Das Troja-Projekt - Manfred Meckle - E-Book

Das Troja-Projekt E-Book

Manfred Meckle

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Beschreibung

Das Troja-Projekt Sebastian Friedmacher, Kriminaloberrat beim LKA Nordrhein-Westfalen, ist schon seit Jahren hinter Jos Klipphaghel, dem größten Kokainschmuggler Europas, her und stellt zusammen mit seinen Kollegen aus den Niederlanden eine neue und umfassend ausgestattete Sondereinheit auf, die in beiden Ländern ermittelt. Zur Tarnung seines Drogenhandels betreibt Klipphaghel ein Transportunternehmen mit Hauptsitz in Amsterdam und einer deutschen Niederlassung in Düsseldorf, und wickelt seine Geschäfte über eine Basler Privatbank ab. Hier begegnet er Mersijah das erste Mal, verliebt sich sofort in sie und beginnt ihr den Hof zu machen. Doch zunächst hält sie ihn auf Distanz und lässt Klipphaghel erst nach und nach näher an sich heran, bis sie sich ganz mit ihm einlässt. In der Zwischenzeit wird Max, ein junger Kriminalkommissar, bei Klipphaghel eingeschleust, indem er einige Drogentransporte vor Polizeikontrollen warnt und sich als unzufriedener Polizist ausgibt, der auch einmal an die großen Fleischtöpfe will. Als Klipphaghels rechte Hand verhaftet wird, steigt Max in dessen Organisation auf und entpuppt sich schon bald als unentbehrlich. Zu diesem Zeitpunkt taucht ein neuer Abnehmer auf, der mit Klipphaghel ins Geschäft kommen, ihn aber hierzu persönlich treffen will. Max organisiert die Übergabe und die Polizei stellt Klipphaghel eine Falle, die sein Imperium für immer zerschlagen soll. Gelingt es Kriminaloberrat Friedmacher, die Falle zuschnappen zu lassen, oder kann Klipphaghel wieder einmal entkommen und seine Drogen weiterhin verkaufen? Lesen Sie die unerwartete Wendung.

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Seitenzahl: 714

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Manfred Meckle

Das Troja-Projekt

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

DAS TROJA-PROJEKT

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Nachwort des Autors

Impressum neobooks

DAS TROJA-PROJEKT

1

Sebastian Friedmacher, etwas über einen Meter achtzig groß, Mitte vierzig und mit seinen grau melierten Haaren ein wenig an George Clooney erinnernd, war schon als junger Kriminalkommissar vor fast fünfundzwanzig Jahren auf Jos Klipphaghel gestoßen, als dieser seinerseits begann, sich im Drogenhandel des deutsch-niederländischen Grenzgebiets einen Namen zu machen und in den nachfolgenden Jahren kontinuierlich nach oben gestiegen war, bis er vor gut einer Dekade die Spitze erreicht und seither den Vertrieb von Kokain in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten unter seiner Leitung monopolisiert hatte. Vor drei Monaten war Friedmacher zum Kriminaloberrat befördert und als neuer Leiter des Drogen-dezernats ins LKA versetzt worden. Zu der Zeit hatte ihn der Innenminister – in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen aus Noord-Holland – damit beauftragt, einen Plan zu entwickeln, Klipphaghels Kartell anzugreifen und derart zu schwächen, dass es bei den anschließenden Aufräumarbeiten endgültig zerschlagen werden konnte. Und zum ersten Mal würde die Polizei genügend Geld, Personal und Ressourcen zur Verfügung haben, um diese Konfrontation auch zu gewinnen, obwohl es im Drogenhandel wie beim Kampf gegen die Hydra war: Schlug man einen Kopf ab, wuchs an seiner Stelle einfach ein anderer nach.

Doch bei diesem Strauß wollte er sich so in das Konglomerat um Klipphaghel verbeißen, dass ein neues Kartell sehr lange brauchen würde, sich irgendwann frisch aufzustellen. Dazu wollte er sich heute mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister treffen und hatte sich auf dem ersten Fahrgastschiff, das morgens in Köln ablegte, und auf dem nur einige unentwegte Touristen sein würden, verabredet. Aus ihrem direkten Umfeld sollten nur so Wenige wie unbedingt notwendig von der ganzen Aktion wissen.

Friedmacher und sein aus den Niederlanden hinzu gezogener Pendant hatten jeweils einen Kollegen mitgebracht, die ihre Abschirmung auf dem Schiff bewerkstelligen würden, um nicht durch die ministerialen Sicherheitskräfte unnötig auf sich aufmerksam zu machen. Dessen Entourage blieb am Anleger zurück und verfolgte, zusammen mit einem am Rande des Rheintals fliegenden Helikopter, das Schiff beidseits des Flusses.

Friedmacher hatte zwei Tische in einer gemeinsamen Nische reserviert, die sich in der Mitte der Kabine befand, da die meisten Fahrgäste am Bug Platz nahmen, um von dort aus eine ungestörte Sicht auf den Rhein zu haben, oder dann wieder im Heck, und ein großes Frühstück für alle bestellt. Kaffee war willkommen, aber das Essen rührten sie fast nicht an.

Erst direkt vor der Abfahrt kam der Innenminister an Bord und Friedmacher stellte ihm seinen niederländischen Kollegen vor.

»Commissaris Dominic Vlischer von der Nationale Politie Noord-Holland. Er ist während des Einsatzes als mein Stellvertreter und Ansprechpartner auf niederländischer Seite vorgesehen und wird die operative Leitung übernehmen, während ich mich um administrative Gegebenheiten kümmere.«

Friedmacher stoppte für einen Augenblick, bevor er mit: »Ich würde ihm mein Leben anvertrauen« fortfuhr. Im Kampf gegen den Drogenhandel waren in jeder Polizeibehörde immer wieder Beamte umgedreht worden, die dann ihre Kollegen verrieten und Dealer vor einer Razzia warnten. In diese Sondereinheit hatte er vor, nur Polizisten zu berufen, die er als absolut zuverlässig kannte.

Der Innenminister nickte Vlischer zu und gab ihm die Hand. Er setzte sich mit dem Rücken zum Fenster, um den gesamten Raum im Blick zu haben, und die zwei hochgestellten Kriminalbeamten rutschten zu beiden Seiten neben ihn auf die Bank. Friedmacher schob ihm das bereitliegende Dossier zu, das seinen Plan in allen Einzelheiten umriss.

Der sah als wichtigster Punkt vor, alle für ihren Schlag gegen Klipphaghels Drogenimperium benötigten Beamten aus anderen Bundesländern und Provinzen zusammen zu ziehen, da von ihnen angenommen werden konnte, dass sie keine Verbindungen nach Düsseldorf und Amsterdam besaßen – den zwei Städten in denen Klipphaghel Niederlassungen seiner Transportunternehmen hatte.

»Wir haben bei allen Polizeipräsidien bereits vorgefühlt, in wieweit wir Personal von ihnen erhalten können – selbstverständlich ohne den eigentlichen Zweck ihres Einsatzes auch nur anzudeuten«, führte Friedmacher seine Darlegungen mündlich aus, »und sie gebeten, uns jeweils eine Liste von ihren vertrauenswürdigsten Leuten zukommen zu lassen. Vlischers und mein unmittelbarer Stab haben sämtliche Namen auf Herz und Nieren geprüft und sich schlussendlich für diese Kollegen entschieden, die wir dabei haben müssen, wenn wir erfolgreich sein wollen.«

Der Innenminister besah sich die DIN A4-Blätter, auf dem Namen, Alter, Dienstgrad und bisheriges Einsatzgebiet aller anzufordernder Beamter fein säuberlich aufgelistet waren, denn die wenigstens stammten aus der Drogenfahndung. Vielmehr wurden hier IT-Spezialisten, Finanzaufklärer und Verkehrsexperten benötigt.

»Wir werden einen Kollegen bei Klipphaghel einschleusen«, trug ihm Friedmacher den zweiten Teil seines Plans vor, »um sich in seiner Organisation hochzuarbeiten. Das wird voraussichtlich ein halbes bis ein ganzes Jahr dauern und wurde bisher bei jedem Versuch unternommen, ein Drogenkartell zu infiltrieren. Doch meine Intention sieht vor«, ergänzte er, »ihn so ins Spiel zu bringen, dass er wirklich keinem verdächtig erscheint. Er wird sich ganz offen als Polizist zu erkennen geben, der nicht abgeneigt ist, die Seiten zu wechseln. Auch das gab es schon, aber glauben Sie mir, Max wird das so hervorragend machen, dass selbst die Geheimdienstchefs in Moskau und Washington auf ihn hereinfielen.«

»Max …?«, erkundigte sich der Innenminister, weil er keinen Polizisten mit diesem Vornamen auf der Liste finden konnte.

»Max«, wiederholte Friedmacher nur, deutlich zeigend, nicht mehr über ihn sagen zu wollen. »Je weniger von ihm wissen, desto geschützter ist er bei der ganzen Sache, und umso sicherer ist es, dass er nicht auffliegt. Selbst Commissaris Vlischer weiß nur diesen Decknamen, und der Einzige, der während all der Zeit mit ihm Kontakt hält, werde ich sein.

Ich kenne seinen Chef beinahe so lange, wie ich bei der Polizei bin, persönlich, und der legt seine Hand für Max ins Feuer. Für ihn sind Drogendealer der Abschaum der Menschheit.«

Der Innenminister überlegte kurz und nickte dann.

»Gut«, gab er seinem Drogendezernatsleiter sein Einverständnis, die Operation genau nach dessen Vorgaben durchzuführen, »ich vertraue Ihnen, Friedmacher, und werde alles dafür notwendige auf unserer Seite in die Wege leiten.«

»Genau dieses wollte mein Minister von Ihnen hören, Herr Innenminister«, ergriff Vlischer zum ersten Mal das Wort, »und erwartet Ihren Anruf.«

Im Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden beherrschten viele Polizisten die Sprache des jeweils anderen, was auch ein Hauptpunkt bei der Auswahl der Polizeibeamten gewesen war. Für das Gelingen dieser Operation war es äußerst wichtig, rasch und ohne Umwege miteinander kommunizieren zu können.

Friedmacher nahm das Dossier zurück, als sie Bonn erreichten und sich der Innenminister zum Aussteigen bereit machte.

»Es existiert nur diese eine Liste mit den Namen aller vorgesehenen Beamten«, erklärte er seinem obersten Dienstherrn, »die auf ihren bisherigen Positionen als befördert und zu anderen Dienststellen versetzt gelten werden, solange dieser Einsatz läuft. Was nach Abschluss der Operation weiterhin Bestand haben sollte.«

Der Innenminister lächelte süffisant und nickte ihm dann wissend zu. In der Politik gab es immer jemanden, der nur darauf wartete, einem ihm im Weg Stehenden den Dolch in den Rücken zu stoßen; und wenn es um solche Summen wie beim Drogenhandel ging, waren die niederen Chargen immer ein Ziel der Dealer mit Drohungen, Erpressung oder Bestechung an notwendige Informationen zu gelangen. Außerdem rückten Polizisten, die genau mit Klipphaghels angepeilter Verhaftung auf ihre Posten zurückkamen, leicht ins Visier für Vergeltungsmaßnahmen.

Er verabschiedete sich von den beiden Polizisten, und das Schiffspersonal ließ ihn als ersten von Bord. Friedmacher und Vlischer fuhren bis zum nächsten Halt – ihre beiden Kollegen sogar noch eine Station weiter –, dafür konnten sie sich nun an den Köstlichkeiten gütlich tun und verspeisten befriedigt, dass der Innenminister allen ihren Bedingungen vorbehaltlos zugestimmt hatte, einen Großteil des für sie aufgetischten Frühstücks.

Ein Zivilfahrzeug war ihnen bis hierher gefolgt, und die beiden hochrangigen Kriminalpolizisten stiegen vom Anleger direkt in den Wagen. Der Fahrer brachte sie auf der rechten Rheinseite zurück nach Köln und ließ Vlischer am dortigen Ende der Hohenzollernbrücke aussteigen. Einer der sie begleitenden Beamten ging voraus und checkte die Lage ab, auch wenn Klipphaghel noch nicht einmal ahnen konnte, dass die Polizeibehörden von Deutschland und den Niederlanden in den nun folgenden Monaten eine konzertierte Aktion gegen ihn vorbereiteten.

Das nächste Mal würden sie sich in den Niederlanden treffen und ihre ersten Vorarbeiten miteinander abgleichen, dann gaben sie sich die Hand und trennten sich. Vlischer ging, von dem zweiten Beamten beäugt, über die Eisenbahnbrücke zum Hauptbahnhof und nahm den kurz darauf abfahrenden Zug nach Amsterdam. Von nun an würden sie stets solche Vorsichtsmaßnahmen einhalten, sich in der Öffentlichkeit nie mehr gemeinsam sehen lassen und so wenig wie möglich – selbst über eine abhörsichere Leitung – miteinander telefonieren. Der ganze Fall war, einschließlich des von ihnen vorgesehenen Aufwands, viel zu wichtig, um ihn wegen einer Unachtsamkeit in den Sand zu setzen.

Die beiden Polizisten kehrten zurück, und Friedmacher wies seinen Fahrer an, ihn zum Hauptpostamt zu bringen, in dem es tatsächlich noch Telefonzellen gab. Mit einer Handvoll Kleingeld betrat er eine der Kabinen und wählte der Reihe nach die einzelnen Nummern, die in seinem Dossier aufgeführt waren.

»Es geht los«, sagte er nur, sobald sich die richtige Person am anderen Ende meldete, und legte wieder auf. Jeder der Angerufenen wusste, wann er oder sie sich auf den Weg zu machen hatte, um rechtzeitig seinen Platz für den Angriff auf Klipphaghels Imperium einzunehmen.

Sein nächster Halt war bei einem Immobilienmakler, den er schon vor einigen Wochen wegen Büroräume angefragt hatte, und schloss den Mietvertrag mit ihm. Von dort aus bestellte er Möbel und die notwendige Infrastruktur, die in ein paar Tagen geliefert werden würde, und sandte schließlich, als er wieder in seinem eigenen Büro war, die Kommandierungsgesuche ab, die alle beteiligten Beamte nach Düsseldorf einberiefen.

Seine Räumlichkeiten lagen gerade hoch genug im Gebäude des LKA, dass er über die umstehenden Häuser hinweg auf den Rhein sehen konnte. Mit seitlich weit ausgestreckten Armen stützte er sich an der breiten Fensterfront ab.

»Dieses Mal erwischen wir dich«, sinnierte er über Klipphaghel und begann zu lächeln. Diesen Plan hatte er schon seit Jahren immer weiter ausgearbeitet und verfeinert, und nur darauf gewartet, genügend Geld und Zeit zur Verfügung gestellt zu bekommen, um ihn auch konsequent bis zum Ende durchzuziehen.

Er ging zurück an seinen Schreibtisch, dessen beide seitlichen Blöcke noch auf Sockeln standen, so dass der unterste linke Einlegeboden herausgenommen werden konnte, um in einem darunter versteckten Bodentresor das Dossier einzuschließen, und begann mit seiner Arbeit. Allzu lange sollte sich Klipphaghel nicht mehr an seinem durch Drogenhandel gewonnenen Reichtum erfreuen.

Jos Klipphaghel, Transportunternehmer, Lebemann und Drogenschmuggler, bevorzugte aus zwei Gründen den Zug für seine monatlichen Reisen nach Basel. Auf Flughäfen waren die Personenkontrollen zu streng, um ohne weiteres geschliffene Diamanten im Wert von einer Million Euro mitnehmen zu können; und die knapp 750 Kilometer lange Fahrt mit dem Auto war ihm selbst in seinem Porsche zu anstrengend, wenn er am nächsten Tag wieder in Amsterdam sein wollte. Also ließ er sich wie üblich morgens von seinem Capo zum Centraal-Bahnhof bringen, setzte sich in ein reserviertes Erster-Klasse-Abteil des deutschen ICE, der die Strecke ohne umsteigen in weniger als sieben Stunden bewältigte, und genoss die Fahrt das Rheintal entlang in die Schweiz.

Gerne hätte er die Reise damals im Original-Rheingold unternehmen, der zu seiner Glanzzeit noch von einer Dampflok gezogen worden war, auch wenn er einen halben Tag dafür gebraucht hätte, von den Niederlanden nach Basel zu gelangen. In jedem Waggon hatte es nur wenige Plätze gegeben, die aber alles Einzelsitze gewesen waren und bequemen Sesseln geglichen hatten, und die Fahrgäste waren noch von richtigen Kellnern direkt an ihren Tischen bedient worden. Zumindest jedoch mit dem späteren Trans-Europa-Express, der – eine imposante beige-rote E-Lok der deutschen Baureihe 103 an der Spitze – von Mitte der 1960er Jahre bis in die späten Achtziger unter demselben Namen verkehrt war und in seinen Anfangszeiten zwei Aussichtswagen mitgeführt hatte, von denen aus der Blick auf die Burgenlandschaft des Rheins überwältigend gewesen sein musste.

Heutzutage gab es ja nur noch den Inter-City-Express, super schnell, aber ohne jegliche Atmosphäre, einzig und allein als Fortbewegungsmittel konzipiert, um möglichst rasch von ‚A‘ nach ‚B‘ zu gelangen. Die meisten Reisenden interessierten sich nicht im mindesten dafür, was draußen zu sehen war, und bemerkten nicht einmal, wann sie durch einen Tunnel fuhren, solange das zugeigene W-LAN auf ihren Handys funktionierte.

Bei jedem Halt stiegen Fahrgäste ein und aus, aber nur selten reisten die Menschen die gesamte Zeit oder auch nur eine größere Strecke mit, und dann zumeist in der zweiten Klasse. Die teureren Plätze leisteten sich häufig nur Geschäftsreisende, die mit ihrer Arbeit beschäftigt waren und äußerst selten die Gelegenheit fanden, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Schließlich konnte er sich nicht die ganze Fahrt über hinter einer Zeitung verstecken; oder hätte er den Leuten etwa erzählen sollen, dass er eines der größten Kokainkartelle Europas befehligte und gerade einen Teil seines Gewinns daraus in Form von mehrkarätigen Brillanten in die Schweiz brachte?

Die besorgte er sich in unauffälligen Stückzahlen an den verschiedenen Diamantenbörsen von Antwerpen, das mit dem Auto in zwei Stunden erreichbar war; seltener, jedoch auch das kam ab und zu vor, direkt in Amsterdam; und manchmal aus Idar-Oberstein, wofür er die Reise aber unterbrechen und sich mit dem Taxi von Frankfurt aus hinbringen lassen musste. Dann übernachtete er am Rhein oder im Pfälzer Wald und setzte die Fahrt erst am nächsten Tag weiter fort.

Jeden Monat brachte er ein paar Dutzend Steine, sicher verstaut in seiner Brieftasche – sie wogen gerade mal um die zehn Gramm und bedeckten ausgebreitet nicht einmal seine ganze Handfläche – in ein gleich nach seinem ersten Drogengeschäft bei der Basler Privatbank Richter und Benoir gemietetes Schließfach. Parallel investierte er eine weitere Million, die auf verschlungenen Wegen über diverse Strohfirmen in den baltischen Staaten und einigen Ländern auf dem Balkan letztendlich nach Gibraltar transferiert worden war, auf dem ostasiatischen Aktienmarkt; stieß die Papiere jedoch ein paar Tage später bereits wieder ab, sobald der Kurs auch nur leicht zu steigen begann, und ließ sich den Erlös aus den Verkäufen ganz legal auf sein Amsterdamer Konto gutschreiben.

Den größten Brocken wusch er allerdings über sein Transportunternehmen, das er sehr erfolgreich auf beiden Seiten der Grenze betrieb und hinlänglich Steuern dafür bezahlte, um seinen zwar kostspieligen, aber gleichzeitig auch nicht zu übertrieben protzigen Lebensstandard rechtfertigen zu können, und laufend Kredite benötigte, die er wiederum ebenso regelmäßig mit Drogengeld ausglich. Den Rest bunkerte er, außerhalb des Blickfelds aller Strafverfolgungsbehörden, die jemals hinter ihm her gewesen waren, auf den Cayman Islands.

Zwischen Köln und Frankfurt setzte er sich stets zu einem etwas verfrühten Mittagssnack in das Bordbistro, wozu er sein Gepäck für eine knappe Stunde unbeaufsichtigt im Abteil zurücklassen musste. Doch vor Dieben hatte er schon längst keine Angst mehr. Ganz zu Beginn seines Aufstiegs an die Spitze eines der größten Drogenkartelle Europas hatte irgendein vorwitziger kleiner Taugenichts versucht, ihn zu beklauen, und war seitdem von niemandem mehr auf dieser Welt gesehen worden. Nicht einmal eine Leiche hatte es von ihm gegeben, lag sie doch in einem verschweißten Container – in den das Wasser mehr als zwanzig Minuten gebraucht hatte einzudringen und den Raum vollständig zu füllen – in über tausend Metern Tiefe auf dem Grund des Atlantiks.

Sobald der Zug den Hochschwarzwald erreichte, trank Klipphaghel im Bistro noch einen Kaffee, warf auf seinem Weg dorthin hübschen alleinreisenden jungen Frauen bewundernde Blicke zu, flirtete mit der einen oder anderen, die ebenfalls in den Bistrowagen kam, und nahm hin und wieder eine davon mit in sein Hotel. Doch heute war ihm nicht danach, keine hatte ihm richtig gefallen, und dann bestellte er sich, falls er Lust darauf hatte, lieber eine Nutte, die nicht erst umgarnt werden wollte, sondern genau wusste, wofür sie bezahlt wurde.

Zur Mitte des Nachmitttags lief der ICE in den SBB-Bahnhof von Basel ein, und da er hier endete, konnte sich Klipphaghel Zeit lassen mit dem Aussteigen. Warum sollte er sich schon lange vor Ankunft des Zuges an die Tür stellen, und das Gedrängel im Gang zwischen all den anderen Passagieren hasste er noch mehr. In aller Ruhe nahm er seinen Koffer und verließ als Letzter den Zug, wanderte den Bahnsteig entlang und übergab den Koffer vor der Bahnhofshalle den ihm vom Hotel gesandten Chauffeur, da er nach der langen Fahrt gerne noch ein Stück zu Fuß durch die Basler Altstadt ging.

An der Rezeption bereitete man inzwischen schon alles für seinen Check-in vor und brachte sein Gepäck auf die Suite mit Blick zum Rhein, die er jeden Monat für diese eine Nacht mietete, so dass er nur noch das Anmeldeformular zu unterschreiben brauchte. Auch im Restaurant erhielt er immer denselben Tisch, wurde stets vom gleichen Kellner bedient und hatte an der Bar seine eigene Flasche Single-Malt-Whiskey stehen, der inzwischen über siebzig Jahre alt war.

Auf dem Zimmer wechselte Klipphaghel sein Anziehen für den Bankbesuch, ließ sich vom Concierge einen kleinen Aktenkoffer geben, damit sich in der Bank niemand jemals darüber verwunderte, was er überhaupt zu deponieren hatte, wenn er stets mit leeren Händen kam, und marschierte kurze Zeit darauf wieder los. Heute fuhr er mit der Münsterfähre nach Kleinbasel hinüber, setzte sich in eines der kleinen Cafés auf dem Kai und beobachtete die Menschen rund um ihn.

Ein wirklich gutes Observierungsteam würde ihm wahrscheinlich nicht auffallen, obwohl er mit ziemlicher Sicherheit vermuten konnte, zumindest zeitweilig von einigen Polizeibehörden in Europa beobachtet zu werden, doch heute hatte er noch niemanden entdeckt, der sich zu lange in seiner Nähe aufhielt. Klipphaghel trank seinen Espresso auf italienische Art, nachdem er den Zucker sehr lange umgerührt hatte, in einem Schluck, legte großzügig fünf Franken auf den Tisch und ging zur keine hundert Meter entfernten mittleren Rheinbrücke, über die der Hauptverkehr Richtung Großbasel rollte.

Beim Überschreiten der Brücke blieb er mehrmals stehen und schaute wie ein Tourist über den Rhein auf das Panorama der Basler Altstadt, bis alle mit ihm gekommenen Passanten auf der anderen Seite angelangt waren. Dann kehrte er ein Stück um und wartete wieder mit Blick hinunter auf den Rhein, dass auch der nächste Schwung Fußgänger darüber war, und machte sich erst danach auf den letzten Teil seines Wegs. Eine Viertelstunde nach vier hatte er seinen Termin in der Bank und traf exakt fünf Minuten vorher, im hinter einer unscheinbaren Tür gelegenen Entree eines ebenso unauffälligen Hauses, ein.

Dort wurde er mit Schweizer Höflichkeit von der für ihn schönsten Frau, die ihm je über den Weg gelaufen war, in Empfang genommen. Sie hatte schulterlange dunkelblonde Haare, die trotz aller Verstruppeltheit äußerst gepflegt wirkten; tiefblaue Augen, in denen er sogleich versinken und nie mehr wieder auftauchen wollte; und den prachtvollsten Busen, der jemals unter einer weißen Bluse verhüllt worden war. Ihn aber zwang, ihr geradewegs in die Augen zu sehen, um nicht unwillkürlich auf die beiden mehr als prallen Möpse zu starren.

In einem knielangen engen Kostümrock und handgearbeiteten Stöckelschuhen, für Highheels waren sie zu niedrig und bei Richter und Benoir außerdem unerwünscht, kam sie graziös auf ihn zu, lächelte ihn an, dass er sich beinahe im Himmel fühlte, und reichte ihm formvollendet die Hand. Wie ein Stromschlag durchzuckte es ihn, als er ihre Haut berührte.

»Goedendag Mijnheer Klipphaghel«, begrüßte sie ihn und vollendete ihren Standardsatz auf Deutsch, aber Klipphaghel hing derart fasziniert an ihren vollen rosigen Lippen, die keinerlei farbliche Unterstützung brauchten, sondern nur von ein wenig Gloss hervorgehoben wurden, dass er unmöglich imstande war, den Rest ihrer Worte zu verstehen.

Mersijah verdankte ihren ungewöhnlichen Vornamen ihrem Ururgroßvater, der im Ersten Weltkrieg mit der bayrischen Fliegertruppe auf Seite der Türken in Palästina gekämpft hatte, sich dort in eine christliche Libanesin verliebte und sie beim Waffenstillstand mit nach München gebracht und geheiratet hatte. Seitdem erhielt immer das erste Mädchen jedes Familienzweigs einen orientalisch klingenden Namen, woraus bei ihr ‚Mersijah‘ geworden war.

Sie hatte gerade ihre Sachen für die neue Arbeitswoche gepackt und wollte, nachdem sie ihre Schwester noch im Krankenhaus besucht hatte, in die Schweiz fahren. Ihre Großeltern hatten nach den Spielen von München eine der Wohnungen im Olympischen Dorf gekauft, die nun sie bereits seit mehreren Jahren bewohnte, zur Zeit aber selten nutzte, weil sie vor einigen Monaten eine neue Stelle als Kundenbetreuerin in einer Basler Privatbank angenommen hatte.

Pitschnass kam sie aus der Dusche, streifte sich nur mit den Händen das Wasser ab und setzte sich auf das Bidet, das sie sich, nachdem sie die Wohnung von ihren Eltern übernommen hatte, zusammen mit der Brause, anstatt der ursprünglichen Badewanne, hatte einbauen lassen, und begann sich – an der einen großen Zehe angefangen und endend an der anderen – die Beine zu enthaaren, wobei sie bis auf eine im allgemeinen Sprachgebrauch Landingstrip genannte daumenbreite, auf exakt zwei Millimeter Länge gestutzte Stelle, alles was dazwischen war, vollständig entfernte. Sie hatte es noch nie leiden können, sich im Stehen und nach vorne gebeugt unter der Dusche zu rasieren, sondern bevorzugte vielmehr dafür bequem Platznehmen zu können.

Nachdem sie mit sich zufrieden war, zog sie sich für die Fahrt bequem an, verstaute ihre Koffer und Taschen in dem kleinen BMW, den sie mit Vorzugskonditionen über die Bank gekauft hatte, und fuhr zur Klinik, in der ihre jüngere Schwester seit einem halben Jahr im Koma lag. Jeden Montag, bevor es für sie wieder nach Basel ging, kam Mersijah dort vorbei, blieb eine Stunde bei ihrer Schwester und erzählte ihr, was in der Zwischenzeit geschehen war.

»Du wirst wieder aufwachen«, verabschiedete sie sich stets von ihr, strich ihr liebevoll über den Kopf und gab ihr zum Lebwohl einen Kuss, »und genauso fröhlich sein wie früher. Das verspreche ich dir.«

Vor dem Glasfenster blieb sie noch einen Moment stehen, während dem sie ihre auf der Intensivstation vorgeschriebene Schutzkleidung ablegte und die letzten verbleibenden Augenblicke noch einmal zu ihrer Schwester hinein sah. Schweren Herzens, aber von irgendetwas musste sie leben, fuhr Mersijah anschließend an ihre neue Arbeitsstelle, wo sie auf Elsässer Seite ein kleines Appartement gemietet hatte, in dem sie sich für ihre Arbeit in der Bank entsprechend umzog und zum Nachmittag ihren Platz einnahm.

Richter und Benoir nahm nur gutbetuchte Kunden in ihr Portfolio, um die sich dann bei Männern stets eine Betreuerin exklusiv kümmerte. Bei ihrer sehr viel selteneren weiblichen Klientel entschied die zuständige Managerin im Einzelfall, in wessen Gegenwart sich die Dame wohler fühlte, so dass diese Kundinnen von einem Mann wie auch einer Frau betreut werden konnten.

Mersijah hatte ihren ersten Einsatz gleich zu Beginn des Nachmittags. Es gab keine formellen Öffnungszeiten in der Bank, aber die wenigsten Kunden reisten gern schon am Montagmorgen nach Basel und vereinbarten ihre Termine auf die Zeit nach dem Mittagessen. Sie empfing den Kunden im Vestibül, geleitete ihn zu seinem Berater, offerierte Kaffee, Wasser oder auch Champagner, und blieb ansonsten als zwar erfreulicher, aber stummer Anblick im Hintergrund.

Die Bank wurde stets mit den neuesten digitalen Geräten ausgestattet, doch kein Computer hatte ein CD-Laufwerk oder Speicherkartenplätze, und alle Daten wurden nur auf einem einzigen Server abgelegt, der noch einmal extra gesichert, im Tresorraum stand, dass keine Informationen über ihre Klientel nach außen gelangen konnten. Um diese nicht durch unnötige Geräusche beim Ausdrucken der Papiere zu belästigen, waren die Printer in einem separaten Raum untergebracht, und Mersijah holte jedes Mal die Papiere und brachte sie in einem ledergebundenen Aktendeckel dem jeweiligen Kundenberater, der sie dem Klienten zur Unterschrift oder auch nur zur Einsicht vorlegte.

Waren alle Geschäfte zu dessen Zufriedenheit erledigt, brachte sie den Kunden zum Ausgang, verabredete – sofern gewünscht – den nächsten Termin und rief seinen Wagen, der in der Basler Altstadt nicht parken durfte, oder bei Bedarf auch ein Taxi. Außerdem blieb sie, wie es sich höflich geziemte, in der Tür stehen, bis der Klient abgereist und aus ihrem Blickfeld entschwunden war. Danach schloss der livrierte Türsteher die Pforte hinter ihr und Mersijah tauchte für einen Moment in den Tiefen der Bank unter, bis sie ihren nächsten Klienten um genau zehn Minuten nach vier erwartete.

»Goedendag Mijnheer Klipphaghel, ich bin Mersijah«, nannte sie ihm nur ihren Vornamen, da sich Männer bei einer Frau, von der sie bedient wurden, im allgemeinen nicht für mehr interessierten, und streckte ihre Hand aus, seinen Aktenkoffer zu übernehmen falls er das wünschte. Niemals wurde jemand im Bankhaus Richter und Benoir auf solch eine Gefälligkeit angesprochen, immer nur durch kleine unscheinbare, in ihrer Wirkung aber umso größere Gesten aufmerksam gemacht, »und werde Sie zukünftig durch unser Haus begleiten.«

Auch häufigen Personalwechsel gab es in dieser Bank nicht. In der Regel konnte sich ein Kunde darauf verlassen, über Jahre hinweg von ein und derselben Angestellten betreut zu werden, bis sie eben ein bestimmtes Alter erreicht hatte und einen anderen Posten erhielt – oft aber auch weggeheiratet wurde. Über das Haustelefon, dessen Hörer noch ein Kabel besaß, meldete sie Klipphaghel bei seinem Berater an, legte wieder auf und bedeutete ihm mit einer Armbewegung die Richtung.

Klipphaghel überließ ihr mit einem zufriedenen Lächeln das Köfferchen und Mersijah ging exakt zwei Schritte voraus, ihm den Weg zeigend, obwohl er bereits seit langem ein Klient von Richter und Benoir war. So hatte er stets seinen Koffer im Blick und konnte außerdem auf ihre von einem enganliegenden Kostümrock umhüllten, bei jedem Schritt dezent hin und her schaukelten Pobacken gucken.

Mersijah brachte ihn auf diese Weise zu den Schließfächern, ließ sich seinen heutigen Zugang durch Unterschrift bestätigen und öffnete den für die Bank vorgesehenen Teil des Schlosses. Mit seinem eigenen Schlüssel entriegelte es Klipphaghel vollends, und Mersijah nahm den Schuber heraus und stellte ihn auf einem Tisch in der Mitte des Raumes ab. Einen Moment lang blieb sie daneben stehen und sah Klipphaghel dabei aufmerksam an.

»Ich warte draußen bis sie fertig sind, Mijnheer Klipphaghel«, erläuterte sie ihm den weiteren Ablauf, auch wenn dieser jedes Mal derselbe war, und wandte sich zur Tür. Was heißen sollte, dass sie die Lade wieder zurückstellen und anschließend die Verschlussprozedur in umgekehrter Reihenfolge durchführen würde, sobald er alles erledigt hatte.

Klipphaghel harrte auf das Schließen der Tür, öffnete erst dann den Deckel des Kastens, der zu gut zwei Dritteln bereits mit denselben Säckchen gefühlt war, wie er nun das nächste hinzu legte, schloss ihn wieder und läutete nach Mersijah. Die prompt hereinkam, den Schuber aufnahm und in das Fach zurückschob. Klipphaghel verriegelte seine Seite des Schlosses, danach Mersijah den anderen Teil und führte ihn nach draußen zum Lift in den ersten Stock.

»Woher können Sie so gut niederländisch?«, fragte er sie in der Kabine und betrachtete sie nun doch von Kopf bis Fuß, mit einem wohlgefälligen Verziehen seiner Mundwinkel quittierend, dass sie seinen Blicken nicht auswich.

»Eine meiner Großmütter stammt aus den Niederlanden und als Kinder hat sie darauf bestanden, nur so mit uns zu sprechen«, antwortete Mersijah, die sich Klipphaghels Musterung sehr wohl bewusst war, ihn aber trotzdem weiterhin anlächelte. »Als die Stelle hier frei wurde und die Beschreibung besagte, es seien vornehmlich Kunden aus den Niederlanden zu betreuen, habe ich es ein wenig aufpoliert.«

»Ich danke Ihnen für Ihre Mühe, Mersijah«, zollte ihr Klipphaghel seine Anerkennung, sich in seiner Muttersprache mit ihr unterhalten zu können und auch ihren Namen nicht vergessen zu haben, betonte ihn aber gleichzeitig auch in einer Art und Weise, dass sie deutlich heraushörte, wie er mit ihr zu flirten gedachte.

Die Fahrt im Lift endete schon nach wenigen Sekunden, und genauso formvollendet wie bisher ging Mersijah wieder voraus. Von der Geschäftsleitung war sie darauf vorbereitet worden, über solche Versuche höflich hinwegzusehen und nicht vor ihnen zu flüchten, und nur zu melden, wenn Kunden allzu aufdringlich wurden. Mit Männern wie Klipphaghel war sie noch immer alleine fertig geworden.

Sie klopfte an die Bürotür des Beraters und hielt sie für Klipphaghel auf. Die Vorlieben jedes Kunden waren sorgsam in einer Datei aufgeführt, und zu ihren Aufgaben als Betreuerin gehörte es auch, für die Zeit seines Aufenthaltes im Bankhaus Richter und Benoir alles über ihn zu wissen, dass sie ihn nicht nach seinen Wünschen fragen musste, und brachte nur ein paar Minuten später den extra für ihn gebrühten Kaffee und ein Mineralwasser aus seiner Heimat. Für weitere Anliegen und um Klipphaghel nachher wieder nach draußen zu führen, blieb Mersijah vor der Tür.

Klipphaghel selbst besprach derweil den Aktienkauf über die obligatorische eine Million Euro mit seinem Berater, unterschrieb die von Mersijah aus dem Druckerraum gebrachten Aufträge, plauderte noch einen Moment mit dem Bankberater, während er seinen Kaffee austrank, und verabschiedete sich dann von ihm. Mersijah nahm ihn wieder in Empfang, geleitete ihn dieses Mal die Treppe hinunter und zur Tür.

»Würden Sie heute Abend mit mir essen gehen, Mersijah?«, fragte er sie, aus Respekt vor ihr auf Deutsch, kurz bevor sie den Ausgang erreicht hatten und der Türsteher ihnen die Pforte öffnete.

Mersijah lächelte ihn an.

»Es tut mir leid, Mijnheer Klipphaghel«, beschied sie ihm, »aber die Gepflogenheiten dieses Hauses verbieten jedem Mitarbeiter, sich privat mit unseren Kunden zu treffen.«

Klipphaghel beugte sich zu ihr herab, um ihr trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Absage die Hand zu küssen. Bisher hatten alle ihre Freundlichkeiten zum Service der Bank gehört, und Klipphaghel hatte sie ganz selbstverständlich als Klient, von dessen Geld hier alle lebten, entgegen genommen. Aber nun stand ihm ein breites Grinsen im Gesicht, das Mersijah geradezu an den Wolf aus Rotkäppchen erinnerte, nur dass dieser hier sie nicht fressen, sondern wohl viel eher das andere F-Wort mit ihr tun wollte.

Trotzdem lächelte sie freundlich und vielleicht auch ein bisschen herausfordernd mit der Überlegung zurück, was er alles anstellen würde, um sie dennoch ins Bett zu bekommen.

»Vaarwel – auf Wiedersehen«, verabschiedete sie Klipphaghel, »tot de volgende keer – bis zum nächsten Mal«, und sah auch ihm hinterher.

Dann ging sie zurück an ihren Platz und räumte ihre Sachen zusammen. Bei Richter und Benoir wurden die Empfangsmädchen nicht nach Stunden bezahlt, sondern nach betreuten Kunden, dass sie mit zwei bis drei Klienten am Tag ihre Arbeit erledigt hatte und spielend beide Wohnungen bezahlen, sich die für das Bankhaus notwendige Kleidung leisten und vom Rest noch gut leben konnte.

Nur Leute, die auf dieses Geld nicht angewiesen waren, brachten ihr überschüssiges Vermögen für rentable Geschäfte auf die Bank, und die behielt von jedem Gewinn zehn Prozent ein. Unter der Hand hieß es, Richter und Benoir würden auf diese Weise jedes Jahr mehrere hundert Millionen Schweizer Franken verdienen; von ihren eigenen Investitionen auf dem Aktienmarkt abgesehen.

Da war ihr Gehalt bestimmt nicht zu hoch. Klasse musste nun einmal bezahlt werden, und die besaß sie.

2

Einen Monat später war Klipphaghel neuerlich in Basel, und wieder führte ihn Mersijah durch das Haus, geleitete ihn zuerst an sein Schließfach und brachte ihn anschließend zu seinem Berater, wo sie an der Tür wartete, um ihn nach allen Transaktionen auch heute persönlich zu verabschieden.

»Wann gehen Sie nun mit mir essen, Fräulein Mersijah?«, bohrte Klipphaghel auf dem Weg zum Ausgang nach, ob sie sich dieses Mal dazu erweichen lassen würde, sah sie jungenhaft bittend an und blieb stehen, als würde er erst weitergehen wenn sie ‚Ja‘ gesagt hätte. Im Gegensatz zu Deutschland durften in der Schweiz jüngere weibliche Wesen noch ‚Fräulein‘ genannt werden, solange sie unverheiratet waren.

Mersijah behielt ihr Lächeln bei, während sie ihm absagen musste.

»Sie wissen doch, dass ich nicht mit Ihnen ausgehen darf, Mijnheer Klipphaghel«, lehnte sie wie schon zuvor seine Einladung ab.

»Sie dürfen nicht«, bedrängte er sie, ehrlich zu ihm zu sein, »oder wollen Sie nicht?«

Doch Mersijah zeigte keine diesbezügliche Regung, auch wenn Klipphaghel meinte, dass da ein kurzes zustimmendes Aufleuchten in ihren Augen gewesen war, und auch ihre Mundwinkel schienen einen Moment lang nach oben gezuckt zu haben.

»Das sagte ich Ihnen bereits«, wich sie einer endgültigen Antwort geschickt aus, stachelte ihn aber gleichzeitig nur umso mehr an, es weiter bei ihr zu versuchen.

»Wir werden sehen«, gab Klipphaghel zurück, vollkommen sicher, dieses Spiel zu gewinnen, beugte sich auch dieses Mal zu ihrer Hand hinab und gab ihr wiederum einen Kuss darauf.

»Ich werde Sie einfach so oft darum bitten, bis Sie es leid sind, mir abzusagen, Mersijah«, verhieß er ihr und trat durch die Tür, die ihm der Pförtner aufhielt.

Lächelnd winkte ihm Mersijah hinterher, und Klipphaghel marschierte – dem Gedanken in seinem Kopf, der ihm gerade gekommen war, eine Form gebend – die Straße hinunter. Bis er zurück im Hotel wäre, hätte das Bankhaus Richter und Benoir seine Türen noch nicht geschlossen, bat den Concierge um einen Gefallen und ließ sich von einer der Rezeptionistinnen mit dem Generaldirektor der Bank verbinden; was einfach mehr hermachte, als wenn er selbst dort anrief.

»Guten Tag, Monsieur Benoir«, begrüßte er den Bankier freundlich und dennoch mit einem geschäftsmäßigen Unterton, sobald er verbunden worden war. In der Schweiz musste man, um in höhere Positionen aufsteigen zu können, alle drei Landessprachen beherrschen, aber außerdem war Generaldirektor Benoir hugenottischer Abstammung, dass sich die Anrede mit ‚Monsieur‘ einfach besser anhörte.

»Mijnheer Klipphaghel«, entgegnete Benoir zuvorkommend, »ich hoffe, es war alles in Ordnung bei Ihrem Besuch in unserem Hause?«

»Nicht ganz, mein lieber Herr Generaldirektor«, erwiderte Klipphaghel und wiederholte zur Verstärkung, »nicht ganz.«

»Oh, ich bedauere aufrichtig«, versicherte Benoir. »Was hat Ihr Missfallen erregt, Mijnheer Klipphaghel? Ich werde das natürlich sofort abstellen.«

Klipphaghel lachte leise durch das Telefon.

»Dann, mein lieber Herr Generaldirektor«, verlangte er schelmisch, »müssten vor allem Sie sich selbst abschaffen. Genauer gesagt Ihre Anweisung, dass sich die weiblichen Angestellten Ihres Hauses nicht privat mit Kunden treffen dürfen.«

»Oh«, antwortete Benoir verstehend und lachte in männlich gleicher Gesinnung leise durch das Telefon, »Sie wollen eine meiner Angestellten vernaschen?«

»So profan würde ich das nicht ausdrücken«, wehrte Klipphaghel ab, »da ich an mehr als nur einem schnellen Aufhüpfer bei Fräulein Eißler interessiert bin.«

Einen Moment lang blieb es stumm in der Leitung, während der sich der Bankier höchstwahrscheinlich in seinem Computer über Mersijah informierte, dann war seine Stimme wieder zu hören.

»Selbstverständlich werde ich Fräulein Eißler erlauben, mit Ihnen auszugehen. Aber ich werde ihr nicht befehlen, sich mit Ihnen zu treffen, Mijnheer Klipphaghel.«

»Das habe ich auch nicht erwartet und entspräche selbstverständlich ganz und gar nicht meiner Intension. Es genügt vollauf, dieses Kontaktverbot für Fräulein Eißler aufzuheben.«

»Ich werde Fräulein Eißler morgen darüber unterrichten«, versicherte Generaldirektor Benoir.

Richter und Benoir hatten eben diese beide Herren in den 1890er-Jahren gegründet, doch bereits zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Familie Richter, in Ermangelung männlichen Nachwuchses, der in die Fußstapfen seiner Ahnen hätte treten können, ausgeschieden. Den Töchtern des letzten Mitbesitzers war während ihrer Lebzeit noch eine Apanage ausbezahlt worden, die Leitung der Bank oblag aber seitdem einzig den Benoirs, die den vollständigen Namen jedoch aus Tradition weiterführten.

»Ich danke Ihnen, Monsieur Benoir«, verabschiedete sich Klipphaghel erwartungsvoll.

Und so ließ sich Mersijah weitere vier Wochen später von dem gutaussehenden niederländischen Geschäftsmann zum Essen einladen, was Klipphaghel bei seiner Rückkehr aus der Bank vertrauensvoll mit dem Concierge besprach.

»Ich erwarte heute Abend den Besuch einer jüngeren Dame, mit der ich ungestört speisen möchte«, klärte er den Portier über seine Wünsche auf. Für Klipphaghel war stets derselbe, etwas am Rand stehende Tisch reserviert. Im dem Restaurant gab es aber auch einige abgelegenere Tische, an denen sich zumeist Gruppen trafen, die lieber für sich sein mochten. Einen solchen empfahl ihm der Concierge, und Klipphaghel steckte ihm ein entsprechendes Trinkgeld zu.

»Fräulein Eißler erwartet keine Gegenleistung für ihren Besuch«, machte er dem Portier deutlich, sich keine Hure bestellt zu haben, der, dieses registrierend, geflissentlich nickte, »es kann aber dennoch sein, dass sie die Nacht im Hotel verbringt.«

»Selbstverständlich, Mijnheer Klipphaghel. In ihrer Suite ist jederzeit ein zweites Frühstück enthalten.«

»Ich danke Ihnen und hoffe sehr, in Zukunft öfters von Fräulein Eißler begleitet zu werden. Dann aber offiziell.«

Der Concierge nickte abermals, geleitete Klipphaghel zum Ausgang und reservierte ihm anschließend den angebotenen Tisch.

Zur verabredeten Zeit kam Mersijah mit einem französischen Taxi vorgefahren, der Portier öffnete ihr den Schlag, bezahlte den Fahrer und würde dies Klipphaghel auf die Rechnung setzen, und führte Mersijah in das Restaurant, wo Klipphaghel an der Bar bereits auf sie wartete. Sie trug ein hochgeschlossenes langärmeliges, gleichzeitig aber so kurzes Kleid, dass jedermann, der sie darin sah, sich unwillkürlich fragte, wie sie sich darin nur setzen konnte, ohne zumindest ihren halben Hintern ins Freie zu strecken. Mersijah rutschte auf die Bank, und das lang herabhängende Tischtuch verhinderte allzu neugierige Blicke von vorne unter ihr Kleid. Klipphaghel nahm am anderen Ende der Bank Platz.

»Ich bin zu jung für Sie«, begann Mersijah ohne lange Eröffnung die Konversation. Er hatte sich immerhin die Mühe gemacht, bei ihrem Chef anzurufen, um sie einladen zu dürfen. Nicht gerade der überwältigendste Einfall in ihren Augen, aber immerhin zeigte er damit, wirklich an ihr interessiert zu sein. Trotzdem sollte er sich nicht einbilden, sie bereits erobert zu haben, nur weil sie hier erschienen war. Da war ein Altersunterschied von zwanzig Jahren nicht das schlechteste Argument, ihn vorerst noch auf Distanz zu halten und zu etwas mehr Initiative anzuspornen.

»Ich bin zu jung für Sie … Jos«, bedeutete ihr Klipphaghel, ihn mit Vornamen anzusprechen und eine etwas intimere Atmosphäre zu schaffen.

»Ich bin zu jung für Sie, Jos«, wiederholte Mersijah und blickte ihn herausfordernd an, was er sich alles einfallen lassen würde, damit er sie nach dem Abendessen auf sein Zimmer und aus ihrem Kleid kriegte.

»Sie meinen ich bin zu alt für Sie, Mersijah?«, ging er sie ganz konkret an, ob sie sich nur aus Freundlichkeit von einem – zugegebenermaßen – etwas aufdringlichem Kunden hatte einladen lassen. Er griff nach ihrer Hand, strich sanft über ihre Finger und ließ seine Augen ihren Arm entlang nach oben wandern. Für einen Moment blieben sie an ihren wahrhaft göttlichen Brüsten hängen, die kullerrund und einladend von dem enganliegenden schwarzen Kleid noch etwas mehr hervorgehoben wurden, bevor er ihr ins Gesicht sah, sich aber nicht für seine kleine chauvinistische Missetat entschuldigte.

»Das habe ich nicht gesagt«, verteidigte sich Mersijah, »und will es so auch nicht ausdrücken.«

Sie hatte das Kleid extra gewählt, um Klipphaghel von Beginn an aus dem Konzept zu bringen, ihn zu reizen, auf ihren Busen zu schauen oder ihr bei passender Gelegenheit unter den wirklich sehr kurzen Saum zu greifen. Wenn er sich den Abend über mit beidem beherrschen konnte, und sie den Eindruck gewann, nicht nur der Befriedigung seines Egos zu dienen, gäbe sie ihm vielleicht eine Chance.

»Ältere Männer haben mehr Erfahrung mit Frauen«, setzte sie provokant hinzu, »und nehmen sich mehr Zeit für sie. Junge Kerle denken doch, noch während sie auf einem draufliegen, schon an den nächsten Fick.«

Belobhudel dich jetzt nicht zu sehr.

»Haben Sie solche Erfahrungen mit Männern in Ihrem Alter gemacht?«, wollte er stattdessen, behutsam auf sie eingehend, wissen. Er hielt noch immer ihre Hand, drückte sie nun ein wenig fester, um ihr zu zeigen, stets bei ihm Halt zu finden, und sah ihr weiterhin in die Augen, ob er dort ihr Geheimnis entdecken konnte. Doch Mersijah wich der Beantwortung seiner Frage mit einem Lächeln aus.

»Bessere je älter der Mann war«, gestand sie ihm einzig. »Aber fragen Sie jetzt nicht, wie alt der älteste war, mit dem ich bisher geschlafen habe. Das wäre einerseits unhöflich, zum zweiten völlig unangebracht, falls Sie mich doch nicht nur geschwind mal aufs Kreuz legen wollen, und Ihnen gegenüber ungerecht, Jos.«

Zum ersten Mal verwendete Mersijah von sich aus seinen Vornamen, drehte nichtsdestotrotz gleichzeitig ihre Hand nach oben und Klipphaghel verstand, dass sie in diesem Augenblick zwar losgelassen, in Zukunft vielleicht aber von ihm festgehalten werden wollte.

»Dann war er also noch etwas jünger wie ich?«, wollte Klipphaghel ihr Geständnis nicht ganz auf sich beruhen lassen, aber Mersijah behielt nur ihr Lächeln bei und schwieg.

Der Ober kam diskret an den Tisch und reichte Ihnen die aufgeschlagene Karte.

»Darf ich den Wein für uns bestellen?«, fragte Klipphaghel, sich für den Moment ihrem Mahl zuwendend.

»Sie wollen mich also betrunken und wehrlos machen?«, scherzte Mersijah daraufhin, erlaubte es ihm aber mit einem fröhlichen Nicken.

»Ich möchte dich gerne zu mir nach Amsterdam einladen«, ging Klipphaghel nach dem Essen auf das erhofft intimere ‚Du‘ über, doch jederzeit bereit, wieder die Distanz zu wahren, falls sich Mersijah daran störte.

»Ich soll mich also von Ihnen aushalten lassen?«, blieb sie vorerst noch beim zurückhaltenden ‚Sie’ und hielt genau den Abstand zu ihm ein, sah ihm jedoch auffordernd in die Augen.

»Nein, ich möchte dass du bei mir lebst … mit mir lebst«, setzte ihr Klipphaghel sein Verlangen nach ihr auseinander. »Ich bin Geschäftsmann und habe bestimmte Verpflichtungen, die es hin und wieder erforderlich machen, eine Gesellschaft zu geben, wie man das früher wohl nannte.

Ich werde dir dein Gehalt aus der Bank bezahlen«, führte er weiter aus, »dass du dich als Dame des Hauses darum kümmerst; einschließlich einer Erfolgsprämie, da bei solchen Gelegenheiten immer die besten Geschäfte getätigt werden, und eines Jahresbonus´.

Aber ich möchte«, betonte er sorgfältig, »dass du ohne jede Bedingung mit mir schläfst. Ich werde keine Ansprüche an dich stellen, wenn du mich nicht vorbehaltlos lieben kannst, und dich gehen lassen, wann immer du willst. Doch bitte komm mit mir und lebe an meiner Seite.«

Klipphaghel hatte sich, nach seiner ersten rechtmäßig erworbenen und versteuerten Million aus dem Transportgeschäft, zwei nebeneinander liegende Häuser an der westlichen Prinsengracht gekauft und den Kredit mit Drogengeld abbezahlt. In Amsterdam waren die Häuser schmal und hoch und darum weit nach hinten gebaut, aber Klipphaghel hatte sich ein repräsentatives Domizil gewünscht, dessen Räume nicht schlauchartig lang und nur wenige Meter breit waren. So hatte er zwar beide Hauseingänge beibehalten, wovon der eine nur noch als Attrappe diente, um von außen nicht aufzufallen, aber die Trennwände zwischen den Gebäuden teilweise abbrechen lassen, und so geräumigere Zimmer geschaffen, die sehr viel mehr seinem Geschmack entsprachen.

Nun gab es im Erdgeschoss eine prunkvolle Halle mit einem weitläufigen Treppenaufgang, die über beide Häuserfronten reichte, einen kleinen Salon, einen ausgedehnten Speisesaal und eine große Küche mit gemütlicher Essecke. Im ersten Stock lagen die Wohnräume, ein kleineres Esszimmer, dass über einen bereits vorhandenen Speisenaufzug bedient werden konnte, die Bibliothek mit den zur Erbauungszeit des Hauses üblichen Glastüren vor den Bücherregalen und Klipphaghels Arbeitszimmer nach hinten hinaus.

Nur die zweiten Etagen hatten keine Verbindung untereinander. Im linken Haus war sein Schlafzimmer untergebracht, von dem aus ein etwas kleineres Boudoir, für die noch zu erwählende Dame des Hauses, über einen schmalen, zwischen dem Bad und einem riesigen begehbaren Kleiderschrank eingebauten Gang zu erreichen war. Zu den Gästezimmern im rechten Teil hatte Klipphaghel die Mauer absichtlich stehen lassen, um in seinem privatem Refugium ungestört zu sein, obwohl die Kammern seit seinem Einzug noch nie benutzt worden waren.

Und auch die Dachgeschosse standen leer. Früher waren hier die Dienstboten untergebracht gewesen, doch Klipphaghel wollte keine solche Nähe zu Fremden. Seine Haushälterin kam am Vormittag, schaute ob alles in Ordnung war, besorgte seine Wäsche und beaufsichtigte den Putzdienst, der zweimal in der Woche sauber machte.

Zum Frühstück war er am liebsten alleine, außer dass eines der Mädchen, die er sich regelmäßig leistete, noch bis zum Morgen blieb und dann splitternackt in der Küche herumwuselte. Zu Mittag aß er in der Kantine seines Unternehmens, falls er nicht auswärts unterwegs war, und abends schmierte er sich auf Männerart am liebsten ein paar Brote, setzte sich damit und einer Flasche Bier, die Beine hochgelegt, vor den Fernseher. Seine Haushälterin wusste, was er mochte, und kaufte alles zu Genüge ein, und war verschwunden, bevor er wieder nach Hause kam.

Doch die nächsten Tage sollte dies alles anders werden. Mersijah hatte endlich seine Einladung angenommen, ihn in Amsterdam zu besuchen, und würde, so hoffte er jedenfalls, am frühen Abend bei ihm eintreffen.

Sie hatte eine Woche Urlaub, wollte aber das Wochenende noch daheim in München verbringen, was er von ihr erfahren hatte, dass sie ursprünglich von dort kam, und würde den Tag über mit dem Auto nach Amsterdam fahren. So hatte Klipphaghel heute noch Zeit gehabt, seine Geschäfte für den Rest der Woche zu organisieren, und würde nur morgens kurz in die Firma gehen, während Mersijah noch im Hotel war und sich für den Tag zurecht machte.

Er wollte ihr etwas Abstand lassen und sie nur dann schon jetzt in sein Bett legen, wenn sie wirklich dazu bereit war und sich nicht gedrängt fühlte, auf seine Avancen eingehen zu müssen, weil sie ihm in seinem Haus nicht ausweichen konnte. Dafür hatte er sie in einer Suite des Marriott untergebracht und im Restaurant auf später ein Diner bestellt.

Trotz seines Alters war er ein wenig aufgeregt, bis wann sie endlich eintreffen würde, und setzte sich seinem Hauseingang gegenüber auf eine Zustiegstreppe zum Kanal der Prinsengracht, lehnte sich mit dem Rücken gegen den steinernen Poller, der am oberen Ende der Treppe stand, und sah in die Richtung, aus der sie auftauchen musste. In Amsterdam gab es sehr viele deutsche Touristen, doch ein hellroter BMW mit Münchner Kennzeichen würde dennoch sofort auffallen.

Als er noch ein Teenager gewesen war, hatte es noch sehr viel mehr Hausboote in den Grachten gegeben, die hin und wieder dort vorbei fuhren, wo er am Rand der Kanäle mit seinen Freunden gespielt und den Mädchen auf den Booten dann eindeutige Angebote zugerufen hatte. In Erinnerung daran setzte er sich manchmal abends an den Kanal und schaute auf das Wasser, trank statt Bier ein Glas Rotwein und sehnte sich trotz allen Wohlstands, den er sich aus dem Drogenschmuggel leisten konnte, nach der Zeit von damals zurück, als sie einfach nur jung und verliebt gewesen waren. Mit noch so viel Geld, das er heute besaß, ließ sich die pure Freude am Leben nicht zurückkaufen. Doch mit Mersijah erhoffte er sich, dieses Gefühl noch einmal zu erleben, wieder alles um sich herum zu vergessen und nur für diesen einen Menschen da zu sein.

Die Sonne begann hinter den Häusern zu versinken, trotzdem würde es jetzt im Frühherbst noch lange genug hell bleiben, um mit ihr durch die Straßen zu bummeln und ihr sein Amsterdam zu zeigen, wenn die Lichter langsam angingen und die Grachten zu glitzern begannen.

Als einer der größten Transportunternehmer der Niederlande besaß Klipphaghel natürlich die Möglichkeit, jederzeit einen Teil der Straße für seine Fahrzeuge freizuhalten, und so konnte Mersijah direkt vor seinem Haus parken.

»Da bist du ja«, rief er zur Begrüßung, kam über die Straße zu ihr und räumte die Kennzeichnungen für sie zur Seite.

Mersijah hatte die Seitenfenster an beiden Vordertüren herunten, und Klipphaghel legte seine Hand auf die Türkante und lief mit ihr vor und zurück, während sie mit zwei Zügen gekonnt einrangierte und den Motor abstellte.

»Du kannst dein Auto hier stehen lassen«, erklärte er ihr weiter und öffnete Mersijah den Schlag. »Dein Hotel ist ganz in der Nähe, wir bringen dein Gepäck nachher hin.«

»Mein Hotel?«, fragte Mersijah überrascht.

»Ich dachte, es geziemt sich nicht, dich gleich bei deinem ersten Besuch in meinem Haus einzuquartieren, obwohl ich mehrere Gästezimmer habe, um dich nicht verpflichtet zu fühlen, mit mir ins Bett gehen zu müssen.«

»Es geziemt sich nicht?«, lachte Mersijah fröhlich über den ungewöhnlichen Ausdruck, schlang ihm die Arme um den Nacken und küsste Klipphaghel. »Dabei möchtest du mir doch so schnell wie möglich mein Höschen runterziehen.«

Ihre Brüste, über die ihr T-Shirt straff gespannt war, drückten sich gegen ihn und Klipphaghel legte ihr seine Hände auf den Po. Zum ersten Mal hatte auch sie das ‚Du‘ verwendet und Klipphaghel gab ihr, durch die mehr als eng sitzende hellrote Jeans, die farblich fast zu ihrem Auto passte, als dankbare Anerkennung sacht eins hintendrauf.

»Im Alter hat ein Mann das bei schönen Frauen nicht mehr nötig. Da besitzen wir die Gelassenheit, alles in Ruhe zu genießen und die Vorfreude auf den nächsten Gang auszukosten. Selbstverständlich will ich mit dir schlafen«, hauchte er ihr ins Ohr, »aber erst wenn du es mir von dir aus anbietest.

Möchtest du dich frisch machen?«, wechselte er unvermittelt das Thema, »es war bestimmt eine lange Fahrt.«

Mersijah bedankte sich mit einem weiteren Kuss, machte sich von Klipphaghel los und öffnete den Kofferraum. Ein darauf wartendes Taxi kam heran, und Klipphaghel lud das Gepäck um. Der Fahrer war schon zuvor bezahlt und instruiert worden, wohin er die Koffer zu bringen hatte, und auch im Hotel wusste jeder Bescheid, was damit zu geschehen hatte.

Klipphaghel hatte eine Suite im obersten Stockwerk für Mersijah reserviert, die eine zwanzig Quadratmeter große Dachterrasse mit herrlichem Blick über Amsterdam besaß. Bis Mersijah eintraf, hatte ein Zimmermädchen bereits ihre Sachen eingeräumt, die Dusche auf eine angenehme Temperatur eingestellt und das Bett aufgeschlagen. Mersijah wollte ihr ein Trinkgeld geben, aber das Mädchen lehnte ab.

»Vielen Dank, Mevrouw, Mijnheer Klipphaghel hat schon alles bezahlt.«

»Er bringt hier wohl öfters Gäste unter?«, interessierte sich Mersijah mit einer Betonung, die nur eine ganz bestimmte Bedeutung zuließ.

»Geschäftspartner gelegentlich«, antwortete das Zimmermädchen und fügte »manchmal mit ihren Frauen« hinzu. »Aber noch nie eine Dame alleine.«

Mersijah lächelte kurz und drängte dem Mädchen das Geld auf.

»Falls Sie mich nicht angelogen haben.«

Das Mädchen schüttelte ihren Kopf und lief davon. Mersijah duschte und machte sich für den Abend zurecht, zog jetzt auch ein Kleid an und ließ sich eine Stunde später vom selben Taxifahrer zu Klipphaghels Haus zurückbringen. Der hatte sich in einen Anzug geworfen, trug aber dazu nur ein Polohemd und keine Krawatte, reichte Mersijah seinen Arm und schlenderte mit ihr an den Grachten entlang, wobei sie bis zum Rijksmuseum gelangten.

»Du musst im Winter unbedingt herkommen. Da kannst du hier auf dem Weihnachtsmarkt Schlittschuh laufen. Du kannst doch Eislaufen?«

Mersijah lachte vergnügt über Klipphaghels Vorstellung.

»Ich bin in Bayern aufgewachsen, da können Kinder zwei Sachen, sobald sie auf ihren Füßen stehen: In den Bergen Skifahren und in der Stadt Eislaufen. In München gibt es zwar nicht annähernd so viele Kanäle wie hier, aber wenn der am Nymphenburger Schloss zufriert, ist das die schönste Eisbahn auf der ganzen Welt. Ich werde meine Schlittschuhe mitbringen, falls ich im Winter wiederkomme«, spielte sie ein wenig mit ihrer Zusage, auch wenn sie sich innerlich bereits darauf freute, und gab ihm einen Kuss. »Sehr gerne sogar.«

Sie hakte sich bei Klipphaghel unter und legte ihren Kopf auf seine Schulter. So war es zwar ein wenig unbequemer, neben ihm zu gehen, aber der Weg zum Hotel war nicht sehr weit, und Mersijah wollte ihn ihre Nähe spüren lassen.

Klipphaghel hatte ihm Restaurant einen Tisch für den heutigen Abend bestellt – an den anderen Tagen wollte er sie spontan ausführen und erst zum Abschluss zu sich einladen –, rückte ihr den Stuhl zurecht und setzte sich ihr gegenüber. Hinterher suchten sie sich in der Lounge einen Platz, von wo aus sie durch die raumhohen Fenster auf die romantisch beleuchteten Grachten hinausschauen und die letzte Wärme dieses langsam vergehenden Sommers genießen konnten.

»So kannst du jederzeit gehen«, erläuterte Klipphaghel Mersijah das, genau in dieser Weise von ihm gewählte Arrangement und fasste nach ihren beiden Händen, »oder, wenn du es willst, mich mit nach oben nehmen. Und falls nicht, habe ich wenigstens nicht weit nach Hause. Ich sagte dir schon, dass ich mit dir schlafen will, aber dir die Entscheidung überlassen werde, wann du bereit dazu bist.«

Er lehnte sich mit einem kleinen Lächeln zurück und sah Mersijah im Ganzen dabei an, ohne auf den Schnittpunkt ihrer Beine zu starren oder sich ihr sonst wie aufzudrängen. In seinem Leben hatte er nur sehr wenige Dinge mehr gewollt als sie; das Meiste davon hatte er sich dank seines Drogengeldes kaufen können. Viele der Frauen, die er in all den Jahren im wörtlichen Sinn besessen hatte, waren entweder auf den Glamour, den er damit verbreitete, hereingefallen oder er hatte sie sich einfach genommen.

Doch Mersijah wollte er weder mit irgendetwas beeindrucken, noch sie bedrängen, mit ihm ins Bett zu gehen. Er wollte sie haben, aber auf eine Art und Weise, wie sie ihm bisher noch nie untergekommen war. Sie sollte ihn wollen, ihm ihre Bereitschaft signalisieren, bei ihm zu bleiben, ihr Leben mit ihm zu verbringen und sich ihm hinzugeben, wann immer er sie dann wollte.

Als es spät wurde brachte er Mersijah zum Fahrstuhl, nahm sie in seine Arme und küsste sie zum ersten Mal richtig, öffnete ihre Lippen, schlängelte seine Zunge in ihren Mund und versank in der Zärtlichkeit des Augenblicks. Langsam zog er ihr das Kleid hinten hoch und Mersijah ließ es für den Moment geschehen, fühlte seine Hände auf der bestrumpften Rückseite ihrer Oberschenkel, wie er angetan an den Bündchen entlang streifte und nach ihren Strapsen suchte. Genießerisch grinste er sie an, als er darauf stieß, und umfasste mit beiden Händen ihr, von dem G-String, den sie nur trug, fast nicht verhülltes Hinterteilchen, ging aber nicht weiter und gewährte ihr die Entscheidung.

»Ich werde im Winter wiederkommen«, verhieß sie ihm, und Klipphaghel öffnete seine Arme, dass sie ihm entschlüpfen und in den Aufzug verschwinden konnte. Im letzten Augenblick, bevor sich die Fahrstuhltüren vollends geschlossen hatten und nicht mehr gestoppt werden konnten, lächelte sie ihn, ihm alles versprechend, an und warf ihm einen einladenden Kussmund zu.

Die nächsten Tage, die Mersijah noch mit Klipphaghel in Amsterdam verbringen wollte, würden schwierig werden, aber in Gedanken versprachen beide einander, diesen Moment nicht auszunützen und gingen jeder seiner Wege; Mersijah die paar Schritte bis zu ihrem Zimmer, und Klipphaghel durch die nächtlichen Straßen der Stadt, in der er fortan zusammen mit ihr leben wollte. Erwartungsvoll, sie hierher zu bringen, das alles mit ihr zu teilen und am Ende ihren Körper besitzen zu dürfen, betrat er sein Haus, stieg die Treppe hoch und stellte sich unter die kalte Dusche.

Bei jeder anderen so ausgegangenen Gelegenheit hätte er jetzt eine Nutte bestellt und sich an ihr abreagiert, aber ein rechter Kerl sollte sich zurückhalten können, wenn er auf die eine für ihn bestimmte Frau gestoßen war.

Typen, die sich von zu viel vorhandenem Testosteron leiten ließen, konnten sich auch sonst nicht beherrschen und würden in seinem Geschäft rasch Schiffbruch erleiden. Doch er segelte schon seit Jahren immer voraus.

Es war kalt geworden, doch wie sie Klipphaghel versprochen hatte, ihn im Winter nochmals zu besuchen, war Mersijah in der Woche vor Weihnachten zu ihm unterwegs. Die Feiertage, war zwischen ihnen abgemacht, würde sie wieder daheim verbringen, um bei ihrer Schwester sein zu können, und außerdem hatte sie auch irgendwie das Empfinden, es sei zu früh, über die Weihnachtstage bei ihm zu sein. Diese Zeit sollte der Familie gehören und keinem ihr eigentlich noch fremden Liebhaber, mit dem sie bisher noch nicht einmal geschlafen hatte. Trotzdem hatte sie sein Angebot angenommen, ab dem neuen Jahr seine gesellschaftlichen Verpflichtungen auszurichten, und seit Anfang Dezember in der Bank ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub genommen, um auszuprobieren wie es mit Klipphaghel funktionierte. Er wollte sie bezahlen, also machte sie sich keine Sorgen wegen ihren Finanzen und würde die Stellung als Geliebte und Gastgeberin zu Silvester antreten.

In München hatte es den gesamten Dezember hindurch immer wieder geschneit, doch je weiter Mersijah in Richtung Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden kam, desto freier wurden die Straßen und auch die Landschaft war nur noch hin und wieder weiß überzuckert. Nur die Kälte blieb, und Mersijah freute sich schon darauf, auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Rijksmuseum Schlittschuh zu laufen. Sie hatte sich von dort Bilder im Internet angesehen und die Eisbahn schien riesengroß zu sein, warm eingepackt würde es bestimmt sehr viel Spaß machen, zumal sie eine wirklich gute Eisläuferin war.

Dieses Mal wartete Klipphaghel nicht vor der Tür, er hatte sie bei ihrer Ankunft im Herbst wirklich überrascht, doch der Parkplatz war auch heute wieder für sie freigehalten und Mersijah stellte ihren BMW spielerisch in die Lücke. Beim Aussteigen schlüpfte sie in ihre Winterjacke, die sie während der Fahrt auf dem Beifahrersitz liegen gehabt hatte, und wollte danach ihr Gepäck aus dem Kofferraum holen, als Klipphaghel – in einen warmen Mantel gehüllt – neben ihr stand, sich um ihre Sachen zu kümmern.

»Los, rein mit dir«, scheuchte er sie vor sich her ins Haus und trug ihr den Koffer und die Reisetasche hinterher.

Es hatte nur leichte Minusgrade, dennoch war Mersijah froh darüber, rasch wieder ins Warme zu kommen, und drehte sich in der schon weihnachtlich geschmückten Halle zu Klipphaghel um und küsste ihn, der immer noch ihr Gepäck in beiden Händen hielt.

»Das hast du absichtlich gemacht«, beschwerte er sich bei ihr, stellte ihre Sachen auf den Fußboden und zog sie an sich und küsste sie wieder. Dabei klatschte er ihr beide Hände auf den Po und betastete ihre Hinterbacken. »Dass ich nicht über dich herfallen und mich an dir verlustieren kann.«

Mersijah lachte Klipphaghel an, der sie sogleich wieder aus ihrer Jacke schälte und ihr half, die Stiefel auszuziehen.

»Ich hab ein Feuer im Kaminofen gemacht«, verriet er ihr und führte sie ins Wohnzimmer eine Etage höher. »Wenn dir kalt ist, kannst du dich davor legen.«

Mersijah lächelte ihn dankbar an, obwohl sie nicht fror. Die Heizung im Auto hatte gute Dienste während der Fahrt geleistet und die paar Minuten, bis sie ins Haus gelangt war, hatten nicht ausgereicht ihr kalt werden zu lassen. Trotzdem machte sie es sich vor dem brennenden Ofen bequem. Zuhause lief sie im Winter am liebsten in einem herrlich weich und kuscheligen Pullover herum, der ihr bis über den Po hinab reichte, und trug dazu nur noch eine dicke Strumpfhose und warme Wollsocken statt Hausschuhen, mit denen sie sich bequem auf ihre Couch kuscheln konnte. Sie lag auf dem Bauch und schaute dem Züngeln der Flammen zu.

»Du wolltest, dass ich das tue«, bemerkte sie nach ein paar Minuten und versuchte Klipphaghels Spiegelbild im Glas des Kaminofens zu entdecken, um sich nicht zu ihm umdrehen zu müssen, »damit du mir auf den Hintern gucken kannst.«

»Na ja«, erwiderte Klipphaghel, »ohne deine Jeans wäre er noch viel reizvoller.«

Ihre Jeans saß wie angegossen und formte ihre Rundungen perfekt nach, trotzdem wusste sie genau, dass Männer viel lieber einen blanken Po sehen wollten. Also hockte sie sich auf und streifte die Nietenhose ab, zog aber den Pullover bis auf ihre Oberschenkel herunter und legte sich wieder hin.

»Du kleines Biest«, warf ihr Klipphaghel zu und kam zu ihr auf den Boden, schob ihr den Pullover den halben Rücken hoch und haute ihr einmal mit der flachen Hand hintendrauf.

Wie im Sommer hatte Mersijah trotz der Kälte nur einen String an und Klipphaghel betrachtete genüsslich ihre praktisch fast nackte Kehrseite, rollte sie endlich herum und zog ihr den Pullover vollends aus. Dann öffnete er ihren BH und erfreute sich an ihren vollen runden Brüsten, saugte an den Nippeln und liebte sie das erste Mal. Danach hielt er sie in seinen Armen und betrachtete mit ihr das Feuer, wofür er das Licht im Raum gelöscht hatte.

»Sidney Sheldon beschreibt dich in einem seiner Romane erstklassig, noch bevor du überhaupt geboren wurdest.«

Mersijah wandte ihren Kopf zu Klipphaghel nach hinten und sah ihn fragend an.

»Sie hat grandiose Titten und einen Prachtarsch«, zitierte er die entsprechende Stelle, umfasste ihren Busen und presste sein sich wieder aufrichtendes Gemächte gegen die Kerbe ihres Pos.

Mersijah öffnete sich für ihn und Klipphaghel kam in Löffelchen-Stellung zu ihr, schlief ein weiteres Mal mit ihr, während er genüsslich ihre üppigen Brüste in seinen Händen hielt.

»Ich zeig dir wo dein Zimmer ist«, hauchte er ihr hinterher ins Ohr, stand selber auf und zog Mersijah auf die Füße, die nackt blieb und auch ihre Sachen liegen ließ, wohingegen Klipphaghel wenigstens in seine Hose schlüpfte und ihren Koffer nahm.

»Schlafe ich denn nicht bei dir?«, fragte sie verführerisch und sah ihn überrascht an.

»So oft du willst«, beschied er ihr erfreut. »Aber du sollst dich auch zurückziehen können, wenn ich dir lästig werde.«

Klipphaghel lachte und stieg mit Mersijah in den zweiten Stock hinauf. Das Boudoir war klein und romantisch eingerichtet, ohne jedoch kitschig zu wirken, besaß ein französisches Bett, einen bequemen Sessel, einen Schminktisch und eine Kommode für ihre persönlichen Sachen. Hier würde es keinen Sex geben, hierher konnte sie sich zurückziehen und wie ein kleines Mädchen zusammenkuscheln, oder zu der sexy jungen Nymphe erblühen, die Klipphaghel sich in seinem Bett wünschte.

»Danke«, gab sie ihm einen Kuss, drehte sich einmal im Kreis vor ihm, um sich alles anzusehen, und ließ sich wieder in seine Arme nehmen.

»Richte dich ein, ich mache solange das Essen fertig«, erwiderte er in ihr Ohr und patschte seine Hand neuerlich auf ihren Hintern. »Meine Haushälterin hat etwas vorbereitet, oder möchtest du lieber in ein Restaurant.«

Mersijah schüttelte ihren Kopf. »Heute nicht, und die nächsten Tage kann ja ich kochen.«

»Ich hab dich nicht eingeladen, damit du in der Küche stehst.«

»Sondern in deinem Bett liege«, neckte sie ihn. »Aber wenigstens das Frühstück kann ich machen.«