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Es sind unruhige Zeiten in Deutschland. Viele Menschen protestieren auf den Straßen: gegen die wachsende Armut auf der einen und den großen Reichtum auf der anderen Seite. Da erfährt der Investigativjournalist Paul Usling, dass in einem geheimen Labor in der Nähe von Hamburg ein Medikament entwickelt wird, mit dem die demonstrierende Bevölkerung im Rahmen einer Impfung ruhiggestellt werden soll. Seine Informantin ist Katina Färber, die Stieftochter des Entwicklers. Mit ihrer Hilfe und der Unterstützung seines Freundes Fabian Uschkamp gelangt er an geheime Unterlagen aus dem Labor. Aber wer steckt hinter dem Vorhaben? Bei ihrer Suche danach kommen sie den Auftraggebern gefährlich nahe.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedlinde Aden
Denn sie verbergen, was sie tun
Kriminalroman
Selbstverlag
Dieses Buch ist ein Roman. Personen, Institutionen und Handlungen dieses Romans sind frei erfunden. Die Orte und Straßen existieren, nur Glückstadt wurde für die Geschichte ein wenig angepasst.
1. Auflage 2024 ISBN: 978-3-9826463-0-5 © 2024 Selbstverlag Friedlinde Aden Hafenstraße 19 a, 22880 Wedel, [email protected]
Text: Friedlinde Aden, Wedel Lektorat: Susanne Görsdorf-Kegel Umschlaggestaltung: Friedlinde Aden, unter Verwendung von Pexels/Rodolfo Clix Satz: Friedlinde Aden Druck und Bindung: MeinBuch.online GmbH, Darmstadt Bestellung und Vertrieb: Friedlinde Aden, Wedel
Personen
Hamburg:
Paul Usling, 26: Investigativjournalist bei Die Nachricht
Fabian Uschkamp, 26: selbständiger IT-Experte, Pauls Freund
Prof. Dr. Hajo Schreier, 55: Biochemiker, zu 70 % Eigentümer von Medizinlabor Schreier, Stiefvater von Katina, Vater von Dafne
Katina Färber, 20: Praktikantin im Labor, Tochter von Angela
Angela Färber-Schreier, 45: Künstlerin, Ehefrau von Hajo
Dafne Schreier, 12: Tochter von Angela und Hajo
Dr. Friedwart Färber, 68: Aufsichtsrat einer Bank, zu 30 % an Medizinlabor Schreier beteiligt, Vater von Angela
Enno Westergard, 55: Ressortleiter Investigativressort von Die Nachricht
Miranda Lundson, 23: Journalistin bei Die Nachricht, Ex-Freundin von Paul
Wiesbaden:
Karsten Schallmeyer, 33: Biochemiker, Angestellter einer Security Firma
Berlin:
Dr. Gesa Auerbach, 50: Staatssekretärin im Gesundheitsministerium
Junger Mann, 20: Servicekraft im Café
Außerdem:
Mr. Walker, 50: Lobbyist der Firma Bert Month Medical, USA
Nikolaj, 35: Russe
Steena Weber, 31: Doppelagentin
Prolog
Katina erstarrt. Dieses brüllende Lachen dahinten, das kennt sie doch! Und dann diese raue, kratzige Stimme!
»Los, schnell, weg von hier!«
Beide Männer schauen sie fragend an.
Katina fasst sie mit festem Griff an den Armen und drängt sie entgegen der Menge seitlich fort vom Stadion.
Der Typ darf sie auf keinen Fall hier sehen!
Donnerstag, 19. Juni
1 Hamburg - Kneipe im Heußweg
18.00 Uhr
Gewitterwolken verdunkeln die Sonne. Windböen peitschen heftigen Sommerregen zwischen den vierstöckigen Altbau-Etagenhäusern durch die Straße, reißen kleine Zweige und kugelförmige Blüten von den Platanen, werfen sie auf die dicht gedrängt parkenden Autos. Der Regen pladdert gegen die grünen Butzenscheiben der Kneipe, rinnt am Holz der geschlossenen Eingangstür herab, verschwindet zwischen den metallenen Streben des Schuhabstreifers vor der Tür in die Tiefe.
Im Inneren des Lokals sammelt sich stickig feuchte Luft. Der dämmrige Raum ist angefüllt mit dem Summen von Stimmen, mal schwächer, mal stärker. Zwischendurch Auflachen.
Von den Lampen fällt fahl-gelblicher Lichtschein auf das dunkle Holz des Tresens. Davor hocken zwei junge Männer dicht nebeneinander auf den Barhockern. Ihre Schultern berühren sich fast. Sie schweigen. Nun schon seit fünf Minuten. Nachdem sie einen kurzen Smalltalk über das Wetter geführt haben.
Katina, die Servicekraft hinter dem Tresen, schaut immer wieder beunruhigt von ihrer Arbeit auf. Die Namen der beiden kennt sie schon: Paul und Fabian. Sie sitzen immer am Donnerstagabend, wenn sie Dienst hat, hier vor ihr. Machen einen netten Eindruck. Könnten Mitte zwanzig sein. Beide ziemlich groß, Paul schätzt sie auf fast zwei Meter, er zieht vorsichtshalber immer den Kopf ein, wenn er die Kneipe betritt.
Aber irgendetwas stimmt heute nicht mit den beiden.
Jetzt wandert Fabians Blick hoch zum Fernseher über dem Regal mit den Gläsern. Hamburg TV. Im Bild: wütende Demonstranten. Am unteren Rand läuft ein Ticker, der den aktuellen Stand des Demozuges angibt. Zum Glück ist der Ton ausgeschaltet.
Fabian wendet seinen Kopf, sieht seinen Freund an. Zeigt zum Fernseher. »In einer dreiviertel Stunde sollten wir los, um nicht in die Demos zu geraten.«
Er hebt sein leeres Bierglas Katina entgegen, lächelt sie an. Sie ist süß, denkt er. Lange blonde, leicht gewellte Haare, die sie mit einem schwarzen Zopfgummi zurückhält.
»He, was ist los mit dir?«, versucht er wieder ein Gespräch mit seinem Freund. Irgendetwas beschäftigt den, über das er nicht reden will, aber das wird Fabian noch ändern. Schließlich ist er sein bester Freund. Sagt Paul wenigstens immer.
Der Angesprochene starrt weiter trübsinnig vor sich hin. Die Hände um sein Bierglas gelegt. Seine Finger fahren auf dem nassen Glas entlang. Verwischen die Spuren. Seine Augen sind auf die Wassertropfen gerichtet. Wandern jetzt langsam zum Tisch hinter dem Tresen. Wo Katina gerade unter dem Bierhahn das bestellte Glas füllt.»He!« Fabian stößt seinen Freund an.
Paul schrickt zusammen, fällt fast vom Barhocker. Setzt sich wieder aufrecht hin. »Lass das. Ist alles vorbei.«
»Wie, was, alles vorbei?«
»Die Recherche. Kann ich vergessen. Die Tochter des Ministers hat ihrem Freund den Laufpass gegeben. Keine Hochzeit, keine Verbindung, keine Staatsaffäre«, er spuckt das letzte Wort regelrecht in die Luft.
Nimmt Augenkontakt mit Katina auf, weist mit dem Finger auf sein Glas. »Westergard war nicht gerade begeistert.«
»Hm.«
»Das ist alles, was du dazu sagen kannst?« Paul erhebt sich, stößt fast den Barhocker um.
»Hallo, du kannst doch jetzt nicht einfach ...«
»Muss aufs Klo.« Er verschwindet im Gang hinter dem Tresen.
»Sag mal«, Katina stellt das frisch gezapfte Getränk vor Fabian und beginnt, ein neues Glas zu füllen, »ist dein Freund Journalist?«
Fabian nickt, schaut auf. »Warum interessiert dich das?«
»Ach«, sie wischt eifrig auf der Arbeitsplatte herum, »nur so. Hab euer Gespräch mitbekommen. Man weiß ja nie, wozu Informationen gut sind.« Sie hebt ihren Kopf, lächelt Fabian einen kurzen Moment spitzbübisch an, senkt den Blick dann wieder nachdenklich auf das Tuch in ihrer Hand.
Sie denkt an den eigenartigen Besucher im Labor, vor zwei Wochen. Den dicklichen Mann mit der schwarzen Hornbrille, den ihr Stiefvater nicht vorgestellt hat.
Paul kommt zurück, lässt sich noch einmal auf seinen Sitz vor dem Tresen plumpsen. »So, jetzt trink ich aus und dann verkriech ich mich zu Hause.«
Katina zuckt mit den Schultern. Das neue Bier wird sie sicher gleich bei irgendwem im Raum los.
»Wenn du meinst. Aber, eh, du stehst doch erst am Anfang. Und deine letzte Recherche über den Kunstskandal war doch topp! Schon vergessen?«, Fabian schaut seinen Freund aufmunternd von der Seite an, »Kopf hoch!«
»Also, mit sechsundzwanzig stehe ich wirklich nicht mehr am Anfang«, faucht Paul. »Ich möchte zahlen«, wendet er sich brüsk an Katina und greift in seine Hosentasche, um das Portemonnaie herauszuziehen.
»Lass mal, das mach ich heute«, Fabian hält seinen Freund zurück.
»Danke.«
»Vergiss deinen Schirm nicht!«, ruft er Paul hinterher.
Die Kneipentür schließt sich mit lautem Knall.
»Und du? Bist du auch Journalist?«, fragt Katina.
»Nein, bin in der IT-Branche.«
»Hacken und so?«
»Also hör mal«, Fabian schüttelt vehement seinen Kopf, »ich bin ein redlicher Mann!« Ein Grinsen stiehlt sich auf sein Gesicht.
Katina lächelt.
»Und du? Was machst du so?«, fragt Fabian, »du bist doch nicht immer hier, oder?«
»Nein, nur donnerstags und samstags. Hab ein freiwilliges soziales Jahr im Kindergarten gemacht und bin jetzt ...«, Katina stellt mit einem Seufzer das gefüllte Glas neben dem Hahn ab, »als Praktikantin bei meinem Stiefvater im medizinischen Labor in Eppendorf.«
»Stell ich mir interessant vor.«
»Aber nur, wenn es dich wirklich interessiert.«
»Und warum machst du das trotzdem?«
»Ich weiß noch nicht so recht, wohin die Reise geht.«
Fabian hebt sein Glas. »Na, denn mal prost und auf eine gute Reise.«
Katina nickt nachdenklich.
2 Hamburg – Villa in der Hochallee
20.00 Uhr
»Ich habe wichtige Neuigkeiten!«
Die Hände in die Hüften gestemmt, steht Hajo Schreier vor dem gedeckten Esstisch in der restaurierten Reihenvilla und schaut unruhig hin und her. »Wo steckt denn Katina wieder?« Seine Stimme hat einen ärgerlichen Unterton angenommen.
»Setz dich erst mal hin.« Angela Färber-Schreier, Katinas Mutter und seit dreizehn Jahren Schreiers Ehefrau, hebt ihren Stuhl – einen Freischwingerstuhl von Thonet, wie ihr Mann immer stolz vor Besuchern betont, - unter dem Tisch hervor und lässt sich darauf fallen. Sie ist des ewigen Streits müde. Dass seine Stieftochter Katina mit ihren zwanzig Jahren auch eigene Wege geht, will nicht in seinen Kopf.
»Sie arbeitet doch heute in der Kneipe«, Dafne, die zwölfjährige gemeinsame Tochter, betont das Wort »Kneipe«, als wäre das etwas Anrüchiges. Sie sitzt schon gegenüber ihrer Mutter auf dem Platz neben ihrem Vater.
»Ja, ja«, Schreier lässt die Hände sinken, zieht den Stuhl schabend über den Parkettfußboden und setzt sich an den Glastisch. »Da müssen neue Filzgleiter drunter«, weist er seine Frau an, während er seiner jungen Tochter gleichzeitig etwas gequält zulächelt.
Er schiebt den silbernen Leuchter mit der brennenden Kerze energisch zur Seite. Bei der heftigen Bewegung tropft etwas Wachs auf den Glastisch. Wozu dieser Firlefanz gut sein soll, noch dazu im Sommer, ist ihm schleierhaft.
Angela Färber-Schreier hebt den Kopf, schüttelt ihn kurz und greift dann nach der Schüssel mit den Kartoffeln.
»Warum sie auch noch in einer Kneipe arbeitet, weiß ich nicht. Sie bekommt doch schon Geld für ihr Praktikum in meinem Labor!«, tönt Professor Schreier weiter.
»Na ja«, Katinas Mutter weiß, dass sie sich jetzt auf gefährlichem Terrain befindet, »die Welt ist das ja nicht. Und sie möchte eben selbständig sein.« Sie reicht ihrem Mann über den Tisch weg die Kartoffeln.
»Selbständig wäre sie, wenn sie nicht mehr hier im Haus wohnen würde.« Er will die Schüssel abstellen, bemerkt die ausgestreckten Hände seiner Tochter neben sich und tut ihr ein paar Kartoffeln auf.
Dafne runzelt die Stirn. Für wie alt hält er sie eigentlich? Als könne sie sich nicht selber nehmen! Doch in dieser Stimmung ihres Vaters ist es besser, den Mund zu halten.
Am liebsten würde Angela Färber-Schreier jetzt aufstehen und den Raum verlassen. Ihr ist der Appetit vergangen. Dass er ihre Tochter, die sie mit in die Ehe gebracht hat, schon lange als störend empfindet, ist ihr nicht neu. Obwohl es zu Beginn ihrer Beziehung ganz anders war, da hat er sich wie ihr leiblicher Vater verhalten. Gemeinsam haben sie mit Begeisterung die Reihenvilla von neunzehnhundertfünf in der hochherrschaftlichen Hochallee restaurieren lassen, ihr gemeinsames Heim. Nach der Geburt seiner eigenen Tochter jedoch hat sich langsam, aber sicher alles geändert.
»Also, was ich euch erzählen wollte ...«, Schreier nimmt sich ein großes Stück Fleisch, häuft dann Rotkohl daneben auf und gießt sich Soße darüber.
Jetzt greift auch Angela Färber-Schreier zu und nimmt sich eine kleine Menge von allem. Unterdrückt ihren Ärger, aus Rücksicht auf Dafne.
»Ich werde ab Montag«, er hebt zum Unterstreichen seiner Worte das Messer in die Luft, »in einem Labor außerhalb arbeiten.«
»Müssen wir umziehen?«, fragt Dafne erschrocken.
»Nein, nein, ich muss nur in der Woche woanders wohnen.«
Seine Frau hebt den Kopf.
»Dann sehe ich dich also nur am Wochenende«, stellt Dafne fest und zerdrückt heftiger als sonst die Kartoffeln.
»Ja, und dann können wir ganz viel ...«
»Und was ist daran so wichtig?«, unterbricht ihn seine Frau, bevor er Dafne noch Versprechungen macht, die er nicht einhält.
»Wieso?«
»Du hast gesagt, du hättest wichtige Neuigkeiten.«
»Ach so, ja. Nun. Ich werde viel mehr Geld verdienen.« Ein Strahlen überzieht sein Gesicht.
Vor drei Monaten hat er sich in Berlin mit seinem neuen Geldgeber getroffen. Im Büro der Staatssekretärin Dr. Auerbach vom Gesundheitsministerium. »Well, damit ist alles klar. Die Unterlagen bekommen Sie next week, das Ausgangsmaterial kommt im Juni«, hat Mr. Walker gesagt und ihm die Hand geschüttelt. »Auf eine gute teamwork.«
Der einzige Wermutstropfen besteht für ihn darin, dass dieser Vertrag durch die Vermittlung seines Schwiegervaters zustande gekommen ist. Wie gern hätte er sich selber bewiesen, dass er auch ohne Vitamin B erfolgreich sein kann!
Seine Frau lässt ihre Gabel sinken, starrt ihn an. »Und das weißt du erst heute?«
Prof. Dr. Hajo Schreier schluckt. Nun nur nichts Falsches sagen. »Das ist, also ... geheim.«
»Geheim.« Nachdenklich schaut seine Frau ihn an.
Dann wandert ihr Blick durch die große Glasschiebetür hinaus in den abendlichen Garten.
