Bis aufs Blut - Eli Cranor - E-Book

Bis aufs Blut E-Book

Eli Cranor

0,0
18,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

»Ein Schmelztiegel voll schlechter Entscheidungen und schrecklicher Folgen.« The New York Times Book Review In einem Trailer Park irgendwo in den Ozarks wächst Billy Lowe mit einer drogenabhängigen Mutter und einem gewalttätigen Stiefvater auf. Seine Wut und seinen Schmerz trägt Billy auf das Football Feld, wo sie ihn zu einem sehr guten, aber unberechenbaren Spieler machen. Schon bald verliert Billy beim Training die Kontrolle. Als dann auch noch sein Stiefvater tot aufgefunden wird, nimmt eine unaufhaltsame Verkettung von Ereignissen ihren Anfang, die geprägt ist von Gewalt, Vorurteilen und Hoffnungslosigkeit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Eli Cranor

Bis aufs Blut

Thriller

Aus dem Englischen von Cornelius Hartz

Copyright für das Buch

Die Zitate in Kapitel 13 und Kapitel 21 stammen aus: Ernest Hemingway, Der alte Mann und das Meer. Aus dem Englischen von Werner Schmitz, © 2012, Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg, S. 15, 33 und 38.

Das Zitat in Kapitel 29 stammt aus: William Shakespeare, Shakespeares Werke. Aus dem Englischen von Max Josef Wolff, Bd. 15, 1927, Deutsches Verlagshaus Bong, Berlin, S. 176.

Das Zitat in Kapitel 26 stammt aus: Die Bibel, Lutherübersetzung. 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Deutsche Erstausgabe

© Atrium Verlag AG, Zürich, 2024

Alle Rechte vorbehalten

Die Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel Don’t Know Tough bei Soho Press, Inc., New York.

>© 2022 by Eli Cranor

Aus dem Englischen von Cornelius Hartz

Covergestaltung: Finken & Bumiller, mit Dirk Wagner

Covermotiv: © Unsplash/Pat Whelen © Shutterstock/Philip Lange

 

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

 

ISBN978-3-03792-229-3

 

www.atrium-verlag.com

www.facebook.com/atriumverlag

www.instagram.com/atriumverlag

Für Mal, die toughste Frau, die ich kenne

Wer weiß schon, was im Herzen eines Menschen vorgeht?

– Charles Portis, True Grit

1

Kann immer noch fühlen, wie es in meinem Nacken brennt. Als Coach mich heute Morgen abgeholt hat, hab ich gesagt, ich hab mir beim Training was aufgeschürft, stimmt aber nicht. War ’ne Zigarette, besser gesagt: So sieht das aus, wenn dir einer ’ne brennende Kippe im Nacken ausdrückt. Hab Ihn nur angeguckt, als Er das gemacht hat. Sollte nicht mitkriegen, wie das wehtut. Nee, nee. Hab mir ein Loch in die Wange gebissen, das Blut runtergeschluckt und Ihn einfach nur angeguckt. Hab den ganzen Tag Blut geschmeckt.

Im Unterricht bei Ms. Miller hab ich Blut geschmeckt. Bin in Mathe aufgewacht und hab Blut geschmeckt. Beim Lunch hab ich meine Milch getrunken und immer noch Blut geschmeckt. Aber jetzt ist achte Stunde, Football. Coach hat die Jungs schon links und rechts von der 50-Yard-Linie aufgestellt, ein Kreis dazwischen, Platz zum Losrennen und Tackeln, Platz für Schmerz.

Das find ich beim Training am besten.

Ich steh hier hinten und guck den anderen Jungs zu. Die Polster knallen aneinander, klingt wie Bleche, die im Sturm flattern.

»Wer will als Nächster?«, brüllt Bull. Bull ist nicht der Chefcoach. Bull trainiert die Defense. Der ist echt ein harter Knochen.

Ich steck mir die Zunge ins Loch in der Wange, fühl nach der Stelle im Nacken und geh in den Kreis. Coach gibt mir den Ball und grinst. Der weiß genau, wie stark ich bin. Bin ja auch in der Zwölften. Die haben mir diesen Zehntklässler als Linebacker vor die Nase gestellt. Der mit dem reichen Daddy, der immer alles zahlt.

Coach pfeift an.

Seh Ihn vor mir, wie Er grinst, als Er mir die brennende Kippe in den Nacken drückt, wie Er grinst, als Er den Kleinen draußen in den Zwinger steckt. Halte den Ball ganz fest, ducke mich und renn auf den Zehntklässler zu, den mach ich jetzt fertig.

Seh Blitze, als wir gegeneinanderknallen, es donnert auf dem Feld. Der Linebacker landet Hinterkopf voran auf dem Boden, die Arme ausgestreckt wie Jesus am Kreuz. Mach ’nen großen Schritt und renn über ihn rüber.

Die anderen Jungs jubeln.

Coach pfeift, und schon steht der Linebacker wieder auf, als wär nichts gewesen, als wär ich das nicht gewesen. Schüttelt den Kopf, lacht und steht einfach wieder auf. Hat der keinen Respekt?

Hat der keinen Respekt vor mir?

Noch mal das Ganze. Ramm ihn diesmal frontal mit dem Helm. Duck mich tiefer, Kopf auf Kopf. Es kracht – kein Donner, kein Blitz und kein verdammtes Blech. So klingt das, wenn mein Herz zerreißt, wenn die Gewalt rauskommt.

Coach pfeift, wie wenn gerade einer ertrinkt. Der Zehntklässler schreit, weil der keine Ahnung hat, was gerade passiert. Der Typ ist ein Poser. Hat keine Ahnung, was Schmerz ist. Hat keine Ahnung von nichts. Wette, seine Momma hat dem heute Morgen Milch und Kekse hingestellt. Ich will dem in die Wange beißen, aber da ist das Gesichtsgitter, der Mundschutz. Seh nur rot, dann schwarz – eine Kippe, ein Hundezwinger.

 

Nach dem Training sitz ich vorm Büro vom Schulleiter, und Coach ruft mich rein. Der Schulleiter ist ein Riesentyp, aber weich an Stellen, wo er früher hart war. Sieht aus wie ein Footballcoach, schwarzer Schnauzer und so. Coach nicht, der kommt aus Kalifornien, und so sieht er auch aus. Glattes Haar mit Scheitel. Und dünn. Viel zu dünn.

»Bill«, sagt Coach. »Was war das da draußen?«

Bill hieß mein Vater. Keiner nennt mich Bill, außer Coach und mein Bruder Ricky.

»Ist dir klar, in was für einer Scheiße du steckst?«, sagt der Schulleiter. Der flucht extra, damit ich mich wie zu Hause fühl. »Der Junge, den du ausgeknockt hast? Sein Vater will die ganze Schule verklagen.«

Ich spür, wie sich mein Kiefer anspannt, wenn das ginge, würd ich die Zähne so doll zusammenbeißen, dass ich mir ins Zahnfleisch beiß.

»Du hörst schon, dass wir mit dir reden, Junge?«, sagt der Schulleiter.

Ich heb eine Augenbraue, ganz langsam.

»Mein Gott noch mal«, sagt der Schulleiter. »Weißt du, was ich eigentlich tun müsste? Eigentlich müsste ich jetzt Sheriff Timmons anrufen. Wie findest du das? Dich festnehmen lassen wegen Körperverletzung.«

Ich nicke. Merke gleich, wenn einer Bullshit labert.

Dann sagt Coach: »Aber das wird er nicht tun.«

Der Schulleiter grunzt.

»Hör zu, Bill«, sagt Coach. »Ich werde dich beim Spiel morgen Abend auf die Bank setzen. Schulleiter Bradshaw hält das für das Beste. Okay?«

Ich hör, was Coach sagt, aber die Wörter wollen nicht in meinen Kopf. In meinen Ohren pfeift es. Die Stelle in meinem Nacken brennt.

»Dann rufen Sie lieber die Bullen«, sag ich.

Der Schulleiter lacht. Coach nicht.

»Wir haben uns bereits für die Play-offs qualifiziert«, sagt Coach. »Nächste Woche stehst du wieder auf dem Platz, und dann nehmen wir das eigentliche Ziel ins Visier – die State Championship.«

»Und die Senior Night?«, sag ich.

Coach atmet tief durch die Nase ein. Er hat keine Ahnung, was das für meine Momma bedeutet, wenn sie bei der Senior Night über das Feld laufen darf. Für mich auch. Wenn sie meinen Namen rufen und den von meiner Momma und alle in Denton die Kuhglocken läuten, aufstehen und jubeln. Kann sich meine Momma gar nicht vorstellen. Und jetzt wollen die mir und meiner Momma das wegnehmen?

Coach guckt den Schulleiter an, aber der guckt schon woanders hin, auf seinen Computer. »Bill«, sagt Coach, »ich finde das nur fair. Mehr kann ich nicht für dich tun.«

Ich nicke und warte darauf, dass der Schulleiter was sagt oder wenigstens vom Computer hochguckt, damit er merkt, was er mir gerade weggenommen hat, tut er aber nicht. Was auch immer da auf dem Bildschirm ist, ist wichtiger als Billy Lowe. Bevor er sich noch mal umdrehen kann, bin ich aus der Tür, renne los, mit Blut im Mund.

 

»Nee, oder?«, sagt Momma.

Der Kleine baumelt an ihrem Arm wie ein Affe. Winzige Finger, weiß an den Knöcheln, klammern sich an ihrem Hemd fest, als ob er weiß, wie es sich anfühlt, fallen gelassen zu werden. Und da wundert sich Coach, warum mich nie einer austrickst?

»Senior Night? Und Coach Powers setzt dich auf die Bank? Warum, Billy? Was hast du angestellt?«

»Nichts.«

»Lüg mich nicht an.«

»Ganz normales Training. Bin in einen reingeknallt, richtig heftig. Zweimal hintereinander.«

»Beim Footballtraining?«

»Klar.«

»Kann ja wohl nicht angehen«, sagt Momma.

Dann kommt Er rein. Stinkt nach Bierschweiß und Hintern.

Momma hat das Handy am Ohr.

»Wen ruft sie an?«, sagt Er zu mir.

Ich starr Ihn nur an. Sage nichts.

»Junge.«

»Den Coach.«

Er will nach dem Handy greifen. Momma wendet sich mit einem Ruck ab. Der Kleine hält sich fest.

»Ich ruf den Coach an«, sagt Momma. »Hat Billy aus dem Team geworfen.«

»Er hat mich nicht rausgeworfen. Nur …«

»Nee, komm«, sagt Er, packt Momma am Hemd, will ihr das Handy wegnehmen. »Lass die Scheiße.«

»Ja, hallo? Coach Powers?« Momma redet, aber das ist nicht ihre Stimme. Das ist die Stimme, die sie benutzt, wenn sie mit den Wasserwerken, der Highschool, den Lehrern und dem Coach redet. Klingt ganz vornehm und langsam. Klingt gar nicht nach ihr. »Hier spricht Billys Momma.«

Der Mann, der in unserem Trailer wohnt, aber nicht mein Vater ist, geht auf und ab. Hat eine Flasche NyQuil in der Hand. Der trinkt die meiste Zeit diesen Erkältungssaft und spart sich Seinen Whiskey auf. Nimmt einen Schluck und wischt sich den Mund mit dem Ärmel ab.

»Billy erzählt gerade, dass er nicht spielen darf? Senior Night?« Momma hört auf, den Kleinen zu schaukeln. Guckt mich an. »Austin Murphy hat eine Gehirnerschütterung? War fünf Minuten lang bewusstlos?«

Er lacht. »Scheiße, ja. Das ist mein Junge.«

»In Ordnung«, sagt Momma. »Ich verstehe, Coach.«

Sie hat das Handy noch am Ohr, als Er es ihr wegnimmt. »Billy ist die einzige Chance, die Sie haben. Hören Sie? Entweder Sie lassen ihn spielen, oder wir melden ihn drüben in Taggard an. Wie finden Sie das?« Er nimmt noch einen Schluck NyQuil. Merkt nicht mal, wie dumm Er ist. So spät in der Saison kann man nicht mehr die Schule wechseln. »Ja. Ganz genau, Coach. Wir sehen uns beim Spiel, und wenn Billy nicht spielt – spielt Billy bald gar nicht mehr.« Er drückt dreimal den Daumen auf das Display und wirft das Handy in Mommas Richtung. Sie versucht, auszuweichen. Der Kleine hält sich fest, eine Kante vom Handy trifft ihn in den Rücken, ein trauriges, hohles Geräusch.

Der Kleine sieht aus, als muss er gleich weinen, tut er aber nicht.

 

Hab den Mund gehalten, als ich am nächsten Morgen raus bin aus dem Trailer. Hab nichts zu Ihm gesagt, als ich los bin. Musste ich auch nicht. Die Flasche NyQuil war leer. In Shady Grove war auch alles leer.

Jetzt fängt das Spiel an, und Coach lässt mich trotzdem durch den Tunnel laufen und durch das Papier, das die Cheerleader den ganzen Tag lang angemalt haben. Hat sogar gesagt, dass ich bei der Senior Night in der Halbzeit aufs Spielfeld laufen darf. Hab ich Momma aber noch nicht erzählt. Garantiert würde Er auch aufs Spielfeld laufen wollen, als wäre Er mein Daddy, aber nur über meine Leiche. Ich bleibe hinten. Die Marching Band macht Trara, aber nicht für mich. Früher haben die extra laut gespielt und unser Kampflied gesungen, wenn Billy Lowe über die Goal Line gelaufen ist.

Der Zehntklässler-Linebacker ist auch da. Im Rollstuhl, mein Gott, einem verfickten Rollstuhl. Mit seinen Beinen ist doch gar nichts. Trägt außerdem eine Sonnenbrille. Ich stelle mich hinter den Rollstuhl, steh einfach nur da, während Lutherville uns den Arsch versohlt. Lutherville sind eigentlich richtig schlecht, aber ohne Billy Lowe kriegen die Pirates nichts gebacken. Stehe immer noch hinter dem Rollstuhl und rieche die Haare vom Linebacker – riechen wie Mädchenhaare –, da höre ich, wie Er von der Tribüne aus losbrüllt.

»Ohne Billy Lowe seid ihr Luschen nichts wert!«

Ich beiß mir in die Wange.

»Lasst meinen Billy spielen!«

Momma brüllt jetzt auch, und ich merke an ihrem Tonfall, dass sie hinüber ist. Gucke kurz zur Tribüne, sehe, dass ihr der Kleine am Arm baumelt, hat sein Billy-Lowe-Trikot an: Nummer fünfunddreißig.

»Verfickte Scheiße!«

»Ja. Ver-fick-te Schei-ße!«

Man kann sie gar nicht mehr auseinanderhalten.

Coach glaubt trotzdem, dass wir gewinnen. Steht an der 20-Yard-Linie und hofft auf einen Holding Call. Sieht nicht, wie der Schulleiter auf der Tribüne durch die Sitzreihen schleicht wie ein Linebacker beim Backside Blitz.

»Ey! Fassen Sie mich bloß nicht an.«

Das ist Momma. Sie sieht, wie der Schulleiter auf sie zukommt.

»Wehe«, sagt Er, als wäre Er jemand, der dazwischengeht. Ist Er nicht. Kann nichts als Mist reden und Flaschen leeren. »Wenn Sie sie anfassen, dann …«

»Na, hören Sie mal!«, schreit der Schulleiter Ihn an. »Finger weg, sonst ist der Sheriff schneller hier, als Sie gucken können. Haben Sie mich verstanden?«

Der Zehntklässler steht auf und schiebt sich die Sonnenbrille ins Shampoo-Haar. Glaubt wahrscheinlich, dass sie sich gleich prügeln, aber ich weiß genau, dass Er den Schwanz einziehen wird. Der Schulleiter lässt sich nicht rumschubsen wie der Kleine. Und Er weiß genau, dass der Schulleiter das machen würde, den Sheriff holen, und der Sheriff hat Taser und Knüppel. Das will Er nicht riskieren. Er ist nicht tough.

»Wir hauen ab, okay?«, sagt Er. »Sind schon weg.«

Lutherville muss den Ball punten. Coach dreht sich zum Spielfeldrand und schreit die Offense an, und dann guckt er endlich her. Ich steh immer noch mit dem Rücken zu ihnen, aber ich weiß, wie scheiße das aussieht, wie die sich aufführen, richtig peinlich. Mir wird ganz heiß im Nacken. Ich gucke Coach an, denke: Lass mich spielen, schick mich in die Umkleide, pack mich am Helm und verprügel mich, tu irgendwas, aber lass mich nicht hier an der Seitenlinie stehen!

»Komm schon, Billy!«

Das ist Momma.

»Ich nehme meinen Jungen von der Schule«, brüllt sie. »Ab sofort spielt Billy Lowe für Taggard!«

Ich dreh den Kopf. Der Schorf im Nacken bricht auf. Warmes Blut an meinem Rücken. Mein Mund eine offene Wunde. Bin kurz davor, den Zehntklässler anzuspucken, ihm meinen Wahnsinn ins Gesicht zu rotzen. Stattdessen gucke ich ihm zu, wie er meine Familie auf der Tribüne beobachtet. Schaue zu Momma und sehe, wie sich der Kleine an ihr festklammert. Dann wieder zu Coach, aber es ist das dritte Down und immer noch sechs Yards, und er muss einen Spielzug ansagen. Der Zehntklässler guckt immer noch zu, wie Momma nach mir ruft. Und guckt Ihn an. Jeder weiß, dass die besoffen sind, und das ist so peinlich, so scheißpeinlich.

Dann rettet mich der Zehntklässler. Er stößt einem aus seiner Stufe den Ellbogen in die Rippen, zeigt auf die Tribüne, über mich weg, als wär ich gar nicht da. Und dann lacht er und zeigt auf meine Momma, auf den Kleinen.

»Komm schon, mein Junge, scheiß auf das hier«, schreit Er, aber Er ist nicht mein Vater, und jetzt hab ich die Schnauze voll.

Diesmal ist da mehr Blut. Mein Blut. Sein Blut. Das Blut vom Kleinen. Das Blut, das uns verbindet. Ich spüre, wie Bull an meinem Trikot zerrt. Hab mal gesehen, wie ein Polizist versucht hat, einen Pitbull von einem Labrador zu trennen. Der musste ihm das Maul mit einem Gummiknüppel aufstemmen. Verpasse dem Jungen eine Kopfnuss. Drücke seine Arme auf den Boden, er kriegt eine Kopfnuss nach der anderen, bis Bull mich wegreißt.

Als er mich davonzerrt, seh ich Coach, wie er drüben neben dem Linebacker kniet. Sieht aus, als flüstert er ihm was ins Ohr. Wette, er sagt: »Billy hat es nicht so gemeint. Billy ist ein guter Junge und ein toller Runningback. Billy hat es halt schwer. Und seine Momma ist verrückt und fickt überall herum. Neulich hat man ihm eine Zigarette im Nacken ausgedrückt, und er hat nicht mal mit der Wimper gezuckt. Kurz vorher hatte der Freund seiner Momma seinen kleinen Bruder in einen Hundezwinger gesteckt, und Billy musste dem Kleinen mittags, abends und am nächsten Morgen Essensreste bringen. Billy hat es nicht böse gemeint. Ihm war es einfach peinlich, dass er da an der Seitenlinie stand, so nah bei den beiden, so nah, dass er diesen Druck gespürt hat. Kannst du dir das vorstellen? Kannst du dir das vorstellen, Linebacker?«

Nein. Das kannst du nicht.

2

Das mit Arkansas geschah ganz schnell, wie ein Tornado. Trent Powers und seine Familie brauchten für die eintausendsechshundert Meilen von Kalifornien nach Arkansas keine vierundzwanzig Stunden. Interstates, die in Highways übergingen, Highways, an denen gelegentlich so etwas wie eine Stadt auftauchte, tiefste Provinz, und schließlich endete ihre Reise an einer einzigen Ampel. Hinter der Ampel lag Denton. Als Trent dort ankam, war das Footballfeld – hundert Yards, weiße Farbe auf grünem Rasen – das Einzige, das ihm bekannt vorkam.

So hatte Trent es seinem einzigen Assistenzcoach, Butch Kennedy, erzählt, als der ihn gefragt hatte, wie die Fahrt gewesen war. Butch kann sich noch gut daran erinnern, wie verwundert der junge Coach an seinem ersten Arbeitstag aus der Wäsche geschaut hat, als könne Trent gar nicht fassen, wo er da gelandet war. Denton ist verdammt weit weg von Kalifornien.

Jetzt, gut zwei Monate später, stehen die beiden Coachs auf dem Spielfeld. Hitze steigt vom Gras auf, die letzten Ausläufer eines Indian Summer, der bis in den November hinein anhält. Butch ist seit fast dreißig Jahren Assistenzcoach bei den Denton Pirates, beinahe seine gesamte Karriere lang. Die Jungs nennen ihn alle Bull. Er ist klein und drahtig, hat von der Plackerei auf dem Spielfeld einen krummen Rücken, Alters- und Leberflecken zieren seine dünne, blasse Haut. Bull hilft Trent beim Markieren, bei der Wäsche, bei der Defense. Bei allem. Bull kennt sich mit Football aus. Bull kennt sich mit Denton aus.

Trent hatte zugeben müssen, dass er vor Arkansas noch nie einen richtigen Rasen markiert hatte, in Kalifornien gab es nur Kunstrasen. Es ist mühsame Arbeit, jede Linie erfordert Geduld, jede Linie ist entweder krumm oder gerade.

»Junge Footballcoachs haben es immer so eilig.« Das ist Bulls einziger Ratschlag.

»Okay«, sagt Trent und schiebt den Markierwagen über die 50-Yard-Linie.

»Nicht so fix, Hollywood.«

»Bitte nennen Sie mich nicht so.«

»Da brauchen wir wohl die grüne Farbe.«

Trent holt zu weit aus und macht einen Bogen, das Gerät ruckelt, wie wenn man mit dem Auto aus Versehen auf den Rüttelstreifen fährt. Bull schüttelt den Kopf. Ihm ist klar, was – oder besser gesagt wer – den jungen Coach so nervös macht.

Billy Lowes großer Bruder hält bis heute den Rekord für die meisten Touchdowns und Tackles der Schule, und auch Billy hat Pirates-Blut in den Adern. Er ist weiß und wirkt, als hätte man ihm die Beine abgesägt, Oberschenkel wie Baumstämme, robust und kompakt gebaut, dicke Trapezmuskeln, die von den Schultern bis zu den Ohrläppchen reichen. Kein Hals. Ein Pitbull.

Bull weiß, dass es in Kalifornien keine Kids wie Billy gibt. Bull bezweifelt, dass es überhaupt irgendwo anders auf der Welt Kids wie Billy gibt. Die Hügel von Arkansas produzieren Wahnsinn wie die Erde in ihrem Inneren Diamanten: Genügend Hitze und Druck, und alles wird hart.

Bull hat die grüne Farbe geholt und übersprüht bereits die krumme 50-Yard-Linie, als Trent am anderen Ende angekommen ist und sich zu ihm umdreht.

»Was machen Sie denn da?«, will Trent wissen.

»Krumme Linie.«

»Wir haben größere Sorgen als das Feld hier.«

»Wohl wahr.« Bull grunzt und schüttelt den Kopf. »Bis Blood Alley war alles in Ordnung.«

Das Blood-Alley-Training ist in den meisten Bundesstaaten verboten, auch in Arkansas. Aber in einem Ort wie Denton, einer Kleinstadt in den Ausläufern der Ozark Mountains, wo die Geflügelfarmen und Trailer alle anderen Anzeichen von Zivilisation zahlenmäßig weit übersteigen, sind Gesetze so flexibel wie ein Hühnerhals. Blood Alley ist Football in seiner primitivsten Form: ein Junge mit Ball, ein Junge ohne Ball, der Rest des Teams zu beiden Seiten aufgereiht, man entkommt nur mit blanker Gewalt. Das macht man früh in der Saison, im August, wenn die Spieler zum ersten Mal die Schützer anziehen. Aber Trent hatte darauf bestanden, an einem Donnerstag im November, dem letzten Training vor der Senior Night. Bull mag das Geräusch eines ordentlichen Tackles so gerne wie jeder andere auch, wenn nicht sogar noch mehr. Aber trotzdem war ihm schnell klar, dass dieses Training keine gute Idee war, nicht so kurz vor dem Punktspiel und nicht so spät in der Saison. Highschool-Jungs sind ganz schön hitzköpfig.

Das Training lief gut, bis Billy an der Reihe war. Bull konnte es in seinen Augen sehen. Er konnte es schon sehen, bevor der Knabe den Ball nahm und den Linebacker Austin Murphy aus der zehnten Klasse plattmachte.

»Ich kann diese Linie nicht noch einmal markieren«, sagt Trent. »Ich kann ja kaum geradeaus denken.«

»Wie wollen Sie das mit Billy angehen?«

»Ich habe für heute ein paar Meetings angesetzt.«

Bull nimmt Trent den Markierwagen ab und zieht die 50-Yard-Linie noch einmal, gerade und langsam, ein alter Mann, der sich mit seinem Gehstock vorwärtstastet. »Meetings?«

»Ja, Bull. Schulleiter Bradshaw möchte darüber reden, was gestern Abend geschehen ist. Ich habe ihm gesagt, er soll heute Nachmittag vorbeikommen. Billy und seine Mutter kommen, wenn wir fertig sind.«

»Am Donnerstag schlägt Billy Austin Murphy grün und blau, am Freitag noch einmal – während der Senior Night –, und Sie setzen ein paar Meetings an?«

»Damit wir darüber reden können.«

»Ich glaube nicht, dass man bei Billy mit Reden weiterkommt.«

»Was soll das heißen?«

»Das soll heißen: Freuen Sie sich nicht zu früh, Hollywood.« Bull holt ein Taschenmesser aus der Gesäßtasche seiner Jeans, klappt es auf und stochert sich mit der Klinge zwischen den Zähnen.

»Ernsthaft?«, fragt Trent.

»Ich finde, der Spitzname passt.«

»Das Messer, Bull. Darf man so etwas auf dem Schulgelände überhaupt haben?«

Der alte Mann mustert den jungen Coach und versucht, sich einen Reim auf ihn zu machen. Auch den anderen Leuten im Ort fällt es schwer, Trent Powers einzuschätzen. In Denton ist Football das Größte überhaupt: der ganze Stolz der Stadt, Homecoming-Paraden, freitags machen alle Läden zu, sogar der Walmart. Jetzt stehen die Pirates zum ersten Mal seit Jahren wieder in den Play-offs. Aber als Trent Powers mit seinem silbernen Toyota Prius in die Stadt fuhr, hätte keiner der Einwohner gedacht, dass hier der neue Coach ihrer Mannschaft anrückte. Ein Footballcoach hat – zumindest in Arkansas – einen Pick-up zu fahren, möglichst einen von Ford.

Bull trottet weiter und markiert das Feld, eine langsame Linie nach der anderen. Trent bleibt stehen, hält den Ball fest umklammert, aber Bull weiß, dass er Angst hat. Nach all den Jahren, die er schon Highschool-Jungs dabei zusieht, wie sie das Spielfeld betreten, kann der alte Mann Angst förmlich riechen. Vor knapp dreißig Jahren roch Bull selbst nach Angst, als er seine eine große Chance hatte, Chefcoach der Pirates zu werden. Er war jünger als Trent und schon genauso ehrgeizig. Aber ihm ging es nicht schnell genug, er wollte den Ruhm, ohne den Preis dafür zu zahlen: den Schmerz. Und dann, in der Sommerhitze von Arkansas, trieb er die Jungs zu weit.

»Haben Sie sich jemals Gedanken gemacht, warum wir das hier tun?«, fragt Bull im Gehen.

Trent wirft den Ball hoch. Fängt ihn auf. »Natürlich.«

»Kaputte Knie, zertrümmerte Schultern, ganz zu schweigen von all den Schlägen und Stößen gegen den Kopf – finden Sie das in Ordnung?«

»Das gehört halt zum Spiel.«

»Und genau da liegt das Problem«, sagt Bull. »Es ist nur ein Spiel.«

Trent bleibt stehen und starrt auf den Ball in seinen Händen. »Football ist ein Werkzeug, Bull. Wir sollten es nutzen, um unseren Jungs beizubringen, wie sie bessere Ehemänner und Väter werden – bessere Männer.« Er fährt mit den Fingern über die weiße Schnur am Ball. »Wir sollten das Spiel nutzen, um sie zu formen. Das gehört alles zu Gottes Plan.«

»Sie sind jetzt im Bible Belt, Hollywood«, sagt Bull und hebt die freie Hand, trotzdem bleibt seine Linie gerade. »Hier sind alle im selben Team. Gottes Team.«

»Im Team zu sein, ist das eine, aber wirklich an Gott zu glauben, ist etwas ganz anderes«, sagt Trent, der immer noch mit dem Ball in der Hand mitten auf dem Feld steht. »Damals, als ich noch ein Junge war – als ich verloren war –, da hat mich ein Coach auf den rechten Weg geführt. Und genau das habe ich mit Bill Lowe vor.«

Bull grunzt und geht weiter, er ist schon wieder halb über das Feld. Er schiebt den Wagen langsamer, bewegt sich kaum noch. Die Farbe zischt aus der Dose. Eine weiße Wolke steigt in der Morgensonne auf. Bull hofft, dass Trent zuschaut, hofft, dass der junge Coach wenigstens das Feld versteht, bevor er wieder elf Jungs daraufstellt und rennen lässt. Bull bleibt stehen, sein Kinn wandert zur Schulter. Als er sich umschaut, ist Trent verschwunden.

 

Bevor Trent die Tür zu seinem Büro öffnet, hält er inne, legt die Hand auf den Knauf und spricht ein kurzes Gebet und bittet um Weisheit. Trent betet mit offenen Augen, so wie man es ihm beigebracht hat: Betet ohne Unterlass. Erinnerungen aus Kalifornien kollidieren mit den Worten in seinem Kopf, Erinnerungen an eine Begegnung, die ihm beklemmend ähnlich erscheint wie das Meeting, das er gleich mit dem Schulleiter der Denton High hat. Trent flüstert »Amen« und dreht den Türknauf.

Als er die Tür öffnet, schlägt ihm eine dicke Wolke Stetson Original entgegen. Don Bradshaw sitzt einfach da. Er trägt Wrangler-Jeans, Cowboystiefel von Tony Lama und ein Hemd mit Perlmuttknöpfen. Die obersten drei Knöpfe sind geöffnet und geben den Blick auf dichtes, gelocktes schwarzes Haar frei. Er hat ein ähnlich raues Aussehen wie Bull, aber Bradshaw hat noch etwas anderes an sich, mehr Ausstrahlung, mehr Stil. Vielleicht ist es auch nur sein Schnauzer. Pechschwarz. Als hätte man ihm den aufgepinselt.

Jesus hängt an einem Kreuz über Trents Kopf, als er hinter seinem ergonomischen Schreibtisch aus Metall, der besser in ein Tech-Unternehmen im Silicon Valley passen würde, in dem riesigen Ledersessel Platz nimmt. Trent hat im Sommer neue Möbel gekauft; mit dem klapprigen Kram, den er übernehmen sollte, konnte er wenig anfangen. Die Luft ist erfüllt vom Cowboy-Parfüm, ein ledrig-blumiges Aroma, das in Trents Nase brennt.

Bradshaw kommt sofort zur Sache: »Wir müssen reden.«

»Was gibt’s?«

»Was gibt’s?«, sagt Bradshaw und fährt sich mit zwei Fingern über seinen Schnurrbart. »Was es gibt, ist ein Shitstorm, und Sie sitzen mittendrin.«

Trent lehnt sich in seinem Sessel zurück, der Tonfall des Schulleiters verunsichert ihn. Er erinnert ihn an seinen Schwiegervater Larry Dommers, der zugleich Trents Vorgesetzter in Kalifornien war.

»Sie kennen die Lowes nicht so gut wie ich«, sagt Bradshaw. »Sie sind vor etwa zehn Jahren aus dem Osten von Arkansas hergezogen, eine ganze Horde. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Billy komisch redet?«

»Mir ist aufgefallen, dass er einen anderen Dialekt hat als unsere anderen Spieler.«

Bradshaw rümpft die Nase. »Ja, er redet wie ein Schwarzer, Coach, und das liegt daran, dass die Lowes drüben aus dem Arkansas Delta kommen, in der Nähe von Memphis. Und das ist ein ganz schön dunkler Landstrich.«

»Mr. Bradshaw, ich weiß wirklich nicht, was das mit irgendetwas zu tun hat.«

»Da drüben gehen die Uhren anders. Ich weiß nicht genau, wie ich das ausdrücken soll, aber eines weiß ich – man muss wissen, wie man mit einem von den Lowes umgeht.«

»Umgeht? Ach, kommen Sie. Ich glaube, Gott …«

»Warten Sie ab, bis Sie Ricky Lowe kennenlernen«, sagt Bradshaw und öffnet eine Dose mit Kautabak, »und dann sagen Sie mir noch mal, was Sie von Gott halten.« Der Schulleiter leckt am Tabak, große Brocken kleben an seiner Zunge. »Ricky war der Erste. Er kam vor etwa zehn Jahren her und war der beste Quarterback, den ich je gesehen habe.«

Als der Schulleiter einen Quarterback erwähnt, setzt sich Trent auf und beugt sich vor.

»Ricky ist dumm wie Brot. Und wenn ich dumm sage, dann meine ich dumm. Sie meinen auch, dass ein Quarterback ein bisschen was im Kopf haben muss, oder? Ricky ist das Gegenbeispiel. Der war so verdammt gut. Schnell, stark. Konnte den Ball eine Viertelmeile weit werfen.« Bradshaw hält inne und bearbeitet den Tabak mit der Zunge. »In Rickys Abschlussjahr haben wir gegen Taggard gespielt. Rick brauchte nur drei Spielzüge, um zu punkten. Zweimal ist er selbst mit dem Ball gelaufen. Dann, beim dritten, hat er einen Pass geworfen. Der wurde abgefälscht, und ob Sie’s glauben oder nicht: Er ist hinter dem Ball hergerannt, hat ihn aufgefangen und hat einen Touchdown gemacht. Ricky Lowe hat Ricky Lowe einen Touchdown-Pass zugeworfen. Ohne Witz.«

Trent leckt sich über die Lippen. Schluckt.

»Taggard hat sofort gepunktet. Wir haben den Ball zurückbekommen, und beim ersten Spielzug durfte Ricky wieder ran. Nach dem Motto: Was einmal klappt, das klappt auch ein zweites Mal. Aber diesmal wussten die von Taggard, was kommt, also haben sie sich direkt auf ihn geworfen und ihn an der Linie gestoppt.«

Bradshaw pflückt sich Tabakkrümel von der Zunge und sieht sich im Büro nach etwas um, wo er hineinspucken kann.

»Und?«, sagt Trent.

»Big Rick hat sich den Helm vom Kopf gerissen, hat ihn etwa zehn Reihen weit auf die Besuchertribüne – wo die Fans von Taggard sitzen – geworfen und ist vom Spielfeld gestürmt. Bull ist hinterher, um nach ihm zu sehen, aber Ricky war schon weg. Doch er hat Spuren hinterlassen. Das Büro der Coachs und die Umkleidekabine waren verwüstet, drei Autos auf dem Parkplatz waren zerbeult. Sah aus, als hätte er mit einem Vorschlaghammer gewütet. Aber das war kein Hammer, Coach. O nein.«

Trent lehnt sich in seinem Sessel zurück, verschränkt die Arme und umarmt sich selbst. »Und was war es? Womit hat er die Autos zerbeult?«

»Mit bloßen Händen, wie ein gottverdammtes Tier. Dann, keine zwei Tage später, kam Ricky Lowe hier in dieses Büro, in dem wir jetzt sitzen. Das war, bevor Sie all die schicken Möbel gekauft haben.« Der Schulleiter tippt auf den ergonomischen Schreibtisch. »Und er hat den Coach gefragt, wann er wieder spielen darf.« Bradshaw lacht und streckt dabei die Zunge heraus. »Können Sie sich das vorstellen?«

Trent schüttelt den Kopf.

»Nun, genau so war’s. Ich war selbst dabei. Aber jetzt kommt der Knaller.«

»Und zwar?«

»Der Coach – vier Coachs vor Ihnen – hat Ricky tatsächlich wieder spielen lassen. In der Woche darauf stand er als Quarterback auf dem Platz, als wäre nichts gewesen. Er musste nicht einmal in der ersten Halbzeit auf der Bank sitzen. Nichts.« Bradshaw fährt sich wieder mit den Fingern durch seinen Schnauzer. »Das war der Anfang vom Ende.«

»Aha«, sagt Trent, und während er darauf wartet, dass Bradshaw weiterspricht, lässt er seinen Blick durch das Büro schweifen und bleibt an einem Bilderrahmen neben der Tür hängen. Das Foto zeigt seine Töchter nach einem der wenigen Siege damals in Kalifornien. Die ältere trägt Trents Kappe. Die jüngere kaut auf seiner Trillerpfeife. Beide lächeln. Trent bezweifelt, dass er sie beide schon einmal gleichzeitig hat lächeln sehen, seit die Familie in Arkansas ist.

Er wird aus seinen Gedanken gerissen, als Bradshaw fragt: »Also, wie lautet Ihr Plan?«

Trent räuspert sich. »Ich habe mit Sheriff Timmons gesprochen. Er meinte, die Auseinandersetzung falle nicht in seinen Zuständigkeitsbereich. Ich werde mich später am Nachmittag mit Billy und seiner Mutter treffen.«

Bradshaw spitzt die Lippen, als wolle er endlich ausspucken, aber stattdessen schluckt er. »Wenn ich Sie wäre, würde ich noch einmal zu Timmons gehen und ihn bitten, dem Jungen ein bisschen Angst zu machen. Jungs wie Billy muss man abrichten wie Hunde.«

»Stopp, so was will ich nicht hören«, sagt Trent und fuchtelt mit den Händen. »Er ist ein Junge, Mr. Bradshaw.«

»Achtzehn. Ich habe vorhin noch einmal nachgesehen.«

»Wie auch immer. Hören Sie, ich glaube daran, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Ich bin hier, um das Leben dieser Jungs zum Positiven zu beeinflussen.«

Bradshaw schiebt sich den Tabak vor seine Zähne. Trent erschaudert und hält ihm seinen Lieblingskaffeebecher hin, ein Geschenk zum Vatertag von vor ein paar Jahren. Der Klumpen macht ein nasses, schmatzendes Geräusch, als er auf dem Boden des Bechers landet.

»Wenn Sie diesen Burschen nicht an die Leine legen«, sagt Bradshaw, steht auf und leckt sich die Lippen, »reißt er Ihre ganze Welt in Stücke, so wie er es mit Austin getan hat.«

»Wir werden sehen«, sagt Trent. Es klingt schnippischer, als er beabsichtigt hatte.

»Da haben Sie verdammt noch mal recht. Wir werden sehen.«

Bradshaws veränderter Tonfall erinnert Trent daran, wie er sich bei seinem Schwiegervater – seinem alten Boss – ständig wie ein kleiner Junge gefühlt hatte, wenn jener die Stimme senkte. Genau so hat Coach Dommers noch einmal mit ihm geredet, kurz bevor Familie Powers ihre Siebensachen gepackt hat und nach Arkansas gefahren ist.

Noch halb in Gedanken, steht Trent auf. »Moment mal. Wollen Sie mir irgendetwas sagen?«

»Ich habe das Gefühl, dass ich es schon gesagt habe.«

»Wenn es um Bill geht …«

»Nicht alles hier hat mit Billy Lowe zu tun«, knurrt Bradshaw. »Aber Mr. Murphy – Austins Daddy – ist ein wichtiger Mann. Geschäftsführer drüben in der großen Hühnerfabrik, die zu Tyson Foods gehört. Unterstützt die Schule und engagiert sich im Förderverein. Der ist wirklich sehr engagiert.«

»Austin wird schon wieder. Er hat bloß …«

»Wir wissen beide, dass Austin Murphy ein Weichei ist, aber das bedeutet ja nicht, dass er sich am Spielfeldrand von einem Lowe während der verdammten Senior Night die Fresse polieren lassen muss.«

»Ich sagte doch, ich werde für Bill einen Plan ausarbeiten.«

»Tun Sie das, Coach«, sagt Bradshaw. Er geht einen Schritt auf die Tür zu, bleibt aber stehen und betrachtet das Foto von Trents Töchtern an der Wand. »Hübsche Mädels haben Sie da.«

Die kahle Stelle auf Bradshaws Hinterkopf bedeckt dünnes Haar, seitlich hinübergekämmt und mit Gel festgeklebt. Er lässt Trent noch einen Moment Zeit, um zu reagieren, dann sagt er: »Muss schwer für die zwei sein. In die Gegend hier zu ziehen. Als würde man in einem neuen Land leben.«

»Wir mussten alle Opfer bringen«, sagt Trent.

»Ist Ihnen schon dieses Schild aufgefallen, wenn man in die Stadt reinfährt?«

Trent kennt das Schild, sagt aber nichts, weil er befürchtet, dass er schon zu viel gesagt hat.

»Das Schild Das Tor zu den Ozarks?« Bradshaw dreht sich um und lächelt. Eine braune Linie aus Tabaksaft läuft ihm das Kinn hinunter. »Denton ist rund dreißig Meilen von allem anderen entfernt. Leute kommen her, um etwas hinter sich zu lassen, das ihnen nicht passt. Sie wollen nicht, dass man sie belästigt, vor allem bestimmte Leute.«

Trent fasst sich ans Kinn und reibt es.

»Leute, die wie Billy reden«, fügt Bradshaw hinzu.

»Aber Bill ist …«

»Es gibt Spekulationen darüber, wer Billys Daddy ist.« Bradshaw fährt mit einem haarigen Fingerknöchel über den Tabakfleck. »Und es ist auch nicht gerade hilfreich, dass einer der Lowe-Jungs vor einem Jahr LaCreesha Montgomery geschwängert hat.«

»Ach, kommen Sie«, sagt Trent. »Wenn ich mich nicht irre, hat Denton einen Schwarzen Deputy.«

»Rome?«

Trent zuckt mit den Schultern.

»Mischling«, sagt Bradshaw. »So Schwarz wie Deputy Montgomery ist hier sonst keiner.«

»Wollen Sie damit sagen, ich soll Bill nicht spielen lassen, weil Sie glauben, dass sein Vater Schwarz ist?«

Bradshaw hustet in seine Faust und schüttelt den Kopf. »Ich will damit nur sagen, dass es eine bestimmte Art und Weise gibt, wie die Dinge hier in Denton laufen. Verdammt, nicht einmal Ricky Lowe wäre darauf gekommen, den Sohn des größten Wohltäters der Schule zu verprügeln.«

Trent betrachtet die Stirn des Schulleiters; die Falten darauf sind so gerade wie Linien auf einem Footballfeld. »Warum sagen Sie mir das alles erst jetzt?«

»Als Sie hier ankamen, machten Sie den Eindruck, als hätten Sie alles im Griff«, sagt Bradshaw. »Und ich will Ihnen noch etwas sagen: Sie müssen Jungs wie Austin Murphy ab und zu mal punkten lassen. Sonst wird alles nur noch schlimmer.«

»Soll das eine Drohung sein?«

Bradshaw knetet den Schritt seiner Hose, ein alter Footballer-Tick. »Das kleine schicke Auto, das Sie fahren, stößt den Leuten übel auf, und mit Billy Lowe haben Sie sich mehr vorgenommen, als Sie schultern können.« Er hält inne, öffnet noch einmal die Kautabakdose und steckt sich ein Stück in den Mund. »Aber die State Championship ist schon ein Argument.«

Die Klimaanlage springt an, und kalte Luft füllt den Raum. Trent weiß nicht, was er sagen soll. Er sieht zu, wie Bradshaw die Dose einsteckt und sich zum Gehen wendet.

»Haben Sie keine Angst?«

Bradshaw hält inne. »Angst?«

»Das Zeug, das Sie sich in den Mund stopfen, ist das nicht gefährlich?«

Bradshaw kramt die Dose aus seiner Tasche, hält sie sich vors Gesicht und liest das Etikett vor: »Melasse, Maisbart, Kudzuwurzel, Salz und Cayennepfeffer.« Er grinst und wirft die Dose auf Trents Schreibtisch. »Hat keinen echten Biss und schmeckt wie Scheiße, aber verdammt noch mal, seit drei Wochen bin ich runter vom Tabak.«

Trent nimmt die Dose und dreht sie um. Auf dem Deckel steht in klobigen Buchstaben Kräuter-Kautabak. Bradshaw schließt leise die Tür hinter sich. Trent lässt sich in den übergroßen Ledersessel sinken und legt den Kopf in den Nacken. Mit großen Augen schaut Jesus vom Kreuz auf ihn herab.

 

Eine halbe Stunde später versucht Trent immer noch, Bradshaws Ultimatum zu verdauen. Er wartet auf die Ankunft der Lowes. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Blatt Papier. Sein neuer Plan. Eine Liste mit Stichwörtern, im Schrifttyp Impact ausgedruckt, und etwas Platz, wo Billy und Tina unterschreiben sollen. Es steht alles da, schwarz auf weiß.

Trents Finger zittern, als er über das Papier streicht. Seinen Kaffeebecher, auf dessen Vorderseite Daddys größter Fan steht, hat er ausgespült und die Spuren von Bradshaws Kräuter-Kautabak entfernt. Trent platziert das Blatt genau mittig auf seinem Schreibtisch und kramt nach einem Stift. Als er aufblickt, stehen Billy und Tina vor ihm. Sie sehen aus wie Karikaturen: eine Frau mit viel zu viel Schminke im Gesicht und ein mürrischer Junge, der gekleidet ist wie ein Rapper in einem Musikvideo. Billys kleiner Bruder krallt sich an den Armen seiner Mutter fest, wirft einen Blick auf Trent und fängt an zu brüllen. Billy tritt vor und streckt seine Hand aus. Trent ergreift sie und spürt die rauen Schwielen an der Handfläche des Jungen, die Wärme. Die Hitze.

Trent würde ihnen gerne sagen, dass alles gut wird, würde sie gerne bitten, zu beten, aber er muss an seine Gespräche mit Bradshaw und Bull denken. Trent räuspert sich, dann sagt er: »Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht.«

Das Lächeln verschwindet aus Billys Gesicht.

3

»Eine gute und eine schlechte Nachricht«?

Wer fängt denn mit so was ein Meeting an? Echt mal, wer sagt so was überhaupt? Ich halte den Mund. Aber Momma hat angebissen und sagt: »Dann bitte erst die gute Nachricht.«

»Die gute Nachricht …«, sagt Coach, aber der Kleine brüllt immer noch.

»Sorry«, sagt Momma.

»Schon in Ordnung«, sagt Coach, aber so, wie er es sagt – sein Gesicht, sein Mund –, merke ich, dass das nicht stimmt. Hatte den bislang gar nicht für einen Lügner gehalten. Ich denk: Ach du Scheiße. Und das denk ich erst recht, als er einfach über das Weinen vom Kleinen drüberredet, als wär das nur die Schulglocke.

»Die gute Nachricht ist, dass Bill im Team bleiben darf.«

»Und was ist dann die schlechte Nachricht?« Momma kommt schneller zur Sache als nötig.

»Die schlechte Nachricht ist«, sagt Coach und nimmt den Zettel vom Schreibtisch und schiebt ihn zu uns rüber, »dass Bill für die erste Hälfte des Play-off-Spiels gesperrt ist.«

Als er sagt, dass ich gesperrt bin, bin ich immer noch dabei, zu entziffern, was oben auf dem Zettel steht, die kleinen schwarzen Buchstaben, da steht Suspendierungsprotokoll Billy Lowe oder so ein Scheiß. Und dann komme ich mir auf einmal total dämlich vor, dass ich mir extra mein LeBron-Trikot angezogen habe statt ein Muscleshirt. Dass ich mir extra die Haare gekämmt hab. Und Momma, Gott im Himmel, Momma hat bestimmt Make-up für zehn Dollar drauf. Und wofür? Um sich diesen Scheiß hier anzuhören?

»Billy?«, sagt Momma. »Hast du gehört, was der Coach gesagt hat?«

Starre einfach weiter auf das Blatt, gucke mir jede Zeile an.

»Und was die Polizei angeht«, sagt Coach, »ich habe mit Sheriff Timmons gesprochen. Solange du alle deine Sozialstunden ableistest, kommt da nichts weiter nach.«

Schaue von dem Blatt auf. »Sozialstunden?«

»Du weißt schon, Müll sammeln und so was, an den Wochenenden.«

Ich hör, wie Momma mit den Zähnen knirscht, weil sie weiß, was ich jetzt denke. Nämlich, dass das Sein Job ist. Er ist Müllmann, und ich werd den Teufel tun und mich vom Coach auch zum Müllmann machen lassen.

»Das ist doch gar nicht so schlimm«, sagt Momma.

»Bill?«, sagt Coach.

»Ich sammel bestimmt keinen Müll auf.«

Momma erklärt Coach, dass ich Ihn nicht mag, dass ihr Freund und ich uns nicht verstehen und so. Scheiße. Das ist alles Scheiße hier. Ich mach eine Faust. Ich steh auf.

Ich klatsch den Zettel auf den Schreibtisch. Dann schlag ich drauf. Schlag immer wieder auf den Zettel. Er wird ganz rot. Mir ist, als ob ich das alles von anderswo sehe, als ob das gerade irgendwer filmt. Muss mir wahrscheinlich am Montag im Büro von Schulleiter Bradshaw die Wiederholung angucken, wenn er mir sagt, warum ich in Schwierigkeiten bin. Aber ich schlag einfach weiter auf das Blatt Papier, weiß nicht, was ich sonst tun soll. Der Kleine ist jetzt still. Das ist was, das er kennt. Das Edelbüro, der Riesenschreibtisch, die Ledersessel – damit kann der Kleine nichts anfangen, das kennt er nicht. Aber dass ich das Papier zu Brei schlag? Das kennt er.

Momma schreit: »Hör auf, Billy! Mein Gott, hör auf!«

Von meinen Knöcheln tropft es rot auf den Edelschreibtisch. Coach sieht aus, als hat er Schiss. In der Angst liegt Macht. Wenn ich von Ihm irgendwas gelernt hab, dann das. Ich kann wieder gucken. Atme langsam aus und zähl bis zehn, das haben mir die Beratungslehrer schon in der ersten Klasse beigebracht. Dann nicke ich und geh zur Tür. Mal sehen, ob Coach merkt, dass ich bluffe.

»Warte, warte«, sagt Coach, und ich weiß sofort, dass ich gewonnen hab – Coach will den Titel so sehr, der kann mich nicht einfach so gehen lassen. Momma weiß es auch. Sie heult, als ob sie es ernst meint. Heult und lässt den Kleinen wippen. Gibt richtig Vollgas.

Ich öffne die Bürotür. Da hängt ein Bild von der komischen Tochter vom Coach. Sie lächelt, lacht fast so, wie Austin Murphy vom Spielfeldrand aus Momma ausgelacht hat. Ich mach einen Schritt zur Tür raus.

»Warte, Bill«, sagt Coach. »Ich bin sicher, wir können uns irgendetwas einfallen lassen.«

»Ich sammel keinen Müll auf.«

»Es war das mit dem Müll, das ihn so aufgeregt hat«, sagt Momma. »Travis, mein Freund, Billy kann Travis einfach nicht ausstehen.«

Coach steht jetzt auch auf, und Momma hört auf zu reden. »Klingt so«, sagt Coach, »als wäre dieser Freund eine Ursache für deine Schmerzen.«

»Nee«, sag ich. »Der ist gar nichts.«

»Hat er dir jemals«, Coach macht eine Pause und schaut von Momma zum Kleinen und dann wieder zu mir, »etwas angetan?«

Ich steh nur da und sag nichts, obwohl ich genau weiß, dass Coach die Brandwunde in meinem Nacken gesehen hat. »Geschlagen hat er mich nicht, falls Sie das meinen.«

Coach hat einen Blick in den Augen, den ich noch nie bei ihm gesehen habe. »Bist du sicher, Bill?«

»Geschlagen hat er mich nicht.«

Momma heult immer noch, aber jetzt ist es anders. Jetzt ist es echt. Hat eine Wunde unter der linken Wange, die sagt alles, was sie Coach nie sagen würde.

»Okay«, sagt er leise. »Moment, ich hole meinen Stift.«

Der erste Stift ist rot. Er nimmt den Zettel und will »gemeinnützige Arbeit« durchstreichen, aber das sieht man gar nicht, der Zettel ist ja schon rot, hab den ziemlich rot gemacht.

Er nimmt einen anderen Stift, einen schwarzen. Macht einen dicken Strich durch »gemeinnützige Arbeit«. Schiebt den Zettel zu mir rüber. »Und jetzt?«

Ich schau mir die Liste an. Er glaubt wahrscheinlich, dass ich nicht lesen kann. Also beweis ich ihm das Gegenteil. »›Dem Team eine schriftliche Entschuldigung vorlesen‹?«

Coach nimmt mir den Zettel weg und sieht ihn sich ganz genau an. »Du sollst eine Entschuldigung schreiben und sie deinen Teamkameraden vorlesen. Sie wissen lassen, dass es dir leidtut, was du mit Austin gemacht hast.«

Ich schlucke. Momma ist jetzt fertig mit Heulen. Ich hör, wie sie schnieft, als würde sie gleich wieder anfangen. Ich lenk sie ab. »Und wenn mir das gar nicht leidtut?«

»Billy«, sagt Momma.

Coach lehnt sich in seinem Edelsessel zurück. »Sind das deine wahren Gefühle, Bill? Hast du darüber gebetet?«

»Nee«, sag ich, weiß genau, dass Gott von meinem Scheiß nichts hören will. Der hat Wichtigeres zu tun, als sich um Billy Lowe zu kümmern. »Hab wegen gar nichts gebetet.«

»Würdest du das tun?«, sagt Coach und hält den Zettel fest in der Hand. »Würdest du wenigstens einmal darüber beten?«

Momma heult nicht mehr, aber ich weiß, sie kann jeden Moment wieder damit anfangen.

»Meinetwegen.«

Coach grinst so breit, wie ich noch nie einen Mann hab grinsen sehen. Grinst breiter als bei all den Spielen, die wir vor dem Spiel gegen Lutherville gewonnen haben. Aber das, warum er jetzt grinst, ist nicht echt. Hab nichts gegen Austin, nicht wirklich. Aber wenn er mich noch mal auslacht, bring ich ihn um. So viel ist klar. Auf Austin war ich nicht wütend. War einfach wütend. Sollte einem das leidtun, wenn man wütend ist? Verzeiht Gott einem so was?

»Okay«, sagt Coach und schiebt mir den Zettel rüber, er grinst immer noch. Sieht nicht mehr so richtig offiziell aus, der Zettel. Er reicht mir den schwarzen Stift. Momma lächelt jetzt auch ein bisschen. Ich unterschreibe: Billy Lowe 35.

 

Momma fährt Seinen beschissenen kleinen Nissan Sentra. Im Fußraum so viele leere Flaschen, dass ich rauftrete und meine Jordans eklig werden. Hab Momma schon gesagt, dass sie nichts erzählen soll, vom Coach, von der Sperre, nichts. Hab ihr gesagt, es reicht, wenn wir beide das wissen.

»Alles klar, Baby.«