Das Geheimnis des Raben - Karin Hagemann - E-Book

Das Geheimnis des Raben E-Book

Karin Hagemann

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Beschreibung

Den Kunstfälschern auf der Spur Fritzi und Klara betrachten das Bild ganz genau. Die rotgestrichenen Wände des Hotels fallen sofort ins Auge. Zwei schwarze Zimmertüren sind erkennbar, die eine trägt die Nummer Zwölf. »Keine Menschenseele auf dem Bild«, stellt Klara enttäuscht fest. »Doch, sieh mal, da flüchtet jemand.« Fritzi zeigt auf die Hoteltreppe, auf der gerade noch ein Schuh zu sehen ist. »Das ist der Täter«, haucht Klara. Ein spannender Kinderkrimi mit Tempo und Humor – entstanden in Zusammenarbeit mit dem Städel Museum, Frankfurt am Main

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Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Karin Hagemann

Das Geheimnis des Raben

Roman

 

 

Mit Vignetten von Franziska Harvey

Über dieses Buch

 

 

Den Kunstfälschern auf der Spur

 

Fritzi und Klara betrachten das Bild ganz genau. Die rotgestrichenen Wände des Hotels fallen sofort ins Auge. Zwei schwarze Zimmertüren sind erkennbar, die eine trägt die Nummer Zwölf. »Keine Menschenseele auf dem Bild«, stellt Klara enttäuscht fest. »Doch, sieh mal, da flüchtet jemand.« Fritzi zeigt auf die Hoteltreppe, auf der gerade noch ein Schuh zu sehen ist.

»Das ist der Täter«, haucht Klara.

 

Ein spannender Kinderkrimi mit Tempo und Humor – entstanden in Zusammenarbeit mit dem Städel Museum in Frankfurt

 

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.fischer-sauerlaender.de

Biografie

 

 

Karin Hagemannwurde 1959 in Bokel, nahe Bremen, geboren. Sie studierte Deutsch und Französisch und beschloss nach dem ersten Staatsexamen, ihre notorische Neugier zum Beruf zu machen: Sie wurde Journalistin. Heute arbeitet sie als politische Redakteurin einer Fernsehproduktionsgesellschaft. Sie lebt mit ihrem Sohn in Berlin-Charlottenburg.

Im Programm der Fischer Schatzinsel sind von ihr bereits die Bücher ›Die siegreichen 7 - Einsatz für den Joker‹ und ›Die siegreichen 7 - Volltreffer für Tom‹ erschienen.

 

Franziska Harvey, geboren 1968, studierte Illustration und Kalligraphie und arbeitet als freie Illustratorin für verschiedene Verlage und Agenturen. Sie lebt mit ihrer Familie in Frankfurt am Main.

Impressum

 

 

Fischer Schatzinsel ist das Kinder- und Jugendbuchprogramm der S. Fischer Verlage

www.fischerschatzinsel.de

 

© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2011

Covergestaltung: Buchholz/Hinsch/Hensinger

Coverabbildung: Franziska Harvey

Die farbige Wiedergabe des Hotelflur von Auguste Chabaud erfolgt mit freundlicher Genehmigung der VG Bild-Kunst: © VG Bild-Kunst, Bonn2011

 

Nach den Regeln der neuen Rechtschreibung

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-401541-5

 

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Hinweise des Verlags

 

 

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Auguste Chabaud (1882–1955)

Hotelflur, 1907/08

 

Öl auf Karton, 105 x 76cm

Städel Museum, Frankfurt am Main

Leihgabe aus Privatbesitz

Für Paul

Prolog

Hier haben die Wände Ohren. Sie kann auch in dieser Nacht keinen Schlaf finden.

Im Zimmer nebenan streiten ein Mann und eine Frau. Sie beschimpfen und beleidigen sich aufs Gemeinste. Plötzlich ertönt ein lauter Knall. Hat jemand eine Tür zugeschlagen?

Es gruselt sie in diesem Hotel, in dem sie tagsüber keine Menschenseele gesehen hat. Ihr ist zum Heulen zumute. Sie fühlt sich ganz allein. Ihre Tochter fehlt ihr so sehr. Und sie sehnt sich nach ihrem Mann.

Hat sie das Richtige getan?

Unruhig wälzt sie sich im Bett hin und her. Dieses Hotel sollte ihr Zufluchtsort sein. Doch es ist alles andere als ein Zuhause. Es raubt ihr den Schlaf und den Nerv. Es zieht das Elend an. Die Einsamkeit. Und das Verbrechen.

Sie werden sie auch hier finden. Früher oder später.

Sie muss hier weg. So schnell wie möglich.

Der Krimiwettbewerb

Er wird sie mir nie schenken, niemals«, erklärt Fritzi ihrer besten Freundin traurig, als sie auf dem Pausenhof eine Runde drehen. »Er hat Angst, dass ich dann nur noch meine Musik im Kopf habe. Er meint, ich verbringe sowieso schon viel zu viel Zeit mit der Band.«

Fritzi spielt in der Schulband 4ever, und sie ist echt gut. Aber sie hat dort noch mit ihrer Akustikgitarre angefangen. Und das geht jetzt gar nicht mehr, findet Fritzi. Zumal Eddy, der zweite Gitarrist in ihrer Band, vor kurzem auch auf E-Gitarre umgestellt hat. Er hat sie da manchmal drauf spielen lassen: Das klingt sooo cool, schwärmt Fritzi. Sie braucht jetzt unbedingt auch eine eigene E-Gitarre, mit Verstärker versteht sich. Wie soll das sonst auch in der Band gehen?

»Warum wünschst du sie dir nicht einfach zum Geburtstag?«, fragt Klara und streicht ihr Hängerkleidchen glatt, das sie am liebsten zu ihren Leggins trägt. »Du wirst doch bald elf. Da kann er doch nicht nein sagen.«

»Da kennst du aber meinen Vater schlecht. Der hat seine Prinzipien, sagt er jedenfalls immer«, berichtet Fritzi. »Und wenn er einmal nein gesagt hat, dann bleibt er auch dabei, schon von Berufs wegen.« Fritzis Vater ist nämlich Richter und ein sehr anerkannter dazu.

»Lach doch mal, Fritzi, sonst wird das kein schönes Foto«, fordert Klara die Freundin unvermittelt auf und zoomt ihr Gesicht groß heran. Die Digitalkamera, die Klara von ihrer Oma zum Geburtstag bekommen hat, ist der absolute Renner. Sie nimmt sie überall mit hin. Und heute hat sie sogar einen guten Grund dafür, denn sie braucht sie für den Kunstunterricht. Sie sollen Porträtaufnahmen machen.

»Mensch, Klara, das nervt.«

»Wenn mein Vater nein sagt und etwas nicht erlaubt, dann gehe ich zu Mam.« Als wäre nichts gewesen, setzt Klara ihr Gespräch fort. Soll sie die schlecht gelaunte Fritzi knipsen? Ach, nee, das ist nicht gut. »Neulich zum Beispiel, da hat Paps verboten, dass ich mir eine CD kaufe. Und weißt du was? Mam hat’s erlaubt.«

»Ich hab leider keine Mutter, die ja sagen könnte«, sagt Fritzi und schaut noch trauriger drein. Sie lebt allein mit ihrem Vater, seit ihre Mutter die Familie von einem Tag auf den anderen verlassen hat. Und das ist nun schon so lange her, dass sich Fritzi gar nicht mehr an sie erinnern kann. Deshalb hat sie sie eigentlich nie wirklich vermisst. Nur jetzt beneidet sie Klara ganz arg.

Plötzlich fällt Klara ein, was ihre Mutter am Morgen in der Zeitung gelesen hat. »Mach doch einfach bei dem Krimiwettbewerb mit.« Sie steckt ihre Digikamera in ihren Schulranzen. Heute wird das nichts mehr mit fröhlichen Fritzi-Fotos.

»Krimiwettbewerb?«

»Ja, du schreibst einen Kurzkrimi, der sich um ein Bild dreht – das ist die Bedingung –, und mailst ihn an die Zeitung. Der beste bekommt fünfhundert Euro.«

»Wow, fünfhundert Euro?«, staunt Fritzi, deren Laune sich schlagartig bessert. Dann könnte sie sich die E-Gitarre locker leisten.

»Fünfhundert Euro, wofür?«, will Babs wissen, die zufällig mit ihrer Girlie-Clique an Klara und Fritzi vorbeikommt. Fritzi kann Babs nicht leiden, die immer die teuersten Klamotten trägt und alle, die sich nicht so stylen wie sie, von oben herab behandelt.

»Das ist der erste Preis eines Krimiwettbewerbs in der Zeitung«, erzählt Klara. »Alle zwischen zehn und vierzehn Jahren können da mitmachen. Allerdings musst du dich auf den Weg ins Museum machen.«

»Museum?«, fragt Babs irritiert. »Bloß nicht. Bei mir zu Hause hängt schon so viel Kunst rum, that’s too much.«

»Ja, Museum. Der Krimi soll von einem Bild handeln«, antwortet Klara. »Und es sind nur noch ein paar Tage Zeit.«

»Na, dann, come on, Fritzi, du bist doch gut in Aufsätzen, und das Geld könntest du auch gebrauchen, um endlich mal neue Klamotten zu kaufen. Wie du immer rumläufst! Absolutely unstylish.« Seit Babs mit ihren Eltern in London war, flicht sie ab und zu englische Wörter ein. Ob es passt oder nicht. Meistens passt es nicht. Sie schaut Fritzi abschätzend von oben bis unten an und rümpft die Nase. Ihre Girlie-Freundinnen kichern.

Das ist nicht das erste Mal, dass Babs sich über Fritzis Kleidung lustig macht. Sie würde ihr so gern eine gepfefferte Antwort auf diese Unverschämtheit geben. Aber das ist das Problem: Immer, wenn Fritzi so herablassend von Babs behandelt wird, schnürt ihr die Wut die Kehle zu, und sie kriegt keinen Ton mehr heraus. Auch wenn sie sonst überhaupt nicht auf den Mund gefallen ist und ganz schön mutig, wie Klara sagt, aber Babs schafft es immer wieder, dass sie sich neben ihr wie ein hässliches Entlein neben einem stolzen Schwan fühlt. Und deshalb verstummt. Wütend stampft Fritzi mit dem Fuß auf. Sie dreht sich so abrupt um, dass ihre lässige Häkelmütze, die sie so gut wie nie absetzt, durch den Schwung fast vom Kopf gerutscht wäre. Wortlos stapft sie Richtung Schulgebäude davon. Klara kann kaum mit ihr Schritt halten.

Schwer erziehbarer Vater

Als sie von der Schule nach Hause kommt, ist ihr Vater bereits da. Wann immer es geht, legt er seine Mittagspause so, dass er Fritzi bekochen kann. Und er kann gut kochen, ihr Vater, das weiß Fritzi sehr zu schätzen. Auch jetzt duftet es wieder ausgesprochen lecker.

»Was gibt’s heute?«, fragt Fritzi, die einen Mordshunger hat.

»Guten Tag, liebe Fritzi. Ich hoffe, du hattest einen schönen Schultag. Es gibt Quiche lorraine«, antwortet ihr Vater, der sehr viel Wert auf Höflichkeit und gute Umgangsformen legt, und schiebt ein Stück von der Quiche auf ihren Teller, auf dem bereits Salat liegt. Die Serviette hat er neben dem Teller platziert.

»Hallo, Kalli.« Fritzi nennt ihren Vater beim Vornamen. Eigentlich heißt er Karl-Ludwig, aber das klingt zu streng, findet Fritzi. Noch bevor sie sich setzen kann, entdeckt ihr Vater das Loch in ihrer Jeans.

»Was ist das?«, fragt er und setzt seine strenge Richtermiene auf. Er hat eben seine Prinzipien, denkt Fritzi. Und einen unterirdischen Modegeschmack. Da gibt es immer wieder Streit. Aber eigentlich ist er ja herzensgut, ihr Kalli, findet Fritzi. Und sie kann mit ihm über alles reden. Wirklich. Nur bei einem Thema weicht er aus und lässt sich auf keine Diskussion ein. Wenn es um ihre Mutter Sally geht nämlich. So weiß Fritzi bis heute nichts über ihre Mutter. Das ist eine ungute Geschichte, lässt Kalli sich allenfalls entlocken. Später, wenn du erwachsen bist, erzähle ich sie dir. Mehr sagt er dazu nicht. Lang hat sich Fritzi mit dieser Erklärung zufriedengegeben.

Sie schaut an sich herunter: »Ein Loch. Das sieht man doch.«

»Da habe ich doch erst gestern einen Flicken draufgenäht. Wo ist der geblieben? Angeklagte: Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?« Huch, wenn er so streng über seine Lesebrille schaut, kann sich Fritzi gut vorstellen, dass die schweren Jungs, mit denen es ihr Vater vor Gericht zu tun hat, weiche Knie bekommen. Und wenn er dann noch seine schwarze Richterrobe trägt, dann ist er die absolute Autorität. Fritzi durfte ihren Vater schon mehrfach zu Prozessen begleiten.

»Der hat leider nicht viel ausgehalten, Kalli. Schwupps war er wieder futsch«, Fritzi beißt mit Appetit in die Quiche. Hmm, mit Lauch und Schinken darin, das mag sie besonders gern. Und das mit dem Flicken ist nicht mal gelogen, der ließ sich wirklich ganz leicht mit der Schere wieder rausschneiden.

»Angeklagte: Nachlässige Kleidung kann zu Ihrem Nachteil ausgelegt werden, das wissen Sie wohl zu gut.« Ihr Vater kann es nicht leiden, wenn sie so in die Schule geht, wie sie es am liebsten tut: in Lochjeans und engem T-Shirt. Nur dass sie sich beharrlich weigert, ihre Häkelmütze abzusetzen, damit hat er sich abgefunden. »Mildernde Umstände könnte es geben, wenn Sie die Jeans sofort wechseln.«

»Ohne meinen Anwalt sage ich hier gar nichts mehr«, erklärt Fritzi und schiebt sich genüsslich das letzte Stück Quiche in den Mund. »Hmm, Kalli, das schmeckt super. Gibt’s auch Nachtisch?«

Ihr Vater seufzt. »Ich muss gleich noch mal ins Büro. Wenn du später noch weggehen solltest, ziehst du dich bitte um, versprochen?«

»Versprochen, Kalli«, antwortet Fritzi und kreuzt schnell die Finger hinter ihrem Rücken.

Ein Mord auf jedem Bild

Klara klingelt Sturm. Nach einer gefühlten Ewig- keit reagiert Fritzi endlich und lässt die Freundin in die Wohnung.

»Bist du schwerhörig? Ich stehe schon seit mindestens zehn Minuten vor der Tür«, schimpft Klara und schüttelt ungeduldig ihre blonde Mähne.

»’tschuldige, wenn ich Musik mache, kann die Welt untergehen, ich würd’s nicht merken. Möchtest du auch etwas zu trinken?« Klara nickt, und Fritzi holt zwei Gläser Wasser aus der Küche.

»Du hast doch eine schöne Gitarre.« Klara nimmt das gute Stück prüfend in die Hand.

»Für den Anfang war die auch ganz okay, als ich noch allein in meinem Zimmer geübt habe. Aber damit kann ich doch jetzt nicht mehr in einer Band spielen. Die anderen lachen sich tot darüber. Die hat einfach keinen guten Klangkörper. Ich brauche jetzt eine richtige Gitarre, eine E-Gitarre eben.«

»Gehen wir los?«, fragt Klara und stellt ihr Glas auf Fritzis Schreibtisch ab.

Fritzi schaut sie verständnislos an: »Wohin?«

»Hast du schon vergessen? Wir sind fürs Museum verabredet.«

Fritzi schlägt sich mit der Hand an die Stirn, wo hat sie nur ihren Kopf? Stimmt ja, der Bilderkrimi! Schnell packt sie Schreibblock und Stift in ihre Umhängetasche und los geht’s. Auf ins Städel Museum. Die letzten Meter über den Holbeinsteg rennen die beiden Freundinnen um die Wette.

~ * ~

»Das ist ideal: Da wurde ein Rebhuhn ermordet«, erklärt Klara, als sie auf der Suche nach einem Bild für den Krimi durch die Ausstellungsräume streifen und ihr Blick von einem Stillleben angezogen wird. »Wer war der Mörder? Und was hat das arme Rebhuhn ihm getan?«

»Einen Mord aus Habgier können wir ausschließen«, folgert Fritzi. »Das Rebhuhn hatte keine großen Reichtümer angehäuft.«

»War es Eifersucht?«, fragt Klara und schaut sich das Bild näher an. »Wem war das Rebhuhn ein Dorn im Auge? Warum musste es aus dem Weg geräumt werden? Geh mal bitte aus dem Bild, Fritzi. Ich muss den Tatort fotografieren.« Klara hat ihre Digitalkamera nicht vergessen. Zum Glück, denkt sie, hier gibt es ja so viele spannende Motive.

Doch kaum hält sie ihre Kamera in der Hand, steht schon ein aufgeregter Mann von der Museumsaufsicht neben ihr und raunzt sie in tiefstem Hessisch an: »Ey, horsche mal, Fräulein, biste dann von alle gude Geistern verlasse odä was?«

Irritiert schaut Klara ihn an: »Darf man hier nicht fotografieren?«

»Ach, es is ohne Blitz, deswesche geht’s nadirlisch doch. Dann mache mal e schee Bildschän.« So schnell wie er sich aufgeregt hat, regt sich der Mann auch wieder ab. Nachdem er sich davon überzeugt hat, dass Klara ohne Blitz fotografiert, trollt er sich wieder. Die beiden Freundinnen zucken mit den Schultern und nehmen ihre Ermittlungen wieder auf.

»Es war kein Mord. Das arme Rebhuhn ist von der herunterfallenden Birne erschlagen worden. Es muss ein Unfall gewesen sein«, erläutert Fritzi und deutet auf die Birne, die neben dem Huhn aufrecht steht. »Oder nein: Es sah keinen Sinn mehr in seinem Rebhuhnleben. Und hat sich erhängt, da ist ja noch der Strick um den Hals gewickelt.«

»Unfall? Erhängt? Nee, nee, nee, das kann nicht sein. Dann wäre das Genick gebrochen, aber kein Blut geflossen. Aber da ist überall Blut auf dem Gefieder. Es war Mord.« Klara bleibt bei ihrer These und fotografiert nun den Titel des Bildes, Stillleben mit Rebhuhn und Birne, von Jean-Baptiste-Siméon Chardin. »Wir dürfen den Täter auf keinen Fall ungestraft davonkommen lassen.«

»Ja, ja, Frau Staatsanwältin, erheben Sie ruhig Anklage. Aber guck mal, Klara. Das ist doch interessant da drüben. Das ganze Bild ist ja blutrot. Wenn da kein Verbrechen passiert ist, heiß ich ab sofort Friederike.«

»Aber du heißt doch Friederike.« Klara schaut ihre Freundin verständnislos an.

»Nur auf dem Papier. Für Freunde immer noch: Fritzi. – Was könnte hier passiert sein, Klara? Hier auf diesem …« Fritzi wirft einen Blick auf den Titel des Bildes, »… Hotelflur«.

Sie setzen sich auf eine Bank vor dem Bild und versuchen, die Einzelheiten zu erkennen. Klara betrachtet den Hotelflur durch ihr Kameraauge. Mit dem Zoom kann sie die Details ganz nah heranholen. Die rotgestrichenen Wände und die roten Teppichläufer fallen sofort ins Auge. Zwei schwarze Zimmertüren sind erkennbar, die eine trägt die Nummer Zwölf.

»Da steckt noch der Schlüssel von außen«, fällt Klara auf, die schnell auf den Auslöser drückt.

»Ja, und da, unter der Tür, ein Lichtschein«, ergänzt Fritzi.

»Ist das da ein Totenkopf?«, fragt Klara und deutet auf die zweite Zimmertür. Klick, schon wieder schießt sie ein Foto.

»Gut möglich«, stimmt Fritzi zu.

»Es gibt keine Menschenseele auf dem Bild«, stellt Klara enttäuscht fest.

»Hm«, Fritzi tritt ganz nah an das Bild heran. »Doch, sieh mal, da flüchtet jemand.« Und sie zeigt auf die Hoteltreppe, auf der noch ein Schuh und ein Hosenbein zu sehen sind.

»Das ist der Mörder«, haucht Klara, die neben Fritzi getreten ist und wie gebannt vor dem Bild steht. »Er ist entkommen, aber seinen Fuß halt ich fest.« Erneut zückt Klara die Kamera: klick, klick, klick. »Wer hat das eigentlich gemalt? Auguste Chabaud«, liest sie vor. »Nie gehört.« Jetzt zoomt sie mit der Kamera auf Fritzi, die bereits eifrig in ihrem Block notiert. »Und Fritzi, welches Drama hat sich hier abgespielt?«

»Madame Claudette ist in dem Hotel untergetaucht. Sie ahnt, dass ihre Verfolger ihr dicht auf dem Fersen sind. Früher oder später werden sie sie finden. Sie hat unter falschem Namen eingecheckt und verlässt nur selten das Zimmer. Henri, der Portier, muss ihr alles in den ersten Stock bringen. Madame Claudette hat viele Wünsche: Rote Grütze zum Frühstück, Champagner zum Mittag und Sahnetorte zum Abendessen. Für Henri ist Madame Claudette eine Nervensäge mit ihren vielen Extrawürsten. Bis er den Diamanten entdeckt, den sie um den Hals trägt. Zu spät bemerkt Madame Claudette den gierigen Blick des Portiers …« Fritzi trägt den Anfang ihrer Geschichte mit viel Betonung vor.

»Das macht Lust auf mehr«, erklärt Klara ganz begeistert. »Hat der Portier sie etwa …?« Statt es auszusprechen, macht Klara eine schnelle Handbewegung, als würde sie sich die Kehle durchschneiden.

»Tja, ist Madame Claudette überhaupt tot? War es Henri, oder waren es ihre Verfolger? Oder hat Madame Claudette am Ende selbst jemanden … krrrkkkk?« Fritzi ahmt Klaras Handbewegung nach.

»Sollen wir noch ein paar Bilder anschauen, bevor wir wieder gehen?«, schlägt Klara vor.

»Klar«, stimmt Fritzi zu, die ihre Sachen kurzerhand auf der Bank vor dem Chabaud-Gemälde ablegt. »Wir können doch auch ein Krimibild für dich suchen. Das da vielleicht.« Schon hat sie eines entdeckt. »Wie grausam, da wird ein Mann von fünf Männern in Schach gehalten. Und einer sticht ihm ein Auge aus. Iiiiiiiih.«