Der 13. Brief - Lucie Klassen - E-Book

Der 13. Brief E-Book

Lucie Klassen

4,6

  • Herausgeber: GRAFIT
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2011
Beschreibung

Ein Studienplatz in Bielefeld, ein nettes Apartment und eine Karriere als Juristin - Papi sorgt für alles. Doch Lila Ziegler will sich nicht länger vorschreiben lassen, was sie tun soll. Statt dem Wunsch ihrer Eltern zu entsprechen, taucht sie in Bochum unter. Ein Zufall führt sie in eine echte Männerwirtschaft: Im Parterre betreibt Molle eine Kneipe und unterm Dach Ben Danner eine Detektei. Eigentlich gewährt Danner Lila nur einen Platz zum Schlafen, doch die neugierige Lila entdeckt schnell, dass sie ihm helfen kann. Denn der Privatdetektiv ermittelt gerade die Hintergründe des Selbstmordes einer 16-jährigen Schülerin und steckt in einer Sackgasse. Unversehens findet sich Lila auf der Schulbank wieder... Frech, spannend, hintergründig - Lila wirbelt eine Männerwirtschaft auf und ihre Schöpferin Lucie Klassen (jetzt: Lucie Flebbe) die deutsche Krimiszene. :Debüt-Glauser-Preis9 2009

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Seitenzahl: 421

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Copyright © 2010 by GRAFIT Verlag GmbH Chemnitzer Str. 31, D-44139 Dortmund Internet: http://www.grafit.de E-Mail: [email protected] Alle Rechte vorbehalten. eBook-Produktion: CPI – Clausen & Bosse, Leck eISBN 978-3-89425-840-5

Die Autorin

Lucie Klassen kam 1977 in Hameln zur Welt. Sie machte eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und lebt in Bad Pyrmont.

Schon mit vierzehn Jahren verfasste sie ihren ersten belletristischen Text: Red Light – Die Geschichte eines Rennpferdes (erschienen in dem spanischen Verlag alhulia).

Neben dem Beruf sorgt eine Tochter dafür, dass sie oft erst zur Geisterstunde zum Schreiben kommt.

1.

Mein Name ist Lila.

Ich bin zwanzig Jahre alt, habe mein Abi in der Tasche und bin auf dem Weg nach Bielefeld, um dort mein Jurastudium zu beginnen.

Wenn ich fünf Jahre Paragrafenbüffelei hinter mir habe, liegt ein Traum von einer Zukunft als Anwältin vor mir. Ich werde blassrosa Kostümchen tragen – rosa genug, um aufzufallen, und blass genug, um kein öffentliches Ärgernis zu erregen. Meine Pumps werden zum Kostümchen passen und mein Lippenstift zu den Pumps. Die Haare werde ich zu einem strengen, blonden Pferdeschwanz zusammenbinden und alle männlichen Kollegen werden davon träumen, wie ich ihn öffne und meine Mähne sexy über meine Schultern schüttele (was natürlich nie passieren wird). Und ich werde eine Brille tragen, obwohl ich keine brauche, weil Blondinen in rosa Kostümen ohne Brille dämlich wirken. Ich werde immer ein Handy am Ohr haben und eins in Reserve in meiner Dreihundert-Euro-Echtleder-Handtasche von Prada. Selbstverständlich werde ich Cabrio fahren – oder zumindest einen absolut unpraktischen Zweisitzer.

Und meine Eltern werden platzen vor Stolz!

Wie gesagt, ein Traum von einer Zukunft.

Nur leider nicht mein eigener! Ich selbst spürte einen ausgeprägten Brechreiz, wenn ich mir das vorstellte. Ich hatte noch nie ein Kostüm angehabt, egal in welcher Farbe. Und passende Pumps erst recht nicht.

Tatsächlich war ich so ziemlich das genaue Gegenteil einer karrieregeilen Anwältin. Das Einzige, was ich jemals in Blassrosa tragen würde, waren meine Haare. Ich liebte Wollpullis, die mir bis an die Knie reichten, und meine Jeans waren mit bunten Handabdrücken verziert. Handtäschchen fand ich lächerlich und Echtleder war gegen meine Überzeugung.

Die Schule hatte ich in den letzten drei Jahren so oft geschwänzt, dass die Religionslehrerin meinen Namen im Klassenbuch für einen Druckfehler gehalten hatte. Ich las die EMMA, protestierte schon mal vor dem Zoo Hannover für die Freiheit der Meerschweinchen und hatte in einer eigenwilligen Interpretation unserer Theater-AG Aschenputtel oben ohne gespielt.

Und das Allerletzte, was ich mir wünschte, war, dass meine Eltern stolz auf mich sein konnten!

Ich hatte noch nie auf meine Eltern gehört – wieso fing ich ausgerechnet heute damit an?

Landschaft tauchte hinter dem Fenster des Zuges auf, sauste vorbei und war wieder verschwunden, bevor ich hingesehen hatte. An meiner Stirn spürte ich das Zittern der Scheibe, an der mein Kopf lehnte, und das Dröhnen der Räder auf den Schienen summte in meinen Ohren.

In meiner geballten Faust hielt ich noch immer den Zettel. Zornig knüllte ich das Papier fester zusammen, meine Fingernägel bohrten sich so schmerzhaft in meine Handfläche, dass sie möglicherweise blutete.

Aber ich hörte nicht auf.

Meine Wut brodelte kochend heiß vor sich hin. Ich musste sie an irgendetwas auslassen, und wenn es nur dieser Fetzen Papier war.

Zugegeben, dieses Mal hatte mich mein Vater verblüfft. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, mit meinem nicht gerade brillanten Abischnitt von 2,9 und der Extrarunde, die ich in der elften Klasse gedreht hatte, ohne Wartezeit studieren zu können.

Um ehrlich zu sein, hatte ich es auch nicht vorgehabt.

Doch vor zwei Wochen hatte mein Vater ohne Vorwarnung verkündet, ich hätte einen Studienplatz in Bielefeld bekommen. Jemand sei kurz nach Semesterbeginn abgesprungen und ich könne nachrutschen.

Das hatte mich wirklich erstaunt, denn ich hatte mich nicht mal auf die Warteliste setzen lassen. Doch das hatte offensichtlich mein Vater für mich erledigt.

»Und was studiere ich?«, erkundigte ich mich.

Meine Eltern sahen mich so verständnislos an, als hätte ich gefragt, wie man sich nach dem Kacken den Arsch abwischt.

»Jura natürlich, Schätzchen!«

Natürlich.

Doch das war noch nicht alles! Zusammen mit der Einschreibung hatten sie mir auch gleich den Mietvertrag für eine Zwei-Zimmer-Bude in der besseren Gegend nahe der Uni und die Zugfahrkarte für den ICE in die Hand gedrückt.

Kein Problem für den Herrn Oberstaatsanwalt! Ein Anruf genügte und schon hatte sein missratenes Töchterchen Studienplatz und Wohnung. Scheißegal, wie grottenschlecht mein Abi war.

Ich knirschte vor Wut mit den Zähnen.

Die Oma, die mir gegenübersaß, warf mir einen strengen Blick über den Goldrand ihrer Brille zu. Ihre toupierte Dauerwelle leuchtete in dem gleichen hellen Lila wie meine aus Überzeugung ungekämmten Haare.

Allein das hätte doch ein bisschen Frauensolidarität aufkommen lassen können.

Denkste.

Ohne Zweifel gehörte sie zu der Sorte alter Tanten, die kreative Frisuren, moderne Musik und spielende Kinder so erfreulich fanden wie ein mittelgroßes Hühnerauge.

Ein vorbeiwatschelnder Zweijähriger lenkte den Unmut der Oma von meinen Haaren ab, indem er ein altes Kaugummipapier vom Boden aufhob und sorgfältig in der winzigen Kapuze seiner Jacke verstaute.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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