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Hast du schon einmal davon geträumt, auf dem Rücken eines Drachen zu fliegen? Für Colin wird dieser Traum wahr, doch anfangs sieht es für den Prinzen nicht so rosig aus, er muss in ein fremdes Königreich, weit weg von seiner Familie. Erst als Colin den Magier Magnus kennenlernt, fängt er an, sein neues Zuhause zu mögen, doch ist die Welt, in der er lebt, wirklich nach dem undurchdringlichen Landgürtel zu Ende oder fängt dort sein großes Abenteuer erst an?
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Seitenzahl: 102
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Für Mario, der mich zu diesem Buch inspiriert hat, für Leon, dessen Interesse an der Geschichte mich motiviert hat und für Martin, der mich mit seiner Kritik unterstützt hat!
Kangos
Ritter Rotbart
Colin
Magnus
Samos
Die Niam
Xanduc
Ronos
Tropia
Numo
In einer weit entfernten Galaxie befindet sich der Planet Ronos. Er ist ein eher kleiner Planet, sein Umfang misst ungefähr ein Fünftel des Erdumfanges.
Wie auf der Erde besteht die Oberfläche zum größten Teil aus Wasser. Ein gewaltiger Berg ragt aus dem Meer. Aus der Luft betrachtet erinnert seine Form an eine Tafel. Nein, - nicht die Schultafel - sondern die Tafel, an der gegessen wird, wie es Ritter und Könige getan haben. Denn statt eines Gipfels hat dieser Berg eine weite Gipfelebene, ein Plateau, das auf senkrecht abfallenden Berghängen ruht und deshalb als unbezwingbar gilt. Auf diesem Plateau, in einer Höhe von über zweitausend Metern befindet sich Kangos, ein Land, das in etwa die Größe Australiens hat.
Es war eine finstere Nacht. Wolken bedeckten den Himmel über dem Königreich Adan und nur das schwache Licht der Öllampen im Dorf Ulgar verhinderte völlige Dunkelheit.
Ein großer, stattlicher Mann ging über die Pflastersteine durch das mittelalterliche Dorf. Dem langen, roten Bart, der bis zu seiner stählernen Brust reichte, verdankte er den Namen `Ritter Rotbart´. Er blickte sich suchend um. „Colin!“, rief er. „Junge, wo steckst du?“ Mürrisch murmelte er in seinen Bart: „Ich will nicht wieder die ganze Nacht nach dem Bengel suchen müssen.“
Unweit der Dorfkneipe versteckte sich ein Junge in einer Nische. Er war es, Prinz Colin, nach dem Rotbart suchte. „Colin!“ Die Stimme des Ritters war jetzt ganz nahe. Der Junge konnte ihn schnaufen hören. Er saß in der Falle. Wenn Rotbart jetzt in seine Richtung sehen und ihn entdeckten würde, könnte er nicht entkommen. Colin hielt den Atem an. Er drückte sich noch fester in die Nische. Dabei löste sich ein Stein von der Sandsteinmauer und fiel mit einem dumpfen Schlag auf den Boden. Der Ritter drehte sich um – er hatte das Geräusch gehört. Colin versuchte wegzulaufen, doch blitzschnell ergriff Rotbart den Jungen und zerrte ihn mitten auf den Dorfplatz. „Colin, was soll das? Wie oft willst du noch davonlaufen? Das ist jetzt dein Zuhause!“ Dabei zeigte der Ritter auf die mächtige Burg, die sich auf dem Hügel vor Ulgar erhob. „Du kannst nicht alleine nach Samos zurück!“ Rotbart konnte die Wut und Verzweiflung in den Augen des Prinzen aufblitzen sehen. Einen Augenblick lang kämpfte der Ritter dagegen an, den kleinen Jungen, der offensichtlich starkes Heimweh empfand, einfach in den Arm zu nehmen und zu trösten. Doch dann hatte er sich wieder im Griff. Ungehorsam konnte nicht geduldet werden. Dafür stand für die Zukunft des Königreiches - ja des gesamten Landes Kangos - zu viel auf dem Spiel! Er zerrte Colin zurück in Richtung Burg.
Der Weg führte vorbei an den Sandsteinhäusern, weiter aus dem Dorf hinaus, durch ein kleines Stück Wald, den Hügel hinauf.
Rotbart war mit seiner Frau Mathilda aus dem Norden des Landes gekommen. Nachdem er sich in vielen Schlachten tapfer geschlagen hatte, hatte ihn der König von Adan zu seinem ersten Ritter erklärt. Er war sehr stolz darauf, das Wappen des Königs mit dem Kopf des Dreihorns tragen zu dürfen. Jedes der drei Hörner war ein Symbol für die Werte des Rittertums: Stärke, Tapferkeit und Gerechtigkeit. Da sich das Königreich Adan gerade in einer recht friedlichen Zeit befand, wurde Rotbart mit der kämpferischen Erziehung und der Aufsicht über den Prinzen aus dem Königreich Samos beauftragt. Es war eine Ehre für ihn, die Verantwortung für Colin übernehmen zu dürfen. Doch der Prinz machte es dem Ritter durch die meist nächtlichen Versuche, davonzulaufen, nicht gerade einfach, seiner Aufgabe nachzukommen. Bisher hatte Rotbart jedenfalls noch nicht herausgefunden, wie der Bengel es immer wieder geschafft hatte, sich ungesehen davonzuschleichen.
Inzwischen waren sie am Burgtor angekommen und die Wachen bekamen von Rotbart wiederholt die Anweisung, den Jungen nicht noch einmal entwischen zu lassen. Der Ritter begleitete den Prinzen zu seinem Zimmer, das in einem der Türme des Hauptgebäudes, im Palas war. Die beiden gingen über den Burghof, vorbei am Brunnen vor dem Bergfried. An diesem runden Turm, der die übrigen weit überragte, war gut sichtbar die wunderschöne Räderuhr angebracht, auf die der König so stolz war.
Der Turm in dem der Prinz und auch Ritter Rotbart mit Mathilda wohnten, befand sich hinter dem Bergfried. Von seinem Fenster aus konnte Colin auf die Dächer der Werkstätten, der Hofschmiede und der Ställe sehen. Die Küche befand sich unter seinem Fenster. Oft drangen die Düfte zu ihm hinauf, wenn die dicke Berta kochte. Der Eingang zum Palas war zusätzlich bewacht. Nur die Bediensteten sowie die höher gestellten Bewohner der Burg hatten Zutritt zu den Gemächern des Haupt- gebäudes, in dem die Familie des Königs wohnte.
Der Prinz legte sich trotzig zu Bett. Es war kein Problem für ihn gewesen, aus dem Hauptgebäude zu entkommen. Unter einem Vorwand ließ ihn Berta auch noch spät abends durch die Hintertür der Küche hinausgehen. Wenige Minuten später machte er die Tür zur Küche nochmals auf und zu, um vorzutäuschen, er wäre zurückgekommen. Die Wache im Burghof war um diese Zeit meist sehr unaufmerksam und Colin huschte so geschickt von einer Ecke des Gemäuers zur anderen, dass er es unbemerkt bis zum Burgtor schaffen konnte. Dort wartete er auf die Wachablöse. Meist unterhielten sich die beiden Männer noch eine Zeit lang, bevor sie sich verabschiedeten und der nächste Wächter seinen Dienst antrat.
In dieser Zeit konnte Colin ohne Aufsehen zu erregen durch eine kleine, schmiedeeiserne Türe im Haupttor hinaus auf die Zugbrücke gelangen. Die Türe war fast immer geöffnet, da sie zu klein war, um für Feinde von Bedeutung zu sein. Doch wenn nächtliche Besucher kamen, musste nicht das große Burgtor geöffnet werden, was mit einem schrecklich lauten Geräusch einherging, sodass alle Bewohner aus dem Schlaf gerissen werden würden.
Colin fand, dass es sehr schwer war, in eine Burg einzudringen, jedoch wesentlich einfacher, herauszukommen! In der Dunkelheit konnte er dann ohne gesehen zu werden den Hügel hinunterlaufen. Doch er kam nie weit, weil Rotbart sein Verschwinden immer entdeckte und ihn zurückholte. Meist hielt Rotbart dem Prinzen am nächsten Morgen eine Standpauke. Dieses Mal hatte Colin Glück. Gerade als Rotbart so richtig in Fahrt kam und dabei war, sich eine saftige Strafe für den Ausreißer auszudenken, rief Berta, die dicke Köchin, alle zum Frühstück. „Wir sind noch nicht fertig, Bursche“ – schnaufte Rotbart in seinen Bart. Obwohl er in seinem Innersten ganz froh über die Unterbrechung war. Er hatte den hübschen, rebellischen, kleinen Prinzen mit dem kecken Gesichtsausdruck und den aufgeweckten grünen Augen in sein Herz geschlossen. Eigentlich hatte sich Rotbart genauso einen Sohn gewünscht. Doch leider blieb es Mathilda und ihm versagt, Kinder zu bekommen. Trotzdem - Rotbart war davon überzeugt, dass es unbedingt notwendig war, den späteren Thronfolger mit der gebührenden Strenge zu erziehen.
An diesem Morgen fiel das Frühstück besonders üppig aus. Die lange, hölzerne Tafel im Speisesaal bog sich förmlich unter dem Gewicht all der Speisen, die Berta auftischte. Colin wollte nichts essen. Sein missglückter Fluchtversuch hatte ihm merklich auf den Magen geschlagen. Er sehnte sich nach seinen Eltern und seinen beiden Schwestern. Als Mädchen geboren hatten diese das Privileg bei ihren Eltern bleiben zu dürfen. Seine Schwestern waren nicht wie er zu fremden Menschen geschickt worden. „Warum kann ich das nicht hier lernen?“ hatte er seinen Papa gefragt, als er mit ihm während eines langen Ausrittes kurz nach seinem siebenten Geburtstag dieses sehr wichtige Gespräch geführt hatte. Damals erklärte König Ruan seinem Sohn, dass er bald weggeschickt werden würde. „Warum darf ich nicht hier in Samos die Ausbildung zum Knappen und Pagen machen?“, wollte Colin wissen. „Wenn ich erwachsen bin, kann ich dann zum Ritter geschlagen werden - Papa ich will hierbleiben!“
Es sei einfach so üblich und er sollte Erfahrungen in einer anderen Umgebung sammeln. Lernen, die Dinge von anderen Seiten zu betrachten, um später weise regieren zu können, hatte sein Papa geantwortet. Außerdem käme er zu seinem Bruder, dem König von Adan - Colins Onkel und nicht zu Fremden. Damit war die Entscheidung getroffen worden und so war Colin in das mächtigste Königreich des Landes gekommen, um zum Ritter ausgebildet zu werden.
Der Prinz blickte in die Runde am Frühstückstisch. Seit knapp zwei Monaten war er nun schon hier. Onkel hin oder her, ihm waren die Leute nach wie vor fremd. Am Kopf der Tafel saß sein Onkel, König Alberich. Colin fand, dass er nicht wirklich königlich aussah, zumindest wirkte er bei Weitem nicht so stark und tapfer wie sein Vater. Neben König Alberich saß Königin Malia. Eine elegante Dame, die den Eindruck erweckte, als wüsste sie über alles und jeden Bescheid. Die ältere Tochter, Prinzessin Sofie, konnte Colin nicht ausstehen.
Eine eingebildete Ziege, die sich nicht mit einem „kleinen Jungen“ abgeben wollte. Die jüngere Tochter, Prinzessin Tamia, mochte er dagegen sehr.
Mit ihr hatte er manchmal auch Unterricht.
Die Schwester der Königin, sie hieß Agathe, saß mit ihrem Mann, dem Fürsten von Geiergrimm dem Prinzen gegenüber, zwischen ihnen ihr kleiner Sohn Ingor. „Dich erwischt es auch demnächst,“ dachte Colin. Er empfand Mitleid bei dem Gedanken, dass der etwa fünf Jahre alte Ingor auch bald von seinen Eltern getrennt werden würde, um zum Ritter ausgebildet zu werden. Am anderen Ende der Tafel sah er in das gutmütige Gesicht der Mutter der Königin, eine alte und weise wirkende Frau, in deren Nähe er sich sehr wohl fühlte.
Manchmal klopfte die dicke Berta an Colins Tür und brachte ihm Leckerbissen. Auch an diesem Morgen schlich sie die schmale Treppe hinauf, denn ihr war nicht entgangen, dass Colin während des Frühstücks fast nichts angerührt hatte. Vielleicht war der Junge ja krank und da sie eine Frau war, die sich stets um das Wohl der Anderen sorgte, beschloss sie, nach dem Lausebengel zu sehen. Doch als sie sich endlich die schmale Wendeltreppe den Turm hinauf geschleppt und die Tür zu Colins Zimmer erreicht hatte, klopfte sie vergebens. Der Prinz öffnete nicht. Schulterzuckend kehrte sie um. Sie würde es später wieder versuchen.
Colin hatte beschlossen, die Gunst der Stunde zu nutzen. Der Fortsetzung von Rotbarts Standpauke war er entgangen, weil dieser den Befehl des Königs erhalten hatte, die Königin ins Dorf zu begleiten. Anstatt wie üblich darauf zu warten, dass der Unterricht anfing, wollte Colin heute endlich die Gemäuer der Burg auf der anderen Seite des Burghofes erkunden.
Da Ritter Rotbart im Auftrag des Königs unterwegs war, würde der Kampfunterricht heute wohl ausfallen. Es blieben ihm sicher zwei Stunden Zeit, bevor er von seinem Lehrer, Sir Eduard, geholt werden würde. Ganz selbstverständlich marschierte er an den Wachen des Palas vorbei und die Stufen hinauf zur Galerie, die alle vier Ecktürme der Burg miteinander verband. Da es auf Kangos sehr oft regnete, hatten sich die Wehrgänge der großen, königlichen Burgen allgemein oft zu Galerien entwickelt. Sie waren überdacht und ermöglichten es den höhergestellten Bewohnern der Burg trotz der kurzen, aber oft heftigen Regenschauer, trockenen Fußes in alle Teile der Burg zu gehen. Im Keller des Nordwestturmes, den Colin nun erreicht hatte, befand sich das Burgverlies. „Uninteressant!“, murmelte Colin. Gleich ein paar Tage nach seiner Ankunft war er voller Neugierde hinuntergelaufen. Doch er hatte außer einem muffig riechenden, leeren Kellergewölbe nichts vorgefunden, denn es hatte dort schon lange keine Gefangenen mehr gegeben.
Der Prinz hörte Schritte aus der Kapelle. Gleich würde die Tür aufgehen. Er wollte keine unangenehmen Fragen beantworten müssen, um zu erklären, was er hier machte. Deshalb rannte er die Galerie in Richtung Nordostturm weiter. In der Mitte des breiten Ganges befand sich ein Aussichtsplatz, ein Vorbau in den Burghof. Dort schlüpfte Colin hinein um sich zu verstecken. Von hier aus konnte er alles gut überblicken. Bis zum Burgtor auf der linken und den Ställen auf der gegenüberliegenden Seite des Burghofes reichte sein Blick. Lange Zeit stand der Prinz dort oben über den Dächern der Vorratsräume und des Geflügelstalles und beobachtete das bunte Treiben im Burghof. Mitten am Marktplatz war die dicke Berta und versuchte ein Huhn einzufangen. Er sah eine Magd, die Wasser vom Brunnen holte und beinahe über eine der Feuerfedern gestolpert wäre, die kreuz und quer über den Burghof liefen.
