Cherringham - Mord auf Sendung - Matthew Costello - E-Book

Cherringham - Mord auf Sendung E-Book

Matthew Costello

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Beschreibung

Als ein großer TV-Sender einen heiß begehrten Serienvertrag für Nachwuchsautoren ausschreibt, ist der Konkurrenzkampf eröffnet. Die Finalisten reisen zu einem Workshop ins idyllische Cherringham, um ihre Ideen weiterzuentwickeln. Doch was als kreative Woche beginnt, wird bald bitterer Ernst: Drohungen machen die Runde, und schnell wird klar - hier geht es nicht nur um Geschichten, sondern um Leben und Tod. Jack und Sarah nehmen die Ermittlungen auf. Können sie den Täter rechtzeitig entlarven?

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Seitenzahl: 164

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Grußwort des Verlags

Über diese Folge

Cherringham - Landluft kann tödlich sein - Die Serie

Die Hauptfiguren

Titel

1. Willkommen in Cherringham

2. Die Mentoren

3. Nächtliche Bewegungen

4. Der Fall

5. Das fragliche Zimmer

6. Tee mit der Chefin

7. Wo ist Nigel?

8. Tiefer graben

9. Kylie-Zeit

10. Wieder in der Spur?

11. Mehr Lügen

12. Ein plötzlicher Showstopper

13. Eine Auszeit

14. Lügen und noch mehr Lügen

15. Und noch mehr Entdeckungen

16. Die Wahrheit findet sich im Cottage

17. Tea Time

18. Neue Freunde

Über die Autoren

Impressum

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Über diese Folge

Als ein großer TV-Sender einen heiß begehrten Serienvertrag für Nachwuchsautoren ausschreibt, ist der Konkurrenzkampf eröffnet. Die Finalisten reisen zu einem Workshop ins idyllische Cherringham, um ihre Ideen weiterzuentwickeln. Doch was als kreative Woche beginnt, wird bald bitterer Ernst: Drohungen machen die Runde, und schnell wird klar – hier geht es nicht nur um Geschichten, sondern um Leben und Tod. Jack und Sarah nehmen die Ermittlungen auf. Können sie den Täter rechtzeitig entlarven?

CherringhamLandluft kann tödlich seinDie Serie

»Cherringham – Landluft kann tödlich sein« ist eine Cosy-Crime-Serie, die in dem vermeintlich beschaulichen Städtchen Cherringham spielt. Regelmäßig erscheinen sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch spannende und in sich abgeschlossene Fälle wie auch Romane mit dem Ermittlerduo Jack und Sarah.

Die Hauptfiguren

Jack Brennan hat jahrelang für die New Yorker Mordkommission gearbeitet – und fast genauso lange von einem Leben in den englischen Cotswolds geträumt. Mit einem Hausboot im beschaulichen Cherringham ist für ihn ein langgehegter Traum in Erfüllung gegangen. Doch etwas fehlt ihm. Etwas, das er einfach nicht sein lassen kann: das Lösen von Kriminalfällen.

Sarah Edwards ist Webdesignerin. Nachdem ihr perfektes bürgerliches Leben in sich zusammengefallen ist, kehrt sie mit ihren Kindern im Schlepptau in ihre Heimatstadt Cherringham zurück, um dort neu anzufangen. Das Kleinstadtleben ist ihr allerdings oft zu langweilig. Gut, dass sie in Jack einen Freund gefunden hat, mit dem sie auch in der vermeintlichen Idylle echte Abenteuer erleben kann!

Matthew CostelloNeil Richards

CHERRINGHAM

LANDLUFT KANN TÖDLICH SEIN

Mord auf Sendung

Aus dem Englischen von Sabine Schilasky

1. Willkommen in Cherringham

Emma Clarke trank den letzten Schluck von ihrem Kaffee, schob den Laptop in ihre Umhängetasche und erhob sich vom Frühstückstisch im Bell Hotel.

Sie hatte keine Zeit, die köstlichen warmen Croissants zu genießen, doch derlei Opfer gehörten zum Job.

Und was für ein Job das war!

Ihr Traumjob.

Einen Workshop organisieren – genau genommen war es ein Wettbewerb –, in dem der nächste große Hit für Global entwickelt werden sollte, den weltberühmten Streamingdienst!

Sie würde mit den richtig großen Produzenten, Regisseuren, Autoren – und Schauspielern verkehren!

Und alles, weil sich ihre Chefin Celine am Wochenende beim Skifahren den Knöchel gebrochen hatte.

Emma konnte es noch gar nicht recht glauben: Sie kam frisch von der Uni, war seit kaum drei Monaten Praktikantin bei der Chefredakteurin für Großbritannien, und auf einmal war sie in dem putzigen Cotswolds-Dorf Cherringham und organisierte ein megawichtiges Event.

War sie aufgeregt? Oh ja. Nervös? Definitiv. Aber Celine hatte darauf bestanden, dass sie einsprang.

»Du packst das, Babe«, hatte Celine gesagt, die aus Verbier anrief. »Das Mentoring-Team wird dir gefallen. Die sind alle so talentiert. Und die Autoren, die ganz neu dabei sind, die sind immer solche Süßen. Genieß es einfach.«

Und das wollte Emma unbedingt. Sie blickte auf ihre Uhr. Gerade noch genug Zeit für einen letzten Rundgang durch die Veranstaltungsräume, bevor die ersten Leute aus London eintrafen.

Als sie den Frühstücksraum verließ, lächelte sie Charlotte an der Rezeption zu und hob kurz die Hand, um ihr zu winken (mit Hotelpersonal sollte man sich stets gutstellen), dann ging sie durch die Seitentür hinaus in die Gartenanlage des Bell.

Was für ein herrlicher Morgen! Die Sonne schien auf den raureifbenetzten Rasen, Enten schwammen auf dem Teich, und die Kirchenglocken tönten durch die frische Oktoberluft.

Es war ziemlich kühl, und Emma war froh, ihre Daunenjacke anzuhaben.

Sie ging über den Rasen zu der großen mittelalterlichen Scheune, die erst kürzlich zu einem Konferenzzentrum umgebaut worden war, und trat durch die Doppeltüren nach drinnen. Hier war es schön mollig warm.

»Guten Morgen, Emma!«, rief eine Stimme vom anderen Ende der Scheune. Sie erspähte Ryan Davies, den munteren Hoteltechniker, der mit einigen Kabeln über der Schulter auf einer Leiter stand.

Hätte das nicht alles schon fertig sein müssen?

»Gibt es ein Problem?«, fragte Emma. Die Stuhlreihen für die erste Präsentation standen bereits, und besorgt eilte Emma zwischen ihnen hindurch nach vorn.

»Nein, nein, überhaupt nicht. Ich dachte nur, ich verlege noch einige Ethernetkabel zur Laptopstation«, antwortete Ryan. »Das WLAN ist prima, aber Sie wissen schon, für alle Fälle.«

»Super! Sie sind der Beste«, sagte Emma.

»Kein Ding«, antwortete Ryan, stieg von der Leiter und grinste breit. »Bei solchen Sachen, also Workshops, da geht immer was schief, nicht? Aber dann muss man eben improvisieren.«

»Stimmt genau! Keine Panik wegen Kleinigkeiten, hat meine Chefin gesagt.«

»Ganz richtig.« Ryan klappte die Leiter zusammen.

Emma lächelte ihm zu und wurde für einen Moment etwas selbstsicherer. Sie wusste, dass er erst seit wenigen Wochen hier arbeitete, doch anscheinend hatte er schon oft mit solchen Workshops zu tun gehabt, und über das Wochenende hatte sie sich häufig auf ihn verlassen müssen.

Und fand ihn vielleicht … mehr als »sympathisch«?

Diesen Gedanken verdrängte sie rasch wieder.

»Also funktioniert hier alles?«, fragte sie.

»Getestet und doppelt getestet«, antwortete er, drehte sich um und zeigte zur niedrigen Bühne. »Großer Bildschirm, Lautsprecher, Mikros, Laptops … alles bereit.«

»Was ist mit den Breakout-Räumen?«, fragte Emma. Diese kleinen Räume, in denen die Teams die eigentliche Arbeit machen würden, mussten äußerst komfortabel sein. »Muss ich die …?«

»Nein, keine Sorge, Emma. Bin schon dran. Technik, Heizung, Licht, alles überprüft und okay. Die Küche hat schon Tee und Kaffee hingestellt. Und ziemlich köstliche Snacks, von Huffington’s.«

»Aha. Sind die gut?«

»Die besten, wenn man den Leuten aus der Küche glaubt.«

»Was würde ich nur ohne Sie machen, Ryan?«, sagte Emma.

»Hey, was kann denn schlimmstenfalls passieren?«, fragte er grinsend. »Ich meine, am Ende ist es doch bloß Fernsehen, oder?«

»Klar«, sagte Emma, obwohl ihr bewusst war, dass hier ihr Job auf dem Spiel stehen könnte. Für sie war es superwichtig.

»Wie lange noch, bis die ›hohen Tiere‹ kommen?«, fragte Ryan.

»Zwanzig Minuten. Eine Limousine holt sie vom Bahnhof ab.«

»Na, dann würde ich mir an Ihrer Stelle einen Kaffee von dem Tisch da drüben nehmen, mir den besten Schokokeks aussuchen und ein bisschen Ruhe genießen, solange ich noch kann«, schlug Ryan vor, der seine Leiter aufnahm, um zu gehen.

»Das ist eine sehr gute Idee«, sagte Emma, die einsah, dass sie jetzt ohnehin nichts mehr tun konnte.

Doch dann hörte sie, wie eine Nachricht auf ihrem Telefon einging. Sie wischte übers Display.

»Oh-oh«, sagte sie. »Wie es aussieht, wird das mit dem Keks nichts.«

»Sind sie schon da?«

»Der Wagen ist eben vorgefahren.«

Einen Moment lang war sie wie erstarrt.

Kann ich das wirklich schaffen? Die werden mich alle durchschauen!

»Emma Clarke«, sagte Ryan. »Hören Sie zu. Ich kenne Sie erst seit ein paar Tagen, aber ich bin mir sicher, absolut sicher: Sie schaffen das. Sie werden großartig sein.«

»Ach, Ryan.« Emma war unendlich dankbar für seine Unterstützung. »Am Mittwochabend, wenn das hier vorbei ist, spendiere ich Ihnen einen Mega-Cocktail in dieser vornehmen Bar in der High Street!«

»Ha! Ein Pint im Ploughman’s ist eher meins«, sagte Ryan.

»Also abgemacht, ins Ploughman’s. Wo immer das sein mag!«

Dann drehte sie sich um und machte sich auf den Weg zur Rezeption, um sich ihrem Schicksal zu stellen.

2. Die Mentoren

Emma lief durch den Haupteingang des Hotels nach draußen und wäre beinahe auf den Steinplatten ausgerutscht, die der ungewöhnlich frühe Frost vereist hatte. Die Limousine fuhr eben wieder weg, die Einfahrt hinunter.

»Ups, fast hätte ich einen Purzelbaum gemacht!«, sagte sie zu den beiden Männern und der Frau, die neben einem Kofferstapel standen. »Das wäre ja mal eine Begrüßung geworden!«

Sie lächelte den Neuankömmlingen zu, erkannte jedoch gleich, dass sie nicht in der Stimmung waren, ihr Lächeln zu erwidern.

»Offen gesagt«, entgegnete die Frau, die von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet war, passend zu ihrem superkurzen schwarzen Haar, »wäre jede Begrüßung besser als nichts. Wir stehen hier in der Kälte und frieren uns alles ab …«

»Tut mir leid!«, sagte Emma, die inzwischen alle drei genauer angesehen hatte und aus dem Akzent der Frau schloss, dass sie die berühmte amerikanische Produzentin sein musste, die den Workshop veranstaltete. »Barbara, nicht wahr?«

»Mrs Wade, falls es Ihnen nichts ausmacht«, antwortete sie. »Und was sind Sie? Der Page?«

Emma verkrampfte sich und wusste nicht recht, wie sie mit diesem frostigen Auftakt umgehen sollte. Sie hatte schon gehört, dass Barbara Wade ein wenig schwierig sein konnte, aber das hier?

Dann bemerkte sie, dass der jüngere der beiden Männer vortrat.

»Hey, achten Sie gar nicht auf meine mürrische Produzentenfreundin«, sagte er. »Sie bellt zwar, aber ich verspreche, sie beißt nicht.«

»Ich würde meine Charakternotizen für mich behalten, wenn ich du wäre, Jez«, empfahl Mrs Wade. »Du kennst weder mein richtiges Bellen noch meinen Biss. Bisher.«

»Autsch!« Jez lächelte und zwinkerte Emma zu. »Wie es aussieht, ist dies das Ende einer weiteren wunderbaren Beziehung.«

Das ist also Jez Cody, der aufstrebende, »eigenwillige« Regisseur, schloss Emma.

»Sie sind Emma, stimmt’s?«, fragte Jez, der Mrs Wade ignorierte und Emma die Hand schüttelte. »Sie leiten die Show?«

»Ja, richtig. Emma Clarke. Ich arbeite für Global –«

»Na offensichtlich«, fiel Mrs Wade ihr ins Wort. »Keine Celine?«

»Sie hatte einen Unfall. Beim Skifahren.«

Die Produzentin schüttelte den Kopf. »Typisch.«

Stille. Emma schluckte. Dies hier lief ganz und gar nicht so, wie sie gehofft hatte.

»Ich habe die E-Mail gesehen, in der stand, dass Sie sich um uns alle kümmern«, sagte Jez, der ein wenig näher kam. »Freut mich, Sie an Bord von Global zu haben.«

»Vielen Dank.« Emma war überaus froh, dass jemand sie schlicht normal behandelte. »Tut mir leid, dass Sie warten mussten. Ich dachte, der Zug käme später. Ich sage in der Rezeption Bescheid, dass man Ihr Gepäck auf die Zimmer bringt.«

»Oh, das schaffen wir allein, nicht wahr, Jez?«, sagte der andere Mann, der Julian Travers sein musste, der Autor. »Zerbrechen Sie sich darüber nicht Ihren hübschen Kopf.«

Emma war zu überrascht von Julians Worten, um zu reagieren. Sie blickte kurz zu Jez, der mitfühlend die Augen verdrehte.

»Ich muss sagen, ich freue mich auf die nächsten drei Tage«, sagte er. »Sicher werden wir eine Menge Spaß haben.«

»Spaß?« Mrs Wade runzelte die Stirn. »Um Himmels willen, Jez, hier geht es nicht um Spaß. Es geht darum, den nächsten Hit für Global zu finden.«

Dann wandte sie sich an Emma. »Okay, ich nehme an, Sie haben unseren Plan für den Vormittag? Und alles entsprechend arrangiert?«

»Ja«, antwortete Emma, die sich bemühte, so effizient wie möglich zu klingen. »Planungsbesprechung um zehn im Mentorenraum, dann eine kurze Kaffeepause, um sich mit unseren zwei Schauspielern zu besprechen, die jeden Moment –«

»Nein, das machen Jez und Julian«, unterbrach Mrs Wade sie. »Das Letzte, was ich will, ist, mit Schauspielern Kaffee trinken.«

»Okay«, sagte Emma gedehnt. »Ähm, um eins treffen die Autoren, die Sie während des Workshops begleiten, zum Mittagessen in der Scheune ein, und danach, ähm, glaube ich, leiten Sie die erste Sitzung. Ist das so richtig, Mrs Wade?«

»Korrekt«, antwortete Mrs Wade. »Also, ich nehme an, mein Zimmer ist fertig?«

»Ja.«

»Na, worauf warten wir denn dann noch?«, fragte Mrs Wade, die sich wegdrehte und ins Hotel stolzierte.

»Wollen wir das Gepäck Ihrer Majestät einfach hierlassen?«, fragte Jez mit einem Nicken zu dem riesigen Koffer der Produzentin.

Emma musste unwillkürlich lachen.

»Wollen Sie, dass ich gleich an meinem ersten Tag gefeuert werde?«, fragte sie.

Dann ging sie zu dem Koffer, packte den Griff und zog an dem Ding, um es zum Rollen zu bringen.

Was zum Teufel ist da drin? Eine Leiche?

Und als sie Jez und Julian zusah, wie sie ihre eigenen Koffer ins Hotel zogen, dachte Emma: »Zerbrechen Sie sich nicht Ihren hübschen Kopf«? In welchem Jahrhundert lebt Julian Travers?

Emma überprüfte das Büfett auf dem Seitentisch, ob auch nichts von der Mittagskarte fehlte: vegetarisch, vegan, pescetarisch, glutenfrei – ja, alles da und deutlich beschriftet.

Uff!

Es war erst Mittag, und sie war schon erledigt. Den ganzen Vormittag war sie herumgerannt und hatte die Mentoren bedient: Ihnen besondere Tees gebracht, Musterskripte ausgedruckt – asap – und vieles mehr. Oh, und sich die Nörgeleien über die Räume angehört, die Beschwerden über die Heizung, den Streit wegen des Zeitplans, der dreimal geändert werden musste.

Sie hörte, wie die Scheunentür aufging und schaute auf: Dort kamen die kürzlich eingetroffenen Schauspieler Ben und Samantha, die ins Gespräch vertieft waren.

Wenigstens sie waren entzückend gewesen! So zugewandt und einfach, nun ja … einfach wie normale Menschen! Ben kannte sie aus einer Serie, die sie gern schaute, in der er einen gut aussehenden Krankenpfleger spielte. Samantha – »Ach, sag Sam, Babe« – war Amerikanerin und sehr gechillt.

Emma glaubte nicht, sie schon mal im Fernsehen gesehen zu haben, doch wie Sam sagte, war das nicht verwunderlich, weil es so viele der besten US-Serien nie bis nach England schafften.

Sie winkte ihnen zu, doch dann sah sie, dass die beiden direkt auf das Büfett zuhielten.

»Oh, sorry«, sagte Emma. »Ich fürchte, wir sollen erst anfangen, wenn alle hier sind. Sorry, ehrlich! Aber nehmen Sie sich gern etwas zu trinken, solange Sie warten.«

»Kein Problem«, antwortete Sam und griff nach einem der Wasserkrüge.

»Oh, sieh da!«, rief Ben aus, und Emma sah, wie er eine Weinflasche aus einem der Kartons unter dem Tisch nahm. »Gewürztraminer! Mein Lieblingswein!«

»Oh, ähm, nein, tut mir leid. Mir wurde gesagt, dass es keinen Alkohol zum Mittagessen geben soll«, sagte Emma, die unsicher war, wie sie das hier handhaben sollte. »Der ist für die Party abends.«

»Haha, wo sind wir hier? In einem Sommercamp für Kinder?«, fragte Ben, der bereits den Schraubverschluss aufdrehte und sich ein großes Glas einschenkte. Er erhob es. »Cheers!«

Emma wartete, bis die beiden Schauspieler in die Sofaecke auf der anderen Seite gegangen waren, dann steckte sie die Flasche rasch zurück in den Karton, kniete sich hin und schob die Kartons weiter unter den Tisch, sodass sie außer Sicht waren.

»Brauchen Sie Hilfe?«, fragte eine Männerstimme. Emma rutschte rückwärts, allerdings nicht weit genug, und stieß mit dem Kopf gegen die Tischkante.

»Wie bitte?« Sie rieb sich den Kopf, stand auf und sah einen Mann mit Pilotenbrille und einer Ledertasche über der Schulter.

»Sind Sie für die Getränke zuständig?«

»Ich bin Emma von Global«, antwortete sie.

Was ist heute mit allen los?, dachte sie.

»Ah, ja, ich hatte die E-Mail gesehen, dass Sie alles organisieren. Auf die letzte Minute, was?«, fragte der Typ, nahm seine Sonnenbrille ab und streckte ihr die Faust hin. »Craig Tanner. Fernsehautor.«

Emma brauchte ein wenig, um zu begreifen, dass er tatsächlich einen Fistbump anstelle eines Händedrucks wollte, und tippte ihre Faust vorsichtig gegen seine.

»Cool«, sagte er.

Sie sah ihn an. Mitte vierzig vielleicht? Jeansjacke zu einer Jeans, aus der unten Cowboystiefel lugten. Breiter Nacken von zu vielen Stunden im Fitnesscenter. Und ein breiter Manchester-Akzent. Eine schräge Kombination.

Aus ihren Unterlagen kannte sie sein Genre: Hardcore Thriller.

»Sind die anderen Autoren auch hier?«, fragte Emma, wobei sie an seiner Schulter vorbeiblickte.

»Keine Ahnung. Die wollten zu Fuß vom Bahnhof hergehen. Ich habe ein Taxi genommen und war als Erster hier, also konnte ich mir das beste Zimmer aussuchen. Immer eine Nasenlänge voraus sein, falls Sie verstehen, was ich meine.«

»Oh ja, vollkommen«, sagte sie, obwohl sie es nicht verstand. Der Typ musterte sie ein bisschen zu eingehend. Es trat eine unangenehme Stille ein … dann ließ sie der Klang mehrerer Stimmen von der Tür her aufblicken.

Zwei Frauen – eine vielleicht in den Dreißigern, die andere noch fast ein Teenager – und ein deutlich älterer Mann mit Vollbart und Perlmuttbrille traten ein. Die anderen drei Autoren, nahm Emma an. Sie ging hinüber zu ihnen.

»Ich bin Emma von Global und hier, um die Firma zu vertreten und mich um Sie zu kümmern«, sagte sie in der Hoffnung, ihre Rolle von Anfang an klarzustellen.

»Cassie Blythe«, stellte sich die ältere Frau vor und nickte Emma verhalten zu.

Ah, richtig, die Sitcom über eine Gruppe politischer Aktivisten.

»Wann kommen unsere Mentoren?«, fragte Cassie.

»Oh, ähm, wir werden in wenigen Minuten alle zusammen Mittag essen«, antwortete Emma.

»Okay.« Cassie betrachtete den langen gedeckten Tisch. »Wo sitzen die Produzentin und der Regisseur?«

»Äh, es gibt keine feste Sitzordnung.«

Sie sah Cassie wenig entzückt nicken, bevor sie wegging und sich neben den Tisch stellte. Emma blickte die anderen beiden an und lächelte der jungen Frau zu.

»Sie … müssen Kylie sein«, sagte Emma und bemerkte, dass auf Kylies Armen reichlich surreale Pflanzen und noch seltsamere Kreaturen tätowiert waren. »Wow, sind die klasse!«

Kylie murmelte etwas, das Emma nicht genau hören konnte, nahm ihr Telefon hervor und schlurfte in eine Ecke des Raums.

»Sie ist ein reizendes Kind«, sagte der letzte Autor und reichte Emma die Hand. »Aber entsetzlich schüchtern. Im Zug saß ich neben ihr, und anfangs hat sie kaum ein Wort gesagt.«

»Sie ist die Fantasy-meets-Aliens-Autorin, stimmt’s?«

»Ja, genau. Schließlich konnte ich ihr ihre Geschichte entlocken. Und ich muss sagen, mir gefiel sie!«

»Sie sind Nigel, vermute ich?«, fragte Emma.

»Der Letzte, ja. Das Motto meines Lebens!«, antwortete er lächelnd.

Emma lachte. Endlich war noch jemand da, der normal schien.

»Tja, vielleicht wird diese Woche Teil der Geschichte«, sagte sie. »Ein erfolgreicher Teil.«

»Oh, das hoffe ich!«

In diesem Moment ging die Scheunentür auf, und die Mentoren kamen herein. Den erhobenen Stimmen nach zu urteilen, waren sie mitten in einem Streit.

Emma sah, wie Nigel sich zur Tür umdrehte, sofort einen Schritt zurück machte und nach dem Tisch griff, um sich abzustützen.

»Nigel, geht es Ihnen gut?«, fragte Emma besorgt und legte instinktiv eine Hand auf seine Schulter. Einen Augenblick später wandte er sich wieder zu ihr um. Er war kreidebleich.

»Sie sehen aus, als wäre Ihnen ein Geist begegnet«, sagte Emma, die diesen Ausdruck noch nie benutzt hatte, ihn jetzt jedoch sehr angebracht fand.

»W-was?«, fragte Nigel. Dann hob er eine Hand an seine Schläfe. »Verzeihung«, sagte er, als müsste er sich wach blinzeln. »Tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe. Migräne. Die verdammten Schübe kommen immer aus dem Nichts.«

»Oh nein!« Emma war ernsthaft besorgt. »Kann ich irgendetwas tun?«

»Nein, nein, nichts. Es geht vorbei, tut es immer – ich brauche bloß frische Luft«, erklärte er, und sie beobachtete, wie er zur Seite ging, wo ein Fenster offen war.

Emma war verwirrt. Ihre Mutter litt unter Migräneanfällen, daher wusste sie … das sah nicht wie einer aus. Und sie kommen und gehen nicht so schnell.

Nigel log eindeutig.

Aber warum?

3. Nächtliche Bewegungen

Emma saß hinten in der Scheune, ihr MacBook Air auf dem Schoß und bereit, sich Notizen zu machen, falls es gewünscht wurde.