Das Mädchen mit der Puppe - Dietmar Wachter - E-Book

Das Mädchen mit der Puppe E-Book

Dietmar Wachter

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Beschreibung

Bei Baggerarbeiten werden in Landstein die Gebeine von fünfzehn gefallenen Soldaten des bayrischen Rummels von 1703 entdeckt. Wie aber gelangten eine Puppe und die sterblichen Überreste eines im 20. Jahrhundert ermordeten Kindes in die Grube? Ein schwieriger Fall für Inspektor Matteo Steininger und dessen Landsteiner Polizeitruppe; sie haben es mit einem äußert raffinierten Mörder und dessen gefinkelten Prominentenanwalt zu tun. Gelingt den Ermittlern der finale Schachzug, ehe weitere Zeugen ins Jenseits befördert werden?

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Veröffentlichungsjahr: 2013

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DIETMAR WACHTER

Das Mädchenmit der Puppe

Inspektor Matteo ermittelt

Sein dritter Fall

Alle Rechte vorbehalten© 2012 Berenkampwww.berenkamp-verlag.atISBN 978-3-85093-531-9

Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation inder Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographischeDaten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Was ist der Mensch für eine elende Kreatur,wenn er alle Eitelkeit abgelegt hat!

Johann Wolfgang von Goethe

März 2011

Kriminalinspektor Matteo Steininger ruhte in seiner Kanzlei auf dem eleganten, lederbezogenen Shiatsu-Massagestuhl, schnitt und polierte sich die Fingernägel, schaltete die elektrische Vibrationsmassage ein, blätterte gelangweilt ein paar alte Zeitschriften durch und genoss die spätwinterliche Stille, die über Landstein lag.

Es war nur wenig los, und die Polizeiarbeit lag in tiefer Agonie. Nur selten wurde irgendwo eingebrochen und Wertvolles gestohlen, allfällige Raufereien wurden gütlich bereinigt, und die amtsbekannten Brandstifter, Graffitikünstler und Pädophilen hatten schon etliche Jahre nichts mehr von sich hören lassen.

In aller Herrgottsfrüh hatte Matteo seine ganze Energie gebündelt, beim Greißler ein paar leere Kartons besorgt und darin alle Akten verpackt, die mit dem wohl schwierigsten Fall seiner langen Karriere zu tun hatten: die Utensilien und Beweismittel des verrückten Psychopathen „Professor Mord“, der im letzten Sommer vier rothaarige Landsteiner Damen ermordet und damit Matteo und seiner kleinen Truppe ein recht aufregendes und bewegtes Jahr beschert hatte.

Er trug die Schachteln hinunter ins Kellerarchiv, nahm ein letztes Mal das Zingulum heraus und dachte zurück an die krankhaften und abartigen Tötungsmethoden, derer sich der Irre bedient hatte.

Matteo kam die alte Frau Bruckner in den Sinn, die sich in ihrem Palais in seiner Gegenwart ins Jenseits verabschiedet hatte; und es kam ihm vor, als wären die Begebenheiten nicht erst letztes Jahr, sondern schon vor langer, langer Zeit geschehen.

Er genoss die Ruhe, nahm sich ein paar staubige Ordner vom Holzregal herunter und blätterte in alten Fällen herum, die bis heute nicht geklärt werden konnten.

Matteo las die Geschichte jenes blutjungen Selbstmörders, der vor fast zwei Jahrzehnten in eine Landsteiner Schlucht gesprungen und trotz deutlicher Körpermerkmale – ihm fehlte das rechte Auge – bis heute nicht identifiziert wurde. Oder die tragische Episode von Steiningers Schulfreund Markus Einzinger, der im Juni 1992 von Zürich nach Kapstadt geflogen war, wo sich seine Spur wohl auf ewig verlor.

Stapelweiße Papier über das Schicksal jener kanadischen Staatsbürgerin, die seinerzeit in Innsbruck in den Zug gestiegen war und in Landstein in einer kleinen Fremdenpension Quartier bezogen hatte. Am nächsten Tag hatte sie mit einem bis heute unbekannten Mann eine Bergwanderung unternommen, von der sie nicht zurückgekehrt war. „Ihre Habseligkeiten liegen schon fast drei Jahrzehnte in unserem Archiv“, wunderte sich Matteo und schnappte sich den nächsten Ordner vom Regal.

Er blätterte im vergilbten Akt des Landsteiner Berufsfotografen Meinhard Graber, der sich vor über fünfundzwanzig Jahren eine Urlaubsreise nach Kuba gegönnt, dort in mehreren noblen Hotels logiert hatte und unter Zurücklassung seines gesamten Hab und Guts plötzlich verschwunden war. Nach ihm hatte man ebenfalls vergeblich gesucht, wenngleich Urlauber noch Jahre später immer wieder berichtet hatten, den Berufsfotografen in verschiedenen Touristenstädten in Thailand, Madagaskar und Ägypten gesehen zu haben. Mysteriös gestaltete sich allerdings Meinhards Tod, dessen Rätsel nie gelöst werden konnte. Meinhard war eines Tages stark verwest aus dem Meer bei Venedig gefischt worden, und es blieb bis heute unklar, wie er ums Leben gekommen war. Aber das liegt schon viele, viele Jahre zurück. Seine Eltern waren längst verstorben, die Jugendfreunde in alle Welt verstreut, und kaum ein Landsteiner konnte sich noch an den Weltenbummler erinnern.

Gleichermaßen nur schwach konnte sich Steininger Professor Wendelin Kratzers entsinnen, den er seinerzeit im Gymnasium als Aushilfslehrer genossen hatte. Der war Mitte der Achtzigerjahre zusammen mit seiner Verlobten in die Türkei gereist, hatte sich in einem Hotel in der Nähe von Ankara eingemietet und bei der Rezeption eine regionale Landkarte gekauft. Kratzers Ziel dürfte eine steppenartige Region gewesen sein, in der er äußerst seltene Schmetterlingsarten vermutete. Zeugen hatten den seltsamen Mann noch mit seinem Netz zwischen dem niederen Gebüsch herumspringen sehen – was das letzte Lebenszeichen des Hobby-Lepidopterologen gewesen war.

„Immer wieder verschwinden Menschen plötzlich und spurlos – aus welchen Gründen immer. Menschen, die scheinbar nirgends fehlen, niemandem abgehen“, dachte Steininger und klappte den Ordner zu.

Aber die einsame Stille in den Kellerräumen war trügerisch, und Steininger hätte wohl ein leichtes Grübeln in der Magengegend verspürt, wenn er die Geschehnisse der nächsten Frühlingswochen erahnt hätte.

Matteo fuhr die automatische Rückenlehne zwei Stufen zurück, schaltete die Heizfunktion auf Stufe drei und döste vor sich hin, bis er endgültig einnickte und in einen tiefen Schlaf versank. Er träumte von längst vergangenen Zeiten und landete in einer grässlichen Epoche, in der es in Landstein und in den umliegenden Dörfern ganz und gar nicht friedlich zuging.

Juni 1703

Die Karawane der Tiroler Wanderhändler und Bauhandwerker war wohl sehr überrascht, als sich Mitte Juni des Jahres 1703 bei ihrer langersehnten Rückkehr in die Heimat in den Ebenen rund um Rosenheim ein riesiges Heer von bayrischen und französischen Soldaten formierte. Die Buckelkrämer in ihren unverkennbaren Tiroler Kostümen und Trachten wussten noch sehr wenig von den kriegerischen Ereignissen in ihrem Land und bekamen es mit der Angst zu tun, als sie die kampfbereiten feindlichen Regimenter vor den Toren Tirols aufmarschieren sahen.

Da war ein Paznauner Handwerksbursche, der aus Luxemburg heimkehrte und seine Werkzeuge auf einem Maultierkarren zog. Mit ihm ein Pfeifendreher aus dem Außerfern und ein Zillertaler Ölträger, der auf den Pfälzer Märkten wohlriechende ätherische Öle, Salben und Tinkturen verkauft hatte.

Mitten unter den heimkehrenden Tiroler Kraxenträgern war ein Absamer, der der vornehmen Kundschaft an den deutschen Fürstenhöfen Seifen, Heilkräuter, Parfüms und eine Warzensalbe feilgeboten und seine Verkaufsgespräche erfolgreich abgeschlossen hatte, indem er älplerische Jodler und Lieder gesungen hatte.

Dann ein Oberinntaler Wanderkrämer, der religiöse Traktate und Devotionalien angeboten hatte, und nicht zu vergessen das dralle Höttinger Weib mit dem losen Mundwerk, das in Sachen Filzhüte, Zinnlöffel und Nähnadeln durch die Länder gereist war und von manch erotischem Abenteuer zu erzählen wusste. In ihrer Kraxe trug sie einige Lot Tabak, Kaffee und Zucker nach Hause. Kurz vor Rosenheim war sie sich mit einer stämmigen bayrischen Marketenderin in die Haare geraten, als sie sich beide in einer Gastwirtschaft mit einem sturzbetrunkenen Freier beschäftigt und ihm die silberne Taschenuhr von seinem Rock hatten nehmen wollen. Dabei waren sie in einen handfesten Streit um das begehrte Stück geraten. Die grobe Maid aus Hötting hatte der widerborstigen Marketenderin einen Stuhl über den Schädel gezogen, weshalb für die stattliche Bayerin der Feldzug nach Süden begreiflicherweise schon vor den Toren Tirols zu Ende gewesen war.

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