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Die Heldin dieses deftigen Krimis ist Cleo Mc Leod, eine junge Afroamerikanerin, die gern Beedis raucht, es liebt, mit ihrer Harley in Höchstgeschwindigkeit dahinzuglühen und auf einem uralten Hausboot lebt. Den ersten Tag in ihrem neuen Job bei der Kriminalpolizei hat sie sich sicher anders vorgestellt, denn sie wird gleich mit einem fünffachen Kindermord und dem Mord an ihrem Kollegen Smitty konfrontiert. Bei der Aufklärung dieser mysteriösen Geschichte, in der auch ein Koffer voller Drogen und ein Haufen Skinheads und ein paar korrupte Cops eine Rolle spielen, wird sie von „Papa“ O’Brian unterstützt, einem älteren Cop kurz vor der Pensionierung, der eine Art väterlicher Freund ist und ihr mit seiner Erfahrung zur Seite steht. Beim Showdown kommt schließlich zu einer wilden Schießerei, in deren Verlauf alle Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden. – Eine spannungs- und actiongeladene Geschichte mit einer gehörigen Portion Lockerheit und Humor geschrieben.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Inhaltsverzeichnis
Tot ist tot
Alles Freunde im Department
Una bella ragazza
Mahonybabe
Jazz
Home sweet home plus E.T.
Auf's Auge gedrückt
Mahony wird wütend
Cleo, leicht erheitert
Irr unterwegs
Abgefackelt
So läuft es nun einmal
Alles Scheißer
Doc Ejis Gesöff
Honybabe spinnt! Spinnt Honybabe?
Alles ganz schön verrückt
Nothing but the blues
Nackenschmerzen und Höllenangst
Thunderstorm
Telefonieren macht Spaß
Relaxin‘ at Green Blues
Hass und verfrühter Triumph - Deadly Hunt
Schaufelt die Scheiße weg
Ein Frühstück wie im Grand Hotel
Und sie schwitzen
Auch nur eine Art von Deal
Relaxin' at Eji's
Das wars dann wohl!
Der Autor
Der Harami Verlag
Impressum
Sascha Stöckl
CLEO Mc LEOD SIEHT ROT
Alle Rechte der Verbreitung auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck sind vorbehalten.
©2019 Harami Verlag
8010 Graz
Conrad von Hötzendorfstraße 55
www.haramiverlag.at
Lektorat: Susanne Stöckl
Buchcover: Susanne Stöckl
Smitty sah auf die Leuchtziffern seiner Uhr. Mein Gott, dachte er, ich habe ja gewusst, das hier wird eine lausige Scheiße, aber so abgefuckt!, jetzt hocke ich seit dreieinhalb Stunden auf diesem rostigen Eisenstapel, die leeren Fässer vor mir stinken nach Gekotztem und es ist nass und kalt. Er griff in die Innentasche nach dem flachen Tröster für einsame Nächte, schraubte den Verschluss ab und machte einen tiefen Schluck. Er schüttelte sich, der Stoff war furchtbar, ein Schwarzgebrannter von Ari Silverman, das war ein guter Deal, Ari gab ihm hin und wieder Informationen und manchmal eine Flasche von seinem Mördergesöff, dafür ließ Smitty ihn in Ruhe seinen jämmerlichen kleinen Betrügereien nachgehen, die außer Ari vielleicht noch mühsam drei Mäuse ernährt hätten. Gelobt sei, was hart macht, dachte er und nahm noch einen Schluck. Plötzlich war draußen in der Catfish Bay ein schwaches Licht zu erkennen, das langsam näherkam. Smitty war elektrisiert, du verdammte, verreckte Kolumbianersau, dachte er, seit einem halben Jahr bin ich hinter dir her, heute ist es so weit.
Der blendende Strahl einer Taschenlampe erfasste ihn. Smitty sprang hoch und eine raue Stimme blaffte:
„Hallo, Smitty! Ein guter Freund von dir hat mir gesagt, dass ich dich hier treffe!“
Die Augen von Charles Fennimore Smith erfassten das Aufblitzen des ersten Schusses, rasender Schmerz zerriss seinen Bauch und er wurde gegen die Fässer geschleudert. Der zweite fegten ihn von den Beinen. Das Blut, das bis über die raue, zerbröckelnde Wand neben dem Fässerstapel gespritzt war, erinnerte Titi an die Fleischhauerei seines Vaters in Reggio Calabria. Das hast du gut gemacht, dachte er zufrieden, du brauchst dich nicht zum Krüppel buckeln wie dein Alter! Dann ging er langsam auf den Schreienden zu, trat ihm ins Gesicht, setzte die Waffe an der Schläfe an und drückte ab.
Sergeant Sean O'Brian erhob sich ächzend von seinem alten, abgewetzten Sessel und zupfte seine breiten Hosenträger zurecht, die seine graue, abgetragene Hose gerade noch vor dem endgültigen Hinunterrutschen über seinen doch schon etwas gewölbten Bauch bewahrte. Er strich seinen buschigen, etwas strubbeligen und schon angegrauten Schnurrbart zurecht, griff nach der kleinen, grünen Gießkanne und begann mit der allmorgendlichen Bewässerung seiner Blumen, die sich als bunt blühender Minidschungel auf dem Fensterbrett neben seinem Schreibtisch ausbreiteten, als die Türe aufgestoßen wurde und das hagere, säuerlich-missmutige Gesicht von Detective Abraham Hawn in der dunklen Öffnung auftauchte. Er hatte seine wenigen, hellblonden Haare mit Haargel in einem exakten Linksscheitel straff zur Seite gekämmt und stank schon auf drei Meilen gegen den Wind nach diesem schrecklichen Billig-Aftershafe, Men's Power oder wie immer es sonst auch hieß. Abe stakste mit dem allmorgendlichen Knurren an Papa O'Brian vorbei und hockte sich mit verbiestertem Gesichtsausdruck an seinen Schreibtisch, während Chico schwungvoll hereingerauscht kam. Sein freundliches „Guten Morgen, ihr lieben Leute!“ ließ die missmutigen Falten in Abes Gesicht noch tiefer werden, denn die ungezwungene Heiterkeit des kleinen Chicanos ging ihm jeden Morgen fürchterlich auf die Nerven. Er mochte seine ganze Erscheinung nicht, weder seinen etwas mexikanischen Akzent, den er nicht ganz abgelegt hatte, noch seine Art sich zu kleiden. Chico trug gerne elegante, dunkelblaue Anzüge und weiße Hemden, manchmal hatte er, so wie heute, sogar ein Stecktuch und eine silbrige Krawatte. Abe fand das affig, gerade richtig für einen Schwulen, aber manchmal musste er sich eingestehen, dass der Kleine eine durchaus gute Erscheinung war, und er selbst, war er nicht immer zu dürr gewesen, für die Footballmannschaft hatte es nie gereicht, für Basketball hatte er sich zu ungeschickt angestellt, wie er sie alle hasste, diese lockeren Typen, die alles witzig und schön fanden, er griff nach dem Bleistift und begann ihn hektisch zu spitzen.
O'Brian hatte gerade seine Blumen gegossen, als Millie völlig außer Atem hereinwuselte und ein großes, mit einem Tuch verdecktes Tablett in ihren Händen balancierte.
„Entschuldigung“, japste sie, „heute bin ich wirklich zu spät dran.“
O’Brian warf einen missmutigen Blick auf das Tablett, das nur mit einer Fuhre von Millies furchtbaren Kuchen überladen sein konnte. Außerdem hatte Millies Wecker heute früh sicher wieder einmal gesponnen, denn sie war nicht zu spät, sondern fünf Minuten zu früh dran, aber auch das war O'Brian schon gewohnt.
„Besser zu früh als gar nicht“, seufzte er, dann wandte er sich an Hawn. „Abe, was ist mit deinem Partner los, mal wieder was von ihm gehört?“
„Keine Ahnung, der hat irgendwas auf eigene Faust unternommen. Das geht schon seit Wochen so!“
„Und was genau?“
„Weiß ich nicht, hat er mir nie erzählt. Er wird schon noch kommen!“
Cleo ging die Fünfundzwanzigste Ost hinunter. Es war schon glühend heiß und sie kicherte in der Erinnerung an die gestrige Nacht vor sich hin. Sie blieb stehen und zündete sich eine Beedi an. Dieses indische Kraut, ein einziges Tendublatt, zusammengerollt und mit einem orangefarbenen Wollfaden zusammengebunden, war zwar stark, aber wohlschmeckend, die normalen Zigaretten empfand sie als staubtrocken und parfümiert. Dieser blöde Kerl hat am Morgen wie ein Gorilla am Nordpol geglotzt, als ich ihm beim Kaffee erklärt habe, dass ich in Zukunft auf seine sexuellen Dienstleistungen verzichten werde, dachte sie und kicherte wieder, aber plötzlich empfand sie Traurigkeit. Dieses Gefühl überfiel sie übergangslos und für sie völlig unverständlich, denn ihr Körper sagte ihr, dass er zwar einige überstrapazierte Muskelgruppen zu regenerieren hatte, aber eigentlich genau das bekommen hatte, wonach er sich gesehnt hatte. Aber da war noch die Vernunft und sie erklärte ihr, dass es wohl doch nicht so ganz die Erfüllung eines Frauenlebens
sein konnte, sich mit halbwegs gut aussehenden, halbwegs netten Männern zweimal die Woche zu treffen, in einem billigen Lokal Chili con carne oder Pasta asciuta zu essen, sich endlose Begeisterungskaskaden über Baseball, Basketball und Football anzuhören, dann ins Bett zu hüpfen und nach spätestens zwei Monaten die Nase gestrichen voll von dem Kerl zu haben. Vielleicht gäbe es ja doch irgendwo im Gesamtuniversum so etwas wie Liebe.
„Liebe, Liebe!“, murmelte sie wütend vor sich hin. „Wer braucht denn diesen Kitsch!“
Mario Minotti neigte sich zum weit offenen Fenster für den Gassenverkauf seiner Pizzeria heraus, bleckte sein blendend weißes Rossgebiss und brüllte:
„Ti amo, Bella!“
Sie nahm die Zigarette aus dem Mund und schrie:
„Va fan culo, mascalzone!“
Er lachte schallend und warf den Teig für eine Riesenpizza in die Luft. Mitten auf dem Gehsteig vor dem Nachbarhaus hockte Mama Tarucci wie die Mumie der Urgroßmutter von Tutanchamun auf ihrem Klappsesselchen, mit der knöchernen Rechten umklammerte sie ein Glas Rotwein und in der Linken hielt sie ein Zigarre.
„Bon giorno, Mama Tarucci!“
Die Alte gab einen knarrend brummenden Ton von sich, steckte die Zigarre in den Mund und blies eine Rauchwolke aus, die der alten Western Union zur Ehre gereicht hätte. Cleo drehte jetzt schon seit neun Monaten ihre Runden in dieser gottverlassenen Gegend, was anderes gab es eben nicht für einen kleinen Cop, der noch dazu zwei unverzeihliche Fehler eingebaut hatte: er war erstens eine Frau und dann auch noch, aber schon sehr zweitens, kohlrabenschwarz und der dritte Fehler war der, dass sie ihr blödes Maul nie und nirgendwo halten konnte, wenn sie glaubte, dass einer der männlichen Herren Bullenkollegen wieder einmal hinterhältig und verlogen unterwegs war, oder für eine kleine „Aufwandsentschädigung“ geflissentlich über eine Sauerei hinwegsah. Natürlich sollten sie ja laut Dienstplan zu zweit in einem Auto in dieser miesen Gegend herumkutschieren, aber nachdem drastische Sparmaßnahmen angesagt waren, hatte sich der Oberstinker, Captain Zacharias Hinkle, diese Variante einfallen lassen. Einige ihrer Beschwerden waren cool und mit zynischem Affengrinsen abgeschmettert worden, was hätte sie also tun sollen. Aber letztlich hatte sich diese Version als wahrer Glückstreffer erwiesen, denn jeder der sogenannten Partner wäre sowieso ein Kotzbrocken gewesen, der ihr dauernd auf die Titten geglotzt, sie immer wieder begrapscht hätte, von den wundersamen und höchst interessanten Berichten, die wahren Wichtigkeiten des gesamten Universums betreffend, nämlich Baseball, Basketball und Football, ganz zu schweigen. Das wäre dann noch mit dem Gejammere über die nörgelnde Alte gewürzt gewesen, fein gespickt mit den Anklagen, dass sie nicht mehr vögeln wollte, es sowieso nie gekonnt hatte, vom Wunder eines Sohnes, der dennoch bei jeder zweiten Prüfung durchrasselte, von der Tochter die, Untergang Amerikas und der gesamten Welt, einen Joint geraucht hatte, und so weiter und so fort bis zum geistigen, noch mehr aber körperlichen Kotzen.
Sie wachte aus ihren depressiven Gedanken auf, denn ein Haus weiter vorne rannten zwei junge Männer aus dem Trödlerladen von Tonio Di Stefano, Il Calabrese genannt, der Alte kam hinter ihnen drein und brüllte wie am Spieß. Cleo setzte sich aus dem Stand in Fullspeed, Scheiße, dachte sie, ich hasse diese Wahnsinnigen! Die paar Kröten vom alten Calabrese, das zahlt sich aus, verdammte und verschissene Arschlöcher! Bei der nächsten Straßenecke war sie schon auf fünf Meter herangekommen, als der erste plötzlich in der Lücke zwischen zwei Häusern verschwand, der andere hinter ihm drein. Cleo folgte ihnen in die schmale Gasse zwischen den Hauswänden. Während sie weiterlief und den letzten schon beinahe berühren konnte, erfasste ihr Gehirn, ohne es ihr in Worten mitzuteilen, dass sie mitten durch Blechdosen, Mist, tote Tauben, Papierfetzen und Menschenscheiße rannte. Der enge Gang machte vor ihr einen scharfen Knick nach rechts und sie stand übergangslos in einem verdreckten, kleinen Hinterhof. Vor ihr die beiden jungen Burschen, die keuchend nach Luft rangen und sich ein paar Schritte von ihr zurückzogen. Einer von ihnen griff in die Hosentasche, zog einen Butterfly heraus und ließ die Klinge mit drei schnellen Bewegungen einrasten. Der Andere hob ihr die rechte Faust mit einem großen Schlagring entgegen.
„He, du Bullensau!“. Der Kerl mit dem Messer rang immer noch nach Luft, gut, dachte Cleo, ich bin noch cool bei Puste, die sind alle nicht gut durchtrainiert. „Du kommst uns nicht mehr aus. Jetzt wollen wir einmal das Euter einer schwarzen Kuh sehen!“ Bevor er weiterreden konnte, sprang Cleo vor und trat ihn zwischen die Beine, er sackte mit einem gepressten Schrei zusammen und der zweite kam auf sie zu und schoss eine Gerade gegen ihren Kopf ab, sie pendelte aus und schlug mit der Rechten in seinen Magen. Er knickte nach vor, sie riss das linke Knie hoch, traf ihn voll am Brustkorb und er fiel an die schwarzverschmierte Hauswand, sie folgte mit einem kleinen Vorwärtssprung und traf ihn mit einem kurzen Aufwärtshaken am Kinn. Er wurde schlaff, brach seitlich weg und lag dann wie ein leerer Sack auf dem Boden. Sie ging auf den noch immer Knienden zu, der sich wimmernd die Hände zwischen die Beine klemmte, sie beugte sich zu ihm hinunter und sagte leise:
„He, Scheißer, du wolltest meine Titten sehen?“
Sie richtete sich auf und knöpfte langsam zwei Knöpfe ihrer Uniformbluse auf und zog den Stoff etwas zur Seite.
„Ist das gut genug für ein Arschloch wie dich? Aber nichts ist umsonst, Baby!“
Sie trat rechts hoch und er stürzte mit einer abgehackten Bewegung nach hinten weg. Puh, dachte sie, das war etwas hart, da werden die Schneidezähne wackeln. Na ja, nach einer durchfickten Nacht braucht man Bewegung, sonst geht der Muskelkater nie weg. Sie sah sich im Hinterhof um, ließ dann den Blick über die Wände schweifen, ein paar lukenartige Öffnungen, Abzüge fürs Klo, dachte sie, drei winzige Balkone, vollgerammelt mit Gerümpel, verdreckte Fenster, keine Menschenseele zu erkennen, gut so, keine Zeugen, sonst bekäme ich noch Schwierigkeiten, von wegen unangemessene Gewaltanwendung.
Lieutenand Kirk Mahony lief wütend und nervös neben Smittys Leiche auf und ab und kaute an seinem Zigarrenstummel. Eine Schande, dass ein so guter Mann so sterben musste und noch dazu an einem so trostlosen Ort wie dem Pier 16. Er wischte sich hektisch den Schweiß mit einem roten Taschentuch von der Glatze. Der penetrante Gestank nach verfaultem Fisch, der über der ganzen Gegend lag, kratzte ihn im Hals, ein verschissenes Leichentuch, schoss es ihm durch den Kopf. Er warf die angekaute Zigarre weg und schrie nach Hawn. Abe stieg angewidert über einen Haufen Abfall, er sah verstört auf den Toten, dessen Schläfe ein zertrümmertes Loch war, Haare, Haut- und Fleischfetzen klebten an der Wand vor der Smitty lag, überall war Blut verspritzt.
„Hawn!“ Die Stimme Honeybabes war rau und er brachte sein übliches Gebell nicht heraus. „Hawn, Sie waren sein Partner, Sie müssen wissen, hinter was er her war. Es muss ein dicker Hund gewesen sein, sonst hätten sie ihn nicht umgenietet... erschossen“, setzte er leiser hinzu.
„Ich habe keine Ahnung, Lieutenant. Er wurde in letzter Zeit immer verschlossener und hat mir nichts erzählt, aber ich weiß, dass er glaubte, einen großen Fisch an der Angel zu haben. Und er wollte es allein machen!“
„Fisch, Fisch!“, brüllte Mahony los. „Jetzt liegt er da, mitten in diesem Scheißfischgestank! Wo sind diese Wixer von der Spurensicherung?“. Er zog eine Zigarre aus der Rocktasche, entzündete sie und sah zu O’Brian und Chico hinüber, die gerade aus ihrem Auto stiegen. „Verdammt, dass ihr auch noch kommt“, blaffte er sie an, aber O'Brian beachtete ihn nicht und ging mit steifen Schritten zum Leichnam Smittys hinüber. Es begann ihn zu würgen, er drehte sich weg und wischte sich über die Augen. Als er sich wieder umdrehte, war sein Gesicht wie versteinert und er fragte Hawn leise:
„Abe, wieso liegt Smitty hier?“
Hawn starrte ihn verwirrt an und stotterte:
„Was weiß ich, er...“
„Was weißt du! Aha, du weißt nichts! Warst du sein Partner oder nicht? Wieso liegt er hier und du nicht neben ihm? Oder wieso hast du den Typ nicht umgelegt, der ihm das angetan hat? He, wieso?“
„Ich habe nicht gewusst, was er treibt! Und du lass mich in Ruhe, mach deine eigenen Sachen besser und spiel mir nicht den Supercop vor!“
„Ruhe, Ruhe!“, brüllte Mahony. „Seid ihr wahnsinnig geworden? Ihr wartet auf die Typen von der Spurensicherung, ihr alle, und ihr vertragt euch, und zwar bestens, ich will morgen um Punkt neun eure Bruderküsse bei mir im Büro knallen hören und dann will ich einen Bericht, was da für eine Scheiße abgelaufen ist. Ab jetzt gibt es nur mehr einen Fall: das ist Smittys Tod! Kapiert?“
Er sah alle der Reihe nach wütend an, aber es war zu sehen, dass er zutiefst erschüttert war. Er warf die angerauchte Zigarre in weitem Bogen ins Wasser und stapfte davon.
Cleo stieg von ihrer Harley herunter und ging auf Bird's Nest zu. Vor dem Eingang stand T-Rex und grinste breit.
„Hey, Cleobaby“, schrie er zu ihr hinüber, „du Geilste aller Geilen, auf was bist du heute drauf, vögeln oder saufen?“
„Verpiss' dich!“, sie kicherte. „Hinky, red' keinen Schwachsinn, gehen wir lieber einen trinken!“
Sie gingen durch den runden Torbogen, stiegen die steilen Stufen hinunter, Hitze und der Gestank nach Schweiß, Zigarettenrauch und abgestandenem Bier schlug ihnen entgegen. Vier Flageolettöne von Henrys Alt, mit denen er in den Break von Shit Blues einstieg, wuchsen Cleo in einer harten und dennoch schnell zerfallenden Woge entgegen, auf der sie abwärts zu schweben glaubte. Hinky lachte:
„Dieser Irre ist wieder voll besoffen, sonst könnte er nicht so quietschen!“
„Joe Lansbury, du bist ein Arschloch, und zwar das größte, das ich heute getroffen habe. Du verstehst nur was von Spraydosen, von Musik nichts. Du zahlst mir jetzt den ersten Drink, sonst ist unsere Freundschaft gestorben. Hört dieser Wahnsinnige den größten Break nach dem von Bird in Night in Tunesia und redet dann eine solche Scheiße!“
„Gut, gut!“ Hinky hob die Hände und grinste verzweifelt. „Warum bist du so sauer, Cleo? Henry bläst ein geiles Horn, alles klar und ich zahle den ersten Drink!“
Als sie den Keller betraten, sprengte eine Drumfight-Explosion ihre Ohren. Fatty prügelte die Sticks über seine Trommeln und Becken, Henry jaulte und heulte auf seinem Sax und Cleo sah sich noch einmal in ihrem heutigen Kampf in Little Italy. Es ist und bleibt ein Scheißjob, du bist nur mit Dreck konfrontiert, die netten und anständigen Menschen sind nur die Staffage am Rand, die spielen gar nicht mit. Die beiden heute haben dem alten Tonio ganze dreizehn Dollar geklaut, aber so ist das nun einmal, man muss klein anfangen, sonst bringt man es nie zum Paten, oder wenigstens zu einem Soldado. Dreizehn Dollar! Und sie war zwei Stunden über ihrem blödsinnigen Bericht gehockt und hatte fünf Versionen in den Computer gehackt, bevor dieser Großkotz von Kelly zufrieden war, ganz zu schweigen vom Sergeant, der sie wieder einmal zur Sau gemacht hatte, weil sie nicht mit Samthandschuhen vorgegangen war, so nach dem Motto: Singe ihnen die Rechte vor, Melodie von White Christmas, streichle und küsse sie und rufe auch gleich ihren Anwalt an, ach ja, die Kaution hinterlegst du natürlich aus deiner Tasche, Arschlöcher, die wetzten sich die Hosen im Büro ab und wussten schon lange nicht mehr, was draußen los war.
Sie setzte sich auf einen Hocker an der Bar und nickte Mama Rose zu. Eine Begrüßung war bei dem Krach sowieso nicht möglich. Hinky, der König der Sprayer, kraxelte neben sie und Mama knallte vor jeden ein Rum Cola. Cleo heizte eines ihrer Stäbchen an und schnupperte, Rico Kowalsky, der am anderen Ende der Bar hockte, schon fast auf den Schultern von Tom Spooky Davis, dessen Spinnenfinger in rasender Eile über die Tasten des Pianos krabbelten, zog sich ungeniert ein riesiges Gerät hinein und grinste sie selig an. Das wäre genau das richtige für Kelly, der würde gleich mit zehn Mann antanzen und die ganze Bude zerlegen. Da wäre Dizzy Mac am Bass schon ein besseres Objekt für eine Amtshandlung gewesen, der hing nämlich an der Nadel, aber seine Soli waren allererste Marke. Henry Parks stapfte an die Rampe und brüllte den Titel der nächsten Nummer: Kokoblaxmax. Cleo liebte diese irren Eigenkompositionen: Henry ritt ewig auf einem einzigen Ton herum und fuhr dann, wenn es nicht mehr auszuhalten war, mit rasenden Läufen querfeldein, Spooky hämmerte seine Pratzen voll in die Tasten und Fatty deckte alles mit einem Inferno an Krach zu. Genau die richtige Musik, um nach einem so verschissenen Tag locker auszuspannen.
Cleo legte sich mit sechzig Meilen in die langgezogene Linkskurve und drehte, als sich die Maschine wieder aufrichtete, das Gas voll auf Anschlag. Sie war auf ihrer Privatrennstrecke, dem Hellfiredrive, das war aber nur der Name, den sie dieser drei Meilen langen, verkommenen Straße gegeben hatte. Sie zog sich links neben einem der Kanäle hin, die von den Piers der Catfish Bay nach Norden in die Stadt hineinführten. Fast alle waren von zerfallenden Lagerhäusern und Industrieanlagen gesäumt, der große Moneyboom war längst dahin und mit ihm einige der großen Namen von Gort City, Jack R. Cormack, der Eisenkönig, Schönheitskönigin als Frau, Marmorvilla, Bentley, Butler, und dann eine Kugel in den Kopf, so stirbt ein bankrotter Gentleman; James W.C. Johnson, Textil, ihm gehörte die halbe Stadt, der jeweilige Bürgermeister, der Polizeiboss, einfach alles, was herumkrauchte, Pleite und Herzinfarkt. Jetzt war das alles nur mehr eine riesige Müllhalde, wo jeder seinen Dreck hinkippte, das Paradies für die Ratten, das war ihnen wahrscheinlich in einer eigenen Offenbarung versprochen worden und sie mussten alle brave und gottesfürchtige Ratten sein, sonst hätten sie so etwas Wunderbares gar nicht bekommen, immer der voll gedeckte Tisch, als kaum zu beachtende Konkurrenz dutzende halbverhungerter Katzen, streunende Hunde, die Obdachlosen und ein paar Junkies. Sie kannte jedes Loch in der Straße, jeden Riss, das machte es spannend, das war ein Mittelding aus Ralley, Motocross und GP-Rennen, einmal voll in einen der Risse oder Spalten gerauscht und den nächsten Shit Blues oder Kokoblaxmax würden ihr die Engel vorspielen. Sie bremste sich in einem schleudernden Bogen ein und E.T. sprang jaulend und bellend auf sie zu.
Sie stieg von ihrem Eisen herunter und als sie den Helm abnahm, hing E.T. schon auf ihr und fuhr ihr mit der Zunge voll übers Gesicht. Ein ganzer Tag lang allein auf der Pirsch quer durch die Mondlandschaften des Zerfalls und der Verkommenheit machten auch den härtesten Hund liebeshungrig und anlehnungsbedürftig. Cleo gab ihm einen Nasenstüber und tätschelte ihm die Flanken, dann schubste sie ihn weg und ging auf den Steg ihres Hausboots zu. Das Ding sah aus, als ob es jeden Augenblick absaufen würde, aber diesen jämmerlichen Anblick bot es schon seit Jahren, außerdem hatte dieses schlimme Aussehen den Vorteil, dass sich kaum jemand für dieses Unikum interessierte. Und falls doch, so waren in den letzten Monaten nur zwei frisch zugewanderte Obdachlose so blöd gewesen, hier fette Beute zu wittern, die Ortsansässigen, gleichgültig ob Junkies, Katzen, Ratten, andere Hunde, Obdachlose oder sonstigen Parallelwelten Entsprungene, wussten nur zu gut, dass E.T. zwar meilenlange Spaziergänge liebte und tagsüber nirgendwo in der Nähe des Hausbootes zu sehen war, aber wehe, irgendjemand vertraute dem Augenschein, er erkannt nur zu schnell, dass dieses Hundsvieh einen Peilsender eingebaut haben musste, denn Sekunden nachdem ein Geistesverwirrter oder Wahnsinniger den Steg betreten hatte, schoss es aus den Trümmern der ehemaligen Cormack‘schen Maschinenhalle und biss zu. Sein Name kam vielleicht daher, dass er Cleo eines Tages aus dem Nichts über den Weg gelaufen war, genaugenommen wäre er ihr mitten in die Maschine gerannt. Wenn sie nicht einen ihrer wenigen besinnlichen Mondscheinritte gemacht hätte, vierzig Meilen und keine mehr, hätte dieses blöde Vieh nach einer harten Totalbremsung mehr als nur einen Rempler mit dem hinteren Kotblech abbekommen. Woher er auch immer gebeamt worden war, es gefiel ihm bei Cleo. In der Nacht schnarchte er auf Deck, außer die sintflutartigen Regenfälle waren wieder einmal unterwegs, dann schnarchte und furzte er in der Küche auf einer alten Militärdecke, die ärger stank als Slicky Mac, der drei Ruinen weiter logierte. Cleo hatte den Fehler, diese Flohfalle zu waschen, nur einmal begangen, E.T. war drei Tage lang so beleidigt gewesen, dass er sich nicht hatte blicken lassen. Er war pflegeleicht, denn er hasste es auch, ins Wasser zu gehen, gebürstet zu werden und was sein Fressen betraf, dafür sorgte er selbst und wenn ihm Cleo etwas anbot, überlegte er sehr genau, ob sie überhaupt würdig war, dass er auf solche Anbiederungen reagierte, oder ob der Brocken eine Delikatesse war, die man einfach nicht ausschlagen konnte. Wie auch immer: E.T. war mit hoher Wahrscheinlichkeit die Abkürzung für „Evil Thing“.
Cleo duschte, machte sich drei Spiegeleier auf Speck und warf sich in die Koje, der Tag war hart gewesen. Dass ihr Hausboot Strom hatte, war kein sonderliches Mirakel. Am Ende des Hellfiredrive im Süden begannen die Piers, die ihren Saft noch immer über die alte Leitung bezogen, die einmal auch die Industrieanlagen versorgt hatte. Und Cleo hatte sie eiskalt angezapft.
„Ja, was gibt's?“, brüllte Honeybabe wütend ins Telefon. Es war sieben Uhr dreiundvierzig und er war noch gar nicht da, zumindest hatte er seinen Kaffee von Millie, die draußen schon herumwuselte, noch nicht bekommen und seine Laune war, seit er Smitty erschossen im Dreck hatte liegen gesehen, sowieso auf Dauerlavaausbruch festgefahren. Als er die samtweiche, ölige Stimmer erkannte, erschrak er.
„Oh, entschuldigen Sie, Sir, es...es tut mir leid, habe Sie nicht sofort erkannt, Sir, bitte um Entschuldigung...“
„Halten sie endlich die Luft an, Mahony“, fauchte Clark B. Tracy ihn an, „ich habe keine Zeit für irgendwelche Blödheiten. In einer halben Stunde ist eine Pressekonferenz, da werden sie mich wegen diesem Smith löchern, was gibt es Neues, wer war es, haben Sie den Täter schon?“
„Wir...“
„Klar, Lieutenant“, die Stimme wurde plötzlich scharf und schneidend, „wie immer hinken Sie den Ereignissen hinterher, ich will Ergebnisse, Ergebnisse, Ergebnisse. Glauben Sie, ich bin hier Bürgermeister zu meinem Vergnügen und um mir die idiotischen Ausreden der ganzen Versager anzuhören, deren Fehler ich dann vor der Presse und vor allem vor den Wählern ausbaden kann? Mahony, ich will in drei Tagen den Mörder. Ach ja, noch etwas! In drei Monaten sind Wahlen und diese gottverdammte Nationale Erneuerungspartei macht mir zu schaffen. Will ich meinen Posten behalten, brauche ich die Nigger...die...also da brauche ich die Stimmen der Afroamerikaner dieser Stadt. Die liegen mir sowieso schon ohne Pause in den Ohren, Sozialfürsorge, Jobs, Sicherheit und da sind wir beim Thema. Ich wünsche als neuen Partner für diesen...wie heißt der Partner des Ermordeten?“
„Hawn, Sir!“
„Also, der Partner von diesem Hawn ist ab morgen ein Schwarzer, und wenn Sie ihn einem Gorilla aus dem Arsch ziehen müssen. Er muss schwarz sein, das ist alles, er muss sonst nichts können. Je schlechter er ist, desto besser, kann man ihn nach der Wahl wieder ohne Schwierigkeiten feuern. Ich hoffe, Sie haben mich verstanden, Lieutenant, und vor allem, dieses Gespräch hat nie stattgefunden.“
„Ich verstehe, Sir, wie Sie wünschen, ich...“
Der Bürgermeister hatte längst aufgelegt und Mahony knallte den Hörer so heftig auf die Gabel, dass die arme Millie, die gerade mit dem Kaffee hereinkam, beinahe das Tablett hätte fallen lassen. Sie stellte alles blitzartig auf den Schreibtisch und sauste geduckt hinaus, denn als Honybabe, krebsrot im Gesicht, mit „Verfluchte Scheiße, jebemti boga, cornuto...“ begann, wusste sie, was es geschlagen hatte.
Nachdem sich Mahony die Lippen am Kaffee verbrannt, seine grauenhaft hässliche Krawatte beim Versuch, seine Zigarre anzufackeln, angesengt hatte, nachdem er all das seelisch und emotionell so halbwegs überwunden hatte, rief er unten im Wachzimmer an. Der Wachhabende erklärte ihm, dass auch sie bereits einen Anruf vom Bürgermeister bekommen hätten, der Sergeant sei nicht da, er komme erst gegen Abend wieder und der gewünschte Schwarze werde in etwa zehn Minuten antanzen.
Honybabe lehnte sich aufseufzend zurück, nuckelte an seiner Zigarre und dachte, dass wenigstens diese blödsinnige Sache erledigt sei. Wie Abe dann mit dem Neuen zurechtkam, war schon nicht mehr sein Kaffee.
Auf das dröhnend gebrüllte „Herein!“ riss Cleo die Türe auf und betrat den Raum.
Verdammt, dachte sie, weiß, fett, verschwitzt, Glatze, blaue Schweinsaugen, zerlutschte Zigarre, Asche auf der scheußlichsten Krawatte, die ich je gesehen habe, Fingernägelkauer, da komme ich von einer Scheiße in die andere!
Mahony stierte sie mit weit aufgerissenen Augen an und quetschte neben seiner Zigarre ein ersticktes Stöhnen hervor, dann riss er den angekauten Stumpf aus dem Mund und brüllte los:
„Sind die alle wahnsinnig? Wer sind Sie? Eine Erscheinung? Verschwinden Sie blitzartig, sonst erwürge ich Sie und alle die Schwachköpfe im Wachzimmer!“
„Ich bin Officer Cleo McLeod und soll mich bei Ihnen melden, Sir!“
„Raus, raus!“, Honybabes Stimme überschlug sich, er lief puterrot an, mit einem zierlichen Stich ins Violette und Cleos Sidestep brachte sie gerade noch rechtzeitig aus der Flugbahn eines einigermaßen gewichtigen Aschenbechers.
Cleo war bei ihrem dritten Rum Cola angelangt und dachte, noch immer einigermaßen erheitert, wenn auch leicht verwirrt, dass das Leben, das stinknormale Leben, immer noch die irrsten Einfälle parat hatte, wenn man einmal davon absah, dass es nichts Irreres geben konnte, als ein Basssolo von Dizzy. Während Henry Parks gerade in eines seiner halbstündigen Soli einstieg, die Nummer war Hip the Rip, das war nichts anderes als der erste Takt der Toccata und Fuge in H-Moll von Bach, nur dreimal so schnell und fünfzehnmal hintereinander gespielt, darunter Honysuckle Rose in Blockakkorden, aber in der Flatted Fifth verschoben, fielen ihr der Reihe nach die Szenen des heutigen Vormittages ein. Nachdem sie das Aschenbecherattentat überlebt hatte, war der Lieutenant an ihr vorbeigerast als ob er auf einem Affenfurz reiten würde, und zwar bolzengerade hinunter ins Wachzimmer. Sie hatte sich gedacht, dass sie das nichts angehen würde, der Überlebende des Gemetzels würde ihr dann schon alles erklären. Ungefähr so war es dann auch gekommen, nur wenn Honybabe der Überlebende war, wie musste dann der arme Wachhabende ausgesehen haben!
Abraham Hawn hatte der Schlag gestreift, als er die Wunderneuigkeit, dass sie seine zukünftige Partnerin sei, erfahren hatte. Seine Proteste gingen aber in der letzten Kraftanstrengung, mit der Mahony die Reste seiner Stimme noch einmal zum Orkan erhob, sang- und klanglos unter. Leider, denn wenn sie jemals eine redliche Abscheu vor einem Lebewesen, Klapperschlangen, Skorpione, Schwarze Witwen und pestverseuchte Ratten eingeschlossen, empfunden hatte, dann vor Abe. Die Kurzcharakteristik dieses Kotzbrockens war schnell heruntergeleiert: bleich wie ein Grottenolm, dürr wie ein Röntgenbild, appetitlich wie angeschissene Babywindeln und der Geruch seines Aftershaves konnte nur von Pferdepisse stammen, ach ja, als Zuwaage eine Hundeallergie. Und was seinen Charme betraf, so war gegen ihn Honybabe ein zweiter George Cloony. Wunderbare Zukunftsaussichten, dachte Cleo und um wenigstens etwas zum Gegenangriff anzutreten, war sie am späten Nachmittag bei Bonnie Bee angetanzt. Endeffekt: Die irrste Rastafrisur, die irgendein Menschenwesen außerhalb Jamaicas je getragen hatte.
Joe Lansbury hockte neben Cleo, hatte schon den fünften Tequila hinter sich und flippte immer noch am ganzen Körper. Wer konnte es dem armen T-Rex, das war sein Künstlername, na ja, es war eher das Codewort für eine Terrororganisation, denn er war der seit Monaten gesuchte Unhold, der alle Denkmäler der Stadt besudelt hatte; wer konnte es ihm verdenken, dass er heute nervös war, denn er plante sein Meisterwerk: Er wollte die Eingangstüre von Grant Electronics mit einer riesigen, schwarzen Muschi verzieren, die einen winzigen, schneeweißen Schwanz zerquetscht. Das Sujet war von einiger Bedenklichkeit, nicht, weil es ordinär gewesen wäre, die Brisanz war politischer Natur, denn der große Hugh E.
