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Jannis Crow

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Beschreibung

Die Vernichtung der Menschheit seht bevor. Nur knapp ist Kommissarin Karla Schmitz einem Mordanschlag entkommen. Die junge Frau sinnt auf Rache, sie will die Drahtzieher hinter dem Attentat zur Strecke bringen. Mit Hilfe von Special Agent Luke Stonebridge muss sie die Täter jagen, bevor sie ihren tödlichen Plan in die Tat umsetzen können. Doch die Zeit drängt, denn das Schicksal der Welt steht auf dem Spiel.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Ähnliche


BLINDER STURM

KARLA SCHMITZ-THRILLER

BUCH 2

JANNIS CROW

INHALT

Bücher Von Jannis Crow

Kostenloses Buch

Impressum

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Über den Autor

Kostenloses Buch

Bücher von Jannis Crow

Neue Bücher

BÜCHER VON JANNIS CROW

Standalone:

GERECHTER ZORN: THRILLER

* * *

Die Karla Schmitz-Thriller von Jannis Crow:

Band 1: ERWACHTE WUT

Band 2: BLINDER STURM

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Autors:

https://jannis.crow.de

KOSTENLOSES BUCH

GERECHTER ZORN: THRILLER

Er quält dich. Du sinnst auf Rache.

Täglich lauern dem 16-jährigen Daniel Mobber auf dem Schulhof auf.

Besonders schlimm schikaniert ihn Christian, Sadist und Anführer der Mobber-Gruppe.

Das Blatt wendet sich, als Daniel einen abgebrühten, toughen Drogendealer kennenlernt.

Kurz darauf verschwindet Chef-Mobber Christian.

Ist dafür ein verurteilter Straftäter in der Nachbarschaft verantwortlich? Oder stecken dahinter Kräfte, die Daniel selbst geweckt hat?

Um das Buch zu erhalten, folgen Sie einfach diesem Link: https://jannis-crow.de/gratis-buch/

Ich freue mich auf Sie!

Ihr

Jannis Crow

IMPRESSUM

© 2024 Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der Autorin reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Alle in diesem Roman beschriebenen Personen sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Lektorat: Sibylle Schwehrs

Jannis Crow

c/o AutorenServices.de

Birkenallee 24

36037 Fulda

Originalausgabe - 27/07/2024

GUT GESAGT

Täuscht die, die selber euch täuschen!

Ein gottloses Volk ist die Mehrzahl.

Laßt in die Schlingen, die sie selber euch

legten, sie gehn!

- Ovid

PROLOG

Pakistan, Thar-Wüste

Abu Sabre öffnete die Holzschatulle vor sich. "Aadan" nannten ihn seine Anhänger, in Anlehnung an den ersten, von Gott geschaffenen Menschen.

So fühlte Aadan sich: Als ein von Allah berufener Mann, er war ein Anführer, der den Menschen einen neuen Weg zeigte, raus aus der Verdammnis dieser schmutzigen, hinterhältigen Welt, hin zum Paradies.

Jedem, der ihm folgte, stand dieser Weg offen.

Umso weniger verstand Aadan, weshalb es Menschen in der Neuen Ära gab, die sich für den Weg des Verrats entschieden.

So wie dieser junge Mann vor ihm, ein Pakistaner namens Mohammed, der sich vor etwa zwei Jahren der Neuen Ära angeschlossen hatte, jener Organisation, die Aadan vor Jahrzehnten im Kampf gegen den verkommenen Westen und zur Verbreitung islamischer Werte in der Welt gegründet hatte.

Dieser Mann, der nun mit gesenktem Kopf vor ihm im Staub kniete und um sein Leben bettelte, hatte diese Werte mit Füßen getreten. Mohammed war ein Agent des ISI und hatte sich in die Neue Ära eingeschleust, um deren Pläne auszuspionieren.

All das hatte Aadan selbst nicht herausgefunden, mit derlei Dingen befasste er sich als Gründer und Lenker seiner Organisation mit Tausenden Anhängern in aller Welt nur selten.

Zwei seiner Soldaten hatten den Mann dabei erwischt, wie er Nachrichten an seinen Agentenführer über ein verbotenes Handy verschickt hatte.

Mohammed hatte zunächst alles abgestritten, wie Aadan berichtet worden war, doch die Nachrichten auf dem Handy sprachen eine andere Sprache. Dieser Mann war des Verrats schuldig, daran bestand kein Zweifel.

Aadans Blick wanderte nun zum gesenkten Haupt des Mannes, dessen kurze schwarze Haare von eingetrocknetem Blut verklebt waren.

Spuren der Folter waren das, wie auch die dunkelroten Striemen an Armen, Brust und Rücken, die von Peitschenhieben zeugten. Bis auf eine schwarze Unterhose trug der Mann nichts am Körper, Aadans Soldaten hatten ihn nebst Peitsche mit Elektroschocks und Waterboarding über Stunden gefoltert, bis er endlich gestanden hatte.

Aadan schaute nun zu der Schatulle, die einer seiner Soldaten auf einem kleinen Beistelltisch bereitgestellt hatte, und deren Deckel Aadan jetzt öffnete. Er holte die schwarze Pistole aus der Schatulle, eine SIG P220, die auf einem roten Samttuch gebettet war, zusammen mit einem Magazin, an dessen oberem Ende eine Messingkugel im Sonnenlicht aufblitzte.

"Mein Sohn", sagte Aadan mit ruhiger, sanfter Stimme, "weine nicht. Du brauchst keine Angst zu haben."

Der Mann, der von zwei Soldaten an den Armen festgehalten wurde, hob den Kopf und sah mit flehenden, tränenerfüllten Augen zu Aadan.

"Es heißt, du hättest die Folter so lange durchgehalten wie kein Anderer", fuhr Aadan fort.

Währenddessen führte er das Magazin in die Waffe ein und lud durch.

"Das bedeutet, dass du ein willensstarker Mann bist. Das ist gut."

Vor wenigen Augenblicken noch hatte Aadan blanke Verzweiflung in den Augen dieses Mannes gesehen. Jetzt war da so etwas wie Hoffnung.

Mohammeds Lippen bebten und er begann zu schluchzen.

Eine große Anspannung schien sich bei ihm zu lösen, angesichts jener Worte, die ihm der Chef und Anführer der Neuen Ära gerade mitgeteilt hatte.

Nur gab es hierbei ein Problem, nicht jedoch für Aadan.

Sondern für den Mann, der seine Worte offenbar falsch verstanden hatte.

"Amüsant", sagte Aadan, während er die Pistolenmündung an die Stirn des Knieenden presste. "Es ist amüsant, dass du aus meinen Worten augenscheinlich Hoffnung für dich heraushörst."

Nun sah der Mann Aadan irritiert an.

Der Terrorfürst lächelte und fragte: "Du glaubst doch nicht etwa, dass wir einen dunklen Diener Ibis' davonkommen lassen?"

Mohammeds Gesichtszüge entgleisten.

"Bitte", stammelte er, "bitte, ich habe Familie und habe nur versucht, sie zu ernähren."

Der Mann senkte den Kopf und streckte seine Arme nach Aadan aus.

Fast wäre es ihm gelungen, sein edles Gewand zu berühren, doch konnte das einer der beiden Soldaten rechtzeitig durch den Einsatz seines Schlagstocks verhindern.

Der Mann schrie schmerzerfüllt auf, als die Schlagstockspitze auf seine Fingerknöchel niederprasselte. Im nächsten Augenblick zog er seine zitternden Hände zu sich heran und krümmte sich im Staub.

"Du Wurm", zischte Aadan, "du wagst es, mich zu berühren? Hast du unseren heiligen Orden nicht schon genug beschmutzt?"

Der Mann wimmerte anstelle einer Antwort.

Aadan trat näher heran und richtete die Pistole auf den Kopf vor sich.

Dann feuerte er die Waffe ab, bis das Magazin leer war.

1

Karlsbrücke, Prag

"Danke", sagte Karla Schmitz, als sie den Coffee-to-go-Becher entgegennahm.

Den Becher in ihren Händen haltend, betrachtete sie die dampfende schwarze Flüssigkeit darin, schloss die Augen und nahm einen tiefen Atemzug.

Der Kaffee duftete herrlich frisch, weckte ihre Lebensgeister.

"Bezahlen, hey, hey, bezahlen!", meckerte der Verkäufer, der sie aus diesem Moment der Idylle riss, von denen es in den letzten Wochen nur wenige gegeben hatte.

Die Berliner Ex-Kriminalkommissarin war in Tschechien untergetaucht, seit 14 Tagen, 12 Stunden und 43 Minuten, wie sie mit dem Blick auf ihre Smartwatch festgestellt hatte, bevor sie den Kaffee entgegengenommen hatte.

Sie öffnete die Augen und sah den glatzköpfigen Mann mit dem schwarzen Schnauzbart an, der seinen haarigen Arm fordernd über die Theke seines Stands ausstreckte.

Karla versuchte jetzt, mit einer Hand das schmale Portemonnaie aus der Hintertasche ihrer Jeanshose hervorzuziehen. In der anderen Hand hielt sie den Kaffeebecher, bemüht darum, nichts von dem Heißgetränk zu verschütten.

Mist, das Portemonnaie steckte in der engen Tasche fest, Panik stieg in Karla auf, weil sie sich das Hirn darüber zermarterte, woran der fremde Verkäufer, den sie noch nie zuvor gesehen hatte, wissen konnte, dass sie Deutsche war. Warum sonst hatte er sie auf Deutsch angemahnt?

Das Raunen der Touristenschlange, die hinter Karla sekündlich länger zu werden schien, befeuerte ihre Unruhe zusätzlich.

"Pay me, pay!", wetterte der Mann nun, woraufhin Karla erleichtert aufatmete.

Offenbar ging der Kerl die häufigsten Touri-Sprachen einfach der Reihe nach durch, bald würde er wohl auch auf Französisch fluchen, wenn es Karla nicht endlich gelang, ihr Portemonnaie aus der Hosentasche zu ziehen.

Wenigstens ihr Verstand schien zu funktionieren, der sie zusätzlich mit dem Gedanken beruhigte, dass es nur logisch war, sie für eine Touristin zu halten. Die verspiegelte braune Sonnenbrille, die sie in den Kragen ihrer hellblauen Bluse geklemmt hatte, war ein Hinweis darauf, wie auch der kleine grüne Tagesrucksack, aus dessen Seitentasche eine Wanderkarte hervorlugte.

Zum ersten Mal, seitdem Karla untergetaucht war, hatte sie sich einen kleineren Ausflug vorgenommen, vorbei an der Alten Stadtmauer hin zum Schloss Nový Hrad. Doch wenn sie so weitermachte, würde sie es nicht einmal bis zur Prager Burg schaffen, die sie sich ebenfalls als Wanderhighlight vorgenommen hatte.

"Wann geht’n dit endlich weiter?", hörte Karla einen Mann hinter sich in der Schlange schimpfen.

Typisch Berliner, dachte sie, seinem Dialekt nach zu urteilen. So wenig sie den unfreundlichen Ton der Hauptstädter mochte, vermisste sie ihr altes Leben jedes Mal, wenn sie ein paar Worte, gefärbt in diesem Ton, hörte.

Jenes alte Leben, in dem die Welt noch in Ordnung gewesen war, zumindest dem Anschein nach. In diesem Leben waren die Grenzen klar und die Tage geordnet gewesen. Als Kriminalkommissarin hatte sie auf der richtigen Seite des Gesetzes gestanden, in ihrer Freizeit hatte sie sich hin und wieder mit ihren Freundinnen getroffen. Bis sich herausgestellt hatte, dass ihr altes Leben eine Lüge war.

"Ick hab die Faxen dicke, die Alte soll endlich abdampfen!"

Die Menschen hinter Karla wurden unruhiger, allen voran der unflätige Berliner, der sich nun nicht mehr im Zaum zu haben schien.

Zugleich wuchs Karlas Verzweiflung, das Portemonnaie war wie festgeklemmt.

"May I help you?"

Karlas Blick wanderte zur Seite, in Richtung der Stimme, die einem hochgewachsenen Mann um die 30 mit dunklem Teint, braunen Augen und einem makellosen, warmen Lächeln gehörte. Er hatte kurze dunkle Haare mit Ansätzen von Locken und trug ein legeres Hemd, das mit braun-schwarzen Ornamenten verziert war. Karla sah an ihm herunter und bemerkte, dass er eine beige Stoffhose und hellbraune Segelschuhe trug. Alles in allem sah er lässig, gepflegt und modisch aus.

"No, thanks I am …", sagte sie etwas verwirrt.

"Deutsche, hm?", fragte der Mann, der offenbar ihren fremdsprachlichen Einschlag bemerkt hatte.

"Schuldig", sagte Karla und spürte, wie ihre Wangen heiß wurden.

Bestimmt war sie rot, sie redete sich ein, dass ihm das nicht weiter auffallen würde, bei der Hitze dieses Hochsommertages, an dem die Sonne erbarmungslos herunterknallte.

Der Mann schaute zur Schlange, dann wieder zu Karla und sagte: “Ich glaube, wenn es nach dem Mob hier geht, bist du das. Die würden dich am liebsten lynchen, dafür, dass du hier den Betrieb aufhältst.”

Karla brachte kein Wort heraus, sie sah ihn stattdessen verlegen an. Dieser Mann strahlte eine Ruhe und Souveränität aus, die sie beeindruckte.

"Martin", sagte der Mann und streckte seine Hand aus.

Als er sah, dass Karla wie erstarrt dastand, lachte er und zog die Hand zurück.

"Du steckst ziemlich in der Klemme."

"Mein Portemonnaie besser gesagt."

"Komm, ich helfe dir."

Karla sah ihn irritiert an, was Martin zu bemerken schien, wie sein ebenfalls irritierter Blick verriet.

Beide lachten, und Martin sagte: "Ich meinte damit natürlich nicht, dein Portemonnaie aus deiner Hosentasche am Hintern zu ziehen."

"Das will ich aber auch schwer hoffen, schließlich …"

"Ick gloob, ick verjess mich gleich!", fluchte der Berliner, woraufhin Martin ihm einen stechenden Blick zuwarf, der den Mann augenblicklich verstummen ließ.

In Martins Blick lag nun etwas Kaltes, fand Karla. Etwas, das eine solche Autorität ausstrahlte, dass nicht nur der pöbelnde Berliner verstummt war, sondern auch das Raunen in der Schlange schlagartig aufgehört hatte.

Martin sah nun wieder zu Karla und lächelte.

Er hob eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger, mit der anderen Hand wühlte er in der Vordertasche seiner Stoffhose, aus der er ein paar Münzen hervorholte.

"Hier, stimmt so", sagte er zu dem verdutzt dreinblickenden Kaffeeverkäufer und drückte ihm die Münzen in die Hand.

"Lass uns abhauen", sagte Martin.

Dann verschwanden die beiden von diesem unruhigen Ort.

2

Berlin-Tempelhof, Kaiserin-Augusta-Straße

"Sie sind also der junge Kollege, der zuerst am Leichenfundort war?"

Hauptkommissar Bernhard Meyer holte sein goldenes Zippo aus der Tasche seiner schwarzen Jeans, während er die Antwort des uniformierten Streifenpolizisten abwartete, der neben ihm an einem mit Graffiti besprenkelten Stromkasten lehnte.

Während der Mann mit den Worten rang, betätigte Meyer das Feuerzeug und führte die Flamme gemächlich zur Spitze des Zigarillos, der zwischen seinen Lippen klemmte.

Ein kurzes Glimmen, gefolgt von blaugrauem Qualm bestätigte Meyer, dass der Zigarillo angezündet war, woraufhin er den Deckel des Feuerzeugs mit einer gekonnten Handbewegung zuschnappen und es wieder in seinen angestammten Platz in der Hosentasche verschwinden ließ.

"Ja", brachte der Kollege schließlich heraus, "eine Joggerin hat den Toten gefunden und daraufhin die Polizei gerufen."

Es war noch früh am Tag, die Sonne war erst vor einer Stunde aufgegangen, doch war die Stadt vor dem Morgengrauen längst auf den Beinen gewesen. So auch die besagte Joggerin, die der Streifenpolizist eben erwähnt hatte. Eben jener schien allmählich die Nerven zu verlieren, was Meyer anhand untrüglicher Körpersymptome wahrnahm.

Schweißperlen auf der Stirn.

Blässe im Gesicht.

Schneller, flacher Atem.

Der kotzt bestimmt gleich, kam es Meyer in den Sinn, während er dabei unweigerlich an seine Kollegin, Kommissarin Karla Schmitz, denken musste.

Ex-Kollegin, schob er gedanklich nach. Karla war inzwischen untergetaucht, die Behörden suchten fieberhaft nach ihr, weil sie bei einem terroristischen Anschlag mitgewirkt haben sollte und …

Konzentrier dich, Meyer, brachte der Ermittler sich selbst zur Räson. Es geht jetzt um diesen Mordfall und nur darum.

"Sehen Sie das erste Mal eine Leiche?", fragte er, danach blies er lässig den nach Vanille schmeckenden Tabakqualm aus.

Der Mann nickte, und begann zu würgen.

"Hey, ganz ruhig", sagte Meyer, "das geht jedem von uns so, zumindest in der Anfangszeit."

"Darauf … wurden wir in der Ausbildung nicht vorbereitet", presste der Kollege hervor, den Meyer den jugendlichen Gesichtszügen nach zu urteilen auf höchstens 25 Jahre schätzte.

Der Hauptkommissar lachte auf und sagte: "Darauf kann man auch niemanden vorbereiten." Nach einem weiteren tiefen Zug an seinem Zigarillo fragte er: "Wie kommt es überhaupt, dass Sie Streife fahren? Gehen die jungen Leute heutzutage nicht alle zur Bereitschaftspolizei?"

"Fast jeder geht zur Bereitschaftspolizei", sagte der junge Mann, "aber ich bin ziemlich früh im Streifendienst gelandet."

"Durch Beziehungen?"

"Personalmangel", schob der Kollege mit schuldbewusstem Unterton nach.

Meyer nickte.

In einer Kleinstadt oder auf dem Land mochte der Streifendienst eine relativ entspannte Angelegenheit sein. Hier, in der kriminellsten Stadt Deutschlands, war er ein einziger Alptraum. In Berlin konnte es in jeder Sekunde zu gewaltsamen Übergriffen kommen, Raub, Körperverletzung, Mord, das volle Programm eben.

Zu einer blutüberströmten Leiche gerufen zu werden, fand Meyer da noch vergleichsweise erträglich, auch wenn er die Erschütterung des jungen Mannes nachvollziehen konnte.

"Wie heißen Sie?"

"David. David Berg."

"Na schön, David Berg, haben Sie den Leichenfundort rechtzeitig abgeriegelt?"

Berg nickte und sagte: "Ich und meine Kollegin, Anastasia Grüner heißt sie."

Meyer sah sich um und beobachtete die Männer und Frauen der Spurensicherung in ihren weißen Anzügen dabei, wie sie kleine gelbe Markierungsfähnchen setzten und mit Pinseln Spuren sammelten, der Tatortfotograf schoss Fotos vom Leichnam.

"Wo ist Frau Grüner jetzt?"

"Setzt ihren Streifendienst fort."

Meyer warf Berg einen Blick zu, von dem er wusste, dass er verächtlich war. Doch in diesem Augenblick konnte er nicht anders. Es erfüllte ihn mit Fassungslosigkeit, dass Berg seine Kollegin allein weiter Streife fahren ließ, während er hier vor sich hin litt.

So jedenfalls sah Meyer die Sache, und Berg schien das zu begreifen, weshalb er sagte: "Ich bin nicht stolz darauf, wäre jetzt auch lieber mit ihr auf der Straße."

Meyer seufzte und sagte: "Gehen Sie nach Hause, ruhen Sie sich aus. Und morgen sind Sie wieder mit Ihrer Kollegin unterwegs. Klingt das nach einem Plan?"

Berg versuchte, zu nicken, doch begann stattdessen wieder, zu würgen.

"Gehen Sie, gehen Sie!", sagte Meyer und sah Berg nach, der seinem Rat glücklicherweise folgte.

Wenn etwas unangenehmer ist als ein Leichenfundort, dann ist es ein vollgekotzter Leichenfundort, ging es Meyer durch den Kopf.

Er trat näher an die Leiche, schaute zu Markus Neumann, seines Zeichens Leiter der Schutzpolizei, und fragte: "Wissen wir, um wen es sich bei dem Opfer handelt?"

"Das haben wir schnell rausbekommen", sagte Neumann, woraufhin Meyer ihn überrascht ansah.

Der Erfahrung des Hauptkommissars nach war es alles andere als üblich, dass die Identität einer Leiche schnell festgestellt werden konnte. Bisweilen dauerte es Wochen, manchmal sogar Monate, erst recht, wenn der Leichnam so übel zugerichtet war wie in diesem Fall. Diesmal schien es anders zu sein.

"Was haben Sie?", fragte Meyer, der Betroffenheit in Neumanns Gesicht erkannte.

Neumann sah ernst zu Meyer und antwortete: "Sie kennen ihn."

Meyer schaute zum Toten, dessen eine Gesichtshälfte am Asphalt zu kleben schien, während die andere blutig und von stumpfer Gewalteinwirkung gezeichnet war.

"Tue ich das?"

"In der Tat", sagte Neumann, "es handelt sich um Dimitri Adamowitsch."

Als Meyer den Namen hörte, zog sich sein Magen zusammen. Jetzt war er es, der kurz davor war, sich zu übergeben.

3

Prag, Hotelzimmer

"Das war … uff!

---ENDE DER LESEPROBE---