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Es klingt wie ein Klischee, aber in jedem von uns schlummert eine Bestie, ein eingesperrtes Raubtier!Es mag Jahre dauern, oder sogar Jahrzehnte, um unser inneres Monster von der Kette zu lassen.Vielleicht brauch es extreme Umstände, oder unglaubliche Situationen, aber es kann und manchmal wird es passieren. Für ihn ist der Tag gekommen!Er ist ein gelangweilter Psychopath mit Burnout-Syndrom in seiner Midlife-Crisis. Jahrelang ist es ihm gelungen die Fassade der Normalität aufrechtzuerhalten, aber Swingerclubs. Metalgigs und Stockkämpfe können seine dunkle Seite nicht mehr unterdrücken, er gerät zunehmend außer Kontrolle mit verheerenden Folgen.Um endlich frei zu sein und die Fesseln gesellschaftlicher Normen hinter sich zu lassen, muss er weiter gehen als jemals zuvor und zieht eine Spur aus Gewalt und Sex von Hamburg bis Barcelona."Der Hooligan in deiner Büchersammlung. So düster, dass man fast schon eine UV Lampe zum lesen braucht." N.N."Wer mit Kill Your Friends und besonders American Psycho nichts anfangen konnte, sollte einen großen Bogen um das Buch machen, ihr werdet es hassen. Für alle anderen: Sofort zugreifen!" Angie L."Ausgebrannt ist eine tiefschwarze Komödie, eine kontroverse, bitterböse Gesellschaftssatire, im Gewand von Testosteronliteratur. Unser Zeitgeist wird gnadenlos attackiert. Zentrale Themen sind Übersexualisierung, Verrohung und Konsumwahn, man muss also mit expliziten Gewalt- und Sexszenen rechnen.Satire soll uns einen Spiegel vorhalten, bereiten Sie sich darauf vor, dass ihnen nicht gefallen wird was sie sehen.Für einige Leser dürfte das Buch wohl etwas zu viel des Guten sein, aber Fans von Ellis, Niven oder Palahniuk sollten hier voll auf ihre Kosten kommen." F.M.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
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Inhaltsverzeichnis
Erinnerungen
Ground Zero
Ruinen
Morgenrituale
Du bist nicht frei
Subkulturen
Sodome
Amok
Endzeit
I used to make out with Medusa
Erwachen
Büroalltag
The Heist
The Raid
#throwbackthursday
Sturm und Drang
Sanctity Of Brothers
Killing With A Smile
A Different Breed Of Killer
Plomo O Plata
Portrait of the Goddess
Pig Destroyer
I've Read About Girls Like You On Toilet Doors
Straßenkampf
Blutlust
Hochzeits-Crasher
Wildleben
Disengage
Self Revolution
Libertad
Noche Mágica
Mundo Maravilloso
The Gathering Of The Pack
Correfoc - A Los Ojos De Fuego
El Sexo Y La Sangre
El último tango en Barcelona
Primates Eternas
The Oncoming Storm
Rise Or Die
Countdown To Extinction
Just Me And You Against The World
Charles Bronsons Socke
Blutmond
Birthday Boy
Torture Porn
The Toxic Waltz
Eskalation
Frolic Through The Park
Der Endgegner
I Killed the Prom Queen
One Step Away
Les Temps Changent
Entre Le Bien.........
Et Le Mal
Une Histoire De Noël
L'Enfant Sauvage
Warnung
»Wenn Sie auf der Suche nach einem normalen Krimi oder Thriller sind, dann legen Sie das Buch zur Seite. Das hier ist Transgressive Fiction, eine bösartige Satire. Sie werden Ihre Welt und Ihre Werte durch die Augen eines Psychopathen kennenlernen. Er wird Sie beleidigen, Ihre Lebensweise in Frage stellen, Sie werden mit ihm morden, foltern und Sex haben. Er wird Ihnen nicht den Gefallen tun, seine Person oder seine Taten für Sie zu beurteilen. Das ist Ihre Aufgabe! Sie wurden gewarnt!«
Florian Meier
Hi, mein Name ist...........
Ach, scheiß auf Namen oder?
Ich bin dieser Typ den ihr verflucht, weil er das Leben führt, das ihr in Wirklichkeit gerne hättet. Ich bin die dunkle Seite in euch, die ihr so gerne ausleben würdet, aber zu viel Angst davor habt.
Ihr Pussies!
Ich bin der Typ, den eure Freundin nie heiraten würde, aber für den sie ihr Höschen innerhalb von Sekunden fallen lässt, mit dem sie flirtet, sobald ihr nicht hinschaut.
Sorry, ich kann dich nicht sehen, bist du eine Frau? Okay, ich bin die fehlende Leidenschaft und Aufregung in deinem Leben, das Gegenteil von diesem langweiligen Loser, den du gerade mit den Kindern zum Samstagseinkauf geschickt hast. Du weißt was ich meine.
Es ist aber völlig egal wer oder was ich bin, das hilft mit jetzt auch nicht, denn ich sterbe, denke ich jedenfalls. Ich schmecke das Blut in meinem Mund, dumpfe Schläge hämmern auf mich ein und lassen meinen Kopf wieder und wieder auf den Boden schmettern. Es tut schon nicht mehr weh, alles verschwimmt langsam.
Was ist passiert?
Eigentlich hatte ich immer gedacht, mich würde ein eifersüchtiger Ehemann oder angepisster Freund abknallen, aber so ist es nicht. Es ist komplizierter, lasst uns sagen, ich habe gespielt und verliere gerade. Ich beanspruche nicht die Rolle des Helden in dieser Geschichte, nein, ich bin kein sonderlich netter Mensch, vielleicht bin ich sogar der Böse. Ihr könnt euch ja nicht vorstellen, was ich in den letzten Wochen gesehen und getan habe.
Oh, es wird dunkel, alles zieht noch mal an mir vorbei, jedes kleinste Detail, als würde es in diesem Moment geschehen.
Warum lehnt ihr euch nicht zurück, entspannt euch und genießt die Show mit mir.
»I know what I have witnessed. Now it is your turn. Prepare yourself for a journey into a world whre each new step may give you a better understanding of your own reality.«
Faces Of Death – Michael Carr
Kennt ihr diesen süßen Moment, in dem euer Partner sich von euch trennt und ihr einfach nur erleichtert seid ihn endlich los zu sein? Eigentlich ist man ihm schon fast dankbar, dass er einen von sich selbst erlöst?
Das hier, ist einer dieser Momente!
Sophie versucht mir gerade zu erklären, was bei uns alles verkehrt gelaufen ist, aber ich höre ihr nicht zu. Gott, diese penetrante schrille Stimme, ich erwürge sie gleich!
Ihr habt doch bestimmt auch schon einige Frauen getroffen, die kein hässliches Gesicht haben, aber denen schon dick und fett »Fotze« auf der Stirn geschrieben steht. So ein Exemplar haben wir hier.
Acht verdammte Monate habe ich es mit ihr ausgehalten, ein neuer Rekord für mich übrigens und ich bin siebenunddreißig. Die ersten drei oder vier Monate waren okay, ihr wisst schon, die Zeit in der man eh nur rumvögelt. Zwei bis drei Mal am Tag war es mindestens bei uns, anders hätte ich sie auch nicht ertragen können.
Die Wahrheit ist, eigentlich hatte ich eh die Schnauze voll von Beziehungen, in meinen Zwanzigern habe ich auch keine geführt und war sehr glücklich damit. Seit meinem Dreißigsten habe ich es wieder ein paar Mal ausprobiert, aber es ging eher um die Jagd, das Aufreißen und Ausspannen, um das aufregende Neue. Menschen werden mir schnell langweilig und engen mich einfach ein.
Das hier war ein Sonderfall, ein gescheitertes soziales Experiment, ich wollte endgültig herausfinden, ob ich in der Lage bin, ein normales Leben zu führen wie andere Menschen auch. Die Antwort ist ein ganz klares Nein!
»Ich steige aus Prinzip in keinen scheiß, fucking Polo!«, keift sie in ihr Handy. Irgendwelche Freunde haben ihr angeboten sie abzuholen, aber das Auto ist nicht gut genug. Nettes Mädchen oder? Ihr kennt doch diese Tussen, die ihre Handtasche über dem Unterarm tragen, in der Öffentlichkeit immer mit überkreuzten Beinen rumstehen, Kleidung und Accessoires nur nach irgendwelchen Trends aussuchen und die sich einen verfickten Chihuahua wünschen. Menschen wie sie, haben nichts Individuelles an sich, es ist, als hätten sie keine eigene Identität.
Sie gehört zu den Mädchen, die ihr ganzes erbärmliches Leben auf sozialen Plattformen teilen müssen. Wen interessiert, wo ihr gerade essen seid oder was ihr im Fernseher seht? Dann noch diese ganzen nachbearbeiteten Selfies mit denen sie uns belästigen. Kleine auf Perfektion getrimmte Lügen, die die Realität nur verdrehen. Irgendwie ist einer ihrer Photostreams mal auf meinem iPad gelandet, gute dreißig Selfies, alle aus der gleichen Position, um das Beste herauszufiltern und zu posten. Ihre Urlaubsfotos solltet ihr sehen, sie war an einigen schönen Plätzen. Aber egal welches coole Bauwerk oder beeindruckende Landschaft, immer steht sie im Bild und ruiniert das Foto.
Natürlich ist sie nur ein Produkt ihrer Umwelt, Teil einer gleichgeschalteten Viehherde, einer narzisstischen, exhibitionistischen, seelenlosen Masse. Ihre Generation ist eine Abwärtsspirale sozialer Kompetenz.
Sie zögert einen Augenblick, bevor sie aus der Tür geht. Ja, das würde dir passen, dass ich versuche dich aufzuhalten, Bitch! Sie sollte sich lieber beeilen, ich habe mich gerade verabredet, sie sollte dann wirklich nicht mehr anwesend sein.
Während Sophie die Treppe runtergeht, muss ich mich beherrschen, sie nicht mit einem kräftigen Arschtritt die Stufen herunter zu befördern. Letzten Monat haben wir uns in einem neuen veganen Restaurant getroffen und die blöde Schlampe trägt eine Jacke mit echtem Pelzkragen. Ich habe nichts gesagt und darauf spekuliert, dass sie gelyncht wird, aber ich wurde enttäuscht.
Endlich wieder frei!
Findet ihr nicht, dass das Ende einer Beziehung immer wieder ein wundervoller Zeitpunkt für einen Neuanfang ist?
Was zur Hölle?
Mein Zimmer, ich bin fassungslos, schockiert von mir selbst. Wie konnte es soweit kommen? Dreißig Quadratmeter, perfekt in der Mitte geteilt. Eine Hälfte dominiert von Metall und Glasmöbeln, hauptsächlich in Schwarz und Anthrazit gehalten. Die andere Seite überladen mit weißen, pinken und goldenen Accessoires.
Auf dem Flur stehen noch ihre Schuhe, Massen davon. Zweireihig aufgestellt, erstrecken sie sich an der ganzen Wand entlang. Ballerinas, High-Heels, Sandalen und wie sie alle heißen. Verschiedenste Formen und Farben.
Sie hat mich kastriert, meine Eier in ihre Michael Kors Handtasche gepackt. Mein Testosteronspiegel hat Hunger auf Sex und Gewalt. Dieses Wochenende wird irgendjemand auf dem Rücken landen. Entweder mit meinem Stiefel im Gesicht oder meinem Schwanz zwischen den Beinen!
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In meinem Zimmer macht sich ein weißer Nebel breit, in der Luft liegt dieser kalkige Geruch von Kokain, da stehen zwei Kilo auf meinem Schreibtisch.
Nein, ich bin kein Dealer!
Mein Freund Patrick ist zu Besuch, sein Partner wurde verhaftet, jetzt will er den Stoff aus seinem Lager für ein paar Wochen bei mir verstecken. Kein Problem, wir haben ein kleines leer stehendes Zimmer. Er bricht kleine Brocken aus den großen Stücken heraus, wirft sie in meinen Küchenmixer und mischt sie mit medizinischem Zucker aus einem großen Eimer.
Patrick ist ein wandelndes Klischee, genau das, was man sich unter einem Dealer vorstellt. Groß, muskulös, voller bunter Tattoos, zurückgegelte, schulterlange Haare, ihr wisst was ich meine. Wir haben uns vor vierzehn Jahren bei einem Eskrima Seminar kennengelernt. Er war damals noch Fahrradkurier, hat auf seinen Fahrten nebenbei Koks ausgeliefert und aus einer 20-qm-Wohnung operiert. Mittlerweile fährt er Harley oder Mercedes-Maybach, hat eine große Eigentumswohnung und zwei Jungs, die für ihn ausliefern. Offiziell ist er Personal Trainer, seine Privatkunden kriegen auch ordentliche Rechnungen für die Sportstunden, nur finden diese niemals statt. Der Mann zahlt tatsächlich Steuern für einen Teil seiner Drogenumsätze.
Jetzt holt er eine Handvoll kleiner Briefchen aus einer Plastiktüte und füllt das Kokain in sie ab. Damals habe ich ihm sogar mal fünftausend Euro geliehen, um Polizisten in Holland zu bestechen, die einen seiner Lieferanten verhaftet hatten. Danach hat er mir angeboten mit zehntausend Euro stiller Teilhaber zu werden, und ich Idiot habe abgelehnt.
Eigentlich halte ich nicht viel von Drogendealern, aber Kokainkonsumenten sind keine wirklichen Opfer. Ein Teil besteht aus überheblichen Wichsern, die keinen besseren Weg finden ihr Leben erträglicher zu gestalten.
Und die anderen?
Die ziehen gerne mal ein paar Lines und fühlen sich geil während sie ihren veganen Bulgur-Salat auf Bio-Buchweizen-Blinis fressen und dabei einen Fairtrade Tee saufen.
Habt ihr eine Ahnung, wie viel Blut an eurem Gramm Koks klebt?
Kokain ist nicht Fairtrade ihr scheiß Hipster Fotzen!
Bei Patrick hätte ich eh eine Ausnahme gemacht, erstens war ich manchmal selbst sein Kunde, zweitens hat uns das Interesse für Kampfsport wirklich verbunden, auch wenn wir recht unterschiedliche Stile haben. Er hat sich auf Wing Chung und Silat konzentriert und viel später angefangen. Ich hab als kleines Kind schon Judo und Karate gemacht, in meiner Jugend Brazilian Jiu Jitsu, Savate, Muay Thai, als Erwachsener Krav Maga und Eskrima. Im Gegensatz zu ihm bin ich aber seit über zehn Jahren nicht mehr dabei, er schon, sein Job scheint ihm wesentlich mehr Zeit zu lassen. Martial Arts und Gewalt waren mein Lifestyle, ich vermisse die alten Zeiten.
Wir schließen die Sachen in dem kleinen Zimmer ein und Patrick kriegt den Schlüssel. Ich Idiot, das Zeug ist über hunderttausend wert, wenn ein bisschen was fehlt, würde er das bestimmt nicht merken. Okay, der Gedanke ist ein wenig gefährlich, aber verlockend ist er schon.
Wollt ihr wissen, wie sein Partner erwischt wurde? Er hatte sich vor ein paar Wochen in eine Frau verliebt, ihr eher im Spaß versprochen sie zu heiraten, wenn sie mit ihm schläft und dann rausbekommen, dass sie nebenbei noch einen zweiten Typen hat. Natürlich hat er sich getrennt, nur hat sie ihn dann wegen Vergewaltigung angezeigt, denn sie hatte dem Sex ja nur zugestimmt, wenn er sie auch heiratet. Die Polizei ist dann auch tatsächlich bei ihm aufgetaucht und hat ihn beim Strecken überrascht. Verrückt, aber eine wahre Geschichte.
Nichts geht über eine lange, heiße Dusche am Morgen, ich brauche das einfach. Mein neues Duschpaneel ist zu einem meiner besten Freunde geworden, gemeinsam mit der Bluetooth-Anlage, die ich extra für das Badezimmer angeschafft habe. Zum Wachwerden bevorzuge ich komplexere und atmosphärische Musik, am liebsten Periphery oder Fallujah, je nach Stimmung.
Sophie hat die Kabine mit ihren Haarpflegeprodukten völlig entstellt, Shampoo, Spülung, Kur und Conditioner, alles speziell für blondes Haar. Sie war besessen davon blond zu sein, als ob sie das zu einer besonderen Art Mensch gemacht hätte. Egal welches Foto sie veröffentlicht hat, jedes war mit dem Hashtag #blonde versehen.
Der Start in den Tag war heute etwas anstrengend. Mein Mitbewohner lag schlafend vor der Toilette, ich musste ihn erst mal mit ein paar kräftigen Tritten aus dem Weg räumen. »Der Tür hat mich geschlage«, hat er erzählt, aber wahrscheinlich ist er nur besoffen vom Klo gefallen, jedenfalls war seine Hose runtergezogen. Sein Name ist Miguel, ein portugiesischer Einwanderer, Mitte vierzig, zwei Kinder, geschieden, Alkoholiker und Pornosüchtig. Er ist zwar etwas unterbelichtet, aber ein wirklich netter Mensch. Ihr solltet ihn besoffen sehen, er ist so groß und dürr, er wirkt dann wie Goofy im Vollrausch. Sein Alkoholproblem ist schlimmer geworden, seit er die Kinder nicht mehr sehen darf, außerdem gab es da dieses menschliche Buffet und einen Bombenanschlag bei seiner alten Arbeitsstelle.
Soll ich euch erzählen wie seine Ehe kaputt gegangen ist?
Er saß in seinem Arbeitszimmer, hat sich online einen Porno angeguckt und dabei ist er versehentlich auf den "connect to TV" Button gekommen. Im Wohnzimmer haben seine Kinder und ein paar ihrer Freunde den Disneychannel geguckt, plötzlich wurde aus Schneewittchen und den sieben Zwergen, Sasha Grey beim Gang Bang. Faszinierende Frau übrigens.
Sein Leben ist ein schlechter Witz und leider ist er die Pointe.
Jetzt fragt ihr euch bestimmt, warum ich in meinem Alter noch einen Mitbewohner habe oder?
Weil Hamburg eine verdammte Metropole ist und ein Cityapartment alleine kaum noch zu bezahlen ist, jedenfalls wenn man auch noch ein Leben führen möchte und ich gehöre schon zu den Besserverdienern. Schwieriger als eine Wohnung zu bezahlen, ist es aber überhaupt eine zu bekommen, jedenfalls als männlicher Single. Von einem meiner Kollegen aus dem Büro hat man letztens tatsächlich verlangt, dass seine Eltern, beide Rentner, für ihn bürgen. Der Mann ist über vierzig Jahre und verdient siebzigtausend im Jahr. Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen der Mittelschicht von Obdachlosigkeit bedroht sind.
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Ich brauche eine neue Sonicare, die weiße passt nicht zu meinem neuen Wandboard und der Wasserfall Armatur, kümmere ich mich später drum. Jetzt ist die Gesichtspflege dran, alle überflüssigen Haare müssen weg und die Augenbrauen etwas gezupft und gekürzt werden. Bloß nicht zu viel wegnehmen, bei einem Mann darf man nie merken, dass die Brauen bearbeitet sind. Meinen Bart kürze ich auf ein paar Millimeter, ein Dreitagebart verleiht dem Gesicht einen verwegenen Touch, gut für das Unterbewusstsein der Frauen. Heute gibt es eine Tiefenreingungsmaske und eine Feuchtigkeitscreme. Anti Aging Produkte benutze ich nur vor dem Schlafengehen. Auf keinen Fall darf man Make-up benutzen, man soll gepflegt und natürlich aussehen.
Diese Woche ist eine Kollegin auf dem Weg zur Arbeit zusammengebrochen, ihr Herz hat einfach aufgehört zu schlagen, aber sie konnte wiederbelebt werden. Jetzt vegetiert sie im künstlichen Koma vor sich hin. Vor wenigen Monaten ist Einer mitten im Büro tot umgefallen, Lungenembolie, bringt einen irgendwie zum Nachdenken.
Nach dem Waschen gibt es einen Shake aus zwei Bananen, zweihundertfünfzig Gramm Magerquark, Milch, Haferflocken und Honig. Dann beginnt das Muskelaufbautraining, oder besser gesagt, der Muskelerhalt. Bei allen Grundübungen bin ich jetzt über einhundertfünfzig Prozent meines Körpergewichtes, aber ich arbeite nicht mir Kalorienüberschuss. Mein Körper soll nicht wie der eines Bodybuilders aussehen, sondern Fit, durchtrainiert und anziehend wirken. Ich bearbeite gezielt die Muskelpartien, die dem primitiven Teil des Gehirns suggerieren, dass da ein Alphamännchen vor einem steht. Ihr wisst schon, ausgeprägte Brust und Schulter, V-Form am Rücken und im Becken, natürlich ein Six-Pack, auch wenn das mit jedem Jahr schwerer wird.
Bekommt nicht den Eindruck, dass ich oberflächlich wäre, es ist mir völlig egal, was andere über mich denken. Aber innere Schönheit bringt einen nicht weiter und so spricht man das weibliche Gehirn an, ohne etwas machen zu müssen. Das Äußere ist die erste Waffe, mit der man seine Umwelt manipulieren kann. Davon abgesehen werden meine Muskeln so auch an das Körpergewicht potentieller Gegner gewöhnt, ein wünschenswerter Nebeneffekt.
Beim Training mag ich etwas simplere, aggressive Musik, Hatebreed, Walls Of Jericho oder auch Emmure. Harte Breakdowns sind gut für die Leistung.
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Wenn das Äußere erledigt ist, kommt mein anderes Hobby dran, oder Zweitjob, vielleicht sogar meine Zukunft, Devisenhandel. In den letzten zwei Jahren habe ich mich selbst zu einem recht erfolgreichen Daytrader ausgebildet. Das Geschäft ist riskant und komplex, aber so langsam werden die Gewinne kontinuierlich, immer zwischen zehn und zwanzig Prozent im Monat. Man darf nie mehr als zwanzig Prozent seines Kapitals in Risikogeschäfte investieren, der Handel mit Hebelprodukten ist eher Hochrisiko, was für mich fünf Prozent bedeutet. Um meinem normalen Job nicht mehr nachgehen zu müssen, wäre es nötig höhere Summen zu investieren. Eine kleine Finanzspritze aus Drogengeschäften würde die Frührente wirklich in greifbare Nähe rücken.
Haltet mich nicht für geldgierig, ich will nur Unabhängigkeit und Zeit. Nichts ist wertvoller als Zeit, aber die muss man sich erkaufen. Kein Geld, keine Freiheit.
Scheiß Spiel!
Ernsthaft, soll das mein Leben gewesen sein? Soll ich meine ganze Zeit, mein ganzes Potenzial in einem unbedeutenden Job verschwenden? Vielleicht greife ich zu hoch, aber wer das macht und nur die Hälfte erreicht, hat wahrscheinlich mehr erzielt als die meisten anderen Zombies da draußen.
Ich bin gerade noch in einem Alter, wo ich vielleicht etwas ändern kann, neu anfangen, es muss einfach noch mehr kommen. Das alles ist zu langweilig, zu unbefriedigend. Selbst gefunden habe ich mich schon ewig, jetzt ist es an der Zeit mich neu zu kreieren.
Was?
Ihr meint, ich soll mir eine vernünftige Partnerin suchen und eine Familie gründen?
Fickt euch!
Eure Idee von einem perfekten Leben ist für mich ein beschissener Albtraum. Für euch übrigens auch, wartet es nur ab. Glaubt nicht an die große Lüge Monogamie, eure Gene wollen weit verbreitet werden! Das hat auch nichts mit erwachsen werden zu tun, sondern mit aufgeben. Dann sollen ich und meine perfekte Frau uns wohl auch einmal die Woche mit anderen Pärchen treffen um herauszufinden, wer das nächste Topmodel wird, oder der Superstar. Ja, samstags könnten wir uns dann im Schrebergarten zum Grillen treffen oder Fußball gucken oder? Tut mir einen Gefallen, geht euch erschießen.
Nur noch ein paar Stunden Arbeit bis zum Wochenende, Büro, Zeitverschwendung, mein ganzes Potential bleibt ungenutzt. Eigentlich bin ich schon ein Dealer, ich verkaufe den Tod. Allein in unserem Land kostet Alkohol jedes Jahr fünfzehntausend Menschenleben.
Ich bin verantwortlich für den Import von Getränkespezialitäten aus den USA. Meistens handelt es sich dabei um irgendeine Art von Spirituosen aber manchmal ist es auch was anderes.
Kennt ihr Arizona Ice Tea?
Den habe ich als Erster importiert, die grüne Sorte nenne ich gerne Engelspisse, aber die Marketingabteilung hielt nichts davon. Ich hätte auch gerne Frankie Palmeri für eine Werbekampagne, ich denke, das würde die Zielgruppe erweitern. Aber mein Chef meint, Emmure passen nicht zu unserer Corporate Identity.
Momentan arbeite ich daran, die Limonaden von Jelly Belly auf unserem Markt zu etablieren. Ja, Jelly Beans gibt es jetzt auch zu trinken.
Ist das nicht schön?
Euch verkaufe ich den Tod in Form von Alkohol und euren Kindern in Form von Zucker. Fettleibigkeit, Leberversagen und Diabetes, Völkermord. Ich kriege euch alle!
Aber ich übertreibe, eigentlich ist es nur einer dieser bedeutungslosen Jobs, der nur dazu da ist, die Konsumgeilheit der Verbraucher zu wecken und zu befriedigen. Keiner braucht den Scheiß, den ich verkaufe, es würde keinen Unterschied machen, wenn ich nicht da wäre.
Meine Arbeitszeiten gefallen mir, ich fang erst am frühen Nachmittag an, weil ich direkt mit Händlern aus den USA arbeite. Natürlich muss ich auch viele Überstunden machen, aber die Nächte alleine im Büro sind ganz angenehm. Wie bei all euch Dronen werden sie natürlich nicht bezahlt, sondern von mir erwartet, für den Freizeitausgleich fehlt uns ja die Zeit oder?
Fuck, reißen wir uns nicht alle den Arsch für die nächste minimale Gehaltserhöhung oder Beförderung auf, nur um noch mehr arbeiten zu müssen?
Ist das Grundprinzip eines Jobs nicht pervers? Wir brauchen sie um zu leben, aber gleichzeitig halten sie uns davon ab. Sie konsumieren uns, nehmen uns unsere Identität, bis wir von ihnen definiert werden. Wenigstens die Hälfte von euch Idioten hat das noch nicht verstanden oder? Vielleicht habt ihr euch auch einfach damit abgefunden. Mit etwas Glück überlebt ihr bis zur Rente und habt dann noch etwas Zeit zu leben, zu spät finde ich. Es ist freiwillige Selbstzerstörung, wir sollten es in Betracht ziehen gegen unsere Lebensweise zu rebellieren und unsere Werte zu hinterfragen.
Das Schlimmste am Büro ist es für mich, jeden Tag diese Maske der Normalität aufzusetzen. Wer will schon den Großteil seines Lebens damit verbringen eine Rolle zu spielen? Für Menschen wie mich, ist es aber besser von der Umwelt so wahrgenommen zu werden wie ich es will, nicht wie ich wirklich bin, das könnte eine Massenpanik auslösen.
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Heute ist ein langweiliger Tag, ich kann die Zeit nutzen um meine eigene Konsumgeilheit zu befriedigen. Ich schäme mich nicht dafür, wir sind Jäger und Sammler, das ist in unseren Erbinformationen. Da wir unser Essen aber im Supermarkt vorgeworfen kriegen müssen wir die Instinkte anders befriedigen, Geld jagen und Waren sammeln. Einkaufen stimuliert deshalb unser Belohnungssystem, ein paar Endorphine wären jetzt wirklich nicht schlecht.
Diesel!
Ich habe einen ernsthaften Diesel Fetisch, ich trage nichts anderes. Es geht mir nicht um den Markennamen, Marken sind mir egal, es geht um den Style. Ihre Kleidung ist innovativ, oft sehr gewagt und individuell. Sogar meine Anzüge habe ich mir bei Diesel zusammengestellt. Das Label wurde übrigens im selben Jahr wie ich kreiert.
Man sollte ja immer der Situation angemessen gekleidet sein, nur ein bisschen besser und anders aussehen. Mit Kleidung kann man sich gut aus der Herde abheben.
Ich habe mehr Klamotten im Schrank, als ich wirklich tragen kann, aber ich liebe jedes Stück. Manchmal gehe ich raus auf einen Kaffee, in eine Bar oder zum Essen, nur damit ich die Kleidung spazieren führen kann. Auf jede Jahreszeit freue ich mich, einige Sachen kann man ja nicht immer anziehen.
Soll ich euch etwas verraten?
Ein kleines böses Geheimnis?
Bevor ich mit Miguel zusammengezogen bin, habe ich mit einem arbeitslosen Kiffer in einem Souterrain gewohnt. Eines Tages ist er auf der Couch eingeschlafen, eine Kerze ist umgekippt und hat das Teil in Brand gesteckt. Er hat geschrien, als würde ihn jemand umbringen, ich bin in sein Zimmer gestürmt, aber das war schon so voll von schwarzem Rauch, dass ich ihn nicht mehr sehen konnte, das Feuer hatte schon auf alle möglichen Gegenstände übergegriffen. Eine unglaubliche Hitze sag ich euch.
Es gab da diesen kurzen Moment, in dem ich überlegt habe in das Chaos reinzugehen, um ihn zu retten. Aber ich habe mich dagegen entschieden und seine Tür hinter mir zugemacht. Nicht um mich zu retten, sonder meine Diesel Kleidung. Also bin ich in mein Zimmer, hab alles aus dem Fenster geworfen und bin hinterher. Keine Ahnung warum, aber der Rauch hat die arme Sau nicht schnell genug ersticken lassen. An seinen Schreien konnte man den Moment erkennen, in dem er in Flammen aufgegangen ist, sie wurden so schrill und hysterisch. Vertonter Schmerz!
Ich würde es wieder so machen, viele der Stücke gibt es nur für eine Saison.
Egal, der Herbst kommt, dann der Winter, der Warenkorb ist hungrig, also fülle ich ihn mit einer Black Gold Kalbslederjacke in Grau mit Kapuze, einer schwarzen Type-255 Hose, mit aufwendigen Abnutzungsstellen und hellen Farbspritzern und einer Black Gold Jeans, mit bunten Farbklecksen und handgemachten Löchern. Über eintausendeinhundert Euro, soll ich?
Ja! Ich kaufe mit endlich die mit Lammfell gefütterte grüne Kalbslederjacke für fast zweitausend Euro, da bin ich schon seit einem Jahr scharf drauf!
Bei Amazon gibt es dann noch die neue Sonicare in Schwarz und einen elektrischen Dietrich mit Handbuch, Expressversand, ich muss diese Tür aufkriegen!
