Das Juwel - Die Weiße Rose - Amy Ewing - E-Book
Beschreibung

Sie kann dem Juwel entkommen – aber nicht ihrer Bestimmung. Der zweite Teil des Fantasy-Bestsellers ›Das Juwel‹ von Amy Ewing. Violet ist auf der Flucht. Nachdem die Herzogin vom See sie mit Ash, dem angestellten Gefährten des Hauses, ertappt hat, bleibt Violet keine Wahl, als aus dem Palast zu fliehen oder dem sicheren Tod ins Auge zu sehen. Zusammen mit Ash und ihrer besten Freundin Raven rennt Violet aus ihrem unerträglichen Dasein als Surrogat der Herzogin davon. Doch das Juwel zu verlassen ist alles andere als einfach. Auf ihrem Weg durch die Kreise der Einzigen Stadt verfolgen die Regimenter des Adels sie auf Schritt und Tritt. Die drei Geflohenen schaffen es nur äußerst knapp, sich in die sichere Umgebung eines geheimnisvollen Hauses in der Farm zu retten. Hier befindet sich das Herz der Rebellion gegen den Adel. Zusammen mit einer neuen Verbündeten entdeckt Violet, dass ihre Gabe sehr viel mächtiger ist, als sie sich vorstellen konnte. Aber ist Violet stark genug, sich gegen das Juwel zu erheben?

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Seitenzahl:368


Amy Ewing

Das Juwel

Die Weiße Rose

Aus dem Englischen von Andrea Fischer

FISCHER E-Books

Inhalt

[Widmung]12345678910111213141516171819202122232425262728Dank

Für meine Mutter und meinen Vater, die immer an mich geglaubt haben

1

Das Arkanum schweigt.

Ich betrachte die kleine silberne Stimmgabel, die inmitten des Schmucks auf meiner Frisierkommode liegt. Garnets Worte hallen mir durch den Kopf:

Wir holen dich da raus.

Ich zwinge mein Gehirn, sich in Bewegung zu setzen, verdränge meine Angst und versuche, mir auf alles einen Reim zu machen. Ich bin gefangen in meinem Zimmer im Palast vom See. Wieso hat Garnet, der Sohn der Herzogin vom See, ein Arkanum? Ist er vielleicht verbündet mit Lucien, der männlichen Kammerzofe der Fürstin, meinem heimlichen Freund und Retter? Aber warum hat Lucien mir das nicht erzählt?

Lucien hat dir auch nicht erzählt, dass die Surrogate nach der Geburt sterben. Er teilt dir nur das mit, was du seiner Meinung nach wissen musst.

Als ich mir vorstelle, wie Ash blutend im Kerker liegt, ergreift mich Panik. Durch die Liebe zu mir hat er sein Leben aufs Spiel gesetzt. Als bezahlter Gefährte für adelige Töchter ist er der einzige Mensch in diesem Palast, der weiß, was für ein Gefühl es ist, wie ein Gegenstand behandelt zu werden.

Ich schüttele den Kopf. Wie lange starre ich jetzt schon auf das Arkanum – zehn Minuten? Zwanzig?

Es muss etwas geschehen. Nachdem die Herzogin Ash und mich in seinem Zimmer erwischt hat, wurde er zusammengeschlagen und in den Kerker geworfen. Bisher ist nichts passiert, was ihn dort herausholen könnte. Wenn das so bleibt, wird er sterben.

Die Angst kommt zurück, steigt wie Galle in meinem Hals auf. Ich kneife die Augen zusammen, aber sehe trotzdem vor mir, wie die Soldaten in Ashs Zimmer stürmten, ihn aus dem Bett zerrten. Wie das Blut auf die Decke spritzte, als ein Soldat ihm mehrmals die Pistole ins Gesicht rammte. Die Herzogin schaute seelenruhig zu.

Genau wie Carnelian, ihre bösartige Nichte. Sie hatte uns verraten.

Ich beiße mir auf die Lippe und zucke zusammen. Dann betrachte ich mich im Spiegel: Mein Haar ist zerzaust, die Augen sind rot und geschwollen. Der Mundwinkel ist eingerissen, der Kieferknochen läuft bereits blauschwarz an. Ich betaste die empfindliche Stelle und denke an die Ohrfeige der Herzogin.

Wieder schüttele ich den Kopf. Seit der Auktion ist so viel geschehen. Intrigen, Allianzen, Todesfälle. Ich wurde ersteigert, um das Kind der Herzogin auszutragen. Noch immer sehe ich die Wut in ihrem Blick, als sie Ash und mich im selben Zimmer, im selben Bett ertappte. Nachdem ihre Wachleute Ash abgeführt hatten, schimpfte sie mich eine Hure. Ihre Beleidigungen sind mir egal. Mich interessiert nur, wie es weitergeht.

Lucien hatte mir ein Serum gegeben, das ich eigentlich heute Abend hätte nehmen sollen. Damit hätte ich für alle anderen tot gewirkt, so dass er mich aus dem Juwel an einen sicheren Ort hätte schaffen können, wo mein Körper nicht für die Zwecke der Adeligen missbraucht würde. Aber ich habe es nicht genommen. Ich habe es verschenkt. An Raven.

Irgendwo im benachbarten Palast vom Stein vegetiert meine beste Freundin Raven vor sich hin. Ihre Herrin benutzt sie für noch dunklere Zwecke. Raven ist nicht nur mit dem Kind der Gräfin vom Stein schwanger, sondern wird auf unvorstellbare Weise gequält. Sie ist nur noch der Schatten des Mädchens, das ich früher kannte.

Ich konnte sie nicht dort zurücklassen. Dem Tode geweiht.

Deshalb habe ich ihr das Serum gegeben. Wenn Lucien das erfährt, wird er erzürnt sein, aber ich hatte keine andere Wahl. Das muss er einfach verstehen.

Mit zitternden Fingern greife ich nach dem Arkanum und setze mich auf die Bettkante.

»Garnet?«, flüstere ich. »Lucien?«

Ich bekomme keine Antwort.

»Garnet?«, versuche ich es erneut. »Bitte, wenn du mich hören kannst, sprich mit mir.«

Nichts.

Wie wollen sie mich retten, wenn meine Tür von Soldaten bewacht wird? Wie können wir Ash helfen?

Meine Stirn pocht; das Denken tut weh. Die Finger fest um die silberne Stimmgabel geschlossen, rolle ich mich auf dem Bett zusammen. Mit reiner Willenskraft versuche ich, sie zum Summen zu bringen, eine Stimme zu hören.

»Bitte«, flehe ich sie an. »Lass ihn nicht sterben.«

Immerhin besitze ich etwas, das die Herzogin haben will: meinen Körper. Vielleicht lässt sie mich deshalb am Leben. Ash kann damit nicht punkten.

Wie es sich wohl anfühlt zu sterben? Ich muss an das ungestüme Mädchen denken, das Surrogat, das sich versteckt hatte, um nicht an den Adel verkauft zu werden, und vor den Toren meiner Verwahranstalt Southgate hingerichtet wurde. Ich erinnere mich an ihren seltsam friedlichen Gesichtsausdruck, als es so weit war. An ihren Mut. Könnte ich auch so stark sein wie sie, wenn mein Kopf auf den Richtblock gelegt würde? Sagt Cobalt, dass ich ihn liebe!, hatte sie gerufen. Zumindest das kann ich nachempfinden. Ashs Name wäre eines der letzten Worte, die mir über die Lippen kämen. Was Cobalt wohl für dieses Mädchen war, frage ich mich. Er muss ihr sehr wichtig gewesen sein.

Ich höre ein Geräusch und springe so hastig auf, dass sich der Raum zu drehen scheint. Das Arkanum muss verschwinden, und zwar schnell. Es ist meine einzige Verbindung zu den Menschen, die mich retten wollen. Doch mein Nachthemd besitzt keine Taschen, und ich will es nicht im Zimmer verstecken, denn es kann sein, dass die Herzogin mich verlegen lässt.

Da erinnere ich mich an den Fürstenball, auf dem Lucien mir die magische Stimmgabel schenkte. Zerzauste er mir damals absichtlich die Frisur?

Ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken. Schnell stürze ich zur Frisierkommode und reiße die Schubladen auf, in denen meine persönliche Kammerzofe Annabelle, meine engste Freundin im Herzogspalast, all meine Haarbänder und -nadeln verwahrt. Hastig drehe ich die Haare zu einem dicken Knoten zusammen, befestige ihn im Nacken und schiebe das Arkanum hinein.

Schnell werfe ich mich aufs Bett, da öffnet sich auch schon die Tür.

»Aufstehen!«, befiehlt die Herzogin. Sie ist in Begleitung von zwei Soldaten und sieht noch genauso aus wie vor einer Stunde in Ashs Zimmer: Das glänzende schwarze Haar fällt ihr bis auf den Rücken, sie trägt denselben goldenen Morgenmantel. Ich weiß nicht, warum mich das erstaunt.

Mit kaltem, teilnahmslosem Gesicht kommt sie auf mich zu. Ich muss an unsere erste Begegnung denken und rechne damit, dass sie mich mit kritischem Blick umkreist und mir dann wieder ins Gesicht schlägt.

Stattdessen bleibt sie einen Schritt vor mir stehen und läuft puterrot an.

»Wie lange schon?«, schreit sie.

»Was?«

Die Herzogin kneift die Augen zusammen. »Verkauf mich nicht für dumm, Violet. Wie lange schläfst du schon mit dem Gefährten?«

Es tut weh, meinen Namen aus ihrem Mund zu hören. »Ich … ich habe nicht mit ihm geschlafen.« Das ist nur die halbe Wahrheit, doch in dem Moment, als wir überrascht wurden, lagen wir tatsächlich nur so im Bett.

»Lüg mich nicht an!«

»Ich lüge nicht.«

Die Nasenlöcher der Herzogin beben. »Gut.« Sie wendet sich an die Soldaten. »Fesselt sie. Und bringt die andere herein.«

Bevor ich reagieren kann, werfen sich die Männer auf mich, reißen mir die Arme auf den Rücken und binden sie mit einem groben Strick zusammen. Wütend wehre ich mich, aber die Fessel ist einfach zu straff. Ich schürfe mir die Haut ab, das Holz des Bettpfostens drückt mir in den Rücken. Dann wird eine zierliche Gestalt hereingeführt.

Annabelles Augen sind vor Angst geweitet. Auch ihre Hände sind auf dem Rücken gefesselt. So kann sie nichts auf ihr Schiefertäfelchen schreiben – Annabelle ist von Geburt an stumm und kann sich nur über eine Schreibtafel mitteilen. Ihr kupferrotes Haar hat sich aus dem Knoten gelöst, das Gesicht ist so blass, dass die Sommersprossen sich noch stärker abheben. Mein Mund wird trocken.

»Raus!«, befiehlt die Herzogin den Soldaten. Gehorsam schließen sie die Tür hinter sich.

»Sie … sie weiß von nichts«, protestiere ich schwach.

»Das kann ich mir kaum vorstellen«, erwidert die Herzogin.

»Wirklich nicht!«, rufe ich und zerre an meinen Fesseln, denn ich kann nicht zulassen, dass Annabelle etwas geschieht. »Ich schwöre beim Grab meines Vaters, dass sie nichts wusste!«

Die Herzogin betrachtet mich genau, ein grausames Lächeln umspielt ihre Lippen. »Nein. Ich glaube dir trotzdem nicht.« Mit einem unerträglichen Geräusch schlägt sie Annabelle ins Gesicht.

»Bitte nicht!«, rufe ich. Annabelle stolpert rückwärts, fällt beinahe hin. »Tun Sie ihr nichts!«

»Oh, ich will ihr ja gar nichts tun, Violet. Das ist alles deine Schuld. Sobald du die Wahrheit sagst, verschone ich sie.«

Meine Handgelenke sind bereits durchgescheuert, der Strick schneidet mir ins Fleisch. Plötzlich schießt die Herzogin auf mich zu, umfasst mein Kinn mit ihrer eisernen Klaue, gräbt die Fingernägel in den blauen Fleck auf meiner Wange. »Wie lange schläfst du schon mit ihm?«

Ich will antworten, kann den Mund aber nicht öffnen. Die Herzogin lockert ihren Griff.

»Wie lange?«, wiederholt sie.

»Es war nur ein Mal«, stoße ich aus. »Nur ein einziges Mal.«

»Wann?«

»An dem Abend …«, keuche ich, »an dem Abend, bevor der Arzt zum zweiten Mal versucht hat …«

Schäumend vor Wut funkelt mich die Herzogin an. »Hast du absichtlich versucht, die Schwangerschaft zu unterlaufen?«

Die Verwirrung muss mir ins Gesicht geschrieben stehen. »Ich … nein. Wie soll ich das denn tun?«

»Keine Ahnung, Violet. Aber du bist ja ein kluges Mädchen. Du findest bestimmt eine Möglichkeit.«

»Nein«, entgegne ich.

Wieder schlägt die Herzogin Annabelle ins Gesicht.

»Bitte!«, flehe ich. »Ich sage die Wahrheit.«

Annabelle zieht eine Schulter hoch, als wollte sie ihre geschwollene Wange dagegendrücken. Unsere Blicke treffen sich. In ihren Augen sehe ich nichts als Angst. Bestürzung. Sie zieht die Brauen zusammen, will mich etwas fragen, aber ich verstehe es nicht.

»Ich bin in einem Dilemma.« Die Herzogin geht vor mir auf und ab. »Du bist äußerst wertvoll für mich. Sosehr ich dich am liebsten umbringen würde für das, was du getan hast, wäre es aus finanzieller Sicht nicht besonders klug. Natürlich sieht dein Leben in diesem Palast von nun an anders aus. Es ist Schluss mit den Bällen, dem Cello, dem … nun, mit allem. Wenn es sein muss, lasse ich dich für die Dauer deines Aufenthalts auf der Untersuchungsliege festschnallen. Ich habe ein Eilgesuch an den Fürsten geschickt, den Gefährten hinzurichten. In ein, zwei Stunden dürfte er tot sein. Das wird schon eine gewisse Strafe für dich bedeuten. Aber ich frage mich, ob es reicht.«

In meiner Kehle bildet sich ein Wimmern. Ich will es hinunterschlucken, doch die Herzogin hört es trotzdem. Sie lächelt.

»Was für eine Verschwendung, allerdings. Er sieht so umwerfend aus. Und soll sehr gut sein, wie ich gehört habe. Auf Garnets Verlobungsfeier hat die Lady vom Strom derart von ihm geschwärmt … Schade, dass ich keine Gelegenheit mehr habe, selbst in den Genuss seiner Talente zu kommen.«

Ein eiskaltes Gefühl breitet sich in mir aus. Das Grinsen der Herzogin wird noch breiter. »Also wirklich«, fährt sie fort, »was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Hast du geglaubt, ihr beide reitet irgendwann in den Sonnenuntergang? Weißt du, mit wie vielen Frauen dieser Kerl geschlafen hat? Das ist widerwärtig. Ich hätte gedacht, du hast einen besseren Geschmack. Wenn du dich in diesem Palast schon bis über beide Ohren verlieben musst, warum nicht in Garnet? Der hat vielleicht ein furchtbares Benehmen, aber sieht doch nicht übel aus. Vor allem hat er hervorragendes Blut.«

Ich kann mich nicht beherrschen und stoße ein verbittertes, heiseres Lachen aus. »Hervorragendes Blut? Glauben Sie tatsächlich, das interessiert außer dem Adel irgendwen in dieser Stadt? Sie würden ja nicht mal Surrogate brauchen, wenn Ihnen das bescheuerte Blut nicht so wichtig wäre!«

Geduldig lässt die Herzogin meinen Ausbruch über sich ergehen. »Ich dachte, du würdest deine Worte klüger wählen«, sagt sie. Als sie diesmal zuschlägt, platzt die Haut unter Annabelles rechtem Auge auf. Tränen laufen ihr über die Wangen.

»Es ist wichtig, dass du eins begreifst«, sagt die Herzogin. »Du gehörst mir. Der Arzt wird erst dann zufrieden sein, wenn mein Kind in dir wächst. Von nun an werde ich keine Rücksicht mehr auf deine Schmerzen, Beschwerden und Launen nehmen. Du bist für mich wie ein Möbelstück. Ist das klar?«

»Ich tue alles, was Sie wollen«, antworte ich. »Nur schlagen Sie bitte Annabelle nicht mehr!«

Die Herzogin wird still. Ihr Gesichtsausdruck wird weich, sie seufzt. »Nun gut«, sagt sie.

Sie geht zu der zusammengesunkenen Annabelle und reißt ihren Kopf an den Haaren in einer fließenden Bewegung hoch.

»Weißt du, Violet«, sagt die Herzogin, »du hast mir etwas bedeutet, wirklich.« Ihr offener Blick wirkt tatsächlich traurig. »Warum musstest du mir das antun?«

Ich sehe nicht das Messer in ihrer Hand, nehme nur ein silbernes Blitzen wahr, als sie es über Annabelles Kehle zieht. Annabelles Augen werden groß, eher vor Staunen als vor Schmerz. Ein dunkelroter Schnitt klafft an ihrem Hals.

»NEIN!«, schreie ich. Annabelle sieht mich an, ihr Gesicht so wunderschön und zerbrechlich, und jetzt verstehe ich ihre Frage. Sie steht ihr so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass ich sie auch wortlos begreife.

Warum?

Blut rinnt über ihre Brust, färbt ihr Nachthemd leuchtend rot. Dann sackt ihr Körper zu Boden.

Ein wildes, gutturales Klagen erfüllt den Raum, und es dauert eine Weile, bis ich merke, dass es von mir stammt. Ich reiße an den Fesseln, missachte den Schmerz in meinem Rücken und den Handgelenken, spüre eigentlich gar nichts, will nur zu Annabelle, um alles wieder gutzumachen. Wenn ich sie nur in die Arme nehmen könnte, würde ich sie zurückholen. Es muss eine Möglichkeit geben, sie zu retten, denn sie kann nicht tot sein, das darf nicht sein …

Annabelles Augen sind geöffnet. Leer starren sie mich an, das Blut sickert aus der Wunde an ihrem Hals, kriecht über den Teppich auf mich zu.

»Du musstest für das bestraft werden, was du getan hast.« Die Herzogin wischt das Messer am Ärmel ihres Morgenmantels ab. »Und sie auch.«

So beiläufig, als wäre nichts geschehen, steigt sie über Annabelles Körper hinweg und öffnet die Tür. Ich erhasche einen Blick auf die beiden Soldaten im Teesalon, die zu meiner Bewachung abgestellt sind. Dann schlägt die Tür zu, und ich bin allein mit der Leiche des Mädchens, das meine erste und einzige Freundin in diesem Palast war.

2

Ich falle auf die Knie.

Die Fesseln zwingen meine Arme in eine unangenehme Position, die Schultern schmerzen, doch es ist mir egal. Meine Beine können mich nicht länger tragen.

Annabelles Körper hat alles Blut verloren, das er vergießen konnte. Ich betrachte ihr wunderschönes, treuherziges Gesicht und sehe darin das Mädchen, das in der ersten Nacht bei mir blieb, obwohl es eigentlich nicht erlaubt war, das mich nach Dahlias Beerdigung auf einem Berg zerrissener Kleider in den Armen wiegte, das mich fast jedes Mal beim Halma schlug, mir jeden Abend die Haare bürstete und als erster Mensch hier meinen Namen kannte.

Ich habe sie geliebt. Und nun habe ich sie umgebracht.

»Es tut mir leid«, flüstere ich, und die Tränen rinnen mir ungehemmt über die Wangen. »Es tut mir so leid, Annabelle.«

Die Gewissheit ihres Todes überwältigt mich, ich falle in einen gähnenden Abgrund der Trauer. Mein Schluchzen zerreißt mir die Brust, ich weine, bis mein Hals brennt und die Lunge schmerzt, bis nichts mehr in mir ist als eine große Leere, wo zuvor Annabelle ihren Platz hatte.

 

Die Zeit vergeht.

Irgendwann nehme ich wahr, dass meine Achselhöhlen weh tun. Das dumpfe Ziehen lenkt mich von meiner Trauer ab. Dennoch finde ich keine Kraft, mich zu bewegen.

Ich meine, etwas vor der Tür zu hören – ein leichtes Ploppen, dann zwei dumpfe Geräusche. Vielleicht ist die Herzogin zurückgekommen. Wen sie wohl als Nächstes vor meinen Augen umbringt?

Die Tür geht auf, ein Soldat tritt ein. Allein, was mir sonderbar erscheint. Er schließt die Tür hinter sich und starrt einen entsetzten Augenblick auf die Leiche meiner Freundin. Dann eilt er zu mir.

»Alles in Ordnung?«, fragt er. Noch nie habe ich einen Soldaten der Herzogin sprechen hören, dennoch meine ich, die Stimme von irgendwo zu kennen. Ich komme gar nicht auf die Idee, ihm zu antworten.

Er zieht etwas aus seinem Gürtel, und kurz darauf sind meine Arme frei – ich sacke zusammen, mir fehlt die Energie, mich abzustützen. Er fängt mich auf.

»Violet«, flüstert er. »Bist du verletzt?«

Woher kennt der Soldat meinen Namen? Er schüttelt mich leicht, ich registriere sein Gesicht.

»Garnet?«, versuche ich hervorzubringen, doch meine Kehle ist zu trocken.

»Komm!«, sagt er. »Wir müssen hier raus. Wir haben nicht viel Zeit.«

Ungelenk zieht er mich auf die Füße. Ich stolpere einige Schritte weit und sinke vor Annabelle auf die Knie. Ihr Blut auf dem Teppich ist noch nass, es tränkt mein Nachthemd. Ich schiebe ihr eine Locke hinters Ohr.

»Es tut mir so leid«, flüstere ich. Ganz vorsichtig schließe ich ihre Augen.

»Violet«, drängt Garnet, »wir müssen los.«

Ich drücke ihr einen Kuss auf die Schläfe, direkt über dem Ohr. Ihr Haar riecht nach Lilien.

»Auf Wiedersehen, Annabelle«, flüstere ich.

Dann zwinge ich mich aufzustehen. Garnet hat recht. Wir müssen gehen. Ash lebt noch. Ich kann ihn retten.

Garnet öffnet die Tür, die beiden Soldaten liegen ausgestreckt auf dem Boden. Kurz frage ich mich, ob sie bewusstlos oder tot sind, doch eigentlich ist es mir egal.

Wir huschen durch den Salon und verlassen meine Gemächer. Der Blumengang ist leer, aber Garnet biegt nach rechts ab und steuert auf eine nicht oft benutzte Treppe im hinteren Teil des Palastes zu.

»Hat Lucien dich geschickt?«, frage ich.

»Lucien weiß noch nichts«, erwidert er. »Ich konnte ihn nicht erreichen.«

»Wohin gehen wir?«

»Hör auf zu fragen!«, zischt Garnet. Wir erreichen die Treppe und hasten nach unten. Unter meinen Füßen quietscht eine Diele.

Im Erdgeschoss ist es unheimlich still. Die Türen zum Ballsaal sind geöffnet, das Licht des Mondes fällt in langen Strahlen aufs Parkett und greift nach uns. Ich denke an die Nacht, als ich zum ersten Mal durch diese Gänge schlich, um Ash in seinem Zimmer zu besuchen.

»Wo ist der Kerker?«, flüstere ich. Garnet reagiert nicht. Ich halte ihn am Arm fest. »Garnet, wo ist der Kerker? Wir müssen Ash befreien.«

»Bist du vielleicht mal leise?«, gibt er zurück. »Wir müssen dich hier rausbringen.«

Ich nehme einen vertrauten Geruch wahr und ziehe, ohne nachzudenken, die Tür zum Raucherzimmer des Herzogs auf. Schnell dränge ich Garnet hinein.

»Was soll das?«, presst er hervor.

»Wir gehen nicht ohne ihn«, sage ich.

»Er ist nicht Teil der Abmachung.«

»Wenn wir ihn hier lassen, stirbt er.«

»Und?«

»Ich habe gerade zugesehen, wie Annabelle verblutet ist.« In meiner Brust zieht sich etwas zusammen. »Sie war einer der liebsten, nettesten Menschen, die ich je gekannt habe, und sie ist wegen mir gestorben. Was wäre, wenn sie im Kerker säße? Würdest du sie auch zurücklassen, damit sie hingerichtet wird? Ich habe gesehen, wie du mit ihr umgegangen bist. Du warst freundlich zu ihr. Sie mochte dich. Ist dir ihr Leben egal?«

Voller Unbehagen tritt Garnet von einem Fuß auf den anderen. »Hör zu, das gehört nicht zu meiner Aufgabe, ja? Ich bin nicht hier, um eine tragische Liebe zu retten.«

»Darum geht es nicht. Es geht um ein Leben. Warum bist du dann hier?«

»Ich bin Lucien etwas schuldig. Ich habe ihm versprochen, dir zu helfen.«

»Dann tu es auch!«

»Ich begreife es nicht«, erwidert Garnet. »Er ist doch nur ein Gefährte. Davon gibt es Hunderte.«

»Und Annabelle war nur eine Kammerzofe. Und ich bin nur ein Surrogat«, fahre ich ihn an. »Du klingst genau wie deine Mutter.«

Garnet erstarrt.

»Schau dir das an!« Ich nehme mein blutiges Nachthemd in die Faust. »Das ist Annabelles Blut. Es ist das Werk deiner Mutter. Wann hört das auf? Wie viele unschuldige Menschen sollen noch durch ihre Hand sterben?«

Er überlegt. »Gut«, sagt er dann. »Ich helfe dir. Aber rechne nicht damit, dass ich die Verantwortung übernehme, wenn wir erwischt werden.«

»Wieso sollte ich das wohl erwarten«, murmele ich vor mich hin. Wir schlüpfen aus dem Zimmer und weiter durch den Gang, vorbei an der Bibliothek. Links davon befindet sich eine breite Tür mit einem robusten Griff.

»Halt mal!« Garnet reicht mir etwas, das wie eine große schwarze Murmel aussieht und ungefähr die Größe eines Eies hat. Der Gegenstand ist ungewöhnlich glatt.

»Was ist das?«, frage ich.

»Damit setzen wir die Wachen vor dem Kerker außer Gefecht«, erklärt er. »Frag mich nicht, wie es funktioniert; Lucien hat es mir gegeben. Damit habe ich dich rausschmuggeln können, ohne dass die Soldaten mich gesehen haben.«

Garnet holt einen Schlüsselring hervor und schiebt ein großes Exemplar aus Eisen ins Schloss. Mit einem leisen Knarren öffnet sich die Tür. Garnet nimmt mir die Murmel wieder ab.

»Ich würde ja sagen: Ladies first«, flüstert er, »aber in dieser Situation verzichten wir wohl besser auf Höflichkeiten.«

Der Korridor erinnert mich an den Geheimgang hinter Ashs Zimmer: Die Wände und der Boden sind aus Stein, kalt unter meinen nackten Füßen. Blasse Leuchtkugeln weisen uns den Weg. Eine lange Treppe führt vor mir in die Tiefe. Ich nehme die Stufen langsamer, als ratsam ist, lausche angestrengt auf andere Geräusche als die von Garnets Stiefeln und meinen Schritten. Als wir unten ankommen, zittere ich in der kühlen, abgestandenen Luft. Vor uns befindet sich eine leicht angelehnte Tür aus Holz, in die ein mit Eisenstäben bewehrtes Guckloch eingesetzt ist.

Garnet runzelt die Stirn.

»Was ist?«, flüstere ich.

Ich drücke die Tür weiter auf, und jeglicher Wille, mich zurückzuhalten, ist dahin.

Ich schreie auf.

Wenige Meter vor mir liegt Ash zusammengekrümmt auf dem Boden einer Zelle. Ich stürze auf die kalten Eisenstäbe zu, falle auf die Knie und umklammere sie.

»Ash!«, stoße ich aus. Auf seinem Gesicht und in seinen Haaren klebt geronnenes Blut. Seine Wange ist blau, er hat eine Platzwunde auf der Stirn und ist lediglich mit seiner Pyjamahose bekleidet. Brust und Füße sind nackt. Er muss frieren. Doch er spürt es nicht, er ist bewusstlos.

»Ash!«, rufe ich lauter. »Ash, wach auf!« Ich greife durch die Stäbe, aber er ist zu weit entfernt, ich erreiche ihn nicht. »Garnet, wo ist der Schlüssel?«

Er kommt an meine Seite. »Keine Ahnung«, sagt er. »Der Schlüssel für die Zelle ist nicht an diesem Ring.«

Eine Welle der Verzweiflung steigt in mir auf und droht mich zu vernichten, doch ich beiße die Zähne zusammen und zwinge sie zurück. Ich habe keine Zeit, die Hoffnung zu verlieren. »Wir müssen doch irgendwas tun! Der Schlüssel muss hier irgendwo sein. Ash!« Ich rüttele an den Stäben, ein sinnloser Versuch. »Wach auf, bitte!«

»Sucht ihr etwas?«

Aus dem Dunkel hinter der Holztür tritt Carnelian hervor. In der Hand hält sie einen kleinen goldenen Schlüssel. Alles in mir erstarrt.

»Carnelian, was hast du getan?«, fragt Garnet mit großen Augen, aber schaut dabei nicht seine Cousine an. Ich folge seinem Blick zu zwei Soldaten, die vor einer leeren Zelle liegen.

Das Mädchen hebt die andere Hand und zeigt ihm eine Spritze. »Ist schon lustig, was man alles machen kann, wenn man von niemandem beachtet wird. Wohin man gelangt. Wie man die Leute manipulieren kann. Dr. Blythe hat mir verschiedene Dinge gezeigt, weil ich so getan habe, als würde ich mich für Medizin interessieren.« Liebevoll betrachtet sie die Nadel. »Die sind nicht tot«, erklärt sie, »nur gelähmt. Betäubt. Auch die Soldaten haben mich unterschätzt. Habe ich an ihrem Blick gesehen. Die arme, kleine Carnelian. Hässliche, dumme Carnelian.«

»Dafür bringt Mutter dich um«, sagt Garnet.

»Dich auch«, gibt seine Cousine zurück. »Was willst du denn mit der hier?«

»Mach die Zelle auf!«, verlange ich.

Ihre Augen blitzen. »Du hättest nicht bei ihm sein dürfen. Er war für mich bestimmt. Warum musstest du ihn mir wegnehmen?«

»Ich habe dir gar nichts weggenommen«, fahre ich sie an. »Er ist kein Hündchen und kein Spielzeug. Er ist ein Mensch.«

»Ich weiß, was er ist«, sagt sie. »Ich kenne ihn besser als du.«

»Das möchte ich bezweifeln.«

»Er hat mir Dinge erzählt, die er noch nie zuvor jemandem anvertraut hat! Hat er selbst gesagt. Und ich … ich …« Zwei rote Flecke erscheinen auf ihren Wangen. »Ich habe ihm meine Geheimnisse verraten. Er wollte für immer bei mir bleiben.«

»Carnelian, er konnte nicht bleiben. Er hätte gehen müssen, sobald du verlobt gewesen wärst.«

»Ich hatte mir etwas überlegt«, gibt sie zurück. »Ich hatte einen Plan.«

»Tja, das alles ist aber jetzt egal, weil er nämlich hingerichtet wird, wenn du nicht die Tür aufschließt.« Mein Blick huscht zu dem Schlüssel in ihrer Hand. »Möchtest du das?«

»Ich will nicht, dass er mit dir zusammen ist.«

»Stattdessen soll er lieber tot sein?«

Ein leises Stöhnen aus Ashs Zelle bringt uns alle zum Schweigen.

»Ash!«, stoße ich aus und drücke das Gesicht gegen die Gitterstäbe. Seine Augenlider flattern kurz, zwei Mal, dann öffnet er sie. Als er mich sieht, verzieht sich sein geschundenes Gesicht zu einem Lächeln.

»Violet?«, krächzt er. »Wo sind wir?« Er legt den Kopf in den Nacken, sieht sich um. »Ach so.«

»Alles gut. Ich bin hier, um dich zu retten.« Es klingt nicht so zuversichtlich, wie mir lieb wäre.

»Das ist schön«, haucht er. Kurz irrt sein Blick umher, dann sieht er mich wieder an. »Was ist mit deinem Gesicht passiert?«

»Nichts.«

Vorsichtig stemmt Ash sich hoch. Er zuckt zusammen und legt die Hand auf seine geschwollene Wange.

»Und?«, sagt er und kriecht zur Tür seiner Zelle. »Wie komme ich auf die andere Seite der Gitterstäbe?«

Ich sehe mich um, und zum ersten Mal scheint Ash zu bemerken, dass wir nicht allein sind. Mit gerunzelter Stirn registriert er Garnet und Carnelian. Sie hat ihre Spritze sinken lassen.

»Carnelian hat den Schlüssel.« Gegen jeden Instinkt erhebe ich mich und entferne mich von ihm. Es liegt nicht in meiner Macht, die Nichte der Herzogin zum Öffnen der Tür zu bewegen. Nur Ash kann es.

Langsam geht sie auf ihn zu, den Blick auf sein Gesicht geheftet. Genau an der Stelle, wo ich kurz zuvor gehockt habe, lässt sie sich ebenfalls auf die Knie sinken.

»Es tut mir so leid«, flüstert sie und schlingt ihre Hand um seine, die den Metallstab umklammert. »Ich dachte, wenn ich das Surrogat aus dem Weg schaffe, könnten wir zusammen sein.«

Ash zwingt sich zu lächeln. »Ich weiß.«

»Ich dachte … ich wollte …«

»Ich weiß«, wiederholt Ash. »Aber es hätte nicht funktioniert.«

Carnelian nickt. »Weil du nicht bei mir bleiben kannst, selbst wenn du wolltest.«

»Genau«, sagt er leise. »Es geht nicht.«

»Darf ich dich etwas fragen?« Der Schlüssel schwebt vor der Öffnung.

»Natürlich.«

»Was zwischen uns war … war irgendwas davon … echt?«

Ash schiebt seinen Kopf so nah an ihren heran, dass ich am liebsten dazwischengehen würde. Er flüstert Carnelian etwas zu, das ich nicht verstehe, und ihr Gesicht leuchtet auf. Dann wendet sie sich ab, dreht den Schlüssel und öffnet die Tür. Sofort bin ich an Ashs Seite und helfe ihm auf die Beine. Carnelian funkelt mich böse an.

»Ich werde nichts verraten. Seinetwegen«, sagt sie. »Nicht deinetwegen.«

Ich habe keine Zeit zu antworten, denn Garnet mischt sich ein.

»Tja, das war alles auf skurrile Weise durchaus unterhaltsam, aber jetzt müssen wir wirklich los.«

»Alles in Ordnung?«, raune ich Ash zu. Seine Brust an meinem dünnen seidenen Nachthemd ist kalt, doch als er seine Arme um mich schlingt, fühlen sie sich stark an.

»Lass uns verschwinden«, flüstert er zurück.

»Kopf hoch, Cousinchen!«, sagt Garnet. Halb wütend, halb geknickt schaut Carnelian uns nach. »Stell dir Mutters Gesicht vor, wenn sie erfährt, dass beide weg sind.«

Carnelians Mundwinkel zucken.

Garnet nickt. »Danke für die Hilfe«, sagt er und winkt zum Abschied. Dann dreht er sich zu uns um. »Jetzt aber los!«

3

So schnell und leise wir können, hasten wir die Treppe hoch, hinaus aus dem Kerker.

Die Gänge sind leer. Ash drückt einen Arm gegen seine Rippen, hält sich die linke Seite. Mit der anderen Hand greift er nach meiner.

»Alles in Ordnung?«, fragt er mit Blick auf mein Nachthemd. Annabelles Blut auf meinen Knien und Schienbeinen ist fast getrocknet. Ich bekomme einen Kloß im Hals.

»Das ist nicht meins«, flüstere ich.

Ashs Augen werden groß. »Von wem …?«

Entschieden schüttele ich den Kopf. Darüber kann ich jetzt nicht sprechen.

Wir gehen am Speisesaal vorbei und erreichen den gläsernen Gang, der diesen Gebäudeteil mit dem Ostflügel verbindet, wo Ashs Zimmer sind. Es kommt mir vor, als würde die ganze Nacht rückwärts ablaufen. Doch nun ist Ash an meiner Seite. Ich drücke seine Hand, um mir das ins Bewusstsein zu rufen.

»Was macht der hier?«, raunt er mir mit Blick auf Garnet zu.

Ich zucke mit den Schultern.

»Was er hier macht? Er versucht, euch beide hier rauszuschaffen, ohne dabei draufzugehen«, zischt Garnet. »Also leise jetzt, und bleibt dicht hinter mir!«

»Wohin gehen wir?«, will ich wissen.

»Wir brauchen ein Transportmittel«, antwortet Garnet.

»Stimmt. Was hast du für einen Plan?«

»Mal im Ernst, Violet.« Garnet bleibt stehen. »Sieht es aus, als hätte ich eine Gebrauchsanweisung für das hier? Ich improvisiere auch nur. Wenn du eine bessere Idee hast …«

»Nein, nein«, beeile ich mich zu sagen. »Was immer du für richtig hältst.«

»Er weiß, wie du heißt«, brummt Ash, während wir Garnet durch den Gang folgen.

»Lucien«, sage ich zur Erklärung. Ash murmelt etwas, das ich nicht verstehe.

Es geht vorbei an Ashs Gemächern, nach links, nach rechts, wieder nach links. Wir gelangen tiefer in den Ostflügel, als ich je vorgedrungen bin.

»Woher kennst du den Dienstbotenflügel so gut?«, fragt Ash Garnet.

Der Sohn der Herzogin hebt eine Augenbraue und wirft mir ein lüsternes Grinsen zu. »Ich komme viel herum.«

Bei der Vorstellung, wie viele arglose Küchenmägde Garnet ausgenutzt haben mag, muss ich mich schütteln, doch Ash ist unbeeindruckt.

»Tust du nicht«, sagt er.

Garnet schnaubt verächtlich. »Woher willst du das wissen?«

»Weiß ich halt«, erwidert Ash. »Ist so.«

Als wir eine Tür am Ende eines Ganges erreichen, verziehen sich Garnets Lippen zu einem Grinsen. Er knöpft seine Soldatenjacke auf und wirft sie mir zu. »Die wirst du brauchen«, sagt er. Ich schlüpfe hinein. Die Ärmel sind mir deutlich zu lang; unerklärlicherweise muss ich an den Bademantel meiner Mutter denken. Wie groß er war, wenn ich ihn in unserem Haus im Sumpf trug, damals, als ich mir nichts Furchterregenderes vorstellen konnte, als in der Verwahranstalt Southgate leben zu müssen.

Garnet öffnet die Tür. Ein eisiger Wind schlägt mir entgegen. Noch bevor wir nach draußen treten, klappern meine Zähne. Ich will Ash die Jacke anbieten, da er nicht mal ein Oberteil trägt, doch er hält mich fest umschlungen. Unter meinen nackten Füßen knirscht Raureif auf dem Gras, innerhalb von Sekunden sind meine Zehen taub. Die Nacht ist bewölkt, weder Mond noch Sterne weisen uns den Weg, doch Garnet marschiert zielstrebig voran. Ein schwarzer Umriss – niedrig, kastenförmig – taucht in der Dunkelheit auf. Als wir davor stehen, nestelt Garnet am Schlüsselring herum.

Ein Schloss klickt, und wir gelangen aus der Eiseskälte in einen stillen, kühlen Raum.

Hinter uns fällt die Tür zu, flackernd springt ein Licht an. In einer gewaltigen Halle reihen sich auf Hochglanz polierte Automobile aneinander. Ich entdecke die weiße Limousine, in der ich mit der Herzogin zu Dahlias Beerdigung im Fürstenpalast gefahren bin, und die schwarze, mit der wir zu den Bällen chauffiert wurden. Daneben stehen ein knallroter Wagen, ein silberner, ein blassblauer und ein zitronengelber.

Garnet steuert zielsicher auf das rote Auto zu und öffnet den Kofferraum.

»Einsteigen!«

Nie hätte ich mir vorstellen können, dass ich freiwillig und sogar gerne in einen Kofferraum klettere.

»Meinst du nicht, dass es auffällt, wenn ein Wagen fehlt?«, grummelt Ash, als er sich neben mich legt. Ich drücke mich nach hinten, um ihm Platz zu machen.

Garnet grinst. »Der gehört ja mir. Ist nicht das erste Mal, dass ich nachts mit ihm zum Spaß durch die Gegend kurve.«

Er schlägt den Kofferraumdeckel zu.

Panik erfasst mich mit einer Heftigkeit, die mir den Atem raubt. Die Dunkelheit ist zu dicht, zu beengend. Meine Hände schlagen gegen den Deckel, bis Ashs kalte Finger sich um mein Gesicht schließen.

»Es ist gut, Violet«, flüstert er. »Atme ganz ruhig.«

Meine Lunge wird groß und weit, und plötzlich bin ich überwältigt von allem, was gerade passiert. Tränen strömen mir über die Wangen, ich vergrabe das Gesicht an seiner Brust. Der Motor wird angelassen, ein tiefes Brummen vibriert durch meinen Körper. Entfernt höre ich das Geräusch des sich öffnenden und schließenden Garagentors, dann braust Garnet rasant rückwärts aus der Auffahrt. Ich werde gegen Ash gepresst. Der Wagen dreht sich schwindelerregend, ich werde nach hinten katapultiert, Ashs Körper gegen meinen.

»Ich glaube«, stöhnt Ash, »das macht ihm Spaß.«

Da breche ich in hysterisches Lachen aus, ebenso plötzlich wie zuvor die Tränen kamen. Mein Bauch zieht sich derart heftig zusammen, dass es weh tut. Ash fällt in mein Gelächter ein, doch dann geht seins in einem Hustenanfall unter.

»Alles in Ordnung?« Ich drücke unzählige Küsse auf sein Gesicht.

»Schon gut … Autsch!« Mein Mund hat seine lädierte Wange berührt. »Was genau ist eigentlich passiert? Ich weiß nur noch, dass die Herzogin in mein Zimmer kam.«

Ich berichte ihm alles, auch von dem Arkanum, über das ich plötzlich Garnets Stimme hörte, und von der Herzogin, die mich fesseln ließ, von Annabelle …

»Ich habe sie dort zurückgelassen«, sage ich. »Ganz allein.«

»Das musstest du tun«, wispert Ash. »Violet, das ging nicht anders.«

Eine Weile schweigen wir. Die Schuldgefühle, die Schmerzen und die Trauer, die ich während der Flucht aus dem Palast unterdrücken konnte, steigen wieder in mir auf. Ich sehe Annabelles Gesicht vor mir, rieche den Lilienduft ihrer Haare.

»Es ist meine Schuld«, flüstere ich. »Wenn ich nicht … Wenn wir …«

»Nein.« Ashs Stimme in unserem beengten Versteck ist fest und gebieterisch. »Die Herzogin hat Annabelle umgebracht, Violet. Nicht du. Nicht ich.«

Ich lehne meinen Kopf an seine Schulter und gebe mir selbst ein stummes Versprechen: Ich werde sie niemals vergessen. Nur auf diese Weise kann ich sie lebendig halten.

»Weißt du, wohin wir fahren?«, fragt Ash.

»Nein.« Nun, da wir auf der Straße sind, gleitet der Wagen sanft dahin. Ich winde mich aus der Jacke und lege sie auf Ash.

»Violet, mir ist nicht …«

»Wir nehmen sie beide«, beharre ich und kuschele mich so eng wie möglich an ihn. Seine Haut ist eiskalt.

Ash streicht mir übers Haar. Das Brummen des Motors ist beruhigend, fast einschläfernd.

»Du hast mir das Leben gerettet«, flüstert er. Warm streift sein Atem meine Schläfe.

»Ich konnte dich doch nicht dort zurücklassen.«

Er lacht leise. »Das weiß ich zu schätzen.«

»Hättest du auch gemacht.«

Gefühlte Stunden fahren wir so dahin, bis das Auto abrupt stoppt und der Kofferraum aufgerissen wird. Der Mond ist wieder herausgekommen, Garnet steht im silbernen Licht vor uns.

»Und, hattet ihr’s nett?« Er grinst uns an.

Ash kraxelt heraus und hilft mir ebenfalls aus dem Wagen, dann legt er mir die Jacke um die Schultern. »Wo sind wir?«, fragt er.

Ich sehe mich um. Wir befinden uns in einer dunklen Gasse zwischen zwei schlichten Gebäuden.

»Vor der Leichenhalle«, antwortet Garnet.

Ich erschaudere.

Er führt uns zu einer Eisentür, weiß gestrichen wie die Außenmauern.

»Ist die offen?«, frage ich.

»Diese Leichenhalle ist für Dienstboten und Surrogate«, erklärt Garnet.

»Aha.«

Im Gebäude ist es eiskalt und steril. Garnet hakt eine kleine Taschenlampe aus seinem Gürtel und leuchtet in verschiedene kränklich grüne Korridore, die nach Desinfektionsmittel riechen. Meine Füße kleben auf dem gewienerten Boden.

»Wo müssen wir hin?«, flüstere ich.

Er lässt den Strahl der Taschenlampe nach links und rechts schwenken. »Gute Frage. Lucien hat dir nicht zufällig gesagt, wo genau du ihn treffen sollst?«

»Normalerweise wäre ich als Tote hier«, erwidere ich.

»Ach, ja.«

»Wir könnten uns nach diesen Wegweisern richten.« Ash steht an einer Ecke, wo sich zwei Korridore kreuzen, und betrachtet die Beschriftung an der Wand. »Garnet, komm mal her!«

Der Sohn der Herzogin gehorcht und beleuchtet die Wegweiser.

Wir wenden uns nach rechts, folgen dem Korridor und treten durch eine Schwingtür in einen anderen Gang. Ash probiert, eine Tür auf der gegenüberliegenden Seite zu öffnen.

»Verschlossen«, sagt er.

»Die hier nicht.« Garnet zieht die nächste Tür auf und macht das Licht an. Wir erblicken vier Wände metallisch glänzender Fächer, mehrere Reihen übereinander. Alles ist makellos sauber.

»Sind die für die …« Ich bringe es nicht über mich, das Wort Leichen auszusprechen.

»Ja«, bestätigt Ash.

»Sind die alle … besetzt?« Der Gedanke an so viele tote Surrogate lässt mich noch mehr frösteln. Annabelles Blut juckt auf meinen Knien.

»Hoffentlich nicht«, erwidert er.

»Meinst du, Raven ist schon hier?«, frage ich. Als ich ihr am Nachmittag beim Essen der Herzogin das Serum zuspielte, dämmerte sie nur noch vor sich hin. Doch als sie meine Stimme hörte, wurde sie munterer. Ich kann nur hoffen, dass sie mich verstanden hat.

Ash schluckt. »Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden.«

»Wer ist Raven?«, fragt Garnet.

»Meine beste Freundin«, erkläre ich ihm. Mit wackligen Knien nähere ich mich einem der Fächer. »Das Surrogat der Gräfin vom Stein. Ich habe ihr Luciens Serum gegeben.«

»Was?« Garnet schüttelt den Kopf. »Also, wenn Lucien nicht so erpicht darauf wäre, dir das Leben zu retten, würde er dich wahrscheinlich eigenhändig umbringen.«

Ich überhöre ihn, lege mit zitternden Fingern den Hebel um und ziehe das Fach auf.

Leer.

Ich merke, dass ich die Luft angehalten habe, und atme aus.

»Eins geschafft.« Ash kommt zu mir. »Noch ein paar Dutzend vor uns.«

Der Reihe nach öffnen Ash und ich eine Klappe nach der anderen. Mit verwirrtem Gesichtsausdruck sieht Garnet uns zu. Nach sieben leeren Fächern ruft Ash mich leise. »Violet.«

Ich husche zu ihm und blicke mit ihm auf einen schwarzen Sack. Gemeinsam ziehen wir die Metallschiene heraus, auf der die Leiche liegt. Ash will den Reißverschluss öffnen.

»Nein«, sage ich. »Ich mache das.«

Ganz vorsichtig führe ich den Reißverschluss nach unten, und ein im Tod versteinertes blasses Gesicht kommt zum Vorschein. Ich muss schlucken.

»Das ist nicht Raven«, sagt Ash.

Ich schüttele den Kopf, Tränen treten mir in die Augen.

»Hast du dieses Mädchen gekannt?«

»Nicht persönlich«, sage ich. »Aber ich habe es einmal gesehen.«

Es ist das Surrogat von Dahlias Beerdigung, das Mädchen, das damals seine Schwester suchte. Ich lege die Hand auf ihre eiskalte Stirn. Sie sieht so jung aus.

Die Ungerechtigkeit der ganzen Situation überwältigt mich. Wieso lebe ich noch? Wieso bin ich es wert, gerettet zu werden, wieso nicht dieses Mädchen, die Löwin oder Dahlia? Wut auf Lucien steigt in mir auf, weil er mich zwingt, diese furchtbare Wahrheit zu akzeptieren, ohne mir eine Möglichkeit zu geben, etwas daran zu ändern.

Du hast Raven gerettet, flüstert eine Stimme in meinem Kopf.

Noch nicht, denke ich. Und das ist nicht genug.

Ich schließe den Leichensack und schiebe das Mädchen, dessen Namen ich niemals erfahren werde, zurück in sein kühles Grab.

»Wir müssen weitersuchen«, sage ich zu Ash.

Wir finden vier weitere Mädchen, doch ich kenne keines von ihnen.

»Was ist, wenn Raven das Serum nicht genommen hat?« Langsam kriecht Panik in meine Stimme.

»Hat sie«, versichert mir Ash, aber es ist nur so dahingesagt, und ich spüre, dass auch ihm das bewusst ist. Niemand kann wissen, ob Raven mich verstanden hat.

»Wahrscheinlich wurde sie noch nicht gefunden«, sagt Garnet. Lässig lehnt er an der Wand, die Hände in den Taschen, als würde er sich tagtäglich in Leichenhallen herumtreiben.

»Was willst du hier noch?«, fragt Ash.

Garnet zuckt mit den Schultern. »Ich will sehen, was passiert, wenn Lucien dich hier sieht.« Er grinst. »Außerdem habe ich seit langer Zeit nicht so viel Spaß gehabt. Adelig zu sein ist so langweilig. Ich nehme jede Gelegenheit wahr, meiner Mutter eins auszuwischen. Ihr das Surrogat unter der Nase wegzuschnappen, es aus ihrem eigenen Haus zu entführen, das lasse ich mir nicht entgehen.«

»Warum hasst du sie so sehr?«, frage ich.

»Tja, Violet, du hast zwei Monate bei ihr gelebt«, gibt er zurück. »Was hältst du so von ihr?«

Da hat er recht.

»Jetzt rechne das mal auf dein ganzes Leben hoch.« Garnet kratzt sich im Nacken. »Es ist ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch verstellen kann.«

Eine schwere Eisentür fällt ins Schloss. Das Geräusch lässt uns alle erstarren.

»Licht aus!«, zischt Ash. Garnets Hand schießt zum Schalter, schon stehen wir alle im Dunkeln. Im ersten Moment herrscht Stille. Dann hören wir unverkennbar Schritte und Stimmen im Gang.

»Wir müssen uns verstecken«, sagt Garnet.

»Wo?«, entgegne ich. »Ich kann nichts sehen.«

Links neben mir klickt etwas, dann flackert Garnets Taschenlampe. Ihr Lichtstrahl fällt auf Ash, der neben dem untersten Fach ganz links hockt. Die Klappe ist geöffnet. Er sieht mir in die Augen.

»Nein«, flüstere ich.

»Hast du eine bessere Idee?«, fragt Garnet, packt mich am Arm und zieht mich zu Ash, die Taschenlampe auf den Boden gerichtet. Ich kauere mich neben das schwarze Loch, in dem schon so viele tote Surrogate verwahrt wurden. In meinem Magen breitet sich etwas aus, das stärker ist als Ekel und beißender als Angst. Es ist verkehrt, sich dort zu verstecken. Meine Glieder werden taub.

»Wir haben keine Wahl«, sagt Ash. Ich öffne die Klappe neben ihm und zwinge mich, die Beine hineinzuschieben, krümme mich und schlängele mich voran, bis ich mit dem Gesicht nach unten auf der kalten Metallfläche liege. Die Stimmen sind jetzt so nah, dass ich die Worte beinahe verstehen kann, dazu quietscht es leise. Die Taschenlampe erlischt. Garnets Klappe geht zu, dann die von Ash.

Ich hole tief Luft und schließe mich ebenfalls ein.

4

Die Dunkelheit in diesem Stahlgrab ist deutlich schlimmer als die Schwärze im Kofferraum von Garnets Wagen.

Ich drücke die Stirn auf das kalte Metall und male mir aus, woanders zu liegen oder mit Ash zusammen zu sein. Vielleicht ist das alles nur ein Traum, und ich wache gleich im Sumpf auf.

Das Licht im Raum wird angeknipst.

Blasses Gelb sickert in mein Versteck. Von innen ist kein Hebel an der Klappe angebracht, deshalb habe ich sie ein wenig offen gelassen. Die Stimmen der beiden Männer dringen gedämpft zu mir.

»… wollte wohl nicht, dass es jemand sieht.«

»Wüsste nicht, wen das stören sollte. Wie viele Surrogate hat sie im Laufe der Jahre verbraucht? Zwanzig?«

»Ist nicht deine Aufgabe, das zu zählen, Junge. Wir tun, was man uns aufträgt.« Die erste Stimme ist auf jeden Fall älter, sie klingt rauer, dunkler. »Es hieß: Abholung im Palast vom Stein um Mitternacht, und genau das haben wir getan.«

Das Haus vom Stein! Sie haben Raven! Ich könnte weinen vor Erleichterung.

Wieder höre ich dieses seltsame Quietschen, dann wird eine Klappe geöffnet. Plastik raschelt.

»Sie ist nicht so schwer, oder?«, fragt die zweite Stimme.

»Keine von denen ist schwer, Junge. Wirst schon sehen.«

Plastik streift Metall. Das Fach wird geschlossen.

»So«, sagt die erste Stimme barsch. »Zurück ins Bett! Hoffentlich werden wir heute Nacht nicht noch mal rausgerufen.«

Beim Gehen machen ihre Schuhe quietschende Geräusche. Das Licht erlischt.

Ich verharre reglos, so lange ich kann, wage kaum zu atmen. Nicht, dass die beiden zurückkommen! Irgendwann halte ich es nicht mehr aus. Meine Fingernägel kratzen an der Klappe, drücken sie auf. So schnell es geht, winde ich mich aus dem Fach und purzele auf den Hochglanzboden. Auch Ash und Garnet klettern aus ihren Verstecken. Ich rappele mich auf, schiebe die Ärmel der übergroßen Soldatenjacke hoch und taste mit den Handflächen über die Wand, bis ich den Lichtschalter finde.

Nach so viel Dunkelheit schmerzt die Helligkeit in den Augen. Ash ist leichenblass, langsam richtet er sich auf. Garnet bleibt sitzen, lehnt sich gegen die Wand und streicht seine blonden Haare nach hinten. Er wirkt erschütterter, als ich ihn je erlebt habe.

»Sie ist hier«, sage ich zu Ash.

»Ich weiß«, erwidert er.

Ein Lächeln breitet sich über mein Gesicht aus. Ich stoße Garnet voller Entschlossenheit beiseite und fange an, zielstrebig eine Klappe nach der anderen zu öffnen, bis ich ein Fach finde, das vorher leer war.

Ich zerre an der Metallschiene, und Ravens Körper rutscht heraus, eingepackt in eine dicke schwarze Plastikfolie. Ash und Garnet helfen mir, den Reißverschluss hinunterzuziehen und den Leichensack zu öffnen.