Borderline-Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter -  - E-Book

Borderline-Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter E-Book

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Beschreibung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine schwere psychische Erkrankung mit weitreichenden Folgen. Lange Zeit war die Diagnose dieser Erkrankung im Jugendalter obsolet, aktuelle Evidenz zur Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigt jedoch, dass eine Früherkennung möglich und eine Frühbehandlung effektiv ist. Dieses Buch gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse, zusätzlich werden verschiedene Diagnostik- und Behandlungsansätze klinisch und wissenschaftlich beleuchtet, um ein Bewusstsein für den Stellwert dieser Erkrankung zu schaffen, sowie auch optimistisch ihre Behandelbarkeit, vor allem bei früher Intervention, aufzuzeigen.

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Michael Kaess, Romuald Brunner (Hrsg.)

Borderline-Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter

Früherkennung und Frühintervention

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.

1. Auflage 2016

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-024307-1

E-Book-Formate:

pdf:       ISBN 978-3-17-024308-8

epub:    ISBN 978-3-17-024309-5

mobi:    ISBN 978-3-17-024310-1

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

Inhalt

 

 

 

 

Vorwort

1 Rationale zur Früherkennung und -intervention der Borderline- Persönlichkeitsstörung

Michael Kaess und Romuald Brunner

2 Empirische Befunde bei Jugendlichen mit einer Borderline- Persönlichkeitsstörung

Romuald Brunner und Franz Resch

3 Früherkennung und Diagnostik der Borderline-Störung im Jugendalter

Gloria Fischer und Michael Kaess

4 Grundprinzipien der Frühintervention von Borderline- Störungen im Jugendalter

Michael Kaess

5 Dialektisch Behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A)

Anne Kristin von Auer

6 Behandlung von Jugendlichen mit Identitätsstörungen (AIT) – ein integratives Therapiekonzept für Persönlichkeitsstörungen

Susanne Schlüter-Müller und Klaus Schmeck

7 HYPE: Ein kognitiv-analytisches Therapieprogramm zur Prävention- und Frühintervention bei Borderline- Persönlichkeitsstörung

Andrew M. Chanen, Louise McCutcheon und Ian B. Kerr Deutsche Übersetzung: Michael Kaess und Anna-Lena Münch

8 Quo vadis Borderline-Persönlichkeitsstörung? – Zusammenfassung und Ausblick

Michael Kaess und Romuald Brunner

Herausgeber-/Autorenverzeichnis

Vorwort

 

 

 

 

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung hat ihren Beginn in der Kindheit und manifestiert sich im Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter, so der Wortlaut in der ICD-10. Liegen aber bereits in der Adoleszenz Symptome oder Symptomkonstellationen vor, die eine Früherkennung und eine valide diagnostische Klassifikation ermöglichen? Eine valide klinische Diagnostik sowie Klassifikation stellen unabdingbare Voraussetzungen für die Früherkennung und die konsequente Einleitung frühzeitiger Interventionen dar, um dem so gravierenden psychiatrischen Krankheitsbild der Borderline-Persönlichkeitsstörung wirksam entgegentreten zu können. Stehen uns jedoch überhaupt valide und reliable diagnostische Instrumente zur klinischen und klassifikatorischen Beurteilung zur Verfügung? Welche insbesondere psychotherapeutischen Interventionsverfahren können genutzt werden, um die Borderline-Störung im Jugendalter effektiv behandeln zu können? Liegen tragfähige theoretische Modelle zur Entstehung der Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie ihrer therapeutischen Interventionen bereits vor und bauen auf ausreichend empirisch gesicherten Forschungsergebnissen auf? Die einzelnen Buchkapitel versuchen auf diese verschiedenen Leitfragen Antworten zu geben.

Schwerpunkt dieses Buches stellt eine erstmalig ausführlich beschriebene Rationale zur Früherkennung und Frühintervention der Borderline-Persönlichkeitsstörung im Jugendalter sowie ihren unabdingbaren Voraussetzungen dar – eine auf standardisierten Instrumenten basierende Diagnostik, die auch die altersspezifischen Besonderheiten der Störung erfasst. Neben dieser Rationale werden auch die Grundprinzipien der Frühintervention im Jugendalter beschrieben sowie die drei der momentan häufigsten umfassenden Psychotherapiekonzepte zur Behandlung von Jugendlichen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ausführlich vorgestellt. Gleichzeitig wird die empirische Befundlage referiert unter der Fragestellung, ob diese Ergebnisse schon handlungsanleitend für eine Früherkennung und Frühintervention sein können. Dieses Buch versammelt Beiträge von Klinikern und Wissenschaftlern, die in den letzten Jahren sehr wesentlich zum Verständnis der Genese sowie auch der Diagnostik und Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung im Jugendalter beigetragen haben.

Wir hoffen, mit diesem Buch vielfältige Anregungen und einen umfassenden Einblick zum aktuellen Kenntnisstand der Entwicklung, Diagnostik und Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung im Jugendalter gegeben zu haben und hoffen, dass diese Beiträge nicht nur unser Verständnis für diese schwerwiegende Erkrankung verbessern, sondern auch unseren therapeutischen Handlungsspielraum erweitern können.

Michael Kaess und Romuald Brunner

Heidelberg im November 2015

1          Rationale zur Früherkennung und -intervention der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Michael Kaess und Romuald Brunner

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den Bereichen der Affekte, des Selbstbildes und der zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Hinzu kommt ein hohes Maß an Impulsivität einhergehend mit autoaggressiven Symptomäquivalenten (Suizidalität, selbstverletzendes Verhalten, Substanzmittelmissbrauch) und häufig unkontrollierbarer Wut (Falkai et al. 2014). Patienten pendeln in zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung des Gegenübers, häufig bemühen sie sich gleichzeitig verzweifelt, ein tatsächliches oder vermeintliches Verlassen werden zu vermeiden. Viele Patienten berichten über einerseits starke und häufig unerklärbare Gefühle des »Druckes« und der »Anspannung«, andererseits über ein »Gefühl der Leere«, welches häufig in engem Zusammenhang mit dem Phänomen der Dissoziation steht, das bei Borderline-Patienten ebenfalls gehäuft beobachtet wird (Brunner et al. 2001).

Bei der Diagnosestellung der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind immer auch die allgemeinen diagnostischen Kriterien zu Persönlichkeitsstörungen zu beachten. Nach der derzeit in Deutschland gültigen Klassifikation der World Heath Organisation (WHO), der 10. Auflage der International Classification of Diseases (ICD-10), ist eine Persönlichkeitsstörung gekennzeichnet durch rigide und wenig angepasste Verhaltensweisen, die eine hohe zeitliche Stabilität aufweisen, die situationsübergreifend auftreten und die zu persönlichem Leid und/oder gestörter sozialer Funktionsfähigkeit führen. Es handelt sich also um tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster mit starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen. Betroffen sind Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Beziehungen zu anderen. Hierdurch können die Persönlichkeitsstörungen von vielen anderen psychischen Störungsbildern unterschieden werden (Dilling und Freyberger 2010).

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird nach der 5. Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) bei Erfüllung von 5 aus 9 Diagnosekriterien (Kap. 3) diagnostiziert, die spezifischen und zeitlich überdauernde Merkmale (sog. »traits«) der Störung darstellen (Falkai et al. 2014). Nach ICD-10 stellt die Borderline-Persönlichkeitsstörung einen von zwei Subtypen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung dar. Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ ist hier gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle (analog zum impulsiven Typ). Zusätzlich kennzeichnet sich dieser Typ durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen (Dilling und Freyberger 2010). Aus der phänomenologisch-psychologischen Forschung konnten in den letzten Jahren noch weitere wesentliche Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung herausgearbeitet werden. Hierzu gehören eine besondere Empfindlichkeit für Zurückweisung (sog. »rejection sensitivity«), Schwierigkeiten mit Vertrauen und Kooperativität, eine negative Selbst- und Körperwahrnehmung und intermittierende Feindseligkeit (Fonagy et al. 2015).

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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