Bergkristall - Folge 271 - Sissi Merz - E-Book

Bergkristall - Folge 271 E-Book

Sissi Merz

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Beschreibung

"Ich lass es net länger zu, dass du bei uns wie eine Magd lebst", flüstert der junge Talhuber-Stefan, als er seine Liebste in der einfallenden Dämmerung zärtlich an sich zieht. Vom ersten Moment an, als die hübsche Kathrin als Magd auf den Hof gekommen ist, ist ihr Stefans Herz zugeflogen - und es soll ihr für immer gehören! Denn für den Jungbauern steht fest, dass er Kathrin schon bald zu seiner Bäuerin machen will ...

Die beiden Verliebten, die bei ihrem leidenschaftlichen Kuss die Welt um sich herum vergessen, ahnen nicht, dass sie aus hasserfüllten Augen beobachtet werden. Am Fenster der Wohnstube steht Georg Talhuber, Stefans Vater, dem Kathrin ein Dorn im Auge ist.

"Na warte", brummt er außer sich vor Zorn, "dir werd ich's zeigen. Nie und nimmer werd ich es dulden, dass eine arme Magd Bäuerin auf dem Talhuber-Hof wird!"

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Was armen Mägden nicht erlaubt ist …

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag/Anne von Sarosdy

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-3770-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Was armen Mägden nicht erlaubt ist …

Ergreifender Roman um Liebe und Leid der schönen Kathrin

Von Sissi Merz

„Ich lass es net länger zu, dass du bei uns wie eine Magd lebst“, flüstert der junge Talhuber-Stefan, als er seine Liebste in der einfallenden Dämmerung zärtlich an sich zieht. Vom ersten Moment an, als die hübsche Kathrin als Magd auf den Hof gekommen ist, ist ihr Stefans Herz zugeflogen – und es soll ihr für immer gehören! Denn für den Jungbauern steht fest, dass er Kathrin schon bald zu seiner Bäuerin machen will …

Die beiden Verliebten, die bei ihrem leidenschaftlichen Kuss die Welt um sich herum vergessen, ahnen nicht, dass sie aus hasserfüllten Augen beobachtet werden. Am Fenster der Wohnstube steht Georg Talhuber, Stefans Vater, dem Kathrin ein Dorn im Auge ist.

„Na warte“, brummt er außer sich vor Zorn, „dir werd ich’s zeigen. Nie und nimmer werd ich es dulden, dass eine arme Magd Bäuerin auf dem Talhuber-Hof wird!“

„Mei, ist das heut wieder ein Wetter! Ein Guss nach dem anderen, typisch April!“

Marie Talhuber nickte lächelnd und quittierte dem Fahrer der Molkerei die abgenommene Milchmenge.

„Dann noch einen schönen Tag, Ernstl“, sagte sie. „Und lass dich net zu nass werden.“

„Talhuberin, du hast einen gefährlichen Humor“, knurrte der, während er wieder ins Fahrerhaus seines Lasters kletterte. „Pfüat di und bis morgen.“

Die Bäuerin des traditionsreichen Talbhuber-Hofes in Griesen, im schönen Werdenfelser Land, warf einen skeptischen Blick gen Himmel, wo sich von Westen bereits neue, tiefgraue Regenwolken näherten, und ging dann rasch über den Wirtschaftshof zum Haus.

Marie Talhuber, Anfang fünfzig, war noch immer eine schöne Frau mit dem glänzenden blonden Haar und den rehbraunen Augen. Sie hatte längst Silberhochzeit mit ihrem Mann Georg gefeiert und ihm drei gesunde Kinder geschenkt. Ganz einfach war das Leben mit dem Bauern nicht, denn er besaß ein aufbrausendes Temperament und eine sehr bestimmende Art. Marie war sanftmütig und geduldig mit dem Zornnagel, der sich stundenlang über eine unwichtige Kleinigkeit aufregen konnte. Im Laufe der Jahre hatte sie Georg das Toben ein wenig abgewöhnt, nach wie vor war der Bauer aber der unumschränkte Herrscher auf dem Erbhof.

Ungeachtet der Tatsache, dass seine Kinder längst erwachsen waren, bestimmte das stämmige Mannsbild alles auf seinem Hof. Und wenn Marie leise andeutete, dass Florian, ihr Ältester, und sein Bruder Stefan langsam auch ein wenig Verantwortung übernehmen sollten, meinte er nur lapidar: „Wenn ich im Austrag bin, dann können die Burschen mit dem Hof anstellen, was sie wollen. Aber bis dahin bestimme ich, wo’s langgeht. So hat es mein Vater schon gehalten und mein Großvater ebenfalls.“

So mussten die Talhuber-Söhne sich manches gefallen lassen, was ihnen gegen den Strich ging. Für Stefan, der nach der Mutter kam, war das kein großes Problem. Florian dagegen hatte das Temperament des Vaters geerbt und oft Mühe, sich zusammenzunehmen. Denn aufs Streiten verstand Georg Talhuber sich, da kam keiner gegen ihn an. Alle auf dem Erbhof wussten, dass es keinen Sinn hatte, sich offen gegen den Bauern zu stellen.

Anna, die einzige Tochter der Bauersleute, kam leidlich mit ihrem Vater aus. Sie hatte sich vor einer Weile mit dem Revierförster Markus Wasner verlobt, was der Bauer gern sah. Auch die Wahl seines Sohnes Florian akzeptierte er, obwohl Marion kein einfacher Mensch war. Das Ehepaar, das seit gut einem Jahr verheiratet war, lag sich die meiste Zeit in den Haaren.

Mutter Marie wusste, dass das nicht allein an Florian lag, vielleicht sogar überhaupt nicht an ihm. Denn entgegen seiner sonstigen Art war der Jungbauer seiner Frau gegenüber geduldig und nett, ja beinahe zu nachgiebig. Er tolerierte jede ihrer Marotten, und das waren nicht wenige.

Als die Bäuerin nun die Küche betrat, wo zwei Mägde damit beschäftigt waren, das Frühstück zu richten, verfinsterte sich ihre Miene. Marion saß auf der Eckbank, hatte die Füße hochgelegt und blätterte in einer Zeitschrift. Seit die Jungbäuerin vom Talhuber-Hof in der Hoffnung stand, überließ sie lieber anderen die Arbeit. Ihr Sohn schien dafür Verständnis zu haben, Marie weniger.

„Magst dich net ein bisserl nützlich machen?“, fragte sie ihre Schwiegertochter nicht unfreundlich, denn sie wusste, dass sie ansonsten nichts bei Marion erreichen konnte. „Das viele Sitzen ist auch net unbedingt das Beste in deinem Zustand.“

„Der Doktor sagt, ich muss mich schonen“, erwiderte die hübsche dunkelhaarige Frau mit den grünen Katzenaugen unwillig. „Und daran halte ich mich auch. Oder soll ich vielleicht was riskieren, wenn der ganze Hof voller Mägde ist?“

Anna, die Hoftochter, erschien nun, sie hatte Milch im Stall geholt und warf ihrer Mutter einen vielsagenden Blick zu.

Marie seufzte leise. „Sag mal, Marion, habt’s wieder gestritten, der Florian und du? Gestern auf d’ Nacht war so ein Lärm in eurer Kammer.“

„Ich wüsste net, was dich das angeht“, kam es hochmütig von Marion. „Was zwischen dem Florian und mir los ist, das ist ja wohl unsere Angelegenheit, net wahr?“

„Nicht ganz, wenn ich seh, dass du meinen Sohn unglücklich machst“, hielt die Bäuerin ihrer Schwiegertochter entgegen.

Anna zuckte leicht zusammen, Marion aber blieb der Mund offenstehen, denn so direkt hatte Marie ihr bislang nicht die Meinung gesagt. In diesem Moment betrat Georg mit seinen beiden Söhnen die Küche, und gleich darauf wurde gefrühstückt.

Der Bauer duldete bei den Mahlzeiten keine Unterhaltung. Und als Marion Florian ständig etwas zuflüsterte, sah er von seinem Teller auf.

„Was sind denn das für Tischsitten?“, murrte er. „Entweder sagst laut, was los ist, oder aber du schweigst. So ein Getuschel mag ich net leiden!“

„Ach, Vater, es ist nichts, ganz unwichtig“, behauptete Marion.

Doch der Bauer mochte das nicht glauben. „Worum geht’s? Raus mit der Sprache!“, forderte er streng.

„Die Marion beschwert sich, weil die Mama ihr Vorwürfe gemacht haben soll. Ich weiß von nix, war net dabei“, erklärte Florian.

„Ich hab ihr keine Vorwürfe gemacht, wollte nur wissen, ob ihr wieder einen Streit hattet, gestern auf d’ Nacht“, stellte Marie richtig. „Das wird man ja wohl noch fragen dürfen.“

„Es geht keinen was an, wenn wir uns streiten“, beharrte Marion.

„Die Mama meint es nur gut, musst keine Angst haben, dass sie dir was will“, meinte Florian versöhnlich. „Außerdem stimmt es doch.“

„Flori, du bist gemein! Wie kannst mir nur in den Rücken fallen?“, beklagte sie sich verdrießlich. „Wir waren uns doch einig, net alles immer vor der Familie auszutragen.“

„Hast Angst, der Flori tanzt nimmer nach deiner Pfeife, wenn er einen Rückhalt hat?“, fragte Anna süffisant.

„Frechheit! Da siehst, was passiert, wenn man seine Angelegenheiten vor allen ausbreitet.“ Marion erhob sich und eilte aus der Stube.

Florian verdrehte die Augen.

„Musst deine Frau ein bisserl besser erziehen“, spöttelte Georg. „Es ist kein Zustand, wennst allen ihren Launen nachgibst. Wohin soll denn das noch führen?“

„Er hat sie halt lieb, deshalb ist der Flori immer so nachsichtig und langmütig“, warf Stefan ein.

„Aber einen Streit gibt es trotzdem“, meinte Anna. „Das ist wirklich kein Zustand. Die Marion wird immer launiger.“

„Was weißt denn du von der Liebe?“, fragte der Bauer seinen Jüngsten. „Oder hast vielleicht in der Zwischenzeit endlich ein Madel gefunden, das deinen hohen Ansprüchen genügt?“

Florian lachte. „Eine, die dem Steffel gefällt, die muss erst noch geboren werden.“

„Ich hab überhaupt keine hohen Ansprüche, mir ist eben die Rechte noch net über den Weg gelaufen“, stellte der Jungbauer richtig. Der hochgewachsene Bursch mit den sanften rehbraunen Augen war eine Seele von Mensch. Es gestaltete sich überaus schwierig, mit ihm in Streit zu geraten. „Ist denn das so was Besonderes, dass sich ein jeder drüber wundert?“

„Freilich, weil es zeigt, dass du ein Stoffel bist“, hielt der Bauer seinem Sohn vor. „Ganz Griesen ist voller hübscher Madeln, aber mein Herr Sohn, der ist zu bequem, sich überhaupt mal umzuschauen. Mei, das ist schon ein Elend …“

„Red net so daher, Schorsch“, bat die Bäuerin ihren Mann. „Es ist doch Stefans Sache, wann er sich binden will. Bei der Anna und dem Flori hast dich auch net eingemischt.“

„Na und? Die haben sich ja auch rechtzeitig eine passende Partie gesucht und es net drauf angelegt, allein zu bleiben. Für so was hab ich kein Verständnis. Einer, der net mal in der Lage ist, sich eine gescheite Braut zu suchen, der ist in meinen Augen nix anderes als ein Depp!“

Marie wollte ihrem Mann heftig widersprechen.

„Und jetzt schweigt’s gefälligst!“, fügte Georg seinen Worten jedoch unwirsch hinzu. „Ich leid es net, wenn bei Tisch ständig Reden geschwungen werden.“

Die Bäuerin ärgerte sich wieder einmal über die Sturschädeligkeit ihrer besseren Hälfte.

„Der Vater meint es net bös“, versicherte sie Stefan nach dem Frühstück, „musst ihm net übel nehmen, was er da eben gesagt hat. Kennst doch seine grobe Art.“

„Ich weiß schon, Mama, und ich nehme es ihm net krumm. Jeder Mensch ist halt anders. Und dass der Vater wenig Verständnis für mich hat, ist auch nix Neues. Daran hab ich mich schon als Bub gewöhnen können.“

Marie schüttelte den Kopf.

„Recht ist es nicht“, sagte sie und drückte ihrem Sohn leicht den Arm. „Sollst wissen, dass ich zu dir steh.“

Die Mutter zuckte zusammen, als nebenan Florian zu brüllen anfing und Marion mithielt.

„Würde er sich mal darüber aufregen, wie deine Schwägerin sich aufführt!“, brummte Marie. „Seit sie in der Hoffnung steht, bringt sie den Flori ständig zur Weißglut. Ich weiß net, Stefan, ich hab da gar kein gutes Gefühl. Die beiden werden es noch so weit treiben, dass es kein Zurück gibt.“

***

Am frühen Abend, nachdem sie ihre Pflichten auf dem Erbhof erledigt hatte, machte sich Anna Talhuber auf den Weg zum Forsthaus von Griesen. Nach dem mehr als unbeständigen Tag hatte es nun aufgeklart, die Sonne ging in satten Rot- und Goldtönen unter. Das hübsche Madel schaute sich mit offenen Augen um. Obwohl Anna in Griesen geboren und aufgewachsen war, wusste sie noch immer die Schönheit der Bergwelt zu schätzen.

Weit im Norden grüßten Dreitor- und Alpspitze, in entgegengesetzter Richtung erkannte man die Silhouette von Garmisch. Östlich schimmerte das klare Wasser des Eibsees, und im Westen wiederum erhob sich der Wamberg. Folgte man dort der Landstraße, dann gelangte man nach Wallgau, dem Nachbarort von Griesen. Dunkel und stumm erhoben sich hier die Nadelwälder, immer wieder unterbrochen von lichtem Mischwald. Das Gras auf den Matten und Almen des Wambergs war saftig grün, und es würde nicht mehr lange dauern, bis das Vieh auf die Almweiden getrieben wurde.

Anna war am Forst angelangt, wo es schon recht finster war. Doch sie kannte sich aus und hätte auch mit geschlossenen Augen leicht wieder heimgefunden. Bald leuchtete ihr außerdem ein Licht, das aus einem Fenster des Forsthauses fiel.

Als hätte er ihr Kommen gespürt, trat Markus Wasner aus der Tür, kurz bevor Anna das Forsthaus erreichte. Ein freudiges Lächeln zeigte sich auf der markanten Miene des feschen Försters. Zur Begrüßung zog er seine Liebste in die Arme und schenkte ihr ein langes, inniges Busserl, was Anna sich nur zu gern gefallen ließ.

Recht widerwillig gab Markus sie frei und betrachtete ihr hübsches Gesicht.

„Darauf hab ich mich schon den ganzen Tag gefreut“, meinte er lächelnd. „Schön, dass du da bist, Liebes. Komm, gehen wir hinein!“

Sie fassten sich an den Händen und betraten gemeinsam das gemütlich eingerichtete Haus mitten im Wald. Zamperl, Markus’ treuer Hund, begrüßte den vertrauten Gast mit offener Freude.

Als sie dann in der guten Stube zusammensaßen, wandte sich Anna an ihren Schatz.

„Hast Ärger gehabt, Markus?“, fragte sie. „Du schaust so vergrätzt aus. Doch net wieder wegen des Wilderers?“

„Leider.“ Er seufzte leise. „Das ist eine böse Geschicht. Der Kerl ist mir net ganz geheuer. Letzte Nacht hat er wieder eine Ricke geschossen. Ganz ohne Sinn und Verstand. Ich mein fast, der Bazi tötet nur zum Vergnügen. Lässt die Tiere einfach achtlos liegen. So was gibt’s doch net.“

„Dann geht er net auf Profit aus, das ist seltsam“, sinnierte das Madel.

Markus schaute sie fragend an.

„Die Wilderei hat in unserer Gegend eine lange Tradition“, erklärte sie ihm. „Früher haben die Wilderer sich als Rebellen betrachtet, als Freischützen, die sich nix von der Obrigkeit verbieten ließen. Vielleicht ist der jetzige Wilderer auch so einer, der nur darauf besteht zu machen, was er will.“

„Aber die Freischützen haben das Wild verwertet. Denen ging es darum, ihren Hunger zu stillen“, hielt der Bursch entgegen. „Nein, Anna, der Kerl, der in diesem Revier sein Unwesen treibt, der hat ganz andere Motive.“

„Du wirst ihn schon stellen“, munterte sie ihn auf.

„Ich wünschte, ich wäre da auch so sicher. Aber dieser Wilderer, der ist mir allweil einen Schritt voraus. Manchmal hab ich fast das Gefühl, dass der Flügel haben muss. Sonst hätte ich ihn schon längst stellen müssen.“

„Und wennst die Angelegenheit auf sich beruhen lässt? Ich mein, wenn der Kerl merkt, dass keiner sich mehr um das schert, was er macht, dann wird’s ihm vielleicht fad.“

Markus lächelte schmal. „Das würde ich zu gern tun. Aber da wird der Bürgermeister net mitspielen. Der hat hier die größte Jagdpacht. Und es sind nur seine Böcke, die dran glauben müssen. Wenn ich mich tot stell, werde ich mir bald einen neuen Job suchen müssen. Das wäre net unbedingt von Vorteil, wenn man vorhat zu heiraten.“

Anna schmiegte sich an ihn.

„Hast auch wieder recht“, seufzte sie leise. „Trotzdem solltest dir keine zu großen Sorgen machen, find ich. Wilderer hat’s bei uns zu allen Zeiten gegeben. Sie sind aufgetaucht und wieder verschwunden. Das gehört in Griesen einfach dazu.“

„Mei, Anna, ich wünschte, ich könnte das auch so gelassen sehen“, murmelte der Bursch ein wenig bekümmert. „Aber ich fürchte, das wird mir net gelingen, dafür geht’s um zu viel.“

Als Anna später am Abend heimkam, traf sie Stefan noch in der Küche an. Der Jungbauer saß auf der Eckbank, trank ein Haferl Kaffee und las die Abendzeitung. Das Madel gesellte sich zu seinem Bruder.

„Wie geht’s dem Markus?“, fragte er. „Alles in Ordnung bei euch beiden?“

„Schon. Aber der Markus hat Sorgen. Sag mal, Stefan, was denkst du: Wer könnte nur dieser Wilderer sein?“

Der Bursch schaute seine Schwester nachdenklich an.

„Keine Ahnung“, antwortete er. „Als ich von der Geschicht gehört hab, da habe ich mir auch ein paar Gedanken gemacht. Aber ich kenne niemanden, dem ich das zutrauen tät. Was sagt denn der Markus? Hat er noch keine Anhaltspunkte, die ihm weiterhelfen könnten?“

„Leider gar nix. Dieser Wilderer, der verhält sich so komisch. Er knallt die Tiere nur ab, bricht sie aber nie auf. Und auf die Geweihe ist er auch net scharf. Der Markus hat schon vermutet, dass es einer ist, der dem Bürgermeister schaden will, indem er sein Revier leer schießt.“

„Dann kämen wohl viele in Frage“, stellte Stefan fest und verzog das Gesicht. „Der Bürgermeister ist ein rechter Wichtigtuer. Der ist in seinem Leben gewiss schon einigen auf die Zehen getreten.“