Berlin's Paradise - Pedro Schreier - E-Book

Berlin's Paradise E-Book

Pedro Schreier

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Beschreibung

Berlin's Paradise: Würden Sie alles riskieren für Macht und Reichtum? Auf der Polizeiwache enthüllt Marc Wójcik sein dramatisches Geständnis: Der junge Pole baute ein Imperium im Rotlichtmilieu Berlins auf. Mit 23 Jahren hatte er alles – Macht, Reichtum, Luxus. Doch der Preis war hoch. Sind Sie bereit, die düsteren Geheimnisse zu erfahren, die ihn zum Multimillionär machten?

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Seitenzahl: 103

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Pedro Schreier

Berlin’s Paradise

Freiheit ist ein Luxus

Revised 2024

Vorwort

Diese Geschichte basiert auf eine wahre Begebenheit, die sich der Mensch nennt.

Denn wo auch immer Menschen sind, existieren zwei Welten. Eine offensichtliche Welt, in der wir konform nach System leben und ihr Schatten, eine Welt, in der die Wäsche eines jeden Bürgers weiß gewaschen wird zum Preis anderer.

- P.T.S

Es war einmal im Rotlicht-Viertel

Geständnis

(Vorläufige Festnahme nach §§ 127, 127b StPO)

ANTRAG No. POL90ZFS Datum:01/05/20

Abschnitt 53

Berlin, Friedrichstraße

Kollege: Schulz

Name des Beschuldigten: Marc Wójcik

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Eigene Angaben:

Da ihr sowieso nur mediengesteuerte Marionetten seid, werde ich es erst gar nicht großartig versuchen, euch von meiner Unschuld zu überzeugen. Noch könnte ich es.

Warum ich diesen Wisch hier angefangen habe, weiß ich auch nicht. Der Beamte mit dem Senffleck auf der Krawatte und dem Florian-Silbereisen-Schnitt meinte irgendwas von einer detaillierten Darlegung meiner Fallschilderung samt Erwähnung nützlicher Namen und Adressen. Was er eigentlich sagen wollte und wofür ihm anscheinend die Eier fehlten, war das Wort »Geständnis«.

Hätte niemals gedacht, dass es mal so weit kommen würde. Eine polnische Waise aus Neukölln sitzt in der Zelle und muss sein zerfallenes Imperium erklären.

Wie soll man etwas erklären, dessen Urgründe man selbst nicht versteht? Ich weiß nicht, wie ich mit dreiundzwanzig als Zuhälter/Mafia-Boss enden konnte. Diese Position stand nicht auf meiner Wunschliste. Genauso wenig die Leichen und Revierkriege, die damit einhergingen.

Jetzt hocke ich auf dieser kackkalten Bank und höre, wie mit jedem weiteren Ticken der verdammten Uhr die Stunde näher rückt, in der ich vor dem geschmierten Richter sitze. Geständnis, ich nenne es Zeitschinderei. Während ich hier die schwedischen Gardinen anstarre, werden sämtliche meiner Immobilien und Vermögensgegenstände zerstört und aufgelöst. Dahin sind auch meine zweiundneunzig Millionen. Damit kauft sich das Kommissariat hoffentlich auch bald eine neue Klimaanlage, denn die hier ist so nützlich wie ein Platten in der Formel Eins.

Am Ende wusste ich, dass es so kommen würde. Hätte nur nicht gedacht, dass mich der Gedanke an sie so quälen würde.

Ich hoffe, sie hat es rausgeschafft. Ricardo wusste, was er zu tun hatte. Sie wird haben, was sie braucht. Der Rest liegt bei ihr. Sie weiß, wie man Beamte schmiert und welche Routen den gewissen Reiz der Privatsphäre besonders schätzen. Wenn auch nur ein Funken Gerechtigkeit in euch steckt, dann werdet ihr sie in Ruhe lassen und euch auf die wirklichen Monster konzentrieren, die da draußen ihr Unwesen treiben. Ausnahmsweise möchte ich einmal in meinem verkackten Leben etwas richtig machen. Und sei es nur ein Geständnis für das Auge des Gesetzes. Es wird hässlich werden, und ihr werdet euch mehr als nur einmal verarscht vorkommen, wofür ich mich im Voraus schon mal nicht entschuldigen will. Kleines Geschenk an den Kollegen, der Handschellen so fest anlegt à la Fifty Shades of Grey.

Für den Rest von euch hoffe ich, reicht es, um rechtzeitig das Richtige zu machen, denn ich tat es definitiv nicht. Also, wo sollen wir anfangen?

Alles hat seine Grenzen

Der Tag fing eigentlich an wie jeder andere. Gegen fünf Uhr morgens spielten die lauten Boxen meines Junkie-Nachbarn, der sich auf ein Rendezvous mit seiner Spritze einstimmte.

Um sechs fuhren die schwarzen Mercedes an, deren Materialaustausch-Meetups gelegentlich die Aufmerksamkeit von zwei bis drei Polizeiwagen auf sich zogen. Polizeisirenen, mein Lieblingswecker. Jedenfalls war ich um sieben Uhr wieder am Kottbusser Tor, damit Ahmed und Co. nicht auf dumme Gedanken in der Platzverteilung kamen.

Verhandlungen waren ein delikates Thema, wenn dein BATNA ein Stich in die rechte Magengrube darstellte. Ahmed und ich teilten uns die Schicht für den Platz. Meine begann um 7:15 und ging bis 19:00. Danach machte Ahmed seine Runde. Diesem Zigeuner gab man tatsächlich die Schichten zur Peak-Time.

Schon seltsam, wie gewöhnlich es wurde, sechzig Gramm Koks mit sich zu führen. Wir mussten relativ früh lernen, die Tüten zu schlucken und zum richtigen Zeitpunkt wieder ans Tageslicht zu bringen. Glauben Sie mir, Klopapier gewinnt an Wert, wenn die primäre Funktion das Stoppen der Blutung wird. Es wäre falsch zu behaupten, ich wurde ins Milieu geboren. Sagen wir, die Umstände haben meine Mentalität geprägt.

Warum neun Stunden im Büro für zwölf Euro die Stunde hocken, wenn ich auf der Straße Monatsgehälter am Tag machen konnte. Die Denke eines pubertären Möchtegern-Gangsters.

Es ist wahr, dass ich zu der Zeit am Tag locker zweitausendfünfhundert Euro Minimum machte, doch waren die Abschläge so grausam hoch, dass ich mir am Ende des Tages nur das Klopapier zum Blutabwaschen leisten konnte.

Mir wurden zwei Dinge relativ früh bewusst. Das Erste war, dass ich die Mittelsmänner umgehen musste, um ein Stück vom Kuchen zu bekommen, und zweitens, dass es ein Businessfeld gab, das bessere Margen abwarf. Prostitution. Die Mädels und Zuhälter, die es hier drauf hatten, sahnen ordentlich ab. Der Kuchen war so groß, dass ein Stück dich diabetesreif machte. Trotzdem wollte ich damit nichts zu tun haben.

Ich sah genug Männer meine Mutter schlecht behandeln und sie war keine Prostituierte. Gott habe sie selig. Wenn sie ihr gegenüber schon so respektlos waren, was mussten dann die Mädchen ertragen, die extra zum Vergnügen des Mannes bezahlt wurden? Prostitution war mir einfach zu wider.

Denken Sie jetzt aber nicht, dass ich ein Frauenrechtler oder Schlappschwanz bin. Nein, ich erniedrige Frauen sexuell so gern wie jeder andere Mann auch, aber nur so lange, wie sie es wirklich genießen oder tolerieren. Denn alles hat seine Grenzen. Eine Lektion, die ich an diesem Tag auf bittere Art und Weise erneut in Erinnerung rufen musste.

Es war gegen Mittag, und wie gewöhnlich gönnte ich mir meine Diät, die damals noch aus einem Döner in Combo mit einer Dose Jack Daniels bestand. Zum Abschluss gab es immer Zigaretten und ein paar Lutschbonbons, damit ich nicht wie die Reeperbahn roch. Ahmed war verdammt spät dran, sodass ich anfing, auch einige seiner Klienten bedienen zu müssen. Etwas, was ich nur sehr ungern tat, denn auch wir arbeiteten mit einem Codex, doch sagen Sie mal »Nein« zu einer Gruppe aus Serben in ihrem 5er Sport Coupé. Ich blickte auf meine gefälschte Patek und bekam das unwohle Gefühl, dass Ahmeds Verschwinden kompliziertere Hintergründe haben könnte.

Mein Telefon klingelte, Gott ich hasste diesen Klingelton, und ich nahm ab. Es war eine dieser Stimmen, die sich tief in dein Ohr bis in deinen Kopf einbrannten und dein Angstzentrum kitzelten. Veysel war, was man meinen Supervisor nennen konnte. Keiner der wichtigen Männer, aber mit genug Autorität ausgestattet, um Leute wie mich herumzuscheuchen. Er war blutrünstig und absolut empathielos.

Einmal musste ich mit ansehen, wie er einer Schwangeren den Kiefer brach und so lange und so hart in den Bauch trat, bis das Kind darin starb. Ich werde niemals ihren Blick vergessen. Zwei Wochen später erhängte sie sich neben dem Kinderbett. Ihr Name war Cherie. Keine Ahnung, warum ich das noch weiß. Ich kann Ihnen nicht mal jetzt beschreiben, wie mein Vater aussah, aber den Namen und den Blick dieser Frau vergesse ich nie. »Brainfuck« würde Furkan das nennen. Jedenfalls fing Veysel das Gespräch mit einem Wort an und legte sogleich wieder auf, »Schichtwechsel«. Selbst ein Grünschnabel wie ich wusste, dass dies nur eines bedeuten konnte.

Die nächsten Tage waren sehr hart. Ein Schichtwechsel im Büro bedeutet, deinen Arsch früher oder später aus dem Bett zu bekommen. Auf der Straße bedeutete es, manche Ecken früher oder später zu meiden, da es sonst zu Revierstreitigkeiten kam.

Mit meinem Bubi-Gesicht und dem Körper eines Normalos war ich stets eine wandelnde Zielscheibe für alle. Ein Umstand, den ich in meiner täglichen Planung miteinbeziehen musste. Auch sah ich Jungs, deren Gesichter ich noch nie zuvor gesehen hatte und trotzdem auch für Veysel arbeiteten. Einer von ihnen, Julian, kam auf mich zu und fragte, ob ich schon gehört hatte, was mit Ahmed passiert sei. Anscheinend fand man Teile seiner Leiche in einer Mülltonne im Treptower Park. Ich hatte so etwas schon befürchtet, da der Laden von Ahmeds Vater seit Tagen geschlossen war und seine Mutter nicht mehr auf die Straße ging. So erging es einem jeden von uns, der mit dem Merchandising spielte. Ahmed hatte diese Lektion vergessen. Alles hat seine Grenzen.

Ein Engel in der Hölle

Ich gebe zu, der Gedanke, wieder zur Schule zu gehen, reizte mich. Nicht wegen des Schulstoffs. Zur Tonne mit diesem 0815-Kram. Nein, mir ging es um etwas viel Wertvolleres - Freundschaft. Seit Diego Berlin verlassen hatte, als ich acht war, hatte ich keinen richtigen Freund mehr. Freundschaften auf der Straße sind wie ein Reifenwechsel im Boxenstopp, kurz und auf reine Effizienz getrimmt. Jeder nennt dich hier seinen Bruder, doch einmal in Schwierigkeiten, bist du schneller vergessen als das gestrige Frühstück. Ich hatte niemanden, mit dem ich Gedanken, Sorgen oder Wünsche teilen konnte. Hin und wieder plauderte man im Suff über tiefere Themen, doch einmal wieder nüchtern, waren diese Dinge passé.

Das Thema Freundin konnte man hier auch abhaken. Entweder kannte bereits jeder das Innenleben deines Mädchens oder war kurz davor. Frauen zu teilen, war und ist hier immer noch sehr beliebt. Nicht, dass ich damals 24/7 Single sein wollte, doch es schien keine zu geben, die einen schüchternen Möchtegern-Gangster an ihrer Seite haben wollte. Vor allem, wenn Leute wie Veysel mich finanziell in den Schatten stellten. Ich hatte gesehen, wie Jungs bei uns behandelt wurden, die eine Freundin hatten. Sie wurden damit aufgezogen, verdienten weniger und kassierten öfter Prügel. Anders sah es aus, wenn man eine Frau hatte. Dann galt man als vertrauensvoller und reifer. Nachteil: Deine Familie wurde in die Jobs einbezogen. Schwangere kutschierten Drogen in Kinderwagen und Windeln. Kinder wurden zu Laufburschen für Informationen und deine Ehe eine Maskerade für ein schmutziges Verbrecherleben.

Ich hatte meinen freien Tag und verbrachte diesen im Hauptbahnhof. Bescheuert, nicht wahr? Andere gingen bei gutem Wetter ins Café oder in den Park, aber mich zog es zum Hauptbahnhof. Ich genoss es einfach, auf der Bank zu sitzen, die Menschenmengen zu beobachten und mir vorzustellen, wohin sie reisten. Das war mein TV, denn einen Fernseher hatte ich nicht. Wurde mir geklaut. Wahrscheinlich der Nachbar. Rumänen, man muss sie einfach lieb haben.

Während ich da so saß, begann der zweite Grund für meine Bahnhof-Affinität ihre Schicht. Jennifer Kreuzer. Bildschön, tätowiert und hatte für eine Siebzehnjährige einen Körper, der meinem Hirn das Blut stahl. Klaro, sie wusste nicht, wer ich war. Für die meisten war ich das Ungeziefer der Schattenwelt und für mich war diese Frau ein Leuchtturm in meiner asozialen Welt. Sie arbeitete als Ditsch-Verkäuferin. Verschwendetes Potenzial.

Ich weiß nicht, wie oft ich mit dem Gedanken gespielt hatte, zum Stand zu gehen und mir etwas zu kaufen, doch ich war zu diesem Zeitpunkt noch zu schüchtern. Ab und zu erkannten mich ein paar der Jungs. Ein leichtes Kopfnicken und sie wussten, dass ich ihr Revier respektierte. Keine Schlägerei nötig. Wir kleinen Handlanger schlugen uns eh nur sehr selten, denn einmal zu viel Aufsehen am falschen Ort erregt, und dein Boss riss dir wortwörtlich den Kopf ab. Und glauben Sie mir, so ein Hals ist verdammt widerstandsfähig.

Während ich da so saß, gesellten sich ein paar von Veysels Jungs kurz zu mir, um Hilfe bei der finanziellen Planung zu erhalten. Ich weiß nicht wieso, aber ich kann gut mit Zahlen. Konnte ich schon immer. Ein Blick auf eine mathematische Sachlage und ich erkannte den Sinn dahinter. Einfach so. Trotzdem fand und finde ich Algebra scheiße. Danke an den Erfinder. Es fing mit einem oder zwei Ratschlägen an, aber schon sehr bald kamen viele von ihnen öfter auf mich zu. Dabei ging es um ganz nebensächliche Dinge wie zum Beispiel: »Wie viel Gramm Schnee muss ich zu welchem Kurs und zu welcher Zeit verkaufen, um trotz Abschläge und flexiblem Satz auf meine Targets zu kommen?«.

Klararbeiteten wir auch mit Mondscheinpreisen und räumlicher sowie zeitlicher Preisdifferenzierung. Ich hatte zwei Unterhändler auf den Schulhöfen großer Berliner Schulen, zwei auf der Warschauer Straße und mich selbst am Kotti. Alles natürlich unter Veysels Hand und Portemonnaie. Scheißkerl.