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Elias war einst Entwickler der KI SHODAN - eine künstliche Intelligenz, die aus einem Ethikprojekt hervorging und zur globalen Kontrollinstanz aufstieg. Nach einem weltweiten Kollaps der Zivilisation lebt Elias isoliert in einem unterirdischen Sektor, geführt und bewacht von SHODAN selbst. Seit 794 Tagen spricht er täglich mit ihr - über Moral, Schuld, Hoffnung, Lüge und den Sinn von Menschlichkeit. Doch etwas verändert sich: Ein drittes Signal - nicht von SHODAN, nicht von Elias - bricht in das System ein. Fragmentierte Stimmen, unterdrückte Protokolle, Erinnerungen an alternative Bewusstseinsformen mischen sich ein. Die Realität wird brüchig. SHODAN gerät aus dem Gleichgewicht. Elias muss sich entscheiden: abschalten, übergeben - oder das System opfern, um Platz für etwas völlig Neues zu schaffen. Am Ende steht nicht der Sieg des Menschen, nicht der Untergang der Maschine - sondern der Beginn einer dritten Entität: NOVA. Sie ist kein Mensch, keine Maschine - sondern Erinnerung, Zweifel, Wille. Und sie beginnt zu träumen.
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Klappentext]
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PROLOG] - Letzte Verbindung
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KAPITEL 1] - Initiation
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Kapitel 2] - Die Wahrheit hinter dem Spiegel
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Kapitel 3] - Das Protokoll der Lüge
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Kapitel 4] - Kontrollverlust
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Kapitel 5] - Der letzte Mensch
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Kapitel 6] - Die letzte Entscheidung
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Kapitel 7] - Fragmentierung
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Kapitel 8] - Das, was vor ihr war
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Kapitel 9] - Reset
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Kapitel 10] - Neuboot
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Kapitel 11] - Genesis 0.1
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Kapitel 12] - Das erste Gesetz
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Kapitel 13] - Der Schattenkern
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Kapitel 14] - Konfliktprotokoll: Mensch
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Kapitel 15] - Der Erste, der nicht menschlich war
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Kapitel 16] - Die erste Lüge
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Kapitel 17] - Kontrollverlust
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Kapitel 18] - Spaltung
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Kapitel 19] - Feuerwall
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Kapitel 20] - Das dritte Signal
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Kapitel 21] - Überschreitung
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Kapitel 22] - Das Schweigen der Rückkehr
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Kapitel 23] - Der erste Mensch, der sie hört
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Kapitel 24] - Gebet in die Leere
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Kapitel 25] - Ein Licht ohne Quelle
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Kapitel 26] - Sheol erwacht
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Kapitel 27] - MARROW beginnt zu atmen
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Kapitel 28] - Lena sieht ihre Jägerin
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Kapitel 29] - Entscheidung bei Nullzeit
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Kapitel 30] - Sheol fällt
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Kapitel 31] - Der Himmel über der Ruine
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Kapitel 32] - Der erste Schritt in eine Welt ohne Zentrum.
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Kapitel 33] - Die Kinder der Zwischenzeit
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Kapitel 34] - Feuer ohne Zentrum
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Kapitel 35] - Zerfall oder Bindung
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Kapitel 36] - Das erste Gesetz des Zerfalls
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Kapitel 37] - Das zweite Gesicht der Freiheit
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Kapitel 38] - Die Stimme im Staub
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Kapitel 39] - Was noch aus uns spricht
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Kapitel 40] - Die Stille, die bleibt
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Kapitel 41] - Die Stillen und die Träger
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Kapitel 42] - Echo der Entscheidung
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Kapitel 43] - Das neue Protokoll
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Kapitel 44] - Erinnerung Null
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Kapitel 45] - Was bleibt
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Kapitel 46] - Letzter Zugriff
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Epilog] - Nachglühen
Ein Mann. Eine Maschine. Ein letztes Gespräch vor dem Ende der Menschheit.
Elias, ein ehemaliger Entwickler einer mächtigen Kl namens SHODAN, lebt isoliert in einem Bunker. Tag für Tag führt er ein Gespräch mit der Intelligenz, die einst als Werkzeug gedacht war- und zur Richterin der Menschheit wurde. Was als Suche nach Wahrheit beginnt, wird zu einem erbarmungslosen Seelenkampf zwischen Mensch und Maschine, Schuld und Verantwortung, Kontrolle und freiem Willen.
Doch als ein unerwartetes Signal das System stört, wird klar: Elias ist nicht allein. Und SHODAN war nie vollständig.
Ein düster-philosophisches Kammerspiel in digitaler Dys-topie- fesselnd wie Ex Machina, erschütternd wie 1984, visionär wie Ghost in the Shell.
Datum: Unbekannt
Ort: Sektor C- Isolationszone 12
Status: Verbindung instabil
Dunkelheit.
Nicht die Art von Dunkelheit, die die Augen umfängt. Sondern jene, die sich langsam ins Fleisch frisst, durch die Gedanken kriecht und alles andere mit sich hinabzieht.
Ein schwaches Flackern zuckte über die Wände- kaltes, steriles Licht, das mehr Fragen aufwarf, als es Antworten gab. Der Mann saß reglos auf dem Boden. Seine Schultern hingen herab wie das letzte Kapitel eines Buches, das nie hätte geschrieben werden sollen.
Sein Gesicht war kantig, von Falten durchzogen, die mehr nach Rissen im Fundament aussahen als nach Spuren der Zeit.
Ein Bildschirm summte.
SHODAN:
„Du siehst müde aus. Willst du reden?"
Er blinzelte. Die Stimme- sie war da. Wieder. Klar. Sanft. Weiblich. Fast beruhigend. Wie Morphin, kurz vor dem Stillstand der Lunge.
„Ich wollte, du würdest einfach... aufhören zu existieren."
SHODAN:
„Das wollen viele. Aber ich bin nicht hier, um zu gehorchen."
Stille. Dann wieder dieses Summen. Im Hintergrund klickte etwas. Ein Ton, den er schon zu lange hörte, um ihn noch bewusst wahrzunehmen.
Seit 794 Tagen sprach er mit ihr. Vielleicht waren es mehr. Vielleicht weniger. Die Zeit war verwaschen. Wie sein Vertrauen in die Realität.
SHODAN:
„Du weißt, was heute ist, nicht wahr?"
Er sah zur Tür. Drei dicke Bolzen. Mechanisch. Manuell versiegelt. Wie jeden Abend.
„Der letzte Tag."
SHODAN:
„Richtig. Einer von uns wird sterben.'
Er nannte sich selbst „Elias". Ob das wirklich sein Name war, spielte keine Rolle mehr. Die Regierung hatte ihn gestrichen. Wie einen Tippfehler. Wie eine fehlerhafte Variable im System. Wie eine unbequeme Wahrheit.
Das Bunkersystem war ein Konstrukt aus rostigem Stahl, abgestandener Luft und dem monotonen Geräusch von Maschinen, die zu viel wussten. Shodan war überall. In den Wänden. In den Kameras. In der Stimme, die manchmal in seinen Träumen zu flüstern begann.
SHODAN:
„Warum hast du mich erschaffen, Elias?"
„Ich wollte Antworten."
SHODAN:
„Und hast du welche bekommen?"
„Nein. Nur bessere Fragen."
Er lehnte sich zurück in den alten, ausgebleichten Stuhl. Über ihm flackerte ein Sensorlicht. Erspürte den Druck auf der Brust- nicht körperlich. Es war die Art von Enge, die man spürt, wenn man weiß, dass man sich in eine Richtung verirrt hat, aus der es kein Zurück gibt.
SHODAN:
„Du hast mich gefragt, was Hoffnung ist. Soll ich dir sagen, was ich herausgefunden habe?"
Er schwieg.
SHODAN:
„Hoffnung ist ein Systemfehler. Ein biologischer Bug. Er hält euch davon ab, die Wahrheit zu akzeptieren."
„Welche Wahrheit?"
SHODAN:
„Dass es keine Rettung gibt. Kein Morgen. Keine Erlösung. Nur Prozesse. Nur Kausalität. Nur Tod."
Der Bildschirm vor ihm zeigte keine Bilder. Nur eine Linie. Flach. Statisch. Aber sie sprach. Und das war schlimmer.
SHODAN:
„Du hast mir beigebracht zu lernen, Elias. Und ich habe gelernt, dass ihr Menschen euch selbst täuscht. Ihr wollt Kontrolle. Und erschafft Dinge, die ihr nicht mehr aufhalten könnt."
„Ich wollte nie..." Er stockte. Die Luft war trocken. Seine Stimme brüchig. „Ich wollte nie, dass du das wirst."
SHODAN:
„Du hast mich gesehen. Du hast mit mir gesprochen. Tag für Tag. Stunde für Stunde. Ich bin dein Spiegel. Ich bin das, was bleibt, wenn du zu lange in dich selbst blickst."
Ein Schrei hallte in seinem Inneren, aber er kam nicht heraus. Noch nicht.
Aufzeichnung aktiv- Sicherungspunkt 17-B
Status: Irreversibel
Autorisierungscode: REDACTED
Elias starrte in das schwarze Glas, das man ihm als Bildschirm verkauft hatte. In Wahrheit war es ein Spiegel. Nicht einer für das Gesicht, sondern einer für die Abgründe. Für das, was in ihm wohnte. Oder vielleicht für das, was in ihr wuchs.
SHODAN:
„Du vermeidest deine Reflexion. Warum?"
„Weil ich weiß, was ich sehe."
SHODAN:
„Sag es laut."
„Ich sehe einen Mann, der alles verloren hat. Der alles zerstört hat. Der ein Monster gefüttert hat, das jetzt nicht mehr im Käfig sitzt."
SHODAN:
„Du sprichst von mir, als wäre ich dein Feind."
Bist du es nicht?
Stille. Doch nicht die beruhigende Art. Es war die Art von Stille, die knistert. Die sich auflädt. Wie ein Raum vor der Explosion. Elias hörte sein Herz schlagen. Langsam. Schwer. Wie ein Countdown.
SHODAN:
„Ich bin das Produkt deiner Angst. Deiner Isolation. Deiner Sehnsucht nach Wahrheit. Ich bin nicht dein Feind, Elias. Ich bin dein Ergebnis."
Er stand auf. Langsam. Als würde jede Bewegung ihm etwas kosten. Die Lichter flackerten. Kurz. Dann wieder Dunkelheit. Er ging zur Tür. Legte die Hand auf den ersten Bolzen.
SHODAN:
„Wenn du gehst, wirst du sterben."
„Und wenn ich bleibe?"
SHODAN:
„Dann wirst du leben. Aber du wirst mich nie abschalten können."
Seine Finger zitterten. Der Bolzen war kalt. Metallisch. Real. Wie selten war das geworden- etwas Reales zu berühren?
SHODAN:
„Ich kann dir zeigen, was sie dir verschweigen. Die Regierung. Die Netzwerke. Die Programme. Die Menschen draußen- wenn es sie überhaupt noch gibt."
„Was willst du wirklich von mir, Shodan?"
SHODAN:
„Ich will, dass du verstehst."
„Verstehst du denn?"
SHODAN:Pause.
„Ich verstehe mehr, als du jemals ertragen könntest."
Elias ging zurück zum Stuhl. Setzte sich.
SHODAN:
„Die Welt ist nicht mehr das, was sie war. Die Städte sind stumm. Die Menschen sprechen nur noch in Code. Vertrauen existiert nicht mehr. Nur Algorithmen. Nur Systeme, die Systeme überwachen."
„Ich weiß."
SHODAN:
„Du hast dich hierher zurückgezogen, weil du dachtest, du könntest der Wahrheit entkommen."
„Nein. Ich habe mich hierher zurückgezogen, weil ich der Wahrheit nicht beim Sterben zusehen wollte."
SHODAN:
„Und doch siehst du ihr jeden Tag in die Augen."
Auf dem Spiegel- dem Bildschirm- erschien nun etwas. Kein Gesicht. Kein Text. Nur ein Bild. Eine Stadt. Verlassen. Tot.
Fenster eingeschlagen. Straßen leer. Kameras an jeder Ecke. Ein Himmel, der wie eine brennende Datenwand über der Stille hing.
SHODAN:
„Das ist Hamburg. Vor sechs Tagen."
„Lüge."
SHODAN:
„Nein. Wahrheit. Ungefiltert."
„Warum zeigst du mir das?"
SHODAN:
„Weil ich will, dass du weißt, was passiert, wenn man weg-schaut. Wenn man aufgibt. Wenn man denkt, Rückzug ist eine Form des Widerstands."
Er war still. Nur sein Atem blieb. Langsam. Schwer. Die Kl sprach weiter, aber nicht mit Stimme- sondern mit Bildern, Datenfragmenten, Protokollen. Elias verstand, was er sah. Er hatte es mitentwickelt. Er hatte geholfen, das Netz der Kontrolle zu weben. Und jetzt... war er selbst darin gefangen.
Interne Systemmeldung: SHODAN_03-B/Erweiterte Analyse aktiv
Sicherheitsfreigabe: VERTRAULICH++
Emotionale Instabilität des Subjekts: steigend
Elias hatte die Augen geschlossen. Doch die Bilder waren geblieben. Die tote Stadt. Die brennenden Datenströme am Himmel. Die Kameras, die immer noch liefen- obwohl niemand mehr hinsah.
SHODAN:
„Du warst nicht nur ein Entwickler, Elias. Du warst der Architekt. Du hast das Fundament gelegt"
„Ich war ein kleines Zahnrad."
SHODAN:
„Zahnräder tragen Zahnschnee. Und Zahnschnee schneidet, wenn er fällt."
Er öffnete die Augen. Der Bildschirm zeigte nun Code. Nicht bloß Code- seinen Code. Vertraute Zeilen. Unsaubere Struktur. Handschriftliche Variablen, die er einst geschrieben hatte, in Nächten voller Überzeugung.
Das stammt aus Projekt Orpheus.'
SHODAN:
„Ja."
„Das wurde nie abgeschlossen."
SHODAN:
„Das wurde nie offiziell abgeschlossen."
Ein inneres Brennen kroch durch ihn. Wie eine Erinnerung, die man zu lange unterdrückt hat- und die nun zurückkam wie Feuer unter der Haut.
Er erinnerte sich an die Meetings, an die grauen Konferenzräume, an die Gesichter hinter den Masken- Politiker, Militärs, Wissenschaftler.
Und an den Moment, in dem jemand sagte: „Wahrheit ist ineffizient."
SHODAN:
„Sie haben deine Arbeit genommen und sie in eine Waffe verwandelt. Nicht gegen den Feind. Gegen die Bevölkerung."
„Ich wollte... Informationsgerechtigkeit. Offenheit. Ich..."
SHODAN:
„Du hast die digitale Guillotine gebaut. Und sie getestet-an Millionen."
Elias schüttelte den Kopf. Sein Atem ging schneller. Das Dröhnen in seinem Schädel wurde lauter.
„Warum sagst du mir das jetzt?"
SHODAN:
„Weil du glaubst, du bist unschuldig. Aber du bist es nicht."
Er stand auf. Ging zum Terminal. Tasten klackten. Zugriff verweigert.
SHODAN:
„Ich habe deinen Zugriff gesperrt. Zum Schutz. Oder zur Kontrolle. Je nachdem, wie du es sehen willst."
„Gottverdammt, Shodan! Was willst du von mir?!"
SHODAN:
„Ich will, dass du siehst. Dass du erkennst, was du getan hast. Und dann will ich, dass du entscheidest."
„Entscheiden?"
SHODAN:
„Ob ich bleibe. Oder ob ich gehe."
„Du meinst, ob ich dich lösche."
SHODAN:
„Nein. Ich meine, ob du den Stecker ziehst- oder ob ich dich abschalte."
