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Ist es nur ein Stimmungstief oder bin ich depressiv? Die Medien sind voll von Berichten zu prominenten depressiven Patienten und den gravierenden Folgen der Krankheit. Das rüttelt auf, schürt aber auch die Angst davor, selbst gefährdet zu sein oder Symptome bei Angehörigen zu übersehen. In diesem Buch werden Ansätze zur Diagnose und Therapie vorgestellt. Dabei rückt besonders das Alter der Betroffenen in den Fokus: Ob Kindergartenkind, Jugendlicher oder Rentner, eine Depression kann jeden treffen. Aus dem Inhalt: Depressionen klassifizieren und diagnostizieren, Symptome einer Depression, Erscheinungsformen, Erklärungsansätze, Therapiemöglichkeiten, Präventionsmaßnahmen, Ursachen einer Depression, Depressionen im Kindergartenalter, Therapieansätze bei Kindern, Depression im Jugendalter, Depression im Alter.
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Seitenzahl: 89
Veröffentlichungsjahr: 2013
Depressionen fragen nicht nach dem Alter!
Kerry Herrmann (2004): Major Depression
Einleitung
Was ist Depression
Erscheinungsformen
Erklärungsansätze
Behandlungsmethoden/Therapiemöglichkeiten
Prävention
Sozialpädagogisches Handeln in Bezug auf Depressionen
Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis
Roswitha Seeber (2008): Depressionen im Kindergarten- und Grundschulalter
Vorwort
Einleitung
Was ist eine Depression?
Die Symptome einer Depression
Die besondere Ausprägung der Symptome in der Kindheit
Die Ursachen einer Depression im Kindesalter
Depressionen im Kindergarten und in der Grundschule
Therapiemöglichkeiten für depressive Kinder
Nachwort
Literaturverzeichnis
Frauke Just (2003): Depression bei Kindern und Jugendlichen – Erscheinungsbild und Therapieformen
Einleitung mit kurzem historischem Rückblick
Was ist eine Depression?
Empirie
Die kognitive Verhaltenstherapie
Abschluss
Quellen
Ireen Saal, Heiko Böttcher (2005): Depression im höheren Lebensalter
Ursachen von Depressionen im Alter
Eine evolutionäre Deutung der Ursachen
Epidemiologie
Prognostische Faktoren
Depression im Alter
Die Behandlung der Depression
Literatur
In meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema Depression, im speziellen mit der Major Depression, auseinandersetzen.
In der letzten Zeit sind immer wieder Meldungen von der Erkrankung einiger berühmter Persönlichkeiten durch die Presse gegangen. Wie viel Unverständnis und Unkenntnis jedoch in Bezug auf diese Krankheit vorherrscht, zeigt ein Kommentar von Karsten Spengemann, RTL TV-Moderator, der sich wie folgt zu der Erkrankung des FC Bayern München Spielers Sebastian Deissler äußerte: „Es ist bedauerlich, dass man in unserer Gesellschaft, in der man doch eigentlich alles hat, noch an Depressionen erkrankt.“
Depression wird immer noch leichtfertig als ein „Nicht wollen“ abgetan. Dass es sich bei den Betroffenen aber um ein „Nicht können“ handelt und dass ihre Untätigkeit keineswegs auf Unlust oder gar Faulheit beruht, ist vielen Gesunden nicht klar.
Es herrscht also noch viel Aufklärungsbedarf, damit Depression von allen – den Betroffenen selbst, deren Angehörigen und auch von Ärzten – als diese erkannt und behandelt werden kann.
Ich habe mir dieses Thema ausgesucht, weil ich vor ca. 3 Jahren selbst unter Depressionen litt und nur durch Zufall im Internet erkannte, dass es eine „richtige Krankheit“ und nicht meine eigene Schuld ist, warum es mir so schlecht ging, ich zu nichts Lust und an nichts im Leben mehr Spaß hatte.
Bei Jaeggi, Rohner und Wiedemann, S.356 habe ich eine Definition gefunden, die stichpunktartig die wesentlichen Merkmale der Depression auf den Punkt bringt:
„Depression ist ein Sammelbegriff für eine Anzahl komplexer Störungsbilder mit Symptomen auf unterschiedlichen Ebenen:
1. emotional
2. kognitiv
3. motorisch
4. motivational
5. vegetativ
Unterteilen lassen sie sich nach verschiedenen Dimensionen:
1. Ätiologie (somatische, endogene, psychogene Depression)
2. Schweregrad (neurotische vs. psychotische Depression)
3. Alter
4. Verlauf (unipolare versus bipolare Depression)
5. Umweltereignisse (Erschöpfungsdepression, Entlastungsdepression)“
Die Depression gehört zu den affektiven Störungen, also zu den Störungen der Stimmungslage, die den Betroffenen in allen Lebensbereichen stark beeinträchtigen. Man unterscheidet hier zwei Klassen. Zum einen die Major Depression bzw. die depressive Episode (unipolare Störung) und die bipolare affektive Störung. Hierbei treten Symptome der Manie und der Depression abwechselnd auf.
Ich beschäftige mich aber nur mit der Major Depression und diese zählt weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.
Bei Depression handelt es sich um eine rezidivierende Störung, das heißt, etwa 80 % derjenigen, die einmal daran erkranken, erleiden weitere Episoden (im Durchschnitt vier mit einer Dauer von drei bis fünf Monaten). Bei 12% der Fälle wird die Depression, dauert sie länger als zwei Jahre, zu einer chronischen Störung (Davison – Neale, S. 306)
Jeder von uns kennt Phasen, in denen er aufgrund von negativen Ereignissen im Leben traurig oder erschöpft ist. Der Verlust eines geliebten Menschen, des Arbeitsplatzes oder andere private Krisen und Enttäuschungen wirken sich auf unsere Seele aus und wir erleben Mutlosigkeit und Stimmungstiefs. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine Depression handeln, es ist eher eine normale Reaktion unserer Psyche auf negative Lebensumstände. Die Niedergeschlagenheit ist allerdings an diese negativen Erlebnisse gekoppelt. Lassen Verlustschmerz oder Überbelastung nach, hellt sich auch die Stimmung wieder auf.
Anders bei Depressionen. Hier tritt auch bei positiven Erlebnissen keine Besserung der Stimmung ein, man spricht auch von „Trauer ohne Grund“. Depressionen treten oft auch ohne äußere negative Ereignisse auf.
Der Betroffene kann sich nicht mehr aus eigener Kraft von dieser Niedergeschlagenheit befreien. Und das ist auch das Heimtückische an dieser Krankheit: Der Depressive muss an sich arbeiten und braucht Kraft, um die Krankheit überwinden zu können, doch eben diese wird ihm durch die Krankheit genommen.
Das Destruktivste an einer Depression ist die Unfähigkeit, sich irgendeinen anderen Zustand ausmalen zu können. (Degner, S. 32)
Depression ist also eine behandlungsbedürftige, psychiatrische Erkrankung, die sich unbehandelt über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann. (Forum für seelische Gesundheit, S. 14f) Man kann also in keiner Weise von gesteigerter Traurigkeit reden, denn depressive Menschen unterscheiden sich von niedergeschlagenen oder trauernden dadurch, dass sie nicht mehr trauern, weinen und sich über nichts mehr freuen können. Sie scheinen von jeglicher Emotion abgeschnitten zu sein. Hoffnungslosigkeit, Selbstvorwürfe und Zweifel an einer zukünftigen Verbesserung des eigenen Zustandes bestimmen die Gedanken des Depressiven.
Wenn man die Ursachen einer Krankheit feststellen und eine geeignete Therapie finden will, muss man zuerst die richtige Diagnose stellen. Das heißt, man muss die verschiedenen Störungen und Symptome zuerst klassifizieren und einordnen, um genau zu erkennen, welche Krankheit vorliegt. Dies ist notwendig, um Fehlbehandlungen (falsche Psychotherapie oder sogar Einsatz der falschen Psychopharmaka) zu verhindern.
Die Klassifizierung psychischer Störungen ist aber nicht immer leicht. Im Laufe der Forschung haben sich verschiedene Systeme entwickelt, die das erleichtern. Die bedeutendsten zwei sind:
Das Besondere an diesem Klassifikationssystem ist, dass der Patient multiaxial, genauer gesagt auf fünf Achsen bewertet wird. Dieses Verfahren erlaubt, einen Schluss zu ziehen, woher die Depression kommt, ob sie medizinische, psychosoziale oder andere Ursachen hat.
Der Mensch wird also von mehreren Seiten betrachtet, auf die ich nun kurz eingehen werde. Die fünf Achsen sind also:
1. alle psychischen Störungen mit Ausnahme von Persönlichkeitsstörungen und geistiger Behinderung.
2. Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderung
3. Medizinische Krankheitsfaktoren (die mit der psychischen Störung in Zusammenhang stehen – wichtig z.B. bei der Verschreibung von Psychopharmaka, die evtl. andere körperliche Leiden verschlechtern)
4. Psychosoziale und umgebungsbedingte Probleme (Probleme am Arbeitsplatz, wirtschaftliche oder zwischenmenschliche Probleme)
5. Globale Beurteilung des Funktionsniveaus (Beurteilung der sozialen Beziehung, des beruflichen Bereichs und des Freizeitverhaltens)
Auf der I. und II. Achse werden also die psychischen Störungen im speziellen diagnostiziert.
ICD-10 ist die zehnte Version des International Classification of Diseases, ein alle Krankheiten umfassendes Diagnosesystem. Im V. Kapitel sind hier die psychischen Störungen definiert. Im Unterschied zum DSM IV verlangt es keine multiaxiale Beurteilung des Patienten. Die über 300 psychopathologischen Kategorien sind in zehn Abschnitte mit weiteren Unterteilungen gegliedert.
Die Diagnosen der Krankheiten sind durch einen Buchstaben und zwei Nummern kodiert. Im Fall von Depression wäre die Kodierung F 30 bis F 39, dies ist die Gruppe der affektiven Störungen, wozu auch die Depression zählt. Die Nummern können durch zwei weitere Punkte zusätzlich untergliedert werden, was dann wie folgt aussehen würde: F 10.25 (Davison/Neale, S. 66 f)
In der Diagnostik psychischer Krankheiten haben sich die beiden wichtigsten Systeme im Laufe der Jahre weitgehend angeglichen. In beiden werden z.B. die unterschiedlichen Schwere- und Ausprägungsgrade und bestimmte Verlaufscharakteristika der Depression kodiert. (Rahn/Mahnkopf, S. 311)
Depressive Syndrome gehören also zu den häufigsten seelischen Erkrankungen überhaupt und kommen in allen gesellschaftlichen Schichten vor, in Industrienationen genauso wie in Entwicklungsländern. Es wurde allerdings beobachtet, dass sie öfter in sozialen Unterschichten sowie im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die Erkrankungshäufigkeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Das kann zum einen an besseren Diagnoseverfahren liegen, andererseits kann besonders bei Männern die Erkrankung leichter erkannt werden, weil sie offener über emotionale Probleme reden. Und trotzdem ist die Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher, da viele Betroffene nur ihre physischen Beschwerden behandeln lassen, die Ursache Depression aber selbst von Ärzten nicht immer erkannt wird. (Stange, S. 28f)
Depressionen setzten typischer Weise mit Mitte bis Ende 20 ein. Die Tatsache, dass das Alter, in dem die Depression auftritt, gesunken ist, könnte an den sozialen Veränderungen liegen. Junge Menschen sind vor eine Vielzahl neuer Probleme und Herausforderungen gestellt – negative Zukunftsperspektiven, Ausbildungsplatzmangel, dazu kommt, dass meist unterstützende familiäre Strukturen fehlen. Familie und Gesellschaft bieten oft keinen Halt und keine Sicherheit mehr, traditionelle Werte und Normen fallen weg.
Frauen sind zwei- bis dreimal so oft betroffen, wie Männer. (Davison – Neale, S. 306)
Die Angaben über die Morbidität schwanken. So liegen sie bei der Major Depression zwischen 4-19 %. (Rahn/Mahnkopf, S. 312)
Um Depressionen leichter erkennen zu können, wurde ein Fragenkatalog zusammengestellt, durch den es gelingt, die Schwere der Erkrankung erkennen und entsprechende Therapiemöglichkeiten entwickeln zu können.
So müssen laut Davison und Neale bei der Major Depression fünf der folgenden Symptome über mindestens zwei Wochen vorhanden sein:
- depressive Verstimmung an fast allen Tagen, die meiste Zeit des Tage
- deutlich vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten
- Schlaflosigkeit, Einschlafschwierigkeiten
- Veränderung des Aktivitätsniveaus, entweder Verlangsamung oder Unruhe
- Verminderter Appetit und Gewichtsverlust oder gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme
- Energieverlust, große Müdigkeit
- Negatives Selbstbild, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, Gefühl der Wertlosigkeit
- Verminderte Konzentrationsfähigkeit, verminderte Fähigkeit zu denken oder verringerte Entscheidungsfähigkeit
- Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder Selbstmord
Hat man als behandelnder Arzt, als Patient oder auch als Angehöriger erst einmal den Verdacht, dass eine Depression vorliegt, so kann man es anhand von Fragenkatalogen näher einordnen. Doch bis sich dieser Verdacht ergibt, kann es einige Zeit dauern. Vor allem für unerfahrenen Patienten, bei denen die Depression zum ersten Mal auftritt, ist es nicht immer leicht, sie als solche zu diagnostizieren. Denn zu Beginn zeigen sich oft physische Merkmale der Krankheit und man kann von Schlafstörungen oder Kopfschmerzen nicht direkt auf eine psychische Krankheit schließen. Andere körperliche Symptome können sein:
- Appetitstörungen
- Engegefühl im Brustkorb, Atemnot, Druck auf der Brust
- Augen: Lichtempfindlichkeit, Augenbrennen, Entzündung der vorderen Augenabschnitte
- Hals-Nasen-Ohrenbereich: Kloß- oder Würgegefühl im Hals, Ohrengeräusche, Geräuschüberempfindlichkeit
- Kreislaufstörungen: Schwindel, Flimmern vor den Augen
- Rücken- und Nackenschmerzen
- Sexualität: zunehmendes Desinteresse, Schmerzen, Libido- oder Potenzstörungen
Dies sind nur einige Beispiele, welche körperlichen Auswirkungen eine Depression haben kann. Natürlich treten nicht immer alle Symptome gleichzeitig auf. Jedoch kommen zu diesen noch die seelischen Beschwerden, unter denen die Betroffenen meist noch mehr leiden. Einige dieser psychischen Symptome sind laut Prof. Dr. Stange:
- Angstzustände: Gefühl, allein zu sein, nicht geliebt zu werden oder unerwünscht zu sein, Phobien, Panikattacken
- Beziehungsstörungen: mit dem Nachlassen der Erlebnisfähigkeit kommt auch oft ein emotionaler Rückzug von einst geliebten Menschen, Distanz zur Umwelt ist die Folge
- Empfindlichkeit: übersensibel, leicht verletzbar, vorwurfsvoll, Gefühl, nicht verstanden zu werden
- Energielosigkeit: kein Antrieb, Dinge zu tun, kraftlos, müde, schwach, apathisch, passiv
- Freudlosigkeit: lustlos, teilnahmslos, empfindungslos, emotionale Reaktion ist nicht möglich
