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In "Das Kapital: Band 1-3" entfaltet Karl Marx seine umfassende Analyse des kapitalistischen Systems, wobei er ökonomische, soziale und politische Dimensionen tiefgreifend verknüpft. Der literarische Stil ist präzise und analytisch, angereichert mit historischen Kontexten und philosophischen Reflexionen. Marx untersucht die Produktionsweise, den Mehrwert und die Dynamik der Klassenkämpfe und bietet damit eine bahnbrechende Kritik der politischen Ökonomie, die in eine Vielzahl von Disziplinen, von Soziologie bis Wirtschaft, nachwirkt. Karl Marx, als einer der einflussreichsten Denker des 19. Jahrhunderts, war stark von den sozialen und ökonomischen Umwälzungen seiner Zeit geprägt. Sein Lebenswerk entstand, während er die Ungleichheiten und Ausbeutungsverhältnisse der industriellen Revolution beobachtete. Marx' Erfahrungen als Journalist und politischer Aktivist formten seine analytische Herangehensweise und seine Philosophie, die auf der Überzeugung fußt, dass die materielle Basis der Gesellschaft deren Überbau bestimmt. "Das Kapital" ist nicht nur ein fundamentales Werk der politischen Ökonomie, sondern auch eine essentiale Lektüre für jeden, der die Mechanismen der modernen Gesellschaft verstehen möchte. Der Leser wird angeregt, über die wirtschaftlichen Strukturen und deren Implikationen für das individuelle und kollektive Leben nachzudenken. Dieses Werk ist unerlässlich für alle, die sich ernsthaft mit den Grundfragen von Gerechtigkeit, Ökonomie und Macht auseinandersetzen. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Diese Werksammlung vereint die drei Bände von Karl Marx’ Das Kapital und präsentiert die Architektur seiner Kritik der politischen Ökonomie in vollständiger Form. Enthalten sind: Erster Band, Erstes Buch Der Produktionsprozeß des Kapitals; Zweiter Band, Zweites Buch Der Zirkulationsprozeß des Kapitals; Dritter Band, Drittes Buch Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. Der Zweck der Zusammenstellung ist es, den Gesamtzusammenhang des Werks sichtbar zu machen: die Entwicklung zentraler Kategorien, ihre systematische Verknüpfung und die Bewegung von der Analyse einzelner Prozesse hin zum Zusammenspiel des gesamten kapitalistischen Systems.
Der erste Band erschien zu Lebzeiten von Karl Marx; die weiteren Bände wurden nach seinem Tod von Friedrich Engels aus dem Nachlass ediert und veröffentlicht. Diese historische Entstehung prägt die Lektüre, ohne den inneren Zusammenhang des Projekts zu mindern. Die vorliegende Zusammenstellung führt die drei Bände in ihrer überlieferten Ordnung zusammen und ermöglicht so eine kohärente, schrittweise Erschließung. Sie bietet keinen Ersatz für sorgfältiges Einzelstudium, sondern schafft einen Rahmen, in dem die Argumentationslinien über Bandgrenzen hinweg verfolgt und die wiederkehrenden Motive, Übergänge und Rückbezüge des Werks zuverlässig nachvollzogen werden können.
Das Kapital lässt sich als wissenschaftlicher Traktat und als umfassende Kritik der politischen Ökonomie lesen. Die Textgestalt vereint systematische Darstellung, begriffsanalytische Passagen, historische Exkurse und gelegentlich polemische Zuspitzungen. Immer wieder werden empirische Befunde, amtliche Berichte oder zeitgenössische Beispiele herangezogen, um die theoretischen Überlegungen zu erden. Damit bewegt sich das Werk zwischen Theorie und Analyse konkreter Entwicklungen. Die Sammlung präsentiert diese Vielfalt als zusammenhängenden Textkörper: von definitorischen Bestimmungen über modellhafte Ableitungen bis zu kommentierenden Anmerkungen, die den Kontext der Argumente ausweiten und ihre Reichweite für verschiedene Felder des gesellschaftlichen Lebens erkennen lassen.
Stilistisch kennzeichnet Das Kapital eine strenge, zugleich bewegliche Darstellungsweise. Marx entwickelt Kategorien in aufeinanderfolgenden Schritten, führt Gegensätze ein und zeigt ihre Vermittlungen, um vom Abstrakten zum Konkreten voranzuschreiten. Präzise Terminologie und gedankliche Verdichtung verbinden sich mit bildhaften Formulierungen und gelegentlicher Ironie. Die Argumentation ist eng verflochten: Begriffe erhalten ihren Sinn aus der Position im Ganzen, Übergänge werden sorgfältig begründet, und Rückverweise knüpfen neue Lektürefäden. Die Sammlung macht diese konstruktive Logik erfahrbar, indem sie die Bände in der intendierten Reihenfolge zusammenführt und damit die innere Bewegung des Arguments lesbar hält.
Im Zentrum steht der kapitalistischen Produktionsweise als historisch spezifische Form gesellschaftlicher Reproduktion. Das Werk untersucht die Bedingungen, unter denen Reichtum in Warenform erscheint, die Verwandlung von Geld in Kapital, die Organisation der Arbeit und die Dynamik der Akkumulation. Es fragt nach den sozialen Beziehungen, die in ökonomischen Kategorien gerinnen, und nach den Spannungen, die daraus entstehen. Dabei verbindet es Produktions-, Zirkulations- und Verteilungsaspekte zu einer Gesamtbetrachtung. Die Sammlung zeigt, wie diese thematischen Linien über die Bände hinweg fortgeführt, differenziert und auf ihre systemischen Folgen hin befragt werden.
Die anhaltende Bedeutung des Werks liegt in seiner doppelten Leistung: Es liefert ein Instrumentarium zur Analyse moderner Ökonomien und schärft zugleich den Blick für die gesellschaftlichen Beziehungen, die diese Ökonomien tragen. Seine Begriffe und Fragestellungen haben Debatten in Ökonomie, Soziologie, Philosophie, Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft geprägt. Zugleich hat Das Kapital Kontroversen ausgelöst und methodische Diskussionen über Theorie, Empirie und historische Entwicklung vorangetrieben. Diese Sammlung versteht sich als Zugang zu einem Text, dessen Wirkungsgeschichte vielfältig ist und der noch immer als Referenzpunkt dient, um Strukturen, Dynamiken und Widersprüche kapitalistischer Gesellschaften zu begreifen.
Der erste Band entwickelt den Produktionsprozeß des Kapitals. Ausgehend von elementaren Formen schreitet die Darstellung zu komplexeren Konstellationen der kapitalistischen Produktion fort. Im Fokus stehen die Bedingungen, unter denen ökonomische Kategorien in der Fabrik, im Betrieb und in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung Gestalt annehmen. Dabei werden die technische Organisation und die sozialen Beziehungen der Produktion in ihrem Zusammenhang betrachtet. Der Band bildet das Fundament der weiteren Analyse, indem er die Grundkategorien schärft und ihre innere Logik entfaltet, auf die der anschließende Blick auf Zirkulation und auf den Gesamtprozeß systematisch aufbaut.
Der zweite Band widmet sich dem Zirkulationsprozeß des Kapitals. Er untersucht die Wege, auf denen Kapital Formen wechselt, Stationen durchläuft und Zeitstrukturen ausbildet. Fragen der Umlaufszeit, der Lagerhaltung, der Transport- und Absatzbedingungen sowie der Reproduktion auf gesellschaftlicher Stufenleiter rücken in den Mittelpunkt. Der Text zeigt, wie die scheinbar getrennten Sphären von Produktion und Zirkulation ineinandergreifen und wie aus ihren Wechselwirkungen Stabilität und Beweglichkeit kapitalistischer Ökonomien entstehen. So bereitet der Band die Synthese vor, indem er die Bedingungen rekonstruiert, unter denen einzelne Kreisläufe zu einem umfassenden Reproduktionszusammenhang verschmelzen.
Der dritte Band entfaltet den Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. Er ordnet die zuvor entwickelten Kategorien in der Breite eines gesellschaftlichen Zusammenhangs und verfolgt die Formen, in denen Resultate der Produktion verteilt und vermittelt werden. Die Darstellung thematisiert Konstellationen von Wettbewerb und Durchschnittsbildung, die Rolle des Handels- und Kreditwesens und die Bedingungen, unter denen Eigentumstitel und Zahlungsbeziehungen die Bewegung des Kapitals beeinflussen. Zugleich rückt das Verhältnis von Produktion, Zirkulation und Verteilung als Ganzes in den Blick, wodurch die systemischen Grenzen und Spannungen der kapitalistischen Dynamik sichtbar werden.
Das Kapital ist reich an Querverweisen, definitorischen Präzisierungen und ausführlichen Anmerkungen, die historische Materialien und zeitgenössische Kontroversen heranziehen. Die Sammlung macht diese Vielgestaltigkeit in ihrem Zusammenhang erfahrbar. Wer dem argumentativen Faden folgt, erkennt, wie Begriffe eingeführt, geschärft und später in veränderter Umgebung erneut geprüft werden. Der Text fordert konzentriertes Lesen, belohnt aber mit einem Panorama, das die Ebenen der Analyse – von der einzelnen Transaktion bis zur gesellschaftlichen Reproduktion – miteinander verbindet. So tritt die systematische Architektur der Kritik hervor, die allen drei Bänden zugrunde liegt.
Die Aktualität des Werks zeigt sich in fortdauernden Debatten über Produktivität, Verteilung, technologische Umbrüche, Finanzialisierung und globale Arbeitsteilung. Die in Das Kapital entwickelte Perspektive liefert Begriffe, um neue Phänomene einzuordnen, ohne ihre historischen Besonderheiten zu glätten. Sie macht nachvollziehbar, wie Strukturen der Produktion und der Zirkulation sich wechselseitig formen und wie daraus Chancen, Abhängigkeiten und Krisen hervorgehen können. In dieser Sammlung erscheint das Werk als offenes Analyseinstrument, das Leserinnen und Leser befähigt, Zusammenhänge zu sehen, Muster zu prüfen und Argumente über die Dynamik kapitalistischer Gesellschaften zu schärfen.
Diese Werksammlung lädt dazu ein, Das Kapital als zusammenhängenden Gedankengang zu erschließen: vom Produktionsprozeß über die Zirkulation bis zum Gesamtprozeß. Sie richtet sich an alle, die die Logik des Werks im Ganzen verfolgen möchten und dafür eine kompakte, zugleich vollständige Präsentation benötigen. Indem die drei Bände nebeneinander stehen, wird die innere Bewegung des Textes greifbar und seine thematische Spannweite sichtbar. So eröffnet sich ein Zugang zu einem Klassiker der Gesellschaftsanalyse, dessen Fragestellungen und Einsichten noch immer Anstoß geben, wirtschaftliche Formen und soziale Beziehungen in ihrem Zusammenhang zu denken.
Karl Marx (1818–1883) war Philosoph, Ökonom und Kritiker der bestehenden Gesellschaftsordnung. Sein Hauptwerk Das Kapital erscheint hier in drei komplementären Teilen: Erster Band Erstes Buch Der Produktionsprozeß des Kapitals, Zweiter Band Zweites Buch Der Zirkulationsprozeß des Kapitals und Dritter Band Dritter Buch Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. In dieser Sammlung verfolgt Marx das Ziel, die inneren Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise freizulegen, vom Waren- und Geldverhältnis über die Entstehung von Mehrwert bis zu Profit, Rente und Kredit. Die Bände verbinden theoretische Strenge mit historischem Material und prägten nachhaltig ökonomisches Denken, Sozialwissenschaften und politische Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts.
Historisch situiert im Zeitalter rascher Industrialisierung, formulierte Marx seine Kritik als wissenschaftliches Projekt. Er entwickelte eine materialistische Methode, die historische Entwicklung, gesellschaftliche Klassenstrukturen und ökonomische Formen als zusammenhängenden Prozess auffasst. Das Kapital untersucht die Regeln, die hinter Marktphänomenen stehen, und argumentiert, dass die kapitalistische Produktion spezifische, historisch gebundene Verhältnisse erzeugt. Die drei Bücher ordnen die Analyse systematisch: Produktion, Zirkulation und Gesamtprozess. Dadurch wird sichtbar, wie Wert und Mehrwert sich durch die verschiedenen Stadien bewegen und in Krisen, Konkurrenz und Machtverhältnissen Ausdruck finden. Das Werk beansprucht, Erklärung und Kritik zugleich zu sein, ohne sich auf moralische Appelle zu beschränken.
Marx erhielt seine Schulbildung in Trier und studierte anschließend in Bonn und, schwerpunktmäßig, in Berlin. Dort wandte er sich von der Rechtswissenschaft der Philosophie zu und setzte sich intensiv mit der deutschen idealistischen Tradition auseinander, vor allem mit Hegels Logik. Diese Studien prägten die formale Seite seiner Analyse: die Aufmerksamkeit für Kategorien, Formen und innere Widersprüche. Zugleich schärfte er sein historisches Bewusstsein, indem er gesellschaftliche Institutionen als Produkte bestimmter Epochen begriff. Diese intellektuellen Schritte bereiteten die Konzeption des Kapitals vor, in der die Darstellung vom Einfachen zum Komplexen führt: von der Ware über das Geld zum Kapital und seinen systemischen Wirkungsweisen.
In seiner ökonomischen Bildung stützte sich Marx auf die klassische politische Ökonomie, insbesondere auf Adam Smith und David Ricardo, deren Wert- und Verteilungstheorien er prüfte und transformierte. Er studierte die detaillierten Statistiken, Fabrikinspektorenberichte und Parlamentsdokumente, die die industrielle Arbeitswelt seiner Zeit dokumentierten. Diese empirische Grundlage ermöglichte ihm, theoretische Kategorien mit beobachtbaren Tendenzen zu verknüpfen, etwa Arbeitszeit, Produktivität, Löhne und Krisenrhythmen. Die Kombination aus Abstraktion und Evidenz ist konstitutiv für Erster Band Erstes Buch Der Produktionsprozeß des Kapitals und bleibt leitend für die späteren Bücher, in denen Zirkulation, Umschlag und Reproduktion der gesellschaftlichen Gesamtkapitalbewegung analysiert werden.
Philosophisch wurde Marx durch eine kritische Auseinandersetzung mit Hegel und materialistischen Strömungen beeinflusst. Er behielt die dialektische Aufmerksamkeit für Entwicklung und Widerspruch bei, kehrte sie jedoch auf die materielle, gesellschaftliche Praxis. Auch Debatten des französischen Sozialismus und Erfahrungen der britischen Industriegesellschaft schärften seine Problemstellung: Wie entstehen Ausbeutung und Akkumulation, wenn der Austausch formal gleichberechtigte Individuen voraussetzt? Diese Spannungen strukturieren die drei Bücher der Sammlung. Der Fokus verschiebt sich dabei vom unmittelbaren Produktionsverhältnis zu den Bewegungsformen des Kapitals als gesellschaftlichem Verhältnis, in dem Konkurrenz, Kredit und Grundbesitz besondere Rollen übernehmen.
Die Entstehung von Das Kapital war langwierig. Den Auftakt der Veröffentlichung bildet 1867 der Erster Band Erstes Buch Der Produktionsprozeß des Kapitals. Darin entfaltet Marx die Analyse vom Warenfetisch bis zur Produktion des Mehrwerts, von absoluter und relativer Mehrwertbildung bis zur Akkumulation und ihren Grenzen. Stilistisch verbindet das Buch konzeptionelle Dichte mit historischen Exkursen über Fabriksystem, Arbeitszeitregulierung und die Entstehung moderner Disziplinen der Arbeit. Die Darstellung schreitet methodisch von der einfachen Form zur komplexen Totalität und macht geltend, dass die kapitalistische Produktionsweise bestimmte Gesetzmäßigkeiten hervorbringt, die hinter individuellen Entscheidungen und marktförmigen Erscheinungen wirksam sind.
Ein Kennzeichen des ersten Buches ist die systematische Entwicklung zentraler Kategorien wie Ware, Wert, Geld, Arbeitskraft und Kapital. Marx sucht nach der Formbestimmung des gesellschaftlichen Zusammenhangs und illustriert seine Argumente mit statistischem Material, zeitgenössischen Konflikten und historischer Gesetzgebung. Der Tonfall ist argumentativ, oft polemisch, jedoch auf präzise Begriffsbildung gerichtet. Diese Methodik prägt die gesamte Sammlung: theoretische Abstraktion als Mittel, um die Bewegungsformen des Kapitals zu erfassen, und Empirie als Prüfung, ob die abgeleiteten Tendenzen in der Wirklichkeit beobachtbar sind. Dadurch gewann das Werk sowohl wissenschaftliche Aufmerksamkeit als auch anhaltende öffentliche Kontroversen.
Nach Marxens Tod 1883 gab Friedrich Engels 1885 das Zweiter Band Zweites Buch Der Zirkulationsprozeß des Kapitals aus den hinterlassenen Manuskripten heraus. Dieses Buch verlagert den Schwerpunkt von der Produktion auf die Metamorphosen des Kapitals in den Formbestimmungen Geld-, Produktions- und Warenkapital. Es untersucht Umschlagszeiten, Fix- und Zirkulationskapital und die Schemata einfacher und erweiterter Reproduktion. Damit erklärt Marx, wie individuelle Kreisläufe zu einer gesellschaftlichen Gesamtbewegung verknüpft werden und unter welchen Bedingungen monetäre Verknappungen, Lagerbildung oder Unterbrechungen in der Zirkulation zu Störungen des Systems anwachsen können.
Schließlich edierte Engels 1894 den Dritter Band Dritter Buch Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. Hier wird das System in seiner Totalität betrachtet: die Bildung einer Durchschnittsprofitrate, die Transformation von Werten in Produktionspreise, Handels- und Zinsprofit, Grundrente sowie die Rolle des Kreditsystems. Der Band macht sichtbar, wie die Konkurrenz die Verteilung des Mehrwerts vermittelt und wie scheinbar autonome Sphären miteinander verschränkt sind. In der Rezeption löste gerade dieser Teil intensive Debatten über Preisbildung, Krisentheorie und die Tendenz des Profitratenfalls aus und stellte die Anschlussfähigkeit an ökonomische Kontroversen der Zeit eindrucksvoll unter Beweis.
Marx verstand sein ökonomisches Werk als Beitrag zur Selbstverständigung der arbeitenden Klassen. Er engagierte sich im 19. Jahrhundert in internationalen Arbeiterzusammenhängen und verfolgte die großen Arbeitskämpfe und politischen Umbrüche seiner Epoche mit analytischer Aufmerksamkeit. In Das Kapital tritt er nicht als Moralist auf, sondern als Kritiker gesellschaftlicher Formen, die bestimmte Zwänge erzeugen: Konkurrenz, Verwertungsdruck, Prekarität. Die drei Bücher zeigen, dass Ausbeutung nicht von individuellen Absichten abhängt, sondern aus Strukturbedingungen resultiert. Diese Perspektive stützte Bestrebungen nach Organisation, Regulierung der Arbeitszeit und sozialstaatlichen Reformen, ohne die zugrunde liegenden Widersprüche des Systems zu überdecken.
Seine Überzeugung, dass Befreiung nur als kollektiver, historisch vermittelter Prozess möglich ist, verbindet sich mit einer Skepsis gegenüber rein voluntaristischen Strategien. Das Kapital liefert hierfür einen theoretischen Rahmen: Es macht geltend, dass die kapitalistische Produktionsweise dynamisch, krisenanfällig und transformationsfähig ist. Die Analyse der Reproduktion und des Gesamtprozesses betont, dass politische Maßnahmen ohne Verständnis der ökonomischen Formen unzureichend bleiben. Zugleich insistiert Marx auf der Möglichkeit bewusster Veränderung, sofern soziale Kräfte die objektiven Tendenzen erkennen und nutzen. Damit verband sich eine dauerhafte Wirkung auf Organisationen, Debatten über Reform und Revolution und das Selbstverständnis moderner Sozialpolitik.
In seinen späten Londoner Jahren arbeitete Marx trotz gesundheitlicher Belastungen weiter an den Manuskripten, aus denen Engels 1885 das Zweite Buch und 1894 das Dritte Buch herausgab. Marx starb 1883 in London; sein Hauptwerk wurde danach in zahlreiche Sprachen übersetzt und in verschiedenen wissenschaftlichen Traditionen rezipiert. Die drei Bücher prägten Theorien von Wert, Verteilung, Krisen und Staat und lieferten Werkzeuge zur Analyse moderner Finanz- und Produktionssysteme. Sie beeinflussten Ökonomie, Soziologie, Geschichte und Kulturkritik und blieben zugleich Gegenstand anhaltender Kontroversen, die bis heute über die Erklärungskraft, Grenzen und Aktualisierungen der marxschen Kritik streiten.
Die Sammlung Das Kapital: Band 1–3 ist im politischen und ökonomischen Umbruch des 19. Jahrhunderts verankert. Karl Marx (1818–1883) arbeitete seit den 1850er Jahren, überwiegend im Londoner Exil, an einer umfassenden Kritik der politischen Ökonomie. Der erste Band erschien 1867, die Bände zwei und drei wurden nach seinem Tod von Friedrich Engels herausgegeben. In den drei Büchern – zum Produktionsprozess, zum Zirkulationsprozess und zum Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion – nimmt Marx seine Gegenwart zum Ausgangspunkt und rekonstruiert die historisch gewordenen Formen moderner Arbeit, Märkte und Herrschaftsverhältnisse, wie sie sich im Europa der Industrialisierung und auf einer sich verdichtenden Weltmarktbühne herausbildeten.
Die Hochphase der Industriellen Revolution prägte den empirischen Hintergrund. Dampfkraft, mechanische Spinnmaschinen, Webstühle und die Ausweitung von Bergbau und Stahlproduktion veränderten Arbeitsabläufe und Produktivkräfte. Das Eisenbahnnetz verband Binnenmärkte, während Häfen, Dampfschiffe und, ab den 1840er Jahren, Telegrafen die internationale Koordination von Preisen und Lieferketten beschleunigten. Ab Mitte des Jahrhunderts wuchs die Schwerindustrie mit Verfahren wie dem Bessemer-Prozess. Diese technologischen Innovationsschübe verdichteten die Kapitalakkumulation, konzentrierten Eigentum in Fabriken und Aktiengesellschaften und setzten neue Maßstäbe für Arbeitsdisziplin, Zeitmessung und die räumliche Organisation von Produktion und Handel.
Die soziale Struktur der europäischen Gesellschaften veränderte sich durch Landflucht und Urbanisierung. Eine große, mobilisierte Lohnarbeiterschaft entstand, häufig unter langen Arbeitszeiten, niedrigen Löhnen und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Britische Fabrikgesetze (seit 1833, 1844, 1847) und Berichte von Fabrikinspektoren dokumentierten Kinderarbeit, Gesundheitsrisiken und Arbeitsschutzprobleme. Öffentliche Untersuchungen, Armenrecht und statistische Ämter lieferten reiches Material, das zeitgenössische Debatten informierte und auch Marx’ Recherchen speiste. Städte wuchsen rasant, begleitet von Wohnungsnot, Epidemien und Infrastrukturprojekten, die wiederum fiskalische, rechtliche und administrative Modernisierungen erzwangen und die politischen Konfliktlinien zwischen Kapital, Staat und Arbeit schärften.
Wiederkehrende Handels- und Finanzkrisen strukturierten die Epoche. Paniken und Kontraktionen – 1825, 1837, 1847, 1857, 1866 und ab 1873 eine lang anhaltende deflationäre Phase in vielen Ländern – zeigten die Verwundbarkeit des Kredit- und Spekulationswesens. Der Zusammenbruch von Overend, Gurney & Co. 1866 in London oder Börsenturbulenzen in Wien und Berlin verdeutlichten die Systemhaftigkeit solcher Erschütterungen. Diese Ereignisse beeinflussten die zeitgenössische Diskussion über Zentralbanken, Zahlungsverkehr und Unternehmensregulierung. Für Marx’ Analyse bildeten sie Anschauungsmaterial, wie Produktions- und Zirkulationsprozesse zusammenwirken und wie Verschuldung, Profitabilität und Marktintegration reale Arbeits- und Lebensverhältnisse periodisch beeinträchtigen konnten.
Die Revolutionen von 1848/49 setzten den Rahmen politischer Enttäuschungen und Neuorientierungen. In vielen europäischen Staaten forderten Aufstände Verfassungen, nationale Einheit und soziale Reformen; ihr Scheitern machte konservative Konsolidierungen möglich. Marx, zuvor Publizist der Neuen Rheinischen Zeitung, ging erneut ins Exil und verlegte seinen Schwerpunkt von tagespolitischer Intervention auf langfristige ökonomische Forschung. Die Erfahrungen mit Presseverboten und politischer Repression schärften sein Interesse an strukturellen Kräften jenseits momentaner Regierungswechsel. Gleichzeitig prägten die gescheiterten Erwartungen an bürgerlich-demokratische Bündnisse sein Verständnis von Klassenkonflikten in modernen Gesellschaften.
Transnationale Arbeitskämpfe und Solidaritäten wuchsen in den 1860er Jahren. Die 1864 gegründete International Working Men’s Association (Erste Internationale) versammelte Gewerkschafter, Sozialisten und Republikaner und bot eine neue Bühne für Programme, Resolutionen und Debatten. Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865) und die „Baumwollnot“ in Lancashire belegten die Verwobenheit von Sklaverei, industrieller Produktion und Weltmärkten. Marx kommentierte diese Prozesse und nahm Stellung zugunsten der Union. Streiks, Koalitionsrechte und Frühformen kollektiver Tarifpolitik bildeten empirische Bezugspunkte für die Frage, wie Lohnarbeit politisch und ökonomisch organisiert ist und welche Koordinaten der Staat setzt.
Imperialismus und Kolonialexpansion verschoben die globale Arbeitsteilung. Britische Herrschaft in Indien, die Opiumkriege gegen China und die Eingliederung weiterer Regionen in den europäischen Handel veränderten Lieferketten, Rohstoffflüsse und Nachfrage. Die irische Landfrage blieb ein permanenter Konfliktherd, mit Migration und politischer Agitation bis in die 1870er Jahre. Goldfunde in Kalifornien (ab 1848) und Australien (ab 1851) beeinflussten Geldmengen, Preisniveaus und internationale Zahlungsbilanzen. Diese Vorgänge verdichteten den Weltmarkt, auf den Marx fortlaufend Bezug nahm, wenn er Herausbildung, Expansion und Gewaltgeschichte kapitalistischer Strukturen als historische Prozesse betrachtete.
Intellektuell reagierten die Debatten auf die Klassische Politische Ökonomie. Adam Smith und David Ricardo boten Bezugspunkte; Malthus, Say und andere standen für Gegenpositionen zu Krisen, Bevölkerung und Geld. Deutsche Philosophie, insbesondere Hegels Dialektik, prägte argumentative Verfahren; Feuerbachs Materialismuskritik wirkte nach. Französische Sozialisten wie Saint-Simon und Fourier inspirierten erste Reformmodelle, während Auseinandersetzungen mit Pierre-Joseph Proudhon über Eigentum und Kredit wichtige Frontlinien markierten. In Deutschland spielte der Streit um Ferdinand Lassalles Lohntheorie und Parteipolitik eine Rolle. Die Orientierung an diesen Traditionen zeigt, dass das Werk aus lebendigen Kontroversen hervorging.
Die wissenschaftliche Kultur veränderte sich rasant. Mit der Professionalisierung von Statistik, Nationalökonomie und Verwaltung wuchsen Datenmengen zu Produktion, Löhnen, Preisen und Gesundheit. Britische „Blue Books“, Fabrikinspektionsberichte und Parlamentsausschüsse boten Material für sozialkritische Analysen. Die Veröffentlichung von Darwins Origin of Species 1859 trug zu einer Atmosphäre naturwissenschaftlicher Erklärungstypen bei, ohne direkte Gleichsetzung ökonomischer mit biologischen Prozesse. Positivistische Strömungen betonten Empirie und Regelmäßigkeiten. Für Autoren wie Marx erhöhte dies den Anspruch, historisch-konkrete Entwicklungen mit systematischer Begrifflichkeit und dokumentarischer Evidenz zu verbinden.
Rechtliche und institutionelle Innovationen formten neue Unternehmens- und Finanzformen. In Großbritannien erlaubten Limited Liability-Gesetze (ab 1855) und das Companies Act von 1862 die raschere Gründung von Aktiengesellschaften. Börsen wurden zentrale Knoten der Kapitalmobilisierung. In Deutschland schufen Zollverein und später die Reichsgründung (1871) einen größeren Binnenmarkt; Banken und Kreditinstitute professionalisierten Emissionen und Industrieplatzierungen. Währungsreformen und Zentralbankkompetenzen wurden neu geordnet. Diese Entwicklungen lieferten den Hintergrund für Analysen von Kredit, fiktivem Kapital und Profitformen, die die wachsende Entfernung zwischen persönlichem Eigentum und gesellschaftlich aggregierten Kapitalbewegungen sichtbar machten.
Die Publikationsgeschichte des ersten Bandes spiegelt Auseinandersetzungen und Revisionen. Er erschien 1867 bei Otto Meissner in Hamburg. Eine zweite deutsche Auflage folgte 1872, in deren Vor- und Nachworten Marx zeitgenössische Reaktionen aufgriff. Die französische Ausgabe (1872–1875), die er intensiv betreute, enthielt Umstellungen und Präzisierungen. Spätere deutsche Auflagen wurden redaktionell weiterentwickelt. Diese Editionspraxis dokumentiert, wie empirische Entwicklungen, politische Erfahrungen – etwa die Pariser Kommune 1871 – und kritische Rückmeldungen aus Arbeiterbewegung und Wissenschaft in die fortlaufende Ausarbeitung einflossen, ohne den Grundzug einer historisch-systematischen Darstellung zu verlassen.
Die Bände zum Zirkulationsprozess und zum Gesamtprozess wurden postum von Friedrich Engels herausgegeben. Der zweite Band erschien 1885, der dritte 1894. Engels sichtete umfangreiche Manuskripte unterschiedlichen Bearbeitungsstands, ordnete und ergänzte sie mit editorischen Hinweisen. Vorreden und Anmerkungen erläuterten Quellenlage und Editionsentscheidungen. Zeitgenossen nahmen aufmerksam zur Kenntnis, dass die Einheit des Gesamtwerks aus verschiedenen Arbeitsphasen rekonstruiert war. Der editorische Befund prägte die spätere Forschung: Fragen nach Interdependenzen von Produktions-, Zirkulations- und Kreditformen blieben verbunden mit der Untersuchung, wie weit redaktionelle Eingriffe Marx’ Intentionen entsprechen.
Die Rezeption verlief international und politisch ungleich. In Russland erschien 1872 eine vollständige Übersetzung des ersten Bandes, die von der Zensur überraschend zugelassen wurde und rasch Leserschaft fand. Ökonomen und Publizisten wie Nikolai Danielson korrespondierten mit Marx über Agrarfragen und Industrialisierung. Die russischen Debatten in den 1880er und 1890er Jahren, zwischen narodniki und entstehenden marxistischen Gruppen, bezogen sich auf die Tragfähigkeit einer bäuerlichen Dorfgemeinde oder die Notwendigkeit kapitalistischer Entwicklung. Das Werk bot dafür theoretische Orientierungsmarken, ohne konkrete Programmanweisungen für alle Länder vorzugeben.
In Deutschland wirkten die Sozialistengesetze (1878–1890) auf die Rezeptionsbedingungen. Sozialdemokratische Organisationen und Presse wurden verfolgt, wichen aber auf Auslandsverlage und verdeckte Strukturen aus. Trotz Repression wuchs die Wählerschaft der Sozialdemokratie. Nach Aufhebung der Gesetze etablierte sich 1891 das Erfurter Programm, das an eine marxistisch geprägte Geschichts- und Kapitalismusanalyse anschloss. Parteischulen, Zeitungen und Debattenforen verbreiteten ökonomische Grundbegriffe. Diese institutionelle Verankerung führte zu einer Interpretationstradition, die Theorie, Gewerkschaftspraxis und parlamentarische Strategie miteinander zu verbinden versuchte.
Auf europäischer Ebene stärkte die Gründung der Zweiten Internationale 1889 die Verbreitung. Übersetzungen in mehrere Sprachen erleichterten Studienkreise und Gewerkschaftsbildung. Die englische Übersetzung des ersten Bandes erschien 1887 unter Engels’ Aufsicht und öffnete Zugänge in Großbritannien und den USA. Zugleich begannen Kontroversen innerhalb der Arbeiterbewegung über Reformstrategien, Massenstreik und Parteidisziplin. Historiker und Ökonomen beobachteten, wie industrialisierte Staaten Sozialpolitik ausbauten – von Unfall- und Krankenversicherung bis Altersrenten –, was neue Fragen nach der Rolle des Staates im Kapitalismus und nach der Reichweite parlamentarischer Maßnahmen aufwarf.
In der akademischen Ökonomie verschob die Marginalrevolution der 1870er Jahre (Jevons, Menger, Walras) den Schwerpunkt hin zu Nutzen, Grenzproduktivität und Gleichgewichtsmodellen. Die neoklassische Schule gewann in Universitäten an Einfluss und kritisierte zentrale Annahmen klassischer Werttheorien. Parallel entstand eine marxistische Ökonomik, die an Debatten über Krisentheorie, Geld- und Preissysteme sowie Reproduktionsschemata anschloss. Historische Schulen in Deutschland betonten induktive Methoden und institutionelle Vielfalt. Dieses Spannungsfeld aus methodischen und theoretischen Alternativen prägte die wissenschaftliche Aufnahme und die spätere Kontroverse um Messung, Dynamik und Geltungsbereich ökonomischer Kategorien.
Die politische Wirkung entfaltete sich im 20. Jahrhundert in unterschiedlichen Kontexten. Sozialdemokratische Parteien nutzten die Analyse industrieller Gesellschaften für Reformprogramme; revolutionäre Strömungen sahen in ihr eine Grundlage für radikalere Transformationsstrategien. Die Russische Revolution von 1917 und spätere Staatsbildungen bezogen sich selektiv auf Marx’ Werk, wobei Interpretationen stark divergierten. In den Sozialwissenschaften wirkten marxistische Ansätze in Soziologie, Geschichtswissenschaft und Kulturtheorie weiter, von westlichen Marxismen bis zur kritischen Theorie. Dabei blieb umstritten, wie historische Besonderheiten und globale Ungleichheiten theoretisch adäquat zu fassen sind und welche empirischen Prüfungen heranzuziehen sind, um Generalisierungen zu rechtfertigen und historisch zu begrenzen.
Band I verfolgt, wie Kapital in der Produktion Mehrwert erzeugt. Ausgehend von Ware, Wert und dem Doppelcharakter der Arbeit entwickelt Marx eine Theorie der Ausbeutung durch unbezahlte Mehrarbeit und analysiert Arbeitsprozess, Maschinerie, Arbeitszeit und Akkumulation. Der Ton ist argumentativ-analytisch, mit historischen Exkursen und scharfer Gesellschaftskritik.
Band II untersucht die Zirkulation des Kapitals und seine Kreisläufe, Umschlagszeiten und Reproduktionsbedingungen. Im Zentrum stehen die Formen M–W–...–M', die Verzahnung von Produktions- und Zirkulationszeit sowie die Schemata einfacher und erweiterter Reproduktion. Der Ton ist technisch und systematisierend, mit Fokus auf formale Bewegungsformen statt auf Klassenkampf.
Band III integriert Produktion und Zirkulation zum Gesamtprozess, in dem sich Mehrwert in Profit, Zins und Grundrente verteilt. Marx behandelt die Bildung von Produktionspreisen, die Durchschnittsprofitrate, Konkurrenz, Kredit und Tendenzen zu Krisen. Der Ton ist synthetisch und komplex, da vielfältige Momente des Systems zusammengeführt werden.
Durch alle Bände ziehen sich die Analyse gesellschaftlicher Formen (Warenform, Kapitalform) und die Frage, wie private Arbeit gesellschaftlich vermittelt wird. Wiederkehrend sind Widersprüche zwischen Produktion und Realisierung, zwischen Gebrauchswert und Wert sowie die Reproduktion von Klassenverhältnissen. Das Werk zielt auf eine Kritik der politischen Ökonomie, nicht auf eine betriebswirtschaftliche Anleitung.
Stilistisch verbindet Marx logische Rekonstruktion mit historischen Beispielen und polemischen Spitzen. Von Band I zu Band III verschiebt sich der Fokus von der inneren Wertproduktion über die Zirkulationsbedingungen hin zur Verteilung und Krisendynamik des Gesamtsystems. Die Argumentation bleibt kumulativ: spätere Bände setzen die Kategorien der früheren voraus und erweitern ihren Geltungsbereich.
Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine "ungeheure Warensammlung", die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.
Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache. Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfnis befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, d.h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.
Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw., ist unter doppelten Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität und Quantität. Jedes solches Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken ist geschichtliche Tat. So die Findung gesellschaftlicher Maße für die Quantität der nützlichen Dinge. Die Verschiedenheit der Warenmaße entspringt teils aus der verschiedenen Natur der zu messenden Gegenstände, teils aus Konvention.
Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein Charakter hängt nicht davon ab, ob die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften dem Menschen viel oder wenig Arbeit kostet. Bei Betrachtung der Gebrauchswerte wird stets ihre quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne Eisen usw. Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde. Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des - Tauschwerts.
Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen , ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Rela- tives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert (valeur intrinsèque) also eine contradictio in adjecto. Betrachten wir die Sache näher.
Eine gewisse Ware, ein Quarter Weizen z.B. tauscht, sich mit x Stiefelwichse oder mit y Seide oder mit z Gold usw., kurz mit andern Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen statt eines einzigen. Aber da x Stiefelwichse, ebenso y Seide, ebenso z Gold usw. der Tauschwert von einem Quarter Weizen ist, müssen y Stiefelwichse, y Seide, z Gold usw. durch einander ersetzbare oder einander gleich große Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die "Erscheinungsform" eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein.
Ein einfaches geometrisches Beispiel veranschauliche dies. Um den Flächeninhalt aller gradlinigen Figuren zu bestimmen und zu vergleichen, löst man sie in Dreiecke auf. Das Dreieck selbst reduziert man auf einen von seiner sichtbaren Figur ganz verschiednen Ausdruck - das halbe Produkt seiner Grundlinie mit seiner Höhe. Ebenso sind die Tauschwerte der Waren zu reduzieren auf ein Gemeinsames, wovon sie ein Mehr oder Minder darstellen.
Dies Gemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische, chemische oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Andererseits aber ist es grade die Abstraktion von ihren Gebrauchswerten, was das Austauschverhältnis der Waren augenscheinlich charakterisiert. Innerhalb desselben gilt ein Gebrauchswert grade so viel wie jeder andre, wenn er nur in gehöriger Proportion vorhanden ist. Oder, wie der alte Barbon sagt:
"Die eine Warensorte ist so gut wie die andre, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert."
Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedner Qualität, als Tauschwerte können sie nur verschiedner Quantität sein, enthalten also kein Atom Gebrauchswert.
Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützlicher Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit.
Betrachten wir nun das Residuum der Arbeitsprodukte. Es ist nichts von ihnen übriggeblieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit, eine bloße Gallerte unerschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen Substanz sind sie Werte - Warenwerte.
Im Austauschverhältnis der Waren selbst erschien uns ihr Tauschwert als etwas von ihren Gebrauchswerten durchaus Unabhängiges. Abstrahiert man nun wirklich vom Gebrauchswert der Arbeitsprodukte, so erhält man ihren Wert, wie er eben bestimmt ward. Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert. Der Fortgang der Untersuchung wird uns zurückführen zum Tauschwert als der notwendigen Ausdrucksweise oder Erscheinungsform des Werts, welcher zunächst jedoch unabhängig von dieser Form zu betrachten ist.
Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen "wertbildenden Substanz", der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.
Es könnte scheinen, daß, wenn der Wert einer Ware durch das während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhls in England z.B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines frühern Werts.
Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchswerts gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt. Die einzelne Ware gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer Art. Waren, worin gleich große Arbeitsquanta enthalten sind oder die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Wertgröße. Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder andren Ware wie die zur Produktion der einen notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der andren notwendigen Arbeitszeit. "Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit[1q]."
Die Wertgröße einer Ware bliebe daher konstant, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit konstant. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände bestimmt, unter anderen durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsprozesses, und durch Naturverhältnisse. Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z.B. mit günstiger Jahreszeit in 8 Bushel Weizen dar, mit ungünstiger in nur 4. Dasselbe Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen Minen usw. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor, und ihre Findung kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Volumen viel Arbeit dar. Jacob bezweifelt, daß Gold jemals seinen vollen Wert bezahlt hat. Noch mehr gilt dies vom Diamant. Nach Eschwege hatte 1823 die achtzigjährige Gesamtausbeute der brasilischen Diamantgruben noch nicht den Preis des 11/2jährigen Durchschnittsprodukts der brasilischen Zucker oder Kaffeepflanzungen erreicht, obgleich sie viel mehr Arbeit darstellte, also mehr Wert. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert sinken. Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln, so kann sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen. Allgemein: Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit, desto größer sein Wert. Die Wertgröße einer Ware wechselt also direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der sich in ihr verwirklichenden Arbeit. <1. Auflage folgt: Wir kennen jetzt die Substanz des Werts. Es ist die Arbeit. Wir kennen sein Größenmaß. Es ist die Arbeitszeit. Seine Form, die den Wert eben zum Tausch-Wert stempelt, bleibt zu analysieren. Vorher jedoch sind die bereits gefundenen Bestimmungen etwas näher zu entwickeln.>
Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist dies der Fall, wenn sein Nutzen für den Menschen nicht durch Arbeit vermittelt ist. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eignes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andre, gesellschaftliche Gebrauchswert. {Und nicht nur für andre schlechthin. Der mittelalterlichen Bauer produzierte das Zinskorn für den Feudalherrn, das Zehntkorn für den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehnkorn wurden dadurch Ware, daß sie für andre produziert waren. Um Ware zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient, durch den Austausch übertragen werden.} Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.
Ursprünglich erschien uns die Ware als ein Zwieschlächtiges, Gebrauchswert und Tauschwert. Später zeigte sich, daß auch die Arbeit, soweit sie im Wert ausgedrückt ist, nicht mehr dieselben Merkmale besitzt, die ihr als Erzeugerin von Gebrauchswerten zukommen. Diese zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden. Da dieser Punkt der Springpunkt ist, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht, soll er hier näher beleuchtet werden.
Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat. Die Arbeit, deren Nützlichkeit sich so im Gebrauchswert ihres Produkts oder darin darstellt, daß ihr Produkt ein Gebrauchswert ist, nennen wir kurzweg nützliche Arbeit. Unter diesem Gesichtspunkt wird sie stets betrachtet mit Bezug auf ihren Nutzeffekt.
Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden - Schneiderei und Weberei. Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich überhaupt nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert.
In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten - eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung der Warenproduktion, obgleich Warenproduktion nicht umgekehrt die Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitsteilung. In der altindischen Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich geteilt, ohne daß die Produkte zu Waren werden. Oder, ein näher liegendes Beispiel, in jeder Fabrik ist die Arbeit systematisch geteilt, aber diese Teilung nicht dadurch vermittelt, daß die Arbeiter ihre individuellen Produkte austauschen. Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber.
Man hat also gesehn: in dem Gebrauchswert jeder Ware steckt eine bestimmte zweckmäßig produktive Tätigkeit oder nützliche Arbeit. Gebrauchswerte können sich nicht als Waren gegenübertreten, wenn nicht qualitativ verschiedne nützliche Arbeiten in ihnen stecken. In einer Gesellschaft, deren Produkte allgemein die Form der Ware annehmen, d.h. in einer Gesellschaft von Warenproduzenten, entwickelt sich dieser qualitative Unterschied der nützlichen Arbeiten, welche unabhängig voneinander als Privatgeschäfte selbständiger Produzenten betrieben werden, zu einem vielgliedrigen System, zu einer gesellschaftlichen Teilung der Arbeit.
Dem Rock ist es übrigens gleichgültig, ob er vom Schneider oder vom Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fällen wirkt er als Gebrauchswert. Ebensowenig ist das Verhältnis zwischen dem Rock und der ihn produzierenden Arbeit an und für sich dadurch verändert, daß die Schneiderei besondre Profession wird, selbständiges Glied der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit. Wo ihn das Kleidungsbedürfnis zwang, hat der Mensch jahrtausendelang geschneidert, bevor aus einem Menschen ein Schneider ward. Aber das Dasein von Rock, Leinwand, jedem nicht von Natur vorhandnen Element des stofflichen Reichtums, mußte immer vermittelt sein durch eine spezielle, zweckmäßig produktive Tätigkeit, die besondere Naturstoffe besondren menschlichen Bedürfnissen assimiliert. Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.
Die Gebrauchswerte Rock, Leinwand usw., kurz die Warenkörper, sind Verbindungen von zwei Elementen, Naturstoff und Arbeit. Zieht man die Gesamtsumme aller verschiednen nützlichen Arbeiten ab, die in Rock, Leinwand usw. stecken, so bleibt stets ein materielles Substrat zurück, das ohne Zutun des Menschen von Natur vorhanden ist. Der Mensch kann in seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d.h. nur die Formen der Stoffe ändern. Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Naturkräften. Arbeit ist also nicht der einzige Quelle der von ihr produzierten Gebrauchswerte, des stofflichen Reichtums. Die Arbeit ist sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde seine Mutter.
Gehen wir nun von der Ware, soweit sie Gebrauchsgegenstand, über zum Waren-Wert.
Nach unsrer Unterstellung hat der Rock den doppelten Wert der Leinwand. Dies ist aber nur ein quantitativer Unterschied, der uns zunächst noch nicht interessiert. Wir erinnern daher, daß, wenn der Wert eines Rockes doppelt so groß als der von 10 Ellen Leinwand, 20 Ellen Leinwand dieselbe Wertgröße haben wie ein Rock. Als Werte sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit. Aber Schneiderei und Weberei sind qualitativ verschiedne Arbeiten. Es gibt jedoch Gesellschaftszustände, worin derselbe Mensch abwechselnd schneidert und webt, diese beiden verschiednen Arbeitsweisen daher nur Modifikationen der Arbeit desselben Individuums und noch nicht besondre feste Funktionen verschiedner Individuen sind, ganz wie der Rock, den unser Schneider heute, und die Hosen, die er morgen macht, nur Variationen derselben individuellen Arbeit voraussetzen. Der Augenschein lehrt ferner, daß in unsrer kapitalistischen Gesellschaft, je nach der wechselnden Richtung der Arbeitsnachfrage, eine gegebene Portion menschlicher Arbeit abwechselnd in der Form von Schneiderei oder in der Form von Weberei zugeführt wird. Dieser Formwechsel der Arbeit mag nicht ohne Friktion abgehn, aber er muß gehn. Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, daß sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedne Formen, menschliche Arbeitskraft zu verausgaben. Allerdings muß die menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein, um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Bankier eine große, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt , so steht es auch hier mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt. Die einfache Durchschnittsarbeit selbst wechselt zwar in verschiednen Ländern und Kulturepochen ihren Charakter, ist aber in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben. Kompliziertere Arbeit gilt nur als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit. Daß diese Reduktion beständig vorgeht, zeigt die Erfahrung. Eine Ware mag das Produkt der kompliziertesten Arbeit sein, ihr Wert setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar. Die verschiednen Proportionen, worin verschiedne Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit reduziert sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozeß hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben. Der Vereinfachung halber gilt uns im Folgenden jede Art Arbeitskraft unmittelbar für einfache Arbeitskraft, wodurch nur die Mühe der Reduktion erspart wird.
Wie also in den Werten Rock und Leinwand von dem Unterschied ihrer Gebrauchswerte abstrahiert ist, so in den Arbeiten, die sich in diesen Werten darstellen, von dem Unterschied ihrer nützlichen Formen, der Schneiderei und Weberei. Wie die Gebrauchswerte Rock und Leinwand Verbindungen zweckbestimmter, produktiver Tätigkeiten mit Tuch und Garn sind, die Werte Rock und Leinwand dagegen bloße gleichartige Arbeitsgallerten, so gelten auch die in diesen Werten enthaltenen Arbeiten nicht durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern nur als Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente der Gebrauchswerte Rock und Leinwand sind Schneiderei und Weberei eben durch ihre verschiednen Qualitäten; Substanz des Rockwerts und Leinwandwerts sind sie nur, soweit von ihrer besondren Qualität abstrahiert und beide gleiche Qualität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit.
Rock und Leinwand sind aber nicht nur Werte überhaupt, sondern Werte von bestimmter Größe, und nach unsrer Unterstellung ist der Rock doppelt soviel wert als 10 Ellen Leinwand. Woher diese Verschiedenheit ihre Wertgrößen? Daher, daß die Leinwand nur halb soviel Arbeit enthält als der Rock, so daß zur Produktion des letzteren die Arbeitskraft während doppelt soviel Zeit verausgabt werden muß als zur Produktion der erstern.
Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert die in der Ware enthaltene Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die Wertgröße nur quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit ohne weitere Qualität reduziert ist. Dort handelt es sich um das Wie und Was der Arbeit, hier um ihr Wieviel, ihre Zeitdauer. Da die Wertgröße einer Ware nur das Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit darstellt, müssen Waren in gewisser Proportion stets gleich große Werte sein.
Bleibt die Produktivkraft, sage aller zur Produktion eines Rocks erheischten nützlichen Arbeiten unverändert, so steigt die Wertgröße der Röcke mit ihrer eignen Quantität. Wenn 1 Rock x, stellen 2 Röcke 2 x Arbeitstage dar usw. Nimm aber an, die zur Produktion eines Rocks notwendige Arbeit steige auf das Doppelte oder falle um die Hälfte. Im ersten Fall hat ein Rock soviel Wert als vorher zwei Röcke, im letztern Fall haben zwei Röcke nur soviel Wert als vorher einer, obgleich in beiden Fällen ein Rock nach wie vor dieselben Dienste leistet und die in ihm enthaltene nützliche Arbeit nach wie vor von derselben Güte bleibt. Aber das in seiner Produktion verausgabte Arbeitsquantum hat sich verändert.
Ein größres Quantum Gebrauchswert bildet an und für sich größren stofflichen Reichtum, zwei Röcke mehr als einer. Mit zwei Röcken kann man zwei Menschen kleiden, mit einem Rock nur einen Menschen usw. Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reichtums ein gleichzeitiger Fall seiner Wertgröße entsprechen. Diese gegensätzliche Bewegung entspringt aus dem zwieschlächtigen Charakter der Arbeit. Produktivkraft ist natürlich stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit und bestimmt in der Tat nur den Wirkungsgrad zweckmäßiger produktiver Tätigkeit in gegebnem Zeitraum. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder dürftigere Produktenquelle im direkten Verhältnis zum Steigen oder Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Wert dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbeit angehört, kann sie natürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer konkreten nützlichen Form abstrahiert wird. Dieselbe Arbeit ergibt daher in denselben Zeiträumen stets dieselbe Wertgröße, wie immer die Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum verschiedene Quanta Gebrauchswerte, mehr, wenn die Produktivkraft steigt, weniger, wenn sie sinkt. Derselbe Wechsel der Produktivkraft, der die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten Gebrauchswerte vermehrt, vermindert also die Wertgröße dieser vermehrten Gesamtmasse, wenn er die Summe der zu ihrer Produktion notwendigen Arbeitszeit abkürzt. Ebenso umgekehrt.
Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.
Waren kommen zur Welt in der Form von Gebrauchswerten oder Warenkörpern, als Eisen, Leinwand, Weizen usw. Es ist dies ihre hausbackene Naturalform. Sie sind jedoch nur Waren, weil Doppeltes, Gebrauchsgegenstände und zugleich Wertträger. Sie erscheinen daher nur als Waren oder besitzen nur die Form von Waren, sofern sie Doppelform besitzen, Naturalform und Wertform.
Die Wertgegenständlichkeit der Waren unterscheidet sich dadurch von der Wittib Hurtig, daß man nicht weiß, wo sie zu haben ist. Im graden Gegenteil zur sinnlich groben Gegenständlichkeit der Warenkörper geht kein Atom Naturstoff in ihre Wertgegenständlichkeit ein. Man mag daher eine einzelne Ware drehen und wenden, wie man will, sie bleibt unfaßbar als Wertding. Erinnern wir uns jedoch, daß die Waren nur Wertgegenständlichkeit besitzen, sofern sie Ausdrücke derselben gesellschaftlichen Einheit, menschlicher Arbeit, sind, daß ihre Wertgegenständlichkeit also rein gesellschaftlich ist, so versteht sich auch von selbst, daß sie nur im gesellschaftlichen Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen kann. Wir gingen in der Tat vom Tauschwert oder Austauschverhältnis der Waren aus, um ihrem darin versteckten Wert auf die Spur zu kommen. Wir müssen jetzt zu dieser Erscheinungsform des Wertes zurückkehren.
Jedermann weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, daß die Waren eine mit den bunten Naturalformen ihrer Gebrauchswerte höchst frappant kontrastierende, gemeinsame Wertform besitzen - die Geldform. Hier gilt es jedoch zu leisten, was von der bürgerlichen Ökonomie nicht einmal versucht ward, nämlich die Genesis dieser Geldform nachzuweisen, also die Entwicklung des im Wertverhältnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldform zu verfolgen. Damit verschwindet zugleich das Geldrätsel.
Das einfachste Wertverhältnis ist offenbar das Wertverhältnis einer Ware zu einzigen verschiedenartigen Ware, gleichgültig welcher. Das Wertverhältnis zweier Waren liefert daher den einfachsten Wertausdruck für eine Ware.
A) Einfache, einzelne oder zufällige Wertform
1. Die beiden Pole des Wertausdrucks: Relative Wertform und Äquivalentform
Das Geheimnis aller Wertform steckt in dieser einfachen Wertform. Ihre Analyse bietet daher die eigentliche Schwierigkeit.
Es spielen hier zwei verschiedenartige Waren A und B, in unsrem Beispiel Leinwand und Rock, offenbar zwei verschiedene Rollen. Die Leinwand drückt ihren Wert aus im Rock, der Rock dient zum Material dieses Wertausdrucks. Die erste Ware spielt eine aktive, die zweite eine passive Rolle. Der Wert der ersten Ware ist als relativer Wert dargestellt, oder sie befindet sich in relativer Wertform. Die zweite Ware funktioniert als Äquivalent oder befindet sich in Äquivalentform.
Ob eine Ware sich nun in relativer Wertform befindet oder in der entgegengesetzten Äquivalentform, hängt ausschließlich ab von ihrer jedesmaligen Stelle im Wertausdruck, d.h. davon, ob sie die Ware ist, deren Wert, oder aber die Ware, worin Wert ausgedrückt wird.
2. Die relative Wertform
a) Gehalt der relativen Wertform
Um herauszufinden, wie der einfache Wertausdruck einer Ware im Wertverhältnis zweier Waren steckt, muß man letzteres zunächst ganz unabhängig von seiner quantitativen Seite betrachten. Man verfährt meist grade umgekehrt und sieht im Wertverhältnis nur die Proportion, worin bestimmte Quanta zweier Warensorten einander gleichgelten. Man übersieht, daß die Größen verschiedner Dinge erst quantitativ vergleichbar werden nach ihrer Reduktion auf dieselbe Einheit. Nur als Ausdrücke derselben Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable Größen.
Aber die zwei qualitativ gleichgesetzten Waren spielen nicht dieselbe Rolle. Nur der Wert der Leinwand wird ausgedrückt. Und wie? Durch ihre Beziehung auf den Rock als ihr "Äquivalent" oder mit ihr "Austauschbares". In diesem Verhältnis gilt der Rock als Existenzform von Wert, als Wertding, denn nur als solches ist er dasselbe wie die Leinwand. Andrerseits kommt das eigne Wertsein der Leinwand zum Vorschein oder erhält einen selbständigen Ausdruck, denn nur als Wert ist sie auf den Rock als Gleichwertiges oder mit ihr Austauschbares bezüglich. So ist die Buttersäure ein vom Propylformat verschiedner Körper. Beide bestehn jedoch aus denselben chemischen Substanzen - Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O), und zwar in gleicher prozentiger Zusammensetzung, nämlich C4H8O2. Würde nun der Buttersäure das Propylformat gleichgesetzt, so gälte in diesem Verhältnis erstens das Propylformat bloß als Existenzform von C4H8O2 und zweitens wäre gesagt, daß auch die Buttersäure aus C4H8O2 besteht. Durch die Gleichsetzung des Propylformats mit der Buttersäure wäre also ihre chemische Substanz im Unterschied von ihrer Körperform ausgedrückt.
Sagen wir: als Werte sind die Waren bloße Gallerten menschlicher Arbeit, so reduziert unsre Analyse dieselben auf die Wertabstraktion, gibt ihnen aber keine von ihren Naturalformen verschiedne Wertform. Anders im Wertverhältnis einer Ware zur andern. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre eigne Beziehung zu der andern Ware.
Indem z.B. der Rock als Wertding der Leinwand gleichgesetzt wird, wird die in ihm steckende Arbeit der in ihr steckenden Arbeit gleichgesetzt. Nun ist zwar die Schneiderei, die den Rock macht, eine von der Weberei, die die Leinwand macht, verschiedenartiger konkrete Arbeit. Aber die Gleichsetzung mit der Weberei reduziert die Schneiderei tatsächlich auf das in beiden Arbeiten wirklich Gleiche, auf ihren gemeinsamen Charakter menschlicher Arbeit. Auf diesem Umweg ist dann gesagt, daß auch die Weberei, sofern sie Wert webt, keine Unterscheindungsmerkmale von der Schneiderei besitzt, also abstrakt menschliche Arbeit ist. Nur der Äquivalenzausdruck verschiedenartiger Waren bringt den spezifischen Charakter der wertbildenden Arbeit zum Vorschein, indem er die in den verschiedenartigen Waren steckenden, verschiedenartigen Arbeiten tatsächlich auf ihr Gemeinsames reduziert, auf menschliche Arbeit überhaupt.
Es genügt indes nicht, den spezifische Charakter der Arbeit auszudrücken, woraus der Wert der Leinwand besteht. Menschliche Arbeitskraft im flüssigen Zustand oder menschliche Arbeit bildet Wert, aber ist nicht Wert. Sie wird Wert in geronnenem Zustand, in gegenständlicher Form. Um den Leinwandwert als Gallerte menschlicher Arbeit auszudrük- ken, muß er als eine "Gegenständlichkeit" ausgedrückt werden, welche von der Leinwand selbst dinglich verschieden und ihr zugleich mit andrer Ware gemeinsam ist. Die Aufgabe ist bereits gelöst.
Im Wertverhältnis der Leinwand gilt der Rock als ihr qualitativ Gleiches, als Ding von derselben Natur, weil er ein Wert ist. Er gilt hier daher als ein Ding, worin Wert erscheint oder welches in seiner handgreiflichen Naturalform Wert darstellt. Nun ist zwar der Rock, der Körper der Rockware, ein bloßer Gebrauchswert. Ein Rock drückt ebensowenig Wert aus als das erste beste Stück Leinwand. Dies beweist nur, daß er innerhalb des Wertverhältnisses zur Leinwand mehr bedeutet als außerhalb desselben, wie so mancher Mensch innerhalb eines galonierten Rockes mehr bedeutet als außerhalb desselben.
In der Produktion des Rockes ist tatsächlich, unter der Form der Schneiderei, menschliche Arbeitskraft verausgabt worden. Es ist also menschliche Arbeit in ihm aufgehäuft. Nach dieser Seite hin ist der Rock "Träger von Wert", obgleich diese seine Eigenschaft selbst durch seine größte Fadenscheinigkeit nicht durchblickt. Und im Wertverhältnis der Leinwand gilt er nur nach dieser Seite, daher als verkörperter Wert, als Wertkörper. Trotz seiner zugeknöpften Erscheinung hat die Leinwand in ihm die stammverwandte schöne Wertseele erkannt. Der Rock kann ihr gegenüber jedoch nicht Wert darstellen, ohne daß für sie gleichzeitig der Wert die Form eines Rockes annimmt. So kann sich das Individuum A nicht zum Individuum B als einer Majestät verhalten, ohne daß für A die Majestät zugleich die Leibesgestalt von B annimmt und daher Gesichtszüge, Haare und manches andre noch mit dem jedesmaligen Landesvater wechselt.
Im Wertverhältnis, worin der Rock das Äquivalent der Leinwand bildet, gilt also die Rockform als Wertform. Der Wert der Ware Leinwand wird daher ausgedrückt im Körper der Ware Rock, der Wert einer Ware im Gebrauchswert der andren. Als Gebrauchswert ist die Leinwand ein vom Rock sinnlich verschiednes Ding, als Wert ist sie "Rockgleiches" und sieht daher aus wie ein Rock. So erhält sie eine von ihrer Naturalform verschiedne Wertform. Ihr Wertsein erscheint in ihrer Gleichheit mit dem Rock wie die Schafsnatur des Christen in seiner Gleichheit mit dem Lamm Gottes.
