Büro 99 - Hildegard Springer - E-Book

Büro 99 E-Book

Hildegard Springer

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Beschreibung

Moritz Saltato findet beim Paddeln im Luitpoldhafen auf der Suche nach seinem versunkenen Handy einen alten Schlüssel. Mit Max, einem Freund aus dem Club, untersucht er den Gang, der hinter einer Tür in der Hafenmauer beginnt, und trifft auf ein verzweigtes System an Stollen und Kanälen unter der Stadt. Wohin sie wohl führen? Am Ende wird ihm klar, was es mit dem ominösen Büro 99 auf sich hat.

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Seitenzahl: 84

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Büro 99

Hildegard Springer

Buchbeschreibung:

Moritz Saltato findet beim Paddeln im Luitpoldhafen auf der Suche nach seinem versunkenen Handy einen alten Schlüssel. Mit Max, einem Freund aus dem Club, untersucht er den Gang, der hinter einer Tür in der Hafenmauer beginnt, und trifft auf ein verzweigtes System an Stollen und Kanälen unter der Stadt. Wohin sie wohl führen? Am Ende wird ihm klar, was es mit dem ominösen Büro 99 auf sich hat.

Über die Autorin:

Hildegard Springer wurde 1938 in Oberfranken geboren und lebt mit ihrem Mann seit 1970 in Ludwigshafen am Rhein. Mit ihrem 2017 erschienen Debut-

roman 'Radio-aktiv' beschrieb sie die Hintergründe beim Kabelpilotprojekt in ihrer Heimatstadt.

Impressum

© 2022 Baltrum Verlag GbR

BV 2251 – Büro 99

Umschlaggestaltung: Baltrum Verlag GbR

Lektorat, Korrektorat: Baltrum Verlag GbR

Herausgeber: Baltrum Verlag GbR

Verlag: Baltrum Verlag GbR, Weststraße 5, 67454 Haßloch

ISBN: 978-3-910388-10-9

Internet: www.baltrum-verlag.de

E-Mail an [email protected]

Druck: BoD

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Büro 99

Hildegard Springer

Baltrum Verlag

Weststraße 5

67454 Haßloch

Moritz Saltato hatte die Schnauze voll, wenigstens für heute. Deshalb hatte er sich sein Boot geschnappt und zu Wasser gelassen. Mit dem ersten Eintauchen des Paddels in die zugegeben etwas trübe Brühe des Luitpoldhafens besserte sich aber schlagartig seine Laune, die bleierne Müdigkeit fiel von ihm ab, und er nahm Fahrt auf. Die nächste Stunde würde er auf dem Wasser verbringen, den Tagesablauf noch einmal Revue passieren lassen und vergessen, wie viel Mühe er in seine Kunden gesteckt hatte. Die meisten waren zufrieden und die übrigen müssten sich bis zum nächsten Tag gedulden. Der Abend gehörte ihm allein und seinem Hobby.

Ruhig zogen die hohen Sandsteinmauern des Hafenbeckens vorbei, er hatte schon eine gute Strecke zurückgelegt, bis er die mittlere Drehbrücke erreichte. Die war doch vor dreißig Jahren erneuert worden, er selbst hatte beim Einbau der neuen zugesehen und fachkundig mit seinen Freunden die Stahlteile begutachtet, als der Schwimmkran die Brücke einsetzte. Das Lager in der Mitte des Beckens war ausgeschlagen gewesen. Nun aber wurde die alte Brücke saniert, die die Parkinsel seit über hundert Jahren mit dem Festland verband. Der alte Luitpoldhafen hatte schon viele Jahre auf dem Buckel, aber seit der neue Kaiserwörthhafen gebaut worden war, fiel er in einen Dornröschenschlaf. Nur die Wassersportler weckten ihn noch sanft, die Kähne hatten ihn schon lange verlassen. Das Becken müsste auch wieder einmal ausgebaggert werden, kam es Saltato in den Sinn. Dafür müsste man aber eine Stange Geld hinlegen, sagte er sich. Und wer ist in der heutigen Zeit schon bereit, unnütze Anlagen in Stand zu halten. Er konnte mit seinen Freunden vom Verein zufrieden sein, dass niemand ihnen den Sport verdarb. Auf dem Rhein draußen waren die Wassersportler nur noch gelitten. Hier aber würden sie so schnell nicht vertrieben.

Unter der mittleren Drehbrücke gab es Wirbel, er wich ihnen sorgfältig aus, denn die Stelle hatte er in schlechter Erinnerung. Als kleiner Junge schon hatte er Boote gebaut. Eines war ihm besonders gut gelungen und er ließ es im Hafen zu Wasser, die Funkanlage funktionierte wie eine Eins. Schnurrend lief das Boot über die Wasserfläche, bis es plötzlich zu trudeln anfing und dann innerhalb weniger Sekunden versank. Er schrie entsetzt auf, ein paar Ruderer hatten das Drama mit angesehen und kamen zu Hilfe, aber alle Mühe war umsonst. Sein ganzes Taschengeld, die monatelange Plackerei, alles versank im eisigen Hafenwasser.

Die Niederlage von damals wurmte ihn lange, hatte ihn aber niemals vom Wasser ferngehalten. Er trat in den Kanu-Club ein und verbrachte seine ganze Freizeit in der Kindheit und Jugend auf dem Rhein. Sein Geburtsmonat ließ eine andere Sportart gar nicht zu. Er war Fisch und das mit Leib und Seele.

Inzwischen hatte er die Schneckennudelbrücke passiert, eine Fußgängerbrücke, die vom Rheinufer zum Stadtpark führt und immer von Spaziergängern, Joggern, Radfahrern und Kinderwagen schiebenden Müttern bevölkert ist. Sie bewundern die grandiose Aussicht auf die Schwesterstädte Ludwigshafen und Mannheim, beobachten die Schiffe auf dem Rhein. Vor der Mündung des Hafens in den Strom machte er kehrt und paddelte erneut unter der Schneckennudelbrücke durch. Heute konnte er sie wieder ausmachen, die Gruppe von Jugendlichen, die sich regelmäßig am Hafenbecken zusammenrottete. Sie hatten sich seit dem vergangenen Jahr leider den Treffpunkt am Hafenbecken ausgesucht und trieben dort ihre Spielchen. Was die Kerle dazu bewegte, anderen Leuten das Leben schwer zu machen, blieb ihm ein Rätsel. Jedenfalls rissen sie heute Pflastersteine aus dem Gelände und bewarfen damit die Sportler auf dem Wasser. Da spritzte doch gerade ein Stein neben ihm auf. Er blickte hoch und sah die Rowdies lachend neben dem Boot herlaufen. Schon wieder hob einer einen Stein. Saltato hieb wütend mit dem Paddel in die Flut und suchte sein Heil in der Flucht.

»Na, wartet, ihr Früchtchen«, rief er, »ich werde die Polizei holen. Die werden euch die Flausen austreiben.«

Das hätte ins Auge gehen können, dachte er, und das Boot ist auch nicht billig.

In Höhe des Heppes-Turms, einem verlassenen Getreidespeicher, hielt er an. Er hatte, weil er schon öfter attackiert worden war, sein Handy mitgenommen. Gut verpackt in einer wasserdichten Folie lag es im Boot. Er griff danach und wollte es aus der Hülle nehmen. Da glitten seine nassen Hände ab und das Handy landete im trüben Nass. Er grapschte so heftig nach ihm, dass er beinahe gekentert wäre.

»So, dass auch noch«, stöhnte er, »das Ding ist nagelneu. Wie soll ich es jemals wieder aus dem Wasser fischen.«

Wütend paddelte er die letzten Meter bis zur kleinen Treppe, die auf den Hafendamm hinaufführte. Dort stieg er aus und trug das Boot zurück zum Vereinsheim. Die Kollegen wunderten sich, als er grußlos in der Dusche verschwand. Was war denn dem über die Leber gelaufen? Sonst war Saltato doch immer für einen Scherz gut. Max, sein Vereinsfreund ging zu ihm hinüber.

»Was ist los mit dir, Speedy? So kenne ich doch gar nicht, welcher Sack hat dir das Boot zerdeppert?«

»Na was denn, diese Underdogs tyrannisieren den ganzen Hafen. Heute hätten sie mich beinah getroffen.«

Und dann bekam Max zu hören, was die Bande, die die gesamte Sportlerschar tyrannisierte, wieder getrieben hatte. Zudem vermisste nun Saltato sein nagelneues Handy. Es lag im Hafen und wenn er Glück hätte, wäre es vielleicht noch heil, denn die Folie könnte es geschützt haben. Aber wie sollte er es wieder finden, es lag in zwei Meter Tiefe, im Schlamm und war sicher für alle Zeit verloren. Max überlegte:

»Wenn ich meine Taucherausrüstung holen würde, könnte ich vielleicht danach suchen.«

Und nach kurzem Überlegen beschlossen die beiden Freunde, es wenigstens zu versuchen. Sie fackelten nicht lange, fuhren umgehend zur Wohnung des Freundes und eine halbe Stunde später zwängte sich Max in seine Ausrüstung. Die Helligkeit würde noch eine Stunde lang reichen, sie wollten es probieren. Max stieg ins Wasser, Saltato wartete am Ufer und sicherte den Freund.

Nach einer Weile, in der nur Blasen an die Oberfläche gestiegen waren, tauchte Max auf, zog sich schwerfällig an Land und schüttelte traurig den Kopf.

»Das Wasser ist einfach zu trüb, der Schlamm liegt einen halben Meter hoch und verschluckt alles. Ich habe nur tasten können. Tut mir leid, aber ich konnte das verdammte Handy nicht finden.«

Damit schälte er sich traurig aus seinem Anzug und setzte sich auf die Kaimauer.

»Ich hätte dir gerne geholfen, aber ...«

»Das macht doch nichts, ich glaubte sowieso nicht, dass man in der Brühe noch irgendetwas finden könnte«, bedauerte Saltato, »danke dir, du bist ein echter Freund.«

»Aber ich habe trotzdem etwas gefunden.« Damit hob Max die Hand hoch und zeigte auf ein rostiges Etwas.

Sie betrachteten den Gegenstand näher und siehe da, er entpuppte sich als ein alter Schlüssel mit einem eigenartigen Doppelbart. So einen hatten beide noch nie gesehen. Er musste lange im Wasser gelegen haben. Welches Schloss hatte der wohl geöffnet? Mit einem Mal hatten beide das Handy vergessen. Der Schlüssel gab Rätsel auf. Sie schlenderten zurück zum Bootshaus und verabschiedeten sich. Saltato steckte den Schlüssel gedankenverloren ein.

Langsam trollte er sich nach Hause in seine Einzimmerwohnung, die gleichzeitig als Büro und Wohnung dienen musste, denn seit er Estelle abserviert hatte, kampierte er hier in diesem Appartement in einem Hochhaus am Rhein. Er liebte diesen Blick aus dem Fenster auf seinen Strom, auf die Lastkähne, die Boote und auf die nächtlichen Lichter des anderen Ufers Mannheims. Dort hatte er vor einigen Jahren mit seiner Freundin gelebt. Sie war seine große Jugendliebe gewesen, er hatte ihr zuliebe sogar sein Abitur gemacht, zwar mehr schlecht als recht, der Unterricht hatte ihn gelangweilt, lieber hatte er in der Pause Skat gespielt oder in den höheren Klassen bei Mac Donalds Geld verdient. Die Eltern hatten seinen Job erst entdeckt, als die Schule rebellierte und nachfragte, ob ihr Sprössling sich abgemeldet habe. Dann aber brach ein Donnerwetter los, das ihn tagelang dazu zwang, bei seiner Freundin zu übernachten. Aber was sollte er machen. Er brauchte Geld für sein Mofa. Und das Frisieren des Motors kostete eben auch Geld.