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Ein atemberaubender Kriminalroman mit Edgar Allan Poe als Ermittler
1830: An der angesehenen West Point Academy wird ein junger Kadett tot aufgefunden – er wurde erhängt und sein Herz herausgeschnitten. Keinesfalls darf die Öffentlichkeit von dem grauenhaften Verbrechen erfahren, so beauftragt man Augustus Landor, einen ehemaligen New Yorker Polizeidetektiv, mit den Ermittlungen. Schon bald folgen weitere brutale Morde, und der Fall wird immer rätselhafter. Doch Landor erhält unerwartet Hilfe – von einem jungen Kadetten mit dunkler Vergangenheit, Hang zum Trinken und poetischen Ader: Edgar Allan Poe …
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Seitenzahl: 734
Veröffentlichungsjahr: 2022
Louis Bayard
Der Denkwürdige Fall des Mr Poe
Kriminalroman
Aus dem amerikanischen Englisch von Peter Knecht
Insel Verlag
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Die Originalausgabe erschien unter dem Titel The Pale Blue Eyebei HarperCollins Publishers, New York 2006.
eBook Insel Verlag Berlin 2022
Der vorliegende Text folgt der xx. Auflage der Ausgabe des insel taschenbuchs 4903.
Erste Auflage 2022insel taschenbuch 4903Deutsche Erstausgabe© der deutschsprachigen AusgabeInsel Verlag Anton Kippenberg GmbH & Co. KG, Berlin, 2022Published by arrangement with William Morrow Paperbacks,an imprint of HarperCollins Publishers, LLC.Copyright © 2006 by Louis Bayard.Alle Rechte vorbehalten.Wir behalten uns auch eine Nutzung des Werks für Textund Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.
Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Wir behalten uns auch eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.Für Inhalte von Webseiten Dritter, auf die in diesem Werk verwiesen wird, ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber verantwortlich, wir übernehmen dafür keine Gewähr. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.
Umschlaggestaltung: zero-media.net, München
Umschlagabbildungen: Laurence Winram/Trevillion Images,Brighton; FinePic®, München
eISBN 978-3-458-77339-9
www.suhrkamp.de
Für A. J.
Die Trauer um die Verstorbenen ist der einzige Schmerz, an dem wir unbedingt festhalten möchten.
Washington Irving
»Rural Funerals«
Mitten in tscherkessischen Hainen, reizend zu schaun,
In einem Bach, von Wolken dunkel gescheckt
Und glitzernd im Mondlicht, neigten die Mägde
Athenes, die lieblichen Jungfraun,
Schüchtern die Häupter.
Traurig verloren fand Leonore ich dort,
In den Krallen zum Himmel schreienden Leids.
Heftig riss der Anblick des Mädchens mich fort
Mit seinen bleich blauen Augen,
des Ghuls mit den bleich blauen Augen.
Der Denkwürdige Fall des Mr Poe
Cover
Titel
Impressum
Widmung
Inhalt
Informationen zum Buch
Cover
Titel
Impressum
Widmung
Testament von Gus Landor 19. April 1831
Erzählung von Gus Landor 1
2
3
4 27. Oktober
5
6 28. Oktober
7 29. Oktober
8 30. Oktober
Brief an Gus Landor 30. Oktober 1830
Brief an Edgar A. Poe, Kadett vierter Klasse 31. Oktober 1830
Aus der Rubrik »Vermischtes«, Poughkeepsie Journal 31. Oktober 1830
9 31. Oktober
10 1. November
11 2. November
12 3. November
13 3. November bis 5. November
14 7. November
15 7. bis 11. November
16 11. bis 14. November
Bericht von Edgar A. Poe an Augustus Landor 14. November
17 15. und 16. November
18 16. November
Bericht von Edgar A. Poe an Augustus Landor 16. November
19 20. November
Bericht von Edgar A. Poe an Augustus Landor 20. November
20 21. November
21 22. bis 25. November
Bericht von Edgar A. Poe an Augustus Landor 27. November
22 28. November bis 4. Dezember
23 4. bis 5. Dezember
Bericht von Edgar A. Poe an Augustus Landor 5. Dezember
24 5. Dezember
25
26
27 6. Dezember
28 7. Dezember
Bericht von Edgar A. Poe an Augustus Landor 8. Dezember
29 8. Dezember
30
31 8. bis 9. Dezember
32 10. Dezember
Nachricht von Edgar A. Poe an Augustus Landor 11. Dezember
33 11. Dezember
34 12. Dezember
35 12. Dezember
36
37 13. Dezember
38
39
40 14. bis 19. Dezember
41
42
43 Dezember 1830 bis April 1831
Epilog 19. April 1831
Danksagung
Informationen zum Buch
In zwei oder drei Stunden … na ja, es ist schwer zu sagen … in drei Stunden, denke ich, höchstens vier … binnen vier Stunden, sagen wir, werde ich tot sein.
Ich erwähne das, weil es die Dinge in eine bestimmte Perspektive rückt. Zum Beispiel sind meine Finger zuletzt für mich interessant geworden. Auch die unterste Lamelle der Jalousien, die ein wenig schief ist. Und draußen vor dem Fenster ein Glyzinientrieb, der vom Hauptstamm abgebrochen ist und wie ein Galgenstrick wackelt. Das ist mir vorher nie aufgefallen. Und noch etwas: Auf einmal drängt sich mir jetzt die Vergangenheit mit der ganzen Wucht der Gegenwart auf. All die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, kommen, so scheint es, in dichten Scharen herbei. Es wundert mich, dass sie nicht mit den Köpfen zusammenstoßen. Da steht Alderman Hunt, ein Stadtrat aus Hudson Park, am Kamin; neben ihm meine Frau in ihrer Schürze und schaufelt Asche in den Blecheimer, und wer schaut ihr dabei zu? Niemand anderer als mein alter Neufundländer. Am Ende des Flurs sehe ich meine Mutter, die nie einen Fuß in dieses Haus gesetzt hat; sie starb, bevor ich zwölf Jahre alt wurde, und doch bügelt sie da meinen Sonntagsanzug.
Es ist komisch: Keiner von all den Leuten spricht auch nur ein Wort mit den anderen. Es herrscht eine sehr strenge Etikette, die ich mir nicht erklären kann.
Nun, nicht alle, um es richtig zu sagen, halten sich an die Regeln: In der letzten Stunde hat mir ein Mann namens Claudius Foot die Ohren vollgelabert – es war nicht auszuhalten. Ich habe ihn vor fünfzehn Jahren wegen eines bewaffneten Überfalls auf die Postkutsche nach Rochester verhaftet und ihm damit bitter Unrecht getan: Er hatte nämlich drei Zeugen, die schworen, dass er an dem Tag die Postkutsche nach Baltimore überfallen hat. Er regte sich schrecklich auf, verließ die Stadt auf Kaution, kam sechs Monate später zurück, verrückt vor Cholera, und warf sich vor eine Droschke. Redete ununterbrochen bis zum Tod. Redet immer noch.
Oh, es sind eine Menge Leute, das kann ich Ihnen sagen. Je nach Stimmung, je nach dem Winkel der Sonne, die durch das Wohnzimmerfenster scheint, kann ich mich darum kümmern oder nicht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mir manchmal mehr Gesellschaft mit Lebenden wünsche, aber die ist in diesen Tagen nicht so leicht zu bekommen. Patsy schaut nicht mehr vorbei … Professor Pawpaw ist verreist und misst Schädel in Havanna. Und was ihn angeht, was kann ihn zurückholen? Ich kann ihn mir nur ins Gedächtnis rufen, und wenn ich das tue, laufen all die alten Gespräche wieder vor mir ab. An einem Abend zum Beispiel haben wir über die Seele gesprochen. Ich war nicht davon überzeugt, dass ich eine habe, er schon. Es hätte amüsant sein können, ihm zuzuhören, wenn er nicht so furchtbar ernsthaft gewesen wäre. Niemand hat mich je, was diese Sache betrifft, so stark bedrängt, nicht einmal mein eigener Vater (ein presbyterianischer Wanderprediger, der zu sehr mit den Seelen seiner Schäfchen beschäftigt war, als dass er die meine irgend nachhaltig hätte prägen können). Immer wieder sagte ich: »Na ja, vielleicht haben Sie ja recht.« Das feuerte ihn nur noch mehr an. Er sagte, ich würde mich unter Berufung darauf, dass es keine empirische Bestätigung gebe, vor einer eindeutigen Antwort drücken. Und ich fragte ihn: »Was soll ich in Ermangelung einer solchen Bestätigung sonst sagen als: ›Sie könnten recht haben‹?« So drehten wir uns im Kreis, bis er eines Tages sagte: »Mr Landor, es wird der Moment kommen, in dem Ihre Seele sich umwendet und Ihnen so empirisch fassbar wie nur irgend denkbar direkt ins Gesicht sieht – der Moment, in dem sie Sie verlässt. Sie werden nach ihr haschen, ach, vergebens! Stellen Sie sich vor: Sie breitet Adlerschwingen aus und fliegt zu fernöstlichen Horsten.«
Nun, er neigte zum Fantastischen. Zum Schwülstigen, wenn Sie es genau wissen wollen. Ich selbst habe mich immer mehr an Tatsachen gehalten als an metaphysische Spekulationen. Gute, solide, hausgemachte Fakten – davon kann man runterbeißen. Es sind Fakten und logische Schlussfolgerungen, die das Rückgrat dieser Geschichte bilden. So wie sie das Rückgrat meines Lebens gebildet haben.
Eines Nachts – ich war schon über ein Jahr im Ruhestand – hörte mich meine Tochter im Schlaf reden. Sie kam in mein Schlafzimmer und wurde Zeugin, wie ich gerade einen Verdächtigen vernahm, der zwanzig Jahre tot war. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, sagte ich immer wieder. Das sehen Sie doch, Mr Pierce. Dieser Kerl hatte die Leiche seiner Frau zerstückelt und nach und nach an ein Rudel Wachhunde in einem Lagerhaus verfüttert. In meinem Traum waren seine Augen rot vor Scham; es tat ihm sehr leid, meine Zeit in Anspruch genommen zu haben. Ich weiß noch, dass ich zu ihm sagte: Wenn Sie es nicht gewesen wären, müsste es jemand anderes gewesen sein.
Nun, es war dieser Traum, der mir klarmachte, dass man ein Berufsleben nicht einfach so hinter sich lassen kann. Du magst dich in die Hudson Highlands verziehen, du magst dich hinter Büchern verstecken oder dich als harmlosen Spaziergänger ausgeben – dein Job wird kommen und dich aufspüren.
Ich hätte weglaufen können, ein bisschen tiefer in die Wildnis hinein, ich hätte es vielleicht tun können. Wie es zuging, dass ich mich zurücklocken ließ, kann ich nicht genau sagen, aber manchmal scheint es mir, als wäre es, als wäre alles so gekommen, damit wir uns finden, er und ich.
Aber es hat keinen Sinn, zu spekulieren. Ich habe eine Geschichte zu erzählen, Erlebnisse zu berichten. Und da mir viele Aspekte dieser Erlebnisse verschlossen waren, trete ich dort, wo es nötig ist, beiseite und lasse andere sprechen, vor allem meinen jungen Freund. Er ist es, aus dessen Geist in Wahrheit diese Geschichte geboren ist, und immer wenn ich mir vorzustellen versuche, wer sie als Erster lesen wird, ist er derjenige, den ich vor mir sehe: Sein Finger fährt an Zeilen und Spalten entlang, seine Augen folgen meinem Gekritzel.
Oh, ich weiß: Wir können uns unsere Leser nicht aussuchen. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich mit dem Gedanken abzufinden, dass eine unbekannte – und, wie ich vermute, noch ungeborene – Person irgendwann diese Zeilen finden wird. Ihnen, geschätzter Leser, geschätzte Leserin, widme ich diese Erzählung.
Und so werde ich nun zu meinem eigenen Leser. Zum letzten Mal. Legen Sie bitte noch ein Holzscheit nach, Alderman Hunt.
Und so fängt alles noch einmal von vorn an.
Dass ich mit der Sache in West Point beruflich zu tun bekam, bahnte sich am Morgen des sechsundzwanzigsten Oktober 1830 an. An diesem Tag machte ich meinen üblichen Spaziergang – wenn auch etwas später als üblich – in den Hügeln um Buttermilk Falls. Ich erinnere mich, dass typisches Altweibersommerwetter war. Die Blätter verströmten eine echte Hitze, sogar die abgestorbenen, und diese Hitze drang durch meine Fußsohlen und vergoldete den Nebel, der die Farmhäuser umgab. Ich ging allein an den Hängen der Hügel hinauf, die einzigen Geräusche waren das Knarren meiner Stiefel, das Gebell von Dolph van Corlaers Hund und, so nehme ich an, mein eigenes Schnaufen, denn ich stieg an diesem Tag ziemlich hoch hinauf. Ich war auf dem Weg zu dem Granitvorsprung, den die Einheimischen Shadrach's Heel nennen, und hatte gerade meinen Arm um eine Pappel geschlungen, um vor dem letzten steilen Wegstück Atem zu schöpfen, als mich der Ton eines Waldhorns erreichte, der meilenweit weg im Norden erklang.
Ein Ton, den ich schon früher gehört hatte – es ist kaum möglich, ihn nicht zu hören, wenn man in der Nähe der Militärakademie lebt –, aber an diesem Morgen erzeugte er ein seltsames Summen in meinem Ohr. Zum ersten Mal fragte ich mich verwundert, wie der Klang eines Waldhorns so weit dringen kann.
Das ist nicht die Sorte von Dingen, die mich normalerweise beschäftigen. Ich würde Sie auch gar nicht damit belästigen, wenn es nicht ein Licht auf meinen Gemütszustand würfe. An einem gewöhnlichen Tag hätte ich keinen Gedanken an Hörner verschwendet, ich hätte mich nicht umgedreht, bevor ich den Gipfel erreicht hätte, und ich hätte nicht so lange gebraucht, um die Radspuren wahrzunehmen.
Zwei Spurrillen, jede einen halben Finger tief. Ich sah sie auf dem Rückweg, aber sie waren für mich nur eines von etlichen Dingen, die mir begegneten, eine Aster, Gänse in Keilformation am Himmel – sie waren bunt zusammengewürfelt und nicht streng in verschiedene Abteilungen getrennt, so dass ich sie nur halb zur Kenntnis nahm, statt (wie es für mich typisch ist) zu versuchen, sie in eine Kette von Ursachen und Wirkungen einzuordnen. Daher war ich so überrascht, als ich die Hügelkuppe erklomm und auf dem Platz vor meinem Haus einen Phaeton mit einem Schwarzbraunen im Geschirr vorfand.
Auf dem Bock saß ein junger Artillerist, aber mein Auge, daran gewöhnt, Rangstufen zu unterscheiden, nahm bereits den Mann ins Visier, der an der Kutsche lehnte. Er war in Paradeuniform – herausgeputzt, als wollte er sich malen lassen. Von Kopf bis Fuß mit Gold geschmückt: vergoldete Knöpfe und eine goldene Kordel an seinem Tschako, ein vergoldeter Messinggriff an seinem Säbel. Heller als die Sonne blitzend, so kam er mir vor, und ich fragte mich einen Moment lang, ob er vielleicht eine Kreatur des Waldhorns war. Da war schließlich die Musik gewesen, und jetzt stand da dieser Mann. Etwas in mir – ich kann es sehen – entspannte sich, so wie eine Faust sich löst und ihre einzelnen Teile spürbar werden: Finger, eine Handfläche.
Ich hatte zumindest einen Vorteil: Der Offizier hatte keine Ahnung, dass ich da war. Es schien, als wäre etwas von der trägen Muße des Tages in seine Stimmung eingeflossen. Er lehnte sich an das Pferd, spielte mit den Zügeln, schnippte sie hin und her, im Takt mit dem zuckenden Schweif des Braunen. Seine Augen waren halb geschlossen, der Kopf nickte auf seinem Stiel …
Wir hätten noch eine Weile so weitermachen können – ich beobachtete ihn, er ließ sich beobachten –, wenn wir nicht von einer dritten Partei gestört worden wären. Eine Kuh. Eine große, rötliche Kuh mit sanften Wimpern. Sie kam aus einem Platanenwäldchen, angezogen von einem Flecken Klee, der da wuchs, und diese Kuh näherte sich, ging aber mit seltenem Taktgefühl in einem Bogen um den Phaeton herum – offenbar nahm sie an, dass der junge Offizier einen guten Grund für sein Eindringen haben musste. Dieser wich unwillkürlich einen Schritt zurück, als rechnete er mit einem Angriff, und seine Hand fuhr nervös zum Griff seines Säbels. Ich vermute, es war die Furcht davor, dass Blut fließen könnte (wessen Blut auch immer), was mich schließlich dazu brachte, mich in Bewegung zu setzen, mit humoristisch übertrieben langen Schritten den Hügel hinunter, und dabei rief ich: »Ihr Name ist Hagar!«
Der Offizier fuhr nicht erschrocken herum, dafür war er zu gut ausgebildet, sondern drehte kontrolliert ruckelnd erst den Kopf in meine Richtung und dann auch den Körper.
»Zumindest hört sie darauf«, sagte ich. »Sie kam ein paar Tage nach mir hierher. Sie hat mir nie verraten, wie sie heißt, darum musste ich ihr einen Namen geben.«
Er brachte so etwas wie ein Lächeln zustande. »Sie ist ein schönes Tier, Sir«, sagte er.
»Eine republikanische Kuh. Kommt und geht, wie es ihr gefällt. Keine Verpflichtungen auf beiden Seiten.«
»Nun. Da Sie … da fällt mir ein, wenn …«
»Wenn nur alle weiblichen Wesen so wären, ich weiß.«
Dieser junge Mann war nicht so jung, wie ich zuerst gedacht hatte. Ein paar Jahre jenseits der vierzig bestenfalls, schätzte ich: nur ein Jahrzehnt jünger als ich, und musste immer noch den Laufburschen spielen. Aber dieser Posten war seine einzige sichere Sache. Er verlieh ihm seine gerade straffe Haltung.
»Sie sind Augustus Landor, Sir?«, fragte er.
»Das bin ich.«
»Lieutenant Meadows, zu Ihren Diensten.«
»Angenehm.«
Er räusperte sich, und dann noch einmal. »Sir, ich bin hier, um Ihnen mitzuteilen, dass Superintendent Thayer Sie um ein Gespräch bittet.«
»Worum ginge es bei diesem Gespräch?«, fragte ich.
»Ich bin nicht befugt, darüber Auskunft zu geben, Sir.«
»Nein, natürlich nicht. Hängt es mit meiner früheren beruflichen Tätigkeit zusammen?«
»Ich bin nicht –«
»Aber ich darf doch vielleicht erfahren, wann dieses Gespräch stattfinden soll?«
»Sofort, Sir. Wenn es Ihnen recht ist.«
Ich gebe es zu: Die Schönheit des Tages stand mir nie so deutlich vor Augen wie in diesem Moment. Dieser besondere leichte Schleier in der Luft, ganz ungewöhnlich für Ende Oktober. Der Nebel, der in dünnen Schwaden über tiefer gelegenem Gelände hing. Ein Specht hämmerte eine geheimnisvolle Botschaft in den Stamm eines Ahorns. Bleib hier!
Mit meinem Spazierstock zeigte ich in Richtung der Haustür. »Sind Sie sicher, dass Sie keinen Kaffee trinken möchten, Lieutenant?«
»Nein, danke, Sir.«
»Ich könnte Ihnen auch eine Scheibe Speck braten, wenn Sie eine Kleinigkeit –«
»Nein, ich habe schon gegessen. Danke.«
Ich wandte mich ab. Machte einen Schritt auf das Haus zu.
»Ich bin meiner Gesundheit wegen hierhergezogen, Lieutenant.«
»Wie bitte?«
»Mein Arzt sagte mir, nur so könne ich hoffen, ein einigermaßen hohes Alter zu erreichen: Ich müsse hinauf in die Highlands, weg von der Stadt.«
»Mmm.«
Diese stumpfen braunen Augen. Diese stumpfe weiße Nase.
»Und hier bin ich jetzt«, fuhr ich fort. »Wie die Gesundheit selbst sehe ich aus.«
Er nickte.
»Sind Sie nicht auch der Meinung, Lieutenant, dass die Gesundheit überbewertet wird?«
»Das kann ich nicht beurteilen. Möglicherweise haben Sie recht, Sir.«
»Sind Sie ein Absolvent der Akademie, Lieutenant?«
»Nein, Sir.«
»Oh, dann haben Sie es auf die harte Tour geschafft. Sie haben sich von der Pike auf hochgedient, ja?«
»Ja, genau.«
»Ich war selbst nie auf dem College«, sagte ich. »Wozu sollte noch mehr Schulbildung gut sein, da ich doch keine besondere Neigung und Eignung für den geistlichen Beruf besaß? So dachte mein Vater – so dachten alle Väter damals.«
»Ich verstehe.«
Es ist gut, sich eines klarzumachen: Die Regeln des Verhörs gelten nicht für normale Gespräche. In einer normalen Unterhaltung ist derjenige, der spricht, schwächer als derjenige, der nicht spricht. Aber ich war zu diesem Zeitpunkt nicht stark genug, um mich entsprechend zu verhalten. Also gab ich dem Rad des Phaetons einen Tritt.
»So ein schickes Gefährt«, sagte ich, »um einen einzigen Mann abzuholen.«
»Es war sonst keines verfügbar, Sir. Und wir wussten nicht, ob Sie ein eigenes Pferd haben.«
»Und was ist, wenn ich mich dafür entscheiden sollte, nicht mitzukommen, Lieutenant?«
»Ob Sie mitkommen oder nicht, Mr Landor, das bleibt Ihnen überlassen. Sie sind ein Privatmann, und dies ist ein freies Land.«
Ein freies Land, so sagte er.
Das hier war mein Land. Hagar ein paar Schritte zu meiner Rechten. Die Tür meines Hauses, die noch einen Spalt weit offen stand, so wie ich sie verlassen hatte. Drinnen eine Anzahl neuer Zahlenrätsel, frisch vom Postamt, eine Blechtasse mit kaltem Kaffee, schon ziemlich ramponierte Jalousien und auf eine Schnur gefädelte getrocknete Pfirsiche in der Ecke neben dem Kamin, schließlich ein Straußenei, das mir Jahre zuvor ein Gewürzhändler aus dem vierten Bezirk geschenkt hatte. Und hinter dem Haus mein Pferd, ein alter Rotschimmel, angebunden am Zaun, umgeben von einer Mauer aus Heu. Es hieß Pferd.
»Es ist ein schöner Tag für einen Ausritt«, sagte ich.
»Ja, Sir.«
»Ein Mann wie ich kann nach Herzenslust seine Freizeit genießen.« Ich sah ihn an. »Und Colonel Thayer wartet, das ist auch eine Tatsache. Gilt Colonel Thayer als Tatsache, Lieutenant?«
»Sie könnten Ihr eigenes Pferd nehmen«, sagte er ein wenig verzagt. »Wenn Ihnen das lieber ist.«
»Nein.«
Das Wort hing in der Stille. Wir standen da, das Schweigen zwischen uns. Hagar umkreiste weiter den Phaeton.
»Nein«, sagte ich schließlich noch einmal. »Es macht mir nichts aus, mit Ihnen zu fahren, Lieutenant.«
Ich schaute auf meine Füße. »Um die Wahrheit zu sagen«, sagte ich, »bin ich dankbar für die Gesellschaft.«
Das war es, worauf er gewartet hatte. Klar, er zog auch gleich eine kleine Trittleiter aus dem Fahrzeug, klappte sie herunter und bot mir sogar seinen Arm, um mir beim Einsteigen behilflich zu sein. Einen Arm für den alten Mr Landor! Ich setzte meinen Fuß auf die unterste Sprosse, ich versuchte, mich hochzuwuchten, aber der Morgenspaziergang hatte mich erschöpft, ich knickte ein und fiel gegen die Leiter, plumpste schwerfällig nach vorn, so dass er mich schieben und geradezu in den Phaeton hieven musste. Ich ließ mich auf die harte Holzbank sinken, und er stieg hinter mir hinauf, und ich sagte, um doch wenigstens in einem Punkt Souveränität zu demonstrieren: »Lieutenant, Sie sollten auf dem Rückweg vielleicht die Poststraße nehmen. Der Weg an der Farm von Hoesman vorbei ist zu dieser Jahreszeit etwas holprig für eine Kutsche.«
Es passierte genau das, was ich mir erhofft hatte. Er hielt inne. Neigte den Kopf zur Seite.
»Entschuldigen Sie«, sagte ich. »Ich hätte es erklären sollen. Sie haben vielleicht bemerkt, dass drei sehr große Sonnenblumenblätter im Geschirr Ihres Pferdes eingeklemmt sind. Natürlich hat niemand größere Sonnenblumen als Hoesman – sie springen einen praktisch an, wenn man vorbeifährt. Und der gelbe Fleck an der Seite? Genau der Farbton von Hoesmans Indianermais. Angeblich benutzt er eine besondere Art von Dünger – Hühnerknochen und Forsythienblüten, sagen die Leute hier, aber von einem Holländer erfährt man nie etwas, oder? Übrigens, Lieutenant, lebt Ihre Familie immer noch in Wheeling?«
Er sah mich nicht an. Dass ich ins Schwarze getroffen hatte, erkannte ich nur daran, dass er die Schultern sinken ließ und mit den Fingerknöcheln an die Seitenwand der Kutsche klopfte. Das Pferd schoss den Hügel hinauf, mein Körper fiel nach hinten, und da kam mir in den Sinn, dass ich, wenn keine Lehne da wäre, die mich auffing, einfach nach hinten hinauskippen würde. Ich sah es ganz deutlich vor meinem inneren Auge. Wir erreichten den Kamm des Hügels, und als ich zu meinem Haus hinabsah, erhaschte ich noch einen Blick auf die anmutige Gestalt von Hagar, die nicht länger auf eine Erklärung wartete, sondern bereits forttrottete. Sie sollte niemals zurückkehren.
Tam, tata tam. Tam, tata tam.
Wir waren etwa anderthalb Stunden gefahren und befanden uns eine halbe Meile von West Point entfernt, als die Trommeln hörbar wurden. Zuerst war es nur ein Rauschen in der Luft, dann ein Pulsieren, das einem durch und durch ging. Als ich zufällig nach unten schaute, sah ich, wie meine Füße sich im Rhythmus der Trommeln bewegten, ohne mein Zutun.
Ich dachte: So bringen sie einen dazu, zu gehorchen. Es geht einem ins Blut.
Bei meiner Begleitung hatte es jedenfalls gewirkt. Lieutenant Meadows blickte starr geradeaus, gab auf meine wenigen Fragen Antworten, die nur eben noch die Form wahrten, und saß die ganze Zeit völlig bewegungslos, selbst als die Kutsche über einen großen Stein fuhr und so stark kippte, dass sie beinahe umgestürzt wäre. Er benahm sich, als wäre er der Scharfrichter, und manchmal kam es mir in meinem noch etwas schläfrigen Geist so vor, als wäre der Wagen ein Schinderkarren und auf mich wartete eine gaffende Menge … die Guillotine …
Und dann erreichten wir das Ende einer langen Steigung, das Gelände fiel nach Osten hin ab, und da war der Hudson. Glasig, opalgrau, in Millionen Wellen zerknittert. Von dem morgendlichen Dunst war nur noch ein hauchfeiner Schleier übrig, und die Höhen jenseits des Flusses strebten kühn in den Himmel, jeder Berg schmolz zu einem blauen Schatten.
»Wir sind fast da, Sir«, bemerkte Lieutenant Meadows.
Nun, das ist es, was der Hudson mit einem macht: Er macht einen frei. Und so fühlte ich mich, als wir das letzte Stück hinauf zur West-Point-Klippe geschafft hatten, als die Akademie aus dem Wald, der sie umgibt, hervorlugte – nun, ich fühlte mich wieder dem gewachsen, was kommen würde, und ich konnte die Aussicht wie ein Tourist genießen. Da! Die graue Steinmasse von Mr Cozzens' Hotel, umgürtet von einer Veranda. Und im Westen, darüber aufragend, die Ruinen von Fort Putnam. Und noch weiter oben die braunen Muskeln des Hügels, üppig mit Bäumen bewachsen, und darüber nichts als Himmel.
Es war zehn Minuten vor drei, als wir den Wachtposten erreichten.
»Halt!«, kam der Ruf. »Wer da?«
»Lieutenant Meadows«, antwortete der Kutscher, »in Begleitung von Mr Landor.«
»Fahren Sie ein Stück vor, damit ich Sie erkennen kann.«
Der Posten kam von der Seite auf uns zu, und als ich ihn sah, zuckte ich überrascht zusammen, weil er so blutjung war: ein Bub, kein Mann. Der Junge salutierte vor dem Lieutenant, dann erblickte er mich, und seine Hand zuckte reflexartig noch einmal hoch, aber da kam ihm zu Bewusstsein, dass ich Zivilist war, und die Hand sank wieder hinab an die Hosennaht.
»War das ein Kadett oder ein gewöhnlicher Soldat, Lieutenant?«
»Ein Soldat.«
»Aber die Kadetten müssen doch auch Wache stehen, oder nicht?«
»Soweit es ihr Studium erlaubt, ja.«
»Nachts also?«
Er sah mich an. Zum ersten Mal, seit wir losgefahren waren.
»Nachts, ja.«
Wir fuhren durch das Gelände der Akademie. Ich wollte eigentlich sagen: Wir fuhren auf das Gelände ein, aber das wäre nicht ganz richtig, weil dieser Ausdruck impliziert, dass man aus etwas anderem herauskommt, was aber hier nicht zuzutreffen scheint. Es gibt Gebäude, ja – Holz und Stein und Stuck –, aber jedes dieser Gebäude wirkt, als wäre es nur von der Natur geduldet, immer darauf gefasst, dass sie ihr Einverständnis widerruft und es gezwungen wäre, sich zurückzuziehen. Schließlich kamen wir aber doch an einen Ort, der eindeutig nicht der Natur gehört: der Exerzierplatz. Vierzig Morgen mit ausgewaschener Erde und Grasinseln, hellgrün und goldfarben, dazwischen flache Krater, ein Gelände, das sich nach Norden bis zu dem Punkt erstreckt, an dem der Hudson hinter Bäumen versteckt seinen Bogen nach Westen macht.
»Der Exerzierplatz«, verkündete der Lieutenant.
Aber natürlich wusste ich das bereits, und als Nachbar wusste ich auch, dass dieses windgepeitschte Gelände der Ort ist, an dem die Kadetten von West Point zu Soldaten geschliffen werden.
Aber wo waren sie? Ich konnte nichts anderes sehen als ein paar herumstehende Geschütze und einen Fahnenmast sowie einen weißen Obelisken und einen schmalen Schattenstreifen, den die Nachmittagssonne noch nicht ganz weggeschoben hatte. Und als der Phaeton die hartgewalzte Schotterstraße hinunterfuhr, trieb sich da weit und breit niemand herum, der unser Kommen bemerkt hätte. Sogar das Trommeln hatte aufgehört. West Point war in Ruhestellung zusammengerollt.
»Wo sind die Kadetten, Lieutenant?«
»In der Nachmittagsvorlesung, Sir.«
»Und die Offiziere?«
Eine kurze Pause, dann erfuhr ich von ihm, dass viele von ihnen Lehrkräfte waren und sich in den verschiedenen Unterrichtsräumen aufhielten.
»Und der Rest?« fragte ich.
»Das kann ich nicht sagen, Mr Landor.«
»Oh, ich habe mich nur gefragt, ob hier vielleicht gerade irgendeine Art Alarmzustand herrscht.«
»Ich bin nicht befugt, darüber Auskunft …«
»Aber vielleicht können Sie mir darüber Auskunft geben, ob ich zu einer Privataudienz beim Superintendent geladen bin?«
»Ich glaube, Captain Hitchcock wird auch anwesend sein.«
»Und Captain Hitchcock ist …?«
»Der Kommandeur der Akademie, Sir. Zweiter Mann hinter Colonel Thayer.«
Das war alles, was er mir sagte. Er wollte sich genau an das halten, was ihm befohlen worden war, und das tat er auch: Er lieferte mich direkt beim Quartier des Superintendent ab und führte mich in die Stube, wo Thayers Diener auf mich wartete.
Er hieß Patrick Murphy, war früher Soldat gewesen und jetzt (wie ich noch herausfinden sollte) Thayers Chefspion. Wie die meisten Spione floss er über vor guter Laune.
»Mr Landor! Ich hoffe, Ihre Reise war so schön wie dieser Tag heute. Wenn Sie mir bitte folgen wollen.«
Er zeigte mir alle seine Zähne, aber nicht seine Augen. Er führte mich die Treppe hinunter, öffnete die Tür zum Büro des Superintendent, wobei er wie ein Lakai meinen Namen rief, und als ich mich umdrehte, um ihm zu danken, war er schon weg.
Wie ich später erfuhr, legt Sylvanus Thayer Wert darauf, sämtliche Amtsgeschäfte im Keller abzuwickeln – das Ganze hatte etwas von einem Theater des kleinen Mannes. Ich kann jedenfalls sagen, dass es dort verdammt dunkel war. Dichtes Buschwerk vor den Fenstern sorgte dafür, dass kein Tageslicht hereinkam, und die Kerzen schienen nur sich selbst zu beleuchten. Und so fand mein erstes offizielles Treffen mit Superintendent Thayer im Schutz der Dunkelheit statt.
Aber ich eile voraus – alles der Reihe nach: Der Erste, der sich vorstellte, war Kommandeur Ethan Allen Hitchcock, Thayers Stellvertreter. Er, geschätzter Leser, ist der Mann, der Tag für Tag die Dreckarbeit macht, das Kadettenkorps zu überwachen. Thayer denkt, sagt man, und Hitchcock lenkt. Und jeder, der etwas von der Akademie will, bekommt es zuerst mit Hitchcock zu tun, der wie ein Damm die herandrängenden Wasser der Menschheit zurückhält – während Thayer hoch oben trocken bleibt und strahlend rein wie die Sonne.
Kurz gesagt, Hitchcock ist es gewohnt, im Schatten zu stehen. Und so zeigte er sich mir zum ersten Mal: eine in Licht getauchte Hand, der Rest von ihm Vermutung. Erst als er näher kam, sah ich, was für ein markanter Mann er war (im Aussehen, so sagte man mir, seinem berühmten Großvater nicht unähnlich). Die Sorte Mann, die ihre Uniform verdient hat. Schlank, mit einem flachen Brustkorb, die Lippen immer gespannt, als hielten sie etwas Hartes fest, einen kleinen Kieselstein, einen Wassermelonenkern. Braune Augen, die von Melancholie durchzogen waren. Er nahm meine Hand in seine und sprach mit überraschend milder Stimme, wie jemand, der einen Krankenbesuch macht: »Ich hoffe, Ihr Ruhestand bekommt Ihnen, Mr Landor.«
»Er ist gut für meine Lunge, danke.«
»Darf ich Sie dem Superintendent vorstellen?«
Ein trüber Lichtschein, darin ein Kopf über einen Schreibtisch aus Obstbaumholz gebeugt. Kastanienbraunes Haar, ein rundes Kinn, hohe, harte Wangenknochen. Kein Kopf oder Körper, der für die Liebe gemacht ist. Nein, der Mann, der an diesem Schreibtisch saß, stilisierte sich für das kalte Auge der Nachwelt, und das war harte Arbeit: Man musste sich nur ansehen, wie schlank er war, selbst in seinem blauen Rock mit den goldenen Epauletten, die Hose mit Gold besetzt, den Säbel an seiner Seite.
Aber all das sind Eindrücke von später. In diesem dunklen Raum, zumal da mein Stuhl niedrig und der Schreibtisch hoch war, sah ich in Wahrheit nichts als allein diesen Kopf, ruhig und klar, und die Haut seines Gesichts, die sich gerade langsam löste wie eine Maske, die vor meinen Augen abgezogen wurde. Dieser über mir thronende Kopf schaute auf mich herab, und er sprach: »Das Vergnügen ist ganz meinerseits, Mr Landor.«
Nein, falsch, er sagte: »Soll ich Kaffee bringen lassen?« So stimmt es. Und ich antwortete: »Ein Bier wäre nicht schlecht.«
Eine Stille trat ein. War er unangenehm berührt? Ist Colonel Thayer vielleicht Abstinenzler?, fragte ich mich. Aber dann rief Hitchcock nach Patrick, und Patrick holte Molly, und Molly ging schnurstracks in den Keller, und das alles bedurfte nur einer winzigen Bewegung der Finger von Sylvanus Thayers rechter Hand.
»Ich glaube, wir sind uns schon einmal begegnet«, sagte er.
»Ja, bei Mr Kemble. In Cold Spring.«
»Richtig. Mr Kemble spricht sehr lobend über Sie.«
»Oh, das ist nett von ihm«, sagte ich und lächelte. »Ich hatte das Glück, dass ich seinem Bruder nützlich sein konnte, das ist alles. Es ist lange her.«
»Das hat er erwähnt«, sagte Hitchcock. »Irgendwas mit Grundstücksspekulationen.«
»Ja, es ist unglaublich, nicht? All diese Leute in Manhattan, die Land verkaufen, das sie gar nicht haben. Ich frage mich, ob sie das immer noch tun.«
Hitchcock zog seinen Stuhl ein wenig näher heran und stellte seine Kerze auf Thayers Schreibtisch ab, neben einem roten ledernen Dokumentenkasten. »Mr Kemble«, sagte er, »hat angedeutet, dass Sie so etwas wie eine Legende unter den New Yorker Constables sind.«
»Was für eine Art von Legende?«
»Ein ehrlicher Mann, um damit anzufangen. Aber ich denke, das allein reicht schon, um einen New Yorker Polizisten zur Legende zu machen.«
Ich konnte sehen, wie Thayers Wimpern sich senkten: Gut gemacht, Hitchcock.
»Oh, bei Legenden ist es oft nicht allzu weit her mit der Ehrlichkeit«, sagte ich ganz locker. »Obwohl ich denke, wenn jemand für Ehrlichkeit berühmt ist, dann Sie und Colonel Thayer.«
Hitchcocks Augen verengten sich. Er fragte sich vielleicht, ob das alles nur Schmeichelei war.
»Neben Ihren anderen Verdiensten«, fuhr Thayer fort, »ist es vor allem Ihnen zu verdanken, dass die Anführer der Daybreak Boys dingfest gemacht wurden. Eine Geißel aller anständigen Geschäftsleute der Stadt.«
»Tja, das kann man wohl sagen.«
»Sie hatten auch Anteil an der Zerschlagung der Shirt Tails Gang.«
»Eine Zeitlang waren sie außer Gefecht gesetzt. Aber nicht auf Dauer.«
»Und wenn ich mich recht erinnere«, sagte Thayer, »schreibt man Ihnen die Aufklärung eines besonders grausamen Mordes zu, den man schon zu den Akten gelegt hatte. Eine junge Prostituierte in den Elysian Fields. Eigentlich nicht Ihr Zuständigkeitsbereich, oder?«
»Das Opfer schon. Und der Mörder auch, wie sich herausstellte.«
»Sie sind der Sohn eines Geistlichen, habe ich gehört. Sie stammen aus Pittsburgh, Mr Landor?«
»Unter anderem.«
»Sie kamen als Jugendlicher nach New York. Offenbar haben Sie sich auch mit den Leuten der Tammany Hall angelegt, habe ich das richtig verstanden? Parteiengeschacher ist nicht Ihre Sache, vermute ich. Sie sind kein politisches Lebewesen.«
Ich verbeugte mich in Anerkennung seines Scharfsinns. Mittlerweile konnte ich Thayers Augen besser erkennen.
»Zu Ihren Talenten gehört Dechiffrieren«, sagte er, »Eindämmung von Krawallen, Strategien gegenüber abgeschotteten Bevölkerungsgruppen. Und Verhöre ohne Samthandschuhe.«
Da war es: eine winzige Bewegung der Augen. Etwas, das er ebenso wenig spüren konnte, wie ich es hätte sehen können, wenn ich nicht genau darauf gelauert hätte.
»Darf ich Sie etwas fragen, Colonel Thayer?«
»Ja?«
»Ist das da das Dossier? Sind dadrin die gesammelten Informationen, die Sie bestellt haben, versteckt?«
»Ich kann Ihnen nicht ganz folgen, Mr Landor.«
»Oh, bitte, nein, ich bin derjenige, der nicht folgen konnte. Wissen Sie, ich kam mir vor wie einer Ihrer Kadetten. Die tanzen hier an – schon ein bisschen eingeschüchtert, stelle ich mir vor –, und Sie sitzen da und sagen denen auf zwei Kommastellen genau ihren Notendurchschnitt, Sie zählen die verschiedenen Minuspunkte auf, die sie angehäuft haben, und, o ja, wenn Sie ein bisschen nachdenken, können Sie ihnen sogar sagen, wie hoch ihre Schulden sind. Klar, dass die, wenn sie hier wieder rausgehen, denken, dass Sie der liebe Gott sind.«
Ich beugte mich vor und drückte meine Hände auf die Platte seines Schreibtischs. »Bitte«, sagte ich. »Was steht noch alles in Ihrem Dossier, Colonel? Über mich, meine ich. Wahrscheinlich, dass ich Witwer bin. Nun, das sollte offensichtlich genug sein: Ich besitze kein einziges Kleidungsstück, das weniger als fünf Jahre alt ist. Und ich habe die Kirchentür lange nicht mehr verdunkelt. Und, oh, wird auch erwähnt, dass ich eine Tochter hatte? Die vor einer Weile weggelaufen ist? Ich verbringe einsame Abende, aber ich habe eine sehr hübsche Kuh – weiß Ihr Informant von der Kuh, Colonel?«
In diesem Moment öffnete sich die Tür, und der Diener erschien mit einem Tablett, auf dem mein Bier stand. Ein gutes sprudelndes, fast schwarzes Bier. Tief im Keller gelagert, vermutete ich, denn der erste Schluck jagte mir einen Kälteschauer über den Rücken.
Über mich ergossen sich die beruhigenden Stimmen von Thayer und Hitchcock.
»Tut mir sehr leid, Mr Landor …«
»Ich muss heute mit dem falschen Fuß aufgestanden sein …«
»Ich wollte Sie nicht beleidigen …«
»… mit allem schuldigen Respekt …«
Ich hob meine Hand. »Nein, meine Herren«, sagte ich. »Ich bin derjenige, der sich entschuldigen muss.« Ich drückte das kalte Glas an meine Schläfe. »Was ich hiermit auch tue. Bitte fahren Sie fort.«
»Sie sind sich ganz sicher, Mr Landor?«
»Ich fürchte, Sie haben mich heute nicht in bester Verfassung angetroffen, aber es würde mich freuen … ich meine: Bitte nennen Sie mir Ihr Anliegen, und ich werde mein Bestes tun …«
»Möchten Sie nicht lieber zuerst –«
»Nein, danke.«
Hitchcock stand jetzt auf. Es war wieder einmal an ihm, die Dinge in die Hand zu nehmen.
»Von nun an müssen wir sehr vorsichtig vorgehen, Mr Landor. Ich hoffe, wir können uns auf Ihre Diskretion verlassen.«
»Natürlich.«
»Lassen Sie mich zunächst erklären, dass wir diese Informationen über Sie lediglich eingeholt haben, um uns ein Urteil darüber zu bilden, ob Sie der richtige Mann für unsere Zwecke sind.«
»Dann sollte ich vielleicht fragen, was Ihre Zwecke sind.«
»Wir sind auf der Suche nach jemandem – einem Privatmann mit ausgewiesener Zielstrebigkeit und Taktgefühl –, der gewisse Nachforschungen heikler Natur anstellen könnte. Im Auftrag der Akademie.«
An seinem Verhalten hatte sich nichts geändert, und doch nahm ich es anders wahr. Vielleicht machte das nur die Erkenntnis, die so plötzlich in mich gefahren war wie die Kälte des ersten Schlucks Bier, dass sie Hilfe von einem Zivilisten suchten – von mir.
»Nun«, sagte ich, indem ich behutsam meine Sondierung weiter vorantrieb, »das käme darauf an, nicht wahr? Von der Art dieser Nachforschungen. Ob meine Fähigkeiten den Ansprüchen –«
»Wir machen uns keine Sorgen um Ihre Fähigkeiten«, sagte Hitchcock. »Es sind die Untersuchungen, die uns Sorgen machen. Sie sind von höchst komplexer und, so muss ich hinzufügen, von höchst heikler Natur. Bevor wir also einen Schritt weitergehen, muss ich mir noch einmal versichern lassen, dass nichts von dem, was hier gesagt wird, nach außen dringen wird.«
»Captain«, sagte ich, »Ihnen ist bekannt, was für ein Leben ich führe. Ich habe niemanden, dem ich es sagen könnte, außer meinem Pferd, und das ist ein Muster an Diskretion, das versichere ich Ihnen.«
Er schien dies als ein gültiges Versprechen aufzufassen, denn er setzte sich, hielt eine Weile Zwiesprache mit seinen Knien, blickte schließlich auf und sagte:
»Es betrifft einen unserer Kadetten.«
»Das habe ich mir gedacht.«
»Einen Mann im dritten Jahr aus Kentucky, Fry heißt er.«
»Leroy Fry«, fügte Thayer hinzu. Immer noch dieser betont gleichmütige Blick. Als ob er einen ganzen Aktenschrank voller Informationen über Fry hätte.
Hitchcock stand wieder auf, trat ins Licht und wieder hinaus. Meine Augen fanden ihn schließlich an die Wand hinter Thayers Schreibtisch gedrückt.
»Nun«, sagte er, »es hat keinen Sinn, darum herumzureden. Leroy Fry hat sich heute Nacht erhängt.«
Ich fühlte mich in diesem Moment, als wäre ich ganz am Ende oder ganz am Anfang eines langen Witzes eingetreten, und fand, dass ich sicherheitshalber erst einmal abwarten sollte.
»Es tut mir sehr leid, das zu hören«, sagte ich. »Es tut mir wirklich leid.«
»Ihr Mitgefühl ist –«
»Eine schreckliche Sache.«
»Für alle Beteiligten«, sagte Hitchcock und trat einen Schritt vor. »Für den jungen Mann selber. Für seine Familie …«
»Ich hatte das Vergnügen«, sagte Sylvanus Thayer, »die Eltern des jungen Fry kennenzulernen. Ich gestehe Ihnen, Mr Landor, diesen Menschen die Nachricht vom Tod ihres Sohnes zu übermitteln, ist eine der traurigsten Aufgaben, mit denen ich je betraut wurde.«
»Natürlich«, sagte ich.
»Wir brauchen wohl kaum hinzuzufügen«, fuhr Hitchcock fort – und hier spürte ich, dass es auf den springenden Punkt zuging –, »dass dies eine furchtbare Angelegenheit für die Akademie ist.«
»Sehen Sie, so etwas ist hier noch nie vorgekommen«, sagte Thayer.
»Ganz bestimmt nicht«, versicherte Hitchcock. »Und es wird auch nicht wieder vorkommen, wenn es nach uns geht.«
»Nun, meine Herren«, sagte ich. »Bei allem Respekt, aber da hat doch keiner von uns ein Wörtchen mitzureden, oder? Ich meine, wer kann schon wissen, was so einem Jungen von einem Tag auf den nächsten durch den Kopf geht? Also, morgen …« Ich kratzte mich am Kopf. »Morgen hätte der arme Kerl es vielleicht nicht getan und wäre am Leben geblieben. Heute ist er … na ja, heute ist er tot.«
Hitchcock trat nun vor und legte die Hände auf die Lehne seines Windsor-Stuhls.
»Sie müssen unsere Lage verstehen, Mr Landor. Uns ist die Verantwortung für das Wohl und Wehe dieser jungen Männer übertragen, wir stehen sozusagen in loco parentis. Es ist unsere Pflicht, sie zu Gentlemen und Soldaten zu erziehen, und zu diesem Zweck treiben wir sie an. Ich entschuldige mich nicht dafür: Wir treiben sie an, Mr Landor. Aber wir möchten glauben, dass wir wissen, wann wir aufhören müssen, sie anzutreiben.«
»Wir möchten gern glauben«, sagte Sylvanus Thayer, »dass jeder unserer Kadetten an uns herantreten kann – an mich oder an Captain Hitchcock, an einen Ausbilder oder Kadettenoffizier –, dass er zu uns kommen kann, wann immer er seelisch oder körperlich in Not ist.«
»Ich nehme an, das heißt, dass Sie keine Warnsignale empfangen haben.«
»Keine.«
»Nun, egal«, sagte ich. (Etwas zu nonchalant, das merkte ich.) »Ich bin sicher, Sie haben Ihr Bestes getan. Mehr kann man nicht verlangen.«
Die beiden grübelten eine Weile stumm darüber nach.
»Meine Herren«, sagte ich, »ich vermute – vielleicht täusche ich mich ja, aber ich vermute es –, wir nähern uns jetzt langsam dem Punkt, an dem Sie mir sagen werden, wofür Sie mich brauchen. Denn das Ganze ergibt für mich immer noch keinen rechten Sinn. Ein Junge erhängt sich – das ist doch ein Fall für den Coroner, oder? Nicht für einen Constable im Ruhestand mit schwacher Lunge und Kreislaufproblemen.«
Ich sah, wie sich Hitchcocks Brustkorb hob und senkte.
»Leider«, sagte er, »ist das nicht alles, Mr Landor.«
Es folgte ein weiteres langes Schweigen, noch stärker aufgeladen als das letzte. Ich schaute zwischen den beiden Männern hin und her, in der Erwartung, dass einer von ihnen einen weiteren Schritt wagen würde. Und dann holte Hitchcock noch einmal tief Luft und sagte: »In der Nacht – zwischen zwei Uhr dreißig und drei Uhr morgens – wurde die Leiche von Kadett Fry weggeschafft.«
Da hätte ich es wiedererkennen müssen: das Dröhnen. Keine Trommelschläge, sondern das Pochen meines eigenen Herzens.
»Weggeschafft sagen Sie?«
»Es gab anscheinend einige Verwirrung wegen des Protokolls«, erklärte Hitchcock. »Der Soldat, der Befehl hatte, die Leiche zu bewachen, verließ seinen Posten, weil er dachte, er werde woanders gebraucht. Als sich das als Irrtum erwies und er auf seinen Posten zurückkehrte, war die Leiche verschwunden.«
Ich stellte mein Glas behutsam auf dem Boden ab. Die Augen fielen mir zu und öffneten sich dann erschrocken bei einem merkwürdigen Geräusch, das, wie ich feststellte, davon kam, dass ich meine Hände aneinanderrieb.
»Wer hat die Leiche weggeschafft?«, fragte ich.
Zum ersten Mal hatte die warme, braune Stimme von Captain Hitchcock einen harschen Unterton. »Wenn wir das wüssten«, schnauzte er, »hätten wir Sie nicht zu rufen brauchen, Mr Landor.«
»Können Sie mir dann sagen, ob die Leiche wiedergefunden wurde?«
»Ja.«
Hitchcock ging zurück zur Wand und stand wieder da, als müsste er Wache halten. Es folgte ein neues lang anhaltendes Schweigen.
»Irgendwo auf dem Gelände der Akademie?«, fragte ich.
»Neben dem Eishaus«, sagte Hitchcock.
»Und man hat sie zurückgebracht?«
»Ja.«
Er wollte offenbar noch mehr sagen, hielt sich aber zurück.
»Nun«, sagte ich, »die Akademie hat bestimmt den üblichen Anteil an Witzbolden. Und es ist nichts allzu Ungewöhnliches, wenn junge Männer mit Toten schlechte Scherze machen. Sie können froh sein, dass sie keine Leiche ausgegraben haben.«
»Das hier geht weit über einen Scherz hinaus, Mr Landor.«
Er lehnte sich an die Platte von Thayers Schreibtisch, und dann begann dieser erfahrene Offizier plötzlich zu stammeln:
»Wer auch immer … wer auch immer die Täter waren … die die Leiche von Kadett Fry weggeschafft haben … ich würde sagen, sie haben einen einzigartigen, ja, einen einzigartig grauenhaften Frevel begangen. Von einer Art, wie … wie man nicht …«
Der arme Mann hätte ewig so hilflos herumeiern können. Es blieb Sylvanus Thayer überlassen, direkt zum Kern der Sache vorzustoßen. Aufrecht auf seinem Stuhl, die eine Hand auf dem Dokumentenkasten, die andere um den Turm eines Schachspiels geschlossen, hob er das Kinn und verkündete, in einem Ton, als würde er die Ergebnisse der Abschlussprüfungen verlesen:
»Kadett Fry wurde das Herz aus dem Leib geschnitten.«
Als ich ein Junge war, setzte man nie einen Fuß in ein Krankenhaus, es sei denn, man hatte vor zu sterben oder man war so arm, dass es einem egal war, ob man starb. Mein Vater wäre eher zu den Baptisten übergetreten, aber vielleicht hätte er sich anders besonnen, wenn er das Krankenhaus in West Point gesehen hätte. Es war kaum sechs Monate alt, als ich es zum ersten Mal betrat: Die Wände waren frisch getüncht, die Böden und Geländer gründlich gescheuert, jedes Bett und jeder Stuhl mit Schwefel und Chlorgas gesäubert, und frische nach Moos duftende Luft wehte durch die Räume.
An einem normalen Tag hätten uns zwei blitzsaubere Krankenschwestern begrüßt und uns vielleicht das Lüftungssystem oder den Operationssaal gezeigt. Heute nicht. Eine hatte man nach Hause geschickt, nachdem sie ohnmächtig umgekippt war, und die Oberschwester war so fertig mit den Nerven, dass sie keinen Ton herausbrachte, als wir kamen. Sie schaute so angestrengt durch uns hindurch, als erwartete sie, dass ein ganzes Regiment hinter uns dreinmarschierte, und als sie keines sah, schüttelte sie den Kopf und führte uns die Treppe hinauf zur Station B-3. Führte uns um einen offenen Kamin herum und zu einem eisernen Bett. Sie hielt kurz inne, dann zog sie das Leintuch von Leroy Frys Leiche. »Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden«, sagte sie und schloss die Tür hinter sich wie eine Gastgeberin, die sich diskret zurückzieht, damit ihre männlichen Gäste unter sich sein können.
Ich könnte hundert Jahre leben, geschätzter Leser, und eine Million Worte hinschreiben und würde Ihnen doch nicht sagen, was für ein Anblick das war.
Ich will es in kleinen Schritten angehen.
Leroy Fry, kalt wie ein Wagenreifen, lag auf einem Bettrost aus Drahtgeflecht.
Eine Hand ruhte auf seiner Leiste, die andere war zu einer Faust geballt.
Seine Augen waren halb geöffnet, als hätten die Trommeln gerade die Reveille geschlagen.
Sein Mund war schief verzogen. Zwei gelbliche Schneidezähne schauten unter der Oberlippe hervor.
Sein Hals war rot und violett, mit schwarzen Striemen.
Seine Brust …
Was von seiner Brust noch da war, war rot. Eine Reihe verschiedener Rottöne, je nachdem, wo sie zerschnitten und wo sie einfach nur aufgeklappt worden war. Mein erster Gedanke war, dass ihn etwas Großes und Schweres mit ungeheurer Wucht getroffen haben musste. Eine Kiefer war umgefallen – nein, zu klein, ein Meteor war aus einer Wolke auf ihn herabgestürzt.
Aber er war nicht durchlöchert worden. Das wäre vielleicht leichter zu ertragen gewesen, weil man dann nicht die haarlosen, zurückgeschlagenen Lappen seiner Brusthaut hätte sehen müssen, die zersplitterten Enden seiner Knochen und, tiefer im Inneren, das gummiartige Etwas, das da geheimnisvoll zusammengefallen lag. Ich konnte die verschrumpelte Lunge sehen, das Band seines Zwerchfells, die üppige, warme, braune Fülle seiner Leber. Ich konnte alles sehen. Alles, bis auf das Organ, das nicht da war und das man ebendeswegen irgendwie am deutlichsten sah, das fehlende Organ.
Es ist mir peinlich zu sagen, dass sich mir in diesem Moment ein spekulativer Gedanke aufdrängte, mit dem ich Sie, geschätzter Leser, normalerweise nicht belästigen würde. Es schien mir, dass das Einzige, was von Leroy Fry übrig war, eine Frage war. Eine einzige Frage, aufgeworfen durch den Anblick seiner grotesk verzerrten starren Glieder, der grünlichen Färbung seiner blassen, haarlosen Haut …
Wer hatte das getan?
Und das Pochen in mir sagte mir, dass es eine Frage war, die ich beantworten musste. Egal, wie gefährlich es für mich war, ich musste wissen, wer Leroy Frys Herz gestohlen hatte.
Und so ging ich diese Frage an, wie ich es immer tue. Indem ich selber Fragen stellte. Nicht der Luft, nein, sondern dem Mann, der direkt vor mir stand: Dr. Daniel Marquis, Chirurg in West Point. Er war mit uns hereingekommen und sah mich mit schüchtern eifrigen, blutunterlaufenen Augen an, begierig, so kam es mir vor, seine Expertise zu demonstrieren.
»Dr. Marquis, wie geht man vor« – ich deutete auf die Leiche auf dem Bett –, »wenn man so etwas macht?«
Der Doktor fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. Ich hielt das für ein Zeichen von Müdigkeit, in Wirklichkeit suchte er nur seine Aufregung zu verbergen.
»Den ersten Schnitt zu machen«, sagte er, »das ist nicht so schwer. Man nimmt ein Skalpell, aber jedes gute, scharfe gewöhnliche Messer tut es auch.«
Er erwärmte sich zusehends für sein Thema, als er da über Leroy Frys Leiche stand und mit einer unsichtbaren Klinge in der Luft herumfuchtelte.
»An das Herz heranzukommen, ist das eigentlich Knifflige. Man muss die Rippen und das Brustbein aus dem Weg schaffen, und diese Knochen, nun ja, sie sind nicht so dicht wie die Wirbelsäule, aber doch ganz schön zäh. Man wird nicht versuchen, sie zu zertrümmern oder durchzuhacken, weil dann die Gefahr besteht, das Herz zu beschädigen.« Er starrte in den offenen Krater von Leroy Frys Brust. »Jetzt bleibt nur noch die Frage, wo man schneidet. Eine Möglichkeit wäre, direkt am Brustbein entlang …« Dr. Marquis' imaginäre Klinge sauste durch die Luft. »Ja, aber dann müssten Sie immer noch die Rippen wegstemmen, und selbst mit einer Brechstange ist das eine ziemliche Arbeit. Nein, was man macht – was gemacht wurde –, ist ein Rundumschnitt. Auf beiden Seiten längs durch den Brustkorb, und dann zwei Schnitte quer über das Brustbein.« Er trat einen Schritt zurück und betrachtete prüfend den Toten. »So wie es aussieht«, sagte er, »würde ich sagen, er hat es mit einer Säge gemacht.«
»Einer Säge.«
»So eine wie die, die ein Chirurg benutzt, wenn er eine Amputation durchführt. Ich habe so eine in der Apotheke. Der Täter könnte sich mit einer gewöhnlichen Holzsäge beholfen haben. In jedem Fall ist das aber eine schwierige Arbeit. Man muss beim Sägen immer darauf achten, dass das Blatt nicht zu tief ins Innere hineinrutscht. Schauen Sie mal hier, bei der Lunge. Sehen Sie diese Einschnitte? Ungefähr ein Zoll lang? Da in der Leber auch. Das ist passiert, weil der Täter die Säge in einem steilen Winkel geführt hat, um das Herz nicht zu beschädigen.«
»Oh, das ist sehr hilfreich, Doktor«, sagte ich. »Können Sie uns sagen, was als Nächstes passiert? Nachdem der Brustkorb und das Brustbein weggeschnitten sind?«
»Nun, von da an ist es eine ziemlich einfache Angelegenheit. Man schneidet das Perikard weg. Das ist die Membran um das Epikard, die hilft, das Herz an seiner Stelle zu halten.«
»Ja …«
»Dann durchtrennt man, nun ja, die Aorta. Die Pulmonalarterie. Man muss auch die Vena cavae durchtrennen, aber das ist schnell gemacht. Jedes anständige Messer ist dafür zu gebrauchen.«
»Sprudelt da nicht ein ganzer Schwall Blut heraus, Doktor?«
»Nicht, wenn der Tod schon ein paar Stunden vorher eingetreten ist. Je nachdem, wie lang es her war, könnte noch eine mehr oder weniger kleine Menge Blut vorhanden gewesen sein. Ich vermute aber, dass dieses Herz« – er sagte das mit einer gewissen Genugtuung – »längst zu schlagen aufgehört hatte, als der Täter es zu fassen bekam.«
»Was kommt als Nächstes?«
»Oh, da gibt es praktisch nichts mehr zu tun«, sagte der Chirurg. »Man kann das Herz jetzt ohne große Probleme herausnehmen, denke ich. Es ist übrigens ziemlich leicht, das wissen die meisten Leute nicht. Nur ein bisschen größer als Ihre Faust und nicht schwerer als zehn Unzen. Das kommt daher, dass es hohl ist.« Er unterstrich es, indem er sich auf die Brust klopfte.
»Also, Doktor – ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, dass ich Ihnen all diese Fragen stelle?«
»Ganz und gar nicht.«
»Vielleicht können Sie uns mehr über den Kerl sagen, der das getan hat. Was braucht so einer außer Werkzeug?«
Er wirkte leicht erstaunt, als sich sein Blick von der Leiche abwandte. »Nun, lassen Sie mich nachdenken. So wie ich mir die Sache denke, muss er recht kräftig sein.«
»Also keine Frau?«
Er schnaubte. »Keine Frau, die ich je das Vergnügen hatte, kennenzulernen, nein.«
»Was ist sonst noch nötig?«
»Einigermaßen gute Beleuchtung. Wenn einer eine solche Operation in stockdunkler Nacht durchführen will, braucht er Licht. Es würde mich nicht wundern, wenn wir in der Brusthöhle eine Menge Kerzenwachs finden würden.«
Sein Blick kehrte voller Eifer zu der Leiche auf dem Tisch zurück. Ich musste ihn am Ärmel zupfen, damit er sich wieder mir zuwandte.
»Was ist mit seinen medizinischen Kenntnissen, Doktor? Müsste er« – ich lächelte ihm direkt ins Gesicht – »so gut ausgebildet und außerordentlich gelehrt sein wie Sie?«
»Oh, nicht unbedingt«, sagte er etwas verlegen. »Er müsste wissen … worauf er achten muss, ja, was ihn erwartet. Wo man schneiden muss. Ein paar Grundkenntnisse der Anatomie, ja, aber er müsste kein Arzt oder Chirurg sein.«
»Ein Wahnsinniger!«
Das war Hitchcock, der sich hier einmischte. Ich muss zugeben, dass ich zusammenzuckte, denn mir war die ganze Zeit zumute gewesen, als wären Dr. Marquis und ich (und Leroy Fry) die Einzigen in diesem Raum.
»Wer sonst als ein Verrückter?«, fragte Hitchcock. »Und er läuft immer noch frei herum, soweit wir wissen, bereit zu einer neuen Bluttat. Bin ich … ist es nicht entsetzlich zu denken, dass er immer noch irgendwo hier ist?«
Er war ein sensibler Mann, unser Hitchcock. Bei all seiner Härte war er doch verletzlich. Aber er war auch für Trost empfänglich. Ein sanfter Klaps von Colonel Thayer auf seine Schulter genügte, und die ganze Anspannung fiel von ihm ab.
»Ist gut, Ethan«, sagte Thayer.
Das war das erste und nicht das letzte Mal, dass ich ihre Allianz als eine Art von Ehe wahrnahm. Ich will damit nichts weiter andeuten, als dass diese beiden Junggesellen eine Art Bund miteinander hatten, der auf Unausgesprochenem gründete. Einmal, und nur einmal (wie ich später erfuhr), hatten sie sich entzweit: drei Jahre zuvor, über der Frage, ob die Militärgerichte von West Point gegen die Kriegsartikel verstießen. Aber ein Jahr später rief Thayer Hitchcock zurück. Der Bruch war geheilt. Das alles wurde mit diesem tätschelnden Schulterklopfen ausgedrückt. Und noch etwas: Thayer hatte das Kommando. Immer.
»Ich bin sicher, wir alle fühlen so wie Captain Hitchcock«, sagte er. »Nicht wahr, meine Herren?«
»Und es gereicht dem Captain zur Ehre, dass er es in Worte gefasst hat«, sagte ich.
»Sicherlich geht es bei alldem darum«, fügte der Superintendent hinzu, »uns bei der Suche nach dem Täter voranzubringen, nicht wahr, Mr Landor?«
»Natürlich, Colonel.«
Nicht wirklich beschwichtigt, setzte sich Hitchcock auf eines der leeren Betten und starrte durch ein nach Norden gerichtetes Fenster hinaus. Wir alle gaben ihm einen Moment Zeit. Ich weiß noch, wie ich die Sekunden abzählte. Eins, zwei …
»Doktor«, sagte ich und lächelte. »Vielleicht können Sie uns sagen, wie lange jemand braucht, um eine solche Operation durchzuführen.«
»Schwer zu beurteilen, Mr Landor. Es ist Jahre her, dass ich eine Leiche seziert habe, und ich habe nie … etwas Derartiges gemacht. Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, mehr als eine Stunde, angesichts der schwierigen Bedingungen. Vielleicht anderthalb Stunden.«
»Die meiste Zeit hat das Sägen in Anspruch genommen?«
»Ja.«
»Und wenn es zwei Männer gewesen wären?«
»Dann hätte jeder eine Seite übernehmen können, und sie hätten es in der Hälfte der Zeit geschafft. Und drei Männer, die hätten einander nur im Weg gestanden. Allenfalls hätte ein dritter Mann eine Laterne halten können.«
Eine Laterne, ja. Ich hatte dieses sonderbare Gefühl beim Anblick von Leroy Fry: als ob jemand ein Licht über ihn hielte. Ich nehme an, der Grund dafür war, dass seine Augen in der Tat auf die meinen gerichtet waren und mich durch die hängenden Lider ansahen, wenn man das so nennen kann. Denn die Pupillen waren nach oben gekippt, und es waren nur ganz schmale weiße Halbmonde der Augäpfel zu sehen.
Ich trat näher an das Bett heran und zog mit den Daumenspitzen die Lider nach unten. Sie verharrten dort den Bruchteil einer Sekunde, bevor sie wieder aufsprangen. Ich bemerkte es kaum, denn ich hatte schon die Risswunden an Leroy Frys Hals ins Visier genommen. Sie bildeten kein einzelnes Band, wie ich erwartet hatte, sondern ein Geflecht, ein Muster der Todesqualen. Lange bevor die Schlinge die Luftröhre dieses Kadetten endgültig verschlossen hatte, hatte das Seil gescheuert und gewürgt – er hatte ein volles Maß an Leiden geschmeckt.
»Captain Hitchcock«, sagte ich. »Ich weiß, dass Ihre Männer eine Suchaktion durchgeführt haben, aber wonach genau haben sie gesucht? Nach einem Mann? Oder nach einem Herz?«
»Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir die Umgebung abgesucht und nichts gefunden haben.«
»Ich verstehe.«
Er hatte rötlich blondes Haar, dieser Leroy Fry. Lange weiße Wimpern.
Musketenschwielen an seiner rechten Hand und helle Blasen an den Fingerspitzen. Und ein Muttermal zwischen zwei Zehen. Am Tag zuvor war er noch am Leben gewesen.
»Würde mir bitte jemand noch einmal bestätigen, wo die Leiche gefunden wurde?«, sagte ich. »Nachdem das Herz entnommen wurde?«
»Neben dem Eishaus.«
»Nun, Dr. Marquis, ich fürchte, ich muss noch einmal auf Ihr Fachwissen zurückgreifen. Wenn Sie ein Herz konservieren wollten, wie würden Sie vorgehen?«
»Nun, ich würde mir wahrscheinlich eine Art von Behälter besorgen. Er müsste nicht allzu groß sein.«
»Ja?«
»Dann würde ich das Herz in etwas einwickeln. Vielleicht in Musselin. Zur Not auch in Zeitungspapier.«
»Fahren Sie fort.«
»Und dann würde ich es …« Er hielt inne. Seine Finger kletterten hoch zu seiner Kehle. »… in Eis packen«, sagte er.
Hitchcock erhob sich von dem Bett.
»So weit ist es also gekommen«, sagte er. »Der Verrückte hat nicht einfach nur Leroy Frys Herz geraubt, sondern er hält es auch noch mit Eis frisch.«
Ich zuckte mit den Schultern. Zeigte ihm meine Handflächen. »Es ist möglich, das ist alles.«
»Zu welchem lästerlichen Zweck?«
»Das kann ich Ihnen nicht sagen, Captain. Ich bin ja gerade erst gekommen.«
Inzwischen war die arme Oberschwester zurückgekehrt, diensteifrig wie sie war, und wollte unbedingt, dass Dr. Marquis sich um etwas kümmerte, ich weiß nicht mehr, was es war, ich erinnere mich nur an den bedauernden Ausdruck seines Gesichts: Es tat ihm leid, aber er musste gehen.
Also blieben nur ich und Thayer und Hitchcock übrig. Und Leroy Fry. Und dann schlug die Trommel und rief die Kadetten zum Abendappell.
»Nun, meine Herren«, sagte ich, »es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass Sie da eine harte Nuss zu knacken haben.« Ich rang wieder hilflos die Hände. »Ich für meinen Teil bin ein bisschen ratlos. Vor allem eine Sache verstehe ich nicht: Warum haben Sie nicht die Militärbehörden eingeschaltet?«
Ein langes Schweigen folgte.
»Das ist doch sicher eine Angelegenheit für die«, sagte ich, »nicht für mich.«
»Mr Landor«, sagte Sylvanus Thayer, »ich frage mich, ob es Ihnen etwas ausmachen würde, mich zu begleiten.«
Wir gingen nicht weit. Nur den Korridor entlang und zurück. Noch einmal. Und ein drittes Mal. Es fühlte sich an wie eine militärische Übung. Thayer war etwas kleiner als ich, hatte aber eine strammere Haltung, die mehr Selbstgewissheit zum Ausdruck brachte.
»Sie sehen uns in einer heiklen Lage, Mr Landor.«
»Daran zweifle ich nicht.«
»Diese Akademie«, begann er. Aber die Tonart war zu hoch, weswegen er noch einmal etwas tiefer ansetzte. »Diese Akademie ist, wie Sie vielleicht wissen, nicht ganz dreißig Jahre alt. Ich bin seit fast der Hälfte dieser Zeit Superintendent. Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass weder die Akademie noch ich sich unerschütterlicher Beständigkeit rühmen darf.«
»Es ist nur eine Frage der Zeit, würde ich vermuten.«
»Nun, wie jede junge Institution haben wir einige geschätzte Freunde gewonnen. Und einige furchtbare Gegner.«
Mit einem Blick auf den Boden wagte ich die Frage: »Präsident Jackson gehört wohl zum zweiten Lager, oder?«
Ein kurzer Seitenblick von Thayer. »Ich gebe nicht vor zu wissen, wer welchem Lager zuzurechnen ist«, sagte er. »Ich weiß nur, dass wir schwer an einer einzigartigen Bürde zu tragen haben. Egal wie viele Offiziere wir ausbilden, egal wie viel Ehre wir unserem Land machen, so sind wir doch leider ständigen Angriffen ausgesetzt, gegen die wir uns zur Wehr setzen müssen.«
»Gegen was für Angriffe, Colonel Thayer?«
»Oh« – er blickte zur Decke hinauf –, »es wird immer wieder behauptet, wir seien elitär. Unsere Kritiker sagen, wir bevorzugten die Sprösslinge reicher Familien. Wenn sie nur wüssten, wie viele unserer Kadetten von Farmen kommen, wie viele Söhne von Mechanikern, Handwerkern sind. Das hier ist Amerika im Kleinformat, Mr Landor.«
Das klang gut in diesem Flur. Amerika im Kleinformat.
»Was sagen Ihre Kritiker noch, Colonel?«
»Dass wir zu viel Zeit auf die Ausbildung von Ingenieuren verwenden und zu wenig auf die von Soldaten. Dass unsere Kadetten die Offiziersstellen in Anspruch nehmen, die man besser im Dienst bewährten Männern geben sollte.«
Lieutenant Meadows, dachte ich.
Thayer ging weiter, seine Schritte im Takt der Trommelschläge, die von draußen hereindrangen. »Nicht zu reden von der letzten Gruppe Kritiker. Von denen, die jede Art von stehendem Heer in diesem Land ablehnen.«
»Was würden sie wohl an dessen Stelle setzen?«
»Die Milizen von früher, wie es scheint. Junge Burschen, die auf der Dorfwiese Übungen abhalten. Möchtegern-Soldaten«, sagte er, ohne eine Spur von Bitterkeit.
»Es waren nicht die Milizen, die den letzten Krieg für uns gewonnen haben«, sagte ich. »Es waren Männer wie General Jackson.«
»Wie schön, dass wir uns einig sind, Mr Landor. Tatsache ist aber, dass es immer noch eine beträchtliche Anzahl von Amerikanern gibt, die beim Anblick eines Mannes in Uniform zurückschrecken.«
»Deshalb tragen wir auch keine«, sagte ich leise.
»Wir?«
»Entschuldigen Sie, ich meinte: wir Constables
