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Wenn die uns vertraute Realität eine weitere, unheilvolle Dimension erlangt und trügerische Hoffnungen finsteren Mächten eine Pforte in das Diesseits öffnen, reicht dann Heldenmut noch aus, um die Seinen zu retten? Denn Tod klopft gelegentlich leise an der Haustüre und tritt kreischend herein. Raimund Wolters ist außer sich vor Glück; endlich erlauben ihm seine finanziellen Verhältnisse, sich und seiner Familie den lang gehegten Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Das hübsche Haus birgt jedoch ein grauenvolles Geheimnis. Es scheint mehr über seine Vergangenheit zu wissen, als er selbst und tragische Unfälle geradezu herbeizuführen. Wieso ist Wolters Name in die Dachbalken eingeritzt? Warum meiden die Nachbarn das Haus, weshalb sind frühere Bewohner wie vom Erdboden verschluckt, und wer ist das geheimnisvolle Mädchen, an der Seite seines Sohnes? Die unheimlichen Vorkommnisse mehren sich und stellen sein Weltbild in Frage. Seine Familie droht Opfer einer unheilvollen Macht zu werden…
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Tod
Impressum
Mystery-Thriller
Das Schatten-
gewand
Autor:
Hawe Wesemann
Inhalt:
Kapitel 1: Tod
Kapitel 2: Das Haus
Kapitel 3: Die Nachbarin
Kapitel 4: Gewissheit
Kapitel 5: Die Begegnung
Kapitel 6: Der Umzug
Kapitel 7: Der Andere
Kapitel 8: Recherche
Kapitel 9: Das Grauen
Kapitel 10: Der Durchbruch
Als Heiner Gerstler an diesem verregneten Herbstabend die Treppe seines kleinen Einfamilienhauses zum Vorratsraum des Kellers hinab stieg, ahnte er nicht, dass es das letzte Mal für ihn sein würde.
Der alte Mann mied diesen Raum des Kellers so oft es ihm möglich war. Dennoch eignete er sich nun einmal am besten zur Einlagerung von länger haltbaren Lebensmitteln wie Konservendosen und anderen Fertiggerichten, die er mittlerweile immer häufiger aß. Selbst und für sich alleine zu kochen war ihm häufig keine große Verlockung. Außerdem lagerte er die Kartoffeln und Zwiebeln dort. Die mochten es kühl und eher dunkel. Eine der zahlreichen, nützlichen Erkenntnis, die ihm seine verstorbene Frau hinterlassen hatte. Dieser fensterlose Raum am Ende des Kellerganges war also perfekt dafür geschaffen. Obwohl die Heizungsanlage des Hauses direkt im Nachbarraum installiert war, wurde es hier niemals wärmer als 12 Grad Celsius. Es wurde jedoch auch nicht kühler. Heiner Gerstler hatte dies eines Tages mit einem eigens dafür aus dem Baumarkt angeschafften Raumthermometer überprüft. Sowohl im kalten Winter, als auch im heißesten Sommer schien sich die Temperatur in dem kleinen Raum nur minimal zu verändern. Eine logische Erklärung, für dieses seltsame Phänomen, hatte er nicht finden können und irgendwann aufgegeben danach zu suchen.
Bei jeder einzelnen, ausgetretenen Stufe die er hinab stieg, spürte er die Härchen in seinem Nacken, die sich aufzustellen schienen, während ihm, die Kellern typische, leicht muffige Luft in die Nase stieg und sich dort nachhaltig einzunisten schien. Manchmal spürte er eine starke Abscheu gegen dieses Haus in sich aufkeimen, und in Momenten wie diesen war sie besonders groß. „Jetzt reiß dich zusammen“, sagte er leise zu sich selbst. „72 Jahre alt und fürchtet sich in den Keller zu gehen. Schäm dich!“ Irgendwann in den letzten drei Jahren hatte er begonnen mit sich selbst zu reden, seine Gedanken leise vor sich hin zu murmeln, anstatt sie tonlos in seinem Kopf zu formulieren. Manchmal ertappte er sich dabei und schluckte dann den Rest des Satzes herunter. Er wollte nicht als seniler Greis wahrgenommen werden. Irgendwann nachdem Erika von ihm gegangen war, musste er damit angefangen haben. Vermutlich war es ein schleichender Prozess gewesen. Er hätte nicht sagen können, wann es das erste Mal gewesen war. Vielleicht verhielt es sich ähnlich, wie mit seinen Hörproblemen. Lange hatte er sie gar nicht wahrgenommen, hatte den Fernseher, im Laufe der Zeit immer lauter gestellt wenn er abends auf der Couch im Wohnzimmer saß, und nach einigen Wochen oder Monaten bemerkt, dass er von Lautstärkestufe acht mittlerweile bei vierzehn angekommen war. Schließlich hatte er einen Termin beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt vereinbart und trug nunmehr ein klitzekleines, kaum sichtbares Hörgerät mit sich herum. Zuerst hatte er sich heftig dagegen gewehrt, doch nach einer Weile auch die Vorzüge erkannt. Es war ihm nun möglich den störenden Lärm der Welt abzustellen. Nur ein kleiner Knopfdruck, und schon verwandelte sich das laute Kindergeschrei der Nachbarschaft in ein kaum vernehmbares leise plätscherndes Hintergrundgeräusch. Bei diesem Gedanken huschte ein kleines Lächeln über sein Gesicht, während er langsam die vorletzte Stufe herab schritt und sich am leicht angerostetem Treppengeländer den notwendigen Halt verschaffte. Treppengeländer waren auch so eine Erfindung, deren immense Nützlichkeit sich einem erst im fortgeschrittenen Alter erschloss. Wenigstens spendete die Beleuchtung ausreichend Licht. Er spähte durch den etwa drei Meter langen Kellergang, von dem links und rechts jeweils zwei Türen in die verschiedenen Kellerräume führten. Die letzte Türe auf der rechten Seite verbarg den Vorratsraum, den er aufsuchen wollte, um sich mit einigen wenigen Kartoffeln zu versorgen, die er dann zu einem leckeren Kartoffelpüree verarbeiten würde und mit den zwei übriggebliebenen Bratwürsten vom Vortag zu verspeisen gedachte.
In seinen Pantoffeln, die bei jedem Schritt ein leicht schlurfendes Geräusch verursachten, schlich er durch den Kellerflur und strich dabei mit seiner linken Hand an der Wand entlang. Weniger um sich Halt zu geben, als um das feste Fundament seines Hauses zu spüren. Ein Haus, dass er im Gedenken an Erika gekauft hatte. Sie hatten immer von einem kleinem Häuschen geträumt, diesen Traum jedoch nie realisiert. Irgendwie war immer etwas dazwischen gekommen, oder sie hatten die Investition gescheut, weil sie gerade nicht sicher waren, ob nicht doch bald außerplanmäßige Ausgaben drohten. Dieser Fall war natürlich niemals eingetreten, und die überflüssigen Befürchtungen hatten lediglich dazu geführt, dass die Zeit verstrich sie sich ihren gemeinsamen Traum nicht erfüllten. Nachdem Erika verstorben und es Heiner Gerstler gelungen war, seine tiefste Trauer zu überwinden, hatte er durch eine Zeitungsannonce von dem Haus erfahren. Kurzerhand hatte er zugegriffen. Der Kauf war überhastet gewesen, nicht wirklich durchdacht. Dennoch hatte er sich aus einem unerklärlichen Grund in der Pflicht gefühlt, sich diesen gemeinsamen Wunsch von ihnen noch zu erfüllen. Obwohl Erika nun nicht mehr daran teilhaben konnte. Heiner Gerstler war zwar kein sehr religiöser Mensch, wollte aber dennoch die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Erika ihm, von wo auch immer her, zusehen konnte und sich vielleicht doch ein wenig an dem Häuschen erfreute. Außerdem, was hätte er auch mit dem ganzen Ersparten anfangen sollen? Verreisen? Ein neues Auto? Nein! Das wären Freuden gewesen, die er mit Erika hätte teilen wollen. Und alleine? Nein, da behagte ihm nicht einmal der Gedanke daran. Kinder waren ihnen ebenfalls nicht beschert gewesen, also war er vor zwei Jahren hierher in dieses Häuschen gezogen. Endlich stand er vor der Tür des Vorratsraumes und drehte den Schlüssel herum, um aufzuschließen und drückte dann die alte Klinke herunter. Während die schwere Tür in ihren Angeln ächzte und knarrend aufschwang, fragte er sich zum wiederholten Male, weshalb ihn dieser Raum dermaßen beunruhigte. Im Grunde gab es keinerlei Anlass dafür. Er tastete nach dem Lichtschalter und knipste die Beleuchtung ein. Die alte Glühbirne, er hatte sich schon unzählige Male vorgenommen sie gegen eine moderne LED-Birne auszuwechseln, war jedoch bisher nicht dazu gekommen oder hatte es schlichtweg verdrängt, verströmte ihr helles Licht und ließ den Raum völlig gefahrlos erscheinen. Was er vermutlich auch ist, du alter Narr, mahnte ihn seine rationale Seite. Dennoch war Heiner Gerstler mulmig zumute, als er die Schwelle überschritt. Eilig ging er auf den Kartoffelhort zu, bückte sich und begann die fünf Kartoffeln aufzuklauben, wegen derer er hier herunter gestiegen war, als er hinter sich ein knarrendes Geräusch wahrnahm. Ruckartig und mit bis zum Hals klopfenden Herzen richtete er sich auf und sah in die Richtung aus der er das Knarren vermutete. Der ältere Mann glaubte seinen eigenen Augen nicht zu trauen. Ohne jedes Zutun und ganz gemächlich schwang die Kellertür krächzend zu. „Was hat das zu bedeuten?“, fragte er ungläubig und mit heiserer Stimme. Allein das Geräusch der sich schließenden Tür bescherte ihm eine Gänsehaut. Dann besann er sich und stürmte auf die Tür zu. Doch es war zu spät. Die Tür war verschlossen. Heiner Gerstler drückte mehrmals panisch die Klinke und stemmte sich gegen die Tür. Sie bewegte sich jedoch keinen Millimeter und der Schlüssel steckte von außen. Wie konnte das sein? Erste Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn. Wild trommelte er gegen die Tür. „Aufmachen, verdammt nochmal. Wer auch immer da ist. Machen sie die Tür auf!“, brüllte er. Doch außer seiner eigenen Stimme und dem Trommelfeuer seiner Fäuste gegen die Tür war es absolut still. Verdächtig still und zu still als das im Gang jemand sein konnte. Oder vielleicht doch? Er wusste nicht mehr was er glauben sollte. Nervös sah Gerstler sich um, vergewisserte sich allein im Vorratskeller zu sein. Doch hier war niemand außer ihm. Nur der alte Kartoffelhort und das wurmstichige Holzregal auf dem er gewöhnlich seine Konserven lagerte. Dennoch hatte der fensterlose Raum mit seinen mittelalterlich anmutenden Wänden aus behauenen Kalksteinen etwas Bedrohliches. „Reiß dich zusammen, alter Mann“, sprach er sich selbst Mut zu und wandte sich erneut der metallenen Tür zu. Abermals drückte er die Klinke, doch die Tür bewegte sich auch dieses Mal keinen Millimeter. Kraftvoll warf er sich dagegen und stöhnte, als seine alten Knochen unter dieser rohen Behandlung knackten. Ein heftiger Schmerz fuhr ihm durch die Schulter und er rieb sie sich mit der Hand während er ratlos und stirnrunzelnd dieses metallene Bollwerk von Tür begutachtete. Welcher Hornochse hatte hier eigentlich so eine stabile Tür eingebaut? Obwohl er schon hunderte Male hier unten war, hatte er diesem Detail bislang keinerlei Beachtung geschenkt. Dabei waren, bis auf den Heizungsraum, der über eine Brandschutztür verfügte, alle anderen Kellertüren bloß mit einfachen Holztüren verschlossen, wie man sie in Kellern eben üblicherweise verbaute. Wieso hier eigentlich nicht? Was war an diesem Raum so besonders, fragte er sich und kratzte sich am Kopf. In diesem Moment begann die Glühbirne an der Decke bedrohlich zu flackern. Unwillkürlich sah Heiner Gerstler hoch und war nahezu geblendet, als sie ein letztes Mal blendend hell erstrahlte und schließlich nur noch trübe vor sich hin glomm, als habe sie jemand stark herunter gedimmt. Der alte Mann wartete einen Moment, bis sich seine Augen leidlich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, dann drehte er sich langsam im Kreis. Er suchte das Holzregal an der Wand um sich zu orientieren. Er erinnerte sich, dass er zur Tür gerannt war, um sie zu öffnen, danach war er ein oder zwei, vielleicht auch drei Schritte zurück gegangen, hatte die Glühbirne an der Decke betrachtet und müsste nun eigentlich fast mittig in dem nahezu quadratischen Raum stehen. Doch das tat er nicht; er stand direkt neben dem Holzregal. Heiner Gerstler kniff die Augen zusammen, um das spärliche Licht besser nutzen zu können, da erkannte er, er stand neben der schmalen Seite des Regales, die eigentlich an der Wand sein müsste. Sein Herz klopfte bis zum Hals, so laut, dass er glaubte es pochen zu hören. Das Holzregal stand nicht mehr an der Wand. Es ragte nun mitten in dem Raum hinein, gerade so als habe es jemand verschoben. Das konnte unmöglich sein! Die Dunkelheit und dieser vermaledeite Raum spielten ihm einen albernen Streich. Er hatte bei dem Schreck die Orientierung verloren. Das war alles. So musste es sein. Es konnte nicht anders sein! Dennoch streckte er die Hand nach dem wurmstichigen Möbel aus, als müsse er sich vergewissern, dass seine Augen ihn nicht in die Irre führen wollten. Seine gichtgeplagten Finger griffen nach einer der Längsstreben des Holzregales, und sofort spürte er die Vibration. Erst war es nur ein zaghaftes Zittern, und Heiner Gerstler glaubte schon es sich einzubilden, aber dann verstärkte es sich zusehends. Das Regal vibrierte, und das Vibrieren wurde stärker. Ruckartig zog er die Hand weg und starrte im Halbdunkel auf das Möbel, welches ein Eigenleben zu entwickeln schien. Die darauf gelagerten Konservendosen gerieten bereits leicht in Schwingung, stießen dann gegeneinander und erfüllten den Raum alsbald mit einem bösartigen, metallenen Summen. Mit einem lauten Poltern fiel endlich die erste Dose herunter und rollte über den staubigen Kellerboden in einen schattigen Winkel, wobei sie eine feine Spur im Staub hinterließ. Erbsensuppe mit Speck, fuhr es ihm durch den Kopf, während er starr vor Schreck noch immer am selben Platz stand und das Rollen der Dose mit ungläubigen Blick verfolgte, bis sie in einem gelblich leuchtenden Nebel verschwand der sich am Boden wabernd ausbreitete und einen bestialischen Gestank verbreitete. Weitere Dosen fielen mit lautem Getöse aus dem zuckendem Regal. „Was zur Hölle…?“, formulierten seine Lippen den unvollendeten Satz als ein erneutes, bekanntes Krächzen ihn aufhorchen ließ. Ganz allmählich öffnete sich die metallene Tür und der Nebel kroch begierig durch den Spalt in den Kellergang. Schwer atmend und panisch vor Angst ergriff Heiner Gerstler die Chance, die sich ihm bot. Er wollte nicht herausfinden was hier nicht stimmte, welche Mächte hier am Werk waren. Er wollte raus, raus aus diesem verfluchten Keller. Mit einer für sein Alter beeindruckenden Behändigkeit wirbelte er herum und wollte geradewegs auf die halboffene Kellertür zustürmen. Der dichte, gelbe Nebel war nun bereits kniehoch und nahm die Sicht auf den Fußboden. Deshalb bemerkte er die am Boden liegende Konservendose erst als er darauf trat, und sie unter seinem weich gefüttertem Hausschuh ins Rollen geriet. Für einen Moment ruderte er wild mit dem Armen, bemüht sein Gleichgewicht zu halten. Doch es half nichts, Gerstler stürzte rückwärts in den ekelhaften gelben Nebel. Ales geschah so rasch, dass er die andere Konservendose nicht einmal wahrnahm, die drohend und aufrecht am Boden stand und an dessen harten Metallrand seine Schläfe hart und todbringend aufschlug. Die Wucht des Aufschlages schleuderte ihn auf den Rücken und Heiner Gerstler hätte schwören können, dass eine hässliche Fratze ihn aus rotumränderten Augen hämisch betrachtete, als er diese Welt verließ.
Das Haus
„Das ist einfach Scheiße!“, brüllte Elias seine Mutter an und stürmte wütend aus dem Wohnzimmer in sein eigenes und schmiss die Tür so hart er konnte ins Schloss.
Frau Wolters wusste, dass es an dieser Stelle keinem Sinn machte ihrem Sohn zu folgen oder gar ein gehaltvolles Gespräch mit ihm führen zu wollen. Elias fühlte sich überrumpelt, wahrscheinlich sogar hintergangen, dass er als Familienmitglied nicht in diese weitreichende Entscheidung eingebunden worden war. Und sie hatte Verständnis für ihn. Schnaubend vor Erregung hievte sich Rolf aus seinem Sessel, und Sylvia Wolters legte ihrem Mann beruhigend die Hand auf die Schulter, bevor er in seiner Verfassung Elias folgen konnte.
„Lass ihn. Gib ihm etwas Zeit. Wir reden später nach dem Abendessen weiter. Das hat jetzt keinen Zweck. Er ist zu aufgebracht, und vielleicht ist er das auch ein wenig zurecht.“
„Glaubst du etwa das bin ich nicht?“, entgegnete Rolf. „Oder das ich mir die Entscheidung leicht gemacht hätte? Elias wird nächstes Jahr siebzehn, da könnte man schon ein wenig mehr Verständnis von ihm erwarten. Und schließlich ist dies eine enorme Verbesserung unserer Lebensumstände!“ Wolters sog die Luft lautstark durch die Nase und atmete schwer wieder aus. Er war sichtlich angespannt, hatte sich das Gespräch mit seinem Sohn um Einiges leichter vorgestellt und zumindest auf etwas mehr Verständnis gehofft. Doch Elias war starrsinnig. Mindestens genauso starrsinnig wie er selbst. Dennoch hatte seine Frau natürlich Recht. Sie sollten sich alle ein wenig beruhigen, bevor sie das Thema Umzug erneut in Angriff nahmen. Nach dem Abendessen und mit vollen Magen würden sie alle bedeutend weniger streitlustig sein und konnten hoffentlich noch einmal in Ruhe weiter diskutieren. Obwohl es, streng genommen, nicht mehr allzu viel zu diskutieren gab. Die Entscheidung war längst getroffen worden.
Elias lag auf seinem Bett, hatte die Kopfhörer seines Smartphones tief in die Ohrmuscheln gedrückt und die Musik auf volle Lautstärke gestellt. Er fühlte sich gleichzeitig hilflos, traurig und unglaublich wütend. Nur mit Mühe gelang es ihm die Tränen zu unterdrücken, die seine Augen zu füllen drohten. Doch diese Genugtuung sollte sein Vater nicht bekommen. Er würde nicht weinen. Aber was konnte er tun? Abhauen, bei Patrick seinem besten Freund wohnen? So etwas funktioniert nur in Filmen, nicht im echten Leben. Und überhaupt, wofür sollte das ganze eigentlich gut sein? Es ging ihnen doch prima, auch finanziell. Warum konnte sein Vater diese dämliche Beförderung nicht einfach ablehnen. Dann würden sie hier in Karlsruhe bleiben und müssten nicht nach Ötisheim ziehen. Ötisheim, allein der Name dieses Kaffs klang schon völlig bescheuert. Und dann kam noch etwas Wesentliches dazu; wenn er ehrlich zu sich war, dann hatte er Angst. Angst davor neue Freunde finden zu müssen und sie vielleicht nicht zu finden. Auf so einem Dorf gibt’s bestimmt lauter Landeier. Im schlimmsten Fall sogar keine vernünftige Internetanbindung. Zudem würde er zum Winterhalbjahr die Schule wechseln müssen, also mitten im Schuljahr. Er wäre also garantiert der einzige Neuzugang an der neuen Schule in Ötisheim. Wenn die da überhaupt eine haben. Er schnaubte verächtlich in sein Kissen. Der Gedanke an Sandra war erst recht grausam. Erst vorgestern in der Schule hatte sie ihm zugelächelt, und er war den Rest des Tages wie auf Wolken gegangen. Dabei waren sich ihre Blicke nur zufällig begegnet. Sie saß zwei Reihen vor ihm und hatte sich auf ihrem Stuhl nach hinten umgedreht. Vermutlich wollte sie Peter ansehen, der mal wieder einen blöden Kommentar abgegeben hatte, der vermutlich witzig sein sollte. Wie auch immer; Sandra hatte ihn direkt angesehen. Zumindest für einen kurzen Augenblick, bevor er sich abgewandt hatte, weil er spürte unter ihrem Lächeln zu erröten. Sandra war, mit ihren langen blonden Haaren und der samtweich erscheinenden Haut, das allerschönste Mädchen für Elias. In der Klasse saß sie gerade einmal zwei Meter entfernt von ihm. Doch sie hätte genauso gut auf dem Mond sein können. Zwar machte sie sich nicht über ihn lustig oder ignorierte ihn schlichtweg, aber sie nahm ihn auch nicht wirklich wahr. Elias hingegen träumte von ihr, und das buchstäblich. Doch bei gelegentlichen feuchten Träumen blieb es. Schon deshalb hatte ihn dieser Blick von ihr mehr verzaubert als er zugeben wollte. Die Hälfte der Jungen in seiner Klasse hätten auf der Stelle ihr rechtes Bein dafür geopfert, um mit ihr zusammen zu sein. Doch Sandra schien in einer anderen Liga zu spielen und orientierte sich an den Typen die zwei Klassen über ihr waren. Irgendwie verstand er sie sogar. Elias war nicht einmal einer der coolen Typen seiner eigenen Klasse. Er wurde akzeptiert und hatte seinen Platz gefunden, doch mit den Jungs aus der elften Klasse konnte er eben nicht mithalten. Also blieb ihm nichts weiter als zu hoffen und Sandra aus den zwei unüberbrückbaren Metern anzuhimmeln. Und ein Umzug würde Elias sehnsuchtsvoller Hoffnung in Bezug auf Sandra endgültig den Garaus machen.
Als er schließlich zum Abendessen gerufen wurde kam Elias der Aufforderung seiner Mutter nur wiederwillig nach, obwohl er hungrig war. Dementsprechend einsilbig verlief die Konversation. Doch sein Vater ließ es natürlich nicht dabei bewenden. Nach dem Essen forderte er Elias auf mit ihm in das Wohnzimmer zu kommen. Offensichtlich hatte er die Zeit genutzt um sich abzuregen, denn er begann das Gespräch mit sanfter, entspannter Stimme. Dennoch zeigte Elias seine Ablehnung deutlich, indem er mit verschränkten Armen auf der Couch saß und den Blickkontakt zum Vater möglichst vermied.
„Ich weiß, dass dir der Gedanke umzuziehen nicht gefällt.“, begann sein Vater.
„Was heißt denn Gedanke? Es ist doch schon längst beschlossen! Euch ist es völlig egal, ob ich darunter leide oder nicht!“, entgegnete Elias dessen Wut sofort wieder aufflammte.
Herr Wolters hob beschwichtigend die Hände. Er war sichtlich bemüht die Wogen glatt zu halten. Ein neuerlicher Streit brachte sie nicht weiter. „Du hast Recht! Wir hätten dich in die Entscheidung mehr einbeziehen müssen, und es tut mir wirklich leid. Dennoch bitte ich dich, dem Umzug zumindest eine Chance zu geben. Wer weiß? Vielleicht ist es ja tatsächlich eine, und es gefällt dir dort. Außerdem sind es gerade einmal vierzig Kilometer. Du könntest Patrick an den Wochenenden besuchen. Wir würden dich sogar mit dem Auto hinfahren und wieder abholen.“
„Hm.“, machte Elias schmollend, dem nichts Besseres einfiel. Außerdem wollte er keineswegs den Eindruck erwecken, dass er die Entschuldigung seines Vaters akzeptierte oder gar klein beigab. Er wusste natürlich um die berufliche Chance, die sich seinem Vater bot und natürlich hätten sie auch mehr Geld zur Verfügung. Vielleicht würden ihm seine Eltern sogar ein Auto kaufen, wenn er erst achtzehn wäre. Das wären nicht die schlechtesten Aussichten. Andererseits war es eine gute taktische Maßnahme erst einmal weiter den Beleidigten zu spielen. Seine Eltern sollten spüren, dass es ein Fehler gewesen war, ihn nicht in die Entscheidung einzubinden. Und wenn es dumm lief würde er tatsächlich in diesem Kaff zwischen den dämlichen Landeiern vergammeln und seine Jugend verplempern.
„Ich habe eine Idee!“, erklärte sein Vater enthusiastisch. „Den Schlüssel habe ich bereits, und wir beide könnten am Samstag doch einfach mal gemeinsam hinfahren. Sieh dir das Haus mit mir zusammen an. Komm, gib dir einen Ruck, Elias. Du wolltest doch auch immer, dass wir in einem eigenen Haus wohnen. Das hast du schließlich oft genug gesagt. Nun haben wir die Möglichkeit. Lass uns beide übermorgen nach Ötisheim fahren und das Haus erkunden. Was meinst du?“
„Ich überlege es mir. Wir können ja mal gucken.“, antwortete Elias vage. Ein klares Ja war ihm noch zu voreilig. Dennoch wussten sie beide, dass dies bereits die eigentliche Zustimmung war, um am Samstag das Haus zu besichtigen. Und natürlich war er auch ein wenig neugierig. Aber dies zu deutlich zu zeigen, verspürte er keine Lust. Sollte sein Vater ruhig noch ein wenig schmoren.
„Freut mich wirklich, dass du es so sehen kannst! Ich bin sicher es wird dir gefallen!“, lächelte Herr Wolters und klopfte seinem Sohn anerkennend auf die Schulter. Er war tatsächlich angenehm überrascht. Die kurze Aussprache zwischen ihnen hätte auch schnell aus dem Ruder laufen können. Seine Bereitschaft sich ihr neues Zuhause einmal anzusehen bedeutete doch seine Verständigkeit und dass Elias allmählich erwachsen wurde. Außerdem freute er sich auf einen gemeinsamen Tag mit seinem Sohn. Es war schon lange überfällig, dass sie beide mal wieder gemeinsam etwas unternahmen.
Gegen elf Uhr saßen sie beide am Samstagvormittag in dem bereits in die Jahre gekommenen Skoda Kombi und fuhren Richtung Ötisheim. Während seinem Vater ein unerschütterliches Lächeln ins Gesicht gemeißelt war, hatte Elias sich eine gesunde Portion Restskepsis bewahrt. Natürlich war er voller Neugierde, doch der Umzug war für ihn weiterhin eine Bedrohung die ihm wenig behagte. Die Fahrt verlief größtenteils schweigend, obwohl sein Vater immer wieder versuchte, mit einem lockeren Spruch die Stimmung zu heben. Zwischendurch fing er sogar an seinem Sohn die Eckdaten von Ötisheim zu erläutern. Population, Infrastruktur, all dies ließ Elias geduldig auf sich einprasseln. Irgendwann schien sein Vater es jedoch aufgegeben zu haben. Vermutlich hoffte er, dass Haus selber würde dann schon selbst dafür sorgen, dass Elias restlos in helle Begeisterung ausbräche. Doch so leicht würde er es ihm nicht machen, nahm der sich vor.
Sie durchquerten endlich die Goldstadt Pforzheim, die selbst heute noch diesen Beinamen trägt und trotz ihres Strukturwandels und vielen Veränderungen bis heute Deutschlands Schmuckmetropole ist, angeblich mit weltweitem Bekanntheitsgrad. Auch heute noch kommen rund 80 Prozent des aus Deutschland exportierten Schmucks aus Pforzheim, wusste Elias aus dem Schulunterricht. Dennoch deprimierte ihn die Stadt mit ihren häufig grauen Nachkriegshäusern. Aber vermutlich erlaubte ihm nur seine schlechte Laune nicht, den eigentlichen Charme der Stadt auf sich wirken zu lassen. So war er nicht traurig, als sie die Bundesstraße erreichten, die sie direkt nach Ötisheim führen würde. Landwirtschaft begann die friedliche Umgebung zu dominieren, und der freie Blick über bereits geerntete Felder auf denen die herbstliche Sonne ruhte, lenkte ihn von den trüben Gedanken an Pforzheim ab. Ein wenig Neugierde machte sich zu seiner Überraschung in ihm breit, und er ertappte sich bei einem vorsichtigen Lächeln. Elias sah schnell wieder aus dem Beifahrerfenster.
Sie passierten das gelbe, leicht verwitterte Ortsschild, und sein Vater steuerte den betagten Skoda in Richtung Zentrum, wie er Elias wissen ließ, dem dieser Begriff, angesichts der überschaubaren Infrastruktur Ötisheims, reichlich deplatziert erschien. Dennoch schluckte er den bissigen Kommentar, der ihm auf der Zunge lag herunter. Keine vier Minuten später bogen sie in ein schmales Sträßchen ein. Ältere Häuser säumten den Asphalt, allesamt renovierungsbedürftig, befand Elias, der aufgrund des stetig wachsenden Grinsens seines Vaters argwöhnte, dass sie nun bald am Ziel waren. Die Vorgärten zur Straße hin schienen dennoch regelmäßig gepflegt zu werden, die Grünflächen beherbergten trotz des Herbstes kaum Laub, und die wenigen Bäume waren allesamt gestutzt. Dennoch waren es unverkennbar recht alte Häuser, die ihren Zenit längst überschritten hatten. Elias äugte skeptisch aus dem Fenster des Skoda, während sein Vater gemächlich weiterfuhr. Sie passierten gerade eine hohe, blickdichte Hecke, als sein alter Herr den Blinker betätigte. Völlig überflüssig, wie Elias meinte, denn sie waren Mutter Seelen allein auf der schmalen Anliegerstraße unterwegs. Dann endete das heckenumrandete Grundstück und gab den Blick auf ein, offenkundig recht frisch renoviertes und strahlend himmelblau leuchtendendes Einfamilienhaus frei. Zweifellos hatte seine Mutter die Farbe ausgewählt.
„Voila!“, erklärte sein Vater stolz und lenkte den Skoda auf eine Garage zu, die seitlich an das blaue Haus angebaut war. Er brachte den Wagen auf den knirschendem Kies der Zufahrt zum Stehen und sah Elias erwartungsfroh an. „Na, was sagst du?“, wollte er wissen. „Von hier aus sieht es ganz gut aus!“, erklärte Elias verhalten. In Wahrheit fand er es jedoch bereits jetzt schon super.
„Na dann solltest du mal hinein gehen und dich davon überzeugen, dass es noch besser wird.“, meinte sein Vater und grinste dabei über beide Ohren, während er den Hausschlüssel aus der Mittelkonsole des Skoda klaubte und ihn dann Elias auffordernd in die Hand drückte. „Na los! Geh rein und sieh dich um! Ich bin sicher, du wirst es ziemlich geil finden. So sagt man ihr jungen Leute doch heutzutage, oder nicht?“, erklärte er freundschaftlich.
Elias nahm den Schlüssel an sich, nickte seinem Vater zu und hüpfte aus dem Wagen. Staunend flitzte er durch den kleinen Vorgarten und auf die Eingangstür zu und vergaß dabei seine angestrebte Zurückhaltung. Bereits jetzt war unverkennbar; es war mit Abstand das schönste Haus der Straße. Aufgeregt schloss Elias die Eingangstür auf und verschwand sogleich im Inneren des Hauses. Wolters sah seinem Sohn lächelnd nach und stieg nun selbst aus dem Wagen. Im Kofferraum hatte er bereits einige Umzugskartons mitgebracht. Er würde sie heraus holen und ins Haus tragen, während Elias sich in aller Ruhe mit dem neuen Heim anfreunden sollte.
Und genau dies tat dieser, mit wachsender Begeisterung. Zufrieden registrierte er neue Fenster und das frisch verlegte, noch seinen eigenen Duft verströmende Laminat, während er das Erdgeschoß inspizierte. Ein großes, lichtdurchflutetes Wohnzimmer, eine ebenfalls nagelneue Einbauküche und eine Gästetoilette fand er vor. Dann wanderte sein Blick zu der hölzernen Wendeltreppe, die in die erste Etage zu führen schien. Munter erklomm er die Stufen, stand im Flur und erkannte vier Türen. Fünf Minuten später war er im Bilde: vermutlich Schlafzimmer, Jugendzimmer, Gästezimmer und eine weitere Toilette mit Fenster und Badewanne. Wenn er die Dinge richtig einschätzte, konnte er also zwischen Gästezimmer und Jugendzimmer wählen. Eines von beiden würde sein Reich werden! Die Entscheidung fiel ihm ausgesprochen leicht; natürlich das Zimmer mit dem kleinen Balkon. Hier würde er im Sommer ungestört chillen können. Er lächelte zufrieden vor sich hin. Vater hatte recht gehabt; so ein Haus hatte er sich immer gewünscht. Verdammt schade, dass es nicht in Karlsruhe stand! Dennoch war er ganz allmählich bereit, sich auf das Abenteuer Umzug einzulassen. Unten hörte Elias seinen Vater herumhantieren. Aufgeregt stürmte er die Treppe herunter.
„Krieg ich das Zimmer mit dem Balkon?“, polterte er los.
„Na, anscheinend scheint dir unsere bescheidene Hütte ja doch zu gefallen!“, kommentierte Wolters, während er einen Karton auf den Wohnzimmerfußboden abstellte, ächzend eine Hand in die Hüfte stemmte und sich langsam aufrichtete. Er hätte die Umzugskartons nicht so schwer beladen sollen „Klar! Das wird dein Zimmer! Versprochen!“, lächelte er mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht, was sicherlich ziemlich komisch aussehen musste.
„Super! Und was ist im Keller? Vermutlich ein stinklangweiliger Hobbyraum mit Werkstatt, in der du Selbstverwirklichung betreiben kannst.“, hänselte Elias. Es war jedoch ein freundlicher Spaß, den er mit einem eindeutigen Lächeln versah.
Sein Vater nahm den Ball bereitwillig auf. „Klar! Dort verbringe ich regelmäßig meine Wochenenden und bastele an kleinen Kunstharzflugzeugen, die wir beiden dann in gemeinsamer Kleinarbeit lackieren und in deinem Zimmer unter die Decke hängen. Dass wird ein Spaß! Nee, im Ernst. Ich dachte eher an einen Partyraum, den wir da unten einrichten. Und das könnte dann tatsächlich unser gemeinsames Projekt werden. Geh ruhig mal runter und sieh es dir an. Ein Raum ist größer, der würde sich prima eignen!“
Kaum hatte er es ausgesprochen, war Elias auch schon in besagte Richtung unterwegs. Seufzend straffte sich Wolters und ging erneut zum Auto, um die restlichen Umzugskartons zu holen. Sein Filius war ihm im Moment anscheinend keine große Unterstützung. Aber das war völlig in Ordnung. Hauptsache er konnte sich mit dem Thema Umzug arrangieren und mochte ihr neues Heim.
Im ersten Augenblick war Elias enttäuscht, als er im Türrahmen stand und die etwa 20 Stufen umfassende Treppe in das Kellergeschoß betrachtete. Offenkundig hatten die umfangreichen Renovierungsarbeiten am Haus ihr jähes Ende an der Schwelle zur Kellertreppe gefunden. Selbst das schummrige Licht der Lampe konnte dies nicht verbergen. Spinnweben, Farbe und Putz die von Wänden und Decke herabhingen, und über allem lag ein leicht modriger Geruch. Dies war beileibe nicht der Anblick, den er sich erhofft hatte. Aber Vater hatte ja gesagt, sie würden den Keller gemeinsam herrichten. Also stieg er die Treppen behutsam hinab, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die anstehende Plackerei sollte sich ja schließlich lohnen, und der Umzug machte sich vermutlich auch nicht von selbst. Hatte Vater eigentlich schon eine Umzugsfirma beauftragt, und wann würden sie überhaupt umziehen? Elias bemerkte, es gab noch einiges in Erfahrung zu bringen. Jetzt, wo der Umzug ein wenig seines Schreckens für ihn eingebüßt hatte.
Am Ende der Treppe erstreckte sich ein für solche Gebäude üblicher Kellerflur, von dem links und rechts jeweils zwei Türen abzweigten. Elias wollte rechts beginnen und dann den gegenüberliegenden Raum erkunden, und so weiter. Doch als er sich der metallenen Tür näherte, erkannte er das Hinweisschild auf ihr. Dies war der Heizungsraum. Also verzichtete er darauf hineinzugehen und wandte sich der gegenüberliegenden Tür zu, die bereits erkennbar Wurmstich aufwies. Na toll, dachte Elias, hier ist ja wohl Einiges zu tun. Kein Wunder das Vater meine Unterstützung braucht. Dennoch war er angenehm überrascht, als er endlich den Lichtschalter gefunden und betätigt hatte. Der Raum war zwar nicht riesig und die nackten, schmutzigen Wände starrten ihn an, aber zumindest gab es ein Fenster. Auch wenn es dermaßen vor Dreck starrte, dass es dem Tageslicht kaum noch Einlass gewährte. Doch mit ein wenig Farbe, einer guten Portion Kreativität und Enthusiasmus, konnte man dem Raum sicherlich einen gewissen Charme verleihen. Elias trat zurück auf den Kellerflur und nahm, entgegen seines ursprünglichen Planes, doch die nächste Tür auf der linken Seite ins Visier.
