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Beatrix Potter (1866–1943) war eine der bedeutendsten Kinderbuchautorinnen und Illustratorinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Geboren in London in eine wohlhabende viktorianische Familie, zeigte sie bereits in jungen Jahren eine außergewöhnliche Begabung für Zeichnung und Naturbeobachtung. Ihre Liebe zur Flora und Fauna, insbesondere zu kleinen Tieren, wurde durch ausgedehnte Aufenthalte auf dem Land gefördert. Ohne formale künstlerische Ausbildung entwickelte sie einen feinen, detailgetreuen Illustrationsstil, der ihre Werke bis heute unverwechselbar macht. Neben ihrer literarischen Tätigkeit war sie auch eine engagierte Mykologin und Landwirtin, die sich für den Erhalt traditioneller englischer Landschaften einsetzte. Ihr literarischer Durchbruch gelang 1902 mit der Veröffentlichung der Geschichte vom Hasen Peter. Das Besondere an ihrem Werk ist die Verbindung kindgerechter Erzählweise mit präzisen, liebevollen Naturillustrationen. Die Figuren, oft Tiere mit menschlichen Eigenschaften, erleben kleine Abenteuer, die sowohl unterhalten als auch moralische Werte vermitteln. Ihre Geschichten sind nie belehrend, sondern sanft, humorvoll und voller Empathie für ihre Charaktere. Potter bewahrte bis ins hohe Alter die Fähigkeit, die Welt aus der Perspektive eines Kindes zu sehen – eine Gabe, die ihr bis heute weltweiten Ruhm eingebracht hat. Ihre Bücher sind bis heute relevant, beliebt und populär, weil sie zeitlose Geschichten von Freundschaft, Mut, List und Mitgefühl erzählen, die Generationen von Lesern berühren. Diese Ausgabe umfasst unter anderem ihre bekanntesten Werke: Die Geschichte des Hasen Peter erzählt vom neugierigen Peter, der trotz Warnungen in den Garten von Herrn Gregor eindringt – eine humorvolle, aber auch mahnende Geschichte über Ungehorsam. Der Schneider von Gloucester schildert die Mühen und den Fleiß eines armen Schneiders, dem kleine Mäuse zur Seite stehen – ein Märchen über Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft. Die Abenteuer von Eichhörnchen Nutkin zeigen einen respektlosen, frechen Nager, dessen Übermut ihn in Gefahr bringt. Die Geschichte von Schweinchen Bland ist ein humorvoller Einblick in die gutmütige, aber unvorsichtige Natur eines Schweinchens. Die Geschichte von Benjamin Häschen knüpft an Peters Abenteuer an und thematisiert Zusammenhalt und Mut. Die Geschichte von den zwei bösen Mäusen führt vor Augen, wie Missverständnisse und kleine Streiche eine Wohnung auf den Kopf stellen können. Die Geschichte von Frau Tiggy-Winkle beschreibt eine freundliche Igelin, die als Waschfrau arbeitet, und verwebt Märchenhaftes mit bäuerlicher Alltagskultur. Die Geschichte von Ginger und Pickles erzählt von einem Kater und einem Terrier, die gemeinsam ein Geschäft führen, jedoch an ihrer zu großzügigen Kreditvergabe scheitern. Die Geschichte von Herrn Jeremy Fischer schildert die Missgeschicke eines Frosches bei einem Angelausflug. Die Geschichte von Jemima Pfützenente folgt einer naiven Ente, die von einem listigen Fuchs in Gefahr gebracht wird. Die Geschichte von Timmy Tiptoes handelt von einem fleißigen Eichhörnchen und seiner Gattin, die Vorräte für den Winter anlegen, jedoch unvorhergesehene Schwierigkeiten erleben. Die Geschichte von Herrn Tod ist eine spannendere und düsterere Erzählung, in der ein listiger Fuchs und ein böser Dachs aufeinandertreffen. Diese Sammlung vereint Potters feinsinnigen Humor, ihre genaue Naturbeobachtung und ihre Fähigkeit, archetypische Geschichten in liebevolle Bilder zu kleiden.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Es waren einmal viel kleine Hasen, ihre Namen waren - Flopsy, Mopsy, Woll-Schwanz und Peter.
Sie lebten mit ihrer Mutter in einer Sandbank unter den Wurzeln einer sehr großen Tanne.
“Nun meine Lieben, “ sagte die alte Frau Hase eines Morgens, “ihr dürft auf die Felder oder den Weg hinunter gehen, aber geht nicht in Herrn Gregors Garten: euer Vater hatte dort einen Unfall; Frau Gregor hat ihn gekocht.”
“Nun los, aber macht keinen Unfug. Ich muss noch etwas besorgen gehen.”
Die alte Frau Hase nahm einen Korb und ihren Regenschirm und machte sich durch den Wald in Richtung des Bäckers. Sie kaufte einen Leib Roggenbrot und fünf Johannisbeeren-Brötchen.
Flopsy, Mopsy und Woll-Schwanz, die allesamt brave kleine Häschen waren, gingen den Weg hinunter um Brombeeren zu sammeln:
Aber Peter, der sehr ungezogen war, rannte direkt rüber zu Herrn Gregors Garten und quetschte sich unter dem Gartentor durch!
Zuerst aß er etwas Salat und ein paar grüne Bohnen, dann noch ein paar Radieschen;
Und dann, als ihm schon fast schlecht war, machte er sich auf die Suche nach etwas Petersilie.
Aber wen sollte er am Ende des Gurken-Beetes treffen – Herrn Gregor!
Herr Gregor kniete über einem Beet, während er junge Kohlköpfe aus der Erde holte. Als er Peter sah, sprang er auf und rannte ihm nach. Dabei schlug er wild mit einer Harke um sich und schrie: „Stopp, du Dieb!“
Peter hatte fürchterliche Angst; er rannte kreuz und quer durch den Garten, denn er konnte sich einfach nicht an den Weg zu dem Gartentor erinnern.
Er verlor einen seiner Schuhe im Kohl-Beet und den anderen zwischen den Kartoffeln.
Nachdem er sie verloren hatte, lief er auf allen Vieren weiter und rannte noch schneller, sodass er um ein Haar davon gekommen wäre, wäre er nicht in ein Stachelbeer-Netz gelaufen, wo er mit den großen Knöpfen seiner Jacke hängen blieb. Es war eine blaue Jacke mit Messingknöpfen, ziemlich neu.
Peter sah keinen Ausweg und vergoss große Tränen, aber sein Schluchzen wurde von ein paar freundlichen Spatzen gehört, die aufgeregt zu ihm geflogen kamen und ihn anflehten sich mehr anzustrengen.
Herr Gregor kam mit einem Kescher angelaufen, mit dem er Peter fangen wollte, aber gerade noch rechtzeitig konnte Peter sich befreien, indem er seine Jacke zurückließ.
Und er lief in den Geräteschuppen wo er in eine Gießkanne sprang. Es hätte ein hervorragendes Versteck gemacht, wenn es nicht voll mit Wasser wäre.
Herr Gregor war sich sicher, dass Peter irgendwo im Geräteschuppen war, möglicherweise unter einem Blumentopf versteckt. Er fing an jeden Blumentopf umzudrehen, einen nach dem anderen.
Plötzlich musste Peter nießen – “Hatschi!“ und Herr Gregor wusste sofort, wo er war.
Und er versuchte mit seinen Fuß Peter festzuhalten, aber er sprang aus dem Fenster und warf dabei drei Pflanzen um. Das Fenster war zu klein für Herrn Gregor und er hatte keine Lust mehr Peter hinterher zu laufen, also machte er sich wieder an die Arbeit.
Peter setzte sich hin um sich auszuruhen, er war außer Atem und zitterte vor Angst und er hatte keine Ahnung in welche Richtung er musste. Außerdem war er ganz nass von seinem Versteck in der Gießkanne.
Nach einer Weile machte er sich auf – hoppeldihopp – hopp – ganz langsam und immer achtsam.
Er entdeckte eine Tür inder Wand, aber sie war verschlossen und es war zu eng für einen fetten kleinen Hasen sich darunter durch zu quetschen.
Eine alte Maus rannte rein und raus über die Türschwelle, und trug dabei Erbsen und Bohnen zu ihrer Familie im Wald. Peter fragte sie nach dem Weg zu dem Gartentor, aber sie hatte so eine große Erbse in ihrem Mund, dass sie nicht antworten konnte. Sie schüttelte bloß ihren Kopf. Da fing Peter an zu weinen.
Dann versuchte er am anderen Ende des Gartens einen Ausweg zu finden, aber das verwirrte ihn nur noch mehr. Er kam an einen Brunnen, wo Herr Gregor seine Gießkannen befüllte. Eine weiße Katze starrte auf einen Goldfisch. Sie saß ganz still da, nur hin und wieder zuckte ihre Schwanzspitze, als ob sie lebendig wäre. Peter dachte es wäre wohl am besten wegzugehen ohne sie anzusprechen, von seinem Cousin Benjamin Bunny hatte er schon viel über Katzen gehört.
Er ging zurück in Richtung des Geräteschuppens, als er plötzlich – ganz nah – das Geräusch einer Hacke hörte – kr-r-itz, kratz, kratz, kritz. Peter huschte unter die Büsche. Als sich nichts rührte, kam er wieder hervor und kletterte auf eine Schubkarre linste hinüber. Das erste was er sah, war Herr Gregor wie er Zwiebeln umgrub. Er hatte Peter den Rücken zugewendet und hinter ihm war das Gartentor!
Peter stieg ganz leise von der Schubkarre und rannte so schnell er nur konnte einen geraden Weg hinter ein paar Schwarzen Johannisbeeren-Büschen entlang.
Herr Gregor entdeckte dennoch, aber das war Peter egal. Er huschte unter dem Gartentor hindurch und war endlich sicher im Wald außerhalb des Gartens.
Herr Gregor hing die kleine Jacke und die Schuhe als Vogelscheuche auf um die Schwarzdrosseln zu verjagen.
Peter hörte nicht auf zu rennen und blickte sich nicht um, bis er zu Hause bei dem großen Tannenbaum ankam.
Er war so erschöpft, dass er in den weichen Sand auf dem Boden des Hasenbaus purzelte und seine Augen schloss. Seine Mutter war gerade mit Kochen beschäftigt, sie fragte sich aber, was er mit seinen Klamotten gemacht hatte. Es war schon die zweite kleine Jacke und das zweite Paar Schuhe, das Peter in den letzten Tagen verloren hatte.
Leider ging es Peter am Abend nicht besonders gut.
Seine Mutter steckte ihn ins Bett und machte ihm etwas Kamillen-Tee.
„Ein Esslöffel vor dem Schlafengehen.“
Aber Flopsy, Mopsy und Woll-Schwanz bekamen Brot, Milch und Brombeeren zum Abendessen.
Zur Zeit der Schwerter und Perücken; als die Herren noch Mantelröcke mit geblümten Zipfeln und Rüschen und goldverzierte Westen trugen – da lebte ein Schneider in Gloucester.
Er saß in einem Schaufenster eines kleinen Geschäfts in der Westgate Straße, im Schneidersitz auf einem Tisch – von morgens bis abends.
Solang es draußen hell war, nähte und schnipste er, schnitt Stoffe und Schnüre und Dinge mit komischen Namen, die zu jener Zeit sehr teuer waren.
Aber obwohl er die feinste Seide für seine Nachbarn nähte, war er selbst sehr arm – ein kleiner alter Mann mit Brille, mit verkniffenem Gesicht, krummen Fingern und abgenutzten, zusammengeflickten Klamotten.
Er schnitt seine Mäntel sehr sorgfältig um nichts zu verschwenden, gemäß seiner bestickten Klamotten waren es nur kleine Schnipsel, die übrig blieben – „Die Schnipsel sind zu klein um sie für etwas zu gebrauchen – außer vielleicht für Müsewesten,” sagte der Schneider.
Eines kalten Tages in der Weihnachtszeit machte sich der Schneider an einem Mantel – einen Mantel mit kirschfarbener Seide, bestickt mit Stiefmütterchen und Rosen und einer cremefarbenen Seidenweste – edel verarbeitet für den Bürgermeister von Gloucester.
Der Schneider arbeitete und arbeitete und sprach dabei zu sich selbst. Er maß die Seide, drehte sie hin und her und trimmte sie mit seiner Schere in die richtige Form bis der Tisch mit kirschfarbenen Schnipseln übersäht war.
„Die ganzen Schnipsel, zu klein um damit etwas anzufangen. Gerade groß genug für Mäuse!” sagte der Schneider von Gloucester.
Als die Schneeflocken langsam anfingen sich vor die Fensterscheiben zu legen und das Licht daran hinderten hinein zu kommen, hatte der Schneider seine Arbeit für den Tag erledigt. All die Seiden- und Satinausschnitte lagen ausgebreitet auf dem Tisch.
Zwölf Stücke für den Mantel und vier Stücke für die Weste und auch die Manschetten und Knöpfe lagen ordentlich aufgereiht dort. Für das Mantelfutter gab es feinsten gelben Taft und für die Knopflöcher der Weste gab es kirschfarbenen Garn. Alles war bereit am nächsten Morgen zusammengenäht zu werden, alles fertig ausgemessen und nur darauf wartend vernäht zu werden.
Als es schon dunkel war, trat der Schneider aus seinem Geschäft, denn die Nacht verbrachte er dort nicht. Er schloss das Fenster und verschloss die Tür und nahm den Schlüssel mit sich. Niemand war in der Nacht im Geschäft außer ein paar kleiner brauner Mäuse – denn die kamen auch ohne Schlüssel rein und raus!
Hinter all den hölzernen Wandverkleidungen der alten Häuser in Gloucester lagen Treppenaufgänge und Geheimtüren der Mäuse. Und die Mäuse laufen durch diese kleinen Gänge von Haus zu Haus – durch die ganze Stadt – und das ohne auch nur einmal auf die Straße treten zu müssen.
Der Schneider kam aus seinem Geschäft und schlurfte durch den Schnee nach Hause. Er lebte gleich um die Ecke seines Geschäfts und obwohl es kein großes Haus war, konnte der Schneider nur die Küche mieten. Für mehr reichte sein Geld nicht aus.
Er lebte dort alleine mit seinem Kater Simpkin.
Während der Schneider bei der Arbeit war, hatte Simpkin das ganze Haus für sich alleine. Auch er war ganz angetan von den Mäusen, wenn auch er anderes im Kopf hatte als ihnen Satin für Mäntel zu überlassen.
„Miau?“ sagte der Kater als der Schneider die Tür öffnete, „miau?”
Der Schneider antwortete: „Simpkin, wir werden schon zu Geld kommen aber nun bin ich erschöpft. Nimm diesen Groschen (unser letztes Geld) und besorge uns Brot, Milch und Wurst. Ach, und Simpkin, besorg´ mir bitte auch noch etwas kirschfarbene Seide. Aber verlier ja nichts, Simpkin, sonst bin ich verloren, den ICH HABE KEINEN GARN MEHR.“
Dann sagte Simpkin wieder „Miau?” und nahm den Groschen, bevor er in die Nacht hinaus ging.
Der Schneider war sehr müde und fing auch noch an krank zu werden. Er setzte sich an den Kamin und redete zu sich selbst über den bezaubernden Mantel.
„Ich werde schon zu Geld kommen – und sei es ein schräger Schnitt – der Bürgermeister von Gloucester wird am Morgen des Weihnachtstages heiraten und hat einen Mantel und eine bestickte Weste bestellt – gefüttert mit gelben Taft – aber es reicht nicht aus; gerade noch genügend Schnipsel für die Mäuse –”
Doch plötzlich wurde der Schneider von Geräuschen unterbrochen. Von der anderen Seite der Küche machte es —
Tip tap, tip tap, tip tap tip!
