Der Ausgleich - Justin Lehmann-Koch - E-Book

Der Ausgleich E-Book

Justin Lehmann-Koch

0,0
0,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Der Ausgleich: Ein alternder Schriftsteller entdeckt eine außergewöhnliche Spinne in seinem Zimmer. Da sie aber zwischen der Doppelverglasung seines Fensters eingesperrt ist, kann er sie nicht entfernen. Komisch, dass sie da drin überhaupt überleben kann. Aber das ist nicht das einzige Seltsame an dem Insekt ... Samson: Die Studentin Nicole ist mit ihrem besten Freund verabredet. Nach dem letzten Seminar nimmt sie den Weg durch die langen Kellerflure der Universität. Der Weg ist ohnehin unheimlich, doch plötzlich hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden. Aus der unbestimmten Angst wird Gewissheit: Nicole muss sich dem schlimmsten Albtraum ihrer Kindheit stellen. Inhalt: Horror, Psycho, Grusel, Spinnen, Angst, Krankenhaus, Universität, Verfolgungsjagd

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 47

Veröffentlichungsjahr: 2014

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Der Ausgleich

Noch nie in meinem Leben war ich krank. Also ich meine wirklich krank. Ich musste noch nie ins Krankenhaus. Darüber konnte ich bislang froh sein. Aber ich denke mittlerweile auch, dass nichts im Leben ohne Ausgleich bleibt. Und bezahlt wird ja bekanntlich überall. Ja, Sie haben es erraten. Ich liege mit meinen knapp zweiundvierzig Jahren zum ersten Mal in einem Hospital. Und unter uns, ich habe nicht viel Hoffnung, dass ich je wieder hier raus kommen werde. Jedenfalls nicht lebendig. Das ist wohl der Preis für mein bis dato unbeschattetes Leben. Entschuldigen Sie, wenn ich lache, aber so ist es. Als Kind war ich nicht ein einziges Mal ernsthaft krank, was doch schon fast an ein Wunder grenzt, oder? Natürlich hier und da eine Schramme, aber nichts Ernstes, was die Hilfe eines Arztes bedurft hätte. Nur täuschen Sie sich nicht, ich war nie das brave Kind. Ich denke, dass meine Jugend wirklich gänzlich normal verlaufen ist. Ich habe gerauft, Fußball gespielt und alles Mögliche und Unmögliche beklettert. Die Knochenbrüche meiner damaligen Spielkameraden würden ganze Bücher füllen. Mich nannten sie nur ‚Eisenmann’. Ich tat mir nie etwas. Auch nicht, als ich es eines Tages nicht mehr aushielt, immer nur stark zu sein, immer derjenige zu sein, dessen Mutproben nichts wert waren, weil ich mir ja schließlich eh nichts tun konnte. Ich wollte damals zeigen, dass ich auch Mut brauchte, um von einem hohen Baum zu springen, was bei zweien meiner Freunde damals für komplizierte Brüche gesorgt hatte. Ich wollte ebenfalls für meine halsbrecherischen Aktionen anerkannt werden. Doch auch als ich es wirklich darauf anlegte musste ich nie ins Krankenhaus. Mich konnte niemand besuchen, weil ich mit einem gebrochenen Bein Schonung brauchte. Nein, bei mir hieß es immer: „Thorsten? Auch, der tut sich nie was, der ist doch unser Eisenmann.“

Wundern Sie sich bitte nicht, wenn ich ein wenig in Erinnerungen schwelge. Ich liebe die Bilder aus meiner Jugend, jetzt, da sich der Ausgleich auf mich gestürzt hat und ich nach dem Pfleger klingeln muss, nur um aufs Klo zu gehen. Für alles muss ich erst klingeln. Das ist auf eine Art wirklich eine Erlösung. Endlich kümmert sich jemand mal um mich, weil ich eben nicht immer der Kerngesunde bin. Aber glauben Sie mir, wenn Sie mich sehen könnten, dann würden sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich abwenden. Die Abzahlung meiner damaligen Gesundheit ist in der Tat äußerst hart ausgefallen. Es gibt Tage, an denen ich mich nur fragen kann, weshalb das Schicksal ausgerechnet mich ausgesucht hat. Oder weshalb ausgerechnet diese Art der Rückzahlung. Ich weiß natürlich, dass ich dankbar sein sollte für mein bisheriges Leben, das so unglaublich ungetrübt verlief. Aber um solche Gedanken kommt man nicht herum. Ja, ich wünschte, es hätte mich nicht so getroffen.

Allerdings möchte ich jetzt nicht in Selbstmitleid verfallen. Sie wollen meine Geschichte hören, deshalb sind Sie doch hier. Nehmen sie sich einen Stuhl. Ich muss mich nur kurz ein wenig kratzen. Wissen Sie, das Allerschlimmste sind die Verbände. Ich hatte so lange keine Berührung mit diesem Mullzeug, dass ich gar nicht wissen konnte, wie sehr es jucken kann, wenn der Kram erst mal eine Zeit auf der Haut liegt.