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Ludwig van Beethoven zählt zu den herausragendsten Gestalten der Musikgeschichte. Geboren 1770 in Bonn, zeigte sich sein außergewöhnliches musikalisches Talent bereits in frühester Kindheit. Unter oft strenger Anleitung seines Vaters wurde er früh an Klavier und Violine herangeführt. Später prägten ihn entscheidend seine Studienjahre in Wien, wo er sich rasch als virtuoser Pianist und innovativer Komponist etablierte. Beethoven lebte in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche, geprägt von Aufklärung, Französischer Revolution und dem Übergang von der Klassik zur Romantik. Diese Spannungen spiegeln sich deutlich in seinem Werk wider. Trotz wachsender Anerkennung war sein Leben von großen persönlichen Herausforderungen überschattet, insbesondere von der fortschreitenden Taubheit, die ihn ab etwa seinem dreißigsten Lebensjahr zunehmend isolierte. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen: Gerade in Phasen größter körperlicher und seelischer Not entstanden Werke von überwältigender Ausdruckskraft. Beethoven verkörperte den Künstler als unabhängiges, selbstbestimmtes Individuum, das sich nicht länger höfischen Konventionen unterwarf, sondern seinem inneren künstlerischen Gesetz folgte. Die in diesem Band versammelten Briefe aus den Jahren 1783 bis 1897 eröffnen einen einzigartigen Zugang zu Beethovens innerer Welt. Sie verleihen seinem Leben und Schaffen Farbe, Tiefe und Authentizität, die weit über biografische Fakten hinausgehen. In seinen Briefen begegnet man keinem unnahbaren Genie, sondern einem Menschen voller Widersprüche: leidenschaftlich und verletzlich, stolz und zugleich von Selbstzweifeln geplagt. Sie dokumentieren seine Kämpfe mit Krankheit, Einsamkeit und finanziellen Sorgen ebenso wie seine kompromisslose Hingabe an die Kunst. Gleichzeitig offenbaren sie seinen scharfen Verstand, seinen Humor und seine oft schonungslose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen. Die Korrespondenz macht deutlich, wie eng Beethovens persönliche Erfahrungen mit seiner Musik verknüpft sind. Seine Briefe sind daher nicht nur historische Dokumente, sondern lebendige Zeugnisse eines schöpferischen Geistes, der in Worten ebenso kraftvoll und wahrhaftig war wie in Tönen. Sie lassen den Leser Beethoven als Menschen und Genie zugleich begreifen.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Indem ich die vorliegende erste Gesammtausgabe der "Briefe Beethovens" mit einigen einleitenden Worten begleite, brauche ich wohl zunächst nicht zu läugnen, daß die Beschaffung der Sammlung nicht geringe Opfer gekostet hat. Doch darf ich auch nicht verschweigen, daß ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk, huldvoll gereicht um meine musikwissenschaftlichen Bestrebungen zu unterstützen, mir dazu verholfen hat vorerst noch eine der erforderlichen Forschungsreisen zu machen und dann in der Ruhe eines Landaufenthaltes in milderer Luft, der mir zur Wiederherstellung einer durch Ueberanstrengung angegriffenen Gesundheit schon längst anbefohlen war, die letzte Hand an die Redaction der Briefe zu legen und die Revision des Druckes zu besorgen. Daß zumal letztere das sei hier sogleich bemerkt vielleicht an manchen Stellen nicht so ausgefallen ist, um den strengsten Anforderungen zu genügen, mag man der Entfernung von allen Hülfsmitteln einer solchen Arbeit beimessen. Doch hoffe ich, daß im Wesentlichen nichts fehlt und in Nebensachen nur so viel als sich der Fachmann leicht selbst zu ergänzen vermag. *
Daß es mir aber trotzdem nicht gelungen ist bei jedem einzelnen Briefe das Original selbst einzusehen, ja nur den Ort seiner Existenz aufzufinden, wird man bei der erstaunlichen Weise, wie die Briefe Beethovens in der ganzen Welt zerstreut sind, den geringen Kräften des einzelnen Forschers wohl zu gute halten. Doch ist sogleich zu erkennen, daß mir nicht bloß der bisher unzugängliche Beethoven-Nachlaß Anton Schindlers sondern auch sonst durch günstigen Zufall und liebenswürdige Bereitwilligkeit von Autographensammlern eine Menge meist versteckter Privatquellen ge flossen ist. Gleichwohl weiß ich besser als mancher Andere denn ich bin in der Lage dazu — daß in der vorliegenden Sammlung von einer auch nur annähernden Vollständigkeit dieser Briefe nicht Rede sein kann. Der schreibselige Meister, der sich drolliger Weise so oft selbst der Faulheit im Correspondiren anklagt, mag leicht die doppelte Anzahl der hier gegebenen Briefe vom Stapel gelassen haben, und ohne allen Zweifel existirt davon die bei weitem größere Anzahl noch heutzutage im Original. Mein es war doch zunächst einzig ein solch erster Versuch der Herausgabe das Mittel, um wenigstens das was in Deutschland sich befindet ans Licht zu ziehen, und es wollte mir die Menge der Briefe, die ich allmälig zusammengebracht und hier mit Abzug weniger unbedeutenden Billets biete, schon zahlreich und gehaltvoll genug erscheinen, um sowohl das Publikum zu interessiren als auch einen festen Kern zu bilden, an den sich das Nachgefundene leicht und sicher anschließt, während auf der andern Seite bei dem Umstande, daß viele der Beethoven'schen Briefe in fremden Ländern, besonders in den unnahbaren Raritätenkästen dieses oder jenes englischen Harpax schlummern, eine wesentliche Vervollständigung der Sammlung nur mit unverhältnißmäßigem Aufwande an Zeit und Kosten zu erreichen war.
In der Redaction des Textes der Briefe schien es mir zunächst nicht gerathen den Genuß des Lesers fortwährend dadurch zu stören, daß die Verstöße gegen die Orthographie beibehalten wurden. Doch ist genug von der Schreibart jener Tage stehen geblieben um den besonderen Reiz auch dieser Dinge nicht ganz vermissen zu lassen. In der Grammatik oder vielmehr der Syntax, so verzweifelt verdreht und ungenau die Ausdrucksweise Beethovens manchmal ist, habe ich mir jedoch nicht das Allergeringste zu ändern getraut. Wer könnte das bei solch einer Individualität wagen, die selbst in der erschreckendsten Unbeholfenheit des Styls noch die geistige Macht zeigt, die ihr eingeboren und mit der allerdings der Sprache wie den Menschen so oft Gewalt angethan wurde? Cyclopische Felsblöcke werden hier mit cyclopischer Macht geschleudert, und mögen sie unser Ohr hart genug treffen, der ist nicht zu beneiden, dem diese scheinbar willkürlich umherfliegenden Brocken eines gewaltigen geistigen Wesens nicht meteorartig leuchtend das Herztreffen und ihn völlig vergessen lassen, wie grausam allerdings oft mit der Sprache verfahren ist. Aber das ist ja das Eigenthümliche dieses eigensten Ausdrucksmittels des Geistes, daß es selbst bei dem unbeholfensten Gebrauche dennoch dessen Wesen völlig wiedergibt, wenn nur des Redenden Art von prophetischer Tiefe und von heroischer Kraft ist. Und wer, der nur etwas von seinem Schaffen kennt, wollte das einem Beethoven absprechen!
Diese antike Würde die den ganzen Mann erfüllt, diese hohe ethische Weltanschauung die den Urgrund seines Wesens bildet war es ferner auch was es mir nicht entfernt in den Sinn kommen ließ, irgend ein Wort zu streichen von den oftmals so abstoßend herben hart an das Unästhetische und sogar Widerliche anstreifenden Aeußerungen, die ihm der Zorn über die Gemeinheit der Welt eingibt. Mit Trauer, ja zumal in der letzten Abtheilung der Briefe mit einer Art von tragischer Empfindung wird man aus diesen unzweifelhaften Documenten erfahren, wie gering der sittliche Werth oder vielmehr wie groß die Unwürdigkeit der nächsten Umgebung des Meisters war und daß er genug zu thun hatte, sich nur seines edleren Theiles überhaupt zu wehren. Die Art freilich wie er dies anfängt, wie er zwischen ausfahrender Schroffheit und fast schwacher Nachgiebigkeit hin und her geworfen über die niedere Gesinnung und Handlungsweise jener Menschen Herr zu werden sucht ohne es doch jemals ganz zu werden, ist überdieß auch oft ein mehr komisches als verletzendes Schauspiel. Jedenfalls aber durfte, nach meiner Ansicht, selbst diese unschöne Seite der Briefe nicht im Geringsten abgeschwächt werden, wie es die falschen Begriffe von Anständigkeit und Moralität bisher gethan haben. Denn es ist keine sittliche Häßlichkeit was hier hervortritt. Ja mag der grimme Meister manchmal sogar in Ausdrücke verfallen, die unserm Schicklichkeitsgefühle völlig widersprechen und zuweilen rauh und roh genannt werden müssen, es ist in der That eine gerechte sittliche Entrüstung, die diesen Heroen zuweilen ergreift, und man läßt das eben ruhig stehen wie in der Natur, deren Größe uns auch über ihren nicht zu vermeidenden Erdenschmuk stets erhebt. Die Gemeinheit und innere Rohheit aber, die sich an diesen Unebenheiten des großen Mannes ein Recht holen möchte zu ihrer eigenen widrigen Art, sie mag sich hüten, sie könnte leicht den Hals brechen an dem sichern Fels wahrer Sittlichkeit, auf dem das Wesen Beethovens selbst mit seinen Mängeln und Fehlern begründet ist. Fürwahr oftmals drängt sich einem bei völligem Versenken in diese aller Absicht ferne stehenden unverfälschtesten Lebensäußerungen des großen Mannes so sehr die unbedingte Naturnothwendigkeit selbst dieser Eigenheiten und besondern Unarten auf, daß man unbedenklich in jenes Paradoxon einstimmt, mit dem ein Witzbold die seltsame Grundart unserer Natur kennzeichnen wollte: „Die Fehler des Menschen sind die Nacht, wo er sich ausruht von seinen Tugenden!"
Ja ich meine die hohe Sittlichkeit solcher Naturen kommt erst recht zum Bewußtsein, wenn man mit schmerzlichem Gefühle anerkennen muß, daß auch sie die Großen den Tribut der Menschlichkeit zahlen mußten und das ist der Unterschied von den kleinen und gemeinen Naturen ihn wirklich zahlten, ohne doch jemals ganz von dem Postament ihrer Würde und Tugend herabzufallen. Die Seele wird sich erheben, wer den Geist auch nur dieser losen Blätter faßt, die der glückliche Zufall uns aufbewahrt hat. Er wird, wenn ihn nicht besondere Neigung am Kleinen hält, sich bald aller unwillkürlichen Stockungen und Rückungen, welche die Lectüre der Briefe vielleicht anfangs macht, entrückt sehen und sich rasch in einen Zug, in einen Fluß, in ein seltsames Sausen und Brausen versetzt fühlen, aus dem ihm ein höheres Tönen wunderbar entzündend entgegenhallt. Denn es webt ein eigenes Leben in diesen Zetteln, es geht durch ihren scheinbar unzusammenhängenden Inhalt ein leiser Strom, der sie wie elektrisch verbindet, und mit einem festern Bande als irgend ein bloß stofflicher Zusammenhang es vermöchte. Ich selbst empfand dies fast überraschend in demselben Augenblicke, wo ich den ersten Versuch machte, die Hunderte von einzelnen Blättern, die meist nicht Adresse noch Jahreszahl tragen, nach Zeit und Inhalt zu ordnen, und war bald überzeugt, daß ein verbindender Text, wie ihn „Mozarts Briefe" haben und haben mußten, hier völlig überflüssig sei, ja daß auch der beste biographische Commentar nur als nüchternes Machwerk, als den elektrischen Strom des Ganzen unterbrechend und so die eigentliche Wirkung störend empfunden werden müsse.
Und nun, was ist denn dieser Geist, der für den Verstehenden auch diese zersprengten Stücke zu einem Ganzen und von welcher Macht verbindet? — Ich kann ihn nicht sagen. Aber das fühle ich heute, wie ich es in jenen jugendlichen Jahren bis zur erschütterndsten Tiefe fühlte als ich zum ersten Male eine Symphonie Beethovens hörte, daß hier ein Geist weht, der uns mit Urgewalt aus der dumpfen Schwüle des Sinnlichen emporrafft, der das tiefste Innere des Menschen berührt und ihn zum vollen Bewußtsein des höheren Theils, des Ewigen in ihm selbst bringt. Und deutlicher als damals wo nur dem jugendlichen Fühlen eine ihm neue Welt ausging, ist es dem Manne zum Bewußtsein gekommen, daß diese Welt nicht nur ihm eine neue war, daß sie überhaupt eine neue Welt des Empfindens ist und daß sie dem Geiste, und nicht bloß dem unbewußten, Seiten des eigenen Wesens erschlossen hat, die vor Beethoven in dieser Tiefe nicht gekannt waren. Mag man es nun nennen wie man will, wenn eines der Riesenwerke des erhabenen Meisters ertönt, mag man es stolzestes Selbstgefühl Freiheit Frühling Liebe Sturm und Kampf nennen, was die Seele so seltsam wonnevoll ergreift und die Brust bis zum Zerspringen tief aufathmend ausdehnt, — mag auch einer musikverständig sein oder nicht, jeder der ein schlagendes Herz im Busen trägt, wird mit Entzücken fühlen, daß hier das Beste von dem gehalten ist was unsern schönen Träumen von Glück und Freiheit die idealsten unserer Dichter versprachen, ja daß selbst was der einzig ebenbürtige Held der That, der in jenen ewig denkwürdigen Tagen neben dem großen Meister der Töne steht, an unschätzbaren irdischen Dingen Neues unter den Menschen verbreitet hat, gering ist gegen die himmlischen Güter eines gereinigten und vertieften Empfindens und einer freien weiten hehren Weltanschauung, die sich auch aus dem bloßen Spiel einer wortlosen Kunst allmälig allverständlich emporringt und dem Geiste der Zeit ihren Stempel ausdrückt. Und eben diesen schönsten Sieg ächte deutschen Geistes auch zum Bewußtsein derer zu bringen, denen die holde Kunst der Töne ein Buch mit sieben Siegeln ist, und auch denjenigen ein tieferes Verständniß von Beethovens Wesen zu erschließen, denen schon die genußvoll eingesogenen Töne eine Ahnung von der Geistesgröße des Meisters gaben und die nun mehr und mehr den sinnvoll in einander geschlungenen deutlich redenden Tonreihen ein begierig lauschendes Ohr leihen, um bald zum vollen seligen Verständniß dieser großen Thaten des Geistes zu gelangen, — und endlich denen, die Beethoven schon kennen und lieben, noch eine schöne Freude zu ihrem sonstigen Genießen hinzuzugeben, das möge man als den Zweck der Herausgabe dieser Briefe betrachten und mir selbst als besten Lohn meiner Arbeit das bescheidene Bewußtsein lassen, dadurch vielleicht in Manchem wieder lebhaft die Erinnerung von der großen Aufgabe zu wecken, die unsere Zeit für die Fortentwicklung des gesammten Geschlechts auch in der bloßen Kunst der Töne zumal in unserm Vaterlande zu lösen hat.
La Tour de Peilz am Genfer See, im März 1865.
Ludwig Nohl.
* Das so eben erschienene sehr verdienstvolle „Chronologische Verzeichniß der Werke Ludwig van Beethovens" des bekannten amerikanischen Beethoven-Forschers A. W. Thayer (Berlin, F. Schneider), das erst nach Vollendung des ganzen Druckes der Briefe Beethovens in meine Hände gelangt ist, enthält für dieselben nur wenig neue Daten von Belang. Doch sei hier sogleich der Irrthum berichtigt, daß Nr. 111 der Briefe nicht in das Frühjahr 1814 fällt, auch nicht, wie ich Grund genug zu vermuthen hatte, an den Grafen Lichnowsky gerichtet ist, sondern wie aus einem mir allerdings unbekannten Beethoven — Autograph des Herrn Thayer hervorgehen soll, an Herrn von Zmeskall geschrieben ist und zwar im Herbst 1802. Das übrigens sehr vortreffliche „chronologische Verzeichniß" selbst freilich wird aus der vorliegenden Arbeit manche Ergänzung und Berichtigung erfahren können.
Erhabenster!
Seit meinem vierten Jahre begann die Musik die erste meiner jugendlichen Beschäftigungen zu werden. So frühe mit der holden Muse bekannt, die meine Seele zu reinen Harmonien stimmte, gewann ich sie, und wie mir's oft wohl däuchte, sie mich wieder lieb. Ich habe nun schon mein eilftes Jahr erreicht; und seitdem flüsterte mir oft meine Muse in den Stunden der Weihe zu: „versuch's und schreib einmal Deiner Seele Harmonien nieder!" Eilf Jahre und wie würde mir da die Autormiene dacht ich lassen? und was würden dazu die Männer in der Kunst wohl sagen? Fast ward ich schüchtern. Doch meine Muse wollt's – ich gehorchte und schrieb.
Und darf ich's nun Erlauchtester! wohl wagen, die Erstlinge meiner jugendlichen Arbeiten zu Deines Thrones Stufe zu legen? und darf ich hoffen, daß Du ihnen Deines ermunternden Beifalles milden Vaterblick wohl schenken werdest? — D, ja! fanden doch von jeher Wissenschaften und Künste in Dir ihren weisen Schüzzer, grosmüthigen Beförderer, und aufspriesendes Talent unter Deiner holden Vaterpflege Gedeihn. — Voll dieser ermunternden Zuversicht wag' ich es mit diesen jugendlichen Versuchen mich Dir zu nahen. Nimm sie als ein reines Opfer kindlicher Ehrfurcht auf und sich mit Huld Erhabenster!
auf sie herab und ihren jungen Verfasser
Ludwig van Beethoven.
* Diese Dedication zu dem Werke: „Drei Sonaten fürs Klavier, dem Hochwürdigsten Erzbischofe und Kurfürsten zu Köln Maximilian Friedrich meinem gnädigsten Herrn gewidmet und verfertigt von Ludwig van Beethoven alt eilf Jahr" — ist zwar schwerlich von dem Knaben selbst verfaßt, mag aber als erheiternder Gegensatz gegen seine eigene spätere Aeußerungsweise gegen Hohe hier ebenfalls einen Platz finden. — Ein Originalexemplar des Werkes besitzt auch Herr Director Franz Hauser in München.
Bonn 1787.
Den 15ten Herbstmonat.
Hochedelgeborner
insonders werther Freund!
Was Sie von mir denken, kann ich leicht schließen; daß Sie gegründete Ursachen haben nicht vortheilhaft von mir zu denken, kann ich Ihnen nicht widersprechen; doch will ich mich nicht eher entschuldigen, bis ich die Ursachen angezeigt habe, wodurch ich hoffen darf, daß meine Entschuldigungen angenommen werden. Ich muß Ihnen bekennen: daß, seitdem ich von Augsburg hinweg bin,* meine Freude, und mit ihr meine Gesundheit begann aufzuhören; je näher ich meiner Vaterstadt kam, je mehr Briefe erhielt ich von meinem Vater geschwinder zu reisen als gewöhnlich, da meine Mutter nicht in günstigen Gesundheitsumständen wäre; ich eilte also so sehr ich vermochte, da ich doch selbst unpäßlich wurde: das Verlangen, meine kranke Mutter noch einmal sehen zu können, setzte alle Hindernisse bei mir hinweg und half mir die größten Beschwernisse überwinden. Ich traf meine Mutter noch an, aber in den elendesten Gesundheitsumständen; sie hatte die Schwindsucht, und starb endlich, ungefähr vor sieben Wochen, nach vielen überstandenen Schmerzen und Leiden [17. Juli]. Sie war mir eine so gute, liebenswürdige Mutter, meine beste Freundin; o! wer war glücklicher als ich, da ich noch den süßen Namen
Mutter aussprechen konnte, und er wurde gehört, und wem kann ich ihn jetzt sagen? Den stummen ihr ähnlichen Bildern, die mir meine Einbildungskraft zusammensetzt? So lange ich hier bin, habe ich noch wenige vergnügte Stunden genossen; die ganze Zeit hindurch bin ich mit der Engbrüstigkeit behaftet gewesen, und ich muß fürchten, daß gar eine Schwindsucht daraus entstehet; dazu kommt noch Melancholie, welche für mich ein fast ebenso großes Uebel als meine Krankheit selbst ist. Denken Sie sich jetzt in meine Lage, und ich hoffe Vergebung für mein langes Stillschweigen von Ihnen zu erhalten. Die außerordentliche Güte und Freundschaft, die Sie hatten, mir in Augsburg drei Carolin zu leihen, muß ich Sie bitten, noch einige Zeit Nachsicht mit mir zu haben; meine Reise hat mich viel gekostet, und ich habe hier keinen Ersatz, auch den geringsten zu hoffen; das Schicksal hier in Bonn ist mir nicht günstig. Sie werden verzeihen, daß ich Sie so lange mit meinem Geplauder aufgehalten; alles war nöthig zu meiner Entschuldigung.
Ich bitte Sie, mir Ihre verehrungswürdige Freundschaft weiter nicht zu versagen, da ich nichts so sehr wünsche, als mich Ihrer Freundschaft nur in etwas würdig zu machen.
Ich bin mit aller Hochachtung
Ihr gehorsamster Diener und Freund L. v. Beethoven, kurf. kölnischer Hoforganist.
* Auf der Rückreise von Wien, wohin ihn Max Franz zur weitern Ausbildung gesandt hatte. Das Original des Briefes ist mir unbekannt.
Hochwürdigst Durchlauchtester Kurfürst!
Gnädigster Herr!
Vor einigen Jahren geruhten Ew. Kurfürstliche Durchlaucht, meinen Vater den Hoftenoristen van Beethoven in Ruhe zu sehen, und mir von seinem Gehalte 100 Rtlr. durch ein gnädigstes Dekret in der Absicht zuzulegen, daß ich dafür meine beide jüngern Brüder kleiden, nähren und unterrichten lassen, auch unsere vom Vater rührende Schulden tilgen sollte.
Ich wollte dieses Dekret eben bei Höchstdero Landrhentmeisterei präsentiren, als mich mein Vater innigst bathe, es doch zu unterlassen, um nicht öffentlich dafür angesehen zu werden, als seye er unfähig seiner Familie selbst vorzustehen, er wollte mir (fügte er hinzu) quartaliter die 25 Rtlr. selbst zustellen, welches auch bisher immer richtig erfolgte.
Da ich aber nach seinem Ableben (so im Dezember v. J. erfolgte) Gebrauch von Höchstdero Gnade, durch Präsentirung obbenannten gnädigsten Dekrets machen wollte, wurde ich mit Schröcken gewahr, daß mein Vater selbes unterschlagen habe.
In schuldigster Ehrfurcht bitte ich deshalb Euer Kurfürstl. Durchlaucht um gnädigste Erneurung dieses Dekrets, und Höchstdero Landrhentmeisterei anzuzeigen mir letzthin verflossenes Quartal von dieser gnädigsten Zulage (so Anfangs Februar fällig war) zukommen zu lassen.
Euer Kurfürstliche Durchlaucht Unterthänigster, Treugehorsamster Lud. v. Beethoven, Hoforganist.
* Das Original befindet sich im Rheinischen Archiv in Düsseldorf. Das Kurfürstliche Rescript darauf erfolgte am 3. Mai 1793.
Wien, den 2. November 1793.
Verehrungswürdige Eleonore! Meine theuerste Freundinn!
Erst nachdem ich nun hier in der Hauptstadt bald ein ganzes Jahr verlebt habe, erhalten Sie von mir einen Brief, und doch waren Sie gewiß in einem immerwährendem lebhaften Andenken bei mir. Schon oft unterhielt ich mich mit Ihnen und Ihrer lieben Familie, nur öfters nicht mit der Ruhe, die ich dabei gewünscht hätte. Da war's, wo mir der fatale Zwist noch vorschwebte, wobei mir mein damaliges Betragen so verabscheuungswerth vorkam. Aber es war geschehen, und wieviel gäbe ich dafür, wäre ich im Stande, meine damalige, mich so sehr entehrende, sonst meinem Charakter zuwiderlaufende Art zu handeln ganz au meinem Leben tilgen zu können. Freilich waren mancherlei Umstände, die uns immer von einander entfernten, und wie ich vermuthe, war das Zuflüstern von den wechselweise gegen einander gehaltenen Reden hauptsächlich dasjenige, was alle Uebereinstimmung verhinderte. Jeder von uns glaubte hier, er spreche mit wahrer Ueberzeugung, und doch war es nur angefachter Zorn, und wir waren beide getäuscht. Ihr guter und edler Charakter, meine liebe Freundinn, bürgt mir zwar dafür, daß Sie mir längst vergeben haben. Aber man sagt, die aufrichtigste Reue sei diese, wo man sein Vergehen selbst gesteht; dieses habe ich gewollt. Und lassen Sie uns nun den Vorhang vor diese ganze Geschichte ziehen und nur noch die Lehre draus nehmen, daß, wenn Freunde in Streit gerathen, es immer besser sei, keinen Vermittler dazu zu brauchen, sondern daß der Freund sich an den Freund unmittelbar wende.
Sie erhalten hier eine Dedication von mir an Sie [die Variationen über Se vuol ballare] wobei ich nur wünschte, das Werk wäre größer und Ihrer würdiger. Man plagte mich hier um die Herausgabe dieses Werkchens, und ich benutzte diese Gelegenheit, um Ihnen, meine verehrungswürdige Eleonore, einen Beweis meiner Hochachtung und Freundschaft gegen Sie und eines immerwährenden Andenkens an Ihr Haus zu geben. Nehmen Sie diese Kleinigkeit hin, und denken Sie dabei, sie kömmt von einem Sie sehr verehrenden Freunde. D, wenn Sie Ihnen nur Vergnügen macht, so sind meine Wünsche ganz befriedigt. Es sei eine kleine Wieder Erweckung jener Zeit, wo ich so viele und so selige Stunden in Ihrem Hause zubrachte; vielleicht erhält es mich im Andenken bei Ihnen, bis ich einst wiederkomme, was nun freilich sobald nicht sein wird. O wie wollen wir uns dann, meine liebe Freundinn, freuen; Sie werden dann einen fröhlichern Menschen an Ihrem Freunde finden, dem die Zeit und sein besseres Schicksal die Furchen seines vorhergegangenen, widerwärtigen ausgeglichen hat.
Sollten Sie die B. Koch [später Gräfin Belderbusch] sehen, so bitte ich Sie, ihr zu sagen, daß es nicht schön sei von ihr, mir gar nicht einmal zu schreiben. Ich habe doch zwei Mal geschrieben; an Malchus [später Finanzminister des Königreich Westfalen] schrieb ich drei Mal und keine Antwort. Sagen Sie ihr, daß wenn sie nicht schreiben wollte, sie wenigstens Malchus dazu antreiben sollte. Zum Schlusse meines Briefes wage ich noch eine Bitte; sie ist, daß ich wieder gerne so glücklich sein mögte, eine von Hasen-Haaren gestrickte Weste von Ihrer Hand, meine liebe Freundinn, zu besitzen. Verzeihen Sie die unbescheidene Bitte Ihrem Freunde. Sie entsteht aus großer Vorliebe für Alles, was von Ihren Händen ist, und heimlich kann ich Ihnen wohl sagen, eine kleine Eitelkeit liegt dabei mit zum Grunde, nämlich: um sagen zu können, daß ich etwas von einem der besten, verehrungswürdigsten Mädchen in Bonn besitze. Ich habe zwar noch die erste, womit Sie so gütig waren, mich in Bonn zu beschenken, aber sie ist durch die Mode so unmodisch geworden, daß ich sie nur als etwas von Ihnen mir sehr Theures im Kleiderschrank aufbewahren kann. Vieles Vergnügen würden Sie mir machen, wenn Sie mich bald mit einem lieben Briefe erfreuten. Sollten Ihnen meine Briefe Vergnügen verursachen, so verspreche ich Ihnen gewiß, so viel mir möglich ist, hierin willig zu sein, so wie mir Alles willkommen ist, wobei ich Ihnen zeigen kann, wie sehr ich bin
Ihr Sie verehrender
wahrer Freund L. v. Beethoven.
P. S. Die Variationen werden etwas schwer zum Spielen sein, besonders die Triller im Coda. Das darf Sie aber nicht abschrecken. Es ist so veranstaltet, daß Sie nichts als den Triller zu machen brauchen, die übrigen Noten lassen Sie aus, weil sie in der Violinstimme auch vorkommen. Nie würde ich so etwas gesetzt haben; aber ich hatte schon öfter bemerkt, daß hier und da einer in Wien war, welcher meistens, wenn ich des Abends fantasirt hatte, des andern Tages viele von meinen Eigenheiten aufschrieb, und sich damit brüstete, [z. B. Abbe Gelinek]. Weil ich nun voraus sah, daß bald solche Sachen erscheinen würden, so nahm ich mir vor, ihnen zuvorzukommen. Eine andere Ursache war auch dabei, die hiesigen Klaviermeister in Verlegenheit zu sehen, nämlich: Manche davon sind meine Todfeinde, und so wollte ich mich auf diese Art an ihnen rächen, weil ich voraus wußte, daß man ihnen die Variationen hier und da vorlegen würde, wo die Herren sich dann übel dabei produciren würden.
Beethoven.
Aeußerst überraschend war mir die schöne Halsbinde von Ihrer Hand gearbeitet. Sie erweckte in mir Gefühle der Wehmuth, so angenehm mir auch die Sache selbst war. Erinnerung an vorige Zeiten war ihre Wirkung, auch Beschämung auf meiner Seite durch Ihr großmüthiges Betragen gegen mich. Wahrlich ich dachte nicht, daß Sie mich noch Ihres Andenkens würdig hielten. hätten Sie Zeuge meiner gestrigen Empfindungen bei diesem Vorfall sein können, so würden Sie es gewiß nicht übertrieben finden, was ich Ihnen vielleicht hier sage, daß mich Ihr Andenken weinend und sehr traurig machte. Ich bitte Sie, so wenig ich auch in Ihren Augen Glauben verdienen mag, glauben Sie mir, meine Freundinn (lassen Sie mich Sie noch immer so nennen), daß ich sehr gelitten habe und noch leide durch den Verlust Ihrer Freundschaft. Sie und Ihre theure Mutter werde ich nie vergessen. Sie waren so gütig gegen mich, daß mir Ihr Verlust nicht sobald erseht werden kann und wird, ich weiß, was ich verlor, und was Sie mir waren, aber — ich müßte in Scenen zurückkehren, sollte ich diese Lücke ausfüllen, die Ihnen unangenehm zu hören und mir, sie darzustellen sind.
Zu einer kleinen Wiedervergeltung für Ihr gütiges Andenken an mich, bin ich so frei, Ihnen hier diese Variationen und das Rondo mit einer Violin zu schicken. Ich habe sehr viel zu thun, sonst würde ich Ihnen die schon längst versprochene Sonate abgeschrieben haben. In meinem Manuskript ist sie fast nur Skizze, und es würde dem sonst so geschickten Paraquin [Contrabassist im kurfürstlichen Orchester] selbst schwer geworden sein, sie abzuschreiben. Sie können das Nondo abschreiben lassen und mir dann die Partitur zurückschicken. Es ist das Einzige, das ich Ihnen hier schicke, was von meinen Sachen ohngefähr für Sie brauchbar war, und da Sie jetzt ohnedies nach Kerpen [wo ein Onkel der Familie wohnte] reisen, dachte ich, es könnten diese Kleinigkeiten Ihnen vielleicht einiges Vergnügen machen.
Leben Sie wohl meine Freundinn. Es ist mir unmöglich, Sie anders zu nennen, so gleichgültig ich Ihnen auch sein mag, so glauben Sie doch, daß ich Sie und Ihre Mutter noch ebenso verehre, wie sonst. Bin ich im Stande, sonst etwas zu Ihrem Vergnügen beizutragen, so bitte ich Sie mich doch nicht vorbeizugehen; es ist noch das einzig übrigbleibende Mittel, Ihnen meine Dankbarkeit für die genossene Freundschaft zu bezeigen.
Reisen Sie glücklich und bringen Sie Ihre theure Mutter wieder völlig gesund zurück. Denken Sie zuweilen an Ihren
Sie noch immer verehrenden Freund Beethoven.
* Die Originalien dieser beiden Briefe sowie der an Dr. Wegeler besitzt dessen Sohn Hr. Medicinalrath Wegeler in Coblenz. Ich habe mich an die Veröffentlichung derselben in den Biographischen Notizen über Ludwig v. Beethoven von Wegeler und Ries, Coblenz 1838 und dem Nachtrag dazu, Coblenz 1845, halten müssen.
Lieber Schenk!*
Ich wußte nicht, daß ich schon heute fort würde reisen, nach Eisenstadt. Gern hätte ich noch mit Ihnen gesprochen. Unterdessen rechnen Sie auf meine Dankbarkeit für die mir erzeigten Gefälligkeiten. Ich werde mich bestreben, Ihnen Alles nach meinen Kräften gutzumachen. Ich hoffe Sie bald wiederzusehen und das Vergnügen Ihres Umgangs genießen zu können. Leben Sie wohl und vergessen Sie nicht ganz
Ihren
Beethoven.
* Schenk später berühmt geworden als Componist des Dorfbarbiers" war eine Weile Beethovens Lehrer in der Composition. Das Billet fällt wohl in den Juni 1794. Es wurde zuerst abgedruckt im „Freischütz“ Nr. 183, kurz nach 1836, wo Schenk gestorben war und nun sein Verhältniß zu B. erzählt wurde.
– – In was für einem abscheulichen Bilde hast Du mich mir selbst gezeigt! O ich erkenne es, ich verdiene Deine Freundschaft nicht, – – – es war keine absichtliche ausgedachte Bosheit von mir, die mich so gegen dich handeln ließ, es war mein unverzeihlicher Leichtsinn – – – –
Doch nichts mehr, ich selbst komme zu Dir und werfe mich in deine Arme und bitte um den verlornen Freund, und Du giebst Dich mir wieder, dem reuevollen, Dich liebenden, Dich nie vergessenden
Beethoven.
* Herr Medicinalrath Dr. Wegeler hat mir auf meine Bitte um Mittheilung des vollständigen Textes erwiedert: "daß die ausgelassenen Stellen in dem qu. Briefe theils Lobeserhebungen seines Vaters, theils überschwängliche Freundschaftsbezeugungen 2c. enthalten, die irgend einen Werth ihm nicht zu haben scheinen; aber abgesehen davon, seien für ihn die Gründe, welche seinen Vater bestimmt haben, den Brief nur im Auszuge mitzutheilen, maßgebend." Ich will mit dem Herrn Besitzer dieser Briefe nicht rechten, möchte aber doch bemerken, daß alle Lebensäußerungen und also auch die Briefe eines großen Mannes der gesammten Menschheit angehören und daß im Wesentlichen nur der gewissenhafte Biograph, der das Bild eines solchen Mannes getreu zu zeichnen sich bestrebt, darüber entscheiden kann, was von jenen Aeußerungen desselben der Oeffentlichkeit angehört, was nicht. Jedwede Rücksicht auf persönliche Verhältnisse will mir dabei als kleinlich erscheinen. Wegelers zweiter Aufenthalt in Wien fällt in die Jahre 1794-96.
Wien, Mai 1797.
Grüß dich Gott, Lieber!
Ich bin Dir einen Brief schuldig, den sollst Du nächstens haben, wie auch meine neuesten Musikalien. Mir gehts gut, und ich kann sagen: immer besser. Glaubst Du daß es Jemanden freuen wird, so grüße von meiner Seite. Lebe wohl und vergiß nicht
Deinen Ludwig van Beethoven.
Die Wahrheit ist vorhanden für den Weisen. Die Schönheit für ein fühlend Herz: Sie beide gehören für einander.
Lieber guter Breuning!
Nie werde ich die Zeit, die ich sowohl schon in Bonn, als wie auch hier mit Dir zubrachte, vergessen. Erhalte mir Deine Freundschaft, so wie du mich immer gleich finden wirst.
Wien 1797
am 1. Oktober.
Dein wahrer Freund L. v. Beethoven.
Mein wohlfeilster Baron! sagen Sie, daß der Guitarist noch heute zu mir komme, der Amenda soll statt einer Amende, [der er zuw]eilen für sein schlechtes Pausiren verdient, mir diesen [wohlber]ittenen Guittarist besorgen; wenns seyn kann, so soll der sogenannte [heute Abend] um 5 Uhr zu mir kommen, wo nicht, morgen [früh] 5 oder 6 Uhr, doch darf er mich nicht wecken, falls ich [noch schlafen] — sollte. — adieu mon ami à bon marché, vielleicht sehen wir uns im Schwanen.
* Nach dem Original auf der k. k. Hofbibliothek in Wien. Da Amenda, wie aus den nachfolgenden Briefen hervorgeht, bereits im Sommer 1800 wieder in der Heimath war, so ergiebt sich daraus das Datum des Billets, das ohne Zweifel an den Baron Zmeskall von Domanowecz, jenen k. k. Hofsecretär gerichtet ist, der ein guter Cellist und einer der ersten Freunde Beethovens in Wien war. Die eingeklammerten Stellen sind abgerissen. Der „Guitarist" war vielleicht der berühmte Giuliani der in Wien lebte..
Der Musikgraf ist seit heute infam kassirt. Der erste Geiger [Schuppanzigh] wird in's Elend nach Siberien transportirt.
Der Baron [vgl. Nr. 10 Anm.] hat einen ganzen Monath das Verboth nicht mehr zu fragen, nicht mehr voreilig zu seyn, sich mit nichts als mit seinem ipse miserum sich abzugeben. **
B.
** Nach dem Original, auf einem großen Bogen mit Bleistift — Hünenzügen, das im Besitze des Hrn. Artaria in Wien ist. Der Musikgraf ist wahrscheinlich Graf Moriz Lichnowsky, Bruder des Fürsten Carl Lichnowsky, in dessen Hause die Musikaufführungen waren, in denen Beethovens Werke zuerst producirt wurden; er verfuhr schon damals mit den Herren sehr didaktorisch, wenn seine Sachen schlecht vorgetragen wurden. Daher Haydn's Ausdruck „Großmogul"!
Wie kann Amenda zweifeln, daß ich seiner je vergessen könnte − weil ich ihm nicht schreibe oder geschrieben, − als wenn das Andenken der Menschen sich nur so gegen einander erhalten könnte!
Tausendmal kommt mir der beste der Menschen, den ich kennen lernte, im Sinn; ja gewiß unter den zwei Menschen, die meine ganze Liebe besaßen und wovon der eine noch lebt, bist Du der Dritte − nie kann das Andenken an Dich erlöschen − nächstens erhältst Du einen langen Brief über meine jetzigen Verhältnisse und Alles was Dich interessiren kann.
Leb wohl lieber guter edler Freund, erhalte mir immer Deine Liebe, Deine Freundschaft, so wie ich ewig bleibe
Dein treuer Beethoven.
Mein lieber, mein guter Amenda, mein herzlicher Freund, mit inniger Rührung, mit gemischtem Schmerz und Vergnügen habe ich Deinen Letzten Brief erhalten und gelesen. Womit soll ich Deine Treue, Deine Anhänglichkeit an mich vergleichen! das ist recht schön, daß Du mir immer so gut geblieben, ja ich weiß Dich auch mir von Allen bewährt und herauszuheben, Du bist kein Wiener Freund, nein Du bist einer von denen, wie sie mein vaterländischer Boden hervorzubringen pflegt; wie oft wünsche ich Dich bei mir, denn Dein Beethoven lebt sehr unglücklich; wisse, daß mir der edelste Theil, mein Gehör sehr abgenommen hat, schon damals als Du noch bei mir warst, fühlte ich davon Spuren, und ich verschwieg's, nun ist es immer ärger geworden; ob es wird wieder können geheilt werden, das steht noch zu erwarten, es soll von den Umständen meines Unterleibs herrühren; was nun den betrifft, so bin ich fast ganz hergestellt, ob nun auch das Gehör besser werden wird, das hoffe ich zwar, aber schwerlich, solche Krankheiten sind die unheilbarsten. Wie traurig ich nun leben muß, alles, was mir lieb und theuer ist, meiden, und dann unter so elenden, egoistischen Menschen wie .......etc. Ich kann sagen unter allen ist mir [Fürst Carl] Lichnowsky der erprobteste; er hat mir seit vorigem Jahr 600 fl. ausgeworfen: das und der gute Abgang meiner Werke setzt mich in den Stand ohne Nahrungssorgen zu leben; alles was ich jetzt schreibe, kann ich gleich fünfmal verkaufen und auch gut bezahlt haben. — Ich habe ziemlich viel die Zeit geschrieben; da ich höre daß Du bei.... Klaviere bestellt hast, so will ich Dir manches schicken in dem Verschlag so eines Instruments, wo es Dich nicht so viel kostet.
