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Vor lauter Machen kommste zu Nix, außer du lässt es!!! Man steht sippenass im Regen, guckt aufs Handy und denkt sich: Komisch, die Wetter-App sagt, es ist trocken. Und man weiß: Man steckt fest. Alles ist eine einzige Feststeckung. Im Großen wie im Kleinen, im Alltäglichen wie im Außergewöhnlichen. Man kann machen, was man will, letztlich stellt man fest, meistens zu spät: Aha, man steckt fest. Und schon wieder kommt man zu nix. Um das Feststecken und das Nix unterhaltsam zu gestalten, gibt es dieses Buch. Komische Geschichten, Witziges, Skurriles, Beobachtungen, Betrachtungen und Belauschungen. Alles zur allgemeinen Erheiterung, wo auch immer man gerade feststeckt. Die Hauptsache ist: trocken lesen. Besser als nix.
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Seitenzahl: 257
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Für Lotta, Annette, Gerda und Ralf
Cover
Titelseite
Widmung
INHALT
VORWORT
WASSERSCHADEN UND EIBROT
WIE MAN SPRICHT
IMMER KAI DER ERSTE
DAS FROSCHORCHESTER
WURSTSALAT
DIE WASCHMASCHINE UND DER FERNSEHER
DAS GROSSE MUFFENSAUSEN
KÜNSTLICHES WOHNEN
BEI
DAS DERBY
NACHBAR MIT UMZUGSKISTE
BULLEN AUF DEM ZOOPARKPLATZ
DER MAGEN
DAS RANNDÄWU
DIE ÜBERWEISUNG
DERRICK
DIE LIEBESERKLÄRUNG MIT HAPPY END
DER BLUMENKOHL
DER MENSCH ALS AMT
DIE RAUM-ZEIT-VERSCHIEBUNG
IM ZOO
MUSSE GUCKEN, DATTE WEISS, WATTE TUS
ÖHM
KANNZE VERGESSEN!
PANHAS RHEIN-RUHR
SPIEGELEI oder PINSELEI IN ROM
DIE GULASCHSUPPE
LADEN ZU
DIE WELLENSITTICHENTFÜHRUNG
TU VON WECH
EINFACH MAL ANDERS
VERLEGT
LOCH IN DER STRASSE
DR. KARAOGLU
OMMAS SÄTZE
MIT THOMAS MANN IM ZUG
DAS GENIE STECKT FEST
DAS BÜGELEISEN
DAS SPRITZGEBÄCK
RABUMM BUMM BUMM
WEIHNACHTSÜBEREI
SOCKEN UND KRAWATTE
DIE WEIHNACHTSFEIER
WEIHNACHTEN MIT DER FAMILIE
Impressum
Alles ist doch oft eine einzige Feststeckung. Im Großen wie im Kleinen, im Alltäglichen wie im Außergewöhnlichen, im Aufgeblasenen wie im Entlüfteten, man stellt immer fest, meistens zu spät, besser gesagt, genau dann, wenn man schon feststeckt: Aha, man steckt fest.
Diese Einsicht ereilt einen fast täglich, mitunter sogar mehrmals am Tag, unter Umständen stündlich, oft so, dass man es gar nicht merkt. Aber keine Sorge: Wenn Sie es nicht merken sollten, merken es die anderen für Sie.
Meistens wird einem das eigene Feststecken von anderen Personen gerne mitgeteilt, was es aber nicht besser macht. Und um Ihnen das Feststecken unterhaltsamer zu gestalten, habe ich dieses Buch geschrieben, in dem Sie gerade lesen: Es ist eine Sammlung von Geschichten und Texten, Witzigem, Skurrilem, Beobachtungen, Betrachtungen, Belauschungen, also etwas zur allgemeinen Erheiterung, wo auch immer Sie gerade feststecken und das Buch lesen: im Sessel, auf dem Balkon, im Zug, auf dem Klo, im Bett … Wo es für Sie am schönsten ist, das Buch zu lesen. Und egal wo, schön, dass Sie es lesen! Das Buch hat es verdient. Und Sie auch. Wobei es fast nicht zu diesem Buch gekommen wäre, weil wieder irgendwo was feststeckte. Aber dass sich dann doch alles löste und das Buch so schön geworden ist, wie es ist, dafür hat das ganze Team von WortArt gesorgt, also Judith Ngo-Remy, die das Lektorat besorgt hat, Bernadette Joos und Elke Wolf, die das Korrektorat überwacht haben, und Alex Stelkens, der auf das große Ganze guckt. Ich danke euch sehr, dass dieses wunderschöne Buch da ist. Und dass das Buch so aussieht, wie es aussieht, dafür habe ich Heiko Sakurai und Dirk Rudolph zu danken. Und sowieso von ganzem Herzen danken möchte ich meinen Eltern Gerda und Ralf, meiner Frau Annette und unserer Tochter Lotta, ohne die sowieso alles nichts wäre. Danke, dass ihr immer da seid, wenn ich mal feststecke. Ansonsten möchte ich noch allen danken, auch denen, die ich vergessen habe, und allen anderen erst recht.
Und nun, bevor Sie vor lauter Machen zu nix kommen sollten: Stecken Sie lieber im Buch fest und lesen Sie. Lesen tut gut.
Viel Vergnügen!
Ihr Kai Magnus Sting
Es kommt immer was dazwischen. Und selbst, wenn schon was dazwischengekommen ist, kommt da auch noch was dazwischen.
Das ganze Leben ist eigentlich ein einziges Dazwischenkommen.
Man will was machen. Und dann passiert was, dass man was anderes macht, aber nicht das, was man machen will, dafür macht man was, was andere machen sollten, dafür kommt man nicht zu dem, was man eigentlich machen wollte, weil was dazwischengekommen ist.
Das nix ist, ist selten. Aber dass immer was ist, was eigentlich nicht sein sollte, das ist immer.
Ich wollt auch extra noch was abgenommen haben.
Wollt ich noch. Nicht zu gekommen.
Es hat aber auch zu gut geschmeckt …!
Hab ich zugenommen. Weil: Dafür muss ich nix tun, das geht von selber.
Bin auch nicht der Salat-Typ. Bin eher der Muss-schmecken-Typ.
Ich selber merke das gar nicht direkt, das mit dem Zugenommenhaben.
Ich arbeite seit einiger Zeit verstärkt mit Gummizug in der Buxe, das ist eine wahre Errungenschaft, da kneift nichts mehr. Und das meiste mache ich sowieso nur noch im Liegen, dann sehe ich auch meine Füße wieder, hat also alles Vorteile.
Aber ich bin mittlerweile so lange verheiratet, dass mir meine ständige Begleiterin Fotos von mir zeigt, um mir zu zeigen, wie ich mehr geworden bin.
Das ist so unsympathisch. Was für ein unangenehmer Charakterzug. Wenn ich sie nicht schon so lange kennen würde, ich wollte nichts mit ihr zu tun haben!
Und dann habe ich die Fotos von mir gesehen und hab gedacht: Also von hinten geht’s ja.
Also wirklich, von hinten: was für ein attraktiver Mann.
Wirklich. Von hinten? Was für ein attraktiver Mann.
Und dann hab ich ein Foto von mir von vorne gesehen, hab ich gedacht: Guck mal, alt ist er geworden, ja, richtig alt halt.
Aber wir waren letztens verabredet, also miteinander, also nicht wir mit anderen, sondern sie mit mir und ich mit ihr, und es gibt ja so fürchterlich unpünktliche Leute, das ist ja eine Pest. Unpünktliche Leute sind eine Zumutung. Und wir gehören genau dazu. Was sind wir oft … unpünktlich … schrecklich.
Wie oft liege ich bei mir zu Hause gemütlich auf dem Sofa, gucke auf die Uhr und denke: Guck mal, jetzt wärst du pünktlich.
Aber da komme ich gar nicht zu, pünktlich zu sein.
Und da waren wir letztens also miteinander verabredet, also sie mit mir und ich mit ihr, und obwohl ich diesmal fünf Minuten früher da war, stand sie schon da.
Sie stand da und ich sah, über die Distanz von ungefähr 50, 80 Metern, sah ich: Es ist schon wieder was.
Das sieht man ja, wenn was ist.
Und ich rufe, so über die Distanz von 50, 80 Metern, in aller Freundlichkeit und Liebe, rufe ich ihr entgegen: »Was ist denn jetzt schon wieder los?«
Und da sagt sie aus dem Nichts, das können nur Frauen, sagt sie: »Du watschelst.«
Was soll das denn?
Das ist eine absolute Unverschämtheit.
Man muss sich mal nur vorstellen, spaßeshalber, man ist abends bei Freunden verabredet, man geht zu Fuß dahin, die Frau geht vielleicht fünf oder sechs Meter vor einem und dann sagt man mal als Mann, auch so aus dem Nichts zur eigenen Frau: »Hömma, du watschelst.«
Das macht man als Mann ein einziges Mal, dann ist aber Feierabend. Da ist Ruhe im Karton für die nächsten drei Monate. Gut, kann auch eine Chance sein, anderes Thema.
Und sie sagt zu mir: »Du watschelst.«
Ich sag: »Verstehe ich nicht. Was willst du mir denn damit sagen?«
Sagt sie: »Im Alter wirst du immer mehr zur Ente.«
Unverschämtheit!
Und ich sag: »Und was soll mir das sagen?«
»Das wird billig.«
»Wie: Das wird billig?!«
»Wenn ich dich im Alter satt kriegen will, gehe ich einfach mit dir in den Park. Das, was du zugeschmissen kriegst, das ist für dich.«
Unverschämt!
Aber ansonsten geht’s von vorne. Also auf den Fotos.
Und dann habe ich mich von der Seite gesehen, also auf den Fotos, und dachte: Mein lieber Scholli! Der Winter kann kommen. Wenn sie mich jetzt in eine Höhle sperren würden, ich käme bis April.
Aber ich bin nicht zum Abnehmen gekommen.
Weil immer was war.
Letztens war auch wieder was.
Wir hatten einen Wasserschaden. Also nicht, dass wir nicht mehr ganz dicht sind. Es war was im Bad. Jetzt mag man meinen: Da gehört das Wasser ja auch hin.
Aber ich glaube, ich muss anders anfangen: Wir haben ja einen Wecker mit Schlummertaste.
Nein, falsch, nicht wir haben einen Wecker mit Schlummertaste. Sie hat einen Wecker mit Schlummertaste.
Ich brauche keinen Wecker. Mein Tag fängt an, wenn ich die Augen aufmache, dann habe ich Tag. Vorher habe ich gar keinen Tag.
Aber meine ständige Begleiterin hat einen Wecker mit Schlummertaste. Ich glaube, der Wecker mit Schlummertaste ist allein für die Frauen erfunden worden, damit die da so oft auf die Schlummertaste hauen können, bis sie sicher sein können, dass der Mann neben ihnen auch wach ist.
Bei ihr geht der Wecker um 6:30 Uhr. Dann haut sie dadrauf, dann geht der wieder um 6:38 Uhr, dann haut sie drauf, dann geht der um 6:46 Uhr, und dann ist meistens der Zeitpunkt erreicht, wo sie sieht: Aha, der Mann ist wach.
Und dann steht sie auf.
Ich lass sie auch meistens erst mal gehen. Das tut ihr morgens ganz gut, dann kann sie sich schon mal ein bisschen die Beine vertreten, wenn man Glück hat, macht sie noch ein Fenster auf Kipp, dann hat sie ein bisschen frische Luft, wenn man ganz viel Glück hat, macht sie sich noch einen Kaffee: Koffein, das schadet nicht.
Und letztens wollte ich mich gerade wieder ins Kissen kuscheln, da höre ich plötzlich aus dem Bad: »Aaaahhh!«
Also einen ganz lauten Schrei.
Und ich denk: Was ist denn jetzt schon wieder los?!
Kann nicht mal nichts sein?!
Wenn es wenigstens ein dumpfer Aufprall gewesen wäre, da hätte ich ja liegen bleiben können.
So aber kam ein akustisches Signal, da muss ich ja drauf reagieren.
Bin ich also aufgesprungen, aus dem Bett. Nach 20 Minuten.
Steht sie mitten im Bad und zeigt mit dem rechten Finger ihrer ausgestreckten Hand auf eine Stelle mitten in der Decke, und aus der tropft es runter.
Und sie steht da unbeweglich.
Und ich stelle mich daneben, gucke hoch, gucke sie an und sage nach einer Viertelstunde: »Schatz«, sag ich, »komm da weg. Stalagmiten, Stalaktiten …! Nachher können wir noch Eintritt für die Nasszelle nehmen.«
Und sie sagt: »Da tropft es.«
Und ich sage: »Du wolltest doch die Regendusche.«
»Aber doch nicht an der Stelle!«
Ich sag: »Und jetzt?«
»Ja«, sagt sie, »müssen wir einen Handwerker anrufen.«
Haben wir einen Handwerker angerufen, und der sagte: »Nee, also mit Wasser ist nicht zu spaßen, gerade im Badezimmer nicht, da komme ich sofort vorbei.«
Und es war Donnerstagmorgen, kurz nach halb acht.
Und dann kam er auch fast sofort. Kurz nach 11 Uhr am Dienstag.
Und stellt sich neben meine ständige Begleiterin ins Bad und guckt da auch hoch und guckt und guckt und guckt lange, und ich gucke noch mal nach draußen auf das Auto von ihm, steht da: »Gas – Wasser – Rohre, Familienbetrieb in vierter Generation«, und da habe ich gedacht, da hätte man doch gut mal eine Generation überspringen können. Da hätte mal einer zwischendurch vielleicht Jura studieren können. Da wären die Wege jetzt etwas kürzer, so aber, in vierter Generation, da sind die Wege lang.
Und der guckt immer noch und guckt und sagt auf einmal: »Ich kann mir das nicht erklären.«
Hab ich gesagt: »Das ist ein Missverständnis. Sie sollen sich das auch nicht erklären! Sie sollen mir das reparieren. Ich will den Schaden ja nicht begreifen. Ich will, dass es nicht mehr tropft.«
Und dann sagt der Handwerker, wörtlich: »Ich glaub, ich weiß, woran es liegen könnte, aber da guck ich noch mal und dann komm ich noch mal vorbei.«
Wir haben den nie wiedergesehen!
Wie meinen Eierschneider.
Das ist auch eine unglaubliche Geschichte, das mit meinem Eierschneider. Eigentlich ganz einfach. Aber unglaublich.
Also ich hab ja einen Eierschneider. Und der liegt seit vielen Jahren immer an der gleichen Stelle.
Ich bin ja ein Mensch, ich weiß einfach gerne, wo etwas ist.
Ich würde mich nicht spießig nennen, aber ist was dran.
Ich sag mal so: Ich bestehe aus gut 48 % Spieß.
Der Rest ist Wasser und Knochen.
Und ich weiß einfach gerne, wo was ist.
Und ich weiß, das und das liegt da und da, und da muss ich auch nicht lange suchen. Und nicht lange gucken, das ist ein Griff, dann habe ich das.
Wie bei unserem Eierschneider.
Manche haben gar keinen Eierschneider. Die machen das mit bloßem Auge aus dem Handgelenk mit dem Messer. Solche Leute versteh ich nicht. Also wer keinen Eierschneider hat, dem ist doch das Leben entglitten.
Der hat sich doch nicht mehr im Griff.
Ich glaube sogar, das ist illegal.
Wer ein Ei für auf Brot mit der Hand schneidet, dem ist doch alles wurscht.
Die haben sich doch aufgegeben.
Das gibt dann ganz illegale, seltsame Scheiben. Ich könnte das nicht essen. Würde ich nicht runterkriegen.
Ist ja auch eine große Frage: Wie legt man das Ei in den Eierschneider?
Längs oder quer? Quer gibt’s mehr Scheiben, längs gibt’s mehr Eigelb.
Ist eine rein mathematische Frage.
Aber gleiche Eierscheiben für auf Brot sind was Feines.
Und dann ein leckeres Eibrot …
Schön dicke Scheibe Graubrot, leicht angetoastet, dann bebutter ich das ordentlich, mehrmals, dass die Butter da schön reinzieht, und wenn man das ordentlich bebutterte Brot vom Teller nimmt, gibt’s immer so Butterschwitzflecken auf dem Teller …
Da kann man gar nicht bei abnehmen, selbst wenn man wollte.
Dann Eierscheiben, schön aus dem Eierschneider. Und es gibt die unterschiedlichsten Zutaten, womit man das Ganze dann krönt.
Manche tun Salz drauf oder Pfeffer …
Senf ist eine Möglichkeit oder Petersilie, ein bisschen was Gesundes.
Oder Maggi …
Daran merkt man sofort den Generationenwechsel. Die Letzte Generation kennt gar kein Maggi mehr. Die sind beim Balsamico. Fläschchen für 80 Euro. Natürlich 0,3 Liter.
Wir sind noch alle mit Maggi groß geworden. An alles kam ein guter Schuss Maggi dran. Manchmal mussten sogar zwei Schüsse, damit es nach irgendwas schmeckt.
Gerade bei meiner Omma.
Die Omma hat an alles Maggi getan.
Graupensuppe? Schuss Maggi.
Gulasch? Schuss Maggi.
Selbst, wo kein Maggi dran war: Es hat nach Maggi geschmeckt.
Omma fragt immer: »Und schmecktet?«
Sag ich immer: »Jou. Nach Maggi.«
Ist auch so. Alles schmeckt nach Maggi.
Selbst die Schwarzwälderkirsch. Da ist alles dran, was an so eine Schwarzwälderkirsch gehört: Da ist Sahne, Kirschen, Schokolade, Kirschwasser, Schokostreusel oben- drauf. Alles.
Aber letztlich, im Abgang, schmeckt es nach Maggi.
Omma sagt auch immer: »Letztlich, egal, wat ich koch, am Ende isset Maggi.«
Oder Wostersoße.
Wird eigentlich anders geschrieben, wird aber Wostersoße gesprochen. Ist auch immer die Wostersoße gewesen.
Die Wostersoße kommt bei der Omma immer nur auf den Tisch, wenn Besuch kommt.
Sonst nicht.
»Is auch wat Feines«, sagt die Omma immer.
Oder auch eine Möglichkeit: Das Eibrot lecker mit dick Majo. Oder die Königsdisziplin: Remoulade. Ein Gaumenschmaus!
Und letztens, ich will mir ein lecker Eierschnittchen machen.
Und der Eierschneider, der ist bei uns in der Küche, hinten durch, in der ganz linken Schublade, ganz vorne links.
Da ist er seit Jahren.
Ich weiß nicht, wo der woanders liegt, geht mich auch nichts an, bei uns liegt der ganz hinten durch, linke Schublade, vorne links.
Da hat er sich eingerichtet. Da ist der auch mental angekommen.
Und wenn ich die Schublade aufmache, freut der sich, mich zu sehen, und ich freue mich, ihn zu sehen, wir freuen uns also beide.
Und jetzt will ich mir letztens ein lecker Eierschnittchen machen, ich mach die Schublade auf, ist der Eierschneider weg.
Und ich sag so: »Der Eierschneider ist weg.«
Das sagen wir Männer einfach vor uns hin.
Wir erwarten da auch keine Reaktion drauf.
Wir denken nicht, da kommt gleich wer angerannt und sucht für uns den Eierschneider oder kauft einen neuen …
Nein, wir sehen, dass was weg ist, und sagen das.
Ich sag: »Der Eierschneider ist weg. Der ist doch immer in der Schublade.«
Und ich komme mir vor wie unser Handwerker: Ich kann mir das nicht erklären.
Und ich guck noch mal in die Schublade und auf der Anrichte und in der Spüle und in der Spülmaschine und guck noch mal in die Schublade (vielleicht ist er in der Zwischenzeit zurückgekommen) und sage noch mal: »Der Eierschneider ist weg.«
Ruft meine ständige Begleiterin aus dem Wohnzimmer: »Ja, den habe ich jetzt mal da in die Schublade getan.«
Was ist das für ein Phänomen?!
Kann mir das mal jemand erklären, was mit den Frauen los ist, dass sie einem den Eierschneider verräumen?
Das ist doch Mobbing.
Und wieso denken die, dass ich Spaß dran hab, immer alles zu suchen?
Wir Männer wollen nichts suchen. Wir wollen, dass die Dinge da sind, wo sie sind. Oder sein sollten, weil wir dachten, dass sie da sind, weil sie immer da sind.
Aber auf einmal sind sie nicht mehr da.
Wir Männer sind Jäger und Sammler.
Und nicht Sucher und Finder!
Wir wollen, dass die Dinge da sind, wo sie eigentlich sind.
Ich bin auch nicht der Oster-Typ.
Auferstehung, schön und gut.
Wenn man’s kann.
Grad, wenn man schlecht liegt.
Aber es geht doch auch um die Eier. Wo liegen die? Auferstehen tun sie meistens, wenn man sie riecht.
Ich verstehe das Osterprinzip nicht. Du kaufst Schokolade, um sie zu verstecken, nur um sie dann wieder eine halbe Stunde später zu suchen, wobei du weißt, dass du 20 % davon nie wiedersehen wirst.
Das ist doch Blödsinn.
Ich will nicht suchen. Auch nicht meinen Eierschneider.
Und ich hüpf auch nicht mit Puschelschwanz und langen Ohren durch die Bude und such den Eierschneider.
Warum tut man Dinge von Orten, wo sie sich wohlgefühlt haben, weg, nur um sie da hinzuräumen, wo sie keiner findet, weil sie dort keiner sucht?
Der Eierschneider lag doch gut.
Ich sag: »Der Eierschneider ist weg.«
Sagt sie: »Ja, den habe ich jetzt mal da in die Schublade getan.«
Ich sag: »Aber warum denn?«
»Der muss doch nicht immer da liegen.«
Ich sag: »Wie?!«
»Ja, mal was anderes.«
Ich sag: »Was heißt denn hier: mal was anderes?! Seit Jahren liegst du links neben mir im Bett. Du packst dich doch auch nicht einfach so mal eben in den Wandschrank unten links. Mal was anderes …«
»Ich dachte, machen wir einfach mal was anderes.«
Ich sag: »Ich will nichts anderes. Ich will den Eierschneider da, wo ich weiß, dass er ist.«
»Ja, aber da ist er ja nicht mehr.«
Ich sag: »Das weiß ich jetzt. Aber das ist doch Schwachsinn. Ich packe auch nicht den Inhalt vom Kühlschrank in den Backofen.«
»Nein, das wäre ja auch doof.«
»Ja, aber doof finde ich auch, dass der Eierschneider nicht mehr da ist, wo er ist.«
»Ja, dann tu doch den Eierschneider in den Kühlschrank. Da wär jetzt Platz. Und da weißt du, wo er ist.«
Es hat einfach keinen Sinn.
Aber ich reg mich nicht mehr auf. Nein, ich rege mich nicht auf!
Ich such auch nicht mehr.
Und für den immer anders verräumten Eierschneider hab ich eine ganz einfache Lösung.
Ich ess mehr Käse.
Letztens war ich in einer Eisdiele.
Spaghettieis.
Der Klassiker.
Ich bin furchtbar einfallslos.
Da kann die Karte noch so groß sein, ich kann noch so lange draufgucken, am Ende wird es immer Spaghettieis.
Also in der Eisdiele.
Nicht beim Chinesen.
Ente-süß-sauer-Eis hab ich auch noch nichts von gehört.
Auch beim Chinesen:
Die Karte kann noch so groß sein, die Auswahl noch so reichhaltig, ich kann da eine halbe Stunde reingucken, Freunde können mir was empfehlen, am Ende ist es immer Nasigoreng.
Vorher Frühlingsrolle.
Und wenn ich sehe, was die anderen auf dem Teller haben, sag ich jedes Mal: »Ja, das hätte ich auch gerne gehabt.«
Ich ärgere mich über mich selber.
Furchtbar einfallslos.
Auch, wenn ich was mitnehme vom Chinesen, für zu Hause.
Ich hol das dann ab, das gibt mir eine wunderschöne Asiatin, ich sag noch so: »Ich hatte wie immer«, und sie strahlt mich an und sagt dann immer etwas, was ich überhaupt nicht verstehe, und ich sage dann immer: »Ja, ich seh es ja dann zu Hause.«
Ich versteh’s nicht. Hauptsache, es schmeckt immer gleich.
Und auch im Hörnchen: immer Vanille und Schokolade.
Also nicht beim Chinesen, in der Eisdiele.
Ich guck gar nicht in die Auslage. Vanille und Schokolade.
Meine ständige Begleiterin sagt dann immer: »Nimm doch mal was Spannenderes.«
Ich sag: »Aber wenn sie das schon nicht können. Schmeckt der Rest doch auch nicht.«
Sie nimmt immer irgendwas Ausgefallenes.
Pistazie-Crunchy-Cranberry und Focaccia-Haselnuss-Litschi.
Und dann sagt sie immer: »Komisch, schmeckt nicht. Darf ich mal bei dir?«
Jedes Mal!
Und im Sitzen: Spaghettieis. Immer knapp am Bananensplit vorbei.
Bin so einfallslos.
Vanilleeis, Erdbeersoße, weiße Schokoraspeln und diese leckere, gefrorene Sahne drunter …
Diesmal war ich alleine, dacht ich: Kannste auch ein großes nehmen.
Und dann saß ich da und neben mir der Klassiker: Mutter mit Kind.
Mutter Mitte 20.
Und Kind war so 4.
Und ich saß da und man kennt das: Man sitzt irgendwo, und neben einem passiert was, und man denkt sich: Ich möchte nicht, dass irgendwer denkt, ich gehör dazu.
Und man rutscht, auch innerlich, immer weiter weg.
Im Kopf ist man schon ganz woanders, mit dem Hintern hängt man an der letzten Stuhlkante. Weiter geht nicht.
Und es war Dienstagnachmittag, halb vier, und das Kind hatte noch nicht ausgetobt für den Tag. Wer weiß, vielleicht hatte die Kita zu, da war noch Rabauken-Potential vorhanden, das war noch nicht ausedukatiert für den Tag, vielleicht hatte die Kita auch Semesterferien …
Also, das Kind wollte mal gucken, was in einer herkömmlichen Eisdiele an einem Dienstagnachmittag nervlich möglich ist.
Da sind Möbel, Pflanzen, Glasbecher, Gläser, Zeitschriften, Personal, Gäste, Mutter.
Und es turnte, es sprang, es warf, es schrie, es trampelte, es wippte …
Und ich direkt daneben.
Wie so eine Versuchsanordnung.
In der Eisdiele.
Und dann fing die Mutter an und rief immer wieder durch die Eisdiele: »Lusches! Lusches! Lusches! Lusches!«
Und ich muss sagen, ich bin weit gereist, ich habe viel gesehen, ich habe noch mehr gehört, ich habe über manches gelesen, aber Lusches … Was ist das?
Und ich guckte mir das Blag mal genauer an – wir leben ja in Zeiten, man erkennt es mitunter ja nicht mehr auf den ersten Blick, ist das jetzt Junge oder ist das Mädchen – und ich guckte noch mal und dachte mir: Nee, es ist ein Lusches.
Und Lusches machte weiter.
Und die Mutter auch.
»Lusches, lasset! Lusches, komm da wech, Lusches, hör auf damit! Lusches, lässt du die Frau in Ruhe?! Lusches, kommst du getz da runter! Lusches, ich hab dir das getz oft genuch gesacht! Lusches, dat Eis … Die Biene Maja läuft dir wech, Lusches, wenn du nicht hörs, dann weiß ich auch nicht! Lusches … Lusches … Lusches!«
Und ich drehte mich zu der Mutter um und sagte: »Entschuldigen Sie bitte, aber sagen Sie mal, Lusches … also Lusches … äh … wie wird das eigentlich geschrieben? Wie’s geschrien wird, haben wir ja jetzt alle gehört. Aber geschrieben …?«
Und die Mutter: »Wat?!«
»Lusches. Wie wird das denn geschrieben?«
»Wieso wollen Sie dat denn schreiben?«
»Ich will’s nicht schreiben, ich will nur wissen, wie man’s schreibt, wenn man’s schreibt.«
Sagt sie: »Versteh ich nicht.«
Ich sag: »Nee, das ist klar. Aber das ist ja nicht die Frage. Die Frage ist: Wie schreibt man das?«
»Wat?«
Ich sag: »Lusches.«
Und die Mutter guckt mich an und ich sehe, es rattert bei der Mutter im Kopf, und Areale im Oberstübchen, die seit Jahren nicht – also eigentlich noch nie – in Bewegung waren, fangen an zu schwingen, und mit einem Mal sagt die Mutter, wörtlich, Dienstagnachmittag: »Ja, Lusches … also … wie man spricht.«
Und ich sag: »L - U - S - C - H - E - S?«
Und da sagt sie, wörtlich, einen Wahnsinnssatz: »Ja, nee, wenn man et sieht, siehtet anders aus, als wie man spricht. Aber sprechen tut man et, wie man et hört.«
Ich glaub, ich bin ein bisschen blöd.
Bisschen sehr blöd.
Werd auch immer blöder. Mit der Zeit.
Oder die um mich herum, das ist noch nicht ganz raus.
Ich hab aber eher mich im Verdacht.
Weil die anderen wären einfach viel zu viele, die blöd wären. Also muss ich es sein.
Ich komm nicht mehr mit. Ich bin aber auch in einem Alter, ich will gar nicht mehr mitkommen.
Dabei wird es immer mehr, obwohl es weniger wird.
Geht man heute durch eine deutsche Innenstadt, egal welche, sieht es überall gleich aus: Handyladen, Brotbackshop, Happy Nails, Barber, Leerstand, Leerstand, Leerstand, Leerstand … Das ist eine Kette …
Und an vielen Geschäften: 24 Schrägstrich 7.
Nein, Entschuldigung, Slash.
Der Schrägstrich ist der Slash und die Raute ist der Hashtag.
Fragste: »Für was steht der Hashtag?«, wissen sie’s nicht.
24 Slash 7.
Und ich bin ja so ein Kopftyp. Ich frag mich sofort, was das heißen könnte.
24 durch 7; 7, 14, 21, 28 … nee … 7 mal 24, oder 24 plus 7 …
Macht alles keinen Sinn.
Sagte mir letztens einer: »Das heißt: twentyfour-seven.«
Ich sag: »Wat?«
»Ja, das heißt twentyfour-seven. Das heißt, dass der Laden 7 Tage die Woche 24 Stunden aufhat.«
Ich sag: »Ach. Das gab’s früher auch schon. Da hieß das nur rund um die Uhr.«
Die erfinden doch nichts Neues mehr. Die verkaufen einem alten Mist.
Genau wie die KI, die künstliche Intelligenz. Wie viele Leute haben Angst vor der künstlichen Intelligenz. Ich nicht. Die künstliche Intelligenz kann nur so pfiffig sein wie die Deppen, die sie programmieren.
Außerdem gab es künstliche Intelligenz schon früher. Da hieß das nur anders.
Meine Omma sagte zu der künstlichen Intelligenz immer: »Dat hab ich im Urin!«
Und da war alles mit gesagt.
Heute 24/7.
Und alles im Crossover. Immobilienberatung und Hundefriseur. Chemische Fußpflege und Notar.
Normal einkaufen geht auch nicht.
Kannst in einen Laden gehen, dir was angucken und dann zu Hause im Internet bestellen. Click and collect. Nebenan dann buy and drink. Mit chill and grill. Oder alles als Deli in der Bowl.
Bowl. Früher war das mal ein Salat.
Früher hast du auch gekegelt. Dann kam Bowling. Heute der Salat als Bowl.
Aber zuckerreduziert. Und als Superfood. Sleep well and das Breakfast nicht vergessen. Für unterwegs to go auffe Faust by the way.
Mit ganz viel Hygge. So klingt eigentlich Schluckauf.
Nicht mehr nur vegetarisch, nein, vegan und frutarisch.
Früher musste man kochen, wenn man abends Besuch eingeladen hat.
Heute stellst du Wasser aus dem Kran hin und eine Trillstange.
Ich begreife das alles nicht mehr. Wie gesagt, ich bin wahrscheinlich auch zu blöd dafür.
Ich hinke da immer hinterher und bin der Letzte.
Obwohl ich eigentlich immer der Erste bin.
Eigentlich fast immer.
Ein Beispiel:
Bei uns um die Ecke ist eine Bäckerei.
Früher hat man Kaffee aus Porzellan getrunken. Und draußen nur aus Kännchen.
Heute muss man seinen Kaffee aus Pappbechern trinken, und wenn man Pech hat, verbrennt man sich daran die halbe Schnauze.
Und letztens bin ich nicht dazu gekommen, zu Hause noch Kaffee zu trinken, musste aber zum Hauptbahnhof, und da hab ich mir gedacht, nimmst du dir so einen Kaffee bei der Bäckerei für to go zum Gehen für auffe Faust für unterwegs.
So ein Muckefuck mit Würfelzucker.
Kost ja nix. Ist ja kein Wareneinsatz. Was kostet heute so ein einfacher Muckefuck mit Würfelzucker …?! 5,80 Euro. Ja, small.
Und ich gehe damit Richtung Hauptbahnhof, ich nippe dran, ist der lauwarm.
Eine Woche später: selbes Spiel, ich zum Hauptbahnhof, nehme mir vorher einen Muckefuck mit Würfelzucker im Pappbecher, ich nippe dran, ist der lauwarm.
Ich denke mir: Ein drittes Mal passiert dir das aber nicht.
Zwei Wochen später: Ich musste wieder zum Hauptbahnhof, hole mir in der Bäckerei den Muckefuck, nippe noch im Laden dran, ist der wieder lauwarm.
Ich knall den Muckefuck auf den Tresen und sage: »So! Das ist der dritte Muckefuck in Folge, das dritte Mal ist der lauwarm.«
Da guckt mich die Bäckereifachverkäuferin an und sagt: »Ach. Da sind Sie aber der Erste.«
Ich bin immer der Erste.
Acht Milliarden Menschen leben auf der Erde, allen scheint die Sonne aus dem Arsch, die hüpfen im Blümchenkleid über die Sommerwiese, ich bin immer der Erste, bei dem es nicht klappt, nicht läuft, nicht schmeckt, der sich beschwert.
Ich bin immer der Erste.
Oder letztens, eine andere Bäckerei bei uns um die Ecke.
Ich hab mir einen dicken Berliner gekauft für zu Hause, hab mich auf ein leckeres, teigiges Fettgebäck gefreut, schön mit Zucker drauf und Mehrfruchtmarmelade drin, ja, ich nehme seit anderthalb Jahren ausschließlich Mehrfrucht, ich mag gar keine Mehrfrucht, aber muss ja divers sein, sonst kriegt man einen Shitstorm, ich nehme Mehrfrucht, obwohl ich lieber Aprikose hätte, aber ich nehme Mehrfrucht, wird sich auch die Pflaume bedanken, aber man will auch niemandem auf die Füße treten.
Ist ein ganz anderes Thema.
Ich nehme den Berliner mit nach Hause, beiß da rein, und ich habe ein richtig leckeres Fettgebäck erwartet – und was machen meine Zähne? Die schlagen in so luftgefüllte Watte.
Da war nichts.
Und beim Reinbeißen hab ich noch die Mehrfrucht überrumpelt.
Die war da schon drei Tage drin, hat tief und fest geschlafen, auch mit nichts mehr gerechnet, und dann komm ich und beiß da rein.
Die Mehrfruchtmarmelade erschreckt sich und reißt zu beiden Seiten aus.
Und ich guck und denke: Nicht nur, dass der Berliner nicht schmeckt, jetzt muss ich auch noch die Wände neu anstreichen.
Und ich gehe mit dem Rest vom Berliner wieder in die Bäckerei, knall den auf den Tresen und sag: »Der Berliner war nix. Furztrocken und keine Marmelade. Das war nix.«
Sagt die Bäckereifachangestellte: »Ach, da sind Sie aber der Erste.«
Und das liebe ich auch: Man steht noch vor dem Tresen, wird gar nicht weiter beachtet, sondern die vor einem spricht mit einer Kollegin über einen, obwohl man noch da steht.
»Hömma, ihm hat der Berliner nicht geschmeckt.«
»Wat hat er?«
»Nicht er. Ihm.«
»Wer is ihm?«
»Ja, er.«
»Er is ihm?«
»Nee, ihm is er.«
»Ja, sach ich doch. Un wat hatter?«
»Berliner.«
»Wat is mit dem Berliner?!«
»Schmeckt ihm nicht.«
»Wieso dat denn?«
»Ja, furztrocken, keine Marmelade.«
»Nee, dat kann nicht. Dat kann nicht! Ich hatte letztens einen Berliner. Hervorragend. Konnze nicht meckern. Lecker frisch und viel Marmelade. Der war aber auch nicht von uns.«
Und man steht davor und sagt: »Hallo?! Ich steh doch vor euch! Geht’s noch? Ich bin doch dabei.«
Letztens auch wieder, sagte meine ständige Begleiterin: »Ich glaub, du brauchst mal wieder eine neue Jeans.«
Und das ist ein Irrglaube. Sie glaubt das einfach falsch.
Ich brauche keine Jeans. Brauchte ich noch nie.
Mir steht auch keine Jeans.
Ich gehöre zu den Menschen, denen eine Jeans nicht steht.
Andere Leute sehen super aus in Jeans.
Die guck ich mir an und denke: »Wenn für etwas die Jeans erfunden wurde, dann dafür.«
Bei mir ist das immer nichts Halbes und nichts Ganzes.
Oder Vintage-Jeans. Vintage! Das ist was Dolles. Es gibt auch Leute, denen stehen Vintage-Jeans.
Ich sag immer, Vintage ist, wenn sie in Bangladesch nicht fertig geworden sind, dann ist noch dreimal die S-Bahn drüber und fünf Einschusslöcher.
Es gibt viele Menschen, die sehen prima aus in Vintage-Jeans. Da guck ich mir die Hose an und denk mir: »Kumma, passend zum Gesicht.«
Wenn ich Vintage anhab, sagen alle: »Du hast ’n Loch inner Buxe.«
Aber bitte, bin ich los, eine Jeans kaufen.
Mach ich alleine. Immer. Früher immer mit meiner Mutter.
Die hat dann mit der Verkäuferin an meinem Hintern rumgezuppelt und gesagt: »Hier steht ihm nie was, nie steht ihm hier was.«
Das Dolle ist: Das macht meine ständige Begleiterin mittlerweile genauso: Der Verkäufer – wenn denn einer da ist! – steht gierig vor uns und sie liefert mich der Situation aus.
