punkte auch ausreichen, um den Menschen Glück zu bringen?“
„Aber hundertpro, da kannst du dir völlig sicher sein! Du bist doch unser besonders ausgefallener und einzigartiger Glückskäfer überhaupt“, lachte Adalbert und zwinkerte der Kleinen zu.
Greta fand die Idee von ihrem älteren Bruder genial und posaunte in die Runde: „Also, dann bin ich mehr als einverstanden. Von mir aus können wir gleich durchstarten. Oder gibt es irgendwelche Einwände?“ „Nur nicht so hastig. Grundsätzlich gebe ich dir ja Recht. Aber das will genau überlegt sein“, konterte die schlaue Amelia und die gutmütige Belina stimmte ihr kopfnickend zu.
„Selbstverständlich wollen wir zuerst von jedem Familienmitglied verschiedene Vorschläge anhören. Die besten davon setzen wir dann in die Tat um. Einverstanden?“, fügte die schlagfertige Cordula mit ihrem charmanten Lächeln hinzu. Damit konnte sie bislang ihre Geschwister meistens mit Leichtigkeit um den Fühler wickeln.
Die aufgeregte Käferschar rückte nun noch enger auf der schwankenden Baumkrone des alten Kastanienbaumes zusammen, wo sie sich eigentlich nach dem lustigen Katz-und-Maus-Spiel und dem ausgiebigen Gespräch auf Wolke 111 ausruhen wollte. Doch das war nun vergessen. Eine hitzige Diskussionsrunde war entfacht. Schwindelerregende Gedanken schlugen wilde Purzelbäume in den winzigen, glühenden Köpfen. Es schien, als sähe man förmlich die grellen Geistesblitze wie Schnellzüge hin- und herzischen. Obwohl ihre glänzenden Flügel schon von Haus aus rot in der hellen Sonne leuchteten, flimmerten sie jetzt in einem kräftigen purpurrot. Die ideenreichen Käferchen liefen zu ihrer Höchstform auf und ihre zierlichen Köpfchen funkelten in der gleißenden Sonne. Selbst durch das Summen und Brummen einiger fetter Hummeln, die sich alle an diesem herrlichen Sommertag zwischen den duftenden Blüten tummelten, ließen sich die Winzlinge nicht ablenken. Eine Flut neuer Ideen sprudelte aus den Plappermäulchen heraus, manche fanden Beifall, manche wurden wieder verworfen.
Reihum gaben Cordula, Amelia, Belina, Greta, Adalbert, Emil und Anton ihre besten Einfälle preis. Nach einer Weile wurden die ersten Entscheidungen gefällt. Anschließend durfte Klein-Greta, die jüngste der Familie, drei Vorschläge auswählen und verkünden:
„Grundsätzlich muss ich euch alle miteinander, ohne Ausnahme, für die grandiosen Einfälle loben. Aber schlussendlich müssen wir uns auf die besten Ideen festlegen. Wackelig stand die Kleine auf den übrigen fünf zierlichen Beinchen und hatte das sechste in südlicher Richtung ausgestreckt. Dort drüben liegt unweit von hier der reizende Ferienort Schönau. Vor einigen Tagen haben wir dieses wunderschön gelegene Dorf schon einmal überflogen. Erinnert ihr euch? Emil glaubte von unserer Wolke 111 aus in der Nähe der Kirche einen bunt bemalten Kindergarten gesehen zu haben. Ich bilde mir felsenfest ein, auf dem großen Schild
< Kinder-Tagesstätte-Regenbogen >
gelesen zu haben. Lasst uns also morgen früh zum Kindergarten fliegen und unser Glück versuchen.“
