Beschreibung

Paris zu Zeiten Ludwigs des XIV. Eine grausame Mordserie überschattet die Stadt. Opfer sind wohlhabende Bürger, die Polizei ermittelt zunächst in Richtung Raubmord. Aber auch die Schriftstellerin Madeleine de Scudéry ermittelt - und kommt zu einem überraschenden Ergebnis. "Das Fräulein von Scuderie" gilt als erste deutsche Kriminalnovelle (1819/1821) und die Protagonistin als Ahnherrin aller weiblichen Detektive. In der Novelle findet sich der für E. T. A. Hoffmann typische Konflikt zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, zwischen friedlicher Außenwelt und düsterer, schicksalhafter Innenwelt. Enthält eine Kurzbiografie und ein Glossar.

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Seitenzahl: 123

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Inhalt

DAS FRÄULEIN VON SCUDERI

E. T. A. Hoffmann

E. T. A. HOFFMANN:

DAS FRÄULEIN VON SCUDERI

Eine Erzählung aus dem Zeitalter Ludwigs XIV.

In der Straße St. Honoré war das kleine Haus gelegen, welches Magdaleine von Scuderi1, bekannt durch ihre anmutigen Verse, durch die Gunst Ludwigs XIV.2 und der Maintenon3, bewohnte.

Spät um Mitternacht – es mochte im Herbste des Jahres 1680 sein – wurde an dieses Haus hart und heftig angeschlagen, dass es im ganzen Flur laut widerhallte. – Baptiste, der in des Fräuleins kleinem Haushalt Koch, Bedienten und Türsteher zugleich vorstellte, war mit Erlaubnis seiner Herrschaft über Land gegangen zur Hochzeit seiner Schwester, und so kam es, dass die Martiniere, des Fräuleins Kammerfrau, allein im Hause noch wachte. Sie hörte die wiederholten Schläge, es fiel ihr ein, dass Baptiste fortgegangen und sie mit dem Fräulein ohne weitern Schutz im Hause geblieben sei; aller Frevel4 von Einbruch, Diebstahl und Mord wie er jemals in Paris verübt worden, kam ihr in den Sinn, es wurde ihr gewiss, dass irgend ein Haufen Meuterer5, von der Einsamkeit des Hauses unterrichtet, da draußen tobe, und eingelassen ein böses Vorhaben gegen die Herrschaft ausführen wolle, und so blieb sie in ihrem Zimmer zitternd und zagend und den Baptiste verwünschend samt seiner Schwester Hochzeit. Unterdessen donnerten die Schläge immer fort, und es war ihr, als rufe eine Stimme dazwischen: „So macht doch nur auf um Christus willen, so macht doch nur auf!“ Endlich in steigender Angst ergriff die Martiniere schnell den Leuchter mit der brennenden Kerze und rannte hinaus auf den Flur; da vernahm sie ganz deutlich die Stimme des Anpochenden: „Um Christus willen, so macht doch nur auf!“ „In der Tat“, dachte die Martiniere, „so spricht doch wohl kein Räuber; wer weiß, ob nicht gar ein Verfolgter Zuflucht sucht bei meiner Herrschaft, die ja geneigt ist zu jeder Wohltat. Aber uns vorsichtig sein!“ – Sie öffnete ein Fenster und rief hinab, wer denn da unten in später Nacht so an der Haustür tobe und alles aus dem Schlafe wecke, indem sie ihrer tiefen Stimme so viel Männliches zu geben sich bemühte, als nur möglich. In dem Schimmer der Mondesstrahlen, die eben durch die finstern Wolken brachen, gewahrte sie eine lange, in einen hellgrauen Mantel gewickelte Gestalt, die den breiten Hut tief in die Augen gedrückt hatte.

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