Dana und der Heiratsschwindler - Janna Becker - E-Book

Dana und der Heiratsschwindler E-Book

Janna Becker

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Beschreibung

Dana Arnold, eine stille, kontaktarme Dreizehnjährige, die sich ausschließlich für ihre Schulbücher interessiert, gerät unerwartet in einen aufregenden Kriminalfall. Ihre stets hilfsbereite und außerordentlich großzügige, doch auch exzentrische Tante Maria wurde von einem Heiratsschwindler um eine beachtliche Summe betrogen. Dana, die ihrer Verwandten helfen will, bringt sich während ihrer Detektivarbeit mehrmals in gefährliche Situationen. Aufgrund ihrer schlagartig entfachten Lebenslust findet sie endlich eine gleichaltrige Freundin und lernt im Laufe ihrer Ermittlungen ihren ersten Freund kennen.

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Seitenzahl: 230

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

1. Dana und Maria

2. Jan

3. Der Heiratsschwindler

4. Jasmin

5. Lia

6. Enthüllungen

7. Die Kampfmaschine

8. Adrian

9. Benni

10. Im Kerker

11. Neue Beweise

1. Dana und Maria

„Wie findest du meine Kurzgeschichte?“, fragte die dreizehnjährige Dana Arnold mit gespanntem Unterton, während sie mit einer nervösen Geste durch ihre langen, schwarzen Haare fuhr.

„Nicht schlecht, obwohl einige Kleinigkeiten geändert werden müssen“, antwortete Maria Daniels, eine Verwandte der Familie Arnold, nach kurzem Nachdenken.

Die beiden saßen vor dem verglasten Kamin in Marias Arbeitszimmer, um Danas Hausaufgaben den letzten Schliff zu verleihen.

Maria, stets mit erlesener Eleganz gekleidet, trug einen Hosenanzug aus dunkelblauem Satin und eine weiße Bluse. Die Kleidungsstücke wiesen einen raffinierten Schnitt auf, dazu angetan, ihre imposante Größe 46 wesentlich zierlicher erscheinen zu lassen. Sie duftete dezent nach einem teuren Parfüm. Ihre perfekte Frisur, diesmal in Brünett, und das professionelle Make-up ließen vermuten, dass sie kurz zuvor einen Schönheitssalon aufgesucht hatte.

Ihre Haushälterin schien nicht anwesend zu sein. Merkwürdig! Was mochte das bedeuten? Dana war neugierig, traute sich aber nicht zu fragen.

Sie fröstelte einen Moment. Marias spärlich möblierte Villa, die fast ausschließlich aus Glas, Chrom und Marmor in den Farben Schwarz und Weiß sowie Skulpturen und Gemälden von den jeweils angesagten Künstlern bestand, jagte ihr trotz des lodernden Feuers einen Schauer über den Rücken. Sie meinte einen kühlen Luftzug zu spüren, da das Büro lediglich durch Marmorsäulen von dem riesigen Wohnbereich getrennt war. Die gleichen Säulen begrenzten die ausgedehnte Essecke. Dieses extravagante Haus, das nach Marias ureigenen Vorstellungen errichtet worden war, erinnerte an eine Mischung aus antikem Tempel und Kunstgalerie.

Dana zog ihre Strickjacke enger über ihre mageren Schultern, was von ihrer Tante indessen falsch interpretiert wurde. „Wer so dünn ist wie du, muss sich etwas wärmer anziehen. Solch ein Problem habe ich nicht, wie man sieht.“

Dana war zu höflich, um auf die ungemütliche Umgebung hinzuweisen und konzentrierte sich wieder auf ihre Arbeit.

„Was meinst du mit Änderungen?“

„Sieh mal, eure Lehrerin hat euch freie Hand gelassen, nur das Stichwort ‚Frühlingsanfang‘ vorgegeben, so dass du schreiben kannst, was du willst, sofern die Handlung zu genau dieser Zeit spielt.“

Dana riss erstaunt die Augen auf und protestierte: „Die Handlung spielt zu Frühlingsanfang!“

Maria lachte. „Du hast keine Ahnung von der Gärtnerei. Hier steht, dass das Ehepaar, das den Mord beobachtet, in seinem Garten, versteckt hinter einer Ligusterhecke, Hyazinthenzwiebeln setzt.“

„Was ist denn falsch daran?“

Maria lachte noch einmal. „Leider eine ganze Menge! Hyazinthen blühen im Frühjahr, deshalb werden sie im Herbst gesetzt. Und eine Ligusterhecke verliert im Oktober die Blätter, die erst im Laufe des Frühjahrs nachwachsen. Deshalb kann man sich im März noch nicht dahinter verstecken. Dann gibt es eine weitere Ungereimtheit. Niemand, der halbwegs klar denken kann, wird mitten in einem Wohngebiet draußen im Garten einen Mord begehen. Das wäre ja wie auf einer Bühne.“

„Ach so“, murmelte Dana enttäuscht. „Jetzt muss ich das ändern.“

„Wie wäre es damit? Das Ehepaar war dabei, ein Gemüsebeet anzulegen und Möhren zu säen. Und aus der Ligusterhecke machst du eine Lebensbaumhecke, die das ganze Jahr über undurchsichtig ist.

Mit krausgezogener Stirn dachte Dana nach. „Hört sich gut an, also mache ich Möhren aus den Hyazinthen. Aber mit der Hecke geht das nicht. Wenn sie undurchsichtig ist, kann man nicht beobachten, was sich dahinter abspielt.“

„Das stimmt, jetzt müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen.“ Maria überlegte. „Es ist gar nicht so einfach, eine Kurzgeschichte logisch aufzubauen. Bist du ganz sicher, dass du später einmal Schriftstellerin werden möchtest?“

„Natürlich! Für mich gibt es keinen schöneren Beruf. Es ist mein größter Wunsch, Krimis zu schreiben.“

„Was sagen eigentlich deine Eltern dazu?“

Das war ein eher heikles Thema. Wenig begeistert gab Dana Auskunft: „Sie hoffen, dass ich die Schriftstellerei nebenbei betreibe und hauptberuflich Veterinärmedizin studiere, um die Praxis zu übernehmen.“

„Würde dir das denn keinen Spaß machen?“

„Doch – irgendwie schon.“ Die Antwort kam zögerlich. „Es ist nur so, dass ich dann ganz bestimmt keine Zeit mehr für ein Hobby habe. Mama und Papa kommen an kaum einem Abend vor acht Uhr nach Hause. Sogar samstags arbeiten sie bis nachmittags und oft auch sonntags, wenn es einen Notfall gibt.“

Maria lächelte. „Deine Eltern brauchen keine Freizeitbeschäftigung. Die Tiermedizin ist ihr gemeinsames Hobby, so wie für mich die Börse. Ohne Aktienkurse wäre mein Leben unerträglich langweilig. Aber deine Berufswahl hat ja noch einige Jahre Zeit.“ Mit diesen Worten wandte sie sich wieder den Hausaufgaben zu.

„Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja – wir wollten die gesamte Handlung verwerfen. Das Ehepaar beobachtet einen Mord, ohne dabei entdeckt zu werden. Durch die Ligusterhecke kann es durchgucken, wird aber bemerkt. Durch die Lebensbaumhecke wird es zwar nicht gesehen, kann aber auch nichts auf dem anliegenden Grundstück erkennen. Diesen Widerspruch können wir nicht stehen lassen. Machen wir alles neu?“

„Nein, ganz sicher nicht!“, entschied Dana. „Meine Geschichte ist gut. Ich habe folgende Idee: Die beiden Zeugen sehen nichts, sondern hören während der Gartenarbeit, dass ganz in der Nähe etwas nicht stimmt. Deshalb schleichen sie in gebückter Haltung zu ihrem Haus, schließen leise die Tür, steigen die Treppe hinauf ins Dachgeschoss und verfolgen die Geschehnisse durch die Gardine. Dort sehen sie auf dem Rasen direkt am Rande der Terrasse eine leblose Gestalt in einer Blutlache. Neben ihr steht ein Mann, der eine Jacke über ihrem Körper ausschüttelt. Und aus dem Wohngebiet mache ich eine Wochenendsiedlung, in der sich von Montag bis Freitag kaum ein Mensch sehen lässt. Den Mörder darf ich nicht allzu intelligent darstellen. Er hat nämlich übersehen, dass ab und zu auch wochentags jemand kommt. Und genau das wird ihm zum Verhängnis. - Was sagst du nun?“

Maria war sprachlos, was bei ihrer Schlagfertigkeit selten vorkam. „Deine Phantasie ist bewundernswert! Darf ich noch einmal wiederholen? Also, das Ehepaar weiß nicht, was geschehen ist, bevor es oben durch das Fenster schaut. Von dort sieht es einen regungslosen Körper, neben dem ein Mann steht. Soweit sind mir die Ereignisse klar. Was ich nicht verstehe, ist die Sache mit der Jacke. Warum schüttelt er eine Jacke über seinem Opfer aus?“

Dana wirkte belustigt. „Hast du echt keine Ahnung? Mit der Jacke, die nicht ihm gehört, legt er eine falsche DNA-Spur. Das weiß doch jeder!“

„Du bist ganz schön gerissen. Auf solch eine Idee wäre ich nicht gekommen.“ Maria dachte einen Moment nach und meinte dann: „Du hast jedes Detail sehr anschaulich ausgeschmückt, vielleicht sogar zu anschaulich. An einer Stelle beschreibst du in allen Einzelheiten die panische Angst des Opfers und die sadistische Mordlust des Täters. Und dann kommt etwas ganz Scheußliches: Du schilderst, wie die Blutlache dünne Rinnsale bildet, die sich um die Grashalme schlängeln, bevor sie im Erdreich versickern … Ich frage mich, ob das wirklich nötig ist.“

Dana entgegnete entrüstet: „Natürlich ist das nötig! Zu einem richtigen Thriller gehört auch eine richtige Gänsehaut!“

„Na, meinetwegen. Dann verbessere, was notwendig ist, damit wir mit der Übersetzung beginnen können.“

Dana begann flink zu tippen, während Maria über ihre Schulter auf den Bildschirm schaute. „Leider muss ich schon wieder meckern“, sagte sie nach einer Weile.

„Bitte nicht, Tante Maria!“

„Doch!“, antwortete Maria energisch. „Du hast den gesamten Text für den Englischunterricht in deutscher Sprache verfasst. Ein solcher Aufsatz hat aber den Sinn, dass du lernst, dich direkt in der Fremdsprache auszudrücken, ohne vorher zu überlegen und nach den richtigen Redewendungen zu suchen. Das heißt, du musst lernen, im Englischen zu denken.“

„Das weiß ich doch! Dann wäre die Geschichte aber nicht so gut geworden. Ich habe die englische Fassung schon vorbereitet, muss nur noch die Änderungen einbauen. Vielleicht liest du sie und sagst mir, ob du zufrieden bist.“

Maria las und konnte ihre Hochachtung nicht verbergen. Dana besuchte ein Gymnasium und galt als ehrgeizige und fleißige Schülerin, wenn auch ausgesprochen eigenbrötlerisch.

„Ich meine, es sind keine Fehler darin enthalten. Jedenfalls habe ich keine gefunden. Obwohl …“, sie zögerte einen Moment und fuhr dann fort: „… ich der Ansicht bin, dass man hier und da flüssiger und eleganter formulieren könnte.“

„Lieber nicht, dann merkt meine Lehrerin sofort, dass ich Hilfe hatte. So, jetzt muss ich nachsehen, was Lebensbaum heißt.“

„Arbor vitae“, antwortete Maria, die seit Jahren Sprachferien in den verschiedensten Ländern machte. Auf ihre Englischkenntnisse war Verlass.

„Hier steht tree of life“, widersprach Dana, die bereits ein Online-Lexikon geöffnet hatte.

„Das kann auch der sinnbildliche Lebensbaum sein. Wenn du das Grünzeug in der freien Natur meinst, nimmst du lieber arbor vitae, um Irrtümer zu vermeiden.“

Dana schmunzelte. Maria hielt es stets außerordentlich genau. „Ich setze arbor vitae in Klammern dahinter, dann gibt es garantiert keine Missverständnisse.“

Minuten später war die Kurzgeschichte fertig. Erleichtert atmete Dana auf, klappte ihr Notebook zu und strahlte ihre Tante an.

„Vielen Dank für deine Hilfe. Sobald Oma gesund ist, laden wir dich ein. Seit Opa für unser leibliches Wohl verantwortlich ist, gibt es nur noch Butterbrote.“

Maria lächelte. „Das ist mir schon zu Ohren gekommen. Deshalb habe ich Frau Glaser gebeten für euch ein leckeres Abendessen zu kochen. Sie hat es mit ganz viel Liebe zubereitet. Damit kannst du deine Familie überraschen. Aber zuvor habe ich noch eine Kleinigkeit für dich und deinen Bruder.“

Sie kramte in ihrer Schreibtischschublade und reichte Dana zwei grüne Scheine.

„Zweihundert Euro! Hundert für jeden!“, quietschte Dana überglücklich. „Tante Maria, du bist der liebste Mensch der Welt.“ Sie steckte das Geld ein und fiel ihrer Tante um den Hals.

In der Küche, die einem keimfreien Labor glich, holte Maria Frischhaltedosen in allen Größen und ein Paket aus dem Kühlschrank.

„Hier sind Nudelauflauf, Tomatensoße, geriebener Käse, gemischter Salat, Schokoladenpudding und Schlagsahne. In dem Päckchen ist ein selbstgebackenes Brot.“

Emma Glaser, Marias Köchin und Haushälterin, hatte sich sofort bereit erklärt zu helfen, als sie erfuhr, dass die Familie Arnold derzeit auf warme Mahlzeiten verzichten musste.

Dana war überwältigt. „So gut haben wir seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen. Sage Frau Glaser bitte vielen, vielen Dank. Ich komme in den nächsten Tagen vorbei und bringe ihr einen Blumenstrauß mit.“

Maria half ihrer Nichte, die Lebensmittel in Tüten und Taschen zu verpacken und auf ihrem Fahrrad zu verstauen.

„Warum ist heute keiner von deinem Personal da?“, platzte Dana heraus, bevor sie sich verabschiedete, obwohl sie eigentlich entschlossen war, ihre Neugierde zu zügeln. Die fehlenden Hausangestellten weckten ihr Misstrauen, weil Maria, die völlig in ihrem Beruf als Profi-Traderin aufging, nicht einmal in der Lage war, sich einen Kaffee zu kochen, wie in ihrem Freundeskreis manchmal gewitzelt wurde

Sie lächelte verschmitzt. „Ich habe Frau Glaser und Frau Neumann freigegeben, weil ich nachher sehr privaten Besuch erwarte. Das ist aber noch nicht offiziell. Es soll jetzt noch niemand wissen. Diesmal ist es was Ernstes.“

„Oh, das freut mich für dich. Ich werde sofort verschwinden, um nicht zu stören.“

Dana schwang sich auf ihr Rad und flitzte mit einem über die Schulter gerufenen „Viel Spaß heute Abend!“ auf die stille vornehme Kastanienallee am Rande der mittelgroßen Stadt Buchenbrück. Sie warf einen Blick zurück auf Marias schneeweißes Anwesen, das aufgestapelten Würfeln ähnelte, so als hätten kleine Kinder mit Bauklötzen gespielt.

2. Jan

Dana radelte in flottem Tempo über die Landstraße zum Dörfchen Kiefernbrunn, ihrer Heimat. Sie atmete auf, als nach etwa zehn Minuten in der Ferne zwischen den sanft geschwungenen Wiesen, Feldern und Wäldern des Rhein-Sieg-Kreises ihr Elternhaus, ein zweistöckiger Backsteinbau mit einigen Nebengebäuden, in Sicht kam. Dort auf dem seit Generationen in Familienbesitz befindlichem, ehemaligen Bauernhof konnte man sich wohlfühlen. Es war das genaue Gegenteil von Tante Marias sterilem Gemäuer.

Nachdem sie auf den Feldweg abgebogen war und das Tor hinter sich geschlossen hatte, schob sie ihr Rad quer durch den Garten, dem man selbst im Februar die liebevolle Pflege ansah. Sogleich wurde sie von den Hunden, dem großen, schwarzen, kurzhaarigen Carlos, dem mittelgroßen, rotbraunen, langhaarigen Anton und dem kleinen, weißen, wuscheligen Fridolin stürmisch begrüßt. Die drei sprangen an ihr hoch und schnüffelten begierig an den Tüten und Taschen.

„Husch! Weg da!“, forderte Dana die Vierbeiner energisch auf. „Heute dürfen endlich einmal die Menschen schlemmen. Ihr seid ohnehin viel zu verhätschelt!“

In der Tür tauchte die große, breitschultrige Gestalt Friedrich Arnolds, Danas Großvaters, auf.

„Wir hatten dich früher erwartet. Hat alles geklappt mit deinem Aufsatz?“

„Das ist kein Aufsatz, sondern mein erster Roman“, antwortete Dana mit Würde. „Natürlich hat alles geklappt. Wir brauchten mehr Zeit, weil Maria eine äußerst penible Lektorin ist. Aber nicht nur das – sie hat auch ein Herz für ihre hungrige Verwandtschaft.“

Mit diesen Worten legte sie die Tüten und Taschen auf die weiß-lackierte Bank neben der ebenso weißlackierten, mit Schnitzereien verzierten Haustür und bemerkte spitzbübisch grinsend: „Ich werde es aufwärmen. Lass‘ du bloß die Finger vom Backofen.“

„Keine Sorge, den werde ich zeit meines Lebens nicht mehr anrühren“, versprach Opa Friedrich mit fröhlichem Augenzwinkern.

Was er zwei Tage zuvor angestellt hatte, würde so schnell niemand vergessen. Dabei wollte er seine Lieben nur mit tiefgefrorenen Pizzen verwöhnen. Dass diese Leckerbissen wenig später schwarz verkohlt, umgeben von einer dicken, grauen Qualmwolke, direkt aus dem Ofen ohne Umweg in der Mülltonne landeten, war ganz gewiss nicht seine Absicht gewesen.

„Hast du etwa richtiges Essen mitgebracht?“ Danas elfjähriger Bruder Jan streckte in der oberen Etage den Kopf aus dem Fenster. „Ich komme runter!“

Es polterte gewaltig, als er, jeweils drei Stufen nehmend, die uralte Holztreppe mit dem gedrechselten Geländer hinuntersprang. Strahlend tauchte er hinter Opa auf und half, das Abendbrot in die gemütliche Küche mit den holzgetäfelten Wänden und dem grüngefliesten Kachelofen zu tragen. In diesem Haus schien alles älter als hundert Jahre zu sein – abgesehen von den Menschen.

Die Hunde liefen schwanzwedelnd hinterher.

„Gibt es heute tatsächlich etwas Warmes?“, vergewisserte Jan sich noch einmal, während seine braunen Augen blitzten und sein pausbäckiges Gesicht glühte. Bis auf seine kräftige und Danas zarte Statur glich er seiner Schwester fast wie ein Zwillingsbruder.

„Du bist so gefräßig wie die Hunde“, wies ihn sein Opa mit gutmütigem Spott zurecht.

„Sieht aus, als würde diese Menge sogar für zwei Tage für die ganze Familie reichen. Nur der Salat muss heute verbraucht werden“, stellte Dana zufrieden fest, als sie die Speisen auf dem Tisch ausbreitete.

Und dann bekam sie einen Schrecken und schrie: „Wo ist mein Notebook? Opa! Jan! Habt ihr mein Notebook gesehen? War es nicht in einer der Tüten oder Taschen?“

„Ich habe keins gesehen. Hier ist es nicht. Kann es vielleicht draußen auf der Bank liegen?“, fragte Opa Friedrich etwas hilflos.

Dana rannte hinaus und kam sogleich verzweifelt zurück. „Es ist nicht da. Ich habe es bei Maria vergessen. Wir waren so emsig damit beschäftigt, die Fressalien einzupacken, dass ich gar nicht mehr daran gedacht hatte. Ich brauche meine Kurzgeschichte unbedingt morgen. Mist, jetzt muss ich nochmal hinfahren!“

„Ach was!“, widersprach Jan. „Die ist doch in der Cloud.“

„Ich habe keine Cloud! Und ich will keine Cloud!“, heulte Dana.

„Dann hast du sicher eine Kopie auf einem Stick? Und der ist in deiner Hosentasche?“, ließ Jan nicht locker, was Dana lediglich mit einem vernichtenden Blick quittierte.

Er machte einen letzten Versuch. „Könnte es sein, dass du bei Maria einen Ausdruck angefertigt hast, der sich in einer der Tüten befindet?“

„Ich habe nichts! Gar nichts! Nothing! Nada! Niente! Ist das so schwer zu verstehen?“

„Na dann, gute Nacht! Keine Cloud, kein Stick, kein Ausdruck – und du willst Schriftstellerin werden! Das soll was geben!“, brummte er.

„Du bist der liebevollste Bruder der Welt“, fauchte Dana. „Anstatt mir zu helfen, redest du solchen Schachsinn.“

„Nun zankt euch nicht“, ließ sich plötzlich eine krächzende Stimme vernehmen. Unbemerkt hatte Oma Elfriede den Raum betreten und schon eine ganze Weile zugehört. Sie trug einen Wintermantel und einen dicken Schal um den Hals. Ihren stets gepflegten graublonden Haaren sah man an, wie sehr sie unter der Bettruhe gelitten hatten. Sie wirkte zerbrechlich, blass und elend. Erschöpft ließ sie sich auf die Ofenbank fallen und lehnte sich an die warmen Kacheln.

„Opa wird mich jetzt gleich zum Arzt fahren. Du kannst mit uns kommen, Dana, und auf dem Weg dorthin bei Maria vorbeischauen“, schlug sie vor.

„Das wäre für euch ein Riesenumweg. Die Praxis ist nicht mehr lange geöffnet. Vielen Dank, Oma, das ist ganz lieb, aber ich sause mit dem Rad hin und passe ganz bestimmt auf mich auf.“

„Es wird bald dunkel“, versuchte Elfriede Arnold einen schwachen Einwand.

Jan lachte. „Du weißt doch, dass Dana drei ausgewachsene Männer gleichzeitig flachlegen kann.“

Seine Schwester, eine begeisterte Karatesportlerin, lächelte bescheiden. „Das wäre mir derzeit noch etwas zu anstrengend. Um drei gleichzeitig zu schaffen, muss ich erst einmal mit den Meistergraden beginnen. Aber ein einziger hat garantiert schon jetzt keine Chance gegen mich. – Also, ich bin dann weg!“

Als sie in der Diele ihre Jacke anzog, sprang Jan plötzlich auf und rief: „Weshalb willst du unbedingt fahren? Warum rufst du Maria nicht an und bittest sie, deine Arbeit per E-Mail zu schicken? Ich mache dir für die Schule einen Ausdruck. Wieso ist noch keiner von uns auf diese Idee gekommen?“

Niemand wusste es. Auf das Nächstliegende kam man wohl immer erst zuletzt.

„Dann ist ja alles in Ordnung“, sagte Oma beruhigt. „Komm, Friedrich, lass‘ uns keine Zeit verlieren. Wenn wir zurück sind, werde ich sofort ins Bett gehen und nichts mehr essen. Jan verdrückt bestimmt gerne zwei Portionen.“

Dana begleitete ihre Großeltern nach draußen, schloss einen Moment die Augen und ließ ihr Gesicht von der tiefstehenden, erstaunlich kräftigen Februarsonne bescheinen. Sie trödelte zurück ins Haus, streckte sich im Wohnzimmer auf dem weichgepolsterten Plüschsofa aus, griff nach dem Telefonapparat und wählte Marias Nummer. Nur der Anrufbeantworter meldete sich. Sie erklärte ihr Anliegen und versuchte es danach auf ihrem Handy. Auch nur die Mailbox. Diesmal bat sie dringend um Rückruf. Die Zeit verstrich und nichts geschah. Mittlerweile ging die Sonne unter und die Dämmerung setzte ein.

Irgendwann schaute Jan herein. „Was ist los? Hast du Maria nicht erreicht? Bei mir ist noch nichts eingegangen.“

„Sie ruft nicht zurück“, antwortete Dana deprimiert. „Ich werde jetzt hinfahren, sonst stehe ich morgen ohne Hausaufgaben da.“

„Es ist fast dunkel. Soll ich dich begleiten?“

„Als Bodyguard?“ Dana kicherte. „Da deine einzige sportliche Tätigkeit darin besteht, die Finger über die Tastatur gleiten zu lassen, ist es sinnvoller, wenn ich mich selbst beschütze.“ Sie nahm ihren Bruder in den Arm und zerzauste sein Haar. Jan, der leidenschaftliche IT-Fan, hockte am liebsten in seinem Zimmer vor seinen drei Bildschirmen. Später würde er Informatik studieren, Software entwickeln und Millionär werden. So großartig sahen seine Zukunftspläne aus.

„Nimm wenigstens dein prähistorisches Handy mit, damit du im Notfall Hilfe holen kannst.“

„Das Ding liegt in irgendeiner Schublade, vermutlich mit leerem Akku“, entgegnete Dana gleichgültig.

„Dann nimm meins!“, beharrte Jan und zog sein Smartphone aus der Hosentasche.

„Hat keinen Zweck. Kann ich sowieso nicht mit umgehen.“

Sie hastete nach draußen und schwang sich auf ihr Rad. „Ich beeile mich, damit ich zurück bin, bevor es ganz dunkel ist!“, rief sie und schoss den Feldweg entlang zur Landstraße.

3. Der Heiratsschwindler

Unterwegs gingen Dana drängende Fragen durch den Kopf. Wer mochte dieser geheimnisvolle Fremde sein? Und weshalb meldete sich Maria nicht? Ob es diesmal tatsächlich etwas Ernstes war? Warum hatte sie ihn dann nicht der Familie vorgestellt? Soweit sie sich an die vergangenen Jahre erinnerte, präsentierte ihre Tante alle paar Monate einen Traummann, der jedoch regelmäßig nach einigen Wochen mit Schimpf und Schande davongejagt wurde.

Marias ausdrücklicher Bitte um Diskretion war Dana nachgekommen. Doch nun traten Zweifel auf. Hätte sie nicht wenigstens ihren Eltern Bescheid sagen sollen? Innerhalb der unüberschaubaren Schar von Marias Verehrern hatten sich nämlich auch mehrere fragwürdige Gestalten befunden.

Einige Minuten später erreichte sie ihr Ziel. Die eingeschaltete Außenbeleuchtung verbreitete in der Dämmerung ein diffuses Licht. Hinter den Fenstern schienen Kerzen zu flackern. In der Einfahrt vor dem geschlossenen Garagentor stand ein neuer, auf Hochglanz polierter schwarzer Porsche. Also war Marias Besuch bereits eingetroffen.

Dana schob ihr Rad durch den Vorgarten und lehnte es gegen die Hauswand, traute sich aber nicht zu klingeln. Einerseits wollte sie das verliebte Pärchen bei seinem Tête-à-Tête nicht stören, anderseits brauchte sie dringend ihr Notebook. Was sollte sie bloß tun?

Könnte Maria vielleicht vergessen haben, den Nebeneingang abzuschließen? Solche alltäglichen Arbeiten überließ sie gerne Frau Glaser. Möglicherweise hatte sie nicht daran gedacht, ihrer Haushälterin, die für diese Aufgabe verantwortlich war, freigegeben zu haben. Eine offene Tür würde allen Anwesenden einige Peinlichkeiten ersparen.

Dana schlich ums Haus zum Seiteneingang, der direkt in die Küche führte. Behutsam drehte sie den Knauf und atmete erleichtert auf. Maria hatte in der Tat vergessen abzuschließen. Sie huschte in das Halbdunkel des Raums, tastete mit den Händen über den Tisch und die Stühle und hatte auf einmal ihr Notebook in der Hand. Sie fühlte sich wie von einer Zentnerlast befreit.

Sie sah sich um. Die Tür zur Diele war geschlossen, die zum weitläufigen Essbereich nur angelehnt. Vorsichtig linste sie durch den Spalt. Dort und im angrenzenden Wohnraum brannten überall Kerzen, deren Licht von den blitzblanken Marmorsäulen reflektiert wurde. Leise Musik spielte. Sonst war nichts zu hören. Bloß weg hier, um letztendlich nicht doch noch erwischt zu werden!

Auf halbem Weg nach draußen zuckte sie entsetzt zusammen, als Marias Stimme kreischend, hysterisch und wütend erschallte: „So viel Dreistigkeit verschlägt sogar mir die Sprache!“

Ertappt! Am liebsten hätte Dana wie ein kleines Kind geheult und sich vor lauter Scham in einem Schrank versteckt. Aber das ging nicht! Sie musste ihre Notlage erklären und sich für ihr heimliches Eindringen entschuldigen. Sie atmete tief durch, reckte ihr Kinn in die Höhe und betrat das Esszimmer. Seltsam – der große Raum war leer.

Im gleichen Moment erklang ein vor Hohn und Spott triefendes Männerlachen aus dem direkt anschließenden Wohnzimmer. „Dass ich das noch erleben darf. Die grandiose Maria war eine ganze Minute lang sprachlos.“

Maria, die niemandem eine Antwort schuldig blieb, legte augenblicklich los: „Du Dreckskerl, du hast es nur auf mein Geld abgesehen! Ich werde dich anzeigen!“

Dana erkannte blitzartig, dass ihre Tante das Opfer eines Heiratsschwindlers geworden war. Jetzt galt es, die Nerven zu behalten und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Maria brauchte Zeugen, um ihre Anzeige zu begründen. Aber würde der Aussage der minderjährigen Nichte das nötige Gewicht beigemessen werden? Vermutlich nicht. Ihre Gedanken rasten. Was sollte sie tun?

Sie stand vor dem riesigen, gläsernen Esstisch, worauf zahlreiche Kerzen brannten. Den viel größeren Wohnbereich konnte sie nur teilweise überblicken. Dahinter lag das Arbeitszimmer, in dem ebenfalls kleine Lichtlein schillerten.

Und schlagartig kam ihr die Erleuchtung! Sie klappte ihr Notebook auf und schaltete die Kamera samt Mikrofon ein, zog ihre Jacke aus, legte sie flach auf den Boden, stellte das Gerät darauf und kroch mit klopfendem Herzen behutsam näher in Richtung der Stimmen, während sie den eingeschalteten PC auf dem Kleidungsstück geräuschlos vor sich herschob. Dummerweise konnte man sich in Marias Haus nirgendwo verstecken. Die Essecke, eigentlich ein spärlich möblierter Speisesaal, kam ihr flächenmäßig wie ein halbes Fußballfeld vor. Es gab kaum Möbelstücke, nur den Tisch mit einem Dutzend oder mehr Stühlen, ein schwarzlackiertes Buffet und einige abstrakte Gemälde an den Wänden. Dana fragte sich zum Hundertsten Mal, wie man sich hier bloß wohlfühlen konnte.

„Für die Anzeige wünsche ich dir viel Spaß!“, ertönte die spöttische Männerstimme.

„Denkst du, ich ziehe das nicht durch? Ich werde dich fix und fertig machen und ins Gefängnis bringen!“, war Marias wutentbrannte Antwort.

Dana bekam vor lauter Aufregung kaum noch Luft. Sie musste unbedingt näher heran, um das Gesicht des Betrügers auf dem Film festhalten zu können. Von ihrem derzeitigen Standort aus waren die beiden Personen nicht zu sehen. Sie glitt zum Wohnzimmer hinüber. Jetzt versperrten nur noch eine Marmorsäule und eine Mauerecke die Sicht auf die ausladende Sitzgruppe. Sie zögerte. Der großflächige Raum, genauso leer wie der Rest des Hauses, würde ihr kaum ein Versteck bieten.

Doch die unzähligen züngelnden Kerzenflammen warfen funkelnde, zuckende Lichtreflexe in vielen Formen und Größen auf den spiegelblanken Marmorboden, die deckenhohen Fensterscheiben und die Wände. Dieses wirre Geflimmer erinnerte an winzige hüpfende Kobolde und versprach eine gewisse Sicherheit, unbeobachtet zu bleiben.

Dana fühlte sich elend. Trotzdem durfte sie nicht kneifen. Sie würde ihre stets hilfsbereite und großzügige Tante keineswegs im Stich lassen.

Erst jetzt stellte sie fest, dass sie sich die ganze Zeit über selbst gefilmt hatte. Jan wäre solch ein Missgeschick niemals passiert, dachte sie, und drehte das Gerät behutsam um.

Endlich war die Säule erreicht. Vorsichtig reckte sie ihren Hals, spähte zu der repräsentativen Wohnlandschaft und schob die Kamera ein Stückchen weiter. Nun konnte sie einen Blick auf Marias neuen Freund werfen. Obwohl sie ihn nur im Profil betrachtete, stellte sie fest, dass er außerordentlich gut aussah und vermutlich fünfzehn Jahre jünger als ihre Tante war. Groß, breitschultrig, muskulös, dunkle Haare, Designerklamotten - der perfekte Traummann. Leider stimmte sein Charakter nicht mit seinem ansprechenden äußeren Eindruck überein.

Die traute Atmosphäre mit sanfter Musik, Kerzenlicht, Kaminfeuer, Sektkühler und delikaten Häppchen auf silbernen Platten ließ vermuten, dass Maria sich den Verlauf des Abends angenehmer vorgestellt hatte.

„Dann erkläre mir doch bitte, wie du nachweisen willst, dass ich dich betrogen habe“, fragte er gerade mit einem erheiterten Unterton.

„Ich habe fünfzigtausend Euro auf dein Konto überwiesen und als Verwendungszweck ‚Anzahlung Ferienwohnung San Remo‘ angegeben. Und jetzt ist nicht ein einziger Cent mehr da, weil du den gesamten Betrag verjubelt hast. Deinen Flug und das Hotel habe ich ebenfalls per Banküberweisung bezahlt. Ich kann jede Ausgabe exakt belegen.“

„Nun rege dich nicht so auf! Die Ferienwohnung war ein Geschenk für deinen Geliebten, was sonst? Liebende machen sich oft und gern Geschenke, nicht wahr?“ Seine Stimme hatte mittlerweile einen schmierigen und hinterhältigen Klang angenommen.

„Ach, tatsächlich? Kannst du eine notariell beglaubigte Schenkungsurkunde vorlegen? Nein? Dann mache dich auf eine Anzeige gefasst!“

Daraufhin lachte er nur. „Was glaubst du eigentlich, wer du bist, du fette Schlampe! Schau mal in den Spiegel! Ich habe mich monatelang um dich gekümmert und denke, dafür eine Belohnung verdient zu haben. Fünfzigtausend sind viel zu wenig. Das Zehnfache betrachte ich als angemessen. Entweder du zahlst oder es wird richtig peinlich für dich! Hast du nicht gemerkt, wie ständig hinter unserem Rücken getuschelt wurde? Die dicke Alte und der schöne, junge Mann. Hast du wirklich gedacht, ich sei in dich verliebt? Und wenn du weiterhin in den Genuss meiner Gesellschaft kommen willst, wird es richtig teuer.“

„Deine Gesellschaft soll ein Genuss sein?“, kreischte Maria. „Es ist die reinste Hölle. Du bist ein mieser, kleiner Erpresser und Betrüger!“

Sanft und ölig bestätigte er: „Damit hast du sogar recht. Darf ich dich in diesem Zusammenhang an unser Wellness-Wochenende und das FKK-Bad erinnern? Fotografieren war dort strengstens verboten. Trotzdem habe ich es geschafft, ein paar Aufnahmen von einem kleinen Nilpferd zu machen.“

Dana konnte es nicht mehr ertragen. Ihr war übel. Sie wollte weg! Sofort! Vorsichtig zog sie ihre Jacke mit dem aufgeklappten Notebook zurück und kroch auf allen Vieren zur Küche. Ihr Gehirn war wie benebelt, so dass sie die Streitereien, die in voller Lautstärke weitergingen, gar nicht mehr wahrnahm. Dort angekommen stellte sie ihren kleinen PC auf den Tisch und setzte sich davor auf einen Stuhl. Was nun? Zuerst musste der Film in Sicherheit gebracht werden. Ihr fiel nur Jan, der ständig vor dem Bildschirm hockte ein. Also schickte sie dieses kompromittierende Beweisstück kommentarlos an ihren Bruder und klappte das Gerät zu. Jan war ein pfiffiger Bursche. Er würde wissen, was zu tun war.

Dana starrte mit leerem Blick bewegungslos vor sich hin. Die Zeit verging, doch sie merkte es nicht. Wollte sie tatsächlich Krimiautorin werden? Sie erlebte gerade ihren ersten echten Kriminalfall, der alles andere als lustig war. Vielleicht wäre Tierärztin der angenehmere Job? Die Beantwortung dieser Frage war derzeit ganz unmöglich, da sich in ihrem Kopf ein Klumpen Hefeteig langsam, aber stetig auszudehnen schien und jegliches Denken erstickte.

Plötzlich spürte sie einen leichten Luftzug und drehte sich ängstlich um.