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Calle Öhrchen ist zurück. Diesmal erhält er einen besonders delikaten Auftrag. Er muss unbedingt den Besitzer eines geheimnisvollen Körbchens ausfindig machen. Es gibt keinen Namen und keinerlei Spur ... Mit seinen tierischen Freunden Bertil Bentheimer & Ferkelchen Frech begibt er sich auf eine abenteuerliche Spurensuche. Ihr Lieblingsmensch Paul Popilein muss die drei Rabauken tatkräftig bei ihren Manövern unterstützen und manches Mal bremsen. Calle erzählt uns eine wilde Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt, Eifersucht und auch ein bisschen über erwachsen werden.
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Seitenzahl: 156
Veröffentlichungsjahr: 2023
Von Ana Voogd
www.calleoehrchen.de
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 Was bisher geschah ...8
Kapitel 2 Witterung12
Kapitel 3 Spurensuche14
Kapitel 4 Beihilfe18
Kapitel 5 Ablenkungsmanöver22
Kapitel 6 Beweismittelvernichtung26
Kapitel 7 Ein kleines Wunder31
Kapitel 8 Pauls Pubertät34
Kapitel 9 Annikas Fluch37
Kapitel 10 Irrungen & Wirrungen41
Kapitel 11 Ein ernstes Wörtchen47
Kapitel 12 Überstunden51
Kapitel 13 Die Stunde der Wahrheit55
Kapitel 14 Namensfindung59
Kapitel 15 Das Amulett64
Kapitel 16 Der Piepser71
Kapitel 17 Gebärden78
Kapitel 18 Calles Schultag82
Kapitel 19 Das Buch88
Kapitel 20 Brainstorming94
Kapitel 21 Volle Fahrt voraus101
Kapitel 22 Der Aushang107
Kapitel 23 Wem gehört Máti?112
Kapitel 24 Erwachsen werden118
Kapitel 25 Calle kann’s nicht lassen122
Kapitel 26 Wer hat an der Uhr gedreht?128
Kapitel 27 Geisterjäger133
Kapitel 28 Altersheim der Kuscheltiere141
Kapitel 29 Máti muss heim147
Kapitel 30 Calle außer Haus151
Kapitel 31 Bäumchen wechsel dich154
Nachwort: Ein Bär namens Bruno158
Calle Öhrchen - Geheimagent
von Ana Voogd
Für alle, die Kuscheltiere mögen.
Und sie sprechen doch!
Buchbeschreibung:
Calle Öhrchen ist zurück. Diesmal erhält er einen besonders delikaten Auftrag. Er muss unbedingt den Besitzer eines geheimnisvollen Körbchens ausfindig machen. Es gibt keinen Namen und keinerlei Spur ... Mit seinen tierischen Freunden Bertil Bentheimer & Ferkelchen Frech begibt er sich auf eine abenteuerliche Spurensuche. Ihr Lieblingsmensch Paul Popilein muss die drei Rabauken tatkräftig bei ihren Manövern unterstützen und manches Mal bremsen. Calle erzählt uns eine wilde Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt, Eifersucht und auch ein bisschen über erwachsen werden.
Über die Autorin:
Ana Voogd lebt in Münster. Schreiben ist ihr Hobby. Hauptberuflich betreibt sie eigene Gastronomien in der Innenstadt Münsters, wo auch diese Geschichte spielt. "Das Findel" ist der zweite Band der Calle Öhrchen-Reihe. Das erste Buch erschien Ende 2022 als Paperback unter dem Namen "Entenjagd".
Calle Öhrchen - Geheimagent
Das Findel
von Ana Voogd
www.calleoehrchen.de
1. Auflage, 2023
© Alle Rechte vorbehalten.
www.calleoehrchen.de
Kapitel 1 Was bisher geschah ...
Calle Öhrchen ist kein gewöhnlicher Stoffhase. Seine langen Ohren baumeln fast bis zum Boden. Er wohnt mit seinen Menschen im beschaulichen Münster. Natürlich weiß er, dass dort noch ein anderer Hase lebt, aber das ist ihm völlig schnuppe. Dank seiner enormen Öhrchen – die ihm zu allerlei Fertigkeiten verhelfen – gilt er als bester Geheimagent Westfalens. Und weil kein Geheimagent auf der ganzen Welt alleine ermittelt, hat Calle jede Menge Komplizen.
„Hey Calle, komm spielen“, ruft Paul Popilein durch die Tür. Er ist schon zwölf und geht in die siebte Klasse des Schlaun-Gymnasiums.
„Popilein, du bist mein bester Freund. Ich liebe dich wie einen Bruder“, fiepe ich freudig und öffne die Tür.
Bertil Bentheimer und Ferkelchen Frech schauen mich mit leuchtenden Augen an. „Setz dich, Calle, wir spielen Drecksau und brauchen noch einen Verlierer“, grunzen sie ungestüm.
Sie wohnen auch bei uns. Zwei Schweinchen, aber das habt Ihr sicher selbst rausgefunden. Bentheimer sind ja keine Hasen. Und Ferkelchen noch viel weniger. Grunzen kann ich zwar auch, aber nicht so perfekt wie die beiden. Sie haben es mir beigebracht, damit ich zu ihrer Rotte gehöre. So bezeichnet man ein Rudel Wildschweine. Das wild gefällt mir besonders daran.
Wir wohnen in einem Hotel. Das klingt ungewöhnlich, aber für uns ist das ganz normal. Pauls Eltern vermieten vierzig Zimmer an Gäste, die Münster besuchen kommen. Ach ja Popilein ist Pauls Spitzname aus Kleinkindtagen. Ein sehr gelungener, wie ich finde.
Unser letztes Abenteuer haben wir gerade mit Ach und Krach überstanden. Emmy und Finn sind wohlbehalten auf ihrem Weingut in Landau zurück. Manchmal schreiben sie uns Nachrichten per Handy. Zusammen hoffen wir, dass es im nächsten Jahr ein Wiedersehen geben wird.
Meine Öhrchen sind mir oft eine prima Hilfe, beispielsweise wenn wir Fahrstuhl fahren oder Türen öffnen. Sie kommen einfach überall dran. Außerdem kann man mit ihnen alles abhören, auch wenn die Gespräche weiter weg oder hinter Türen stattfinden. Zu guter Letzt haben sie uns vor den bösen Männern in der Wäscherei gerettet. Ich habe so lange mit ihnen gewackelt, bis sie uns schließlich entdeckt haben. Das war wirklich knapp.
Popilein muss noch sein geborgtes Geld bei Herrn Polster, unserem Hausmeister, abarbeiten. Und vielleicht packt er eine Stunde obendrauf, um Mama endlich die versprochenen Blumen zu kaufen. Eine ältere Dame hat ihm geraten, dass man mit einem Strauß um Verzeihung bitten könne, ohne dabei etwas zu sagen. Erwachsene können schon komisch sein. Aber was soll’s, ich mag Blumen und noch mehr daran zu schnuppern. Also immer her damit!
Annika, unsere Azubine in der Verwaltung – so nennt man den Bürokram – versucht immer noch, uns auf die Schliche zu kommen. Bei ihr müssen wir ganz besonders vorsichtig sein, wenn wir uns die Pfoten im Hotel vertreten. Sie vermutet überall ein Komplott gegen sich. Vielleicht hat sie sogar ein bisschen recht damit.
Tobi, unser Azubi in der Küche, macht sich gut und hat weniger Angst vor Hubert, seinem Chef. Die Zwischenprüfung hat er mit einer glatten Zwei bestanden. Und sobald Hubert wieder fies zu ihm werden sollte, erteilen wir ihm eine weitere Lektion. Mit wir sind in diesem Falle Bertil, Frech und ich gemeint. Popilein muss sich als Junior Chef bei solchen Manövern zurückhalten. Sonst gäbe es mächtig Stress mit Constanze und Fridolin, seinen Eltern. Huberts Lieblingskochlöffel hüte ich seit dem letzten Mal wie meinen Augapfel. Den darf er ruhig noch ein bisschen suchen. Strafe muss sein! In naher Zukunft lege ich ihn heimlich zurück. Spätestens dann wird er von der Anwesenheit einiger Hotelgeister überzeugt sein.
Und unsere Berta darf ich nicht vergessen. Sie ist die gute Seele des Hotels und reinigt die Zimmer. Als es drauf ankam, hat sie geschwiegen wie ein Grab. Prima Perle!
So nehmen die Dinge ihren Lauf und der Alltag hält Einzug. Sogar in meinem Hasenleben. Alles ist getaktet. Popilein hat wenig Zeit zum Spielen, so dass ich mich mit Bertil & Frech ablenke. Meistens ziehe ich allerdings alleine durchs Hotel und schaue nach dem Rechten. Morgens gibt es erst ein Marmeladenbrot und dann husche ich durch die Etagen und erkunde, ob in den Gästezimmern alles seine Ordnung hat. Sind die Fenster geschlossen, der Kühlschrank, die Türe? Hat niemand etwas vergessen und fehlt auch nichts, Seife zum Beispiel? Sind neue Kuscheltiere angereist, die ich kennenlernen könnte? Fragen über Fragen.
Ihr müsst wissen, dass wir untereinander reden können. Alle Stofftiere immer. Und wir können uns mit Popilein verständigen, weil er das Geheimnis gelüftet hat. Erwachsenen hingegen bleibt das verwehrt. Sie sind schlichtweg zu alt dafür.
Mama Constanze und Papa Fridolin sind wie alle Eltern. Das muss ich euch nicht extra erklären. Ihr habt ja selber welche! Da gibt es Schlafenszeiten, Essenszeiten, Zeiten für Hausaufgaben und feste Zeiten für den Gebrauch von Handy, PC oder TV. Erwachsene regeln gerne alles und jeden. Mit sich selbst sind sie aber nicht so streng.
Wir Kuschels essen und trinken nur, was uns schmeckt, verdauen alles und müssen nie Pipikaka. Gerne benennen wir Dinge um, weil wir die Wörter zu umständlich oder langweilig finden. Achtet drauf, es kommen immer wieder welche in der Geschichte vor.
Und genau jetzt geht diese auch schon los ...
Kapitel 2 Witterung
Wir springen zurück an das Ende des vorherigen Abenteuers. Annika hat Nachtdienst an der Rezeption. Die letzten Gäste haben den Biergarten verlassen. Im Hotel ist es still geworden und es scheint, als schliefen alle. Popilein liegt in seinem Bett und ist bereits eingenickt. In seinen Armen hält er Bertil & Frech. Dreimal dürft ihr raten, wer als Einziger noch wach ist? Genau, ich, Calle Öhrchen, seines Zeichens Geheimagent. Eine vage Witterung lässt mich nicht zur Ruhe kommen.
Ich husche heimlich aus der elterlichen Wohnung im 5. Stock. Bewaffnet mit einer Taschenlampe, dem Schlüsselchip und meinen Schlappohren. Mit ihnen öffne ich die Wohnungstür, so leise ich kann, und schleiche hinaus auf den Flur. Magisch zieht mich das Fenster am Ende des Ganges an. Ich folge meinem Gespür. Der Lichtkegel der Handleuchte weist mir den Weg.
An der Scheibe angekommen, schalte ich die Lampe aus. Niemand soll meine Silhouette sehen. Vor dem Hoteleingang steht Annika. Komisch, sie sollte doch drinnen sitzen und Wache halten. Na ja und helfen, wenn ein Gast etwas braucht. Kopfschmerztabletten sind des Nachts sehr gefragt, haben meine Öhrchen heimlich vernommen.
Sie hockt über etwas. Ich kann nicht sehen, was es ist, dafür ist der Winkel zu steil. Vorsichtig öffne ich den Fenstergriff und lehne mich vorne über. Ein Öhrchen wickel ich wie ein Seil um den Knauf, damit ich nicht hinaus purzele. Nicht auszudenken, wie Hasenmatsche wohl aussähe!
Was tut sie da bloß? Sie beugt sich über einen Gegenstand, dann hebt sie ihn blitzartig hoch, blickt sich verstohlen um und verschwindet im Innern des Hotels. So schnell wie möglich muss ich an die Rezeption, um rausfinden, was sie mitgenommen hat.
Wird Zeit, Bertil & Frech zu wecken. Wir haben einen neuen Fall. Dessen bin ich mir sicher. Ich brauche die beiden, um Annika abzulenken. Sie ist eine übereifrige Person und nimmt ihren Job mehr als genau. Keine leichte Aufgabe, aber machbar für einen Hasen und seine tierischen Komplizen.
Zurück im Kinderzimmer, ziehe ich die Schweins sanft aus Popileins Umarmung. Er schläft inzwischen tief und fest. Als sie erschrocken aufwachen, presse ich jedem ein Öhrchen auf ihren Rüssel, damit sie nicht laut losgrunzen. Müde und verwundert starren sie mich an. Hektisch gestikulierend winke ich sie aus dem Zimmer.
„Ein brandheißes Abenteuer wartet auf uns. Beeilt euch! Wir müssen sofort aufbrechen“, flüstere ich aufgeregt.
Kapitel 3 Spurensuche
Unverzüglich ziehen wir drei Glücksritter auf leisen Sohlen von dannen. Bertil & Frech sind keineswegs überzeugt von dem angekündigten Abenteuer. Aber wie immer machen sie aus freien Stücken mit.
„Was hast du gesehen, Calle?“, will Frech wissen.
„Pst, nicht so laut. Wenn uns jemand hört“, stoppt Bertil die aufkommende Euphorie.
Wir schlupfen in den Fahrstuhl. Ich drücke Etage eins, damit uns Annika nicht direkt sieht, wenn wir ungebremst im Erdgeschoss landen würden. Die Türen schließen lautlos. Moderne Maschinen sind Gold wert, um sich unauffällig fortzubewegen.
„Jetzt sag schon!“, bohrt direkt Frech weiter, „sonst komme ich nicht mit!“
„Immer mit der Ruhe“, besänftige ich ihn. „Ich konnte nicht schlafen, eine innere Unruhe, die mir bedeutet hat, dass etwas nicht stimmt.“
„Ich habe tief geschlummert. Klingt spannend. Sprich weiter, Calle!“, ermuntert mich Bertil.
„Es war so“, rede ich geheimnisvoll, „ich habe Annika vom Fenster aus beobachtet. Sie hat etwas Rätselhaftes vor dem Hotel gefunden. Bevor ich sehen konnte, was es war, hatte sie es gepackt und war entschwunden.“
„Das ist alles?“, fragt Frech enttäuscht.
„Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es etwas mit uns zu tun hat“, entgegne ich bestimmt. „Sie hat sich verdammt auffällig benommen. Ihr müsst mir vertrauen!“
Bertil ist sofort dabei: „Wegen meiner kann’s losgehen!“
Der Aufzug stoppt geräuschlos auf Etage eins. Ein kurzer Check, ob uns jemand sieht. Niemand. Alles ist dunkel. Wir verkriechen uns umgehend ins anliegende Treppenhaus. Hier fühlen wir uns geschützt und können in aller Ruhe einen Plan schmieden.
„Wir sollten uns aufteilen. Frech ist der Kleinste und muss es über das Erdgeschoss direkt versuchen. Ich komme von außen über die Tiefgarage und Bertil nimmt die Treppe aus dem Keller und verschanzt sich anschließend bis auf weiteres in der Küche. Ich marschiere voraus und öffne euch die Türen, bevor ich meines Weges gehe“, gebe ich vor.
„Das hört sich machbar an.“, stimmen die Schweins zu.
„Wir suchen nach einem Paket, Kiste oder Korb“, schildere ich meine Beobachtung vom Fenster. „Annika wird es irgendwo am Empfang deponiert haben. Hinzu kommt also auch, dass wir sie auf jeden Fall ablenken und weglocken müssen“, ahne ich voraus.
„Du könntest versuchen, das Außenlicht auszustellen, Calle“, fällt Bertil dazu ein. „Dann geht sie bestimmt vor die Tür und schaut nach.“
„Lass uns erst das Objekt finden, und dann überlegen, wie es weitergeht“, bitte ich die anderen. „Jeder schnüffelt ein bisschen rum und wir treffen uns in einer halben Stunde im Treppenaufgang zum ersten Stock.“
„So soll es sein. Zicke Zacke - Attacke“, schlagen wir unsere Pfoten ein.
Zicke Zacke – Attacke! lautet unser gemeinsames Kommando, wenn es ernst wird. Egal, wer von uns es ausspricht, danach beginnt die geheime Operation. Wir wünschen uns damit gegenseitig Glück und gutes Gelingen. Popilein ist natürlich eingeweiht. Den brauchen wir immer dann, wenn sogar meine Öhrchen versagen. Er ist Teil unserer Rotte, obwohl er nicht grunzen kann.
Wir strömen aus, wie besprochen. Jeder verfolgt sein Ziel. Zuerst öffne ich die Türe für Frech, dann die für Bertil im Untergeschoss. Von da aus besuche ich die Tiefgarage. Den Generalschlüssel habe ich eingesteckt, weil ich als Einziger das Hotel verlassen muss. Noch weiß ich nicht, ob ich nachher durch die Vordertür wieder hineinkomme. Ich mag nur ungern draußen schlafen. Neben dem Tor für die Autos ist der Notausgang, der sich nur von innen öffnen lässt. Das sind Feuerschutztüren, damit man immer rauskommt, wenn es brennt. Von der anderen Seite kann aber kein Unbefugter eindringen. Manche Sachen von Menschenhand sind äußerst praktisch, wie in meinem Falle.
Ich brauche ein bisschen, da es eher ungewöhnlich ist, dass Stoffhasen des Nachts alleine unterwegs sind. Mich sollte also möglichst niemand sehen. Geduckt husche ich die Häuserwand entlang und spähe durch das Frontfenster neben dem Hoteleingang. Annika sitzt nichtsahnend hinter ihrem Arbeitsplatz und blickt verträumt auf den Bildschirm. Die Arme sieht müde aus. Bei dem Gedanken muss ich unweigerlich schmunzeln. Das spielt uns in die Karten.
Und da entdecke ich auch schon Ferkelchen im Inneren, der sich geschickt hinter den Topfpflanzen verschanzt hat. Als Annika etwas unter ihrem Schreibtisch sucht, wagt er sich vor. Blitzschnell stürmt er Richtung Tresen, um sich am unteren Ende zu verstecken. So kann er um die Ecke lugen, ohne dass sie ihn sieht. Er wirft einen Blick zum Fenster, wo ich ihm ein Okay Zeichen gebe. Annikas Kopf befindet sich immer noch auf Tauchstation. In Windeseile wagt er sich vor, um zu sehen, was sie genau tut. Und was er jetzt entdeckt, kann er kaum glauben. Zwischen ihren Beinen steht ein Körbchen mit einer hellblauen Decke. Er kann nicht erkennen, was sich darin befindet. Nur dass sie unentwegt hineinsieht. Da sie abgelenkt scheint, stürmt er zurück in Richtung Topfblume neben dem Treppenhaus. Mit seinen Pfoten zeichnet er ein Viereck in die Luft. Mir ist klar, was er meint. Er hat das Objekt gesichtet.
Sobald ich zurück bin, werde ich ihn wieder in den Hausflur lassen. Mit meinen Öhrchen kann ich jede Türe aufstoßen. Nichts leichter als das.
Wir haben die wichtigste Information bereits bekommen. Es gibt etwas, was Annika unter ihrem Tisch verbirgt. Nicht mehr lange.
Kapitel 4 Beihilfe
So schnell mich meine Beine tragen, hoppel ich in Richtung Tiefgarage und Treppenflur. Parterre drücke ich die Zugangstür vorsichtig einen Spalt weit auf. Ich habe Glück, Annika telefoniert gerade mit Kunden aus dem Ausland und wirkt hoch konzentriert. Das kann ich bis hierher locker hören mit meinen Antennen-Öhrchen. Sie versucht sich auf Französisch. Ich schätze, der Anruf kommt aus Kanada. Das würde die Zeitverschiebung erklären. Wer ruft sonst mitten in der Nacht an? Und dann auch noch auf Französisch.
Frech hat den Spalt bemerkt und schiebt sich durch die kleine Öffnung zu mir. Wir klatschen uns vor Freude ab.
„Gut gemacht, Ferkelchen.“, lobe ich ihn stolz. „Lass uns Bertil abholen. Vielleicht hat Hubert etwas auf der Anrichte stehen lassen. Abenteuer machen hungrig.“
„Jau, einen Bissen könnte ich auch gut vertragen“, sagt er und stürmt voraus.
Es gibt einen Eingang vom Flur direkt ins Restaurant. Kaum ist dieser aufgestoßen, kommt uns auch schon Bertil entgegengesprungen. Sein Maul ist mit Schokolade verschmiert.
Amüsiert blicken wir uns an: „Bertil hat genascht.“
„Gar nicht wahr. Ich habe geschnüffelt, ob ich irgendwo ein Paket liegen sehe. Aber da war nichts. Ehrlich“, entgegnet er verschämt.
„Aber dein Rüssel ist ganz braun von der Schokolade“, lacht Frech.
„Ach so das. Ich habe alle Mülltonnen bei meiner Suche durchwühlt“, betont er lässig. „Der Schokokuchen steht schon für morgen bereit. Den habe ich nicht angerührt“.
„Dann machen wir das jetzt alle drei zusammen“, freue ich mich diebisch. „Los Männer, erst ein Zückerli, dann Operation zweiter Teil.“
Wir hocken uns in die Küche und naschen eine Ecke vom Gebäck. Den Rest kann Hubert immer noch in Scheiben schneiden und auf dem Büfett kredenzen. Ich würde zu gerne sein Gesicht sehen, wenn er neuerlich Geister dahinter vermutet.
„Erzähl mal, wie das Päckchen genau aussieht, Frech“, bitte ich ihn.
„Ist kein Paket. Ist ein Körbchen mit einer hellblauen Decke und etwas Unbekanntem darunter. Mehr konnte ich leider nicht sehen.“
„Ihr habt ja gar nicht gesagt, dass ihr fündig geworden seid. Sehr cool“, freut sich Bertil. Alle drei nicken.
Der Gugelhupf schmeckt wie immer vorzüglich. Hubert ist ein klasse Koch und Bäcker. Und Tobi wird bestimmt ein prima Nachfolger, nur eben netter.
„Wie lenken wir Annika ab? Es muss etwas sein, wofür sie den Empfang längere Zeit verlässt. Das Körbchen lässt sich sicher nicht ganz leicht wegbewegen und wir brauchen den Personenlift, um es in die Wohnung hochzuhieven.“
„Ich finde Bertils Idee mit der Außenbeleuchtung gar nicht schlecht“, wende ich ein. „Ich weiß, dass sich oben im Büro eine Zeitschaltuhr befindet, die nur für die Lichterkette im Biergarten zuständig ist. Normalerweise leuchtet sie bis 3 Uhr nachts, jetzt haben wir gerade erst 1 Uhr durch. Das müsste ihr auffallen“, mutmaße ich.
„Wir müssen Popilein wecken. Ohne ihn schaffen wir das nicht. Weder ins Büro zu gelangen, noch die Uhr umzustellen“, gibt Frech zu bedenken.
Hastig schlingen wir die restlichen Krümel hinunter und fahren geradewegs mit dem Lift in unsere heimische 5. Etage. Bertil & Frech warten erst einmal im Hausflur, während ich auf leisen Sohlen in das Kinderzimmer eindringe. Ich fackel nicht lange rum, sondern presse Popilein mein Ohr auf Mund und Nase. Davon wird er zwar unsanft, aber schleunigst aufwachen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.
„Hust, hust“, röchelt Popilein und reißt die Augen auf. „Bist du verrückt geworden, Calle? Das tut weh.“
Erneut halte ich ihm mit den Öhrchen den Mund zu. „Pst. Du weckst noch die Eltern auf!“
„Was zur Hölle ist los?! Warum machst du mich mitten in der Nacht wach?“
„Wir brauchen deine Hilfe. Bitte. Es geht um Leben und Tod“, klage ich theatralisch.
„Calle, ernsthaft, es geht immer um Leben und Tod, wenn du dahintersteckst“, sagt er und dreht sich wieder um.
„Nicht so schnell. Annika hat ein geheimnisvolles Körbchen gefunden und versteckt es derzeit unter ihrem Tisch an der Rezeption. Ich fühle, dass es mit mir zu tun hat. Ich weiß nicht warum. Aber bitte hilf mir. Ein allerletztes Mal. Ich bitte dich als meinen besten Freund!“, flehe ich und weiß, er kann mir nicht widerstehen.
„Ein allerletztes Mal, Calle? Dein Ernst? Wir wissen beide, dass das erst der Anfang einer Reihe Bitten sein wird.“
