Das Anwesen über den Klippen - Victoria Holt - E-Book

Das Anwesen über den Klippen E-Book

Victoria Holt

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Beschreibung

In diesem Anwesen ist nichts wie es scheint … Über den Klippen von Dover thront der majestätische Landsitz Lovat Stacy. Dorthin verschlägt es die begabte Pianistin Caroline Verlaine als Klavierlehrerin für die jungen Damen des Hauses. Doch Caroline hütet ein gefährliches Geheimnis: Unter falschem Namen sucht sie nach ihrer Schwester, die als Archäologin auf dem Anwesen forschte – und plötzlich spurlos verschwand. Aber die dunklen Hallen von Lovat Stacy bringen Catherine mehr Fragen als Antworten: Wieso leuchten nachts unheimliche Lichter auf dem alten Friedhof? Warum verlangt der grimmige Sir William immer dieselbe, makabre Melodie? Und welche Rolle spielt der undurchsichtige Sir Napier, der sie unablässig zu verfolgen scheint? Schon bald wird Caroline in ein Netz aus Lügen, Eifersucht und Verrat gezogen, das ihr zum Verhängnis zu werden droht … Ein fesselnder Roman für alle Fans der Gothic Romance und der Romane von Felicity Whitmore & Daphne du Maurier.   Alle Gothic Romances von Victoria Holt: Das Geheimnis der Engländerin Die Braut von Pendorric Das Geheimnis der siebten Jungfrau Das Anwesen über den Klippen Das Schloss im dunklen Moor Das Geheimnis von Menfreya   Die Bände sind ganz unabhängig voneinander lesbar.  

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Über dieses Buch:

 

Über den Klippen von Dover thront der majestätische Landsitz Lovat Stacy. Dorthin verschlägt es die begabte Pianistin Caroline Verlaine als Klavierlehrerin für die jungen Damen des Hauses. Doch Caroline hütet ein gefährliches Geheimnis: Unter falschem Namen sucht sie nach ihrer Schwester, die als Archäologin auf dem Anwesen forschte – und plötzlich spurlos verschwand. Aber die dunklen Hallen von Lovat Stacy bringen Catherine mehr Fragen als Antworten: Wieso leuchten nachts unheimliche Lichter auf dem alten Friedhof? Warum verlangt der grimmige Sir William immer dieselbe, makabre Melodie? Und welche Rolle spielt der undurchsichtige Sir Napier, der sie unablässig zu verfolgen scheint? Schon bald wird Caroline in ein Netz aus Lügen, Eifersucht und Verrat gezogen, das ihr zum Verhängnis zu werden droht …

eBook-Neuausgabe März 2026

Die englische Originalausgabe erschien erstmals 1969 unter dem Originaltitel »The Shivering Sands« bei Doubleday & Co., New York. Die deutsche Erstausgabe erschien 1974 unter dem Titel »Treibsand« im Goverts Krüger Stahlberg Verlag GmbH.

Copyright © der englischen Originalausgabe 1969 by Victoria Holt

Copyright © der deutschen Erstausgabe 1974 Goverts Krüger Stahlberg Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Copyright © der Neuausgabe 2026 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock

eBook-Herstellung: dotbooks GmbH unter Verwendung von IGP (mk)

 

ISBN 978-3-69076-506-0

 

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Victoria Holt

Das Anwesen über den Klippen

Roman

Aus dem Englischen von Ursula Michaelsen

 

Kapitel 1

 

Ich frage mich, wo ich mit meiner Geschichte beginnen soll. An dem Tage, als Napier und Edith in der kleinen Kirche von Lovat Mill getraut wurden? Oder als ich im Zug saß und auszog, die Wahrheit hinter dem Verschwinden meiner Schwester Roma zu ergründen? Vor diesen beiden bedeutungsvollen Ereignissen geschah so vieles, was wichtig ist; und doch sollte ich vielleicht mit dem zweiten anfangen, denn das war der Punkt, an dem es für mich kein Zurück mehr gab.

Roma – meine vernünftige, zuverlässige Schwester – war verschwunden. Man hatte nachgeforscht; man hatte Theorien aufgestellt; doch nirgends ein Hinweis, wo sie geblieben sein könnte. Ich glaubte, daß der Schlüssel zu dem Geheimnis dort zu finden sein würde, wo sie zuletzt gesehen wurde; und ich war entschlossen, herauszufinden, was mit ihr geschehen war. Meine Sorge um Roma half mir über einen schweren Abschnitt meines eigenen Lebens hinweg, denn was dort im Zug saß, war eine einsame trauernde Frau – mit gebrochenem Herzen, hätte ich gesagt, wäre ich sentimental veranlagt gewesen. Doch das war ich ja nicht. Im Gegenteil, ich war eine Zynikerin – jedenfalls redete ich mir das ein. Das Leben mit Pietro hatte mich dazu gemacht. Jetzt war ich also ohne Pietro, einem Stück Treibholz gleich – ziellos und verloren – und mit einem so winzigen Einkommen, daß ich unbedingt zugreifen mußte, es zu verbessern, als mir diese Gelegenheit geboten wurde – aus der Hand eines gütigen Schicksals, wie mir schien.

Als mir klargeworden war, daß ich etwas tun mußte, wenn ich mich sattessen und ein regendichtes Dach über dem Kopf haben wollte, hatte ich versucht, Privatstunden zu geben, und ich hatte auch ein paar Schüler, doch was sie an Geld einbrachten, reichte nicht aus. Ich hatte geglaubt, daß ich mir mit der Zeit einen festen Schülerstamm heranziehen, vielleicht sogar ein junges Genie entdecken würde, was mir das Leben lebenswert gemacht hätte; bisher jedoch hatten sich meine Ohren nur ständig verzweifelt gegen holpernd vorgetragene »Blue Bells of Scotland« gewehrt, und kein künftiger Beethoven hatte je auf meinem Klavierstuhl gesessen.

Ich war eine Frau, die das Leben gekostet und es bitter gefunden hatte, nein, bittersüß, so wie das Leben immer ist; doch die Süße war dahin und die Bitternis geblieben. Gesetzt war ich und erfahren; der breite Goldreif am Ringfinger meiner Linken bewies es sichtbar. So jung und so verbittert? Ich war zwar schon achtundzwanzig, doch um verwitwet zu sein, war das sehr jung, wie jeder zugeben wird.

Der Zug war durch Kent gefahren, diesen ›Garten Englands‹, der bald in der rosa und weißen Pracht blühender Kirsch-, Pflaumen- und Apfelbäume stehen würde, vorüber an Hopfenfeldern und Darren mit tiefgezogenen Kapuzendächern, er glitt nun in einen Tunnel, um wenige Augenblicke später wieder aufzutauchen in den zögernden Sonnenschein des Märznachmittages. Der Küstenstreifen von Folkestone nach Dover hob sich blendend weiß gegen die graugrüne See ab, und ein launischer Ostwind jagte ein paar graue Wolken über den Himmel. Er trieb das Wasser klatschend gegen die Klippen, daß es silbern aufsprühte.

Vielleicht tauchte auch ich – wie der Zug – aus meinem dunklen Tunnel auf in den Sonnenschein.

Das war die Art von Bemerkung, über die Pietro gelacht hätte. Er hätte mir vorgehalten, was ich doch für eine Romantikerin sei hinter der völlig irreführenden nüchternen Fassade.

Was für ein unsteter Sonnenschein, bemerkte ich gleich darauf, und in dem Wind ein Hauch von Grausamkeit – dazu die ewig unberechenbare See.

Da war er wieder, der vertraute Schmerz, die Sehnsucht, die Enttäuschung, und aus der Vergangenheit tauchte Pietros Gesicht auf, als wollte er sagen: Ein neues Leben? Du meinst ein Leben ohne mich. Glaubst du wirklich, daß du mir je entrinnen wirst?

Nein, lautete die Antwort. Niemals. Du wirst immer da sein, Pietro. Es gibt kein Entrinnen ... nicht einmal im Grabe. »In der Gruft«, berichtigte ich mich spöttisch, das würde viel besser klingen. Viel theatralischer. Pietro hätte das so ausgedrückt – Pietro, mein Geliebter und Rivale, der umgarnte und einlullte, der spottete, anfeuerte und zerstörte. Es gab kein Entrinnen. Schattenhaft würde er immer da sein – der Mann, mit dem und ohne den es nicht möglich war, glücklich zu sein.

Doch ich hatte mich nicht auf diese Reise begeben, um an Pietro zu denken. Ihn wollte ich vergessen. Ich mußte an Roma denken.

 

***

 

Jetzt sollte ich wohl etwas über die Ereignisse sagen, die diesem Augenblick vorausgingen, wie Roma nach Lovat Mill kam, und wie ich Pietro traf.

Roma war zwei Jahre älter als ich. Geschwister hatten wir keine. Unsere Eltern waren beide leidenschaftliche Archäologen gewesen, denen das Entdecken historischer Überreste wesentlich wichtiger gewesen war als ihre Elternschaft. Sie waren ständig irgendwo zum »Buddeln« unterwegs, und uns gegenüber legten sie eine Art von vagem Wohlwollen an den Tag, das zumindest unaufdringlich und daher nicht unwillkommen war. Mutter war so etwas wie ein Phänomen gewesen, denn damals war es für eine Frau noch höchst ungewöhnlich, an archäologischen Expeditionen teilzunehmen, und durch ihr Interesse für die Sache lernte sie Vater kennen. Sie heirateten, zweifellos in Erwartung eines Lebens voller Forschung und Entdeckungen; sie begannen auch, sich dessen zu erfreuen, bis es erst durch Romas und dann meine Ankunft unterbrochen wurde. Unser Erscheinen kann ihnen nicht gerade sehr willkommen gewesen sein, doch sie waren entschlossen, uns gegenüber ihre Pflicht zu tun, und schon in frühesten Jahren zeigte man uns Bilder von in England gefundenen Waffen aus der Stein- und Bronzezeit, für die wir das Interesse zeigen sollten, das die meisten kleinen Kinder wohl einem Puzzlespiel entgegengebracht hätten. Sehr bald schon wurde deutlich, daß Roma dieses Interesse tatsächlich besaß. Mich entschuldigte mein Vater mit meiner Jugend. »Das wird schon noch kommen«, sagte er. »Roma ist schließlich zwei Jahre älter. Sieh, Caroline, ein ganzes römisches Bad. Fast vollständig erhalten. Was sagst du dazu?«

Roma war bereits ihr Liebling. Nicht, daß sie es darauf angelegt hätte. Ihr war diese große Passion angeboren, sie brauchte nicht zu heucheln. Vielleicht reichlich abgebrüht für mein jugendliches Alter, versuchte ich, meinen eigenen Wert in den Augen meiner Eltern abzuschätzen. War ich ihnen so viel wie ein zusammengestückeltes Halsband aus der Bronzezeit? Nicht ganz. Gewiß nicht so viel wie ein römischer Mosaikfußboden. Ein Feuerstein aus der Steinzeit? Vielleicht, denn die gab es ziemlich häufig.

»Ich wollte, wir hätten gewöhnlichere Eltern«, pflegte ich zu Roma zu sagen. »Ich wollte, daß sie manchmal böse wären ... vielleicht könnten sie uns auch prügeln – natürlich nur zu unserem Besten –, womit alle Eltern sich entschuldigen. Das wäre doch mal lustig.«

Roma in ihrer nüchternen Art erwiderte: »Sei nicht albern. Du wärest wütend, wenn sie dich schlagen würden. Du würdest brüllen und treten. Ich kenne dich doch. Du willst nur das, was du nicht hast. Wenn ich etwas größer bin, nimmt Papa mich mit zum Ausgraben.«

Ihre Augen leuchteten. Sie konnte den Tag kaum erwarten.

»Sie sagen uns immer, daß wir erwachsen werden müssen, um etwas Nützliches zu tun.«

»Ja, sicher.«

»Aber das heißt immer nur eines: Wir müssen erwachsen werden, um Archäologen zu sein.«

»Wir haben Glück«, stellte Roma fest. Sie traf dauernd Feststellungen; sie war so sicher, daß das, was sie sagte, richtig war; sie hätte es in der Tat gar nicht gesagt, wenn sie sich nicht sicher gewesen wäre. Das war Roma.

Die Verrückte war ich, die Leichtfertige, die lieber mit Worten als mit Überresten der Vergangenheit spielte, die immer dann etwas amüsant fand, wenn sie hätte ernst sein sollen. Ich paßte im Grunde nicht in meine Familie.

Roma und ich waren oft im Britischen Museum, mit dem mein Vater eng zusammenarbeitete. Wir sollten gehen und uns amüsieren, wurde uns gesagt, mit einem Unterton, der bedeutete, daß uns Einlaß an einen sakralen Ort gewährt wurde. Ich erinnere mich, wie ich über die geheiligten Steine ging, stehenblieb, die Nase gegen kaltes Glas gepreßt, um Waffen, Tonwaren und Schmuck zu betrachten. Roma war völlig entrückt; und später trug sie immer irgendwelche seltsamen Perlen, meist aus rohen, unbearbeiteten Türkisen oder Bernsteinbrocken und roh geschliffene Karneole – ihr Schmuck sah immer prähistorisch aus, als ob er aus irgendeiner alten Gruft stammte. Deshalb gefielen ihr die Dinge wahrscheinlich.

Dann entdeckte ich ein mir eigenes Interessengebiet. So weit ich zurückdenken konnte, hatte ich mich für Töne interessiert. Ich liebte das Geräusch plätschernden Wassers, das Rauschen von Springbrunnen, das Klapp-Klapp von Pferdehufen auf dem Pflaster, den Ruf der Straßenhändler; den Wind in dem Birnbaum in unserem winzigen, mauerumschlossenen Garten in der Nähe des Museums, das vergnügte Geschrei spielender Kinder, Vogelgezwitscher im Frühling, das plötzliche Bellen eines Hundes. Für mich war selbst ein tropfender Wasserhahn voller Musik, der andere zur Verzweiflung trieb. Mit fünf Jahren konnte ich auf dem Klavier eine Melodie zusammenfinden. Stunden verbrachte ich auf dem Hocker und entdeckte mit Händen, die kaum ihre Babyspeckfalten verloren hatten, das Wunder der Töne. »Wenn es sie beschäftigt ...«, meinten die Kindermädchen achselzuckend.

Als die Eltern meine Leidenschaft bemerkten, waren sie milde entzückt. Natürlich war es keine Archäologie, doch immerhin ein guter Ersatz; und im Hinblick auf die spätere Entwicklung schäme ich mich zu sagen, daß mir jede Möglichkeit der Entfaltung geboten wurde.

Roma machte ihnen Freude; sogar ihre Schulferien verbrachte sie mit den Eltern beim »Buddeln«. Ich hatte meine Musikstunden und blieb in der Obhut unserer Haushälterin zurück, um Klavier zu üben. Ich machte stetige Fortschritte und bekam die besten Lehrer, obwohl wir nicht gerade wohlhabend waren. Vaters Gehalt reichte nur eben, da er einen großen Teil seiner eigenen Einnahmen in die Ausgrabungen steckte. Roma studierte Archäologie, und unsere Eltern pflegten zu sagen, daß sie es viel weiterbringen werde, als sie selbst es konnten, da Forschung nicht nur dem Wissen um die Vergangenheit, sondern auch dem um die Arbeitsmethoden zugutekomme.

Manchmal hörte ich ihnen zu, wenn sie sich unterhielten. Für mich war das ein völliges Kauderwelsch, doch war ich kein Außenseiter mehr, denn jeder sagte, daß ich in der Musik Erfolg haben würde. Die Unterrichtsstunden waren für mich und meine Lehrer eine Freude. Wann immer ich heute Finger über Tasten holpern sehe, denke ich an jene Zeiten der Entdeckung – diese erste Wonne, diese völlige Hingabe an das Entzücken. Ich wurde tolerant meiner Familie gegenüber. Ich verstand, was ihre Feuersteine und Bronzen ihnen bedeuteten. Das Leben hatte auch mir etwas zu geben. Es gab mir Beethoven, Mozart und Chopin.

Mit achtzehn ging ich zum Studium nach Paris. Roma war auf der Universität, und da sie die Ferien beim »Graben« verbrachte, sah ich sie nur wenig. Wir waren immer gute, wenn auch nicht sehr enge Freundinnen gewesen, dafür lagen unsere Interessen zu weit auseinander.

In Paris traf ich dann Pietro, den feurigen Südländer, halb Franzose, halb Italiener. Unser Musikprofessor besaß ein großes Haus nicht weit von der Rue de Rivoli, und da wohnten wir Studenten. Madame, seine Frau, hatte das Ganze als Pensionsbetrieb aufgezogen, so daß wir alle unter einem Dach vereint waren.

Was für glückliche Zeiten, als wir durch den Bois streiften, draußen vor den Cafés saßen und von der Zukunft sprachen. Jeder von uns glaubte, daß wir die Auserwählten seien und unser Ruhm eines Tages um die ganze Welt gehen würde. Pietro und ich waren zwei der meistversprechenden Schüler, und beide waren wir ehrgeizig und zielstrebig. Anfangs waren es Rivalengefühle, die wir füreinander hegten, doch sehr bald schon waren wir voneinander völlig fasziniert. Wir waren jung. Paris im Frühling ist der ideale Hintergrund für Liebende, und ich hatte das Gefühl, bis dahin noch nie richtig gelebt zu haben. Die Ekstase und die Verzweiflung, die ich durchlebte, waren das wahre Leben, pflegte ich mir zu sagen. Ich hatte Mitleid mit jedem, der nicht in Paris Musik studierte und einen Mitstudenten liebte.

Pietro war der vollendete und mit Leib und Seele engagierte Musiker. Tief im Innern wußte ich, daß er mich übertraf, und das machte ihn mir noch bedeutender. Er war anders als ich. Ich täuschte eine Distanziertheit vor, die ich nicht empfand, und obwohl er wußte, daß ich anfangs ebenso engagiert, ebenso zielstrebig war wie er, machte es ihn gleichzeitig wildwütend und zog ihn magisch an, daß ich es so zu verbergen verstand. Er war völlig aufrichtig in seiner Hingabe; ich konnte so tun, als nähme ich die meine nicht ernst. Ich geriet selten aus dem Gleichgewicht; er war selten etwas anderes, und meine Gelassenheit bildete eine ständige Herausforderung für ihn, dessen Stimmungen fast stündlich wechselten. Er konnte höchstes Entzücken empfinden, das seine Wurzeln in dem Glauben an sein eigenes Genie hatte; und gleich darauf konnte ihn tiefste Verzweiflung überkommen, weil er an der Vollkommenheit und Unwandelbarkeit seiner Gaben zweifelte. Wie so viele Künstler war er völlig rücksichtslos und nicht in der Lage, seinen Neid zu zügeln. Wurde ich gelobt, war er tief im Innern erbost und suchte nach einer verletzenden Bemerkung; doch wenn ich schlecht abschnitt und Trost brauchte, war er der mitfühlendste aller Gefährten. Niemand hätte zu solchen Zeiten liebevoller mit mir sein können, und es waren dieses absolute Verstehen, sein uneingeschränktes Mitgefühl, die mich ihn lieben ließen. Hätte ich ihn nur damals so klar gesehen wie seinen Geist, der ständig neben mir auftauchte!

Wir begannen uns zu zanken. »Wunderbar, Franz Liszt«, rief ich, wenn er eine der Ungarischen Rhapsodien spielte, mit Macht in die Tasten griff und sein Löwenhaupt in trefflicher Nachahmung des Meisters zurückwarf.

»Neid ist der Ruin aller Künstler, Caro.«

»Wie du ja sehr wohl wissen mußt.«

Das gab er zu. »Schließlich muß dem größten Künstler unter uns einiges nachgesehen werden. Das wirst du noch herausfinden.« Er hatte recht. Ich fand es heraus.

Er sagte, ich sei eine hervorragende Interpretin. Ich könne ausgezeichnete Klaviergymnastik betreiben, ein Künstler jedoch sei ein Schöpfender.

Ich hielt ihm entgegen: »Warst du es denn etwa, der das komponiert hat, was du eben spieltest?«

»Wenn der Komponist meine Wiedergabe gehört hätte, würde er wissen, daß er nicht vergeblich gelebt hat.«

»Einbildung«, machte ich mich lustig.

»Nein, vielmehr die Sicherheit des Künstlers, liebe Caro.«

Das war nur halber Scherz. Pietro glaubte an sich. Er lebte für die Musik. Ich war diejenige, die ständig neckte; ich hielt an unserer Rivalität fest, unbewußt vielleicht, weil ich wußte, daß es diese Rivalität war, die ihn zuerst angezogen hatte. Es war nicht so, daß ich ihm, da ich ihn liebte, nicht allen Erfolg der Welt gewünscht hätte. Ich war sogar bereit, um seinetwillen meinen eigenen Ehrgeiz aufzugeben – wie ich zu beweisen haben sollte. Doch unsere Streitereien waren eine Art Liebesspiel; und manchmal schien es, daß sein Bestreben, mir seine Überlegenheit zu zeigen, ein wichtiger Bestandteil seiner Liebe zu mir war.

Sinnlos, nach Entschuldigungen suchen zu wollen. Alles, was Pietro über mich sagte, traf zu. Ich war eine Interpretin, ich betrieb Klaviergymnastik. Ich war keine Künstlerin, denn Künstler lassen sich durch keine anderen Wünsche und Impulse ablenken. Ich arbeitete nicht; an einem entscheidenden Punkt meiner Karriere geriet ich ins Straucheln, kam zu Fall, und mein Versprechen gehörte zu jenen, die sich nie erfüllten; und während ich von Pietro träumte, träumte Pietro vom Erfolg.

Mein Leben war plötzlich aus den Fugen. Später nannte ich das, was geschah, Pech. Meine Eltern waren zu Ausgrabungen in Griechenland. Roma hatte sie begleiten sollen, da sie zu der Zeit bereits eine fertig ausgebildete Archäologin war, doch sie schrieb mir, sie habe einen Auftrag am Hadrianswall, und daß sie nicht mit den Eltern fahren könne. Hätte sie es getan, wäre ich vielleicht nicht nach Lovat Mill gereist; denn ich wäre nie auf die Idee gekommen, daß es dort etwas Lohnendes geben könnte. Meine Eltern kamen beide bei einem Eisenbahnunglück auf dem Wege nach Griechenland ums Leben. Ich fuhr zur Trauerfeier nach Hause, und Roma und ich waren ein paar Tage zusammen in dem alten Haus in der Nähe des Britischen Museums. Ich war verstört, doch die arme Roma hatte unseren Eltern so besonders nahegestanden und würde sie bitter vermissen. Sie war wie immer philosophisch. Sie waren zusammen gestorben, sagte sie, und es wäre doch viel tragischer gewesen, wenn einer von ihnen zurückgeblieben wäre; sie hatten ein glückliches Leben gehabt. Trotz ihrem Kummer tat sie alles, was nötig war und ging dann zurück an ihre Arbeit am Wall. Sie war praktisch und genau, sie würde sich nie so von ihren Gefühlen leiten lassen, wie dies bei mir immer mehr der Fall war. Sie sagte, wir würden das Haus verkaufen und uns den Erlös und das Mobiliar teilen. Viel war es nicht, doch würde mein Anteil genügen, um mich mein Musikstudium beenden zu lassen, und dafür sollte ich dankbar sein.

Der Tod ist immer etwas Aufwühlendes, und ich fuhr recht benommen und verstört zurück nach Paris. Ich dachte viel an meine Eltern und war dankbar für so vieles, das ich ohne Nachdenken hingenommen hatte. Später sagte ich, daß dieser Verlust es war, der mich so handeln ließ, wie ich es tat. Pietro erwartete mich; er hatte jetzt die Führung; er überrundete uns alle; er war im Begriff, jene tiefe Kluft zwischen uns und sich zu legen, die den wahren Künstler stets von den nur Begabten trennt.

Er bat mich, ihn zu heiraten. Er liebe mich, sagte er; wie sehr, das sei ihm während meiner Abwesenheit klargeworden. Und als er sah, wie tief mich der Tod meiner Eltern getroffen hatte, war sein großer Wunsch, mich zu beschützen, mich wieder glücklich zu machen. Pietro zu heiraten! Mein ganzes Leben mit ihm zu verbringen! Dieser Gedanke erfüllte mich trotz der tiefen Trauer um die Eltern mit himmelhochjauchzendem Entzücken.

Unser Musiklehrer wußte, was vorging, da er uns alle aufmerksam beobachtete. Er war zu jener Zeit zu dem Schluß gekommen, daß ich zwar sicher eine nicht unbeträchtliche musikalische Laufbahn vor mir hatte, Pietro jedoch einer der strahlenden Sterne am Musikhimmel zu werden versprach; und ich weiß heute, daß er sich fragte, ob diese Ehe Pietro in seiner Karriere ein Hindernis bedeuten oder ihr förderlich sein würde. Und meine? Völlig natürlich, daß ein begabter Pianist hinter einem Genie zurückstehen muß.

Madame, seine Frau, war gefühlvoller. Sie ergriff eine Gelegenheit, mit mir unter vier Augen zu sprechen.

»Sie lieben ihn also?« sagte sie. »Lieben Sie ihn genug, um ihn zu heiraten?«

Voll Inbrunst erklärte ich, ihn uneingeschränkt zu lieben.

»Warten Sie ein wenig. Sie haben einen schweren Schock hinter sich. Sie sollten sich Zeit lassen zu überlegen. Ist Ihnen klar, was dies für Ihre Karriere bedeuten könnte?«

»Was sollte es bedeuten? Es wird ihr guttun. Zwei Musiker zusammen.«

»Solch ein Musiker«, erinnerte sie mich. »Er ist wie alle Künstler. Unersättlich. Ich kenne ihn gut. Er ist ein sehr großer Künstler. Der Meister glaubt, wir haben da ein Genie. Ihre Karriere, mein Kind, würde an zweiter Stelle nach der seinen stehen, und es ist gefährlich für jeden Künstler, sich mit dem zweiten Platz zufriedenzugeben. Wenn Sie ihn heiraten, ist es durchaus möglich, daß Sie eine gute Pianistin werden ... eine sehr gute sogar, zweifellos. Doch vielleicht heißt das auch Abschied nehmen von den Träumen vom großen Erfolg und großem Geldverdienen. Haben Sie daran gedacht?«

Ich glaubte ihr nicht. Ich war jung und verliebt. Es mochte schwierig für zwei ehrgeizige Menschen sein, harmonisch miteinander zu leben; doch wir würden schaffen, woran andere gescheitert waren.

Pietro lachte, als ich ihm von Madames Warnung erzählte, und ich lachte mit ihm. Das Leben werde wunderbar sein, versicherte er mir. »Wir werden bis ans Ende unserer Tage zusammenarbeiten, Caro.«

So heiratete ich Pietro und merkte schnell, daß Madames Rat besser nicht so leicht hätte abgetan werden sollen. Mir war es einerlei. Mein Ehrgeiz hatte sich gewandelt. Ich verspürte nicht mehr den tiefinneren Drang nach eigenem Erfolg. Mir ging es nur noch darum, daß Pietro ihn hatte; und einige Monate lang war ich sicher, Inhalt und Zweck meines Lebens gefunden zu haben: bei Pietro zu sein, mit Pietro zu arbeiten, für Pietro zu leben. Wie hatte ich nur so töricht sein können zu glauben, das Leben lasse sich auf einen so einfachen Nenner bringen, wie Papiere, die gut und sicher abgelegt sind mit der Aufschrift »Verheiratet und glücklich lebend bis an das Ende ihrer Tage«?

Pietros erstes Konzert entschied seine Zukunft; er wurde begeistert gefeiert; und es waren beglückende Zeiten, als er von Erfolg zu Erfolg eilte – obwohl das Zusammenleben mit ihm deswegen nicht eben leichter wurde. Er verlangte dienende Aufmerksamkeit; er war der Künstler, und ich war Musikerin genug, daß er mir seine Pläne erzählte, daß ich seinen Berichten zuhören durfte. Sein Erfolg übertraf seine kühnsten Träume. Heute sehe ich, daß er zu jung war, um mit dem Maß an Aufmerksamkeit fertig zu werden, in deren Brennpunkt er plötzlich stand. Unvermeidlich diejenigen, die ihn mit Schmeicheleien überhäuften – Frauen, schöne und reiche. Doch immer wollte er mich dahaben, im Hintergrunde, als diejenige, zu der er stets zurückkehren konnte, diejenige, die selbst eine Beinahe-Künstlerin war und der die ständigen Forderungen des künstlerischen Selbst nicht unverständlich waren. Niemand konnte ihm so nahestehen wie ich. Außerdem liebte er mich auf seine Weise.

Wäre ich von anderem Temperament gewesen, wären wir vielleicht zurechtgekommen. Doch Demut war noch nie meine Sache. Ich besitze nicht das Zeug zur Sklavin, erklärte ich ihm, und ich bedauerte sehr bald zutiefst meine Dummheit, meine eigene Karriere an den Nagel gehängt zu haben. Ich übte wieder. Pietro lachte mich aus. Glaubte ich etwa, man könne die Muse entlassen und sie dann nach Belieben zurückholen? Wie recht er hatte. Ich hatte meine Chance gehabt und sie vertan und würde nun niemals mehr sein als eine gute Pianistin.

Wir zankten uns ständig. Ich sagte, daß ich ihn verlassen werde. Ich erwog es auch, wohl wissend, daß ich es niemals tun würde; und leider wußte er das auch. Ich sorgte mich um seine Gesundheit, mit der er Raubbau trieb, und ich hatte gemerkt, daß er nicht sehr widerstandsfähig war. Mir war eine gewisse Atemnot aufgefallen, die mich in Schrecken versetzte, doch als ich davon sprach, zuckte er nur die Achseln.

Pietro gab Konzerte in Wien, Rom, London und Paris, und man begann, von ihm als einem der größten Pianisten seiner Zeit zu sprechen. Er nahm alles Lob als natürlich und selbstverständlich hin; er wurde immer arroganter; er weidete sich an allem, was über ihn geschrieben wurde. Er sah mir mit Freuden zu, wenn ich Zeitungsausschnitte in ein Album klebte. Das war der mir zustehende Platz in seinem Leben – die ergebene Favoritin, die ihre eigene Karriere fortgeworfen hatte, um die seine zu fördern. Doch wie alles andere war auch das Album nur ein halber Segen, da die leiseste Kritik ihn in eine solche Wut versetzte, daß ihm die Schläfenadern schwollen und er kaum atmen konnte.

Er arbeitete hart und feierte den Erfolg seiner Konzerte bis spät in die Nacht; und dann stand er wieder früh auf, um zu üben. Er war von Speichelleckern umgeben. Es war, als brauchte er sie, um den Glauben an sich selbst zu bewahren. Ich war die Kritische, ohne mir klarzumachen, wie jung er war, und daß es oft mehr tragisch als segensreich ist, wenn ein Erfolg dieser Größe zu früh kommt. Es war ein unnatürliches, ein unausgeglichenes Leben; und ich lernte begreifen, daß ich mit Pietro nie würde glücklich sein können, mir ein Leben ohne ihn jedoch auch nicht vorstellen konnte.

Wir kamen für eine Reihe von Konzerten nach London, und ich hatte Gelegenheit, Roma zu sehen. Sie hatte eine Wohnung in der Nähe des Britischen Museums genommen, wo sie jetzt arbeitete, wenn sie nicht zu Ausgrabungen unterwegs war.

Sie war unverändert, zuverlässig und sachlich; klirrte mit ihren sonderbaren prähistorischen Armbändern und trug eine Kette aus ungleichmäßigen, ziemlich trüb aussehenden Karneolen um den Hals. Von unseren Eltern sprach sie zwar mit Trauer, doch in recht knappen Worten, und sie fragte mich nach meinen Angelegenheiten. Natürlich erzählte ich ihr nicht sehr viel. Ich merkte sehr wohl, sie fand es reichlich merkwürdig, daß ich meine Karriere aufgab, nachdem ich so viel Zeit und Kraft dafür aufgewendet hatte – und das alles um der Ehe willen. Doch Roma hatte noch nie jemanden kritisiert. Sie war einer der vernünftigsten und tolerantesten Menschen, die mir je begegnet sind.

»Ich bin froh, daß ich noch hier war, als du kamst. Eine Woche später wäre ich fortgewesen. Lovat Mill heißt der Ort, wo ich hingehe.«

»Eine Mühle?«

»Nein, der Ort heißt nur so. Liegt an der Küste von Kent ... gar nicht so sehr weit von Cäsars Lager entfernt, also im Grunde nicht überraschend. Wir haben das Amphitheater entdeckt, und ich bin sicher, daß dort noch mehr zu finden ist, denn, wie du weißt, befanden sich diese Amphitheater immer am Rande von Städten.«

Ich wußte das zwar nicht, verkniff mir jedoch eine entsprechende Bemerkung.

Roma fuhr fort: »Das bedeutet, daß wir auf dem Grund und Boden des dortigen Feudalherrn ausgraben müssen. Es war ein rechtes Stück Arbeit, seine Genehmigung zu bekommen.«

»Wirklich?«

»Diesem Sir William Stacy gehört das meiste Land in der Gegend ... ein schwieriger Herr, das kann ich dir versichern. Er stellte sich mächtig an wegen seiner Fasanen und seiner Bäume. Ich bin persönlich bei ihm gewesen. ›Sie wollen doch nicht sagen, daß Ihre Fasanen und Bäume wichtiger sind als Geschichte?‹ fragte ich ihn. Und schließlich hatte ich ihn so weit. Er hat erlaubt, daß wir auf seinem Land ausgraben. Es ist ein ganz altes Haus ... mehr wie eine Burg. Er hat wirklich genug Grund und Boden. Dies kleine Stückchen kann er uns ruhig lassen.«

Ich war nicht sehr bei der Sache, denn ich hörte den zweiten Satz des 4. Klavierkonzertes von Beethoven, das Pietro am Abend spielen sollte, und ich fragte mich, ob ich zu dem Konzert gehen sollte oder nicht. Ich litt Höllenqualen, wenn er auf dem Podium saß, spielte in Gedanken jede Note mit und stand Todesängste aus, daß er stolpern würde. Als ob ihm das je passieren könnte. Seine einzige Sorge würde sein, womöglich weniger als sein Bestes zu geben.

»Interessanter alter Besitz«, sagte Roma gerade. »Ich glaube, Sir William hofft insgeheim, daß wir etwas von Bedeutung auf seinem Grund und Boden finden.«

Sie redete weiter von dem Gelände, und was sie dort zu tun hoffte, dann und wann eine kleine Bemerkung über die Bewohner des großen Hauses in der Nähe einstreuend; und ich hörte nicht zu. Wie sollte ich wissen, daß dies Romas letzte Expedition sein würde und daß es so unendlich wichtig war, alles nur Mögliche über den Ort zu wissen.

Tod! Wie dicht er über uns lauert, wenn wir es am wenigsten ahnen. Ich habe erlebt, wie er in schneller Folge in die gleiche Richtung schlagen kann. Bis meine Eltern unerwartet starben, hatte ich nie einen Gedanken an den Tod verschwendet.

Pietro und ich fuhren von London nach Paris. An diesem Tage geschah nichts Ungewöhnliches; keine Vorahnung, die mich gewarnt hätte. Pietro sollte einige Ungarische Tänze und die Rhapsodie Nr. 2 spielen. Er war erregt – doch das war er immer vor einem Konzert. Ich saß in der ersten Logenreihe, und dort war ihm meine Gegenwart sehr bewußt. Manchmal hatte ich den Eindruck, daß er für mich spielte, als wollte er sagen: »Siehst du, diese Ebene hättest du nie erreichen können. Du konntest nichts als Klaviergymnastik betreiben.« Und so war es auch an jenem Abend.

Dann ging er in seine Garderobe und brach mit einem Herzanfall zusammen. Er starb nicht sofort, doch es blieben uns nur noch zwei Tage. Ich wich nicht von seiner Seite, und ich glaube, er wußte um meine Gegenwart, denn manchmal blickte er mich mit seinen dunklen, ausdrucksvollen Augen halb spöttisch, halb liebevoll an, als wollte er sagen, daß er mir wieder den Rang abgelaufen hatte. Dann starb er, und ich war der Fesseln ledig, nur um mich auf ewig trauernd nach ihnen zu sehnen.

Roma, gute Schwester, die sie war, ließ ihre Ausgrabungen im Stich und kam zum Begräbnis nach Paris. Es war ein großes Ereignis. Musiker aus aller Welt bezeigten ihr Beileid; und viele kamen persönlich. Nie war Pietro zu Lebzeiten so berühmt gewesen wie nach seinem Tode. Wie er das genossen hätte!

Doch die Reden und die Unruhe waren vorüber und hatten mich in einem Abgrund zurückgelassen, so dunkel und einsam, daß ich eine Verzweiflung empfand, wie ich sie in diesem Ausmaß nie für möglich gehalten hätte.

Liebe Roma! Was für ein Trost sie mir zu jener Zeit war! Sie zeigte so deutlich, daß sie alles für mich getan hätte, und ich war zutiefst gerührt. Ich hatte mich manchmal ausgeschlossen gefühlt, wenn ich sie und meine Eltern über ihre Arbeit sprechen hörte; dieses Empfinden hatte ich nun nicht mehr. Es war unendlich tröstlich, zu jemandem zu gehören, diese Familienbande zu spüren; und ich war Roma dankbar dafür.

Sie bot mir den größten Trost, den sie sich vorstellen konnte. »Komm nach England«, sagte sie, »komm mit zur Ausgrabung. Unsere Funde übertreffen alle Erwartungen – eine der besterhaltenen römischen Villen neben Verulamium.«

Ich lächelte sie an und hätte ihr gern gesagt, wie wohl sie mir tat. »Ich würde völlig nutzlos sein«, protestierte ich. »Wäre nur im Wege.«

»Unsinn!« Da war sie wieder ganz die ältere Schwester, die mich unter ihre Fittiche nahm, ob ich wollte oder nicht. »Jedenfalls kommst du.«

Also fuhr ich nach Lovat Mill und fand Trost im Zusammensein mit meiner Schwester. Ich war stolz auf sie, wenn sie mich mit Freunden an der Ausgrabungsstätte bekannt machte, denn es war deutlich zu sehen, welche Hochachtung man für sie empfand. Sie erzählte mir mit der ihr eigenen Begeisterung, und weil ich so froh war über ihre Gegenwart und die Zuneigung, die sie immer versucht hatte, nicht zu zeigen, die jedoch ganz offenbar vorhanden war, begann ich mich etwas für die Arbeit zu interessieren. Diese Menschen waren mit so viel Inbrunst bei der Sache, daß man unmöglich ganz unberührt davon zu bleiben vermochte. Da war ein Häuschen, nicht weit von der römischen Villa, das Sir William Stacy Roma als Wohnung überlassen hatte und das ich mit ihr teilte. Es war primitiv: kaum mehr als einige Betten, ein Tisch und ein paar Stühle. Der untere Raum war übersät mit archäologischem Werkzeug – Schaufeln, Äxte, Spaten und Blasebälge. Roma war beglückt über das Häuschen, denn es lag so nahe an der Ausgrabungsstätte, sagte sie, und die anderen mußten weitverstreut in kleinen Bauerngehöften oder im Gasthaus wohnen.

Sie zeigte mir die Fundstätten, besonders den Mosaik-Fußboden, der ihre ganze Wonne war; sie erklärte mir die geometrischen Muster aus weißem Kalk- und rotem Sandstein; sie bestand darauf, daß ich mir die drei Bäder ansah, die sie entdeckt hatten und die bewiesen, daß das Haus einem Edelmann von gewissem Reichtum gehört hatte, wie sie mir erklärte. Da gab es ein Tepidarium, ein Calidarium und ein Frigidarium. Die lateinischen Bezeichnungen rollten ihr wie in Ekstase von der Zunge und ihren begeisterten Worten zuzuhören, gab mir wieder das Gefühl, am Leben zu sein.

Wir machten gemeinsame Spaziergänge, und ich kam meiner Schwester näher als je zuvor. Sie fuhr mit mir nach Folkestone, um mir Cäsars Lager zu zeigen; und ich ging mit ihr nach Sugar Loaf Hill und St. Thomas’ Well, wo die Pilger auf dem Wege zum Schrein des Heiligen Thomas à Becket Rast gemacht und getrunken hatten. Wir stiegen zusammen die ungefähr einhundertfünfzig Meter bis zum Gipfel von Cäsars Lager hinauf, und ich werde nie vergessen, wie sie dort stand, das feine Haar vom Wind zerzaust, und mit strahlenden Augen, während sie mir die Erdarbeiten und ausgehobenen Gräben zeigte. Es war ein klarer Tag, und als ich über die wohl zwanzig Meilen ruhige, durchsichtige See schaute, konnte ich deutlich das Land Cäsars, Gallien, erkennen, und man konnte sich gut die Legionen auf dem Marsch vorstellen.

Ein andermal fuhren wir nach Richborough Castle, einem der bemerkenswertesten Überreste des römischen Britannien, wie Roma mir erklärte. ›Rutupiae‹, nannte sie es.

»Hier ließ Claudius den größten Teil seiner Legionen von Boulogne aus landen. Diese Mauern geben dir eine Vorstellung davon, was für eine mächtige Festung es gewesen sein muß.«

Es machte ihr unendliche Freude, mir die Weinkeller, die Kornspeicher und die Überreste der Tempel zu zeigen, und es war unmöglich, nicht mitgerissen zu sein von ihrer Begeisterung, als sie mir diese Wunderdinge wies – die Reste der massiven Mauern aus Portland-Gestein, die Bastei mit ihrer Ausfallpforte, den unterirdischen Gang.

»Du solltest Archäologie als Hobby betreiben«, sagte sie halb nachdenklich, halb hoffnungsvoll. Sie glaubte wirklich, daß, wenn ich das täte, ich den Ausgleich im Leben finden würde, den ich so bitter nötig hatte. Ich wollte ihr sagen, daß sie selbst dieser Ausgleich war; ich wollte, daß sie wußte, wie sehr ihre Fürsorge und Zuneigung mir geholfen hatten, gaben sie mir doch das Gefühl, nicht allein zu sein.

Über solche Dinge jedoch konnte man mit Roma nicht sprechen; ›Unsinn‹ hätte sie gesagt, würde ich versucht haben, ihr zu danken. Doch ich nahm mir fest vor, sie künftig mehr zu sehen; ich würde mich für ihre Arbeit interessieren; ich würde sie wissen lassen, wie froh ich war, eine Schwester zu haben.

Und in dem Versuch, mich sachte vergessen zu lassen, gab sie mir etwas zu tun, ließ mich helfen, eine an der Ausgrabungsstätte gefundene Mosaikplatte zu restaurieren. Das war etwas für Fachleute, und meine Aufgabe bestand lediglich darin, die benötigten Pinsel und Lösungen zu holen. Es handelte sich um eine gelbliche Scheibe mit einem Bildmotiv, das soweit wie möglich originalgetreu wiederhergestellt werden sollte. Die einzelnen Stücke waren zu brüchig, um sie zu transportieren, erklärte Roma mir, doch wenn die Platte fertig war, würde sie einen Platz im Britischen Museum bekommen. Ich war fasziniert von der Sorgfalt und Genauigkeit, mit der die Restaurierung betrieben wurde, und wieder übertrug sich etwas von der allgemeinen Aufregung auf mich, als die Stücke zusammengesetzt wurden.

Und dann entdeckte ich Lovat Stacy selbst – das große, seine ganze Umgebung beherrschende Haus, dessen Besitzer es zu verdanken war, daß Roma und ihre Freunde die Ausgrabungserlaubnis erhalten hatten.

Als ich das Haus eines Tages unvermutet vor mir hatte, verschlug es mir vor Staunen fast den Atem. Der große Wachturm mit dem Tor war das Wahrzeichen der Landschaft. Er bestand aus einem Turm in der Mitte und zwei höheren, vorspringenden Seitentürmen. Der Anblick dieser Festung und ihr Ausdruck trotziger Kraft und Stärke beeindruckten mich tief. Der Turm hatte lange, schmale Fenster. Durch das Tor konnte ich hohe Steinmauern zu beiden Seiten sehen, zwischen denen ein mit Moos und Flechten bewachsener Weg zum Tor führte. Ich war hingerissen, und zum ersten Mal seit Pietros Tod löste ich meine Gedanken einmal ein paar Minuten von ihm, während ich einen fast unwiderstehlichen Drang verspürte, durch das Tor und diesen Weg hinaufzugehen, um zu sehen, wie es auf der anderen Seite aussah. Ich machte sogar den Ansatz dazu, doch dann bemerkte ich die aus Stein gehauenen Wasserspeier über dem Tor – bösartig und grausam aussehende Kreaturen – und zögerte. Fast schienen sie mich zu warnen, ich möge draußen bleiben, und ich verhielt rechtzeitig den Schritt. Man ging nicht einfach in fremder Leute Häuser, nur weil sie einen anzogen.

Voll von dem, was ich gesehen hatte, kam ich in unser kleines Häuschen zurück.

»Oh, das ist Lovat Stacy«, erklärte Roma. »Dem Himmel sei Dank, daß sie das Haus nicht über der römischen Villa gebaut haben.«

»Gibt es eigentlich eine Familie Stacy?« erkundigte ich mich.

»O ja.«

»Ich möchte gern wissen, was das für Leute sind, die in einem solchen Haus wohnen.«

»Ich hatte mit Sir William zu tun – dem alten Herrn. Er ist der Herr und Meister, deshalb war er derjenige, der die Erlaubnis geben mußte, die wir brauchten.«

Liebe Roma. Von ihr würde ich nichts erfahren. Sie sah das Leben einzig aus dem Blickwinkel des Archäologen.

Aber ich fand Essie Elgin.

Zu Beginn meiner musikalischen Laufbahn war ich auf einer Musikschule gewesen, und dort war Miß Elgin eine meiner Lehrerinnen. Als ich eines Tages durch die kleine Ortschaft Lovat Mill schlenderte, knapp zwei Kilometer von der Ausgrabungsstätte entfernt, traf ich Essie in der Hauptstraße. Ein paar Sekunden starrten wir uns verdutzt an, bis sie in ihrem typisch schottischen Tonfall sagte: »Das ist doch wohl tatsächlich Klein Caroline.«

»So klein nicht mehr«, erwiderte ich. »Und das ist doch – Miß Elgin.«

»Was machen Sie denn hier?« erkundigte sie sich.

Ich sagte es ihr. Sie nickte bekümmert, als ich Pietro erwähnte. »Eine schreckliche Tragödie«, sagte sie. »Ich hörte ihn, als er das letzte Mal in London war. Bin extra deswegen hingefahren. Was für ein großes Talent!«

Traurig sah sie mich an. Und ich wußte, daß sie an mich dachte, mit dem Bedauern, das Lehrer für Schüler empfinden, die nicht hielten, was sie versprachen.

»Kommen Sie mit in mein Häuschen«, sagte sie. »Ich mache uns einen Tee, und dann können wir schwatzen.«

So ging ich mit, und sie erzählte mir, wie sie nach Lovat Mill kam, weil sie in der Nähe des Meeres sein wollte und noch nicht bereit war, ihre Selbständigkeit aufzugeben. Sie hatte eine jüngere Schwester in der Nähe von Edinburgh, die gern wollte, daß sie zu ihr zog, und dazu würde es auch wohl eines Tages kommen, meinte sie; inzwischen genoß sie das, was sie ihre letzten Jahre in Freiheit nannte.

»Unterrichten Sie?« fragte ich.

Sie schnitt ein Gesicht. »Was aus einigen von uns so wird, meine Liebe. Ich habe mein kleines Haus hier, und das ist hübsch und angenehm. Und ich gebe den jungen Damen von Lovat Mill ein paar Stunden. Viel bringt das nicht ein, doch es ist besser geworden, seitdem ich die jungen Damen aus dem großen Haus habe.«

»Das große Haus? Meinen Sie Lovat Stacy?«

»Was sonst? Das ist unser großes Haus, und der liebe Gott hat dafür gesorgt, daß dort drei junge Damen sind, die Musik lernen wollen.«

Essie Elgin war die geborene Schwatztante, und ich brauchte sie nicht sonderlich zu ermuntern. Wohl wissend, daß meine eigene musikalische Laufbahn ein schmerzliches Thema war, plapperte sie munter von ihren Schülerinnen im großen Haus.

»Das ist ein Haus! Immer gibt es da irgendein Drama, kann ich Ihnen sagen. Und jetzt haben wir bald die Hochzeit. Wunsch von Sir William. Er möchte, daß die beiden Mann und Frau werden. Dann wird er glücklich sein.«

»Welche beiden?« fragte ich.

»Mr. Napier und die kleine Edith ... obwohl ich finde, daß sie noch zu jung ist. Erst siebzehn, glaube ich. Einige Menschen mit siebzehn sind natürlich ... aber nicht Edith ... nein, doch nicht Edith.«

»Ist Edith die Tochter des Hauses?«

»Sozusagen. Sie ist aber nicht Sir Williams Tochter. Oh, es ist ein komplizierter Haushalt, in dem die jungen Damen alle nicht miteinander verwandt sind. Edith ist Sir Williams Mündel. Sie lebt seit fünf Jahren in der Familie ... seitdem sie ihren Vater verlor. Ihre Mutter starb, als sie noch ganz klein war, und sie wurde von Haushälterinnen und Dienstboten aufgezogen. Ihr Vater war mit Sir William eng befreundet. Er hatte einen großen Besitz drüben in der Gegend von Maidstone ... als er starb, wurde der verkauft, und Edith bekam alles. Sie ist eine wirklich reiche Erbin, und deshalb ... Na, ja, ihr Vater hatte Sir William zum Vormund eingesetzt, und so kam sie nach seinem Tode nach Lovat Stacy und lebte hier wie Sir Williams Tochter. Und jetzt hat er natürlich Napier heimgeholt, damit er sie heiratet.«

»Ist Napier ...?«

»Sir Williams Sohn. Verbannter Sohn! Das ist eine Geschichte für Sie. Und dann ist da noch Allegra. Irgendwie mit Sir William verwandt, habe ich gehört. Sie nennt ihn ihren Großvater. Ein richtiger kleiner Wildling, und gibt sich wunder wie vornehm. Den Haushalt führt Mrs. Lincroft, die Haushälterin, und sie ist Alices Mutter. Das sind meine drei jungen Damen: Edith, Allegra und Alice. Denn obwohl Alice nur die Tochter der Haushälterin ist, darf sie an den Unterrichtsstunden der anderen teilnehmen, so auch an meinen. Sie wird wie eine richtige kleine Dame erzogen.«

»Und dieser ... Napier?« fragte ich. »Was für ein seltsamer Name.«

»Ach, irgendein Familienname. Sie haben etliche seltene Namen von Familien, die in ihre hineingeheiratet haben, soweit ich weiß. Napier hat eine merkwürdige Geschichte. Die näheren Umstände sind mir nie ganz klargeworden, doch sein Bruder Beaumont starb ... und Beaumont ist auch ein Familienname. Er kam zu Tode, und Napier sollte Schuld haben. Er ging fort, und jetzt ist er zurückgekommen, um Edith zu heiraten. Das war die Bedingung, glaube ich.«

»Inwiefern hatte er Schuld?«

»Die Leute hier reden nicht viel über die Stacys«, sagte sie bedauernd. »Sie haben Angst vor Sir William. Er ist auch ein ziemlicher Hitzkopf, und die meisten hier sind seine Pächter. Der ist hart wie Stein, sagen sie. Muß er wohl, wenn er Napier fortschickte. Ich möchte zu gern genau wissen, was wirklich hinter der Geschichte steckt, doch mit den jungen Damen kann ich nicht darüber sprechen.«

»Das Haus hat mich sehr beeindruckt. Irgendwie hat es etwas Drohendes. Aus der Entfernung sah es so wunderschön aus, und als ich dann dicht vor dem großen Tor stand ... uh.«

Essie lachte. »Ihre Fantasie geht mit Ihnen durch«, sagte sie.

Dann bat sie mich, ihr etwas vorzuspielen, ich setzte mich ans Klavier, und es war wie in alten Zeiten, als ich jung war, ehe ich zum Studium ins Ausland ging, ehe ich Pietro traf, ehe ich meine Chance vertat.

»Ja«, meinte sie, »Sie haben einen schönen Anschlag. Wie sind Ihre weiteren Pläne?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Komm, komm, Kindchen«, meinte sie. »Das ist nicht das Richtige. Gehen Sie wieder nach Paris auf diese Schule, und sehen Sie zu, ob Sie da wieder anfangen können, wo Sie aufgehört haben.«

»Wo ich aufgehört habe ... vor meiner Heirat?«

Sie antwortete nicht. Vielleicht wußte sie, daß ich zwar eine gute Pianistin war, daß ich eine gute Lehrerin abgeben würde, doch daß mir der göttliche Funke fehlte. Den hatte Pietro mir genommen; doch, nein, hätte ich ihn gehabt, hätte ich mich niemals für die Ehe, statt für eine Karriere entschieden.

Schließlich sagte sie: »Denken Sie darüber nach ... und kommen Sie bald wieder.«

Auf dem Wege zurück in unser kleines Haus dachte ich an Essie und an die alten Zeiten und die Zukunft; doch immer wieder tauchte vor meinem inneren Auge das große Haus auf, bevölkert von schattenhaften Gestalten, die für mich nicht mehr waren als Namen, und denen dennoch ein eigenes Leben innezuwohnen schien.

Ich erinnere mich lebhaft an jene Tage; wie ich dabeisaß und zusah, wie unter den geschickten Fingern der Restauratoren das Mosaik wiedererstand; wie ich manchmal auf eine Tasse Tee und vielleicht eine Stunde am Klavier zu Essie hinüberging. Ich glaube, Essie wollte gern, daß ich mich aufraffte und die alten Fäden wieder aufnahm; sie sagte mehrmals, daß ich mich doch nicht eines Tages in der gleichen Lage wiederfinden wolle wie sie.

Einmal sagte sie zu mir: »Am Samstag ist die Hochzeit. Möchten Sie sie sehen?«

So ging ich in die Kirche und sah, wie Napier und Edith getraut wurden. Sie kamen das Kirchenschiff herunter – sie blond und zerbrechlich, er hager und dunkel, obwohl mir die blauen Augen in dem braunen Gesicht auffielen. Ich saß mit Essie in den hinteren Bänken, als sie vorüberkamen und die Orgel Mendelssohns Hochzeitsmarsch spielte. Mich überkam ein seltsames Gefühl dabei – fast möchte ich es Vorahnung nennen. Doch das war es nicht. Vielleicht kam es daher, daß ich empfand, wie wenig diese beiden Menschen zueinander paßten; sie gehörten nicht zusammen, diese zwei, das lag auf der Hand. Das Mädchen sah so jung aus, so zart, und spiegelte sich da nicht etwas wie Furcht auf ihrem Gesicht? Sie hat Angst vor ihm, dachte ich. Und ich erinnerte mich an den Tag, als Pietro und ich geheiratet hatten, wie wir zusammen gelacht, uns geneckt, uns geliebt hatten. Armes Kind, dachte ich. Und er hatte auch nicht überströmend glücklich ausgesehen. Wie sollte man seinen Ausdruck nennen? Resigniert, gelangweilt ... zynisch?

»Edith ist eine hübsche Braut«, sagte Essie. »Und sie wird ihre Stunden nach den Flitterwochen fortsetzen. Sir William möchte es so.«

»Tatsächlich?«

»O ja. Sir William ist sehr für Musik ... jetzt. Obwohl es eine Zeit gab, da wollte er sie nicht im Hause haben. Und Edith ist recht begabt. Kein großes Talent, aber sie spielt gut, und es wäre schade, das brachliegen zu lassen.«

Ich ging mit zu Essie auf eine Tasse Tee, und sie redete über die jungen Damen von Lovat Stacy und ihre Musik ... wie gut Edith war, wie faul Allegra und wie gewissenhaft Alice.

»Arme kleine Alice, sie meint, sie muß. Weil ihr so vieles geboten wird, muß sie es ausnutzen.«

Roma war mit Essie der Meinung, daß ich zurückgehen sollte nach Paris und mein Musikstudium fortsetzen. »Ich finde, es ist das Rechte für dich, deine Studien zu beenden«, sagte sie. »Ob allerdings in Paris, weiß ich nicht ganz. Schließlich hast du dort ...« Sie fingerte fast ungeduldig an ihren Türkisen und beschloß, meine Ehe nicht zu erwähnen. »Wenn dir das unmöglich erscheint, können wir eine andere Lösung finden.«

»Oh, Roma«, rief ich, »du bist so gut. Ich kann dir gar nicht sagen, was für eine Hilfe du mir gewesen bist.«

»Unsinn!« knurrte sie.

»Ich weiß jetzt, wie schön es ist, eine Schwester zu haben.«

»Ist nur natürlich, daß wir in solchen Zeiten zusammenhalten. Du mußt öfter herkommen.«

Ich lächelte und küßte sie. Dann ging ich zurück nach Paris. Es war eine Dummheit. Ich hätte wissen müssen, daß ich es nicht ertragen würde an einem Ort, der so voller Erinnerungen an Pietro war. Es zeigte mir nur, wie anders Paris war ohne ihn, und wie töricht ich war zu denken, daß ich wieder ganz von vorn anfangen könne. Nichts würde wieder so sein wie früher, denn das Fundament, auf dem ich meine Zukunft bauen mußte, würde die Vergangenheit sein.

Wie recht Pietro gehabt hatte, als er sagte, man kann der Muse nicht winken und erwarten, daß sie zurückkehrt, nachdem man sie fortgeschickt hat.

Ich war ungefähr drei Monate in Paris, als die Nachricht kam, daß Roma verschwunden war.

 

***

 

Es war unglaublich. Die Ausgrabung war beendet. Sie standen im Begriff, einzupacken und in einigen Tagen abzuziehen. Roma hatte am Vormittag die Vorbereitungen für die Abreise überwacht, und erst am Abend wurde sie vermißt. Keine Spur von ihr – als hätte sie sich in Nichts aufgelöst.

Es war alles sehr rätselhaft. Sie hatte keine Nachricht hinterlassen, war einfach verschwunden. Bestürzt, tieftraurig und schwer bedrückt kehrte ich nach England zurück. Immer wieder mußte ich daran denken, wie gut sie zu mir gewesen war, wie sie versucht hatte, mir über meinen Kummer hinwegzuhelfen. Während der vergangenen schweren Wochen in Paris hatte ich mir dauernd gesagt, daß ich ja immer Roma haben würde und daß ich durch meinen Schmerz eine ganz neue Beziehung zu meiner Schwester gewonnen hatte.

Ich wurde von der Polizei vernommen. Man dachte, Roma habe das Gedächtnis verloren und irre womöglich umher; dann kam die Idee auf, daß sie schwimmen gegangen und ertrunken sei, da die Küste an jener Stelle als gefährlich bekannt war. Ich klammerte mich an die erste Version als die tröstlichere, obwohl ich mir eine an Amnesie leidende Roma nicht vorzustellen vermochte. Jeden Tag wartete ich auf Nachricht – vergebens.

Einige ihrer Freunde kamen mit der Vermutung, daß sie womöglich plötzlich von einem neuen, geheimen Projekt gehört und schnurstracks nach Ägypten oder irgendwohin gefahren sein könnte. Ich versuchte mich zu zwingen, mich dieser tröstlichen Theorie anzuschließen, doch im Grunde wußte ich, daß so etwas der ordentlichen und vernünftigen Roma nicht entsprach. Irgendwas hatte sie daran gehindert, mich wissen zu lassen, was geschehen war. Irgendetwas? Was, außer dem Tod, hätte sie hindern können?

Ich sagte mir, daß ich vom Gedanken an den Tod besessen sei, weil ich meine Eltern und Pietro binnen so kurzer Zeit verloren hatte. Roma auch zu verlieren, das durfte nicht sein.

Ich war zutiefst unglücklich, und nach einer Weile fuhr ich zurück nach Paris, um meine Zelte dort abzubrechen, denn ich wußte, daß ich dort nicht bleiben konnte. Darauf kehrte ich wieder nach London zurück, nahm mir Zimmer in einem Haus in Kensington und annoncierte, daß ich Klavierstunden gebe.

Vielleicht war ich keine gute Lehrerin; vielleicht war ich ungeduldig mit den mäßig Begabten. Schließlich hatte ich hochfliegende Träume für mich selbst gehabt und war Pietro Verlaines Frau gewesen. Ich verdiente nicht genug, um davon leben zu können. Mein Geld schmolz beängstigend schnell dahin. Jeden Tag hoffte ich auf Nachricht von Roma. Ich fühlte mich so hilflos, weil ich nicht wußte, was ich tun sollte, um meine Schwester zu finden. Und dann kam meine Gelegenheit.

Essie schrieb, sie komme nach London und würde mich gern sehen. Schon gleich bei ihrer Ankunft merkte ich, daß etwas sie sehr beschäftigte. Sie war der geborene Plänemacher für andere, wesentlich mehr als für sich selbst, soweit ich mich erinnere.

»Ich gehe fort von Lovat Mill«, sagte sie, »es ist mir letzthin nicht sonderlich gut gegangen, und ich glaube, es ist an der Zeit, daß ich zu meiner Schwester nach Schottland ziehe.«

»Das ist weit fort«, erwiderte ich.

»O ja, weit weg; doch gekommen bin ich wegen folgendem: Wie wäre es, wenn Sie dort hinuntergingen?«

»Nach ...«, stammelte ich.

»Ja, nach Lovat Stacy. Die Mädchen unterrichten. Hören Sie zu. Ich habe mit Sir William gesprochen. Er war ein klein wenig verstimmt, als ich ihm von meinen Plänen erzählte. Wissen Sie, er möchte gern, daß Edith ihre Stunden fortsetzt ... und die anderen auch. Vor Jahren hatten sie musikalische Abende dort, und da nun eine junge Frau im Hause ist, möchte er die wieder aufnehmen. Es war seine Idee, eine Musiklehrerin zu haben, die mit im Hause wohnt, die für ihn und seine Gäste spielen und auch die Mädchen hin und wieder unterrichten könnte. Er brachte das Thema zu Sprache, als ich ihm sagte, daß ich fortgehe; und ich dachte sofort an Sie und sagte ihm, daß ich Pietro Verlaines Witwe kenne, die selbst eine ausgezeichnete Pianistin sei. Wenn Sie also wollen, möchten Sie ihm schreiben, und dann würde sich etwas arrangieren lassen.«

Etwas schien mir die Kehle zuzuschnüren. »Warten Sie einen Augenblick!« sagte ich.

»Nun sind Sie also die spröde junge Dame, die sagt ›Das kommt zu plötzlich‹. Das ist mit einigen der besten Dinge im Leben so, und man muß sich entweder sofort entschließen oder die Gelegenheit verpassen. Sagen Sie nein, wird Sir William um eine Hauslehrerin für die Mädchen annoncieren, denn nachdem ich gesagt hatte, daß Sie womöglich kommen würden, war er sehr erpicht darauf.«

Ich sah alles so deutlich vor mir: Die Ausgrabungsstätte; das kleine Häuschen; das große Haus, und die beiden Menschen, die das Kirchenschiff herunterkamen. Und natürlich Roma ... Roma, die mir ans Herz legte, sie nicht zu vergessen.

Abrupt fragte ich: »Glauben Sie, daß Roma noch lebt?«

Ihre Züge spannten sich. Sie wandte den Kopf ab und sagte: »Ich ... ich glaube nicht, daß sie davongegangen wäre, ohne jemandem vorher davon zu sagen.«

»Dann wurde sie weggehext ... oder sie ist irgendwo, von wo sie uns nicht erreichen kann. Ich möchte es herausfinden ... ich muß.«

Miß Elgin nickte.

»Ich habe Sir William nicht gesagt, daß Sie ihre Schwester sind. Er ist verärgert wegen der ganzen Angelegenheit, weil es soviel Wirbel in der Öffentlichkeit gegeben hat. Ich hörte, er hat erklärt, er hätte die Ausgraberei niemals erlauben sollen. Das machte schon genügend Unruhe, und als dann Ihre Schwester verschwand ...« Sie zuckte die Achseln. »Also habe ich nicht gesagt, daß Sie Roma Brendons Schwester sind. Ich sagte lediglich, Sie sind Caroline Verlaine, die Witwe des großen Pianisten.«

»Ich könnte also ... inkognito dorthin gehen, soweit es meine Verbindung zu Roma betrifft?«

»Wenn er davon wüßte, würde er Sie nicht haben wollen, glaube ich. Er würde denken, daß Sie noch einen anderen Grund haben herzukommen – neben dem Unterrichten.«

»Wenn ich hingehe, hätte er damit durchaus recht«, sagte ich.

Ich wollte mir das Ganze überdenken, und so wanderten Essie und ich durch die Gärten von Kensington, wo Roma und ich als Kinder unsere Segelschiffchen schwimmen ließen. In der Nacht träumte ich von Roma; sie stand in dem runden Teich und streckte die Hände nach mir aus, während das Wasser höher und höher stieg. »Tu etwas, Caro«, rief sie.

Vielleicht war es dieser Traum, der mich den endgültigen Entschluß fassen ließ, nach Lovat Stacy zu gehen.

Ich verkaufte meine wenigen Möbelstücke an die Besitzerin des Hauses, in dem ich die beiden Zimmer gemietet hatte. Ich gab mein Klavier auf Lager und packte die Koffer.

Ich hatte endlich einen Lebenszweck gefunden. Pietro war mir auf immer genommen, doch ich würde versuchen, Roma zu finden.

Kapitel 2

 

Der Zug hatte in Dover Priory gehalten und eine ganze Reihe Leute waren ausgestiegen. Wir hatten fünf Minuten Aufenthalt, während die Post eingeladen wurde, und als die letzten der Ausgestiegenen durch die Sperre gingen, sah ich eine Frau den Bahnsteig entlangeilen, ein zwölf- oder dreizehnjähriges Mädchen neben sich. Sie sah mich im Vorübergehen, da ich den Kopf aus dem Fenster steckte; sie hielt an, machte kehrt und kam zurück, öffnete die Tür, und die beiden kamen in mein Abteil.

Sie und das Mädchen musterten mich verstohlen, als sie sich mir gegenübersetzten. Die Frau seufzte und sagte: »O je, Einkaufen macht mich immer so müde.«

Das Mädchen sagte nichts, doch ich merkte, wie sie mich beide voller Neugier studierten. Warum? fragte ich mich. Sah ich so merkwürdig aus? Dann fiel mir ein, daß der Zug nach Dover Priory nur an kleinen Stationen hielt und daß die Leute, die jetzt noch diesen Zug benutzten, wahrscheinlich aus der Gegend waren und sich untereinander kannten. Dann würde ich als Fremde natürlich sofort auffallen.

Die Frau legte einige kleine Pakete auf den Sitz neben sich, und als eines davon herunterfiel, direkt vor meine Füße, und ich es aufhob, war damit der Anstoß für ein Gespräch gegeben.

»So ermüdend, diese Züge«, sagte die Frau. »Und man wird so schmutzig. Fahren Sie bis Ramsgate?«

»Nein, ich steige in Lovat Mill aus.«

»Oh, tatsächlich? Wir auch. Gott sei Dank ist es nicht mehr weit ... noch zwanzig Minuten, dann sind wir da ... das heißt, wenn wir pünktlich sind. Wie merkwürdig, daß Sie dahin fahren. Allerdings ist bei uns ja in der letzten Zeit allerhand losgewesen. Wissen Sie, diese Leute, die die römischen Überreste gefunden haben.«

»Ach ja?« meinte ich gleichgültig.

»Sie haben wohl nichts mit denen zu tun?«

»O nein. Ich fahre in ein Haus namens Lovat Stacy.«

»Ach je. Dann müssen Sie die junge Dame sein, die den Mädchen Musikunterricht geben soll.«

»Ja.«

Sie war entzückt. »Das dachte ich mir schon gleich, als ich Sie sah. Hierher kommen so wenige Fremde, wissen Sie, und wir hatten gehört, daß Sie heute kommen sollten.«

»Gehören Sie auch zum Hause?«

»Nein ... nein. Wir wohnen in Lovat Mill ... etwas außerhalb natürlich. Im Pfarrhaus. Mein Mann ist der Pastor. Wir sind mit den Stacys befreundet. Mein Mann unterrichtet die Mädchen bei uns im Hause. Wir wohnen nur ungefähr eine Meile vom Haus entfernt. Sylvia hat mit ihnen zusammen Stunden, nicht wahr, Sylvia?«

Sylvias »Ja, Mama«, klang sehr leise. Und ich hielt es für nicht ausgeschlossen, daß Mama das Regiment zu Hause führte – den Herrn Pastor eingeschlossen.

Sylvia wirkte zwar sehr sanftmütig, doch ihre Kinnpartie und der Zug um den Mund straften diese Sanftmut Lügen, und ich konnte mir vorstellen, daß es aus sein würde mit der Demut, sobald Mama außer Sicht war.

»Ich glaube sicher, daß der Pastor Sie fragen wird, ob Sie Sylvia zusammen mit den Stacy-Mädchen unterrichten wollen.«

»Interessiert Sylvia sich denn für Musik?« fragte ich und lächelte Sylvia an, die ihre Mutter anblickte.

»Das wird sie«, antwortete die Dame fest.

Sylvia lächelte einigermaßen matt und warf den Zopf zurück, der ihr über die rechte Schulter hing. Ich bemerkte ihre recht groben Finger, die mir nicht aussahen wie die einer Pianistin. In Gedanken hörte ich bereits Sylvias jammervolle Klavierübungen.

»Ich bin so froh, daß Sie nicht zu diesen Archäologen-Leuten gehören. Ich war sehr gegen diese Invasion bei uns.«

»Sie billigen diese Art von Forschung nicht?«

»Forschung!« gab sie zurück, »zu was ist die nutze? Wenn wir hätten wissen sollen, daß diese Sachen da waren, wären sie doch nicht zugedeckt worden, oder?«

Diese erstaunliche Logik widersprach meiner ganzen Erziehung, doch die energische Dame mir gegenüber erwartete ganz offenbar eine Antwort, und da ich sie nicht verärgern wollte, weil sie mir wahrscheinlich eine ganze Menge über Lovat Stacy erzählen konnte, lächelte ich nichtssagend, während ich innerlich meine Eltern und Roma um Verzeihung bat.

»Sie kamen hierher ... brachten alles durcheinander. Du liebe Güte, auf Schritt und Tritt fiel man über sie. Eimer, Spaten ... gruben die Erde um, weite Flächen im Park sind völlig ruiniert ... und wozu? Um diese römischen Überreste aufzudecken! ›Es gibt so viele davon, überall im Lande‹, sagte ich zum Pastor. ›Wir wollen sie hier nicht haben.‹ Eine von diesen Leuten hat ein merkwürdiges Ende gefunden ... oder vielleicht war es auch kein Ende. Wer will das sagen. Jedenfalls verschwand sie.«

Ich fühlte ein Prickeln im Rücken. Wie leicht konnte ich meine Verbindung zu derjenigen verraten, die verschwunden war; und eben das wollte ich um jeden Preis vermeiden. Also sagte ich schnell: »Verschwand?«