Das Weinen der Blume - Katrin Lemke - E-Book

Das Weinen der Blume E-Book

Katrin Lemke

0,0

Beschreibung

Wie Mond und Sonne. Unterschiedlich und sich gegenseitig vollkommen fremd. Zwei Jungen, der eine voller Hass, der andere voller Liebe und doch verbindet sie dasselbe. Leer ... Unerfüllt ... Einsam ... Verloren ... Der Auftrag von einem Fremden verändert ihr Schicksal und schickt beide auf eine gefährliche Reise. Doch nicht jedes Schicksal bringt Freude und Wohlergehen mit sich, manche verbreiten Leid und Schmerz. Werden sie ihre Bestimmung akzeptieren? Oder werden sie versuchen, ihr zu entrinnen? Eine Geschichte voller Emotionen, neuer Welten, magischer Wesen und gefährlicher Gegner!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 243

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalstverzeichnis

Prolog

Begeisterung

Kapitel Beste Freunde

Kapitel Himmlischer Gesang

Kapitel Das Geistermädchen

Kapitel Eine Bitte

Kapitel Die Waldlichtung

Kapitel Verbundenheit

Kapitel Ein kleiner Nerd (Rückblende)

Kapitel Ein Merkmal

Kapitel Eine helfende Hand

Kapitel Schlimmes Schicksal (Rückblende)

Kapitel Ein unerwarteter Besucher

Kapitel Verzeihung

Kapitel Ein Mädchen aus gutem Hause (Rückblende)

Kapitel Fremde Hilfe

Kapitel Mein Besitz

Kapitel Cupida

Kapitel Obdachlos

Kapitel Schnelles Handeln

Kapitel Fremd

Kapitel Ein Ort zum Untertauchen

Kapitel Die Trägheit des Herzens

Kapitel Auf der Suche

Kapitel Entwicklung

Kapitel Warten

Kapitel Die bittere Wahrheit

Kapitel Die Habgier

Kapitel Neue Kontakte

Kapitel Das Weinen der Blume

Epilog

Prolog

Ein merkwürdiges Zeichen…

Es war so seltsam, aber so vertraut.

Es gab so viel mehr, als ich dachte.

Mehr als du und ich zu sein schienen.

Sind wir in der Lage? In der Lage zu sehen,

wer wir sind?

Begeisterung

???

Nie hätte ich gedacht, dass ein Wesen solcher Zärtlichkeit existieren konnte. Allein ihr Anblick löste in mir eine solche Ruhe und Freude aus. Freude wieder am Leben zu haben. Trotz der vielen Dinge die ich erlebt hatte, sagte es in mir dass ich ihr vertrauen konnte.

„Wer bist du?“, sprach sie. Ihre Stimme halte sanft durch die Trümmer. Es war beinahe so, als könnte man ihre Stimme doppelt wahrnehmen. Ich konnte durch sie hindurch sehen, aber es war schon schwierig sie überhaupt wahrzunehmen. Sie hatte langes weißes Haar, grüne Augen und trug ein langes Kleid.

„Bist du… bist du ein Geist?“, fragte ich unsicher und konnte meinen Blick nicht von ihr abwenden. Ein kleines leises aber schallendes Lachen entfuhr ihr und sie sah mich an als würde ihr etwas leidtun.

Ob sie den Schmerz ihres Todes nicht verkraften konnte? Das arme Mädchen war noch so jung.

Sie würde mir nichts tun. Sie konnte mir körperlich nicht wehtun. Ich fühlte mich… sicher.

Eigentlich wollte ich mir vor ein paar Monaten nur einen ruhigen Ort suchen an dem ich in Ruhe meinen neuen Roman über eine Geistergeschichte lesen konnte. Niemals hätte ich gedacht selbst einen Geist anzutreffen.

Kapitel 1

Beste Freunde

Aiden

Ich hatte die allerbesten Freunde und mein Leben ging bergauf, aber trotzdem war ich einfach nicht glücklich. Ich konnte dies nicht verstehen und kam mir meinen Freunden gegenüber sehr unfair vor. Ich lächelte sie jeden Tag an, lächelte aber doch nicht. Ich genoss jeden Tag mit ihnen und genoss ihn doch nicht. Ich fühlte mich am richtigen Platz und tat es doch nicht.

Dabei gab es nichts in meinem Leben was ich mehr liebte als meine Freunde. Ich war sehr froh sie zu haben, denn sie waren nicht immer da. Ich wusste wie es war alleine zu sein und alleine aufzuwachsen. Ich war in einem Heim groß geworden. Man hatte mir gesagt meine Eltern hätten mich abgegeben und bis heute wusste ich nicht wer sie waren. Ob ich sie hasste? Nein, das tat ich nicht. Viele mochten das wahrscheinlich nicht verstehen, aber sie würden ihre Gründe gehabt haben mich abzugeben. Vielleicht hatten sie zu wenig Geld und wussten nicht wie sie mich aufziehen sollten. Wer weiß das schon, vielleicht war ich auch nur eine Last die sie loswerden wollten. Aber trotz alldem empfand ich ihnen gegenüber keinen Hass, auch wenn ich durch sie sehr viel durchmachen musste.

Doch genau aus dem Grund war ich umso glücklicher jetzt nicht mehr alleine zu sein. Der Gedanke an meine Freunde zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen.

„Erde an Aiden!“, sagte Luisa und schüttelte ihre Hand vor mein Gesicht. „Ich habe mit dir geredet! Alice und ich wollen ins Wasser! Möchtest du mit?“

„Ähm, nein danke ich bleib ausnahmsweise mal hier!“, antwortete ich während ich noch ganz benebelt von meinem Tagtraum war.

Luisa seufzte. Sie wusste, dass ich mir in letzter Zeit sehr viel Gedanken machte. Sie war auch nicht umsonst meine beste Freundin. Sie kannte mich von allen wohl am besten. Aus dem Grund warf sie mir auch diesen bestimmten „Wir reden später“ Blick zu. Sie zog an den Haargummis ihrer braunen Zöpfe um sie zu befestigen und wandte sich Alice zu. „Gehen wir?“

Als die beiden Mädchen verschwunden waren, blieb ich mit Joshua und Inaya zurück. Diese beiden waren wohl das genaue Gegenteil von Luisa und Alice. Sie waren immer energiegeladen und voller Freude, während Joshua und Inaya sehr ruhige und in sich gekehrte Menschen waren. Jedoch war jeder von ihnen ein ganz eigener Mensch. Luisa war ziemlich groß und maskulin gebaut, was ihr auf dem ersten Anschein nichts auszumachen schien, aber ich wusste, dass sie sich manchmal wünschte etwas weiblicher zu sein. Alice war immer bunt gekleidet. Die Farben Schwarz und Weiß gab es in ihrem Kleiderschrank nicht. Ihre Haare waren zottelig und ihr blonder Pony hing ihr, obwohl sie immer ihre knallpinke Haarspange trug, immer im Gesicht.

Joshua war abgesehen von mir der einzige Junge in unserer Gruppe. Eigentlich war er ziemlich schüchtern was Mädchen anging, aber in unserem Kreis war er zum Glück etwas aufgetaut. Er war für einen Jungen ziemlich klein, er war sogar kleiner als Luisa. Josh war ein Geek und ein stiller Typ und hatte aus dem Grund in der Unter- und Mittelstufe einige Probleme mit seinen Mitschülern gehabt. Sie schienen ihn damals heftig gemobbt zu haben. Was genau passiert war wollten wir ihn nicht fragen, wenn Joshua uns etwas erzählen wollen würde, würde er dies tun.

Inayas Familie kam aus Irland, aber sie lebte schon seit ihrer Geburt bei uns in Bristol. Sie war sehr begehrt bei jungen Männern, aber schien an keinem Interesse zu haben. Abgesehen davon war ihre Familie steinreich. Ob Inaya damit so glücklich war, wagte ich zu bezweifeln. Sie war immer anständig und schlicht gekleidet, musste sehr oft auf riesige Familientreffen, sprach vier Fremdsprachen flüssig außerdem spielte sie Klavier und Geige. Aus freiwilligen Stücken hatte sie dies anscheinend auch nicht getan. Inayas Lächeln war immer erzwungen aber sie beherrschte es perfekt sodass es niemandem wirklich auffiel, außer mir.

Mir lag wirklich unglaublich viel an meinem Freunden und der heutige Tag am See mit ihnen tat mir wahrhaftig sehr gut. „Sorry Leute, aber ich gehe dann mal! Ich bin echt erschöpft und im Frühjahr wird es um diese Uhrzeit leider noch etwas frisch.“

„Ok mach es gut! Und pass bitte auf dich auf!“, sprach Inaya und lächelte zu mir auf.

„Werde ich. Danke“

„Wie du gehst schon?“, rief Luisa entsetzt aus dem Wasser zu mir herüber.

„Ja, sorry wird langsam echt kühl. Ihr solltet aber auch nicht mehr allzu lange drinnen bleiben!“

Ich grinste ihr entgegen. Daraufhin gab Luisa nur einen leicht schmollenden Gesichtsausdruck zurück, wandte sich dann aber wieder ihrer Freundin zu, die sie gerade nass gespritzt hatte.

Als ich dann endlich in meiner kleinen Einzimmerwohnung ankam, legte ich mich sofort auf mein kleines Bett. Joshua hatte es wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, als ich gegangen war. In letzter Zeit wirkte er sehr abwesend. Ich hoffte, dass alles in Ordnung bei ihm war. Ich betrachte das Foto, dass neben meinem Bett an der Holzwand hing und es zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Es zeigte Alice, Joshua, Inaya, Luisa und mich, als wir letzten Sommer alle zusammen in den Freizeitpark gefahren waren. Es war ein unvergesslicher Tag für uns, dass wir uns alle beschlossen, ihn auf einem Foto festzuhalten. Jeder von uns besaß eines, sodass er immer zurückblicken konnte. Inaya legte wie immer ihr braves Lächeln auf, neben ihr stand Alice, die ihr gerade ein paar Hasenohren verpasste. Hinter ihnen standen Joshua und ich, wir blickten sehr überrascht, da Luisa gerade in dem Moment als das Bild ausgelöst wurde sich zwischen uns warf und hastig ihre Arme um uns legte.

Nachdem ich in Erinnerungen geschwelgt hatte und meine Augen wieder öffnete, bemerkte ich, dass es schon dunkel war. Eilig holte ich mein Handy aus der Tasche, welche ich mit zum See genommen hatte.

04:14 Uhr zeigte es mir an. Ich muss wohl eingeschlafen sein. Und außerdem zeigt es mir an, dass ich neue Nachrichten auf Facebook hatte. Sie waren von Luisa und Joshua. Um ehrlich zu sein hatte mich der gestrige Tag sehr ausgelaugt und ich war hundemüde, aber meine Freunde waren mir dafür einfach zu wichtig. Ich öffnete die von Luisa als erstes.

LUISA: Der Tag war echt cool mit euch! Schade dass du so früh gegangen bist Inaya war echt traurig aber sag ihr bitte nicht dass ich es dir gesagt habe! :O

LUISA: Josh verhält sich in letzter Zeit echt merkwürdig. Ich habe ihn auch schon darauf angesprochen aber er blockt immer ab. Ich mache mir Sorgen!

LUISA: Vielleicht solltest du mal mit ihm reden! Immerhin ist er dein bester Freund

Wenn einer Luisa verstehen konnte, dann ich. Sie und ich waren uns sehr ähnlich wenn es um Sorge, um unserer Freunde ging. Ich wollte sie beruhigen, also beschloss ich ihr zu antworten. Auf die Sache mit Inaya sprang ich jetzt nicht an, da es mir im Moment als unwichtig erschien.

AIDEN: Ja mir hat der Tag auch sehr gut gefallen Ich werde ihn darauf ansprechen, nur ob er mit mir reden möchte weiß ich nicht. :/ Mach dir bitte nicht zu viele Gedanken! Ich melde mich bei dir sobald ich was Neues weiß!

Danach öffnete ich Joshuas Nachrichtenfenster.

JOSHUA: Hallo Aiden! Hast du morgen Nachmittag Zeit für mich? Ich müsste dringend etwas mit dir besprechen. Ich wäre gegen 15 Uhr bei dir. Falls es dir zeitlich nicht passen sollte, dann schreibe mir morgen früh einfach. Ich bedanke mich schon einmal im Voraus!

Verwundert blickte ich über meinen Handydisplay. Könnte es sein, dass Joshua mit mir über das reden möchte, was ihn schon seit ein paar Wochen beschäftigt? Natürlich würde es das sein, was denn sonst?

AIDEN: Klar kein Problem! Ich hab immer ein offenes Ohr für dich! Ich gehe dann noch einkaufen, damit wir etwas zu Essen haben! Bis morgen!

Nachdem ich mein Handy zurücklegte, schlief ich auch schon wieder ein. Es war immerhin ein anstrengender, wenn auch schöner Tag gewesen.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte entdeckte ich einen Brief in meinem Briefkasten. Der Absender war unbekannt. Von wem der wohl sein mochte? Bis auf Rechnungen, Verträge und Werbung bekam ich eigentlich nie Post. Ich beschloss zuerst den Brief später zu lesen. Ich war dann aber schon sehr neugierig, zu wissen was darin stand. Also öffnete ich ihn doch und las die Zeilen:

NEUERÖFFNUNG VON MYHEAVEN

Sind sie mit ihrem Leben nicht zufrieden? Oder liegt ihnen etwas auf der Seele, dass sie mit niemanden besprechen können? Haben sie Angst die Menschen in ihrem Umfeld zu verletzten, wenn sie es tun?

Dann sind sie hier genau richtig aufgehoben! In MYHEAVEN!!

Schon wieder Werbung. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es ein Brief von jemanden gewesen wäre, den ich kannte, oder von meinen Eltern. Ich hatte nie die Hoffnung aufgegeben, dass sie mir eines Tages schreiben könnten. Bisher war dies aber leider nicht der Fall gewesen.

Ich legte den Brief auf den Tisch, machte mich fertig und lief aus meiner Wohnung. Ich würde später etwas mit Joshua essen. Ehrlich gesagt war ich auch nicht gerade früh aus den Federn gekommen. Ich lief die Einkaufspassage entlang und überlegte, was ich zu essen machen könnte. Ich entschied mich für etwas ganz Simples, Spaghetti mit Tomatensoße. Dazu kaufte ich noch einen Salat. Der Laden war echt voll und ich musste mich zusammenreisen, bei den Kleinigkeiten in der Nähe der Kasse nicht noch zuzugreifen, da ich wenig Geld besaß.

Nachdem ich bezahlte und den Rückweg angetreten hatte, genoss ich das frische Frühlingswetter. Der Wind war frisch, aber sehr angenehm. Nach dem Winter erschien einem der Frühling immer als sehr warm und wohlfühlend. Es war ein Neuanfang. Alles was im Winter gestorben war, wurde im Frühling wiedergeboren. Es ist auch Zeit für mich, aus meiner Winterdepression herauszukommen und mir nicht mehr so viele negative Gedanken zu machen.

Aus unerfindlichen Gründen wandte ich meinen Blick auf die andere Straßenseite. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass mich jemand beobachten würde. Etwas erschrocken über mich selbst wären mir fast die Einkaufstüten herunter gefallen. Da war der Laden. MYHEAVEN. Es stand ganz groß in einem knalligen pink darüber sodass man es nicht übersehen konnte. Irgendetwas zog mich zu dem Laden. Ich blickte nicht einmal auf die Straße, ich lief einfach darauf zu und versuchte durch die Fenster zu blicken. Ich konnte Blumen erkennen. Rosa, gelb, lila, rot, in allen Farben. Komisch auf dem Brief stand doch gar nicht, dass es ein Blumenladen sei. Plötzlich erkannte ich eine Person darin, es war eine Frau. Aber nicht nur irgendeine Frau. Sie glich beinahe einem Engel. Sie trug ein knielanges weißes Kleid, hatte goldblondes Haar und trug einen weißen Hut und weiße Schuhe. Sie erblickte mich und lächelte. Ihr Lächeln glich ebenfalls dem eines Engels, es war fast so als hätte ich nie Sorgen gehabt, wenn ich ihr Lächeln sah. Aber irgendwie war mir das alles etwas unheimlich. Sie winkte mir entgegen und machte eine sanfte Geste, dass ich in den Laden kommen sollte. Von ihr ging keine Gefahr aus und genau das machte mich etwas unsicher, also beschloss ich erst einmal zu gehen.

Als ich wieder zu Hause ankam, musste ich feststellen, dass der Laden im Prinzip direkt um die Ecke war. Die Frau sah so freundlich aus, aber irgendwie schauderte mir es vor all dem. Ich bereitete das Essen vor, da ich eigentlich fertig sein wollte, bevor Joshua kam. Da ich ohne Eltern groß geworden war und schon länger alleine lebte, war ich sehr selbstständig. Ich kochte und kümmerte mich um meinen eigenen Haushalt, was immer noch viele in meinem Alter von ihrer Mutter erledigt bekommen. Aber mir machte das nichts aus, da meine Wohnung sowieso sehr klein war.

Leider hatte ich mich etwas zu lange vor dem Laden aufgehalten, sodass es schon klingelte, bevor ich mit dem Essen überhaupt angefangen hatte und öffnete hektisch die Tür. Joshua stand da und er sah traurig aus.

„Hey Josh“, grüßte ich ihn.

„Hallo Aiden. Darf ich reinkommen?“

„Klar.“ Ich trat zur Seite, sodass er rein konnte. Er setzte sich schweigend zum Tisch. Jetzt kam ich mir ein wenig unwirtlich vor, da ich ihm noch nichts zum Essen anbieten konnte. „Sorry, ich hab mich wegen dem Essen etwas in der Zeit vertan. Möchtest du stattdessen erst einmal etwas trinken?“ Ich versuchte die Stimmung etwas zu heben, aber Joshua lächelte nicht einmal.

„Nein, danke.“ Er sah mich an. „Können wir vielleicht nach draußen? Es ist so schönes Wetter.“ Dagegen war nichts einzuwenden. Wir hatten wirklich schon ein unglaubliches Glück, im März einen erwartungsvollen Frühling zu bekommen.

„Klar, warum nicht? Wir können auch später etwas essen, wenn wir bis dahin noch nicht verhungert sind!“, lachte ich und schlug Joshua freundlich auf den Rücken.

Geschwind zog ich meine Schuhe an, eine Jacke war nicht nötig auch wenn der Wind noch etwas frisch war. Wir verließen meine Wohnung und liefen nicht die Einkaufsstraße hinunter, sondern gingen in die Richtung des Parks. Es würde eventuell etwas voller sein, aufgrund des Wetters. Nach einigen Metern, fand ich es angebracht zur Sprache zu bringen, weswegen Joshua sich eigentlich mit mir treffen wollte.

„Du wolltest mit mir über etwas sprechen?“ fragte ich.

„Ja…“

Ich wartete während ein Schmetterling an uns vorbei flog. Ich glaube es war ein Schwalbenschwanz.

„Naja, es gibt da etwas was mich seit einiger Zeit beschäftigt.“ Er war sichtlich unsicher, blickte zu Boden und drückte an seinen Händen herum.

„Jetzt lass es dir doch nicht aus der Nase herausziehen! Was ist passiert?“

„Ich… brauche ab und zu meine Ruhe und suche mir ab und an ein ruhiges Plätzchen, wo ich in Ruhe lesen oder mich entspannen kann“, begann er.

„Ja, das weiß ich“, antwortete ich. Weiterhin sah ich ihn an und wartete geduldig bis er weiter sprach. Ich wollte ihm keinen Druck machen, auch wenn ich wirklich gerne wüsste was los war.

„Naja, ich hab da so ein verlassenes Haus entdeckt“, sprach er weiter. „Das… von der Pendleton Familie.“

Ich blickte überrascht „Das angebliche Geisterhaus?“

„DAS Geisterhaus!“, verbesserte Joshua mich und sah mich streng an. Beinahe hätte ich vergessen wie unglaublich strenggläubig er sein konnte, wenn es um paranormale Dinge ging. Er glaubte fanatisch an das Übernatürliche und an höhere Kräfte.

„Ja, genau das. Es treffen sich einfach immer mehr Leute an verlassenen Orten und ich dachte dort wird wohl wirklich keiner sein…. Aber es war jemand da. Ein… Mädchen. Sie scheint dort zu wohnen.“, zögerte er. Während er mir dies offenbarte, traute er sich gar nicht mir in die Augen zu blicken.

„Ein Mädchen? Aber das Haus steht doch verlassen da? Wie kann denn ein Mädchen dort wohnen?“, fragte ich. „Ist sie obdachlos?“

„Nein… nicht direkt.“

Ich glaubte ich war ein einziges Fragezeichen und fand es etwas nervig meinem Freund alles aus der Nase ziehen zu müssen. „Mann, Josh jetzt erklär es mir doch bitte einfach!“

„Sie lebt eben einfach dort. Seit ich sie das erste Mal gesehen habe, besuche ich sie jeden Tag und auch öfters am Wochenende. Ich gehe selten gar nicht hin. Ich… habe mich in sie verliebt.“, gestand Joshua.

Ich schwieg einen kurzen Moment um das Erzählte von Josh erst einmal zu verarbeiten. Es stimmte wirklich dass er sehr oft weg war. War er wirklich die ganze Zeit dort? Irgendwie konnte ich das alles noch nicht wirklich nachvollziehen. „Aber du kennst sie doch gar nicht richtig! Woher sie kommt, was sie dort treibt, vielleicht hat sie etwas verbrochen und versteckt sich dort. Mann Josh, weißt du denn eigentlich wie sie überhaupt heißt?“ Ich wusste, dass es etwas schroff von mir war, gleich dagegen zu gehen, aber gerade durch diese merkwürdige Frau in dem neuen Laden war ich besonders vorsichtig. Ich hatte mich dort so willkommen und wohl gefühlt, dass es mir schon wirklich unheimlich war. Vor allen Dingen weil ich mich in letzter Zeit einfach nur noch unwohl fühlte, egal wer oder was mich umgab. Merkwürdige Mädchen waren momentan wohl nicht sehr selten. Dieser Gedanke erschien mir trotzdem etwas übertrieben, aber Sicherheit ging vor.

„Leslie“, gab Joshua nur zurück.

„Was?“, fragte ich weggetreten, da ich gerade wieder in die Realität zurückgezogen wurde.

„Ihr Name ist Leslie. Und ich finde es ehrlich gesagt etwas enttäuschend, dass du so über sie sprichst.“, gab Joshua zurück und ich konnte ihm förmlich ansehen, dass ihn das getroffen hatte. „Du scheinst aber für dein Verhalten auch ziemlich durch den Wind zu sein. Was ist denn mit dir los in letzter Zeit? Inaya und mir fällt dein Verhalten schon die ganze letzte Woche auf.“

Wahrscheinlich wollte Joshua sich etwas ablenken. Ich wusste Bescheid, dass ich meinen Freund durch mein Misstrauen verletzt hatte. Ich hasste Streit mit meinen Freunden und wollte mich bei ihm entschuldigen.

„Sorry. Ich habe meine Gründe, weswegen ich da jetzt so reagiert habe. Ich habe vorhin auch eine sehr merkwürdige Frau getroffen und ich habe mir eben einfach nur Gedanken gemacht“, erklärte ich ihm und sah ihn entschuldigend an.

„Darauf kommen wir gleich nochmal. Erzähl jetzt erst mal!“ winkte Joshua ab.

„Ich schrieb dir ja heute Nacht, dass ich noch einkaufen gehe. Und mir ist auf dem Rückweg eben dieser neue Laden aufgefallen. Ich schätze mal gerade weil er mir vorher nie wirklich aufgefallen war. Eine Neueröffnung kann eigentlich auch nicht sein, denn es war einfach niemand im Laden, bis auf die Besitzerin. Sie wirkte so unwirklich, als hättest du einen Engel vor dir“, erzählte ich.

„Na klar, dein Mädchen, ist natürlich ein braves Mädchen, während du Leslie als etwas Böses darstellst“, knurrte er etwas.

„So habe ich das nicht gemeint. Es war irgendwie… unheimlich.“ Mir lief ein eisiger Schauer über den Rücken.

Beruhig dich Aiden.

„Wo steht denn dieser Laden?“, war Joshs einzige Frage darauf.

Daraufhin erklärte ich ihm von wo aus dieser Laden stand und nannte ihm einige bekannte Läden die in der Nähe platziert waren.

„Also, es war letztlich ein Blumenladen. Obwohl man das aus weiter Distanz, nicht wirklich einschätzen konnte. Er heißt MYHEAVEN und ist wirklich nicht zu übersehen. Die Farbe des Schriftzugs ist ein knalliges Pink. Ich hab sogar Post bekommen mit einem Flyer von ihnen. Ich nehme an, dass jeder in der Nachbarschaft einen bekommen hatte. Ich kann ihn dir später gerne zeigen.“

Sein Blick war mehr als fragend.

„Was denn?“, fragte ich nach.

„Aiden. Erstens habe ich keinen Flyer erhalten, genauso wenig wie Inaya. Ich habe sie heute Morgen getroffen, sie hätte das definitiv erwähnt und zweitens steht da kein Blumenladen. Ich bin die letzte Woche jeden Tag daran vorbei gelaufen und dort steht nicht mal ein anderer Laden.“

Kapitel 2

Himmlischer Gesang

Aiden

„Bist du dir da völlig sicher?“, gab ich zurück, in der Hoffnung ich hätte nicht den Verstand verloren. „Der Laden ist doch kaum zu übersehen!“

„Ja Aiden, ich bin mir sicher. Die Fläche steht leer! Das einzige was sich dort befindet, sind Gras und ein paar Gänseblümchen.“

Erschüttert rieb ich mir die Stirn.

Das war doch kein Traum! Oder?

„N-Nein, das kann nicht sein! Ich bin mir sicher! Der Laden stand da!“, bestätigte ich mich.

Eine kurze Weile entstand eine unangenehme Stille. Die Vögel um uns herum zwitscherten und die Schmetterlinge flogen immer noch um unsere Nasen. Die trübe Stimmung passte nun wirklich gar nicht du dieser frühjährlichen Atmosphäre, bis Joshua plötzlich anfing mich begeistert anzugrinsen. „Aiden, weißt du was das bedeutet? Das war ein Geisterladen! Du bist Zeuge eines paranormalen Ereignisses!“

Während Joshua in den Geek-Modus überging und seine Brille hochschob, fing er an eine pure Begeisterung um dieses Phänomen zu entwickeln, ich war davon weniger angetan. „Also, dann habe ich mir den Laden wohl eher noch eingebildet oder habe Traum und Realität etwas durcheinander gebracht! Aber ein Geisterladen? Ich bitte dich. So etwas wie Geister gibt es gar nicht! Du liest wirklich viel zu viel wirres Zeug.“

„Natürlich gibt es Geister! Leslie ist auch ein Geist!“ Als Joshua nach dieser Aussage schnell zu Boden blickte und sich leicht die Hand vor den Mund hielt, war mir bewusst, dass er dieses Geheimnis -oder für mich besser gesagt diese Lüge – für sich hätte behalten sollen.

„Ist das jetzt dein Ernst?“, antwortete ich. „Mensch, das Mädchen führt dich doch an der Nase herum! Was will sie von dir? Geld? Essen?“

„Gar nichts!! Ok, sie braucht meine Hilfe, aber nichts dergleichen! Sie ist ein wundervolles Wesen! Besser als all die blöden Mädchen, die sich ständig über mich lustig machten!“ Joshua schrie mich förmlich an, sodass sich die Leute im Park schon nach uns umschauten und flüsterten.

„Josh, jetzt mal ernsthaft. Glaubst du ihr das? Für mich klingt das nicht gerade glaubwürdig, was dir dieses Mädchen erzählt.“ Ich versuchte Joshua zur Vernunft zu bringen, auch wenn ich schon wusste, dass mir dies missglücken würde. „Und Keiner macht sich über dich lustig! Jedenfalls keiner deiner Freunde. Alice und Inaya haben sich noch nie über dich lustig gemacht und Luisa darfst du nicht ernst nehmen. Sie zieht auch Sprüche bei Alice und mir ab, damit zeigt sie einem nur dass sie uns gern hat.“

Joshua hatte es in der Tat noch nie sehr einfach gehabt. Er war für einen Jungen ziemlich klein und durch seine Sehschwäche trug er schon seit dem Kindergarten eine ziemlich große Hornbrille. Natürlich hatte er es auch schon mit Kontaktlinsen versucht, jedoch vergeblich. Seine Augen vertrugen sie einfach nicht und deshalb konnte er auf die Brille nicht verzichten. Im Laufe seiner Schulbahn hatten sich selbstverständlich einige oberflächliche Mitschüler über ihn lustig gemacht, Mädchen wie Jungen. Freunde zu finden, war für ihn damals kein Zuckerschlecken. „Du, gerade du hast ja sowas von leicht reden. Dir rennt doch sowieso jedes Mädchen hinterher und Probleme mit anderen Menschen hattest du doch eh noch nie Mr. Schönling!“

Joshua schien nun wirklich wütend auf mich zu sein. Ich hatte nie gedacht, geschweige denn gewollt, dass Joshua auf mich eifersüchtig war. Natürlich konnte man uns optisch sehr gut auseinander halten, aber ich war bei anderen Menschen noch nie oberflächlich gewesen. Wie meine Freunde aussahen, war mir völlig egal. Für mich war es wichtig, dass sie von Innen schön waren.

Vergeblich versuchte ich Joshua runterzubringen und hielt meine Hände von meinem Körper um ihm zu signalisieren, dass er sich beruhigen sollte. „Hey Josh, es tut mir echt Leid.

Ich würde es dir doch unglaublich gönnen, wenn ein Mädchen sich in dich verlieben würde. Aber muss es denn gerade eine sein die solche Geheimnisse mit sich trägt?“, sagte ich mit mitfühlender Stimme „Ich möchte doch nur nicht dass dir etwas passiert!“

Verlieben würde… sagte ich. Hoffentlich hatte er es überhört, als ich jedoch in seine enttäuschten Augen sah, wusste ich dass dies nicht der Fall war. Ich wünschte die Wörter könnten mir zurück in den Mund fliegen.

„Hilfst du mir?“, fragte Josh neutral.

„Wobei?“

„Leslie zu helfen. Dafür brauche ich aber deinen Glauben an mich. Und an sie.“

Einen Moment lang, überlegte ich, bis ich es letztendlich aussprach. „Dir glaube ich. Aber ihr nicht.“

„Gut. Dann hat sich meine Bitte auch schon erledigt“, gab er kalt darauf zurück. In seinem Blick war die bittere Enttäuschung zu erkennen. Joshua wand ohne dass ich noch etwas sagen konnte mir den Rücken zu und verschwand so schnell aus meinem Sichtfeld, dass ich nicht wirklich reagieren konnte. Aber das wollte ich auch gar nicht. Ich schämte mich für mein Verhalten. Und das alles nur wegen dieser Frau und ihrem dämlichen Laden.

Joshua schien es wirklich stark erwischt zu haben. Aber was hätte ich denn sagen sollen? Einem wildfremden Mädchen einfach so zu vertrauen, nur weil sie kurz mal mit den Augen klimperte? Nein, ich traute der ganzen Sache irgendwie nicht, aber Josh war alt genug um zu wissen was er tat, auch wenn es ihm vielleicht das Herz brechen würde.

Ich ließ einen kleinen Seufzer aus, als ich meinen Heimweg alleine antrat. Ich wusste falls dies der Fall sein sollte, würde ich trotzdem für ihn da sein auch wenn wir uns gerade deswegen gestritten hatten und ich ihn davor warnte.

Beim Verlassen des Parks, war die riesige Uhr des Parks nicht zu übersehen und ich stellte fest, wie spät es schon geworden ist.

Nach dieser Feststellung wollte ich einen kleinen Umweg machen um mich zu vergewissern, dass ich mir den Laden nicht eingebildet habe. Doch dann überlegte ich es mir anders und lief nach Hause. Ich würde morgen nachsehen. Vielleicht.

Als ich zu Hause ankam, packte ich erst einmal die Lebensmittel weg, die ich für das heutige Essen gekauft hatte. Da fiel mir der Flyer von MYHEAVEN auf. Ich beschloss ihn wegzuwerfen und das ganze Thema einfach zu vergessen. Ich wollte noch einen letzten Blick wagen, doch bei dem was ich dann las stockte mir der Atem.

LIEBER AIDEN

WIESO HAST DU MEINE EINLADUNG IGNORIERT?

KOMM MICH DOCH BITTE BESUCHEN.

ICH WEiß WAS IN DIR VORGEHT UND ICH HABE DIE ANTWORTEN DAFÜR.

ICH WARTE AUF DICH.

C.

Für einen Moment gefror das Blut in meinen Adern und ich spürte wie ich am gesamten Körper eine Gänsehaut bekam.

Wie kann das sein? Woher weiß sie meinen Namen? Wieso hat sich die Nachricht geändert? War das etwa eine persönliche Einladung nur für mich? Was ist das für ein Laden und wer ist diese Frau?

Langsam begann ich wirklich zu glauben, dass es sich um einen Geisterladen handelte oder dass mir jemand einen üblen Streich spielte. Um ehrlich zu sein war mir Zweites lieber. Aber das würde selbst für Luisa und Alice zu weit gehen.

Ich musste mir sicher sein und wissen ob der Laden wirklich existierte. Also machte ich mich sofort noch einmal auf den Weg und lief nun wieder die Einkaufsstraße entlang. Dann eilte ich in die Richtung der Straße. Diese eine Straße mit dem Blumenladen.

Ich bin nicht verrückt.

Jedenfalls hoffte ich das und wollte mich in meinen Gedanken noch einmal danach vergewissern. Noch eine Straße nach links und die nächste Straße dann nach rechts. Ein paar Meter noch und er war da. Und… tatsächlich der Laden stand immer noch da. Genauso wie ich ihn in Erinnerung hatte. Genauso wie ich es Joshua erklärt hatte. Der Schriftzug war immer noch pink.

Das kann doch nicht sein!

Ich nahm einen gewissen Sicherheitsabstand zu diesem Laden, aber ich war gerade nah genug dran um in die Fenster zu blicken. Da war sie wieder. Die engelsgleiche Frau mit dem goldenen Haar. Abgesehen von ihrer Haarfarbe verstrahlte sie eine Unschuld, die einem geradezu irreal vorkam. Ihr weißes Kleidchen, ihre weißen Schuhe und den weißen Hut den sie trug, rundeten dieses Bild perfekt ab. Ehrlich gesagt kam ich mir wie ein Stalker vor. Als sie mich vom Fenster aus erblickte versuchte ich wegzusehen. Ich konnte es einfach nicht glauben. Die Frau lächelte mich einfach nur an. Es war kein „ich bin so kundenfreundlich, komm in meinen Laden“ Lächeln, sondern einfach nur ein sanftes unschuldiges Lächeln. Ich riss mich wieder in die Realität und wandte meinen Blick von ihr ab und sprintete die restlichen Meter zu meinem Haus zurück.

Als ich die Tür hinter mir schloss, kam ich mir irgendwie verfolgt vor, Ich war so paranoid, dass ich schnell nach