Baldwin Wunderhund - Susanne Rih - E-Book

Baldwin Wunderhund E-Book

Susanne Rih

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Beschreibung

Wenn man Baldwin sieht, könnte man ihn für einen ganz gewöhnlichen Hund halten: braunes Fell, lange Schnauze und Schlabberohren. Lange Zeit ist Baldwin auch nichts anderes gewesen, bis er eines Tages einen Saft vom Boden aufschleckt. War das verschütteter Hustensaft? Nein, Zaubersaft! Denn Baldwin entdeckt, dass er plötzlich sprechen lernen kann. Und nicht nur das: Bald lernt Baldwin auch aufrecht gehen und schließlich sogar fliegen! Mit diesen außergewöhnlichen Fähigkeiten treibt Baldwin natürlich gerne Schabernack, aber er versucht auch, seinem Herrchen zu helfen. Und endlich gelingt es ihm, seinen einsamen, alten Alfredo mit seinen Kindern zu versöhnen und wieder zu einem lebensfrohen Menschen zu machen.

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Seitenzahl: 62

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Neue Rechtschreibung

© 2020 by Obelisk Verlag, Innsbruck – Wien

Coverentwurf: Nadja Grace Bodner

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-85197-962-6

eISBN 978-3-99128-042-2

www.obelisk-verlag.at

Für meine Eltern Ilse und Alfred

Susanne Riha

BALDWIN WUNDERHUND

Illustrationenvon Nadja Grace Bodner

INHALT

1Baldwin, Alfredo und Teresa

2Wiff, wuff, waff – Zaubersaft

3Alfredos Strichmundgesicht

4Rix, rax, rex – Creme für die Hex’

5Alfredo schreibt einen Brief

6Hoch hinauf, das kann nicht jeder

7Flieder, fleder, Hundefeder

8Jan und die guten Geister

9Baldwins Entschluss – und Schluss!

1

BALDWIN, ALFREDO UND TERESA

Hallo!

Hier bin ich!

Seht ihr mich?

Da am Waldrand! Der Hund! Das bin ich: Baldwin!

Nein, das bin ich nicht heute. Sondern das bin ich damals, an dem Tag, als alles angefangen hat, sich zu verändern.

Und der Mann, der dort hinten den Weg entlangkommt?

Seht ihr ihn? Das ist Alfredo. Zu ihm gehöre ich.

Wenn ihr jetzt findet, dass Alfredo ziemlich alt aussieht, dann habt ihr recht. Hört ihr es? Jetzt ruft mich Alfredo! Er will nicht, dass ich so weit vorauslaufe. Ich kehre um und laufe zu ihm zurück.

Jetzt holt Alfredo einen kleinen Leckerbissen für mich aus der Hosentasche! So ist er, mein Alfredo! Einfach wunderbar!

Wir gingen auch an diesem Tag zwischen den beiden hohen Tannen hindurch, tief hinein in den Wald.

Ob Alfredo die herrlichen Düfte im Wald bemerkte, so wie ich?

Ja, ja, ich weiß schon, was ihr jetzt sagen werdet!

Hunde haben eine gute Nase, die vierhundert Mal besser riechen kann als die des Menschen.

Im Wald setzte sich Alfredo auf einen Baumstrunk und weinte.

Mein geliebter Alfredo weinte um Ilsebill.

Ilsebill war viele Jahre lang seine Frau gewesen.

Seit ich zurückdenken kann, hatte es neben Alfredo Ilsebill gegeben.

Dann aber war Ilsebill krank geworden. Und eines Tages war sie fort gewesen.

Nein, eigentlich war sie noch nicht ganz fort gewesen. Sie hatte in einer großen Holzkiste gelegen, die bald wie ein Hundeknochen in die Erde vergraben worden war.

Es war sehr traurig für Alfredo gewesen und natürlich auch für mich.

Im Wald war es kalt. Nebelfetzen zogen durch die Luft. Ich konnte beinahe riechen, wie Alfredo fror. Aber er stand lange nicht auf.

Zuhause musste Alfredo niesen und am nächsten Tag war er krank.

Er saß mit einer Decke in seinem Lehnsessel, trug einen Schal um den Hals und brachte keinen Ton heraus. Jetzt war es bei uns zuhause noch stiller als gewöhnlich.

Solange Ilsebill da gewesen war, war es nie still gewesen.

Ilsebill hat geredet, den ganzen lieben Tag lang. Denn Ilsebill hat alles dreimal gesagt:

„Alfredo, wir müssen einkaufen gehen. Ich glaube, es ist Zeit einzukaufen. Heute steht Einkaufen auf dem Programm, Alfredo.“

Oder:

„Der Hund hat schon wieder Flecken auf dem Fußboden hinterlassen! Sind das nicht schon wieder Flecken von unserem Hund? Dieser Hund muss immer Flecken auf den Fußboden machen!“

Alfredo hat ihr Gerede nicht ernst genommen:

„Schau nicht so genau hin, Ilsebill“, sagte er.

Denn bald war es wieder eine andere Sache, die Ilsebill aufregte und sie hatte die erste bereits vergessen.

Ich hingegen konnte Ilsebills Geplapper oft nicht mehr hören.

Besonders, wenn sie Dinge sagte wie:

„Was weiß denn Baldwin. Baldwin weiß doch nichts. Unser Hund ist ein Nichtswisser!“

Dann habe ich sie angesehen und geknurrt.

„Was weißt denn du! Ilsebill weiß rein gar nichts! Ilsebill ist die Nichtswisserin!“, dachte ich dabei.

Ich konnte nämlich schon damals scharf denken. In richtigen Worten und in ganzen Sätzen!

Alfredo besitzt ein großes Haus mit vielen Zimmern und einem Garten. Damit ich jederzeit hinauskann, hat die Türe, die auf der Rückseite des Hauses von der Küche zum Garten führt, unten eine große Klappe.

In diesem Haus mit Klappe zum Garten wohne ich heute noch.

In dem Haus gibt es ein Oben und ein Unten; vom Unten führt eine Stiege zum Oben hinauf. Im Oben befinden sind zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer und ein Klosett. Früher schliefen Alfredo und Ilsebill in einem der Schlafzimmer des Oben.

Im Unten liegt die Küche, noch ein weiteres Klosett und ein kleines Wohnzimmer mit Blick auf den Garten. In dem kleinen Wohnzimmer war und ist mein Lager: eine gemütliche, alte Matratze mit einem Polster darauf.

Im Wohnzimmer standen schon immer ein Lehnsessel und noch ein zusätzliches Bett für Gäste oder einfach nur zum Ausruhen für Ilsebill oder Alfredo.

Als Ilsebill nicht mehr da war, zog Alfredo zu mir in das Wohnzimmer herunter.

Er schlief ab nun in dem zusätzlichen Bett. Untertags saß er in dem großen Lehnstuhl. Da nun niemand anderer mehr im Haus war, redete Alfredo mit mir.

Fast die ganze Zeit hatte er etwas zu erzählen. Ich verstand ihn, konnte aber nicht antworten. Aber an diesem Tag, wie gesagt, brachte Alfredo kein Wort heraus.

Am nächsten Morgen kam Teresa, unser „liebes Mädchen für alles“, wie Alfredo sie nennt. Teresa ist zwar kein Mädchen mehr, aber sie ist doch jünger als Alfredo. Dafür ist sie doppelt so dick wie er. Sie hat ein freundliches Gesicht mit großen Augen. Darüber trägt sie eine lockige Frisur.

Teresa ist in einem anderen Land aufgewachsen und spricht eigentlich eine andere Sprache. Sie ist erst vor Kurzem in unser Land gekommen und musste unsere Sprache dazulernen. Sie spricht sie bereits so gut, dass Alfredo und ich sie verstehen können. Aber ein bisschen verkürzt und verdreht Teresa noch die Sätze. Das hört sich dann so an:

„Baldwin, was bist du guter Hund!“ Oder:

„Ist Schmutz überall in Haus!“

Auch an diesem Tag brachte Teresa Säcke mit Futter mit für Alfredo und für mich. Nachdem sie die Säcke in der Küche abgestellt hatte, begrüßte sie Alfredo in seinem Lehnsessel.

Aber Alfredo krächzte nur etwas Unverständliches zurück.

„Herrjemine!“, rief Teresa. „Das ist Hals, ganz schlecht!“

Alfredo nickte und machte ein schmerzverzerrtes Gesicht.

Wie jedes Mal, wenn Teresa zu uns kam, putzte sie. Sie wusch und bügelte Alfredos Wäsche. Schließlich band sie sich eine Schürze um und begann für uns zu kochen. Es dauerte nicht lange und sie rief nach mir. Ich lief zu ihr und wartete.

„Hier, Baldwin-Schätzchen, für dich!“

Teresa beugte sich zu mir herunter, um das frisch gekochte Futter zu mir auf den Boden zu stellen.

In diesem Moment konnte ich tief in ihre Augen sehen.

Ich entdeckte darin etwas, das ich noch nie zuvor gesehen hatte:

In Teresas Augen blitzte es!

Es war ein Leuchten, das tief aus dem Grund ihrer großen Augen zu kommen schien. Es strahlte von ganz hinten heraus, also vom Augenboden her, wenn ihr wisst, was ich meine.

2

WIFF, WUFF, WAFF – ZAUBERSAFT

Zwei Tage später kam Teresa wieder.

Alfredo war noch erkältet, er hatte immer noch einen „schlechten Hals“.

Ganz so, als ob Teresa es gewusst hätte, holte sie ein Fläschchen aus ihrer Tasche und sagte:

„Habe Hustensaft gemacht, aus Tannenwipfeln, mit noch was drin! Macht Stimme!“

Sie füllte den Hustensaft in ein Glas und stellte es auf das Tischchen neben Alfredos Lehnsessel. Der Saft in dem Glas war grün wie die Wiese in unserem Garten.

Alfredo schaute kurz zu dem Glas hin. Er verzog das Gesicht.

„Bitte trinken, Alfredo! Saft macht Stumme wieder reden!“, bat Teresa. „Trinken und an Wirkung glauben! Ganz fest glauben!“, verlangte sie.

Aber Alfredo schüttelte den Kopf.