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Während die meisten anderen Männer seines Alters bereits ihren wohlverdienten Ruhestand genießen dürfen, muss sich Chef Inspektor Barnaby Fuller mit der wohl größten Herausforderung seiner gesamten Polizeikarriere auseinandersetzen. In Counterfoil Grove, einer beschaulichen (fiktiven) Kleinstadt im Herzen von England, treibt ein brutaler Mörder sein Unwesen. Dieses Monster entführt kleine Kinder, schneidet ihnen die Kehlen durch, um sie dann bis auf den letzten Tropfen ausbluten zu lassen. Bei seiner Jagd durch die Stadt wird er mit diversen anderen Straftaten und den skurrilsten Persönlichkeiten konfrontiert, doch vom eigentlichen Täter fehlt jegliche Spur. Zur gleichen Zeit wird der sechzehnjährige Tyler aus New York dazu genötigt, ein Jahr bei der verhassten Großmutter in England zu verbringen. Bei seinen Erkundungen von Stadt und Bewohnern wird er unfreiwillig in den Fall hineingezogen.
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Seitenzahl: 597
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Sylvia Giesecke
Das Blut der Kinder
Roman
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Ein Winseln aus der Ferne
Der Flug ins Ungewisse
Ein ziemlich müder Chef Inspektor
Willkommen bei den Inselaffen
Ein kleiner schlafender Engel
Ein Tritt in den Fettnapf
Im Paradies der gemeinen Stubenfliege
Miss Ruthy sorgt für Ordnung
Endlich kommt Verstärkung
Eine grausame Begegnung der dritten Art
Barnabys Konfrontation mit der Kunst des Malens
Drei Katzen halten Kriegsrat
Benjamin Stokes wird durch die Mangel gedreht
Mister T. braucht Hilfe
Eine Fahrradleiche auf dem Friedhof
Ein Besuch beim Pfarrer
Eine unerwartete Entdeckung
Ein belebendes Duschbad
Ein faszinierendes Gewölbe
Katzen beim Tanz
Ein Rüffel am Abend
Ein Schneegestöber mitten im Sommer
Das Gesetz der Serie
Tylers Handy geht baden
Kleiner Junge mit großem Problem
Was ist im Schuppen der Hensons?
Wer ist denn nun der schwarze Mann?
Auf der Hollywoodschaukel
Zwei blutige Nasen
Am Ende wird eben doch alles gut
Epilog
Impressum
Ein Winseln aus der Ferne
Die Sonne stand hoch am Himmel. Es war warm, doch ein stetiger leichter Wind sorgte für eine angenehme Brise. Selma spielte mit ihren drei Puppen in der Sandkiste, unter der großen Eiche. Ihre Mutter hatte sie dick mit Sonnencreme eingeschmiert, ihr einen Strohhut aufgesetzt und sie ermahnt, das Grundstück nicht zu verlassen. Aber Selma war schließlich schon ein großes Mädchen. Nur noch sechsmal schlafen, dann würde sie bereits ihren fünften Geburtstag feiern.
Miss Lucy, ihre schwarzhaarige Puppe, weigerte sich strikt etwas von dem leckeren Sandkuchen zu probieren. Dabei hatte sie sich doch solche Mühe gegeben. Selma ärgerte sich. Sie wollte gerade ordentlich mit Miss Lucy schimpfen, als plötzlich etwas ganz anderes ihre Aufmerksamkeit erregte.
Selma lief zur hinteren Gartenpforte und lauschte. Der Wind fuhr ihr durch die schulterlangen, goldblonden Locken und riss ihr den Hut vom Kopf. Selma registrierte diesen Verlust überhaupt nicht, denn dieses Geräusch, das der Wind aus der Ferne zu ihr herüber trug, genoss jetzt ihre volle Aufmerksamkeit. Da war es wieder, sie konnte es deutlich hören.
Selma schob den Riegel beiseite und stapfte durch das hohe Gras Richtung Waldrand. Auf halbem Weg bekam sie plötzlich ein schlechtes Gewissen. Sie durfte eigentlich gar nicht alleine zum Wald gehen. Selma zögerte. Sie schaute zurück, überlegte kurz, doch dann siegte schließlich ihre kindliche Neugier und Selma ergab sich diesem angeborenen Instinkt.
Er war so unglaublich niedlich und sie musste auch gar nicht weit in den Wald hinein. Nur ein paar Schritte, ein paar wenige Schritte, dann hatte sie ihn erreicht. Der kleine schwarz-weiße Hund freute sich über alle Maßen und Selma setzte sich zu ihm, „Warum bist du denn hier angebunden? Warst du nicht artig?“
Der Welpe sprang ihr auf den Schoß, leckte ihr das Gesicht ab und gebärdete sich wie ein Verrückter.
Selma kicherte, „Magst du vielleicht mit zu mir nach Hause kommen? Miss Lucy will den Kuchen nicht, den ich gebacken habe. Aber vielleicht möchtest du ja ein Stück davon probieren.“
Selma versuchte krampfhaft, den dicken Knoten mit ihren kleinen Fingern zu entwirren. Vollkommen in diese unlösbare Aufgabe vertieft, bemerkte sie nicht, dass sich in diesem Moment eine dunkel gekleidete Gestalt von hinten näherte ...
„Selma! Selma wo steckst du?“ Susan Woods wurde zunehmend nervöser. Die junge Frau spürte genau, dass irgendetwas nicht stimmte. Hinten im Garten fand sie Selmas Strohhut, der sich im Stachelbeerstrauch verfangen hatte. Dann fiel ihr Blick auf die offene Pforte. Voller Sorge folgte sie den Spuren, die ihre kleine Tochter im Gras hinterlassen hatte, doch am Waldrand endeten diese abrupt.
Während Susan kreuz und quer durch den Wald rannte, rief sie wieder und wieder ihren Namen, „Selma, … Selma antworte doch! Bitte, mein Schatz, komm her zu mir.“ Doch Selma blieb verschwunden.
Der Flug ins Ungewisse
Gut gelaunt betrat Tyler die Eingangshalle des noblen New Yorker Appartementhauses. Emmett Randolph, seines Zeichens Portier desselbigen, war hinter seinem auf Hochglanz polierten Tresen eingenickt. Eigentlich war der gute Mister Randolph, altersmäßig, schon jenseits von Gut und Böse. Jedoch erlaubte es ihm seine finanzielle Lage nicht, endlich in den wohlverdienten Ruhestand zu treten.
Mit einem geschickten Wurf platzierte Tyler seine Autoschlüssel direkt vor Emmett Randolph auf dem Tresen. Der alte Mann zuckte zusammen, „Oh, guten Abend, Mister Thornton, bitte entschuldigen sie …“
„Sie sind zum Arbeiten hier, Emmett, nicht zum Schlafen. Fahren sie meinen Wagen in die Tiefgarage, und machen sie mir ja keinen Kratzer in den Lack.“
„Natürlich, Mister Thornton. Wird sofort erledigt.“
Tyler wühlte in seinen Taschen, „Aber vorher geben sie mir noch die Karte für den Fahrstuhl, ich habe meine nämlich vergessen.“
„Sehr gerne, Mister Thornton“, Emmett führte die Karte ein, drückte auf Penthouse und verließ den Fahrstuhl wieder. „Ich wünsche noch einen schönen Abend.“
Während sich der Fahrstuhl mit einem kaum spürbaren Ruck in Bewegung setzte, betrachtete sich Tyler kritisch im Spiegel. Kurze dunkelblonde Haare, blaue Augen, groß und schlank, mit relativ breiten Schultern. Man konnte ihn durchaus als gut aussehend bezeichnen, zumindest vertraten die meisten Mädchen an seiner Schule diese Meinung. Dazu kam noch die Tatsache, dass seine schwer beschäftigten Eltern ihm und seiner vierzehnjährigen Schwester, aus Gewissensgründen, ein Leben im absoluten Luxus ermöglichten. Da der Rechtsanwalt und die Kinderpsychologin kaum Zeit für ihre beiden Sprösslinge hatten, gab es hin und wieder mal eine kleine Überraschung. Ein Beispiel war der kleine rote Sportflitzer, den er vor drei Wochen zum sechzehnten Geburtstag bekommen hatte. Keine Frage, das Leben meinte es wirklich gut mit ihm. Lediglich auf die Existenz seiner nervigen Schwester hätte er gut und gerne verzichten können.
Wenn man vom Teufel sprach. Kelly erwartete ihn bereits, breit grinsend, auf dem Flur. „Du sollst sofort zu Dad in sein Arbeitszimmer kommen. Er hat was mit dir zu besprechen.“ Kelly war das Ebenbild ihrer Mutter. Sie hatte dunkelrotes schulterlanges Haar, grüne Augen und leicht abstehende Ohren, die sie geschickt unter ihrer dicken Mähne versteckte.
„Und was gibt es da so blöd zu grinsen, Dumbo? Vielleicht bekomme ich ja endlich mein eigenes Appartement und muss deinen Anblick zukünftig nicht mehr ertragen.“
„Dir wird das Lästern schon noch vergehen, Bruderherz. Am Ende werde ich wohl diejenige sein, die dich bald nicht mehr ertragen muss. Wirst schon sehen was du davon hast, … Mister Großkotz.“
Dieser Spruch und ihre unglaubliche Selbstsicherheit verunsicherten Tyler jetzt doch ein wenig. Was konnte sein Vater von ihm wollen? Er hatte nicht die geringste Lust auf irgendeine anstrengende Diskussion, morgen war schließlich auch noch ein Tag. Tyler versuchte sich an der spaltbreit geöffneten Bürotür vorbei zu schleichen, doch Kelly wusste sein Ausweichmanöver geschickt zu verhindern.
„Dad, Tyler ist eben nach Hause gekommen. Er will sich gerade in sein Zimmer verpissen.“
„Was soll diese vulgäre Ausdrucksweise, Kelly? Das geht auch anders, mein Fräulein. Tyler kommst du bitte mal zu mir.“
Tyler bedachte seine Schwester mit einem wütenden Blick. „Du bist eine gottverdammte Petze und ‘ne echt blöde Kuh“, dann ging er ins Arbeitszimmer seines Vaters.
Mister Thornton schaute über den Rand seiner schmalen Brille, „Schließ bitte die Tür und setz dich.“
Timothy Thornton war ein groß gewachsener Mann von kräftiger Statur. Er hatte die gleichen strahlend blauen Augen wie sein Sohn. Seine kurz geschnittenen dunkelblonden Haare waren an den Schläfen bereits leicht ergraut. Er lehnte sich in seinen schweren Ledersessel zurück, zündete sich seine Pfeife an und blies den Rauch langsam und bedächtig in die Luft. Dabei strahlte er eine trügerische Ruhe aus, doch Tyler spürte genau, dass irgendetwas im Busche war.
„Mister McCarsey hat mich heute Mittag angerufen. Was glaubst du, hatte er mir wohl zu sagen?“
Obwohl Tyler sich denken konnte, worüber sein Schulleiter mit seinem Vater gesprochen hatte, gab er sich vollkommen unwissend und zuckte mit seinen Schultern, „Keine Ahnung, Dad, … was wollte er denn von dir?“
Mister Thornton legte die Pfeife zurück in den Aschenbecher, „Du weißt es nicht? Na dann muss ich deinem Gedächtnis wohl mal ein wenig auf die Sprünge helfen. Nach Aussage von Mister McCarsey bist du stur wie ein Maulesel, über alle Maßen hochnäsig, total widerspenstig, absolut gleichgültig, stinkend faul und untergräbst zudem auch noch permanent die Autorität deiner Lehrer. So wie es aussieht, wirst du dieses Schuljahr mit Hängen und Würgen gerade eben so schaffen.“
„Aber Dad, du weißt doch genau …“
„Komm mir jetzt bitte nicht mit irgendwelchen billigen Ausreden, Tyler. Wir hatten einen Deal, und dieser Deal war ganz klar formuliert. Deine Mutter und ich haben deine Entscheidung, nicht auf die Hochbegabtenschule gehen zu wollen, nur akzeptiert, weil du versprochen hast, einen adäquaten und für alle Parteien zufriedenstellenden Abschluss vorzulegen. Ich bin mit deiner Leistung ganz und gar nicht zufrieden, deshalb sehe ich mich gezwungen umgehend zu handeln. Strafe muss nun mal sein, wenn man sich nicht an die Abmachungen hält. Deine Frau Mutter sieht das im Übrigen genauso. Ein Versuch sie umzustimmen, wäre also vollkommen zwecklos. Wir haben beschlossen, dich sofort von der Schule zu nehmen und dich in die Obhut deiner Großmutter zu geben. Vielleicht bist du ja durch unser turbulentes Großstadtleben und diesen ganzen Luxus einfach nur zu abgelenkt und deshalb nicht in der Lage, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In der Ruhe liegt doch bekanntlich die Kraft. Der Flug ist bereits gebucht. Dein Flieger startet übermorgen früh.“
Das kam jetzt zwar ziemlich überraschend, aber als Strafe konnte man einen Umzug ins sonnige Kalifornien, auf die Farm seiner Großeltern, eigentlich nicht gerade bezeichnen. Tyler fand den Gedanken, die kalifornischen Mädels mit seinem Sportflitzer beeindrucken zu können, sogar recht amüsant. Und selbst wenn er ihn nicht mitnehmen durfte, so hatte sein Großvater noch genügend andere schicke Autos in seiner Garage stehen, die er seinem Enkel bestimmt gerne für eine Spritztour überlassen würde.
„Warum soll ich fliegen, ich kann doch mit dem Auto fahren.“
Sein Vater lächelte, „Ich glaube du verstehst nicht, Tyler. Ich rede hier von einer Strafe, nicht von einem Vergnügen. Der Wagen bleibt selbstverständlich hier.“
„Okay, dann fliege ich halt nach Kalifornien.“
„Offensichtlich handelt es sich hier um ein weiteres Missverständnis, mein lieber Sohn. Du fliegst keinesfalls nach Kalifornien, sondern nach Europa.“
Tyler war vollkommen entsetzt, „Das ist jetzt aber ein verdammt schlechter Scherz, Dad, … das meinst du doch nicht wirklich ernst? Ich fliege nicht zu diesen Inselaffen, und erst recht nicht zu dieser durchgeknallten Person. Das kannst du gepflegt knicken, Dad, das läuft nicht.“
„Ich fürchte du hast gar keine andere Wahl, Tyler. Unser Entschluss steht endgültig fest.“
Niemals würde er nach England fliegen, das konnten sie nicht mit ihm machen. „Aber Dad, du hast selber gesagt, dass diese Frau vollkommen verrückt ist. Warum tust du mir das an? Bitte Dad, ich werde mich ändern. Ich schwöre es dir.“
Doch Mister Thorntons stärkste Eigenschaft war nun mal seine beinahe schon unmenschliche Konsequenz. „Übermorgen um sechs. Du hast noch genügend Zeit, um dich von deinen Freunden zu verabschieden. Ende der Diskussion.“
Tyler wusste genau, dass es wenig Sinn machte zu protestieren. Die einzige Chance, die er noch hatte, war seine Mutter. Elisabeth Thornton würde es niemals zulassen, dass ihr einziger Sohn in der Hölle leben musste, ... niemals.
Als Tyler wutentbrannt aus dem Arbeitszimmer stürmte, stieß er mit Kelly zusammen, die ganz offensichtlich gelauscht hatte. Natürlich konnte sie es sich nicht verkneifen, einen entsprechenden Kommentar abzugeben. „Na, Bruderherz, wie fühlt es sich an, wenn man in die Verbannung geschickt wird? Hoffentlich ist Irrsinn nicht ansteckend, sonst hast du nämlich verdammt schlechte Karten.“
Am liebsten hätte Tyler ihr mit der Faust mitten ins Gesicht geschlagen, aber er wusste, dass das die Situation auch nicht verbessert hätte. „Halt deine Klappe, Kelly, sonst vergesse ich mich am Ende noch.“
Mister Thorntons donnernde Stimme dröhnte aus dem Arbeitszimmer, „Lass deinen Bruder in Ruhe, Kelly! Sonst buche ich gleich noch einen zweiten Flug dazu. Geh bitte sofort in dein Zimmer.“
Kelly zog einen Flunsch und beugte sich widerwillig den Anweisungen ihres Vaters. Tyler ging auf direktem Weg zum Arbeitszimmer seiner Mutter.
Elisabeth Thornton war mit ihren einundvierzig Jahren ganze fünfzehn Jahre jünger, als ihr Mann Timothy. Sie führte eine äußerst erfolgreiche Praxis als Kinderpsychologin, in der sie ausschließlich die Sprösslinge der besser Betuchten behandelte.
Tyler klopfte zwar an, wartete aber nicht auf eine mögliche Antwort. „Mom bitte, du darfst nicht zulassen, dass er mich nach England schickt.“
Misses Thornton erhob sich von ihrem Stuhl um Tyler, der seinen Kampf gegen die Tränen inzwischen verloren hatte, in den Arm zu nehmen. „Kopf hoch, mein Großer, so schlimm wird es schon nicht werden. Ich bin mir sicher, dass du dich gut mit deiner Großmutter verstehen wirst, … vorausgesetzt du lässt es zu. Und in der Schule hast du dich ruck zuck eingelebt. Bei deinem Charme stehen die Mädchen doch garantiert gleich am ersten Tag Schlange.“
„Aber Mom, Dad hat selbst immer wieder gesagt, dass diese Frau total irre ist. Willst du mich tatsächlich in die Obhut einer Wahnsinnigen geben?“
Elisabeth Thornton gab ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn, „Diese Frau ist immerhin meine Mutter. Außerdem ist und war sie zu keiner Zeit irre oder wahnsinnig. Im Gegenteil, deine Grandma ist eine hochintelligente Frau. Sie hat Religionswissenschaften und Philosophie studiert. Sie spricht immerhin vier Sprachen und hat sogar einige Bücher geschrieben. Dein Vater konnte einfach nicht mit ihrem, … na sagen wir mal, äußerst lockeren Lebensstil umgehen. Sie ist halt in ihrer Jugend durch die ganze Welt gereist und hat ihr Leben in vollen Zügen genossen. Meine Mom ist eine tolle Frau, von der du bestimmt eine ganze Menge lernen kannst.“
„Aber du hast sie seit Jahren nicht gesehen. Du kannst gar nicht wissen, wie sie heute drauf ist.“
Elisabeth lächelte geheimnisvoll, „Dein Vater wollte zwar partout keinen Kontakt zu ihr, aber mich hat das selbstverständlich nicht davon abgehalten, mit meiner Mutter in Verbindung zu bleiben. Wir telefonieren manchmal zusammen und mindestens einmal in der Woche schreiben wir uns eine Mail. Sie weiß, dass du kommst und sie freut sich auf dich.“
Tyler seufzte, „Mom bitte, ich will nicht weg von hier. Kannst du nicht noch mal mit Dad reden?“
„Vergiss es Schatz, du kennst deinen Vater mindestens genauso gut wie ich. Sein Entschluss steht fest, und schließlich bist du ja auch nicht ganz unschuldig an dieser Situation. Und jetzt entschuldige mich, ich muss noch arbeiten.“
Tyler warf sich heulend auf sein Bett. Er fühlte sich vollkommen verraten und verkauft. Warum ließ seine Mutter es bloß zu, dass er ihn einfach wegschickte? Hatte sie nicht genügend Mumm, um sich gegen ihren Mann durchzusetzen oder war sie einfach nur zu bequem? Vielleicht wollte sie ja am Ende sogar, dass Tyler aus ihrem Leben verschwand. Möglicherweise war er einfach nur ein unangenehmer Stressfaktor, in ihrem arbeitsreichen Dasein, auf den sie nur allzu gerne verzichten würde. Ihm blieb nur ein einziger Tag um sich von seinem bisherigen Leben und von seinen Freunden zu verabschieden. Was sollte er denen bloß sagen? Er konnte unmöglich zugeben, dass seine Eltern ihn loswerden wollten, dass sie ihn einfach nach England abschieben würden, um ihn in die Obhut einer vollkommen Fremden zu geben.
„Privatschule, eigene Suite mit Butler und einen Ferrari, … nicht schlecht, Alter, wirklich nicht schlecht.“ Tylers Freund Freddy zeigte sich sichtlich beeindruckt, „Aber ich finde es schon blöd, dass es so plötzlich kommt. Reicht es nicht, wenn du nach den Ferien nach Europa fliegst?“
„Na ja, diese Plätze sind heiß begehrt. Wenn du nicht schnell genug bist, dann hast du verloren. Aber es ist ja nur für ein Jahr, vielleicht komme ich sogar schon früher zurück. Den Stoff den die da durchkauen habe ich eh innerhalb kürzester Zeit auf dem Schirm.“ Tyler spielte seine Rolle verdammt gut. Schließlich hatte er auch die ganze Nacht lang gegrübelt, wie er seinen Freunden die Geschichte am allerbesten verkaufen konnte.
Sogar seine derzeitige Freundin Corinne glaubte ihm jedes einzelne Wort. Trotzdem fiel ihm der Abschied schwer. Er würde sie alle doch ziemlich vermissen, … was er eigentlich jetzt schon tat.
Corinne und Freddy bestanden darauf, ihn zum Flughafen zu begleiten. Grundsätzlich eine gute Idee. Aber was wäre, wenn seine hinterhältige Schwester ihn in letzter Sekunde verraten und seine tolle Story zunichtemachen würde?
„Das ist echt lieb gemeint, Leute, aber höchstwahrscheinlich werden wir sowieso wieder auf den letzten Drücker zum Flughafen fahren. Außerdem hasse ich theatralische Abschiedsszenen wie die Pest. Also lassen wir das lieber. Ich melde mich, sobald ich angekommen bin.“
Seine Schwester wollte glücklicherweise nicht mit zum Flughafen. Tyler fand den Abschied durch ihre geschlossene Zimmertür vollkommen ausreichend. „Tschau Kelly, mach‘s gut.“
„Tschau Tyler, bis die Tage.“
Doch Mister Thornton bestand bedauerlicherweise auf mehr, „Komm gefälligst raus, Kelly, und verabschiede dich vernünftig von deinem Bruder.“
Ihm blieb auch wirklich gar nichts erspart. Jetzt musste er, zu allem Übel, auch noch die Umarmung seiner Todfeindin ertragen und dabei gute Laune heucheln. Konnte es denn überhaupt noch schlimmer werden?
Das Flugzeug startete mit leichter Verspätung. Das Essen schmeckte scheußlich und das angebotene Unterhaltungsprogramm war einfach nur schlecht. Irgendwann schlief Tyler ein und träumte. Er träumte von einer steinalten, buckeligen Frau mit Hakennase und einer gewaltigen Warze am Kinn. Sie wohnte in einem Haus aus Lebkuchen und zeigte Tyler gerade seinen Schlafplatz. Drei Strohballen in einem Käfig aus Knochen sollten ihm als Bett dienen. In einem Kessel über dem Feuer brodelte eine übel riechende Masse.
„Grandma hat für dich gekocht, Tyler. Saure Stierhoden in Fischaugensuppe. Das magst du doch so gerne, … nicht wahr?“
Angewidert rührte er in der schleimigen Brühe herum, worauf ihm furchtbar schlecht wurde.
Tyler schlug die Augen auf. Ihm war tatsächlich ganz schrecklich übel, deshalb begab er sich auf schnellstem Wege zur Bordtoilette. Gerade noch rechtzeitig klappte er den Deckel hoch, dann musste er sich auch schon übergeben. Sein Magen krampfte und in seinem Kopf hämmerte ein gleichbleibender, bohrender Schmerz. Er fühlte sich hundeelend. Was war bloß los mit ihm?
Tyler wusch sich das Gesicht und schaute in den kleinen Spiegel. Hatte er einfach nur etwas Falsches gegessen oder lag es doch eher an dieser vertrackten Situation? Noch vor wenigen Stunden schien seine Welt vollkommen in Ordnung zu sein und jetzt befand er sich plötzlich auf einem alles verändernden Flug ins Ungewisse. In diesem Moment verspürte er ein Gefühl von Angst, das er so gar nicht kannte. Das Schicksal hatte ihm eine Schlinge um den Hals gelegt und zog sie ganz langsam zu.
Jemand klopfte an der Tür, „Ist alles in Ordnung, junger Mann?“
Die freundliche Stewardess, die Tyler vor der Tür erwartete, schien ehrlich besorgt zu sein, „Geht es ihnen nicht gut? Kann ich irgendetwas für sie tun?“
„Haben sie vielleicht eine Kopfschmerztablette für mich?“
Sie lächelte, „Aber natürlich. Gehen sie ruhig zurück auf ihren Platz, ich bringe ihnen gleich etwas.“
Ein ziemlich müder Chef Inspektor
Barnaby Fuller fühlte sich vollkommen erschlagen. Offensichtlich wurde er langsam zu alt für diesen Job. Seit drei Tagen hatte er nicht mehr geschlafen. Das Einzige, was er jetzt noch wollte, war eine schöne heiße Tasse Tee und eine besonders große Mütze voll Schlaf.
Das Cottage seiner langjährigen und besten Freundin Ruth lag eingebettet in einen wunderschönen Garten, etwas außerhalb von Counterfoil Grove, der wahrscheinlich ungewöhnlichsten Kleinstadt im Herzen von England. Praktischerweise kam er auf seinem Heimweg sowieso bei ihr vorbei, deshalb waren auch keine größeren Anstrengungen von Nöten, um vor dem Schlafengehen noch eine Tasse von Ruth‘ herrlich duftendem Tee abzustauben.
Da er seine alte Freundin um diese Zeit auf ihrer Terrasse vermutete, machte er erst gar keine Anstalten an die Haustür zu klopfen. Er ging auf direktem Weg am Haus vorbei, wo er auch auf Anhieb fündig wurde. Ruth Collins saß in ihrem Schaukelstuhl, auf der kleinen überdachten Veranda, und las ein Buch.
„Barnaby, wie schön dich zu sehen“, sie begrüßte ihn mit einem Kuss auf die Wange, „setz dich doch, mein Lieber. Möchtest du vielleicht eine Tasse Tee?“
„Ich dachte schon, du würdest nie fragen“, erschöpft ließ sich der Chef Inspektor in einen der Korbstühle fallen.
Drei Stückchen Zucker und drei Teelöffel Milch, Ruth wusste genau was Barnaby Fuller jetzt brauchte. „Du siehst müde aus. Was ist los?“
„Hast du denn keine Zeitung gelesen, oder Nachrichten gehört?“
„Nein, ich habe die letzten drei Tage, meinen Garten mal wieder richtig auf Vordermann gebracht. Ich hatte gar keine Ambitionen …“, Ruth stutzte, „Es ist schon wieder passiert, nicht wahr?“
Der Inspektor sparte sich die Antwort. Stattdessen nahm er lieber einen großen Schluck aus seiner Tasse.
„Wer ist es diesmal?“
„Die kleine Woods, von der Oaksfarm.“
„Und was gibt es für Hinweise?“
„Selma hat ganz offensichtlich das Grundstück verlassen und ist bis zum Wald gelaufen. Dort haben wir einen frischen Kothaufen von einem Hund, ein ausgefranstes Stück Hanfseil und den üblichen Fotoschnipsel gefunden. Leider wieder nur ein Randstück, auf dem nichts zu erkennen ist. Langsam macht mir dieser Fall wirklich Angst, Ruth. Ich frage mich die ganze Zeit, wie viele Kinder dieses Schwein eigentlich umbringen will, um das Foto zu vervollständigen.“
„Wann ist Selma denn verschwunden?“
„Am Montagnachmittag. Ich vermute, dass die Kleine bereits tot ist, und wir sie nur noch nicht gefunden haben.“ Er seufzte laut, „Ich bin ehrlich zu alt für diesen ganzen Scheiß. Ich habe einfach nicht mehr genügend Kraft, um einem wahnsinnigen Serienkiller hinterherzulaufen.“
Barnaby schloss die Augen. Ruth hatte Mitleid mit ihm. Sie wusste nur allzu gut, wie sehr ihm dieser Fall zu schaffen machte. Nachdenklich betrachtete sie sein unrasiertes, kantiges Gesicht. Barnaby Fuller war Anfang sechzig, äußerst attraktiv und von kräftiger Statur. Für sein Alter hatte er einen recht gut durchtrainierten Körper vorzuweisen, den er in seiner Freizeit regelmäßig mit Joggen, Schwimmen oder Fahrradfahren stählte. Sein dichtes, schwarzes Haar, war mit interessanten grauen Strähnen durchzogen. Seine ausdrucksstarken grünen Augen brachten so gut wie jede Frau, im entsprechenden Alter, zum Schmelzen.
Allerdings zeigte der gute Barnaby keinerlei Interesse am weiblichen Geschlecht, denn seit dem plötzlichen Unfalltod seiner geliebten Frau Meira, vor mittlerweile fünfzehn Jahren, kam eine Bindung für ihn nicht mehr in Frage. Er hatte den Quell seines Lebens, wie er sie liebevoll nannte, während seiner Ausbildung in London kennengelernt. Gleich nachdem er seine erste Stelle als Polizist in Counterfoil Grove angetreten hatte, heirateten die beiden. Die Ehe blieb kinderlos, weil man Meira, bereits in jungen Jahren, die Gebärmutter entfernen musste. Ein bösartiger Tumor hatte den Ort, an dem eigentlich das Leben wachsen und gedeihen sollte, einfach in Beschlag genommen und die Ärzte zu diesem alles verändernden Eingriff gezwungen. Da eine Adoption, aus verschiedenen Gründen, nicht infrage kam, arrangierten sich die beiden mit ihrem Schicksal und schafften sich einfach drei Hunde an.
Ruth und Barnaby waren bereits seit dem Kindergarten befreundet. Als er ihr Meira damals vorstellte, verstanden sich die beiden Frauen auf Anhieb und wurden die allerbesten Freundinnen. Nach Meiras Tod fiel auch Ruth zunächst in ein tiefes schwarzes Loch. In nächtelangen Gesprächen versuchte sie, zusammen mit Barnaby, den Schmerz zu bewältigen und diesen unwiederbringlichen Verlust zu verkraften. Es brauchte zwar eine ganze Weile, aber am Ende schafften sie es gemeinsam, den viel zu frühen Tod von Meira zu verarbeiten.
Eine Beziehung kam für Barnaby und Ruth zu keiner Zeit infrage. Die Beiden liebten sich auf eine Art und Weise, die so besonders war, dass keiner von ihnen es jemals gewagt hätte, dieses wunderbare Geschenk für eine banale Affäre aufs Spiel zu setzen.
Barnabys gleichmäßige Atemzüge verrieten Ruth, dass er eingeschlafen war. Sie lächelte. Am liebsten hätte sie ihn an Ort und Stelle weiterschlafen lassen, befürchtete aber, dass seine merkwürdige Schräglage ihm auf Dauer heftige Nackenschmerzen bereiten könnte.
Sie streichelte seinen Kopf, „Hey Barnaby, du solltest wirklich ins Bett gehen. Wenn du willst, kannst du im Gästezimmer schlafen.“
Er lächelte sie an, „Das ist lieb gemeint, aber ich schlafe nun mal am allerliebsten in meinem eigenen Bett.“ Er rappelte sich auf und zwinkerte ihr zu, „Außerdem wollen wir doch, auf unsere alten Tage, den Leuten nicht noch Anlass für irgendwelche Spekulationen geben.“
Barnaby nahm sie fest in den Arm, gab ihr einen Kuss auf die Stirn, um dann mit ihr zusammen, in Richtung seines schwarzen Rovers zu schlendern.
„Ich habe dir noch gar nicht erzählt, dass ich morgen Besuch bekomme. Mein Enkel Tyler wird für ein Jahr bei mir wohnen.“
Jetzt war Barnaby doch überrascht, „Dein Enkel Tyler, aus New York?“
Ruth grinste, „Ich habe nur einen Enkel namens Tyler, das weißt du doch genau.“
„Ja, aber ich dachte, dein werter Herr Schwiegersohn will nicht, dass seine Kinder irgendwelche Kontakte, mit ihrer verrückten Großmutter, in England pflegen. Woher dieser plötzliche Sinneswandel, … und dann sogar gleich für ein ganzes Jahr.“
„Er tut das, um Tyler für seine Aufsässigkeit und seine schlechten Leistungen in der Schule zu bestrafen.“
„Wie kann jemand sein Kind bestrafen, indem er es zu seiner Großmutter schickt? Entschuldige, Liebes, aber Timothy Thornton tickt nicht richtig. Ich kann wirklich nicht verstehen, dass deine Tochter es immer noch ertragen kann, mit diesem Menschen zusammenzuleben.“
Ruth zuckte mit den Schultern, „Die beiden haben sich eben arrangiert, und angeblich ist er auch kein schlechter Ehemann und Vater.“
„Ich bitte dich, Ruth, dieses Thema hatten wir nun wahrlich schon oft genug. Nur ein wirklich schlechter Vater verbietet seinen Kindern, den Umgang mit ihrer Großmutter. Seine Argumente sind fadenscheinig und …“
„Lass es gut sein, Barnaby. Ich habe jetzt keine Lust, mit dir darüber zu diskutieren. Ich freue mich auf jeden Fall sehr darüber, dass ich meinen Enkel endlich kennenlernen darf. Alles andere ist mir im Moment vollkommen egal.“
„Hast du denn gar keine Angst?“
„Wovor?“
Barnaby schob den Riegel der Holzpforte beiseite, „Na ja, … der Junge hat schließlich jahrelang suggeriert bekommen, dass die Mutter seiner Mutter eine Irre ist. Was, wenn ihr zwei euch überhaupt nicht versteht?“
„Ich werde dem Jungen einfach die Zeit geben, die er braucht, um sich an seine neue Umgebung und im Besonderen an mich zu gewöhnen. Du kennst mich, ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Das wird schon, da bin ich mir ziemlich sicher. Hältst du mich bitte im Fall der kleinen Selma auf dem Laufenden, … sag Bescheid, wenn ich irgendwie helfen kann.“
„Mach ich, Liebes. Und ich wünsche dir ganz viel Glück für deine erste Begegnung mit deinem Enkelsohn. Bis bald …“, Barnaby stieg in seinen Wagen und fuhr zurück auf die Landstraße.
Willkommen bei den Inselaffen
Der Gedanke, dass ihm in wenigen Minuten, eine völlig fremde, alte Frau um den Hals fallen und ihn womöglich mit ekelhaften, feuchten Küssen überhäufen könnte, machte Tyler ziemlich zu schaffen. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was ihn erwarten würde. Bei seiner derzeitigen Pechsträhne war diese Ruth Collins wahrscheinlich eine uralte, verschrumpelte, weißhaarige Frau mit einem Buckel, für die er jetzt ein ganzes Jahr lang das Essen vorkauen und die Bettpfanne leeren musste. Mom hatte ihr wohl ein aktuelles Foto von ihm geschickt, sie wusste also genau, was auf sie zukam. Er wiederum lief vollkommen unwissend in sein Unglück.
Nachdem er seine Gepäckstücke endlich eingesammelt hatte, hielt er Ausschau nach einer möglichen Kandidatin. Sein Blick blieb an einer weißhaarigen Dame hängen, die, ein paar Meter von ihm entfernt, auf einer Bank saß. Direkt neben ihr stand so eine merkwürdige Gehhilfe mit einem Korb, indem ein Strauß Blumen lag.
Bitte nicht, … bitte nicht die. Die Dame schaute sich suchend um. Jeden Moment würden sich ihre Blicke treffen. Dann würde sie sich lächelnd von ihrem Platz erheben und mit ihrer Gehhilfe direkt auf ihn zu humpeln. Tyler hielt die Luft an. Für ein paar unendliche Sekunden schaute sie ihm mitten ins Gesicht. Doch dann wanderte ihr Blick glücklicherweise desinteressiert weiter.
Gleich darauf sah er diese Frau, die sich zügigen Schrittes den Weg durch die Menschenmassen bahnte und ihn dabei ganz offensichtlich, mit ihren blauen Augen, ins Visier genommen hatte. Ihr tiefdunkelrotes, schulterlanges Haar hatte sie zu einem dicken Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie war mit einer verwaschenen Jeans und einem legeren Sweatshirt bekleidet und streckte ihm freudestrahlend ihre Hand entgegen. „Hallo Tyler, ich bin Ruth Collins, deine durchgeknallte Großmutter, und ich freue mich wahnsinnig, dich kennenzulernen. Willkommen bei den Inselaffen.“
Tyler war so dermaßen perplex, dass er mit heruntergeklappter Kinnlade, augenblicklich, in eine Art Totenstarre verfiel. Ruth ließ ihm keine Zeit zum Regenerieren. Sie schnappte sich die Reisetasche und drängte zur Eile, „Wir müssen uns sputen, ich stehe nämlich im absoluten Halteverbot. Wenn die mich erwischen, dann wird’s teuer.“
Als sie nach einigen Metern bemerkte, dass Tyler ihr nicht folgte, blieb sie stehen, „Hey, was ist los? Willst du da Wurzeln schlagen oder kommst du jetzt endlich?“
Fast schon mechanisch setzte Tyler sich in Bewegung und folgte seiner Großmutter, wie ein verstörter Dackel seinem Herrn.
Geschickt und zügig lenkte Ruth ihren kleinen schwarzen Mini Cooper durch den lebhaften Großstadtverkehr. Wo sie nun schon mal in London war, wollte sie die Gelegenheit beim Schopfe packen und noch mal schnell bei Harrods vorbeischauen, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen.
„Wie wäre es mit ein paar neuen, coolen Klamotten? Ich gebe einen aus.“
Bis dato hatte Tyler noch keinen einzigen Ton von sich gegeben und auch jetzt fiel seine Antwort eher knapp aus, „Ich brauche nichts, danke.“
„Magst du vielleicht trotzdem mitkommen? Harrods ist ein absolutes Muss für jeden, der nach London kommt. Sollte man unbedingt mal gesehen haben.“
„Ich bleibe lieber hier.“
„Okay, ganz wie du möchtest. Es kann aber einen Moment dauern.“
Tyler schaute dieser Frau, ohne die es ihn ja eigentlich gar nicht geben würde, hinterher, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden war. Sie passte so gar nicht in das Klischee, in das er sie am liebsten gesteckt hätte. Warum war sie bloß so furchtbar sympathisch? Er wollte sie nicht mögen. Er wollte einfach nur dieses Jahr in England durchstehen und dann sofort wieder nach New York zurück. Gefühlsmäßige Bindungen wären ihm dabei nur im Weg. Er durfte sich keinesfalls dazu hinreißen lassen, eine solche Bindung einzugehen. Niemals würde er es zulassen, dass sie aufgrund einer zufälligen genetischen Verbundenheit, in sein Leben eindringen und dieses womöglich verändern würde. Niemals.
Warum musste sie ausgerechnet jetzt einkaufen gehen, hätte sie das nicht schon längst erledigen können? Sie wollte ihn garantiert nur ärgern und seine Geduld auf die Probe stellen. Wahrscheinlich hatte sie genauso wenig Lust auf ihn, wie er auf sie, und empfand seinen Besuch ebenfalls, als eine Art Strafe.
Tyler hätte am liebsten auf der Stelle losgeheult. Noch niemals in seinem ganzen Leben hatte er sich so schrecklich einsam gefühlt, wie in diesem Augenblick.
Ruth bekam ein schlechtes Gewissen. Es war keine gute Idee den Jungen gerade jetzt, wo er emotional ziemlich angekratzt war, alleine im Auto sitzen zu lassen. Also beschränkte sie ihren Einkauf, auf die dringend benötigten Anschlussstücke für ihr Bewässerungssystem und ging zurück zum Wagen. Sie bemerkte seine verweinten Augen, beschloss aber nicht weiter darauf einzugehen. Im Moment machte es eh keinen Sinn auf Tyler einzureden. Früher oder später würde er von ganz alleine auf sie zukommen, da war sie sich ziemlich sicher.
Einige wortlose Stunden später erreichten sie endlich ihr Ziel. Ruth parkte den Wagen auf der Garagenzufahrt, „Hier sind deine Schlüssel. Der ist für die Vordertür, der für die Hintertür in der Küche und der Kleine ist für den Schuppen. Geh ruhig schon mal rein, ich fahre nur noch schnell mein Prachtstück in die Garage.“
Als Ruth das Haus betrat, stand Tyler teilnahmslos und mit hängendem Kopf auf dem Flur. Er tat ihr unendlich leid. Nur allzu gerne hätte sie ihn jetzt in den Arm genommen, um ihn ein wenig zu trösten, hielt sich dann aber aus taktischen Gründen zurück. „Komm mit, ich zeige dir dein Zimmer.“
Ruth führte ihn in ein großes Zimmer mit vier Fenstern, einem Schrank, einem breiten Bett, einem Schreibtisch und jeder Menge Grünpflanzen. Es gab sogar einen etwas altertümlichen Fernseher und auf dem Schreibtisch lag ein Laptop.
Erleichtert stellte Tyler fest, dass seine neue Unterkunft doch etwas mehr zu bieten hatte, als ein Knochenkäfig mit Strohballen. Er ließ die Tasche fallen, zog seine Schuhe aus und legte sich aufs Bett.
„Hinter dieser Tür findest du dein eigenes Bad und die Küche ist genau gegenüber. Fühl dich ganz wie zu Hause, und wenn du irgendetwas brauchst, dann gib mir einfach ein Zeichen. Möchtest du vielleicht noch eine Kleinigkeit essen? Ich kann dir schnell etwas machen.“
„Hab keinen Hunger.“
„Na gut, dann werde ich dich jetzt mal alleine lassen. Wie gesagt, die Küche ist gegenüber, … falls du doch noch Hunger bekommst. Gute Nacht, Tyler.“
Wortlos drehte er seiner Großmutter den Rücken zu. Ruth löschte das Licht und schloss die Tür. Erschöpft lehnte sie sich gegen die kühle Steinwand. Vor ihr lag ein hartes Stück Arbeit. Plötzlich war sie sich gar nicht mehr so sicher, ob sie dieser Situation wirklich gewachsen war. Wenn Tyler sich nicht dazu bereit erklärte, ihr ein kleines Stück entgegenzukommen, dann würde sie niemals Zugang zu ihm bekommen. Im Moment blieb ihr nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen. Wenn er sie brauchte, dann würde sie für ihn da sein. Wenn er sie weiterhin ablehnte, dann würde sie auch das akzeptieren müssen. Doch jetzt, hier und heute, wollte sie nur noch zwei Dinge. Eine heiße Dusche und ihr gemütliches Bett.
Ein kleiner schlafender Engel
Der Anruf erreichte ihn genau um sechs Uhr vierunddreißig.
„Fuller.“
„Wir haben sie gefunden, Chef.“
„Wo?“
„Im Sparrowspark, direkt neben den Obelisken auf einer Bank.“
„Danke, Wilson, ich bin gleich da.“
Fünf Minuten duschen und anziehen, ein Glas Milch auf Ex und zehn Minuten Autofahrt. Für ein ausgiebiges Frühstück hatte Barnaby, jetzt weder die Ruhe noch die Zeit. Bis zuletzt hatte er so sehr gehofft, dass sie die kleine Selma lebend finden würden, aber das war eben nur reines Wunschdenken. Was war das bloß für ein Mensch, der kleine Kinder wie Vieh abschlachtete und sie dann völlig ausbluten ließ? Selma Woods war bereits das dritte kleine Mädchen, das in Counterfoil Grove auf so bestialische Weise getötet wurde und Barnaby wusste, dass sie nicht die Letzte sein würde. Sie mussten diesen Wahnsinnigen unbedingt stoppen, aber bis heute gab es einfach keine brauchbare Spur. Vielleicht hatten sie ja dieses Mal mehr Glück.
Die diensthabenden Kollegen hatten den Fundort weiträumig abgesperrt und die Anzahl der Schaulustigen hielt sich aufgrund der frühen Tageszeit in Grenzen.
Direkt neben der Absperrung erwartete ihn bereits eine alte Bekannte, „Guten Morgen, Barnaby. Offensichtlich wurde die Leiche, der kleinen Selma Woods heute Morgen gefunden. Was können sie mir zum Stand der Ermittlungen sagen? Deutet irgendetwas auf einen möglichen Täter hin?“
„Guten Morgen, Allegra. Du siehst doch, dass ich gerade erst angekommen bin. Du solltest mir schon die Möglichkeit geben, mich erst einmal selbst zu informieren, bevor du über mich herfällst.“
Die junge Frau hob die Hand zum militärischen Gruß, „Okay, Chef, stehe hier und warte geduldig.“
Er mochte Allegra Hunt trotz ihrer ausgeflippten Art. Sie war die mit Abstand fähigste Reporterin bei den C.G. News, der beliebtesten Tageszeitung von Counterfoil Grove und Umgebung. Barnaby kannte sie bereits seit vielen Jahren. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie einmal auf ihrem Dreirad, mit wehenden blonden Zöpfen, die River Road heruntergeschossen kam und glücklicherweise nur, vollkommen zerkratzt, in einer Hecke landete. Ständig hatte sie irgendwelche Dummheiten im Kopf und hielt ihn und seine Kollegen mächtig auf Trab. Wenn sie nicht gerade irgendwo hochkletterte, wo sie dann nicht mehr herunterkam, ging sie auf Wanderschaft, um einen Schatz, einen verwunschenen Prinzen oder das Ende des Regenbogens zu suchen. Einmal fanden sie Allegra erst nach zwei Tagen. Sie hockte mit gebrochenem Knöchel in einem Brunnenschacht bei der alten Ruine.
Wahrscheinlich lag es am frühen Tod der Mutter, dass sie als Kind immer wieder aus der Reihe tanzte. Die gebürtige Schwedin Svenja Hunt starb an einem Hirntumor, als Allegra gerade mal drei Jahre alt war. Ihr Mann Dexter verfiel in eine tiefe Depression und fühlte sich mit der Erziehung seiner kleinen Tochter, zunächst vollkommen überfordert. Es dauerte fast ein ganzes Jahr, bis er sich endlich wieder gefangen hatte. Doch von da an kümmerte er sich voller Hingabe um das Wohl seines Kindes. Als Allegra dann, zwecks Studiums, nach London ging, war sein Drang sie zu beschützen noch immer so groß, dass er sie begleitete. Als sie ein paar Jahre später in ihre Heimatstadt zurückkehrte, blieb Dexter in London, wo er am Ende auch starb. Woran wusste Barnaby nicht, Allegra hatte es ihm nie erzählt.
Constable Wilson, klein, dick, mit schwarzem Oberlippenbart, war der größte Speichellecker vor dem Herrn. Seine Lieblingsbeschäftigung bestand darin, seinen Vorgesetzten so tief in den Hintern zu kriechen, dass nur noch die Spitzen seiner Schuhe rausguckten. „Morgen, Chef. Sie wurde, um kurz vor halb sieben, von einer Zeitungsfrau entdeckt. Ich war der Erste am Tatort und habe sofort alles Nötige in die Wege geleitet. Die Gerichtsmedizinerin ist gleich mit der ersten Untersuchung fertig. Die Spurensuche hat bis jetzt noch nichts ergeben.“
„Danke, Constable Wilson.“
Sie sah aus wie ein kleiner schlafender Engel, mit ihren frisch gekämmten Haaren, einem sauberen Kleidchen und den, zum Gebet, gefalteten Händen. Ein Bild der Ruhe und des Friedens, wäre da nicht diese klaffende Wunde an ihrem Hals.
„Bei dem Opfer handelt es sich eindeutig um die kleine Woods. Eine Identifizierung durch die Mutter ist nicht notwendig, ich kenne das Opfer persönlich.“
„Danke, Wilson, die meisten von uns kennen Selma Woods.“
„Soll ich ihnen einen Kaffee besorgen, während sie auf Miss Bonham warten, Chef?“
„Danke, Wilson, ich trinke keinen Kaffee.“
„Dann vielleicht einen Tee?“
„Nein danke, ich möchte nichts.“
Mercedes Bonham, eine schokoladenbraune Schönheit mittleren Alters, arbeitete bereits seit über zehn Jahren, als Leiterin der Pathologie im Mercy Hospital und war gleichzeitig auch die Gerichtsmedizinerin von Counterfoil Grove. Da in dieser beschaulichen Kleinstadt eher nicht so viele Menschen eines unnatürlichen Todes starben, hatte sie in ihrem Zweitjob glücklicherweise sonst nur wenig zu tun.
„Guten Morgen, Chef Inspektor“, sie zog sich die Handschuhe aus und gab Barnaby die Hand.
„Guten Morgen, Miss Bonham. Wie sieht es aus?“
Mercedes Bonham streifte sich die Kapuze ab, schüttelte ihre schulterlangen, dunkelbraunen Rastalocken und schaute besorgt zu der Parkbank, neben den drei Obelisken. „Es ist genau wie beim letzten Mal, keine offensichtlichen Spuren. Das Opfer ist picobello sauber, wurde höchstwahrscheinlich nicht sexuell missbraucht und ist grob geschätzt, seit ungefähr fünfzehn Stunden tot. Genaueres kann ich erst nach der Autopsie sagen. Ich werde ihnen meinen Bericht so schnell wie möglich zukommen lassen.“
„Danke, Miss Bonham, das würde ich sehr zu schätzen wissen. Constable Wilson, haben sie dafür gesorgt, dass die Mutter informiert wird?“
„Ähh, … ich dachte …“
„Schicken sie umgehend einen Sergeant zur Oaksfarm, oder wollen sie das Selmas Mutter von der Presse aufgeklärt wird?“
„Aber ich könnte doch …“
„Sie können dafür sorgen, dass sich alle Mitarbeiter um fünfzehn Uhr im Besprechungsraum einfinden, und dass mir bis dahin alle, bereits vorhandenen, Ermittlungsergebnisse vorliegen. Danke, Constable Wilson, das wär`s fürs Erste.“
Solche Menschen machten ihn krank. Er fragte sich immer wieder, wie Wilson es geschafft hatte, sich durch die nicht ganz einfache Ausbildung zu winden, all die Prüfungen zu bestehen, um am Ende dann tatsächlich, ein relativ guter Polizist zu werden. Er war dumm, ignorant und besaß keinerlei Taktgefühl. Bei jedem seiner Schritte tropfte der Schleim und hinterließ eine breite, glitschige Spur. Jeder, der sich in seiner Nähe aufhielt, lief Gefahr auszurutschen und sich sämtliche Knochen zu brechen.
Allegras Outfit entsprach heute so gar nicht Barnabys Geschmack, aber das tat es ja eigentlich nie. Wie immer trug sie mehrere Shirts, Blusen und Tops übereinander, weshalb er ihr auch insgeheim den Namen Zwiebelchen verpasst hatte. Die grellen Farben und die verwirrenden Muster waren jedes Mal die reinste Folter für seine armen alten Augen.
Über den knielangen, rot-schwarz gestreiften Leggings, trug sie einen kurzen Jeansrock. Dazu Wollsocken und derbe Schnürstiefel. Ihre kurzen strohblonden Haare, die sie gerne mit Farbe, falschen Zöpfen, Bändern oder kitschigen Haarspangen dekorierte, hatte sie heute unter einer Wollmütze mit Teddybärmotiv versteckt. Kein normaler Mensch würde mitten im Sommer eine Wollmütze tragen, aber Allegra war eben kein normaler Mensch. Grüne Augen, Stupsnase, Schmollmund und eine perfekte Figur. Sie hätte durchaus als Modell arbeiten können. Doch für Allegra kam immer nur eins infrage, sie wollte um jeden Preis Journalistin werden. Eine gute Wahl, denn sie war nicht nur klug und geschickt im Umgang mit Menschen. Mit ihrer direkten Art, Ausdauer und Beharrlichkeit, verschaffte sie sich oftmals Informationen, um die sie ihre Kollegen nur beneiden konnten.
Die Anzahl der Schaulustigen hatte sich inzwischen mehr als verdoppelt.
„Lass uns ein paar Schritte zusammen gehen, Allegra.“
„Schießen sie los, Barnaby, ich bin ganz Ohr.“
Auf so banale Hilfsmittel wie Diktiergerät oder Schreibblock verzichtete sie grundsätzlich. Ihr Gedächtnis funktionierte besser, als jeder Computer.
„Die kleine Selma ist schätzungsweise, seit ungefähr fünfzehn Stunden tot. Wie bei den anderen beiden Opfern hat auch hier, höchstwahrscheinlich, kein sexueller Missbrauch stattgefunden. Das Opfer wurde gewaschen und gekämmt. Der Fundort ist sauber, es gibt wieder keinerlei Hinweise auf einen möglichen Täter.“
„Und?“
„Nichts und. Wir müssen erst den endgültigen Bericht der Gerichtsmediziner abwarten und sehen, ob die Spurensuche noch etwas ergeben hat.“
Sie blieb stehen und stemmte die Hände in die Hüften, „Jetzt kommen sie schon, Barnaby, das kann doch nun wirklich nicht alles gewesen sein.“
„Du weißt ganz genau, dass ich dir aus ermittlungstechnischen Gründen, nicht alles erzählen darf. Außerdem muss ich selber erst einmal abwarten, was die Untersuchungen der Leiche und des Fundortes ergeben werden. Du hast doch sowieso, mehr oder weniger, die Exklusivrechte an diesem Fall. Ich rufe dich heute Abend an, … okay?“
Sie kraulte sein Kinn, „Okay, aber eine winzig kleine Kleinigkeit müssen sie mir jetzt schon noch geben …“
Barnaby hielt ihr Handgelenk fest, „Du bist einfach unmöglich, Allegra, aber das weißt du ja selber.“ Er seufzte, „Selma wurde, mit ziemlicher Sicherheit, in den Wald gelockt. Wir haben Hundekot und ein Stück Hanfseil gefunden. Der Täter hat vermutlich einen kleinen Hund als Lockmittel benutzt.“
In diesem Augenblick fuhr der schwarze, auf Hochglanz polierte Kombi, der Firma Wellington und Söhne, dem einzigen ortsansässigen Bestattungsunternehmen, an ihnen vorbei Richtung Fundort. Schweigend schauten sie dem Leichenwagen, der in wenigen Minuten den toten Körper dieses unschuldigen Kindes abtransportieren würde, hinterher.
Allegra seufzte, „Was ist das bloß für ein Mensch, Barnaby? Sagen sie mir, wer so etwas Schreckliches tut.“
„Ich weiß es nicht, Allegra. Wenn ich es wüsste, … wenn irgendjemand es wüsste, dann wären wir schon einen großen Schritt weiter.“
„Wurde denn noch kein Täterprofil erstellt?“
„Ist alles in Arbeit. Und jetzt musst du mich entschuldigen, ich muss ins Präsidium.“ Barnaby stieg in seinen Wagen.
„Chef Inspektor.“
„Ja?“
„Werden sie ihn schnappen?“
„Das werden wir, meine Liebe, da kannst du dir sicher sein.“
„Versprechen sie es mir?“
„Ich verspreche es dir.“
Die Frage war einfach nur, wie viele Kinder bis dahin noch sterben mussten, doch diesen Gedanken behielt Barnaby lieber für sich.
„Guten Morgen, Chef. Ein Mister Kensington hat für sie angerufen. Sie möchten sich bei ihm melden, sobald sie im Hause sind.“
„Danke, Emma. Sobald die ersten Ergebnisse vorliegen, hätte ich sie gerne auf meinem Schreibtisch.“
„Selbstverständlich, Chef. Mögen sie vielleicht einen Tee?“
„Das ist eine hervorragende Idee, sehr gerne.“
Sein Büro, ein sonnendurchfluteter freundlicher Raum, befand sich im dritten und somit obersten Stockwerk des hiesigen Polizeipräsidiums. Einziges Manko war die Tatsache, dass der Verkehrslärm von der Queen Elisabeth Road, der Hauptstraße von Counterfoil Grove, es zu manchen Tageszeiten unmöglich machte, bei geöffnetem Fenster zu arbeiten. Dazu kamen dann noch diese stinkenden Abgase, die jeden Atemzug zu einem tödlichen Roulettespiel machten.
Barnaby stellte den Ventilator auf die höchste Stufe ein, zog sein Jackett aus und ließ sich in den abgewetzten Ledersessel, hinter seinem alten Holzschreibtisch fallen. Als die Büros vor drei Jahren renoviert wurden, wollte man ihm solche hässlichen Möbel aus Kunststoff, Glas und Stahl aufzwingen, aber Barnaby hatte sich strikt geweigert und sein altes Mobiliar behalten. Er brauchte nun mal eine warme und gemütliche Umgebung, sonst konnte er einfach nicht richtig denken.
Die einzige geduldete Grünpflanze in diesem Raum hieß Mister Survivor. Ein Gummibaum, der Dank seiner liebevollen Pflege und Zuwendung, im Laufe der Jahre, zu einem regelrechten Urwaldriesen herangewachsen war und eine Menge Platz für sich beanspruchte. Als Meira ihn, vor einer halben Ewigkeit, in der hintersten Ecke eines Kaufhauses entdeckte, krönte nur noch ein einziges Blatt sein sterbendes Haupt. Man wollte ihr den Gummibaum sogar schenken, aber Meira hatte darauf bestanden, den vollen Preis zu bezahlen. Mit viel Liebe, Geduld und Spucke, schaffte sie es schließlich, dass aus dem kleinen Kerl ein stattliches Bäumchen wurde. Und weil er ja nun mal ein echter Überlebenskünstler zu sein schien, taufte sie ihn Mister Survivor und stellte ihn, als Quelle der Inspiration, in Barnabys Büro. Ob Mister Survivor ihn in der Vergangenheit tatsächlich schon mal inspiriert hatte, wusste Barnaby nicht so genau, aber das spielte auch überhaupt keine Rolle. Er liebte diesen Gummibaum und freute sich inständig über jedes neue Blatt.
Barnaby holte sein kleines schwarzes Adressbuch aus der Schublade. Woodrow Kensington und er waren schon ein ganzes Leben lang befreundet. Der ehemalige Chef Inspektor von Scotland Yard, genoss seit einem knappen Jahr seinen wohlverdienten Ruhestand. Eine Tatsache, um die ihn Barnaby ziemlich beneidete.
Wenn die beiden aufeinandertrafen, was bedauerlicherweise eher selten der Fall war, dann konnten sie stundenlang philosophieren, diskutieren oder einfach nur irgendwelchen Blödsinn erzählen. Ihre größte Leidenschaft bestand darin, bei einem Pfeifchen und einem schönen malzigen Whisky, die berühmtesten Schachpartien der großen Meister nachzuspielen und zu analysieren.
„Kensington.“
„Woodrow, du alter Strauchdieb, wie geht es dir?“
„Mir geht es ganz ausgezeichnet, Barnaby, danke der Nachfrage. Ich war drei Monate in Afrika, bei meiner Tochter Lilibeth, bin gestern erst zurückgekommen.“
„Man Woodrow, du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich dich beneide.“
„Ich kann`s mir vorstellen, ich habe es heute früh in der Zeitung gelesen. Habt ihr sie schon gefunden?“
„Haben wir, … heute Morgen, um kurz vor halb sieben.“
Es klopfte an der Tür. „Wart mal kurz, … ja bitte.“
„Ihr Tee, Chef.“
Constable Emma Dunley war eine echte Perle, … seine Perle. Sie war nicht nur klug, einfühlsam und zuvorkommend, sondern zudem auch noch ausgesprochen hübsch. Ihre tiefschwarzen Haare trug sie stets streng zurückgekämmt. Barnaby kannte sie eigentlich nur mit dieser, wie er fand, etwas altmodischen Duttfrisur.
Die kleine zierliche Frau, mit den dunkelbraunen Augen, erledigte seit nunmehr fast drei Jahren seine Post und stand ihm mit Rat und Tat zur Seite.
„Ich habe mir erlaubt, ihnen ein Käsebrötchen zu belegen. Sie haben doch mit Sicherheit noch nicht gefrühstückt.“
„Sie sind ein Schatz, Emma, vielen Dank. Apropos, … haben sie mein komisches kleines Telefon irgendwo gesehen?“
Sie lachte, „Ihr Handy liegt, wie immer, in der rechten oberen Schublade.“
Er würde sich wohl nie daran gewöhnen, dass er dieses Privatsphäre raubende Wunderwerk der Technik, ja eigentlich immer bei sich haben sollte.
„So, da bin ich wieder. Ja, so wie es aussieht, verhält es sich, wie bei den anderen beiden Opfern. Das Kind wurde gebadet, es fand kein sexueller Missbrauch statt und es gibt kaum verwertbare Spuren. Ich warte noch auf die entsprechenden Ergebnisse. Dieser Fall raubt mir noch den Verstand, Woodrow, ich könnte deinen Beistand jetzt wirklich gut gebrauchen.“
„Genau das wollte ich dir vorschlagen, mein Lieber. Ich muss mich noch schnell um ein paar wichtige Dinge kümmern. Sobald ich alles erledigt habe, komme ich rüber nach Counterfoil Grove.“
„Ich freu mich, Woodrow, … mach`s gut mein Freund und beeil dich bitte.“
„Ich freu mich auch, wir sehen uns …“
Während Barnaby seinem knurrenden Magen zu etwas Beschäftigung verhalf, durchforstete er zum x-ten Mal die Akte von Cindy Smith, dem kleinen dunkelblonden Mädchen, mit dem die Entführungs- und Mordserie vor fast genau neun Wochen begonnen hatte. Cindy verschwand am helllichten Tag vom Grundstück der Großeltern. Ihre Großmutter war nur für einen kurzen Moment ins Haus gegangen, um ihrem kleinen Bruder die Windeln zu wechseln.
Etwas außerhalb des Farmgrundstücks fanden die Ermittler später einen ausgelaufenen Behälter für Seifenblasen und ein kleines Randstück von einem Foto. Aber es gab keine Fingerabdrücke und auch sonst keinerlei brauchbare Spuren.
Das Schrillen des Telefons riss ihn aus seinen Gedanken, „Ja.“
„Die Spurensicherung hat direkt neben einem Baum, ungefähr fünfzehn Meter vom Fundort entfernt, mehrere Zigarettenstummel der Marke selbst gedreht gefunden. Dort muss jemand längere Zeit gestanden, gewartet und somit vielleicht auch etwas beobachtet haben. Außerdem haben sie gegenüber von der Parkbank, also genau auf der anderen Seite der Obelisken, in und um einen Abfalleimer, einen Haufen leere Bierdosen, Jointfilter und anderen Müll gefunden. Unter anderem auch eine Quittung vom Supermarkt in der Crownsstreet, über eben genau diese Dosen, mit gestrigem Datum und einer exakten Uhrzeit. Neunzehn Uhr siebenundzwanzig. Der ganze Krempel wird gerade auf Fingerabdrücke und DNA Spuren untersucht. Ich habe beim Stadtreinigungsamt angerufen und nachgefragt, wann die Abfallbehälter im Sparrowspark das letzte Mal geleert wurden. Gestern zwischen fünfzehn Uhr dreißig und sechzehn Uhr. Wenn die Jungs gründlich waren, dann ist dieser komplette Müll, der gerade im Labor untersucht wird, erst nach sechzehn Uhr im Park gelandet. Des Weiteren habe ich den Namen der Kassiererin in Erfahrung gebracht, die um diese Zeit an Kasse acht gesessen hat. Ich habe mir erlaubt Misses Sexton, so heißt die gute Frau, anzurufen und für ein Gespräch her zu bitten. Vielleicht kann sie sich ja noch an die Käufer erinnern. Sie wollte so in zehn Minuten hier sein.“
„Danke, Emma, das war gute Arbeit. Schicken sie diese Misses Sexton dann gleich in mein Büro und fühlen sie den fleißigen Arbeitern vom Stadtreinigungsamt, noch mal persönlich auf den Zahn. Sagen sie denen, dass wir sie nicht verpetzen werden, wenn sie ein wenig geschlampt haben. Wir wollen nur sichergehen, dass der ganze gefundene Müll ausschließlich von gestern stammt.“
„Wird gemacht, Chef.“
Vor circa fünf Wochen verschwand Lisa Priest, ein brauner Lockenkopf mit blauen Augen, ebenfalls am helllichten Tag von einem der Spielplätze im Sparrowspark. Ihre Mutter hatte nur für einen kurzen Augenblick nicht hingesehen, da war es auch schon passiert. Eine Spur von Kirschlutschern führte ins dichte Gebüsch und zu einem weiteren Fotoschnipsel. Ihre Spielgefährtin Milly sagte später aus, dass ein großer schwarzer Mann, mit einem ganzen Korb voller Lutscher und Schokolade, im Gebüsch gestanden und gewunken hätte. Milly hatte sich nicht getraut dem schwarzen Mann zu folgen, aber Lisa wollte unbedingt ein paar Lutscher holen, weil sie die doch so gerne mochte.
Es klopfte. „Ja bitte.“
Eine kleine dicke Frau mittleren Alters, mit einer ziemlich missratenen Dauerwelle und offensichtlichen Akneproblemen, betrat schüchtern sein Büro. „Guten Tag, mein Name ist Shauna Sexton. Sie wollten mit mir sprechen?“
Barnaby erhob sich aus seinem Sessel, ging um den Schreibtisch und schüttelte der, penetrant nach altem Schweiß stinkenden Frau, etwas angewidert die Hand. „Guten Tag, Misses Sexton, ich bin Chef Inspektor Fuller. Schön, dass sie kommen konnten. Bitte nehmen sie doch Platz.“
Barnaby verzog sich wieder hinter seinen Schreibtisch und war froh, dass das gute alte Stück, aufgrund seiner beachtlichen Größe, für einen ausreichenden Sicherheitsabstand, zwischen ihm und dieser äußerst ungepflegten Person sorgte. „Sie arbeiten also im hiesigen Supermarkt in der Crownsstreet und hatten gestern Abend Dienst an Kasse acht. Können sie sich vielleicht daran erinnern, wer so gegen neunzehn Uhr dreißig, mehrere Dosen Bier und Zigaretten bei ihnen an der Kasse bezahlt hat?“
In diesem Augenblick verlor Shauna Sexton plötzlich jegliche Schüchternheit und lief zur Höchstform auf. „Ob ich mich noch daran erinnere? Natürlich erinnere ich mich an dieses Pack, dieses nutzlose Gesindel. Ganz im Vertrauen, Chef Inspektor, aber ich bin davon überzeugt, dass diese geisteskranken Leichenschänder hinter all diesen furchtbaren Morden stecken. Man sieht es ihnen doch direkt an, dass sie nur zu einem fähig sind, nämlich zum Abmurksen von kleinen unschuldigen Kindern.“
Ihr irrer Blick jagte ihm fast ein bisschen Angst ein, „Hoppla, Misses Sexton, nicht so stürmisch. Sagen sie mir doch erst einmal, wer das Bier gekauft hat. Wer war denn nun gestern Abend, zur besagten Zeit, an ihrer Kasse?“
„Na wer wohl, … jetzt enttäuschen sie mich aber doch ein wenig, Chef Inspektor. Ich meine natürlich diese schwer gestörten Gruftis, die sich nachts auf dem Friedhof rumtreiben, Leichen schänden und armen Hühnern die Köpfe abbeißen.“
„Das ist sehr interessant, Misses Sexton. Woher wissen sie das denn alles?“
„Na, das weiß doch jeder.“
„Verstehe. Und wie viele von diesen Gruftis mussten sie gestern Abend ertragen?“
„Sie können sich gar nicht vorstellen, was ich durchgemacht habe, Chef Inspektor …“
„Wie viele, Misses Sexton?“
„Fünf, sie waren zu fünft. Zwei Mädchen und drei Jungs, … glaube ich jedenfalls. In der heutigen Zeit kann man sich da ja nicht so sicher sein.“
„Kannten sie einen von denen?“
„Nicht persönlich und darüber bin ich, ehrlich gesagt, auch ziemlich froh. Nicht auszudenken wenn …“
„Was heißt nicht persönlich, können sie mir nun einen Namen nennen oder nicht?“
„Na, die sehen doch alle gleich aus, mit ihren kalkweißen Gesichtern, schwarz geschminkten Augen, Lippen und Fingernägeln, diesen Friedhofsklamotten und …“
„Sie können mir also keinen Namen nennen.“
„Nein, kann ich nicht, aber …“
„Danke, Misses Sexton, das wär´s fürs Erste. Constable Dunley wird ihre Personalien aufnehmen. Wenn wir noch Fragen haben, dann melden wir uns bei ihnen.“
„Wie jetzt, … sie machen keine Gegenüberstellung?“
„Im Moment nicht. Wie gesagt, wir melden uns bei ihnen, falls wir sie noch mal brauchen. Auf Wiedersehen, Misses Sexton.“
Barnaby hielt ihr die Tür auf und gleichzeitig die Luft an. Nachdem sie sein Büro endlich verlassen hatte, riss er sofort alle Fenster weit auf. Er steckte den Kopf nach draußen und holte ein paar Mal tief Luft. Die abgasgeschwängerte Luft über der Queen Elisabeth Road, war das reinste Parfüm im Vergleich zu den ekelhaften menschlichen Ausdünstungen, die in diesem Moment als kleine Moleküle durch den Raum waberten, um sich dauerhaft in seinem Büro einzunisten. Sollte er jemals im Supermarkt auf Shauna Sexton treffen, dann würde er sofort zu einer anderen Kasse gehen. Egal wie viel Zeit ihn das am Ende kosten würde.
Es klopfte. „Ja, Emma, kommen sie rein.“
Sie stellte sich direkt neben ihn ans Fenster, „Wow, die Lady roch aber ziemlich streng.“
„Ich würde eher sagen, dass sie gestunken hat, wie die Pest.“ Barnaby schloss die Fenster und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch.
„Ich habe inzwischen mit den beiden Herren von der Stadtreinigung gesprochen. Sie haben mir noch mal bestätigt, dass sie gestern garantiert jeden Fetzen Müll, aus den Abfallbehältern und drum herum entfernt haben. Was ist mit der Aussage, der geruchsintensiven Dame? Soll ich die Herrschaften aus der Grufti-Szene herbestellen?“
„Nein, ich will erst noch die Ergebnisse abwarten. Die Friedhofsjunkies laufen uns schon nicht weg, die nehme ich mir später vor.“
„Aber was ist mit Connor Purnell?“
Der Chef Inspektor zuckte sichtlich gleichgültig mit den Schultern, „Das mit den Autoradios ist jetzt drei Jahre her. Seit dem hat er sich, außer einer verdammt großen Klappe, nichts mehr zuschulden kommen lassen. Das sind bloß ein paar geltungssüchtige Kids, Emma, die schlitzen kleinen Kindern nicht die Kehle auf. Und wir wissen doch schließlich alle, was tatsächlich hinter Connors subtiler Gesinnung steckt.“
Es war ein offenes Geheimnis in Counterfoil Grove, dass Connor Purnell das Produkt einer heimlichen und kurzen Affäre von Pfarrer Jonathan Richmont war. Wahrscheinlich rebellierte er deshalb einfach gegen alles, was irgendwie normal erschien. „Ich spreche auf jeden Fall noch mit dem Jungen, aber das hat im Moment keine Priorität.“
Um kurz vor drei zog Barnaby sein Jackett über, klemmte sich die Akten unter den Arm und machte sich, zusammen mit Emma Dunley, auf den Weg in den Konferenzraum. Im Flur trafen sie auf Mercedes Bonham, die gerade aus dem Fahrstuhl kam. „Tut mir leid, ich habe es nicht eher geschafft.“
„Kein Problem, Miss Bonham. Wenn sie uns zur Besprechung begleiten möchten, könnten sie dem Team ihre Ergebnisse gleich selber mitteilen.“
Das Team bestand aus Constable Peter Wilson, Constable Carl Green, Sergeant Dennis Simmons, Sergeant Walter Patterson, Perle Emma und seiner Wenigkeit.
„Meine Herren, sie kennen ja Miss Bonham. Sie wird uns jetzt aus erster Hand darüber aufklären, was die Autopsie der kleinen Selma ergeben hat. Bitte Miss Bonham, sie genießen ab sofort unsere volle Aufmerksamkeit.“
Sie räusperte sich, „Also gut, … Selma ist gestern so zwischen vierzehn Uhr dreißig und fünfzehn Uhr gestorben. Es ist genau wie bei den anderen beiden Mädchen, sie wurde definitiv nicht sexuell missbraucht. Man hat ihr mit einem scharfen Messer, vermutlich einem Filetiermesser wie es Angler gerne benutzen, die Kehle fast bis zur Halswirbelsäule durchtrennt und sie anschließend ausbluten lassen. Andere Verletzungen gibt es nicht. Wie bei Cindy und Lisa war auch ihr Magen mit Torte, Eiscreme, Gummibärchen und Schokolade gut gefüllt. Sie durfte sich kurz vor ihrem Tod noch einmal richtig den Bauch vollschlagen. Genau wie bei den anderen Opfern, fand ich in ihren Haaren, am Körper und an der Kleidung, Rückstände eines Rosenschaumbads. Das Kind und die Kleidung wurden in Pink Rose gebadet, dem stark duftenden Badezusatz den man, wie wir bereits wissen, in jedem beliebigen Supermarkt erwerben kann. Auch dieses Mal wurde Pink Rose wieder in einer Konzentration von eins zu fünfzig angewendet, also cirka ein Liter Schaumbad auf fünfzig Liter Wasser. Selma wurde noch zu Lebzeiten darin gebadet, denn ihre Haut wies einige gerötete Stellen auf. Offensichtlich eine allergische Reaktion auf die viel zu hohe Konzentration dieses, ohnehin schon stark parfümierten, Pflegeproduktes.“
Barnaby musste zwangsläufig an Shauna Sexton denken und war sich nicht sicher, ob diese ungewöhnlich große Menge an Badezusatz, für Misses Sexton tatsächlich ausreichend gewesen wäre. Eines wusste er allerdings ganz genau, nämlich dass die Pickel in ihrem Gesicht keine allergische Reaktion auf irgendein Pflegemittel waren …
