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In "Das Kapital" analysiert Karl Marx die kapitalistische Produktionsweise mit einem scharfen Blick auf die ökonomischen Strukturen und sozialen Dynamiken, die ihr zugrunde liegen. Durch eine umfassende Untersuchung der Warenform, des Mehrwerts und der Arbeitskraft entfaltet Marx die Mechanismen, die den Kapitalismus antreiben und die Schere zwischen Bourgeoisie und Proletariat weiter auseinanderdrücken. Seine kritische Herangehensweise, die sowohl ökonomische als auch philosophische Elemente integriert, bietet nicht nur eine scharfsinnige Analyse, sondern fordert auch eine tiefgreifende Reflexion über Gerechtigkeit und Humanität im wirtschaftlichen Kontext. Karl Marx, ein deutscher Ökonom, Philosoph und Sozialwissenschaftler des 19. Jahrhunderts, gilt als einer der einflussreichsten Denker der Moderne. Sein Lebensweg, geprägt von politischen Unruhen und einer tiefen Abneigung gegen die Ausbeutung der Arbeiterklasse, führte ihn zur Entwicklung seiner Theorien über Klassenkämpfe und die Dynamik des Kapitals. "Das Kapital" ist das Resultat jahrelanger Forschung und Reflexion über die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Zeit, die ihn zu einem Vorreiter in der kritischen Sozialwissenschaft machen. Für Leserinnen und Leser, die sich für die Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft und deren kritische Analyse interessieren, ist "Das Kapital" unverzichtbar. Marx' wegweisende Argumentation bietet nicht nur einen tiefen Einblick in die Mechanismen des Kapitalismus, sondern regt auch zur Diskussion über soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Wandel an. Dieses Werk ist von zeitloser Bedeutung und sollte in keiner Bibliothek eines sozial und politisch engagierten Lesers fehlen. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Im Zentrum dieses Buches steht die Frage, wie aus Arbeit ein gesellschaftliches Verhältnis wird, das Menschen beherrscht. Das Kapital führt in eine Welt ein, in der Alltagserfahrungen – Lohn, Preis, Ware, Gewinn – nicht einfach Tatsachen sind, sondern Ausdruck historisch entstandener Formen. Karl Marx zeigt, wie diese Formen sich gegenseitig bedingen und welche Bewegungen sie hervorbringen. Sein Blick richtet sich auf die Strukturen unter der Oberfläche, auf die verborgenen Regeln des Produktions- und Tauschprozesses. So beginnt eine Analyse, die nicht nur beschreibt, sondern die Gründe und Wirkungen eines Systems freilegt, das sich stetig erweitert und seine Voraussetzungen fortwährend reproduziert.
Dieses Werk gilt als Klassiker, weil es theoretische Schärfe, historische Beobachtung und sprachliche Kraft verbindet. Es hat Disziplinen geprägt, Begriffe in Umlauf gebracht und Denkgewohnheiten verändert. Sein Einfluss reicht von den Sozialwissenschaften über politische Theorie bis in Kulturkritik und öffentliche Debatten. Zugleich überdauern seine Themen: die Organisation von Arbeit, die Verteilung gesellschaftlichen Reichtums, die Rolle technologischer Innovationen und die Dynamik von Krisen. Das Kapital lädt dazu ein, vertraute ökonomische Kategorien neu zu betrachten und ihren gesellschaftlichen Charakter zu erkennen. Darin liegt seine bleibende Wirkung – als intellektuelle Herausforderung und als Anstoß zur Selbstaufklärung moderner Gesellschaften.
Der Autor ist Karl Marx (1818–1883), Philosoph, Ökonom und Journalist. Den ersten Band von Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie veröffentlichte er 1867 in Hamburg beim Verlag Otto Meissner, in deutscher Sprache. Die Bände II und III erschienen nach seinem Tod in Editionen, die Friedrich Engels 1885 und 1894 auf Grundlage des Nachlasses herausgab. Das Werk entstand über viele Jahre, vor allem in London, und bündelt Forschung, Notizen und Studien zu Wirtschaft, Geschichte und Politik des 19. Jahrhunderts. Es ist als mehrbändige Untersuchung konzipiert und richtet sich an Leserinnen und Leser, die die Grundlagen der kapitalistischen Produktionsweise verstehen wollen.
Der erste Band entfaltet schrittweise zentrale Kategorien. Er beginnt mit der Ware und ihrem Wert, erläutert den Übergang zum Geld und erklärt, wie Geld zu Kapital wird. Darauf folgt die Analyse des Produktionsprozesses: wie Arbeitskraft zur besonderen Ware wird, wie Mehrwert entsteht und weshalb die Verlängerung, Intensivierung und Rationalisierung von Arbeit eine systemische Logik besitzen. Anschließend behandelt das Buch Akkumulation, Reproduktion und die historischen Voraussetzungen kapitalistischer Verhältnisse. Diese Darstellung bietet keinen Handlungsplot, sondern eine theoretische Dramaturgie: von einfachen Bestimmungen zu komplexen Zusammenhängen, die die Bewegungsformen der modernen Ökonomie verständlich machen.
Marx versteht seine Arbeit als Kritik der politischen Ökonomie. Er setzt bei klassischen Autoren an, prüft deren Begriffe und zeigt, wo ihre Erklärungen an Grenzen stoßen. Methodisch verknüpft er historische Darstellung mit einer dialektischen Analyse: Er abstrahiert, um das Allgemeine sichtbar zu machen, und kehrt zum Konkreten zurück, um die Vielfalt der Erscheinungen zu ordnen. So erscheint das, was als Natur der Dinge gilt, als Ergebnis spezifischer sozialer Verhältnisse. Diese Methode ermöglicht es, die Regeln des Marktes nicht als zeitlos zu betrachten, sondern als Form, die entsteht, sich verändert und verschwindet.
Neben dem theoretischen Gehalt besitzt das Buch eine markante Sprache. Marx nutzt Bilder, Ironie und verdichtete Szenen aus Fabrikberichten und amtlichen Untersuchungen, um abstrakte Kategorien anschaulich zu machen. Diese Verbindung von begrifflicher Strenge und erzählerischen Passagen hat Schreibweisen der Sozialanalyse beeinflusst und Debatten in Literatur und Kulturkritik angefacht. Viele spätere Autorinnen und Autoren knüpften an seine Darstellungsmittel an, sei es in analytischer Prosa, in Essays oder auf der Bühne. Das Kapital ist daher nicht nur ein ökonomisches Werk, sondern auch ein Stück intellektueller Rhetorik, das Reflexion und Imagination zusammenführt.
Die Wirkungsgeschichte ist weitreichend und umstritten. Das Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, diskutiert, kritisiert, popularisiert und neu interpretiert. Es prägte Arbeiterbewegungen, Gewerkschaften und politische Parteien, floss in soziologische und historische Forschung ein und blieb ein Bezugspunkt ökonomischer Kontroversen. Zugleich entstand eine Vielfalt von Lesarten – von strengen Fachstudien bis zu öffentlichen Debatten. Gerade diese beständige Auseinandersetzung ist ein Merkmal von Klassikern: Sie fordern Widerspruch heraus, regen neue Fragen an und behalten Relevanz, weil sie nicht auf eine einzige Deutung festgelegt werden können.
Zu den dauerhaften Themen zählen die Vergesellschaftung der Arbeit, die Macht von Eigentums- und Rechtsformen, die Rolle von Konkurrenz und Kredit sowie die Einbindung technischer Entwicklung in die Logik der Verwertung. Das Buch zeigt, wie Produktionsentscheidungen Zeit, Raum und Lebensweisen strukturieren, und warum Krisen nicht bloße Störungen sind, sondern Momente einer widersprüchlichen Bewegung. Es macht verständlich, weshalb Wohlstand und Unsicherheit zugleich wachsen können und wie die Verbindung von Kooperation in der Produktion und privater Aneignung Konflikte hervorbringt, die die Gesellschaft fortwährend umtreiben.
In der Gegenwart entfaltet das Kapital neue Lesarten. Globale Lieferketten, Plattformarbeit, digitale Überwachung von Arbeitsprozessen und die wachsende Bedeutung von Finanzmärkten lenken den Blick auf Kategorien wie Kapital, Lohnarbeit, Konkurrenz, Kredit und Akkumulation. Das Werk liefert keine fertigen Antworten auf heutige Einzelfragen, doch es bietet Begriffe und methodische Zugänge, um Entwicklungen zu deuten: steigende Ungleichheit, Produktivitätsgewinne bei unsicheren Arbeitsverhältnissen, die Macht großer Unternehmen und die Verwobenheit von Staaten und Märkten in globalen Zyklen.
Das Kapital ist kein Lehrbuch mit Merksätzen, sondern eine Argumentation, die Geduld verlangt und belohnt. Es entfaltet seine Begriffe im Gang der Darstellung und stützt sie mit empirischen Materialien seiner Zeit. Wer folgt, lernt eine Weise des Denkens: vom Einfachen zum Zusammengesetzten, vom Sichtbaren zum Strukturellen. Damit werden Leserinnen und Leser befähigt, vertraute Phänomene neu zu ordnen. Die Herausforderung liegt nicht in Spezialwissen, sondern im Willen, sich auf eine präzise Sprache und auf eine Methode einzulassen, die Annahmen prüft und Zusammenhänge offenlegt.
Gleichzeitig bleibt das Buch nüchtern in seinem Anspruch: Es will erklären, wie die moderne Produktionsweise funktioniert. Darin liegt auch seine praktische Bedeutung. Indem es Mechanismen sichtbar macht, schafft es Voraussetzungen für vernünftige Diskussionen über Alternativen, Reformen und Grenzen. Kritik heißt hier nicht bloßes Verwerfen, sondern das Durchschauen von Formen. Diese Haltung verleiht dem Werk eine ethische Dimension, ohne es in Moral zu verwandeln: Es ermöglicht Urteilsbildung, indem es Ursachen, Folgen und Notwendigkeiten unterscheidbar macht.
Heute liest man Das Kapital, um die Gegenwart zu verstehen. Es ist relevant, weil es Kategorien bereitstellt, die Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg vergleichbar machen, und weil es zeigt, wie Gesellschaften ihre ökonomischen Grundlagen herstellen und verändern. Sein zeitloses Moment liegt in der Verbindung von historischer Sensibilität, begrifflicher Genauigkeit und analytischer Offenheit. Als Klassiker lädt es dazu ein, nicht nur Antworten zu übernehmen, sondern Fragen zu schärfen. Wer dieses Buch aufschlägt, tritt in ein Gespräch ein, das seit 1867 andauert – und immer wieder neue Perspektiven auf unsere Gesellschaft eröffnet.
Das Kapital von Karl Marx ist eine grundlegende Untersuchung der kapitalistischen Produktionsweise. Marx zielt darauf, die inneren Gesetzmäßigkeiten dieser Wirtschaftsform freizulegen, statt einzelne Erscheinungen isoliert zu betrachten. Den Ausgangspunkt bildet die Ware als elementare Zelle des Systems. Marx unterscheidet zwischen Gebrauchswert und Tauschwert und bestimmt Wert durch gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Er zeigt, wie die gesellschaftliche Arbeit sich in Warenform vergegenständlicht und Beziehungen zwischen Menschen als Beziehungen zwischen Dingen erscheint. Mit dieser Analyse setzt er den Rahmen für eine Kritik der politischen Ökonomie, die ihre eigenen Begriffe historisch und systematisch befragt.
Aus der Warenanalyse entwickelt Marx die Wertform bis zur Geldform. Geld fungiert als allgemeines Äquivalent, Maß der Werte und Zirkulationsmittel und verknüpft die voneinander getrennten Privatproduzenten. Die Preisform bringt Wert in Geldausdruck, kann aber von der Wertgröße abweichen. Marx beschreibt die Warenzirkulation und die Tendenz zur Verselbständigung des Geldes als gesellschaftliche Macht. Dabei diskutiert er Funktionen wie Hortung und Zahlungsmittel, um zu zeigen, wie allgemeine Abhängigkeiten über Geld vermittelt werden. Diese Entwicklung bereitet den Übergang zur kapitalistischen Form der Zirkulation vor, in der Geld selbst zum Ausgangs- und Endpunkt wird.
Mit dem Schritt von der Waren- zur Kapitalzirkulation führt Marx die Formel Geld–Ware–mehr Geld ein. Entscheidend ist die Möglichkeit, am Ende mehr Geld zu realisieren als zu Beginn. Dafür muss eine besondere Ware existieren: die Arbeitskraft, deren Gebrauchswert darin liegt, Wert zu schaffen. Marx erklärt die historischen Voraussetzungen, unter denen Arbeitskraft zur Ware wird, und die Trennung der Produzenten von Produktionsmitteln. Der Mehrwert entsteht aus der Differenz zwischen dem Wert der Arbeitskraft, der durch Reproduktionskosten bestimmt ist, und dem von ihr in der Produktion geschaffenen Wert. Damit identifiziert Marx die Quelle kapitalistischer Profite.
Anschließend unterscheidet Marx Formen der Mehrwertproduktion. Beim absoluten Mehrwert verlängert das Kapital den Arbeitstag über die zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendige Zeit hinaus. Marx analysiert die Konflikte um die Begrenzung des Arbeitstages, die Rolle staatlicher Regulierung und die Gegenkräfte, die aus dem Bedürfnis nach Arbeitskrafterschöpfung und -disziplin erwachsen. Er zeigt, wie wirtschaftlicher Zwang und rechtliche Rahmen die zeitliche Ausdehnung der Arbeit strukturieren. Dieser Abschnitt verdeutlicht, dass die zentrale Auseinandersetzung um Zeit, Kontrolle und Produktivität nicht äußerlich, sondern konstitutiv für die kapitalistische Dynamik ist.
Beim relativen Mehrwert steigert das Kapital die Produktivität, um den notwendigen Teil der Arbeitszeit zu verkürzen und den unbezahlten Anteil auszuweiten. Marx entfaltet dafür die Stufen Kooperation, Manufaktur und große Industrie. Arbeitsteilung, technische Innovation und Maschinerie verändern die Arbeitsorganisation, verdichten Kontrolle und heben handwerkliche Schranken auf. Die Produktion wird sozial vernetzt und beschleunigt, wodurch einzelne Produzenten stärker vom Gesamtprozess abhängig werden. Marx analysiert die ambivalente Rolle der Technik: Sie erhöht Reichtumspotenziale, vertieft aber auch die Herrschaft des Kapitals über den Arbeitsprozess und verstetigt die Suche nach Effizienzgewinnen.
An die Produktionsanalyse schließt Marx die Darstellung der Lohnformen an. Er zeigt, wie Zeit- und Stücklohn unterschiedliche Anreize setzen und den Charakter der Ausbeutung verschleiern, indem sie die Vergütung als Preis der Arbeit statt als Preis der Arbeitskraft erscheinen lassen. Diese Erscheinungsweise begünstigt Fehlwahrnehmungen über Gerechtigkeit und Leistung. Zudem behandelt Marx die Reservearmee der Arbeitslosen als strukturelles Moment, das Löhne drückt, Disziplin erzeugt und Anpassungsdruck erhöht. Auf dieser Grundlage diskutiert er, wie Konkurrenz zwischen Arbeitenden und Kapitalen wirkt und wie Marktmechanismen soziale Kräfteverhältnisse reproduzieren.
Die Akkumulation von Kapital ist für Marx ein zentrales Bewegungsgesetz. Ein Teil des erzielten Mehrwerts wird reinvestiert, wodurch Produktionsmittel, Beschäftigung und Marktsphären erweitert werden. Dieser Prozess führt zur Konzentration und Zentralisation von Kapital, verstärkt die Produktivkräfte und vertieft zugleich Abhängigkeiten. Marx betont, dass Akkumulation nicht nur Wachstum bedeutet, sondern auch zyklische Spannungen erzeugt, da Investitionsimpulse, technische Umwälzungen und Nachfrage nicht stetig ausbalanciert sind. Dabei bleiben Klassengegensätze konstitutiv: Die Vermehrung von Kapital setzt die fortdauernde Trennung von Produzenten und Produktionsmitteln voraus und reproduziert ungleiche Machtverhältnisse.
Marx ergänzt die systematische Analyse durch eine historische Darstellung der sogenannten ursprünglichen Akkumulation. Er beschreibt Prozesse, die Produzenten von Land und Werkzeugen trennten, etwa Enteignungen und die Herausbildung moderner Märkte. Finanzwesen, Handel und staatliche Gewalt fungieren dabei als Katalysatoren der neuen Produktionsweise. Diese Genesis illustriert, dass die kapitalistische Ordnung nicht aus freiem Tausch zwischen rechtlich Gleichen entstanden ist, sondern aus konkreten Umwälzungen, die die Voraussetzungen für Lohnarbeit und Kapitalbildung schufen. Die historische Perspektive rahmt die Theorie und verankert sie in realen Veränderungen von Eigentum, Recht und Institutionen.
Am Ende bündelt Das Kapital seine Einsichten zu einem kritischen Gesamtbild: Kapitalismus erscheint als dynamisches, innovationsgetriebenes System, das Reichtum und Produktivkräfte ausbaut, aber systematische Ungleichheiten und Krisentendenzen reproduziert. Marx legt den Fokus auf die Form gesellschaftlicher Arbeit, auf die Verschleierung sozialer Verhältnisse durch Waren- und Geldformen und auf die Rolle der Akkumulation. Die anhaltende Bedeutung des Werks liegt in seinem analytischen Instrumentarium, mit dem es Macht, Produktion und Verteilung zusammen denkt. Es bietet eine Theorie, die Debatten über Arbeit, Technologie, Wachstum und soziale Gerechtigkeit bis heute prägt.
Das Kapital entsteht im Europa des mittleren 19. Jahrhunderts, geprägt von rasanter Industrialisierung, expandierendem Welthandel und der Dominanz des britischen Fabriksystems. Nationalstaaten und Imperien – allen voran Großbritannien – strukturieren Politik und Märkte; Parlamente, Banken und Joint-Stock-Gesellschaften ordnen Produktion und Kredit. Laissez-faire-Liberalismus, Freihandelsdoktrin und die Autorität der klassischen politischen Ökonomie bestimmen den öffentlichen Diskurs. Gleichzeitig wirken soziale Spannungen: Urbanisierung, Migrationsströme, Armut und gesundheitliche Krisen. In dieser Konstellation setzt Karl Marx an: Sein Werk will die verborgenen Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise freilegen – nicht als Abhandlung isolierter Ideen, sondern als Analyse einer historischen Gesellschaftsformation.
Marx schreibt den Großteil von Das Kapital im London der 1850er und 1860er Jahre. Nach der Niederlage der Revolutionen von 1848/49 emigriert er, nutzt den Lesesaal des British Museum und verfolgt Handels-, Finanz- und Fabrikberichte. Die Lage Londons als Knotenpunkt des Weltmarkts bietet ihm außergewöhnliche Quellenfülle. Friedrich Engels, der in Manchester in einer Baumwollfirma tätig war, liefert empirische Einblicke in Arbeitsprozesse und unterstützt Marx finanziell. Diese Verbindung von Beobachtung, Statistik und Theorie bildet die Grundlage eines Ansatzes, der politische Ökonomie als historische, durch Klassenbeziehungen geprägte Wissenschaft begreift.
Die politischen Umwälzungen von 1848/49 bilden einen entscheidenden Hintergrund. In vielen europäischen Metropolen brechen Aufstände aus, getragen von bürgerlich-liberalen und demokratisch-sozialen Kräften. Das rasche Scheitern, die Restauration und Repression verlagern die Debatte von unmittelbarer Revolution auf langfristige Analyse gesellschaftlicher Entwicklung. Marx, der 1848 am Kommunistischen Manifest mitwirkte, zieht aus den Niederlagen die Konsequenz, die ökonomischen Grundlagen von Klassenherrschaft zu untersuchen. Das Kapital wird so zur theoretischen Antwort auf eine Epoche, in der politische Eruptionen den tieferen, strukturellen Kräften des Marktes unterliegen.
Die Fabrikarbeit des 19. Jahrhunderts ist von langen Arbeitszeiten, Kinder- und Frauenarbeit, Arbeitsunfällen und Gefahren durch Maschinen geprägt. Großbritannien reagiert schrittweise mit Fabrikgesetzen – etwa der Begrenzung der Arbeitszeit –, die ab den 1830er Jahren erweitert und in den 1850er und 1860er Jahren präzisiert werden. Marx wertet Inspektionsberichte und parlamentarische Erhebungen aus und verknüpft diese Daten mit seiner Theorie des Mehrwerts. Die konkrete Auseinandersetzung um den Arbeitstag und die gesundheitlichen Folgen industrialisierter Produktion spiegeln sich im Werk als Analyse des Kampfes um Zeit, Disziplin und Arbeitskraft wider.
Technologische Innovationen verändern Tempo und Reichweite der Wirtschaft. Dampfkraft, mechanisierte Webstühle, der Ausbau der Eisenbahnen und das elektrische Telegraphennetz verbinden Regionen und senken Transport- sowie Informationskosten. Der Bessemer-Prozess revolutioniert in den 1850er Jahren die Stahlherstellung. Diese technischen Sprünge erlauben massenhafte Produktion, verschärfen aber zugleich Konkurrenz und Konjunkturschwankungen. Marx interpretiert Maschinen nicht nur als Produktivkräfte, sondern als Mittel zur Verlängerung relativer Mehrarbeit und zur Umgestaltung des Arbeitsprozesses. Die technische Dynamik wird so zum Motor sowohl der Produktivitätssteigerung als auch der Prekarisierung von Arbeits- und Lebensverhältnissen.
Die Doktrin des Freihandels prägt nach der Aufhebung der britischen Getreidezölle 1846 den politischen Diskurs. Mit der Manchester-Schule setzen sich Vorstellungen von Marktgleichgewicht und Selbstregulierung durch, gespeist aus der Tradition von Smith und Ricardo. Marx nimmt diese Theorie ernst, kritisiert jedoch ihre Annahmen über den Wert, den Lohn und die Verteilung. Er zeigt, wie Marktformen gesellschaftliche Machtverhältnisse verschleiern. Die Ausweitung des Weltmarkts, von Preisrevolutionen bis zur globalen Arbeitsteilung, dient ihm als empirischer Prüfstein dafür, dass Konkurrenz zwar diszipliniert, aber Ausbeutungsverhältnisse nicht aufhebt.
Die kapitalistische Entwicklung ist von periodischen Krisen durchzogen. Nach dem Bank Charter Act von 1844 bleiben Währungs- und Kreditfragen umstritten; Finanzpaniken 1847, die weltweite Krise 1857 und der Zusammenbruch des Hauses Overend, Gurney & Co. 1866 demonstrieren die Fragilität hochverschuldeter Märkte. Marx integriert diese Erfahrungen in seine Auffassung von Akkumulation, Kredit und Spekulation: Produktiver Kern und zirkulierende Ansprüche geraten in Widerspruch, sodass Überakkumulation und Liquiditätsengpässe zu Krisen eskalieren. Das Werk deutet Krisen als wiederkehrende, systemische Phänomene – nicht als bloße Fehlsteuerungen oder moralische Ausrutscher.
Der Weltmarkt des 19. Jahrhunderts beruht auf kolonialer Expansion, Zwangsverhältnissen und ungleichen Tauschbeziehungen. Britische Herrschaft in Indien, Kriege zur Öffnung von Märkten und extraktive Steuer- und Handelsregime verändern lokale Produktionsweisen. Baumwolle, Zucker und Metalle fließen in europäische Fabriken; die Arbeitskraft von Sklavinnen und Sklaven – bis zur Abschaffung in den USA 1865 – sowie billige Löhne in Kolonien stützen Profite. Marx ordnet solche Prozesse der sogenannten ursprünglichen Akkumulation zu: Enteignung, Gewalt und staatliche Rechtsakte bereiten den Boden für kapitalistische Märkte und verknüpfen Zentrum und Peripherie dauerhaft.
Die Arbeiterbewegung konsolidiert sich im 19. Jahrhundert organisatorisch. In Großbritannien entstehen stärkere Gewerkschaften; 1868 wird der Trades Union Congress gegründet. Internationale Kontakte intensivieren sich, Streiks und Solidaritätskampagnen nehmen zu. 1864 entsteht in London die Internationale Arbeiterassoziation, in der Marx eine führende Rolle bei Programm und Korrespondenzen übernimmt. Die Debatten über Löhne, Arbeitszeit, Kooperativen und politische Strategie liefern ihm Anschauungsmaterial, wie Klasseninteressen artikuliert werden. Das Kapital reflektiert diese Kämpfe, indem es die ökonomischen Bedingungen benennt, unter denen kollektive Gegenmacht überhaupt wirksam werden kann.
Auch der deutschsprachige Raum verändert sich tiefgreifend. Vor der Reichsgründung 1871 herrschen Zersplitterung und Zensur; nach der Einigung formieren sich Parteien und Verbände neu. Frühe sozialistische Strömungen und Arbeiterbildungsvereine diskutieren Fragen der Lohnarbeit, Genossenschaften und Staatsreformen. Marx’ Kritik trifft in diese Debatten auf den Einfluss von Ferdinand Lassalle und anderen, deren Positionen er teils scharf zurückweist. Das Kapital bietet theoretische Orientierung jenseits utopischer Entwürfe: Es erklärt die Dynamik von Profit, Konkurrenz und Klassenbildung in einer sich rasch industrialisierenden, rechtlich und politisch neu geordneten Gesellschaft.
Marx’ Weg zum Kapital führt über theoretische Stationen. Nach philosophischer Auseinandersetzung mit Hegel und Feuerbach wendet er sich in den 1850ern konsequent der politischen Ökonomie zu. Die Manuskripte der Grundrisse (1857/58) und Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859) kodifizieren zentrale Kategorien wie Ware, Geld und Zirkulation. Marx transformiert dialektische Denkformen in eine materialistische Methode, die gesellschaftliche Formen historisiert. Er versucht zu zeigen, wie ökonomische Kategorien Resultate bestimmter Produktionsverhältnisse sind – und damit kritisierbar. Das Kapital verdichtet diese Linien zu einer systematischen Kritik der „bürgerlichen“ Ökonomie.
Die Entstehung von Band I ist langwierig und von Krankheit sowie finanzieller Belastung geprägt. Engels’ Unterstützung, eigene journalistische Tätigkeit und jahrelange Studien im British Museum ermöglichen die Arbeit. 1867 erscheint Band I bei einem Hamburger Verlag. Das Werk verbindet theoretische Argumentation mit breiter empirischer Belegführung: Berichte von Fabrikinspektoren, parlamentarische Kommissionen und Statistiken illustrieren Prozesse der Arbeitszeitregulierung, Kinderarbeit und Wohnverhältnisse. Zugleich ordnet Marx diese Funde in eine allgemeine Theorie von Wert, Mehrwert und Akkumulation ein, die den Zusammenhang von Produktion, Zirkulation und Klassenherrschaft erhellen will.
Die Zeitgenossen reagieren unterschiedlich. In Fachkreisen stößt die methodische Strenge auf Interesse, doch die Rezeption verläuft zunächst verhalten. In Russland erscheint Anfang der 1870er Jahre eine Übersetzung, die von der Zensur zugelassen wird und in radikalen Kreisen Aufmerksamkeit findet. Eine französische Ausgabe folgt in den 1870ern, an deren Überarbeitung Marx beteiligt ist. Diese Übersetzungen verbreiten die Debatte über Klassen, Staat und Eigentum über den deutschen Sprachraum hinaus. Zugleich bleiben Kritikpunkte – etwa Verständlichkeit und Terminologie – präsent, was die Diskussion um Methode und Beweisführung befeuert.
Nach Marx’ Tod 1883 ediert Engels Band II (1885) und Band III (1894) aus hinterlassenen Manuskripten. Die Redaktion verlangt umfangreiche Ordnungsarbeit, da Marx zahlreiche Exzerpte und Fassungen hinterließ. Diese Bände vertiefen die Analyse von Zirkulation, Reproduktion, Profitraten und Kredit. Sie verankern die Theorie zyklischer Krisen und der Tendenz zur Konzentration von Kapital. Obwohl spätere Forschungen über Quellenlage und Redaktion debattieren, markieren die Veröffentlichungen einen entscheidenden Schritt, die theoretische Architektur des Projekts sichtbar zu machen und seine Reichweite über den ökonomischen Kern hinaus zu verdeutlichen.
Das kulturelle Klima ist von Positivismus, Statistik und sozialer Erkundung geprägt. Fabrikinspektoren, Mediziner und Kommunalverwaltungen erheben Daten zu Wohnraum, Ernährung und Krankheiten. Städte wachsen, Slums entstehen, und Hygienereformen gewinnen an Bedeutung. Engels’ frühere Studie über die Lage der arbeitenden Klasse in England (1845) hat bereits die soziale Vermessung des Elends vorangetrieben. Diese empirische Aufmerksamkeit bildet den Resonanzraum, in dem Das Kapital operiert: Es nutzt offizielle Erhebungen, um strukturelle Mechanismen zu belegen, und verbindet damit wissenschaftlichen Anspruch und politisches Anliegen.
Rechtliche und institutionelle Veränderungen formen die Ökonomie. Die Einführung beschränkter Haftung in der Mitte des Jahrhunderts fördert Aktiengesellschaften; Börsen und Banken vernetzen Investitionen international. Gewerkschaften erhalten in Großbritannien 1871 rechtliche Anerkennung, und Arbeitszeitregulierungen werden präzisiert. Gleichzeitig verändern Enteignungen und Agrargesetze ländliche Räume, was Landarbeitende in städtische Industrien treibt. Marx interpretiert diese Entwicklungen als Verrechtlichung ökonomischer Macht: Rechtstitel verschleiern Klassenverhältnisse, während staatliche Eingriffe zugleich Arbeitskraft schützen und für den Kapitalprozess disziplinieren – ein ambivalentes Zusammenspiel von Freiheit und Zwang.
Transnationale Ereignisse schärfen die Perspektive auf Klasse und Staat. Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865) beendet die Sklaverei in den Vereinigten Staaten und verursacht in Europa, insbesondere in Lancashire, eine Baumwollkrise. Die Pariser Kommune von 1871, obwohl kurzlebig, demonstriert international Debatten über demokratische Kontrolle und Produktionsorganisation. Marx kommentiert beide Ereignisse, was die globale Reichweite seiner Analyse verdeutlicht: Kapitalistische Produktion ist weltmarktförmig, und politische Brüche zeigen, wie staatliche Macht und Eigentumsverhältnisse miteinander verschränkt sind. Das Kapital liest diese Ereignisse als historische Prüfsteine seiner Kategorien und Hypothesen über Klassenherrschaft und Widerstandsmöglichkeiten zu verschiedenen Zeiten und Orten hinweg, ohne sie auf einfache Lehren zu reduzieren.
Karl Marx (1818–1883) war ein deutscher Philosoph, Ökonom, Historiker und Journalist, dessen Analysen des Kapitalismus und der Klassenverhältnisse die politische Moderne tief geprägt haben. Geboren in Trier und gestorben in London, verfasste er zusammen mit Friedrich Engels das Manifest der Kommunistischen Partei (1848) und veröffentlichte den ersten Band von Das Kapital (1867). Seine Arbeiten verbanden historische Forschung mit ökonomischer Theorie und setzten einen Rahmen, um gesellschaftliche Entwicklung als konfliktreiche Dynamik zu verstehen. Marx’ Einfluss erstreckt sich von der Arbeiterbewegung über Parteien und Gewerkschaften bis in die Sozialwissenschaften, wo seine Begriffe weiterhin diskutiert, kritisiert und weiterentwickelt werden.
Kern seines Projekts war eine Kritik der politischen Ökonomie, in der er die Produktion, Zirkulation und Verteilung des Reichtums als gesellschaftliche Verhältnisse untersuchte. Er arbeitete eng mit Engels zusammen, teilte Quellen, Entwürfe und Debatten und entwickelte die materialistische Geschichtsauffassung, die ökonomische Strukturen, Klassenkämpfe und staatliche Formen in ihren Wechselwirkungen deutet. Stilistisch verband er polemische Schärfe mit dichter Argumentation und umfangreichem Quellenstudium. Zeitgenössisch oft angefochten, gewann sein Werk im Lauf der Jahrzehnte enorme Reichweite, nicht zuletzt durch Übersetzungen und die editorische Arbeit von Engels, die nach seinem Tod unveröffentlichte Manuskripte zugänglich machte.
Marx besuchte das Gymnasium in Trier und begann 1835 ein Studium an der Universität Bonn, bevor er an die Universität Berlin wechselte. In Berlin wandte er sich von der Jurisprudenz der Philosophie zu und studierte intensiv Hegels Werk. 1841 promovierte er an der Universität Jena mit einer Arbeit über die Differenz der Naturphilosophie bei Demokrit und Epikur. Die Pariser und Berliner Debatten der Junghegelianer schärften seinen Sinn für Kritik und Methode. Früh kristallisierte sich das Interesse heraus, gesellschaftliche Formen nicht nur moralisch, sondern strukturell zu deuten – ein Zugang, der später seine ökonomischen Studien tragen sollte.
Intellektuell prägten ihn Hegel und die junghegelianische Kritik, insbesondere Feuerbachs materialistische Wende. Zugleich studierte er die klassische politische Ökonomie, vor allem Adam Smith und David Ricardo, deren Wert- und Verteilungstheorien er später weiterentwickelte und kritisierte. Französische sozialistische Strömungen und Analysen der Revolutionen wirkten ebenso ein wie Eindrücke aus der britischen Arbeiterbewegung. Diese unterschiedlichen Quellen verband er zu einer historischen Theorie, in der Ideen, Eigentumsformen und Produktionsweisen miteinander verschränkt sind. Die Lektüren bildeten ein Reservoir, aus dem Marx zeitlebens schöpfte, während er seine Begriffe in Auseinandersetzung mit empirischen Entwicklungen präzisierte.
Seine ersten beruflichen Schritte führten in den Journalismus. 1842 übernahm er bei der Rheinischen Zeitung in Köln redaktionelle Verantwortung; die Zeitung wurde 1843 von der Zensur unterdrückt. Es folgten Aufenthalte in Paris und Brüssel, wo sich sein theoretischer Fokus schärfte. 1844 entstanden die Ökonomisch-philosophischen Manuskripte, die erst im 20. Jahrhundert veröffentlicht wurden. In den Deutsch-Französischen Jahrbüchern publizierte er 1844 Schriften wie Zur Judenfrage und die Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. 1845 formulierte er Thesen über Feuerbach, die Engels später edierte. Diese Texte markieren den Übergang zu einer eigenständigen, materialistischen Gesellschaftstheorie.
In Brüssel arbeitete Marx ab 1845 eng mit Engels zusammen. Beide verfassten Die deutsche Ideologie, ein umfangreiches Manuskript zur Kritik der Philosophie und zur Geschichte der Produktionsweisen, das zu Lebzeiten unveröffentlicht blieb. 1847 erschien Das Elend der Philosophie als Polemik gegen Proudhon. Im selben Jahr traten Marx und Engels dem Bund der Kommunisten bei und beteiligten sich an dessen Programm. Das von ihnen verfasste Manifest der Kommunistischen Partei wurde 1848 publiziert. Es komprimierte historische Diagnose, ökonomische Argumente und politische Forderungen in einer prägnanten Schrift, die in den europäischen Revolutionskontext eingebettet war.
Nach der Niederschlagung der Revolutionen lebte Marx ab 1849 dauerhaft in London. Er arbeitete als Korrespondent und politischer Kommentator, unter anderem für die New-York Daily Tribune, und verfasste Analysen zeitgenössischer Ereignisse. Dazu zählen Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850 und Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852), die Herrschaftsformen und gesellschaftliche Kräfteverhältnisse untersuchen. Parallel vertiefte er im British Museum seine Studien der Ökonomie. 1859 veröffentlichte er Zur Kritik der politischen Ökonomie, in der zentrale Kategorien methodisch entwickelt wurden und die den Weg zum Hauptwerk über den kapitalistischen Produktionsprozess eröffnete.
1867 erschien der erste Band von Das Kapital in Hamburg. Marx analysierte darin die Warenproduktion, den Doppelcharakter der Arbeit, den Mehrwert und die Akkumulationsdynamik. Die Rezeption war zunächst begrenzt, doch die Schrift wurde in Übersetzungen und Arbeiterkreisen diskutiert. Nach Marx’ Tod edierte Engels Band II (1885) und Band III (1894) aus hinterlassenen Manuskripten und Exzerpten. Frühere Entwürfe wie die Grundrisse (1857/58) wurden erst später publiziert und erlaubten Einblick in die Genese seiner Kategorien. Stilistisch verbinden diese Werke präzise Begriffsentwicklung mit historischen Exkursen und empirischem Material aus amtlichen Berichten und Wirtschaftsstatistiken.
Marx entwickelte eine materialistische Geschichtsauffassung, in der Produktionsweisen, Klassenlagen und Kämpfe die Form staatlicher und ideologischer Erscheinungen prägen. Seine Kritik der politischen Ökonomie zielte auf die Erklärung von Ausbeutungsmechanismen im Kapitalismus, insbesondere auf die Produktion von Mehrwert und die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln. Er sah gesellschaftliche Veränderung als Ergebnis realer Bewegungen, nicht bloß von Ideen, und betonte die Selbstemanzipation der arbeitenden Klasse. Theorie war für ihn praktische Kritik: Analyse sollte zur Orientierung kollektiven Handelns beitragen, ohne auf moralische Appelle zu reduzieren oder ökonomische Prozesse zu naturalisieren.
Diese Haltung verband sich mit organisatorischem Engagement. 1864 wirkte Marx an der Gründung der International Working Men’s Association mit und verfasste deren Inauguraladresse sowie provisorische Statuten. Er verteidigte die Bedeutung von Gewerkschaften, Bildung und politischer Organisierung. Nach 1871 analysierte er die Pariser Kommune in Der Bürgerkrieg in Frankreich, einer Schrift der Internationalen, die die Möglichkeiten und Grenzen revolutionärer Selbstverwaltung reflektierte. Innerhalb der Bewegung stritt er gegen apolitische oder antistaatliche Strategien, was Konflikte mit Anarchisten auslöste. Seine Interventionen verbanden programmatische Fragen mit detaillierter Situationsanalyse, stets rückgebunden an seine ökonomische Theorie.
In den späten Jahren erschwerten Krankheiten und finanzielle Belastungen seine Arbeit, dennoch setzte er die Auswertung umfangreicher Notizen für weitere Kapital-Bände fort. Familienverluste in den frühen 1880er Jahren trafen ihn schwer. Zur Genesung suchte er wiederholt mildere Klimata auf Reisen. Am 14. März 1883 starb Marx in London. Er wurde auf dem Highgate Cemetery beigesetzt. Engels übernahm die editorische Sicherung und Veröffentlichung des Nachlasses, wozu Notizbücher, Exzerpte und verschiedene Fassungen ökonomischer Manuskripte gehörten. Damit schuf er die Grundlage, Marx’ theoretisches Projekt auch nach dessen Tod assessierbar zu machen.
Marx’ Nachwirkung ist breit und umstritten. Seine Begriffe prägten sozialistische Parteien, Gewerkschaften und Bewegungen, inspirierten aber auch staatliche Projekte, die sich unterschiedlich auf sein Werk beriefen. In Wissenschaften wie Soziologie, Geschichts- und Wirtschaftsforschung wurden seine Methoden aufgenommen, kritisiert und reformuliert. Wiederkehrende Krisen des Kapitalismus führten wiederholt zu neuen Lektüren. Später edierte Manuskripte erweiterten das Bild eines Forschers, der permanent um Kategorien rang. Die Debatte über Normativität, Demokratie und Gewalt legte Ambivalenzen der Rezeption frei. Ungeachtet divergierender Bewertungen bleibt Marx eine Referenzfigur für die Analyse moderner Produktions- und Herrschaftsverhältnisse.
Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine "ungeheure Warensammlung[1]", die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.
Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache. Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfnis befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, d.h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.
Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw., ist unter doppelten Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität und Quantität. Jedes solches Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken ist geschichtliche Tat. So die Findung gesellschaftlicher Maße für die Quantität der nützlichen Dinge. Die Verschiedenheit der Warenmaße entspringt teils aus der verschiedenen Natur der zu messenden Gegenstände, teils aus Konvention.
Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein Charakter hängt nicht davon ab, ob die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften dem Menschen viel oder wenig Arbeit kostet. Bei Betrachtung der Gebrauchswerte wird stets ihre quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne Eisen usw. Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde. Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des - Tauschwerts.
Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen , ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Rela- tives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert (valeur intrinsèque[5]) also eine contradictio in adjecto. Betrachten wir die Sache näher.
Eine gewisse Ware, ein Quarter Weizen[2] z.B. tauscht, sich mit x Stiefelwichse[3] oder mit y Seide oder mit z Gold usw., kurz mit andern Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen statt eines einzigen. Aber da x Stiefelwichse, ebenso y Seide, ebenso z Gold usw. der Tauschwert von einem Quarter Weizen ist, müssen y Stiefelwichse, y Seide, z Gold usw. durch einander ersetzbare oder einander gleich große Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die "Erscheinungsform" eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein.
Ein einfaches geometrisches Beispiel veranschauliche dies. Um den Flächeninhalt aller gradlinigen Figuren zu bestimmen und zu vergleichen, löst man sie in Dreiecke auf. Das Dreieck selbst reduziert man auf einen von seiner sichtbaren Figur ganz verschiednen Ausdruck - das halbe Produkt seiner Grundlinie mit seiner Höhe. Ebenso sind die Tauschwerte der Waren zu reduzieren auf ein Gemeinsames, wovon sie ein Mehr oder Minder darstellen.
Dies Gemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische, chemische oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Andererseits aber ist es grade die Abstraktion von ihren Gebrauchswerten, was das Austauschverhältnis der Waren augenscheinlich charakterisiert. Innerhalb desselben gilt ein Gebrauchswert grade so viel wie jeder andre, wenn er nur in gehöriger Proportion vorhanden ist. Oder, wie der alte Barbon[4] sagt:
"Die eine Warensorte ist so gut wie die andre, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert."
Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedner Qualität, als Tauschwerte können sie nur verschiedner Quantität sein, enthalten also kein Atom Gebrauchswert.
Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützlicher Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit.
Betrachten wir nun das Residuum der Arbeitsprodukte. Es ist nichts von ihnen übriggeblieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit, eine bloße Gallerte unerschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen Substanz sind sie Werte - Warenwerte.
Im Austauschverhältnis der Waren selbst erschien uns ihr Tauschwert als etwas von ihren Gebrauchswerten durchaus Unabhängiges. Abstrahiert man nun wirklich vom Gebrauchswert der Arbeitsprodukte, so erhält man ihren Wert, wie er eben bestimmt ward. Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert. Der Fortgang der Untersuchung wird uns zurückführen zum Tauschwert als der notwendigen Ausdrucksweise oder Erscheinungsform des Werts, welcher zunächst jedoch unabhängig von dieser Form zu betrachten ist.
Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen "wertbildenden Substanz", der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.
Es könnte scheinen, daß, wenn der Wert einer Ware durch das während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhls[6] in England z.B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines frühern Werts.
Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchswerts gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt. Die einzelne Ware gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer Art. Waren, worin gleich große Arbeitsquanta enthalten sind oder die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Wertgröße. Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder andren Ware wie die zur Produktion der einen notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der andren notwendigen Arbeitszeit. "Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit."
Die Wertgröße einer Ware bliebe daher konstant, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit konstant. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände bestimmt, unter anderen durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsprozesses, und durch Naturverhältnisse. Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z.B. mit günstiger Jahreszeit in 8 Bushel Weizen dar, mit ungünstiger in nur 4. Dasselbe Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen Minen usw. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor, und ihre Findung kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Volumen viel Arbeit dar. Jacob bezweifelt, daß Gold jemals seinen vollen Wert bezahlt hat. Noch mehr gilt dies vom Diamant. Nach Eschwege[7] hatte 1823 die achtzigjährige Gesamtausbeute der brasilischen Diamantgruben noch nicht den Preis des 11/2jährigen Durchschnittsprodukts der brasilischen Zucker oder Kaffeepflanzungen erreicht, obgleich sie viel mehr Arbeit darstellte, also mehr Wert. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert sinken. Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln, so kann sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen. Allgemein: Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit, desto größer sein Wert. Die Wertgröße einer Ware wechselt also direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der sich in ihr verwirklichenden Arbeit. <1. Auflage folgt: Wir kennen jetzt die Substanz des Werts. Es ist die Arbeit. Wir kennen sein Größenmaß. Es ist die Arbeitszeit. Seine Form, die den Wert eben zum Tausch-Wert stempelt, bleibt zu analysieren. Vorher jedoch sind die bereits gefundenen Bestimmungen etwas näher zu entwickeln.>
Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein[1q]. Es ist dies der Fall, wenn sein Nutzen für den Menschen nicht durch Arbeit vermittelt ist. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eignes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andre, gesellschaftliche Gebrauchswert. {Und nicht nur für andre schlechthin. Der mittelalterlichen Bauer produzierte das Zinskorn für den Feudalherrn, das Zehntkorn für den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehnkorn wurden dadurch Ware, daß sie für andre produziert waren. Um Ware zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient, durch den Austausch übertragen werden.} Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.
Ursprünglich erschien uns die Ware als ein Zwieschlächtiges, Gebrauchswert und Tauschwert. Später zeigte sich, daß auch die Arbeit, soweit sie im Wert ausgedrückt ist, nicht mehr dieselben Merkmale besitzt, die ihr als Erzeugerin von Gebrauchswerten zukommen. Diese zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden. Da dieser Punkt der Springpunkt ist, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht, soll er hier näher beleuchtet werden.
Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat. Die Arbeit, deren Nützlichkeit sich so im Gebrauchswert ihres Produkts oder darin darstellt, daß ihr Produkt ein Gebrauchswert ist, nennen wir kurzweg nützliche Arbeit. Unter diesem Gesichtspunkt wird sie stets betrachtet mit Bezug auf ihren Nutzeffekt.
Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden - Schneiderei und Weberei. Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich überhaupt nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert.
In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten - eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung der Warenproduktion, obgleich Warenproduktion nicht umgekehrt die Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitsteilung. In der altindischen Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich geteilt, ohne daß die Produkte zu Waren werden. Oder, ein näher liegendes Beispiel, in jeder Fabrik ist die Arbeit systematisch geteilt, aber diese Teilung nicht dadurch vermittelt, daß die Arbeiter ihre individuellen Produkte austauschen. Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber.
Man hat also gesehn: in dem Gebrauchswert jeder Ware steckt eine bestimmte zweckmäßig produktive Tätigkeit oder nützliche Arbeit. Gebrauchswerte können sich nicht als Waren gegenübertreten, wenn nicht qualitativ verschiedne nützliche Arbeiten in ihnen stecken. In einer Gesellschaft, deren Produkte allgemein die Form der Ware annehmen, d.h. in einer Gesellschaft von Warenproduzenten, entwickelt sich dieser qualitative Unterschied der nützlichen Arbeiten, welche unabhängig voneinander als Privatgeschäfte selbständiger Produzenten betrieben werden, zu einem vielgliedrigen System, zu einer gesellschaftlichen Teilung der Arbeit.
Dem Rock ist es übrigens gleichgültig, ob er vom Schneider oder vom Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fällen wirkt er als Gebrauchswert. Ebensowenig ist das Verhältnis zwischen dem Rock und der ihn produzierenden Arbeit an und für sich dadurch verändert, daß die Schneiderei besondre Profession wird, selbständiges Glied der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit. Wo ihn das Kleidungsbedürfnis zwang, hat der Mensch jahrtausendelang geschneidert, bevor aus einem Menschen ein Schneider ward. Aber das Dasein von Rock, Leinwand, jedem nicht von Natur vorhandnen Element des stofflichen Reichtums, mußte immer vermittelt sein durch eine spezielle, zweckmäßig produktive Tätigkeit, die besondere Naturstoffe besondren menschlichen Bedürfnissen assimiliert. Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.
Die Gebrauchswerte Rock, Leinwand usw., kurz die Warenkörper, sind Verbindungen von zwei Elementen, Naturstoff und Arbeit. Zieht man die Gesamtsumme aller verschiednen nützlichen Arbeiten ab, die in Rock, Leinwand usw. stecken, so bleibt stets ein materielles Substrat zurück, das ohne Zutun des Menschen von Natur vorhanden ist. Der Mensch kann in seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d.h. nur die Formen der Stoffe ändern. Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Naturkräften. Arbeit ist also nicht der einzige Quelle der von ihr produzierten Gebrauchswerte, des stofflichen Reichtums. Die Arbeit ist sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde seine Mutter.
Gehen wir nun von der Ware, soweit sie Gebrauchsgegenstand, über zum Waren-Wert.
Nach unsrer Unterstellung hat der Rock den doppelten Wert der Leinwand. Dies ist aber nur ein quantitativer Unterschied, der uns zunächst noch nicht interessiert. Wir erinnern daher, daß, wenn der Wert eines Rockes doppelt so groß als der von 10 Ellen Leinwand, 20 Ellen Leinwand dieselbe Wertgröße haben wie ein Rock. Als Werte sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit. Aber Schneiderei und Weberei sind qualitativ verschiedne Arbeiten. Es gibt jedoch Gesellschaftszustände, worin derselbe Mensch abwechselnd schneidert und webt, diese beiden verschiednen Arbeitsweisen daher nur Modifikationen der Arbeit desselben Individuums und noch nicht besondre feste Funktionen verschiedner Individuen sind, ganz wie der Rock, den unser Schneider heute, und die Hosen, die er morgen macht, nur Variationen derselben individuellen Arbeit voraussetzen. Der Augenschein lehrt ferner, daß in unsrer kapitalistischen Gesellschaft, je nach der wechselnden Richtung der Arbeitsnachfrage, eine gegebene Portion menschlicher Arbeit abwechselnd in der Form von Schneiderei oder in der Form von Weberei zugeführt wird. Dieser Formwechsel der Arbeit mag nicht ohne Friktion abgehn, aber er muß gehn. Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, daß sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedne Formen, menschliche Arbeitskraft zu verausgaben. Allerdings muß die menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein, um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Bankier eine große, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt , so steht es auch hier mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt. Die einfache Durchschnittsarbeit selbst wechselt zwar in verschiednen Ländern und Kulturepochen ihren Charakter, ist aber in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben. Kompliziertere Arbeit gilt nur als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit. Daß diese Reduktion beständig vorgeht, zeigt die Erfahrung. Eine Ware mag das Produkt der kompliziertesten Arbeit sein, ihr Wert setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar. Die verschiednen Proportionen, worin verschiedne Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit reduziert sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozeß hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben. Der Vereinfachung halber gilt uns im Folgenden jede Art Arbeitskraft unmittelbar für einfache Arbeitskraft, wodurch nur die Mühe der Reduktion erspart wird.
Wie also in den Werten Rock und Leinwand von dem Unterschied ihrer Gebrauchswerte abstrahiert ist, so in den Arbeiten, die sich in diesen Werten darstellen, von dem Unterschied ihrer nützlichen Formen, der Schneiderei und Weberei. Wie die Gebrauchswerte Rock und Leinwand Verbindungen zweckbestimmter, produktiver Tätigkeiten mit Tuch und Garn sind, die Werte Rock und Leinwand dagegen bloße gleichartige Arbeitsgallerten, so gelten auch die in diesen Werten enthaltenen Arbeiten nicht durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern nur als Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente der Gebrauchswerte Rock und Leinwand sind Schneiderei und Weberei eben durch ihre verschiednen Qualitäten; Substanz des Rockwerts und Leinwandwerts sind sie nur, soweit von ihrer besondren Qualität abstrahiert und beide gleiche Qualität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit.
Rock und Leinwand sind aber nicht nur Werte überhaupt, sondern Werte von bestimmter Größe, und nach unsrer Unterstellung ist der Rock doppelt soviel wert als 10 Ellen Leinwand. Woher diese Verschiedenheit ihre Wertgrößen? Daher, daß die Leinwand nur halb soviel Arbeit enthält als der Rock, so daß zur Produktion des letzteren die Arbeitskraft während doppelt soviel Zeit verausgabt werden muß als zur Produktion der erstern.
Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert die in der Ware enthaltene Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die Wertgröße nur quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit ohne weitere Qualität reduziert ist. Dort handelt es sich um das Wie und Was der Arbeit, hier um ihr Wieviel, ihre Zeitdauer. Da die Wertgröße einer Ware nur das Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit darstellt, müssen Waren in gewisser Proportion stets gleich große Werte sein.
Bleibt die Produktivkraft, sage aller zur Produktion eines Rocks erheischten nützlichen Arbeiten unverändert, so steigt die Wertgröße der Röcke mit ihrer eignen Quantität. Wenn 1 Rock x, stellen 2 Röcke 2 x Arbeitstage dar usw. Nimm aber an, die zur Produktion eines Rocks notwendige Arbeit steige auf das Doppelte oder falle um die Hälfte. Im ersten Fall hat ein Rock soviel Wert als vorher zwei Röcke, im letztern Fall haben zwei Röcke nur soviel Wert als vorher einer, obgleich in beiden Fällen ein Rock nach wie vor dieselben Dienste leistet und die in ihm enthaltene nützliche Arbeit nach wie vor von derselben Güte bleibt. Aber das in seiner Produktion verausgabte Arbeitsquantum hat sich verändert.
Ein größres Quantum Gebrauchswert bildet an und für sich größren stofflichen Reichtum, zwei Röcke mehr als einer. Mit zwei Röcken kann man zwei Menschen kleiden, mit einem Rock nur einen Menschen usw. Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reichtums ein gleichzeitiger Fall seiner Wertgröße entsprechen. Diese gegensätzliche Bewegung entspringt aus dem zwieschlächtigen Charakter der Arbeit. Produktivkraft ist natürlich stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit und bestimmt in der Tat nur den Wirkungsgrad zweckmäßiger produktiver Tätigkeit in gegebnem Zeitraum. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder dürftigere Produktenquelle im direkten Verhältnis zum Steigen oder Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Wert dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbeit angehört, kann sie natürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer konkreten nützlichen Form abstrahiert wird. Dieselbe Arbeit ergibt daher in denselben Zeiträumen stets dieselbe Wertgröße, wie immer die Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum verschiedene Quanta Gebrauchswerte, mehr, wenn die Produktivkraft steigt, weniger, wenn sie sinkt. Derselbe Wechsel der Produktivkraft, der die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten Gebrauchswerte vermehrt, vermindert also die Wertgröße dieser vermehrten Gesamtmasse, wenn er die Summe der zu ihrer Produktion notwendigen Arbeitszeit abkürzt. Ebenso umgekehrt.
Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.
Waren kommen zur Welt in der Form von Gebrauchswerten oder Warenkörpern, als Eisen, Leinwand, Weizen usw. Es ist dies ihre hausbackene Naturalform. Sie sind jedoch nur Waren, weil Doppeltes, Gebrauchsgegenstände und zugleich Wertträger. Sie erscheinen daher nur als Waren oder besitzen nur die Form von Waren, sofern sie Doppelform besitzen, Naturalform und Wertform.
Die Wertgegenständlichkeit der Waren unterscheidet sich dadurch von der Wittib Hurtig, daß man nicht weiß, wo sie zu haben ist. Im graden Gegenteil zur sinnlich groben Gegenständlichkeit der Warenkörper geht kein Atom Naturstoff in ihre Wertgegenständlichkeit ein. Man mag daher eine einzelne Ware drehen und wenden, wie man will, sie bleibt unfaßbar als Wertding. Erinnern wir uns jedoch, daß die Waren nur Wertgegenständlichkeit besitzen, sofern sie Ausdrücke derselben gesellschaftlichen Einheit, menschlicher Arbeit, sind, daß ihre Wertgegenständlichkeit also rein gesellschaftlich ist, so versteht sich auch von selbst, daß sie nur im gesellschaftlichen Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen kann. Wir gingen in der Tat vom Tauschwert oder Austauschverhältnis der Waren aus, um ihrem darin versteckten Wert auf die Spur zu kommen. Wir müssen jetzt zu dieser Erscheinungsform des Wertes zurückkehren.
Jedermann weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, daß die Waren eine mit den bunten Naturalformen ihrer Gebrauchswerte höchst frappant kontrastierende, gemeinsame Wertform besitzen - die Geldform. Hier gilt es jedoch zu leisten, was von der bürgerlichen Ökonomie nicht einmal versucht ward, nämlich die Genesis dieser Geldform nachzuweisen, also die Entwicklung des im Wertverhältnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldform zu verfolgen. Damit verschwindet zugleich das Geldrätsel.
Das einfachste Wertverhältnis ist offenbar das Wertverhältnis einer Ware zu einzigen verschiedenartigen Ware, gleichgültig welcher. Das Wertverhältnis zweier Waren liefert daher den einfachsten Wertausdruck für eine Ware.
A) Einfache, einzelne oder zufällige Wertform
1. Die beiden Pole des Wertausdrucks: Relative Wertform und Äquivalentform
Das Geheimnis aller Wertform steckt in dieser einfachen Wertform. Ihre Analyse bietet daher die eigentliche Schwierigkeit.
Es spielen hier zwei verschiedenartige Waren A und B, in unsrem Beispiel Leinwand und Rock, offenbar zwei verschiedene Rollen. Die Leinwand drückt ihren Wert aus im Rock, der Rock dient zum Material dieses Wertausdrucks. Die erste Ware spielt eine aktive, die zweite eine passive Rolle. Der Wert der ersten Ware ist als relativer Wert dargestellt, oder sie befindet sich in relativer Wertform. Die zweite Ware funktioniert als Äquivalent oder befindet sich in Äquivalentform.
Ob eine Ware sich nun in relativer Wertform befindet oder in der entgegengesetzten Äquivalentform, hängt ausschließlich ab von ihrer jedesmaligen Stelle im Wertausdruck, d.h. davon, ob sie die Ware ist, deren Wert, oder aber die Ware, worin Wert ausgedrückt wird.
2. Die relative Wertform
a) Gehalt der relativen Wertform
Um herauszufinden, wie der einfache Wertausdruck einer Ware im Wertverhältnis zweier Waren steckt, muß man letzteres zunächst ganz unabhängig von seiner quantitativen Seite betrachten. Man verfährt meist grade umgekehrt und sieht im Wertverhältnis nur die Proportion, worin bestimmte Quanta zweier Warensorten einander gleichgelten. Man übersieht, daß die Größen verschiedner Dinge erst quantitativ vergleichbar werden nach ihrer Reduktion auf dieselbe Einheit. Nur als Ausdrücke derselben Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable Größen.
Aber die zwei qualitativ gleichgesetzten Waren spielen nicht dieselbe Rolle. Nur der Wert der Leinwand wird ausgedrückt. Und wie? Durch ihre Beziehung auf den Rock als ihr "Äquivalent" oder mit ihr "Austauschbares". In diesem Verhältnis gilt der Rock als Existenzform von Wert, als Wertding, denn nur als solches ist er dasselbe wie die Leinwand. Andrerseits kommt das eigne Wertsein der Leinwand zum Vorschein oder erhält einen selbständigen Ausdruck, denn nur als Wert ist sie auf den Rock als Gleichwertiges oder mit ihr Austauschbares bezüglich. So ist die Buttersäure[8] ein vom Propylformat verschiedner Körper. Beide bestehn jedoch aus denselben chemischen Substanzen - Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O), und zwar in gleicher prozentiger Zusammensetzung, nämlich C4H8O2. Würde nun der Buttersäure das Propylformat gleichgesetzt, so gälte in diesem Verhältnis erstens das Propylformat bloß als Existenzform von C4H8O2 und zweitens wäre gesagt, daß auch die Buttersäure aus C4H8O2 besteht. Durch die Gleichsetzung des Propylformats mit der Buttersäure wäre also ihre chemische Substanz im Unterschied von ihrer Körperform ausgedrückt.
Sagen wir: als Werte sind die Waren bloße Gallerten menschlicher Arbeit, so reduziert unsre Analyse dieselben auf die Wertabstraktion, gibt ihnen aber keine von ihren Naturalformen verschiedne Wertform. Anders im Wertverhältnis einer Ware zur andern. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre eigne Beziehung zu der andern Ware.
Indem z.B. der Rock als Wertding der Leinwand gleichgesetzt wird, wird die in ihm steckende Arbeit der in ihr steckenden Arbeit gleichgesetzt. Nun ist zwar die Schneiderei, die den Rock macht, eine von der Weberei, die die Leinwand macht, verschiedenartiger konkrete Arbeit. Aber die Gleichsetzung mit der Weberei reduziert die Schneiderei tatsächlich auf das in beiden Arbeiten wirklich Gleiche, auf ihren gemeinsamen Charakter menschlicher Arbeit. Auf diesem Umweg ist dann gesagt, daß auch die Weberei, sofern sie Wert webt, keine Unterscheindungsmerkmale von der Schneiderei besitzt, also abstrakt menschliche Arbeit ist. Nur der Äquivalenzausdruck verschiedenartiger Waren bringt den spezifischen Charakter der wertbildenden Arbeit zum Vorschein, indem er die in den verschiedenartigen Waren steckenden, verschiedenartigen Arbeiten tatsächlich auf ihr Gemeinsames reduziert, auf menschliche Arbeit überhaupt.
