Blackbeards magische Flaschenpost - Armin Holtus - E-Book

Blackbeards magische Flaschenpost E-Book

Armin Holtus

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5,99 €

Beschreibung

Lorenz aus Bremen ist mit einer Segelyacht und drei Freunden unterwegs und landet auf Tortuga. Eines Nachts, als er nicht schlafen kann, begibt er sich an den Strand und träumt in die Nacht, als ihm plötzlich eine Flaschenpost in die Hände gespült wird. In dieser befindet sich neben einem geheimnisvollen Ring, der später noch eine gewisse Bedeutung erlangen wird, eine Schatzkarte, ausgestellt von Blackbeard persönlich. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist nichts mehr wie es zuvor war: er befindet sich plötzlich im Jahr 1717. Er wird von der Besatzung eines Piratenschiffes durch einen Trick an Bord gelotst und wird Pirat, zunächst wider Willen, bis er Melissa kennenlernt, die Tochter des Piratenkapitäns. Jegliche Annäherungsversuche an die Tochter des Kapitäns sind allerdings bei peinlicher Strafe (Auspeitschung und Kielholen) untersagt. Seeschlachten finden statt und es gibt zunächst Hindernisse bei der Schatzsuche auf See und an Land und nicht zuletzt Widersacher, die ihnen den Schatz streitig machen wollen. Und dann wird auch noch Melissa entführt. Ein unglaublicher Roman, in dem die Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden und Abenteuer, Seelenschmerz und Romantik nicht zu kurz kommen.

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MOBI

Seitenzahl: 216

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Lorenz aus Bremen ist mit einer Segelyacht und drei Freunden unterwegs und landet auf Tortuga. Eines Nachts, als er nicht schlafen kann, begibt er sich an den Strand und träumt in die Nacht, als ihm plötzlich eine Flaschenpost in die Hände gespült wird. In dieser befindet sich neben einem geheimnisvollen Ring, der später noch eine gewisse Bedeutung erlangen wird, eine Schatzkarte, ausgestellt von Blackbeard persönlich. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist nichts mehr wie es zuvor war: er befindet sich plötzlich im Jahr 1717. Er wird von der Besatzung eines Piratenschiffes durch einen Trick an Bord gelotst und wird Pirat – zunächst wider Willen, bis er Melissa kennenlernt, die Tochter des Piratenkapitäns. Jegliche Annäherungsversuche an die Tochter des Kapitäns sind allerdings bei peinlicher Strafe (Auspeitschung und Kielholen) untersagt. Seeschlachten finden statt und es gibt zunächst Hindernisse bei der Schatzsuche auf See und an Land und nicht zuletzt Widersacher, die ihnen den Schatz streitig machen wollen. Und dann wird auch noch Melissa entführt.

Ein unglaublicher Roman, wo die Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden und Abenteuer, Seelenschmerz und Romantik nicht zu kurz kommen.

Inhaltsverzeichnis

Kap 1

Kap 2

Kap 3

Kap 4

Kap 5

Kap 6

Kap 7

Kap 8

Kap 9

Kap 10

Kap 11

Kap 12

Kap 13

Kap 14

Kap 15

Kap 16

Kap 17

Kap 18

Kap 19

Kap 20

Kap 21

Kap 22

Kap 23

Kap 24

Kap 25

Kap 26

Kap 27

Kap 28

Kap 29

Kap 30

Kap 31

Kap 32

Kap 1

Der Osten entsandte schon einmal seinen ersten Boten: Die Sonne kletterte am Horizont allmählich aus dem Meer, zog sich was über und friedlich ohne zu murren ihre ihr verordnete Bahn. Noch strömte eine frische Brise Seewind auf den Strand von Terre Cassee auf Tortuga und die Palmenwedel winkten unter dem Eindruck der Brise jedem zu, der sie sehen wollte. Noch wollte es keiner. Möwen auf ihrem Raubflug zum täglichen Frühstück krächzten ihre Morgenlieder. Kaum 100 Fuß vom Strand lag eine ansehnliche Segelyacht vor Anker und schwoite an der Kette um denselben. Am Heck war die Flagge Haitis aufgezogen, daneben die Bremer Speckflagge. Einige Fischerboote kehrten von ihrem Raubzug zurück und passierten die Yacht in Luv. Am Strand unter Palmen lagen einige Weinflaschen, Gläser und Decken – und unter den Decken Lorenz und Martin sowie ihre Freundinnen Ulrike und Nadine aus Bremen. Lorenz war Schriftsteller und Maler. Er hatte den Bildhauer Martin vor Jahren beim Tae Kwon Do kennen gelernt und neben anderen vielen Dingen verband sie ein gemeinsamer Traum:

Einmal irgendwo in der Südsee auf den Spuren

alter Piraten Schätze ausbuddeln.

Es ging ihnen dabei gar nicht mal so sehr darum, aus dem Erlös reich zu werden, als vielmehr um die damit verbundene Spannung: Einmal in eine ganz andere, aus ihrer Sicht romantische Welt einzutauchen, am Rockzipfel der Geschichte zu zupfen, alte Bilder, Schätze und Kunstwerke wieder zum Leben zu erwecken, an ihrem Nektar zu lecken, zu erspüren, wie sich die alten Piraten wohl bei ihren Raubzügen, den Seeschlachten, ihren Trinkgelagen und dem Zeichnen von Schatzkarten gefühlt haben mögen.

Bedauern, dass sie damals nicht gelebt haben? Keine Spur! Sie liebten das Leben, als Pirat war einem ja keine lange Lebenserwartung verheißen - wenn auch eine aufregende. Doch aus einem Gefühl der Sicherheit heraus, gewonnen aus den Bedingungen in a.d. 2017, konnten sie in die Geschichte eintauchen, ohne die seinerzeit vorherrschenden Gefahren in Kauf nehmen zu müssen.

Lorenz und Martin waren sich auch äußerlich recht ähnlich, zuweilen hatte man sie schon für Brüder gehalten. „Mens sana in corpore sano1“ war eine ihrer Devisen und dementsprechend nimmt es nicht Wunder, dass ihre regelmäßigen Versuche, Eisen zu verbiegen, ihre Wirkung zeigten.

Nadine und Ulrike waren Erzieherinnen in einem Bremer Kindergarten. Die beiden Männer hatten sie an der Schlachte in Bremen kennen gelernt und die Mädels hatten die beiden gebeten, den Kindern ihre Berufe vorzustellen. Selbstverständlich haben die Männer zugesagt und es hat ihnen sogar Spaß gemacht, mit den Kindern zu arbeiten. Auch die Ladies waren hin und hergerissen von den beiden. Nadine hatte langes, blondes Haar und äußerst weibliche Formen – Lorenz war wie magnetisiert bei ihrem ersten Anblick. Nicht besser erging es Martin mit Ulrike, deren Haupt langes, lockiges, schwarzes Haar zierte und eher von zierlicher Gestalt war. Den Männern war es gelungen, die Damen für die Schatzsuche zu begeistern und diese mit einem Urlaub zu verbinden.

Eine Kokosnuss hatte genug von dem Hin-und-Her-Gewedele, wollte auch einmal faul und bräsig im Sand liegen und stürzte sich kurzentschlossen von hoch oben aus der Kokospalme hinab in die Tiefe. Sie schlug neben dem Kopf von Lorenz auf und zerbrach auf dem Sand, wobei ihr knackiger Todesschrei ihn weckte. Mit einem Ruck stand er kerzengerade und blickte auf die Nuss. Er hob sie auf, nahm den süßen Kokosgeruch wahr und trank von ihrem verbliebenen Saft. „Hmmm, köstlich dieses Getränk“. Lorenz sah sich um und stellte fest: auch die anderen drei hatten sich aus ihren Decken geschält. „Guten Morgen, Ihr Murmeltiere, wisst Ihr eigentlich, dass unter Palmen mehr Menschen durch herunter purzelnde Kokosnüsse sterben als im Straßenverkehr? Und fast hätte ich die Statistik mit meinem Tod erweitert“, sinnierte Lorenz nachdenklich. „Wieso, wie kommste denn jetzt auf das schmale Brett“, wollte Nadine, wissen. „Na ja, ich wurde von dieser Nuss geweckt, als sie vom Baume plumpste und knapp neben meinem Haupt zerbrach“. „Ach, Du liebe Güte, Du hättest ja tot sein können, Lorenz“, entgegnete Nadine und fiel ihm mit einem Satz um den Hals und küsste ihn. „Eben“, erwiderte Lorenz ebenso trocken wie auch den Kuss. „Wer zuerst auf dem Kahn ist“, meldete sich Martin plötzlich zu Wort und stürzte sich im nächsten Moment auch schon ins Meer. Die anderen ließen sich nicht lumpen und folgten ihm unter fröhlichem Gebrüll in Vorfreude sowohl auf den Gewinn des kleinen Wettkampfes als auch auf das Frühstück. Es entwickelte sich ein erbitterter Kampf um den Sieg mit ständig wechselnder Führung, die Teilnehmer konnte man dabei unter den beim Kraulen aufgeworfenen Wassermassen kaum voneinander unterscheiden, und am Ende schlug zur Überraschung aller Ulrike als erste an - die zuvor noch nie die Führung inne gehabt hatte. C`est la vie, das Leben steckt voller Überraschungen – und u.a. das macht es ja auch so lebenswert!

Der Kaffee dampfte gedankenversunken und verführerisch vor sich hin, ebenso die Brötchen. Sie hofften, dass sie mit ihrer ihnen ureigenen Geschmacksnote Wohlgefallen erzeugen könnten. Ein Leben für den Menschen, kurz, aber erfüllt, wenn es dem Menschen gefällt.

Ulrike hatte gewonnen, also durfte sie das Frühstück bereiten. Verstehen Sie nicht? Ich zunächst auch nicht! Ulrike ist - wie die anderen - Hobbyköchin und als solche auch selbstredend wie betört von Küchen, die einen gewissen Charme und Liebreiz ausstrahlen. Hier an Bord der Esperanza findet sie in der Küche an Finessen alles, was das Herz eines mit Leib und Seele agierenden Kochs begehrt. So gesehen schüttet jede Berührung eines küchlichen Instruments Glückshormone aus, was jedem wohl ohne weiteren Beweis leicht einleuchtet. Und deshalb ist ausgemacht unter ihnen, dass derjenige, der bei irgendetwas gewinnt, die nächste Mahlzeit in der galaktischpraktisch-maritimen Küche bereiten darf.

Nach dem Frühstück wurde der Anker gelichtet. Sie steuerten die Stelle an, die Lorenz sich zuvor in die Seekarte eingetragen hatte. Und dieser Eintrag kam erst zustande, nachdem er in alten Schiffsmeldungen, Nachrichten für Seefahrer und ähnlichen nautischen Informationsquellen Hinweise darauf gefunden hatte, dass exakt an dieser Stelle die „Pride of The See“ 1757 mit mannigfaltigen Schätzen an Bord gesunken sein könnte – ja: müßte. Sie tauchten alle vier mehrere Stunden, erspähten auch manch interessantes Ding, doch von der Pride of The See fehlte jede Spur. Nadine ergriff als erste das Wort, als alle nach dem Tauchgang mit einem Bier bewaffnet und hängenden Köpfen schweigend beisammensaßen: „Wisst Ihr was?“ „Ne“, kam es unisono aus den anderen Dreien herausgeschlichen, während sie müde ihre Köpfe erhoben und sie anstarrten. „Ich möchte heute Nacht mal wieder in einem richtigen Bett schlafen, das nicht schaukelt und mal wieder richtig lange duschen, ohne dass jemand auf den beschränkten Inhalt unserer Wassertanks aufmerksam macht – oder mich deshalb auch nur irgendwie schief anguckt“. Sie blickte vorsichtig in die Runde, als witterte sie Ablehnung. „Also: ich bin dabei“, erklärte Ulrike. Martin und Lorenz schauten sich an und Lorenz erklärte resigniert: „Tja, dann sind wir wohl überstimmt“. „Ja, das stimmt“, freute sich Nadine über die Resignation der Männer und dass ihr Vorschlag einstimmig angenommen worden war. Ergo wurde ein Strandhotel angepeilt – und, um es gleich vorwegzunehmen: erfolgreich!

1 Latein: ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper

Kap 2

Wir schreiben den 17. Juli 20172.

In dieser Nacht beschleichen Lorenz düstere Gedanken. Er kann nicht schlafen, was er merkwürdig findet: Er hatte einen anstrengenden Tag und ein üppiges Abendessen - grundsätzlich beste Voraussetzungen für einen ruhigen und von vielen schönen Träumen beseelten Schlaf. Aber heute ist irgendwie etwas anders, er weiß nur nicht: was? Er weiß nur, dass ihn eine unbestimmte eigenartige Unruhe beschleicht. Er steht auf, zieht sich etwas über, verlässt das Hotel, setzt sich am Strand in den Sand und schaut aufs Meer. Die frische salzhaltige Luft umspielt seine Nase, er schaut auf den Mond und fragt sich, ob der Mond ihn wohl auch betrachtet. Er hält es für möglich. Er verfolgt jetzt die Strahlen des Mondes vom Horizont bis zum Strand, wobei die Strahlen am Ende der Reflexion auf den Strand gespült zu werden scheinen. Aber nicht nur diese: denn plötzlich nimmt er eine Glasflasche wahr, die ihm von der Brandung direkt in die Füße geschleudert wird. Neugierig ergreift er sie und spürt ihre rechteckige Form. Zum Ende hin wird sie plötzlich rund und von einem Korken verschlossen, der ein ganzes Stück über das Flaschenende hinausragt. Er dreht sie in das Mondlicht und erkennt, dass am Ende der Flasche die Zahl 1680 zu lesen ist. „Das ist ja ein Ding“, wispert Lorenz vor sich hin, „das Geburtsjahr von Blackbeard 3. „Aquavite, Dunfermline, Scotland“, liest er weiter auf der dreidimensionalen Schrift, die sich deutlich spürbar von der rechteckigen Flasche abhebt. Während er die Flasche weiterdreht, hört er es klötern. „Ein Stein womöglich“, denkt er. Auch sieht er jetzt, dass sie ein Röllchen beherbergt. Er spürt, wie das Herz seines Vaters´ Sohn plötzlich höher schlägt. „Verdammt, wenn es jetzt das ist, was ich denke, dann wird alles ganz anders, als ich jemals anders zu denken gewagt habe“, denkt Lorenz weiter halblaut vor sich hin. Von einem Abenteuer- und Schatzsuchergeist angetrieben reißt er sich sein Shirt vom Leibe, legt die Flasche in jenes, ergreift einen Stein und trennt den Flaschenhals mit einem einzigen - gekonnten Schlag treffsicher von seinem rechteckigen Bauch. Wie von einer fernen Macht getrieben schüttelt er ihren Inhalt hastig aus. Das Röllchen ist mit einem kleinen Bändchen verschnürt und das, was er für ein Steinchen gehalten hatte, entpuppt sich jetzt als Ring. Es ist ein goldener Ring.

Auf der Kopfseite ist ein dreidimensionales Gesicht abgebildet, rechts und links an den oberen Schläfen sind jeweils 2 Glöckchen angehängt. In den etwa 1 cm breiten Ring selbst sind Löcher eingestanzt, wobei die Öffnungen kunstvoll ummantelt sind. „Er erinnert mich an Kunstwerke der Atzteken – oder Inkas, hm, wahrscheinlich handelt es sich dabei um Kunstraub. So, nun aber zu Dir, mein Schätzchen“, flüstert er feierlich und befreit aufgeregt das Röllchen von dem Bändchen. Vorsichtig und ängstlich zugleich, er könnte das Schriftstück beschädigen, entrollt er das Papier. „Heiliger Strohsack“ entfährt es ihm, als er dies erkennt:

„Eine Schatzkarte! Ha! Und mit einem roten Kreuz, wo offenbar die Stelle markiert ist, wo der Schatz begraben liegt! Aber: Wo um Himmels Willen soll das sein? Südsee ist eingezeichnet, die anderen Ortsangaben kann ich ohne Vergrößerungsglas gar nicht erkennen“. Sorgfältig rollt er die Schatzkarte wieder auf, entdeckt dabei aber, dass dort auf der Rückseite etwas geschrieben steht:

„Irgendwo in der Südsee, ich habe die Orientierung verloren, 17. Juli 1717

An den glücklichen Finder!

Meine geliebte schöne Pride of The Sea geriet in einen großen Sturm. Halleluja! … Eine gute Tat am Schluss meines Lebens. Möge der Finder mit dem Schatz glücklich werden. – glücklicher, als wir es je waren! Das Raubgut stammt von Menschen, die unwürdig waren, die Kostbarkeiten zu besitzen und die nie auch nur eine Hand für den Lebensunterhalt krumm machen mussten. Und wenn er auch eine gute Tat vollbringen mag, Grüße er von Herzen meine Frau, meine Geliebten und meine zahlreichen Kinderchen. Und wenn er noch etwas Gutes tun mag, gebe er ihnen einen Teil von dem Schatz ab. Gott mag es ihm lohnen!

Blackbeard“.

PS: suchen müsst ihr auf Tortuga

Eine Gänsehaut bildet sich auf Lorenz` Armen bei diesen Worten und er schüttelt sich. „Habe ich nicht noch eben beim Anblick der Flasche an Blackbeard gedacht?“, denkt er halblaut vor sich hin, „und nun steckt er tatsächlich mittendrin. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Er steckt Karte und Ring in seine Brusttasche und geht nachdenklich zurück zum Hotel.

Nadine lag schon in Morpheus`Armen und war eingeschlafen. Für ihren verführerischen Anblick hatte er jetzt gar keine Augen. Die Flaschenpost geisterte durch seinen Kopf und nahm seine Sinne völlig in Beschlag. Als er im Bett liegt, denkt er an den sonderbaren Ring, holt ihn aus seiner Brusttasche, betrachtet ihn wertschätzend, streift ihn über seinen Ringfinger und dreht an jenem - einer plötzlichen inneren Eingebung folgend. Als er das Licht löscht und die Augen schließt, wird es plötzlich bunt:

Vor einem Lagerfeuer tanzen farbenprächtig bemalte Inkas. Ihr Tanz wird begleitet von einem ebenfalls bunt geschmückten Trommler und einem Mann, der in eine Traumwelt versunken scheint und Herz zerreißend auf einer Pan-Flöte spielt. In der Luft liegt ein Hauch von Jasmin. Ein Tänzer nähert sich – kopulierende Schwingungen ausführend – einer ebenfalls tanzenden Schönheit. Seine rechte Hand bildet vor ihr eine Faust und als er unmittelbar vor jener steht, öffnet er diese und – zum Vorschein kommt, angestrahlt vom Mondschein, ein güldener Ring. Auf der Kopfseite ist ein dreidimensionales Gesicht abgebildet, rechts und links an den oberen Schläfen sind jeweils 2 Glöckchen angehängt. In den etwa 1 cm breiten Ring selbst sind Löcher eingestanzt, wobei die Öffnungen kunstvoll ummantelt sind. Die Schönheit errötet beim Anblick dieses Ringes und lässt es sich gefallen, dass ihr der Tänzer den Ring aufsteckt. Im Tanz verschmelzen beide Körper zu einem, der Rhythmus der Musik wird schneller und aggressiver, die Umstehenden singen ekstatisch im Takt zur Musik, vereinzelt sind Töne aus der Welt der Lust zu vernehmen. Urplötzlich wird dieses Idyll durch mehrere Pistolenschüsse aus spanischen Tromblonen zerstört. Menschen laufen verängstigt in alle Himmelsrichtungen davon, doch die Pistolen sind unbarmherzig auf alle Himmelsrichtungen verteilt. Ein mit einem Helm aus Messing und einem Brustpanzer ausgerüsteter Spanier streift den Ring von der am Boden liegenden toten Schönheit ab, betrachtet ihn mit leuchtenden Augen, schiebt ihn sich auf seinen Ringfinger und siehe da: der Spanier ist nicht mehr zu sehen! An der Stelle, wo er soeben noch gestanden hatte, bleibt nur der Ring zurück.

2 Da fällt mir gerade ein: das ist ja mein 60. Geburtstag! Ihr seid auf das Herzlichste eingeladen! Getränke, Salate und dergleichen sind mitzubringen, für das musikalische Wohl ist allerdings gesorgt: Seemannslieder habe ich auf der Gitarre ordentlich geübt – vor allem: „Alle, die mit uns auf Kapernfahrt fahren …

3Edward Tatch, der später als Pirat Blackbeard bekannt wurde, kam 1680 zur Welt und heuerte früh auf Schiffen mit Kaperbriefen an. Ergo war er zuerst als rechtmäßiger Freibeuter tätig. Als die See 1714 ruhiger wurde, machten viele Freibeuter als Piraten weiterhin Beute - so auch Blackbeard. Seinen Spitznamen hat er seinem langen schwarzen Bart zu verdanken. In diesen steckte er bei Angriffen laut Überlieferung brennende Stäbe, die ihn so fürchterlich aussehen ließen, dass viele Kapitäne freiwillig kapitulierten.

Kap 3

Als Lorenz erwacht, suchen seine Hände Nadine. Sie greifen mehrfach ins Leere. Er öffnet seine Augen und stellt fest: seine Hände haben sich nicht geirrt! Nadine liegt nicht im Bett. „Was ist das überhaupt für ein Bett?“, fragt sich Lorenz erschrocken, als er feststellt, dass jenes viel schmaler ist als das Bett, in welches er sich vor einigen Stunden hineingelegt hat. „Und was ist das für ein Zimmer?“, rätselt er stirnrunzelnd, als er realisiert, dass die Einrichtung so einige Hundert Jahre alt sein müsste. Er schaut auf seine Hand: der Ring ist noch da. Er sieht seine Klamotten, die er die Nacht ausgezogen hatte, auf der Erde liegen. Er hastet nach diesen und nach der Brusttasche seines Hemdes. „Gott sei Dank!“, wispert er, „ die Schatzkarte ist noch da. Aber wo ist Nadine, wieso ist hier plötzlich alles so anders als noch vor kurzem?“ Er fliegt zum Fenster. Es ist ein altes Butzenfenster aus morschem Holz. Als er es öffnet, sieht er auf den Hafen und erschrickt: Er wähnt sich plötzlich in einem Film, in einem historischen Film! Im Hafen liegen alte Kanonenschiffe, die Menschen, die sich in seinem Blickfeld tummeln, tragen altertümliche Klamotten, er sieht Pferdewagen, Handwagen, Schubkarren und dergleichen statt Autos und Kräne, er sieht Männer, die Säcke auf dem Rücken von der Kaimauer in die Schiffe tragen und auch umgekehrt. Lorenz schließt seine Augen, schüttelt sich kräftig, zwickt sich heftig in seinen Arm, öffnet die Augen und siehe da: es hat sich nichts verändert! Sein Koffer ist auch nicht mehr da, der Schrank ist leer, er steht da ohne Papiere, ohne Geld und dergleichen. „Ach du meine Güte! Wenn das hier auch so eine Art prähistorisches Hotel ist, will der Betreiber sicher von mir für die Nacht Kohle sehen“, sinniert er. „Was mache ich denn jetzt mal am dümmsten? Ich habe es: Ich krabbele aus dem Fenster und mach` den Stiefel!“ Gedacht, getan! Er zieht sich an und krabbelt, behände wie Jean Robi – die Katze – in dem Film: Über den Dächern von Nizza“, aus dem Fenster auf das Schrägdach, schaut nach allen Seiten, ob die Luft rein ist, stellt fest, dass sie es ist und lässt sich vom Dachüberstand auf den Boden gleiten. Es waren nur 3 Meter, also: Kein Grund zur Besorgnis. Es war eine saubere Landung. „Und jetzt?“, fragte er sich. „Hm, erst mal in den Hafen und die Schiffe bestaunen. Auf dem Weg in den Hafen war Lorenz allerdings erst einmal selbst das Subjekt des Bestaunt-Werdens. Alle Leute schauten ihn an wie einen Menschen, der aus einer anderen Welt kommt. Klar: seine Klamotten aus dem 21. Jahrhundert waren schon etwas gediegen für die Menschen aus einer anderen Zeit. Freilich hatten sie nicht die geringste Ahnung. Woher auch?

Am Hafeneingang hing ein großes Schild, mit Kreide war dort ganz oben aufgemalt: „17. Juli 1717“. Wähnte er sich bisher noch halbwegs in einem Traum und hoffte durch irgendeine Gunst der Stunde, wach gerüttelt zu werden, so war es nunmehr bittere Gewissheit: Aus irgendeinem Grunde wurde er 300 Jahre zurückversetzt. Es war so, wie mehrfach in der Schule sitzen geblieben zu sein, aber nur so ähnlich, im Grunde sehr viel schlimmer und eigentlich ganz anders! „Aber wie um Himmels Willen ist das nur möglich“, fragte er sich. Zweifelnd schaute er an sich herab, seine Haut, seine Muskeln … Alles an mir und in mir – will ich hoffen - ist wie zuvor in der Neuzeit. „Aber jetzt ist doch jetzt, es kann doch nicht gleichzeitig ein Jetzt in 1717 und ein Jetzt in 2017 geben! Die Menschen müssten sich doch dann alle über den Haufen laufen - und die Bauwerke sich gegenseitig behindern - wenn nicht gar zum Einstürzen bringen!“ Verzweifelt setzte er sich auf einen Poller und schaute Gedanken versunken auf das Meer. Möwen umkreisten ihn krächzend und er verfolgte ihren Flug aufmerksam, geradeso, als hoffte er, sie hätten in ihrem Schnabel irgendeine Nachricht für ihn von seinen Liebsten. Kleine Wellen klatschten gegen die Kaimauer. Ein kleiner Mischlingsrüde kam an der Kaimauer entlang gewackelt, stützte sein erhobenes Bein an einem Pfeiler und – erleichterte sich. Die Kaimauer hüpfte innerlich vor Freude. Es war so warm, dass quasi die Bäume den Hunden hinterher liefen 4 - und die Kaimauern standen kurz davor, den Bäumen nachzueifern. Hier und da waren auf den Schiffen Stimmen von Menschen zu hören, die teils nach Befehlen klangen, teils nach Unterhaltungen unter Kollegen. Von ganz weit her war die tiefe Bassstimme eines Mannes zu hören, der ein traurig anmutendes Lied Herz zerreißend sang. Lorenz wurde bewusst, dass er in seiner Welt zwar etwas darstellte und glücklich war, hier hingegen war er ein absolutes Nichts, ohne Familie, Freundin, Freunde, Geld, Job, … „Einen Kaffee und ein Käsebrötchen könnte ich jetzt gut vertragen“, träumte er so vor sich hin, in sich hinein horchend, „aber wie soll ich das bezahlen?“ Plötzlich schoss es wie ein Pfeil durch sein Gehirn: „17.Juli 1717 steht da auf dem Schild. Das war doch der Tag, an dem Blackbeard sein Testament in meine Flaschenpost gelegt hat! Potz blitz! Was geschieht hier mit mir? Und außerdem ist das mein Geburtstag! Wer spielt hier einen ganz und gar und überhaupt nicht witzigen Streich mit mir? Wieso hat mich der Besitz dieser Flaschenpost 300 Jahre zurückversetzt? Wie kann das angehen, dass das Testament von einem – zugestanden – mächtigen Freibeuter 300 Jahre später noch die Auswirkung haben konnte, dass der Finder praktisch noch mit dem Absender und Erblasser Kontakt aufnehmen kann?“ Fragen, auf die Lorenz keine Antwort finden konnte.

„Na, träumt er von der Heimat?“, sprach ihn jetzt ein recht wild aussehender Mann – stark wie ein Baum - mit einem Rauschelbart in reinstem Hamburgerisch an. Lorenz war verdutzt, mit solchen Sprachkenntnissen hatte er bei Einheimischen im prähistorischen Tortuga nicht gerechnet. „Hey, Du sprichst Deutsch?“, fragte Lorenz ebenso erstaunt wie erleichtert, auf jemanden gestoßen zu sein, mit dem er reden konnte, ohne Sprachbarrieren. Sein Spanisch war nämlich nicht so toll! „Du siehst traurig aus, und außerdem wie einer, der noch keinen Rum zum Frühstück und auch noch nichts zwischen die Beißerchen gekriegt hat“, musterte der Fremde Lorenz neugierig. „So, Du kannst wohl auch Kaffeesatz lesen, was?“ entgegnete Lorenz mit dem Versuch eines Lächelns. „Worauf Du einen lassen kannst!“, entgegnete der Fremde erheitert. Jener gab sodann einen starken Pfiff von sich und kurze Zeit später war an Deck des nächst gelegenem Schiff ein Schiffsjunge zu sehen, der es eilig hatte, von Bord zu krabbeln und im Nu stand er vor ihnen. Der gut im Futter stehende Junge mochte vielleicht 13 Lenze zählen und schien recht aufgeweckt zu sein. „Das ist Fietje, unser Kombüsenhelfer, und Fietje, das ist …Ja, wen darf ich überhaupt melden?“, scherzte der Seemann. „Mein Name ist Lorenz Piepenbrink aus Bremen“, antwortete er leicht stimmungsaufgehellt. „Freut mich, mich nennt man „Whyskeymixer und ich komme aus Hamburg-Altona. So Fietje, wenn du dir diesen Lorenz mal so richtig ansiehst, was hätte der jetzt wohl am meisten nötig?“ „Na, ein zünftiges Frühstück, will ich wohl meinen“, schmunzelte Fietje. „Sehr richtig, mien Jung“, erwiderte Whiskeymixer mit einem Augenzwinkern – was für Lorenz nicht zu sehen war. Fietje schob ab. Lorenz` Gesichtszüge hellten sich auf. „Was machst Du hier auf Tortuga“, wollte der Mixer wissen. „Ich mache hier Urlaub und - leider hat man mir alles geklaut“, verbog Lorenz die Wahrheit ein bisschen. „Ich habe nur noch das, was ich bei mir trage, erwiderte er niedergeschlagen“. „Hm, das ist nicht allzu viel“, musterte Whiskeymixer ihn von oben bis unten. „Mit sowas muss man hierzulande schon rechnen. Viele Spitzbuben und Gesindel treiben sich hier rum, die nur eins im Sinn haben: Gewichtsverlagerung: Verlagerung des Gewichts deiner Schätze aus deinen Taschen in deren. Und was haste so drauf - gelernt meine ich?“ „Ich male Bilder und schreibe Romane“, antwortete Lorenz knapp, während er stumpf auf das Meer sah. „Hm, das ist hier in Tortuga brotlose Kunst, will ich wohl meinen. Nichts für ungut, mien Herr Piepenbrink, aber hier leben überwiegend arme Schlucker, vor allem Whiskeyschlucker“, er lächelte als ihm bewusst wurde, was er gesagt hatte, „die interessieren sich beim Teufel nicht für Malerei und Bücher. Du siehst aber gleichwohl so aus, als könntest du ordentlich zupacken, hast Du nicht Lust, bei uns auf dem Schiff anzuheuern?“ wollte Whiskeymixer jetzt wissen, wobei er Lorenz genau musterte. „Auf keinen Fall“, erwiderte Lorenz schnell, „ich bin nicht seetüchtig, habe ich schon mal probiert, hab` mir aber die Seele aus dem Leib gekotzt“, log er. In dem Moment kam Fietje mit einem Korb um die Ecke. Er lächelte schelmisch, als er vor den beiden Männern stand. Seine Mundwerkzeuge kauten auf irgendetwas herum. „Na, da wollen wir doch mal sehen, was uns der Fietje da für ein Frühstück zusammengestellt hat. Hm, das Brot ist ja noch ganz warm“. „Ja, kommt gerade aus dem Backofen“, erwiderte Fietje stolz, wenn auch genuschelt, wegen der vorerwähnten Kaubewegungen. „Kaffee gibt es wohl nicht, was?“ wollte Whiskeymixer in einem – gespielt – unwirschen Ton wissen. „Ne, ist alle, muss erst besorgt werden. Nur noch Rum war aufzutreiben“, antwortete Fietje mit einem spitzbübisch-verschmitzten Lächeln. „Na, dann wollen wir mal in den sauren Apfel beißen, Rum ist immer noch besser als auf dem Gaumen zu lutschen, spricht Konfuzius, nicht wahr, Herr Piepenbrink?“, wurde Whiskeymixer plötzlich philosophisch, ergriff die Flasche, zog den Korken mit einem Ruck und den Zähnen heraus, dass es so richtig schön knallte, füllte ein im Korb liegendes Glas und reichte es Lorenz. Das andere Glas füllte er ebenfalls, verkorkte die Flasche, stellte sie neben sich, schaute Lorenz an, stieß gegen dessen Glas und sagte: „Nu mal nich lang schnacken, Kopp in Nacken“. Lorenz betrachtete den Rum in dem Glas, der so richtig schön honigfarben war, schwenkte das Glas und stellte sich vor, es sei Honig. Er spürte instinktiv, dass es wohl sinnlos sei zu bemerken, dass Rum vor 18 Uhr unschicklich sei. Andererseits spürte er aber auch ein Bedürfnis, seinen Kummer zu lindern. Da kam ihm die Gesellschaft der beiden Seeleute gerade recht - freilich auch der Rum.

4 Diese Formulierung stammt aus dem genialen Köpfchen meines hoch geschätzten Heinz Erhardt

Kap 4