Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Jessica ist eine begnadete Künstlerin. Durch Zufall und aufgrund ihres Talents wird sie als Agentin einer Spezialeinheit ausgewählt und ausgebildet. Aus ihrem Agentenführer Ray wird ihre erste große Liebe. Als Ray in Gefangenschaft gerät, entwickelt sie einen genialen Plan ihn zu retten und rettet dabei die Welt vor einem durchgeknallten Despoten. Jessicas "Bienenvolk" ist eine Truppe genialer Einzelgänger, die im Team unschlagbar vereint werden.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 147
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Prolog
Jessica vor 35 Jahren
Giorgina
Mein erster Freund
Eine Nacht voll magischer Momente
Die andere Seite meines Ichs
Château Pétrus Pomerol
Ein Einbrecher
Mein anderes Ich
Der erste Auftrag
Die Idee
Matthew
Der Chef
Leidenschaft
Der Botschafter
Berlin
Massimo
Das Angebot
Meine Entscheidung
Albtraum
A.P.E. die Bienenkönigin wird geboren
A.P.E.s Suche nach ihrem „Volk“
A.P.E. Die Nummer Zwei
Nach der großen Krise
Die Mission
Schlechte Nachricht
In tödlicher Gefahr
Der Bienenstock – Alex der Narzisst
Sumi – die Kluge
Shenmi – Die Superreiche
Der Plan
Hochmut kommt vor dem Fall
Engelberger
Lansky
Der Geheimgang
Pjöngjang
Das Virus
Das Kapital
Engelbergers Verwandlung
Yodok
Die Bronze
Die Krankheit
Jess
Die Vorbereitung
Das Trojanische Pferd
Der kritische Zustand
Im Gefängnis
Das Gift der Bienenkönigin
Die Befreiung
Zurück in Amerika
Jessica ist Anfang 40. Traumhaft schön, obwohl sie von ihrem tollen Äußeren selbst kein Aufheben macht. Aber jedermann sieht in ihr etwas Außergewöhnliches. Sie besteht aus einer Mischung kindlicher Unschuld und einer Femme Fatale. Mit knapp 1,60 m ist sie nicht besonders groß, aber überragt doch die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen um Längen, wenn es darum geht, das andere Geschlecht auf sich aufmerksam zu machen. Ihre wohlgeformten Beine tragen einen schlanken, chelloförmigen Körper, den sie gerne in schöne Kleider mit tiefem Dekolleté einhüllt. Männer, die ihr beim Gehen zuschauen entwickeln, kaum dass sie sie erblicken, wilde Fantasien. Ihr ebenmäßiges Gesicht trägt zwei mandelförmige, bergseegrüne Augen und einen scharlachrot geschminkten Mund. Wer ihr begegnet wird sich ihrer magischen Erscheinung kaum entziehen können. Weder Mann noch Frau. Geboren wurde sie im Sternzeichen der Jungfrau, was sie seit ihrem 15. Geburtstag nicht mehr war.
Meine Mutter erkannte schon sehr früh mein Talent. Wenn andere Kinder noch die verschiedenen Stufen des Kritzelns durchlebten, konnte ich schon relativ deutlich Dinge mit Buntstiften wiedergeben, erzählte sie mir später. Anscheinend setzte ich mich sehr intensiv mit den Gegenständen auseinander, die ich zu Papier bringen wollte. Meine Mutter erzählte mir, dass ich schon im zarten Alter von 5 bis 6 Jahren unglaublich detailliert malte.
Eine Geschichte, die sie mir immer wieder erzählte, berichtete von einem Zoobesuch in diesem Alter. Ich malte ein Krokodil, das mich anscheinend besonders beeindruckte so gut, dass es ohne mütterliche Interpretation auch für andere gut zu erkennen war. Es war nicht nur grün, sondern wies mit schwarzen und gelben Schatten und Nuancen Schuppen aus, und auch die Proportionen und Perspektiven waren für eine Fünfjährige zumindest außergewöhnlich. Ich habe diese Zeichnung immer noch, weil sie mich sehr stark an meine verstorbene Mutter erinnert.
Meine sprachliche Begabung hing dagegen etwas hinter dem Können anderer Kinder in diesem Alter zurück. Es schien so, als würde sich mein Gehirn nur auf das Malen konzentrieren. Meine Mutter war aber klug genug, weder das Eine zu überschätzen noch das Andere zu unterschätzen. Sie suchte sich Rat bei einem bekannten Kinderarzt und dieser bestärkte sie in ihrer Einstellung zu meiner Entwicklung und ihrer daraus praktizierten Erziehung. Ich fing eben etwas später an zu sprechen – aber dafür quasselte ich später umso mehr.
Mein Vater spielte in meiner Kindheit keine Rolle. Er war schon kurz nach meiner Geburt mit einer zwanzig Jahre jüngeren Assistentin abgehauen. Meine Mutter litt bis zu ihrem Tod unter dieser Kränkung. Nie wieder würdigte sie eines Mannes Blickes.
Ich selbst kam aber ganz gut ohne Vater zurecht. Meine Mutter war fürsorglich und fleißig. Durch viel Arbeit schaffte sie es, mir eine gute Ausbildung zu ermöglichen.
Sie wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen. Leider verstarb sie viel zu früh und konnte nicht mehr miterleben, wie ich mich im Studium der bildendenden Künste machte. Ich schloss mein Studium Summa cum laude ab.
Ich selbst hatte nie den Wunsch nach eigenen Kindern verspürt. Aus diesem Grund sind auch manche Beziehungen gescheitert. Manchmal frage ich mich, warum Männer immer Kinder haben wollen und sich nach der Geburt lieber eine Kinderlose wünschen und mit ihr das Weite suchen. Ein Mysterium, das ich höchstwahrscheinlich nie begreifen werde. Vermutlich geht es nur darum, sich mit möglichst vielen Frauen zu paaren, um den eigenen Genpool möglichst weit zu streuen. Primaten eben.
Ich sitze vor einem unglaublich gut aussehenden, weiblichen Aktmodell, das ich für eine geplante Plastik ausgewählt habe. Giorginas Haut ist ebenmäßig und alabasterfarben. Ihre roten Haare fallen lockig über ihre Schultern und bedecken eine ihrer wohlgeformten Brüste. Meine Eva wird eine Neuinterpretation des Themas Vertreibung aus dem Paradies und soll die sexuelle Ausbeutung der Frau durch den Mann darstellen. Ich bin keine Feministin im klassischen Sinne, aber sexuelle Ausbeutung und Demütigung kenne ich auch.
Einer meiner Professoren gab mir deutlich zu verstehen, dass er viel für mich machen könnte, wenn ich ihm einen kleinen Gefallen tun würde. Es war tatsächlich ein winziger Gefallen, den ich ihm gegönnt habe – und mir viel Freizeit im Studium.
Ich werde Eva also nicht wie üblich als die darstellen, die verführt und dadurch verantwortlich für die Vertreibung der Menschheit aus dem Paradies ist.
Meine Eva ist die Verführte, die Ausgebeutete, das Objekt männlicher Begierde und Hemmungslosigkeit. Adam wird in meiner Darstellung Eva mit Gewalt nehmen und sie mit einem Apfel „bezahlen“, um sie zum Schweigen seiner Tat vor Gott zu bewegen. Wie banal, als wüsste Gott nicht, dass Adam der Schuldige ist.
Meine Eva - meine Gedanken schweifen ab. Ich erinnere mich an die vielen Begegnungen mit den unterschiedlichen Männern, die ich in meinem bisherigen Leben kennengelernt habe. Die Lieben, die Selbstverliebten, die Zaghaften, die Stürmischen, die Frauenversteher, die Nichtversteher, die Großzügigen, die Geizigen, die Sanften und die Brutalen. Die vielen Facetten der Männer, die ich mir ausgesucht habe. Ja, ich habe die Männer gewählt, mit denen ich bereit war ins Bett zu gehen. Wobei das Bett nur sinnbildlich zu verstehen ist. Ich habe sie ausgewählt, um sie zu studieren und anschließend in meinen Bildern und Plastiken zu verarbeiten – oder einfach nur so. Keiner dieser Männer hat mein Herz erobert, nur meinen Körper mal mehr und mal weniger in Schwingung versetzt. Meist weniger!
Und Giorgina erinnert mich auch an die zahlreichen Frauen, mit denen ich mein Bett geteilt habe. Auch unter meinem Geschlecht gab es diese Charaktere und auch hier habe ich nicht meine Liebe gefunden, nach der ich mich im Grunde immer wieder gesehnt habe. Eine Liebe, wie ich sie bisher nur von meiner Mutter erfahren habe - bedingungslos und grundehrlich.
Auch die Frauen sind hervorragende Studienobjekte für meine Arbeit. Vielleicht ist es diese Art der Körperlichkeit, die mich in die Lage versetzt, meine Kunst so lebensnah zu gestalten, wie es mir offensichtlich gelingt – zumindest nach Meinung der Kritiker und Galeristen. Meine Kunst verkauft sich ausgezeichnet, was mir ein selbstbestimmtes und finanziell unabhängiges Leben ermöglicht.
Juri war mein erster männlicher Kontakt, der mir nahe kommen durfte. Er war noch kein Studienobjekt, denn ich war damals fünfzehn Jahre alt. Juri war zwei Jahre älter als ich, sah wirklich gut aus mit seiner jugendlichen zarten Haut und dem leichten Ansatz eines kommenden Bartes. Er war für mich der richtige „Mann“ zu dieser Zeit.
Wir hatten eine schöne Zeit der Vorbereitung. Küsschen da, Küsschen dort, zärtliche Berührungen, die ich oft in meine erotischen Nachtträume einbaute. Meine Mutter konnte Juri nicht so leiden, wie ich es gehofft hatte und sie machte mir immer wieder klar, wie wichtig die Verhütung sei. Sie verwies darauf, dass die Jungs immer nur das Eine wollten, nämlich in mein Höschen. Ich sagte ihr natürlich nicht, dass es gerade das war, was ich wollte. Für sie war ich die personifizierte Unschuld. Juri war trotz des Altersunterschieds schüchtern und merkwürdig zurückhaltend. Er traute sich leider nicht den nächsten Schritt zu gehen. Ich musste also etwas nachhelfen und beschloss, dass wir zusammen ins Kino gehen. Juri durfte sich den Film aussuchen – mich interessierte nicht der Film, sondern nur der Platz im Kino, wo wir ungestört sein konnten.
Juri wählte einen Krimi. Ich weiß wirklich nicht mehr, welcher Film es war – ich weiß nur noch, dass wir ziemlich weit oben im Kino saßen und kein Mensch neben uns Platz genommen hatte.
Der Film begann. Juri hielt meine Hand und streichelte sie zärtlich. Er schaute den Film an und ich bereitete mich darauf vor, seine Hand für meine Zwecke zu nutzen. Er beugte sich zu mir rüber und küsste mich leidenschaftlich auf den Mund. Ich spürte seine Hände, aber es war nicht die Erfüllung, die ich mir erhofft hatte. Der Film rieselte an uns vorbei.
Juris Bemühungen waren ungestüm und weniger erfüllend, als ich mir das in meinen Träumen vorgestellt hatte. Es fühlte sich abwesend an, was Juri mit mir machte. Er war mehr mit dem Film verbunden als mit mir. Juri schaffte es nicht mir die Gefühle zu entlocken, die ich mir erträumt hatte.
Nach diesem Kinobesuch war Juri Vergangenheit, er wusste es nur noch nicht.
Ich hatte dadurch etwas für mich erfahren. Ich entschied wer mein Partner ist - kein anderer - und ich entschied, wie lange eine Beziehung hielt oder auch nicht. Und ich befasste mich jetzt auch mit meinem Geschlecht, vielleicht fand ich hier, wonach ich suchte. Befriedigung und Glück. Aber anscheinend konnte es niemandem gelingen meine Liebe zu entfachen und meine Begierde zu stillen. Und deshalb ergab es sich, dass ich in der Folge meines Lebens, mit Mann oder Frau nur noch spielte, zu meinem eigenen Vergnügen, ohne Verbindlichkeit. Ohne Reue.
Ich widme mich wieder meinem weiblichen Modell.
Ihre Zartheit und ihre Schönheit faszinieren mich. Ich bringe sie mit meinen Händen in die von mir gewünschte Pose. Dabei berühre ich sie öfter und intensiver, als es notwendig gewesen wäre.
Ich bemerke, dass sie nicht abgeneigt ist. Ich lasse sie noch etwas zappeln. Es macht mir Spaß ihre aufkeimende Begierde zu spüren. Ich flirte mit ihr. Das ist es, was ich für meine Eva-Büste brauche. Eine Frau, die sich nach meiner Verführung sehnt. Ihre Augen strahlen, ihre Haut glänzt. Ihre Lippen vibrieren kaum merklich. Meine Annäherungen werden ausgeweitet. Ich komme ihr näher und näher. Sie muss meinen Atem auf ihrer Haut spüren. Dieses Modell ist perfekt.
Ich beende die Sitzung für heute. Ich spüre ihre Enttäuschung. Ja, sie ist so weit. Sie möchte sich ankleiden aber ich signalisiere ihr, dass sie das lassen soll. Ich nehme ihre Hand, führe sie zu dem Schemel, auf dem ich gerade noch saß, um an meinem Modell zu arbeiten. Ich gebe ihr einen Hauch von Morgenmantel und sie streift diesen über ihren nackten Körper. Er bedeckt kaum ihre erotische Schönheit. Eine Nacht voll magischer Momente erwartet uns. Ich genieße es für sie der Adam dieser Nacht zu sein.
Ich bin froh, dass ich mit meinem jetzigen Partner eine Vereinbarung, mehr noch einen Gleichklang der Bedürfnisse habe, was mir erlaubt, was ich gerade tue. In ihm habe ich gefunden, wonach ich lange Jahre vergebens gesucht habe. Ich fand ihn doch noch, meinen perfekten Mann.
Ich lernte Ray vor ungefähr 15 Jahren kennen. Einen Mann, ganz nach meinem Geschmack. Gut aussehend, mit dunklem lockigem Haar, durchsetzt mit silbernen Fäden. Einem gut gebauten Körper und eineinhalb Köpfe größer als ich selbst. Er war Kunsthändler, sagte er mir und suchte und fand bei mir eine Skulptur einer liegenden nackten Schönheit, die ich vor ungefähr 3 Jahren gefertigt hatte. Noch während meines Studiums.
Der Preis von knapp 5.000 Euro, den ich nannte, schien ihn nicht weiter zu schocken. Ein weiteres Plus für diesen Mann.
Er schaute sich lange nach anderen Objekten bei mir im Atelier um, das ich neben meinem Studium bereits erfolgreich aufgebaut hatte. Bis er sich schließlich doch nur für diese Figur entschied. Sein Blick war unglaublich. Er betrachtete meine Skulptur wie eine lebendige Frau. Er liebkoste sie mit seinen Augen. Scheinbar nahm er jeden Zentimeter des in Alabaster gehauenen Frauenkörpers in sich auf. Mir gefiel das. Es gefiel mir so sehr, dass ich es körperlich spüren konnte, wie sehr mich seine Augen, die meine Figur abtasteten und scannten, faszinierten. Denn er betrachtete nicht nur die von mir geschaffene Figur.
Dieser unverschämte Kerl – ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich nur daran denke - betrachtete auch mich mit der gleichen Intensität. Er entkleidete mich quasi mit seinen Augen. Tastete mit ihnen jede Kurve meines Körpers unverhohlen ab. Zeigte, dass ihm gefiel was er sah und lies mich das auch deutlich erkennen. Er spielte mit seinen Augen. Er spielte mit mir. Seine Augen streichelten mich. Kein Mann zuvor hatte solche Gefühle in mir erweckt. Ich wurde nervös bei dem Gedanken, dass er mich nicht nur mit den Augen ausziehen würde. Aber er hielt sich zurück. Komisch. Ich hatte doch klar und deutlich signalisiert, dass er mich haben kann – jetzt, sofort. Ein zweiter Juri?
Er verabschiedete sich und gab mir eine Adresse, wohin ich meine Figur schicken sollte. Fertig.
Ich dachte, was für ein blöder Idiot. Erst anmachen und dann…. Männer. Ich war richtig sauer.
Meine darauffolgende Nacht war unruhig und ich träumte wirres Zeug. Immer wieder wachte ich auf und begann mit neuen Träumen. Unausgeruht wachte ich auf. Das Frühstück schmeckte mir nicht. Ich hatte echt schlechte Laune.
Am nächsten Tag kam ein Bote –nicht etwa mit einem Strauß Blumen. Nein – der verrückte Kerl von gestern schickte eine Ape (italienisch für Biene), also einen Vespa-Transportroller - die Ladefläche vollgestopft mit den schönsten Blumen der Saison. Rosen, Ranunkeln, Lauchblumen, Strelitzien und vieles mehr. Ein Potpourri aus Farben und Düften. Meine Nachbarn schauten unverhohlen interessiert aus ihren Fenstern. Ich fühlte mich ertappt, wie ein Teenager beim ersten Mal.
Schließlich überreichte mir der Bote den Schlüssel der Ape.
Sie gehört ihnen mit allem Drum und Dransagte er lakonisch.
Mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund bestaunte ich das Geschenk. Dann begann der Bote mit einer in Opernmanier vorgesungenen Einladung zum besten Italiener der Stadt. Damit er sicher war, dass ich überhaupt verstanden hatte, was gesungen wurde, überreichte er mir die schriftliche Einladung für den Abend. Anschließend übergab er mir, im Auftrag seines Klienten, eine große, violette Anthurie, ausgestattet mit aufrecht stehendem Blütenstängel. Ich glaube, ich verstand die Anspielung und lächelte in mich hinein. Aller Ärger war verschwunden, wie weggeblasen. Endlich ein Mann mit Geschmack, Fantasie und Großzügigkeit, dachte ich.
Ich sagte augenblicklich und ohne lange Überlegung zu, ohne an mögliche andere Termine zu denken. Etwas zu enthusiastisch und etwas zu schnell, aber mit der mir eigenen Spontanität.
Ich suchte mir das aufregendste Kleid, die schärfste Unterwäsche und die schönsten Schuhe raus, die ich besaß und bestellte mir ein Taxi für den Abend.
Aber es kam kein Taxi. Stattdessen fuhr ein dunkelblauer, fast schwarzer Aston Martin Cabrio vor und er saß am Steuer. Ich machte mir damals überhaupt keine Gedanken, wie er wissen konnte, wann ich abgeholt werden wollte. Dieser Mann in diesem Auto war einfach nur überwältigend.
Ich genoss den Abend bei köstlichem Essen und hervorragendem Wein, wie noch keinen Abend in Begleitung zuvor. Wir unterhielten uns prächtig. Ein gebildeter, unterhaltsamer Mann. Ich war total – ich bin total in ihn verknallt. Die Liebe meines Lebens. Wir lachten, scherzten und tauschten uns aus, ganz so, als würden wir uns schon ein Leben lang kennen.
Nach dem traumhaften Essen nimmt mich Ray mit zu sich nach Hause. Er besitzt eine Traumvilla, sehr geschmackvoll eingerichtet und mit zahlreichen und wertvollen Kunstwerken ausgestattet.
Ray fragt mich nach einem Drink. Ich nehme seine Empfehlung eines Rotweins gerne an. Ray öffnet eine Flasche Château Pétrus Pomerol 1982. Riecht am Korken und schenkt sich einen kleinen Schluck, in sein Glas aus feinstem Kristall, ein. Seine Mimik zeigt, dass der Wein seinen Erwartungen entspricht.
Er schenkt danach uns beiden ein und wir prosten uns zu. Ich finde den Wein ganz außergewöhnlich.
Was für ein toller Wein
sage ich und Ray antwortet:
Das sollte er auch sein. Sonst müsste ich den Weinhändler glatt erschießen. Die Flasche kostet immerhin 7000 Euro.
Es ist keine Aufschneiderei in seinen Worten, es ist nur eine Feststellung. Ich habe ganz kurz das Gefühl, dass das auch für den ersten Teil seiner Antwort gilt. Ich bin von diesem Mann fasziniert.
Ich trinke den Wein mit Andacht und gebührendem Respekt. Ray nimmt mir das Glas aus der Hand. Stellt es auf den Tisch. Nimmt meinen Kopf in die Hand und küsst mich so leidenschaftlich, wie noch kein Mann zuvor. Sein Atem und sein Mund schmecken nach mehr. Seine Zunge liebkost die meine. Ich spüre, dass ich diesem Mann verfalle.
Er streichelt meine Haare, wir schauen uns tief in die Augen. Ich sehe leuchtend flüssigen Bernstein darin. Ich beginne zu fliegen, ganz ohne Flügel. Er küsst meinen Hals. Ich bin ihm leidenschaftlich ergeben. Sein Duft ist angenehm, nicht nur durch das aufgelegte Aftershave. Er betört meine Sinne, gleich einem unwiderstehlichen Aphrodisiakum. Ich schmelze dahin, im wahrsten Sinne des Wortes.
Er nimmt mich an die Hand und führt mich in sein Schlafzimmer. Ein riesiges Bett erwartet uns. Ich habe keine Zeit um mich nochmal frisch zu machen. Wir fallen über uns her.
Das Spiel hat mehrere Akte. Danach schlafe ich sanft, befriedigt und glücklich in seinen Armen ein.
Ich wache am nächsten Morgen auf. Er liegt nicht mehr neben mir. Aber ich rieche seinen Duft der Nacht in den Laken und an seinem Kissen. Ich liebe diesen Mann. Drücke mir das Kissen ganz fest auf die Nase – ich möchte seinen Duft in meinem Gedächtnis für alle Zeit konservieren.
