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Der Tag fing schon blöd an. Mein Vater war stinkwütend, weil sie schon wieder eine Konferenz abhalten wollten, um mich von der Schule zu schmeißen, im Bus war es zu dunkel, um die blöden Lateinvokabeln zu lernen, und dann bekam Mackuth auch noch seinen Montagskoller. Ich hätte wissen müssen, dass sich an dem Tag noch jemand böse verletzen würde. Aber ich konnte beim besten Willen nicht voraussehen, dass es ausgerechnet Dannys Pimmel treffen sollte. Die Sache hatte allerdings auch einen Vorteil: Danny musste zwar eine Woche lang mit einer blauschwarz angelaufenen Nudel herumlaufen, aber Mackuth vergaß vor lauter Lachen, die Konferenz einzuberufen …
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Seitenzahl: 144
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Micha Rau
Das Ding im Atlas
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwörtchen
Tag 966
Tag 1
Tag 1122
Tag 300
Tag 332
Tag 444
Tag 445
Tag 452
Tag 1334
Tag 1615
Tag 1616
Tag 1704
Tag 1903 bis Tag 1917
Tag 2130
Tag 2555
Nachwörtchen
Impressum neobooks
Zu Risiken und Nebenwirkungen dieses Buches fragt bitte eure Kumpels oder die Polizei. Jegliche Nachahmung geschilderter Vorkommnisse geschieht auf eigene Gefahr und sollte tunlichst vermieden werden. Ich hab euch gewarnt. Kommt mir hinterher nicht und jammert.
Das Geschreibse hier widme ich meinen Freunden Danny, Mathe, Elle und Jörg, die bis heute mit mir zusammen Mist bauen. Hey, Alter, Deine Nudel is ja wieder heile! Hast mit dem Pürierstab tatsächlich 3 Kinder gemacht! Oder weiß ich da von wem was nich?
Der Tag fing schon blöd an. Mein Vater war stinkwütend, weil sie schon wieder eine Konferenz abhalten wollten, um mich von der Schule zu schmeißen, im Bus war es zu dunkel, um die blöden Lateinvokabeln zu lernen, und dann bekam Mackuth auch noch seinen Montagskoller. Ich hätte wissen müssen, dass sich an dem Tag noch jemand böse verletzen würde. Aber ich konnte beim besten Willen nicht voraussehen, dass es ausgerechnet Dannys Pimmel treffen sollte. Die Sache hatte allerdings auch einen Vorteil: Danny musste zwar eine Woche lang mit einer blauschwarz angelaufenen Nudel herumlaufen, aber Mackuth vergaß vor lauter Lachen, die Konferenz einzuberufen …
Ja, ja, ich komm schon zur Sache. Also, an diesem Tag lief anfangs alles wie gewöhnlich. Die Weltkarte hing an ihrem Kartenständer, Schulz saß am Pult und dozierte aus seinem Buch, und wir glotzten in die Gegend. Um die Qualen des Dauernd-auf-die-Uhr-Sehens etwas zu lindern, packten wir unsere Armbanduhren in Erdkunde immer unter die Tische. Dann wuchs die Spannung, bis es klingelte, ins Unermessliche. Aber wehe, man guckte zwischendurch mal!
Zum Unterrichtszubehör gehörte ein riesiger Atlas, der ungefähr zwei Kilo wog, und den man aus diesem Grund getrost unter dem Tisch liegen lassen konnte, denn den klaute sowieso niemand. Im Unterricht jedoch hatte jeder von uns sein Exemplar vor sich liegen, und ab und zu war es sogar ganz interessant, sich hineinzuvertiefen, sich ferne Länder vorzustellen und in der Fantasie die aufregendsten Abenteuer zu erleben.
Aber der gewaltige Schinken konnte noch mehr. Auf die Oberschenkel gelegt und an den Tisch gelehnt, gab er eine hervorragende Deckung für allerlei Spielchen ab. Schiffe versenken, Siebzehn und Vier, Poker … gut, Pokern war schwierig, denn zu dritt in einer Reihe … da heißt es: Adlerauge sei wachsam!
Mathe nervte schon wieder.
„Machen wir ´n Spielchen?“
„Bin pleite“, grummelte Jörg. „Lass uns Montag in Afrika spielen.“ Afrika war nämlich nächste Woche dran. Aber Mathe gab nicht auf.
„Nich´ um Geld, nur so.“
„Ist ja noch schlimmer“, meinte Danny. „Dann lieber Zwirnbillard.“
Zwirnbillard geht nicht immer. Man braucht spezielle Zutaten. Zuerst ein Stück Faden, den man zu einem Kreis formt und ihn auf den Tisch legt. Nun popelt man und dreht kleine Bällchen. Diese müssen dann per Kugelschreiberspitze ins Zentrum geschossen werden. Geht allerdings nur mit Krustenpopeln. Krustenpopel hatten wir an dem Tag leider nicht.
Elle hatte noch gar nichts gesagt. Ich beugte mich vor und sah ihn an. Er schien etwas weggetreten, denn er starrte mit glasigen Augen auf den Nachbartisch. Genauer gesagt, ein paar Zentimeter darüber. Cora hatte es ihm angetan, und ich muss sagen, man konnte durchaus nervös werden bei dem T-Shirt, das sie da anhatte. Wobei es sicherlich nicht nur um das Textil als solches ging, wie man sich denken kann. Schließlich befanden wir uns in dem Alter erhöhten Hormondurcheinanders.
Elle war fix und fertig.
Wir anderen stießen uns an.
„Wie wär´s mit ´ner Mutprobe?“ Danny grinste provozierend. „Glotzen kann jeder!“
Elle wachte auf. „Was ´n los?“
„Machste mit? Damit ein bisschen Spannung in die Sache kommt! Wer traut sich, sein Ding rauszuholen und in den Atlas zu packen?“
Alle prusteten los. Schulz vorne las unbeirrt weiter. Mir kamen Bedenken. Gut, man könnte auch sagen, ich hatte Schiss.
„Hör´ auf, wenn das einer merkt, fliegen wir! Außerdem kann Cora rüberschauen, die sieht dich!“
„Quatsch keine Opern, das Buch ist groß genug, da passen zehn von deinen rein! Und außerdem … raus, rein. Nicht lange. Du traust dich bloß nicht!“
„Mann, du Blödmann, natürlich trau ich mich! Aber nur, wenn alle mitmachen. Alle gleichzeitig!“
„Logo. Alle gleichzeitig. Ich zähle bis zehn. Alle klar zum Manöver?“
Keiner wollte kneifen. War eigentlich auch kein Risiko dabei. Wie gesagt: Schulz faselte, die Atlanten waren groß, der Mut auch, was sollte schon passieren?
Bei zehn zögerte keiner von uns. Hose auf, Schniedelwutz raus und auf Südafrika platziert.
Danny triumphierte. „Volle zehn Sekunden!“, raunte er.
Drei davon vergingen, doch dann schlug das Schicksal mit grausamer Härte zu. Alle achteten auf den ollen Schulz, nur ich behielt die Mädchen im Auge, schließlich wollte ich keinen Zwei-Fronten-Krieg riskieren. Und da geschah es: Cora sah gelangweilt rüber zu Danny, und der Idiot hatte sich nur Deckung in Richtung Lehrertisch verschafft. Coras Augen schwollen an, und ich ahnte das Unheil kommen.
Vorsorglich packte ich schon mal zusammen. Danny merkte, was ich vorhatte und motzte mich an.
„Du Lusche! Wir halten länger aus! Du …“
Das war´s. Coras Auftritt. Ich dachte, sie würde ihre Nachbarinnen heimlich informieren, aber nein …
„Daaaa …! Danny hat sein Ding draußen!“
Laut und deutlich. Besser: Sie kreischte. Alle fuhren zusammen und drehten sich um. Sogar Schulz. Und auch der liebe Danny fuhr zusammen. Zu seinem Pech in etwas unglücklicher Weise. Als er merkte, worauf Cora da starrte, klappte er in panischem Schreck den Atlas zu. Leider vergaß er, vorher das Lesezeichen herauszunehmen und klemmte sich das Ding zwischen Afrika und Südamerika ein.
„Aaauuuuuuhhhh!“
Schulz sprang auf. „Dannenberg!“, brüllte er. „Vorkommen! Zeigen Sie auf der Karte, wovon ich gerade gesprochen habe! Ein bisschen plötzlich!“
Danny jammerte. Ich fühlte mit ihm. Wir anderen Vier hatten natürlich längst alles wieder geordnet.
„Uhhhaarrgg!“ Danny litt sichtlich schwer. Ich meldete mich.
„Er kann nicht. Er hat … er hat sich eingeklemmt.“
Die Klasse grölte.
„Nun“, meinte Schulz, „er scheint mir keineswegs verklemmt zu sein. Stehen Sie sofort auf und bringen Sie den Zeigestock mit!“
Ich konnte nicht mehr, ich musste auch lachen. Ich fing an, hielt mir den Bauch und konnte nicht mehr aufhören. Bis ich Danny ansah.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht nestelte er an seiner Hose herum, mit der einen Hand hielt er den Atlas über die prekäre Stelle, mit der anderen versuchte er, die Sache zu einem unauffälligen Ende zu bringen. Dann stand er langsam auf, und unter dem vernichtenden Gekicher der Klasse warf er mir einen Blick zu, der mich auf der Stelle hätte töten müssen. Das Lachen erstarb mir auf den Lippen.
Aber er stand die Sache durch. Geschlagen, aber nicht gebrochen. Mit gebeugtem Rücken, eine Hand auf den Unterleib gepresst, legte er den übelsten Weg seiner bisherigen Laufbahn zurück, erreichte die Karte, zog den Zeigestock hervor (den echten!), richtete sich auf und knallte die Spitze auf Sibirien.
Es wurde ruhig in der Klasse. Schulz nickte langsam mit dem Kopf und hob anerkennend die Brauen.
„Exzellent, Herr Dannenberg. Genau da gehören Sie hin!“
Ich blende jetzt mal kurz zurück, damit ihr wisst, mit wem ihr es überhaupt zu tun habt. Und worum’s geht. Ich bin Mike. Mike back on stage. Das ist meinem Freund Danny eingefallen, als ich unseren Englischlehrer Fiete ausgebremst hatte. Fiete flippte immer aus, wenn man nicht bei der Sache war. Da wir nie bei der Sache waren, flippte er eigentlich immer aus. Jedenfalls … Fiete fragte Danny die Vokabeln ab, Danny meinte, kann ich nich, darauf Fiete: Mit deinem Intelligenzquotienten hast du hier nichts zu suchen! Ich fand das nicht so richtig gut, also meldete ich mich und äußerte mich etwa so:
„Das finden Sie wohl sehr witzig?!“
Daraufhin gewann die Farbe Rot in seiner Birne die Oberhand, und ich handelte mir einen Brüllanfall der Stärke 12 ein. Als Fiete einmal Luft holen musste, raunte mir Danny von hinten zu: „Hey, danke! Mike back on stage!“
Na ja, auf die Bühne zurück musste ich oft, schließlich fiel ich ebenso oft von ihr runter. Aber egal, so ist das Leben nun mal.
Es gab nur eins, was mich in der Schule magisch angezogen hat, und das war die letzte Bank. Okay, liebe ältere Mitbürger, Sie haben schon Recht, auf die letzte Bank gehören nur die miesesten Typen. Und an meinem Streben in diese Richtung erkennen Sie, dass ich genau zu denen gehörte. Wahre Intelligenz hält sich eben vornehm zurück.
Jedenfalls zog es mich am ersten Schultag im Humboldt-Gymnasium (wer ist dieser Humboldt eigentlich?) unwiderstehlich in die hintere rechte Ecke. Mein schon genannter bester Freund Danny war diesen magischen Kräften natürlich auch nicht gewachsen, und so fanden wir uns da wieder, wo die Schule so gerade noch zu ertragen war: Auf der letzten Bank.
Ich sah mich um. Die Klasse gefiel mir. Ungefähr so wie die Zimmer in Bonnies Ranch, unserer berühmten Irrenanstalt, oder die Apartments im Knast in der Seidelstraße.
Das Ganze sah aus wie ein hohler, grauer Würfel, farblich fein abgestimmt mit einem grünen Fleck an der Wand, auch als Tafel bekannt. Dazu fünfzehn braune Folterbänke. Je eine für zwei der dreißig Gefangenen, die hier zu sieben Jahren lebenslänglich verurteilt waren.
An einem dieser Tische saß ich nun und überlegte mir, wie ich die verdammten 2555(!) Tage überleben sollte, als Danny mich anstieß.
„Hey, sieh mal!“
„Was is’n?“
„Hier scheinen schon mehr Leute verreckt zu sein.“
Unser Tisch hatte wohl schon so manches Jahr geduldig ertragen müssen, denn eine kleine Heerschar von Schülern hatte sich auf ihm verewigt. Ehrfürchtig las ich:
Englisch ruhe in Frieden, Amen
Humboldt inhumanum est
Tom liebt Martina
Immerhin schien es auch wahrhaft tiefe Liebe in dieser Anstalt zu geben. Danny zückte seinen Kugelschreiber und ritzte dazu:
Danny und Micha, am Beginn einer langen Irrfahrt
Ich hatte auch eine Idee und schrieb:
Latein ist Kotze mit Stückchen
Das Gemurmel in der Klasse schwoll langsam an. Wie das in dem Alter so ist, man hält sich nicht lange mit Förmlichkeiten auf. Zehn Minuten zuvor noch war jeder vom anderen erbarmungslos angeglotzt und abgeschätzt worden. Doch das alles schien nun schon wieder Ewigkeiten her.
Als er dann hereinkam und die Tür recht heftig hinter sich zumachte, war, glaube ich, jedem von uns klar, dass aus diesen dreißig zufällig zusammengewürfelten kleinen Teufeln eine eingeschworene Bande werden würde.
Herr Mackuth legte seine schweinslederne Aktenmappe auf den Lehrertisch und musterte uns. Wie es mir schien, vergingen mindestens zehn unbehagliche Minuten, in denen er jeden einzelnen von uns derart intensiv anschaute, dass wir alle erstmal wieder ein paar Zentimeter kleiner wurden.
„Guten Morgen.“
Nach der vorangegangenen Stille zuckte ich richtig zusammen. Der hatte genau die richtige Stimme, jedenfalls vom Standpunkt des Lehrers aus. Nicht zu leise, nicht zu laut. Ein wenig schneidend, Aufmerksamkeit heischend. Mir war sie schon nach diesen beiden Wörtern nicht sympathisch, schien sie doch geradezu perfekt zu seinem Äußeren zu passen. Er besaß die klassische Lehrergestalt: Besenstielverstärkter Rücken mit einem Kreuz aus Eisen. Auch wenn er auf einem Stuhl saß, hatte man den Eindruck, dass er einen um mindestens zwei Meter überragte. Er besaß schütteres, schwarzes Haar, das er außerhalb der Schule stets mit einer Art Melone verdeckte. Niemals ging er draußen ohne Mantel, Schal und Hut. Ein bisschen antiquiert, dessen war er sich wohl bewusst. Aber er stand über den Dingen.
Seine Augen sahen mich genau in dem Moment an, als ich seine dämliche Krawatte bemerkte. Diese Augen passten nicht in das Bild, das ich mir voreilig gemacht hatte. Sie waren von hellblauer, klarer Farbe. Sie machten ihn menschlich. Ein Unding!
Ein ganz leichtes, unmerkliches Grinsen zog sich um seine Mundwinkel, und als ich merkte, dass es mir galt, war es schon zu spät. Ich bekam einen Kopf wie eine reife spanische Tomate. Südspanien, wohlgemerkt.
Er überging es, und ich verankerte in meinem Kopf, dass irgendwo in diesem Lehrer noch ein Schüler stecken musste, der die andere Seite kannte. Aber ich sollte diesen Gedanken über viele Jahre hinweg nahezu begraben, denn genau der Punkt, dass er uns nämlich verdammt gut kannte, machte ihn unschlagbar.
Es wurde ernst.
„Nun, ich denke, es wird euch genauso interessieren wie mich, mit wem wir es zu tun haben. Ich schlage vor, wir machen uns Namensschilder und stellen sie vor uns auf den Tisch. Das macht es für den Anfang leichter, den anderen anzusprechen.“
Gesagt, getan. Er baute auf seinem Tisch ein überdimensionales Namensschild auf: Teja Mackuth. Weder seinen Vor- noch seinen Nachnamen habe ich später in meinem Leben jemals wieder gehört.
Man konnte es eigentlich kaum glauben, wenn man sich die Leute so ansah, aber schreiben konnten sie tatsächlich alle schon. Und es sollten gerade einmal zwei, drei Minuten vergehen, schon waren dreißig käsige Schülergesichter mit Namen versehen.
Merkwürdig, wie doch ein Name bisweilen ein Leben lang die Eigenschaften der ihm zugehörigen Person widerzuspiegeln scheint. Ich persönlich bekomme Ausschlag bei Sophie, denn die Sophie, die mir gegenüber saß, hat mich nie abschreiben lassen. So was prägt fürs Leben.
Aber kommen wir zu den Namensschildern und den dahinter sitzenden Gestalten. Jedenfalls zu denen, die ich noch vor mir sehe.
Beginnen wir mit den Mädchen, so wie es sich gehört. Nicht, dass ich damals schon nach den Damen geschielt hätte … hmm, jedenfalls an diesem ersten Tag noch nicht. Das kam erst einige Zeit später. Aber das gehört hier nicht her.
Jedenfalls, ich las die Namen und schaute mir die Mädchen an. Runa und Selina. Ein seltsames Gespann. Runa passte nicht gerade als Model in die Teenie-Seiten vom Quelle-Katalog, aber sie sollte sich als die bei weitem intelligenteste herausstellen. Und nicht nur das, sie besaß ein großes Herz. Selina war ein unscheinbares Mädchen, sie fiel weder nach der guten noch der schlechten Seite auf. Sie und Runa waren unzertrennlich.
Die beiden Maries waren etwas frühreife Dinger, die unseren jungen Referendar Schulz so manches Mal mit ihren breiten Gürteln, die sie als Miniröcke bezeichneten, vom Thema abbrachten. Aber ansonsten waren sie in Ordnung.
Cora und Angelique. Tja, die Angelique. Die hatte sich den Biologieunterricht so zu Herzen genommen, dass sie in der zehnten Klasse als Mutter abging. Das Leben ist eben die beste Schule.
Und die Cora … ja, Cora war so etwas wie der heiße Feger der Klasse. Als sie Kevin Gläßel den ersten Kuss gab, wären wir anderen Jungs beinahe geschlossen vom Dach gesprungen. Aber sie hat’s wieder gut gemacht. Später kam jeder mal dran.
Die vorhin schon beschriebene Sophie und Lena. Zwei wie Tag und Nacht. Sophie war die Prima der Klasse, das muss man ihr lassen. Aber als Kumpel kann man sie nicht bezeichnen, denn sie ließ mich nie abschreiben. Außerdem spielte sie Blockflöte, und ich glaube, auch Klavier. Aber daran will ich mich nicht erinnern, brrrr ...! Doch sie sah super aus. Die unnahbare Schöne.
Die Lena war das genaue Gegenteil. Ein Mädchen zum Pferdestehlen und zudem eine recht erfahrene Frau. Sie hatte schon eine oder zwei Ehrenrunden gedreht …
Karina und Jana. Jana war meine erste große Liebe. Davon erzähl ich aber nichts. Das wäre mir doch eher unangenehm. Vielleicht später, solltet ihr keine Ruhe geben. Aber nur vielleicht …
Und die Karina. Jaaahh … die Karina war zwar recht klein, doch das glich sie durch ihre enorme Anziehungskraft aus. Sie hatte nämlich einen gewaltigen Busen. Aber das interessiert hier natürlich niemanden.
Kommen wir zu den Kerlen. Danny war und ist mein bester Freund. Wer einen besten Freund hat, dem brauche ich nicht zu erzählen, was das bedeutet. Zu unserer unzertrennlichen Clique gehörten noch Jörg, ein lieber Kerl mit guten Manieren, der schon damals mit Paragrafen um sich warf (er ist tatsächlich Anwalt geworden), Mathe, der alle Mädchen und Frauen Deutschlands mit Vor- und Nachnamen sowie die dazugehörigen Augen-, Haarfarben und Oberweiten kannte, und unser Freund Elle, der mit wallender Haarmähne und Hosenträgern bis heute intelligent und wild zugleich ist.
Außerhalb dieser Clique erinnere ich mich an zwei Kevins. Einen dummen dicken und einen kleinen schlauen (der mit dem ersten Kuss!).
Wieland war, wie der Schüler so sagt, ein Streber, aber auch ein Pfundskerl.
Dann sehe ich Tom und Hendrik vor mir. Tommy hatte eine Frisur wie der Struwwelpeter (echt!). Das war ein verschmitzter Kerl, da passten Aussehen und Charakter wirklich zusammen. Und Hendrik hätte sein Bruder sein können, nicht gerade äußerlich, aber der hatte auch ein paar der schärfsten Sprüche drauf …
Ein weiterer Tom und André gehörten damals auch zu meinen guten Freunden. Über ihre schulischen Leistungen sprechen wir lieber nicht, aber das soll ja hier auch nicht Thema sein, sonst … hmm … müsste ich ja auch über meine reden. Und das muss ja nun wirklich nicht sein.
Phillipp war ein unscheinbarer Mensch. Wegen seines Aussehens und seiner dicken Brille wurde er oft gehänselt. Aber ich weiß nicht, warum niemand mit ihm auskam, ich hab mich öfter mit ihm getroffen.
Joe und Alexander sind die letzten, die ich deutlich vor mir sehe. Joe war ein super Sportler und ein kleiner Frauenheld. Ich muss zugeben, er sah auch fast so gut aus wie ich. Und Alexander war ein wohlgenährtes, lustiges Kerlchen. Der hatte immer zwei rote Bäckchen wie der kleine Junge von der Zwiebackreklame.
So, jetzt reicht’s. Ich fand die Beschreibungen von Leuten und Landschaften (uäärrggsss … noch schlimmer!)
