Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Baron Friedrich von Staufenstein begibt sich mit seinem Butler Magnus auf eine gefahrvolle Suche nach einem Seelenstein, hinter dem allerdings scheinbar auch eine Mumie aus uralter Zeit her zu sein scheint. In seinem zweiten Abenteuer begibt sich der Baron auf eine Suche nach einem Tonalamatl, eine Art Kalender der Maya. Unterstützt wird er hier wieder von seinem Diener Magnus und seiner Braut Dora.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Valentín des Èshe
DER BARON UND DER GLÜHENDE BACKSTEIN
&
DER BARON
UND DER MAYA-KALENDER
ROMANE
Aus der Reihe
Aether Gazette
Nummer 6
Impressum
Aether Gazette No. 6
Der Baron und der glühende Backstein
Der Baron und der Maya-Kalender
Steampunk Romane
© 2022 by Brainflower Media Studio, Berlin
Cover: Lora von Achtenburg
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 9783756834471
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
web: www.aethergazette.de
eMail: [email protected]
Willkommen zur sechsten Ausgabe der
Aether Gazette
Lieber Leser,
Pläne sind bekanntlich dazu da, über den Haufen geworfen zu werden. Und deswegen finden Sie hier, im sechsten Band der Heftromanreihe, zwei Geschichten eines anderen Autors vor.
Valentín des Èshe ist bereits lange vor seiner Geburt in die linksrheinische Provinz ausgewandert. Hier, in der ruhigen Atmosphäre einer kleinen Großstadt, geht er als Direktor eines Museums für allerlei Altertümlichkeiten, gemeinsam mit seiner Ehefrau, dem merkwürdigen Hobby nach, Überreste der Vergangenheit in all ihrer Form aufzuspüren.
Bei einer der seltenen Großbuchjagden in den weitläufigen Räumlichkeiten eines belgischen Antiquariats, stieß er dabei unverhofft auf eine zerfledderte braune Kladde, deren vom Zahn der Zeit dunkel gewordenen Seiten mit den Tagebucheinträgen Friedrich von Staufenstein gefüllt waren.
Manche der phantastischen Ereignisse aus dessen Leben, von denen im weiteren Fortgang berichtet werden wird, existierten nur in Form einiger Bruchstücke, andere waren weithin vollständig. Allen war jedoch die schreckliche, glyphenartige Handschrift gemein, die eine Transkription der Ereignisse Nachhaltig erschwerte.
Doch vom Wunsch beseelt, das Leben des lange in Vergessenheit geratenen Abenteurers in die Öffentlichkeit zu rücken, begab sich der Autor daran, die Geschichten zusammenzufügen. Mit der Geduld eines Historikers und der Akribie eines Bibliothekars recherchierte er umfangreich in den Geschichtsbüchern alternativer Realitäten, studierte Biographien fiktiver Persönlichkeiten und führte Interviews mit imaginären Experten. Dabei vermengte er gewissenhaft erwiesene Fakten mit stimmig wirkender Fiktion.
Herausgekommen sind diese ersten zwei Kurzgeschichten, die in dramatisierter Form, Ereignisse aus dem Leben des großen und doch so unbekannten preußischen Abenteurers Friedrich von Staufenstein zum Inhalt haben. Der Autor verspricht, sich weiter dem Ursprungsmanuskript zu widmen, um auch zukünftig wundersame und, beinahe reale, Geschichten aus diesem fast vergessenen Leben präsentieren zu können.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und freuen uns, wenn Sie auch bei der nächsten Ausgabe wieder dabei sind
Ihr
T. Thomas Tameson
Herausgeber und Inhaber der Aether Gazette.
Der Baron und der glühende Backstein
von Valentín des Èshe
»Magnus, wären Sie so freundlich, mir ein Brecheisen herunter zu reichen? Ich bin mir fast sicher, solch ein Instrument beim Betreten des Raumes hinter der Tür erblickt zu haben.«
Die Stimme des Barons klang ein wenig gedämpft aus dem Loch im Boden, das einen Großteil des Kellerraums vereinnahmte.
Der Angesprochene blickte sich suchend in dem niedrigen Gewölbe um. Gleichzeitig stemmte er sich weiterhin gegen das Hanfseil, das über einen an der Decke befestigten Stützbalken laufend, geradewegs in das Loch führte und an dessen anderem Ende der Baron kopfüber im Schacht hing.
Der Boden des Raumes bestand aus festgestampftem Lehm. Die ehemals verputzten Wände waren mit der Zeit grau geworden und großflächig mit schwarzem Schimmel bedeckt. Zwei blinde Fenster unter der Decke führten in Fußhöhe auf den Gehsteig hinaus.
Von draußen drang der Lärm der Straße zu ihnen hinein. Der einzige Ausgang des Raumes bestand aus einer windschiefen Holztür, neben der ein großer Haufen Kohlebriketts aufgestapelt war.
Und in der Tat: Auf der anderen Seite lag ein rostiges, knapp fünfzig Zentimeter langes Eisenrohr.
»Wenn Sie sich einen Augenblick gedulden mögen; ich werde mein Möglichstes tun, um Ihrem Wunsch unverzüglich gerecht zu werden.«, ächzte Magnus und schob sich, darauf achtend das Seil auf Spannung zu halten, der Tür entgegen.
»Lassen Sie sich ruhig Zeit. Ich hänge hier unten derweil ein wenig herum.«
Der Mann in der Uniform eines Leibdieners verzerrte sein Gesicht zu einer Grimasse.
Nur noch einen Meter. Jetzt! Mit einem Fuß angelte er das Stück Eisen zu sich heran und schob es mit einem energischen Tritt dem Loch entgegen. Schlitternd verschwand es in diesem. Die folgende Geräuschkulisse offenbarte dem Butler, dass sein Herr es erfolgreich gefangen hatte.
»Beim nächsten Mal wäre ein kleiner Hinweis zur rechten Zeit Gold wert. Finden Sie nicht auch, Magnus?«
»Natürlich, der Herr. Ich werde es mir zu Herzen nehmen«, keuchte der Butler.
Schwer atmend arbeitete er sich zu seinem ursprünglichen Platz am Rande der Grube zurück und lugte herunter. Vier Meter unter ihm hing der Baron kopfüber im Schacht und hantierte im Licht einer Ruhmkorfflampe mit der Brechstange an einer Art Verschlag herum.
»Herr! Ich hoffe, Sie haben nicht vergessen, dass Sie heute um 18 Uhr bei Professor Curius zum Aperitif eingeladen sind.«
Die Geräuschkulisse erstarb und machte dem Geräusch Platz, den ein nachdenkender, frei pendelnder Körper in einem engen Schacht zu tun pflegte.
»Bin ich das?«, schallte es fragend nach oben.
»Ja, Herr. Ich habe Ihnen die Einladung heute Morgen in die Außentasche des Gehrocks gesteckt und Sie zusätzlich während des Frühstücks darüber in Kenntnis gesetzt.«
Magnus Wollerlebens Blick glitt zum Stuhl, dem einzigen Möbelstück des Kellers, auf dem derzeit, akkurat zusammengelegt, der Gehrock des Barons neben dessen Zylinder ruhte. Der ebenholzfarbene Gehstock mit den silbernen Einlegearbeiten und dem Wappen der Staufensteins, stand in exakt ausgerichtetem Winkel daneben.
»Hatten Sie das?« Wieder das pendelnde Geräusch. »Nun, dann wollen wir den alten Jungen nicht allzu lange warten lassen, nicht wahr?«
Professor Doktor Ernst Curius, den Vorsitzenden der preußisch-archäologischen Gesellschaft zu Berlin als »alten Jungen« zu bezeichnen, war ein Vorrecht Baron Friedrich von Staufensteins, der, obgleich wesentlich jünger als Curius, in den letzten Jahren zu einer vielbeachteten Koryphäe in der Gesellschaft aufgestiegen war. Die beiden Männer verband trotz des Altersunterschiedes eine innige Freundschaft.
Ein letztes Geräusch von brechenden Brettern, dann hatte der Baron den Verschlag inmitten des Schachtes geöffnet. Mit der Ruhmkorfflampe beleuchtete er das Dahinterliegende.
»Wie ich es bereits vermutet hatte.«, konstatierte er nach kurzer Zeit. »Sie können mich wieder hochziehen, Magnus.«
Wortlos und mit zusammengekniffener Miene zog der Butler seinen Herrn Stück für Stück nach oben, bis dieser schließlich kopfüber wie eine Rinderhälfte im Raum pendelte. Eilig kam Magnus dem Baron zu Hilfe, stellte ihn wieder auf die Füße und staubte seine Herrschaft mit einer Bürste kurz ab.
Während er ihm in den Gehrock half, dachte der Butler kurz über die drei Männer nach, die sie beim Eindringen in das Haus überwältigt hatten und die nun, verschnürt wie Überseepakete, in dem angrenzenden Raum lagen.
Als hätte der Baron Magnus‘ Gedanken gelesen, erklärte er: »Nun, da die drei Herrschaften ohne Zweifel des versuchten Einbruchs in das Neue Museum schuldig sind, werden wir auf dem Weg zu Professor Curius die Beamten des Kaisers davon in Kenntnis setzen, welcher Schlamassel sich hier ereignet hat.«
Er atmete kurz durch. »Wobei, und das sage ich voller Überzeugung, der Tunnel dort unten ist eine Meisterleistung preußischer Ingenieurskunst. Hätten wir noch eine Woche gewartet, die Hälfte der ägyptischen Antikensammlung wäre über diesen Weg«, er deutete auf den Schacht, »vermutlich in britischen, französischen oder gar amerikanischen Museen verschwunden.«
Eilig reichte Magnus seinem Herrn Zylinder und Stock und beide verließen den ungastlichen Ort, ohne noch einmal zurückzuschauen.
Als sie auf die Straße traten, hatte sich der Himmel zugezogen und dichte Wolken tauchten die Stadt in diesiges Grau. Die Menschen hasteten in Erwartung eines baldigen Regengusses über die Straßen und taten ihr Möglichstes, um schnell nach Hause zu kommen.
Auf dem Kopfsteinpflaster wartete bereits die Dampfkutsche des Barons samt Fahrer. Die Kessel standen unter Druck und nachdem der Freiherr mit dem Butler im Fond des Vehikels Platz genommen hatte, setzte es sich rumpelnd und holpernd in Bewegung.
Als sie die Viktoriastraße in Berlin Tegelort erreichten, hatten sich die Schleusen des Himmels bereits geöffnet. Dunkler Regen prasselte in schweren Tropfen auf das Kopfsteinpflaster, als Magnus den Schirm für seinen Herrn aufspannte und im nächsten Augenblick hinter diesem her die ausladenden Stufen zum überdachten Eingangsportal eilte.
Die Tür öffnete sich, bevor sie die Gelegenheit zum Läuten erhielten. Vor ihnen stand der Serviceautomat des Professors und winkte sie mit einer ungelenken Geste herein. Abschätzig betrachtete Magnus den automatischen Diener, dessen humanoides Äußeres von zahlreichen sichtbaren und unsichtbaren Zahnrädern, Drähten und Druckkesseln Lügen gestraft wurde.
Doch der Baron drückte dem mechanischen Butler bereits ungefragt Stock und Hut in die metallenen Finger und war an diesem vorbeigehuscht, bevor die kleine Schellackplatte im Kopf des Automaten die zweifellos geschliffene Begrüßungsformulierung des heutigen Abends abspielen konnte.
Umständlich hängte Magnus den Schirm an den Arm des Dieners, setzte ihm seine eigene tropfnasse Melone auf und hastete dem Herrn hinterher. Auf halber Treppenhöhe hatte er ihn eingeholt und lief, wie es seinem Stand entsprach, zwei Stufen hinter dem Baron.
»Machen Sie sich nichts daraus. Der Professor liebt die technischen Spielereien dieses Jahrhunderts fast ebenso sehr wie seine griechischen Terrakotten aus Boetien. Solange Sie, mein lieber Magnus, nicht eines Morgens beginnen Rost anzusetzen und zu quietschen und zu klappern, werde ich all mein Geld jederzeit auf Sie setzen.«
Nicht unbedingt beruhigt, nahm der Butler sich vor, seinen Körper zu geeigneter Zeit einer genauen Inspektion zu unterziehen.
Sein Weg führte den Baron zielsicher in den Rauchsalon, der im rückwärtigen Teil des Hauses lag. Von dessen Terrasse hatte man im Sommer eine wunderbare Aussicht auf den Tegeler See. Jetzt jedoch schlug kalter Regen gegen die geschlossenen Scheiben der Fenster, wie Magnus beim Öffnen der Tür bedauernd feststellen musste.
Der Rauchsalon glich einem Museum aus Messing und holzvertäfelten Wänden. Im Schein der Gaslampen teilten sich Reihen von Glasvitrinen voller antiker Artefakte den knappen Platz mit überquellenden Bücherregalen. Hier fanden sich kykladische Brettidole aus prägeometrischer Epoche ebenso wie Theobald Mommsens Abhandlungen über altiranische Energieproduktion auf Wasserbasis in sieben Bänden.
Man musste sie nur zu finden wissen, wie Magnus zu seinem Leidwesen erfahren hatte. Mehr als einmal hatte er im Auftrag des Barons die Bibliothek des Professors nach einem bestimmten Werk durchforsten müssen.
Ernst Curius stand am knisternden Kamin und blickte gedankenverloren ins Feuer. In der Hand hielt er ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit. Trotz seiner siebzig Jahre besaß der Professor nicht den Habitus eines alten Mannes. Zwar waren die Haare mittlerweile schlohweiß, sein bartloses, aristokratisches Gesicht mit den klugen Augen darin hatte sich den Passus der Jugend jedoch bewahrt.
»Friedrich!«, rief er aus, als er seiner Besucher gewahr wurde. »Schön, dass du es hast einrichten können. Komm doch herein.«
Die beiden Männer schüttelten sich herzlich die Hände und nahmen einander gegenüber am Kamin Platz. Nachdem Magnus seinem Herrn ein Glas Weinbrand eingeschenkt hatte, verschmolz er butlergemäß mit dem Hintergrund.
Rasch entspann sich zwischen dem Baron und dem Professor ein aktives Zwiegespräch und bald schon schwirrten die Themen wie ein Schwarm Kolibris durch den rauchgeschwängerten Raum.