Das weise weiße Einhorn - Marion Ingeburg Luise Wolf - E-Book

Das weise weiße Einhorn E-Book

Marion Ingeburg Luise Wolf

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Beschreibung

Stella liegt gelähmt im Bett, obwohl sie eigentlich gesund sein sollte. Mutter bringt ihr vom Weihnachtsmarkt ein Metallbild mit einem Einhorn mit und ihre kleine Schwester ist überzeugt, dass die gebrannten Mandeln Zauberkraft haben. Im Traum reitet Stella damit ins Reich der Winterfee. Großmutter schenkt ihr einen Plüsch-Eisbären und Papa das magische Bild einer Schnee-Eule, die ihr als lebendige Wesen im Traum gute Ratschläge erteilen, wie sie ihre Lähmung überwindet.

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Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Marion Ingeburg Luise Wolf

Das weise weiße Einhorn

Traumreisen voll magischer Heilkräfte

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Wundersame Geschenke

Besuch bei der Winterfee

Störung

Eisbärenweisheit

Friedenstauben

Eulenweisheit

Impressum neobooks

Wundersame Geschenke

Es war Martinstag, vier Uhr Nachmittags und es dämmerte schon. Die Sonne hatte sich hinter den Bergrücken verkrochen und unter dem blass-blauen Himmelsgewölbe zogen rosa Wolkenschafe dahin. Graue Nebelschleier flossen übers Tal und verschlangen nach und nach die Wälder am Saum der Berge.

Mutter war bei strahlendem Sonnenschein mit dem Schwesterchen zum Jahrmarkt gefahren, bis fünf wollten sie zurück sein. Eigentlich nur ein halber Nachmittag, doch Stella erschien die Wartezeit endlos. Seit fünf Monaten lag sie gelähmt im Bett, zuvor drei Monate im Krankenhaus. Auf dem Röntgenbild schien die Operation zwar geglückt – doch ihre Beweglichkeit besserte sich nicht. Wann immer der Arzt zu ihr kam, verabschiedete er sich mit hilflosem Schulterzucken und ratlosem Blick. Er war mit seinem Latein am Ende.

„Ich bring’ gebrannte Mandeln mit“, hatte klein Alma versprochen und Mutter wollte sich für ihr großes Sorgenkind nach einer Überraschung umschauen. Was das wohl sein würde?

Versonnen lauschte Stella dem Wunschkonzert im Radio und träumte zum Fenster hinaus. Zwei Bücher lagen auf ihrer Bettdecke: Grimms Märchen und ein Band mit Bildern von Leonardo da Vinci. In beiden hatte sie geblättert, doch nirgendwo hatte sie ein Wesen gefunden, das ihr gleich war. Für Mona Lisa war sie mit ihren 12 Lenzen zu jung und die Gänsemagd hatte zwar viel Schlimmes erlebt, konnte aber laufen.

„Über den Wolken“, sang Reinhard Mey aus dem Transistorradio.

Stella schaute unwillkürlich durchs Fenster. Wer blinkte denn da aus einer Ritze im tristen Himmelsgebräu? Der Abendstern! Gleich neben ihm leuchtete die schmale Mondsichel, als wollten sie dem bettlägerigen Mädchen ein Geheimnis verraten. Seltsam, wie mystisch einem sowas vorkommt, wenn man allein zuhause ist...

Stella schloss die Augen. „Über den Wolken“, sang Reinhard Mey im Radio, „muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Freiheit wäre für Stella wunderbar. Ans Bett gefesselt kommt man sich vor, wie im Gefängnis.

‘Dafür habe ich Muse, den Mond zu betrachten’, dachte sie, öffnete die Augen und erkor den Stern an seiner Seite zu ihrem Glücksbringer. Und während die nächtlichen Schatten das Tageslicht verschlangen, döste Stella im tröstlichen Klang leiser Musik ein.

Als Mutter mit dem Schwesterchen heimkehrte, lag Stella in tiefem Schlummer: “Aufwachen, Schlafmütze!“ rief die Kleine und hielt ihr mit klammen Händchen eine große Tüte Knuspermandeln vor die Nase.

„Pssst“, bremste Mutter, das jugendliche Ungestüm, „vielleicht schläft sie sich gerade gesund.“

Enttäuscht legte Alma die Jahrmarkt-Tüte auf den Nachttisch und trapste in die Küche:

„Wie lange muss sich Stella denn noch gesund schlafen?“ fragte sie.

„Weiß der Himmel“, seufzte Mama und setzte den Wasserkessel auf.

„Guck mal, der aufgehende Mond!“ rief die Kleine.

„Zunehmender Mond heißt das“, berichtigte Mutter und goss Milch in den Topf. Dann schnitt sie das Brot in Scheiben. Alma kletterte auf die Küchenbank und drückte ihre Nase an die Fensterscheibe.

„Vielleicht wird Stella jetzt gesund“, überlegte sie, während sie die Mondsichel betrachtete, „Oma sagt, wenn der Mond größer wird, wächst alles zusammen.

„Man soll die Hoffnung nie aufgeben“, erwiderte Mutter seufzend und deckte den Tisch.

„Ob der Mandelröster ein Zauberer war?“ überlegte das Nesthäkchen und blinzelte verschmitzt dem Abendstern zu.

„Warum soll er ein Zauberer gewesen sein?“ wollte Mutter wissen und schmierte Butter auf die Brote.

„Er hatte so einen spitzen Hut auf“, meinte Alma.

„Aha,“ schmunzelte Mutter, „na, wenn Du meinst...“