Der Diamanten-Coup - Patrick Burow - E-Book

Der Diamanten-Coup E-Book

Patrick Burow

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  • Herausgeber: Benevento
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2022
Beschreibung

Blitzeinbruch im legendären Grünen Gewölbe: Wer sind die Kunstdiebe von Dresden? Der Coup dauert nur fünf Minuten. Wenige Axthiebe genügen, das Sicherheitsglas zersplittert und die kostbaren Juwelen verschwinden. Die Einbrecher erbeuten in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden Schmuckstücke von unermesslichem Wert. Darunter auch der »Sächsische Weiße«, ein weißer Diamant mit 48 Karat. Ein Juwelenraub von nie dagewesener Dimension – und unvergleichlicher Dreistigkeit! Thriller-Autor Patrick Burow nimmt sich diesen spektakulären Kriminalfall zum Vorbild für sein Buch. Professor und Kunstdetektiv Adrian Falke gerät in Verdacht, mit dem Diamantenraub in Verbindung zu stehen. Tags zuvor interessierte er sich auffällig für die Sicherheitsmaßnahmen. Doch Falke ist unschuldig. Gemeinsam mit der Direktorin des Grünen Gewölbes macht er sich auf die Suche nach den legendären Diamanten. Können die beiden die wahren Juwelen-Räuber schnappen? - Unschuldig verdächtigt: Kann Kunst-Detektiv Adrian Falke diesen Fall lösen? - Atemlose Verfolgungsjagd durch die Welt: Schauplätze in Hamburg, Paris, Dubai, Antwerpen und London  - Rasantes True-Crime-Abenteuer basierend auf einer wahren Begebenheit - Spannende Lektüre für Fans von Dan Brown Bis heute ungelöster Fall: Packender Thriller, inspiriert vom Juwelenraub in Dresden Patrick Burow ist Schriftsteller und promovierter Jurist. Als Strafrichter weiß er aus eigener Erfahrung, wovon er in seinen Büchern erzählt. In »Der Diamanten-Coup« lässt er seine Leserinnen und Leser tief in das zwielichtige Milieu krimineller Clans eintauchen: Raub, Schmuggel und Schwarzmarkt-Machenschaften sind an der Tagesordnung. Ein actionreicher True-Crime-Thriller zwischen elitärer Kunstszene und Clanmilieu!

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Seitenzahl: 295

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PATRICK BUROW

DER DIAMANTEN-COUP

THRILLER

Dieses Buch dient der Unterhaltung, aber auch der öffentlichen Kritik und der Diskussion von für die Öffentlichkeit und Gesellschaft wichtigen Themen. Tatsächlich existierende Personen und Firmen wurden weitgehend verändert und/oder frei erfunden, Geschehnisse teilweise erdacht und anderen und/oder fiktiven Personen zugeordnet. Verbleibende Übereinstimmungen mit etwaigen realen Personen wären somit rein zufällig und sind nicht gewollt bzw. sollen nicht deren tatsächliche Handlungen und/oder Eigenschaften widerspiegeln.

Sämtliche Angaben in diesem Werk erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr.

Eine Haftung der Autoren bzw. Herausgeber und des Verlages ist ausgeschlossen.

1. Auflage 2022

Copyright deutsche Erstausgabe © 2022 Benevento Verlag bei Benevento Publishing Salzburg – München, eine Marke der Red Bull Media House GmbH, Wals bei Salzburg

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags, der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen sowie der Übersetzung, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Medieninhaber, Verleger und Herausgeber:

Red Bull Media House GmbH

Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15

5071 Wals bei Salzburg, Österreich

Satz: MEDIA DESIGN: RIZNER.AT

Gesetzt aus der Minion Pro, Bison

Umschlaggestaltung: zero-media.net, München

Umschlagmotiv: © Fine Pic, München; © Silas Manhood / Trevillion Images

ISBN: 978-3-7109-0144-7

eISBN: 978-3-7109-5137-4

INHALT

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 04:45 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 04:55 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:01 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:25 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:40 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:55 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 06:15 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 06:25 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 06:45 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 07:35 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 08:30 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 11:45 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 15:35 UHR

DRESDEN: MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 16:38 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:10 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:10 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:15 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:18 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:20 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:31 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:32 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 10:33 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 11:03 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 14:35 UHR

HAUS IM WALD: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 17:30 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 26. NOVEMBER 2019, 18:00 UHR

BERLIN: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 08:18 UHR

DRESDEN: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 08:37 UHR

BERLIN: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 10:00 UHR

BERLIN: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 11:25 UHR

HAMBURG: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 20:58 UHR

BERLIN: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 21:30 UHR

HAMBURG: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 21:37 UHR

HAMBURG: DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019, 21:49 UHR

BERLIN: FREITAG, 29. NOVEMBER 2019, 05:26 UHR

HAMBURG: FREITAG, 29. NOVEMBER 2019, 07:45 UHR

HAMBURG: FREITAG, 29. NOVEMBER 2019, 10:10 UHR

BERLIN: FREITAG, 29. NOVEMBER 2019, 18:40 UHR

HAMBURG: SAMSTAG, 30. NOVEMBER 2019, 08:51 UHR

DRESDEN: SAMSTAG, 30. NOVEMBER 2019, 10:26 UHR

DRESDEN: SAMSTAG, 30. NOVEMBER 2019, 11:25 UHR

HAMBURG: SAMSTAG, 30. NOVEMBER 2019, 11:40 UHR

DRESDEN: SAMSTAG, 30. NOVEMBER 2019, 17:11 UHR

HAMBURG: SONNTAG, 1. DEZEMBER 2019, 12:17 UHR

BELGRAD: SONNTAG, 1. DEZEMBER 2019, 12:35 UHR

HAMBURG: SONNTAG, 1. DEZEMBER 2019, 12:38 UHR

BELGRAD: SONNTAG, 1. DEZEMBER 2019, 12:39 UHR

HAMBURG: SONNTAG, 1. DEZEMBER 2019, 12:41 UHR

HAMBURG: MONTAG, 2. DEZEMBER 2019, 10:08 UHR

BELGRAD: MONTAG, 2. DEZEMBER 2019, 11:01 UHR

HAMBURG: MONTAG, 2. DEZEMBER 2019, 14:04 UHR

BRÜSSEL: DIENSTAG, 3. DEZEMBER 2019, 14:13 UHR

ANTWERPEN: DIENSTAG, 3. DEZEMBER 2019, 16:43 UHR

DRESDEN: FREITAG, 6. DEZEMBER 2019, 15:25 UHR

BRÜSSEL: SAMSTAG, 7. DEZEMBER 2019, 08:55 UHR

ANTWERPEN: SAMSTAG, 7. DEZEMBER 2019, 09:29 UHR

BRÜSSEL: SAMSTAG, 7. DEZEMBER 2019, 09:30 UHR

ANTWERPEN: SAMSTAG, 7. DEZEMBER 2019, 18:00 UHR

BAB 3, HÖHE KOBLENZ: SAMSTAG, 7. DEZEMBER 2019, 20:14 UHR

LONDON: SONNTAG, 8. DEZEMBER 2019, 16:19 UHR

DRESDEN: SONNTAG, 8. DEZEMBER 2019, 16:48 UHR

LONDON: SONNTAG, 8. DEZEMBER 2019, 19:27 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 8. DEZEMBER 2019, 19:58 UHR

FLUGHAFEN FRANKFURT: SONNTAG, 8. DEZEMBER 2019, 10:10 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: MONTAG, 9. DEZEMBER 2019, 08:00 UHR

LONDON: MONTAG, 9. DEZEMBER 2019, 13:24 UHR

LUFTRAUM ÜBER DEM SCHWARZEN MEER: MONTAG, 9. DEZEMBER 2019, 12:08 UHR

DRESDEN: DIENSTAG, 10. DEZEMBER 2019, 08:44 UHR

ÄRMELKANAL: DIENSTAG, 10. DEZEMBER 2019, 10:34 UHR

BERLIN: DIENSTAG, 10. DEZEMBER 2019, 14:21 UHR

PARIS: DIENSTAG, 10. DEZEMBER 2019, 16:02 UHR

DRESDEN: MITTWOCH, 11. DEZEMBER 2019, 08:12 UHR

PARIS: MITTWOCH, 11. DEZEMBER 2019, 09:27 UHR

PARIS: DONNERSTAG, 12. DEZEMBER 2019, 07:00 UHR

PARIS: DONNERSTAG, 12. DEZEMBER 2019, 14:47 UHR

DRESDEN: DONNERSTAG, 12. DEZEMBER 2019, 16:51 UHR

PARIS: DONNERSTAG, 12. DEZEMBER 2019, 16:07 UHR

DUBAI: SAMSTAG, 14. DEZEMBER 2019, 14:46 UHR

DRESDEN: SONNTAG, 15. DEZEMBER 2019, 08:32 UHR

DUBAI: SONNTAG, 15. DEZEMBER 2019, 13:24 UHR

DUBAI: MONTAG, 16. DEZEMBER 2019, 11:09 UHR

DUBAI: MONTAG, 16. DEZEMBER 2019, 11:29 UHR

DUBAI: MONTAG, 16. DEZEMBER 2019, 11:29 UHR

DUBAI: MONTAG, 16. DEZEMBER 2019, 17:13 UHR

DUBAI: MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019, 10:29 UHR

DUBAI: MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019, 10:30 UHR

DUBAI: MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019, 10:31 UHR

DUBAI: MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019, 10:32 UHR

DUBAI: MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019, 10:51 UHR

DUBAI: MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019, 10:57 UHR

DUBAI: MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019, 11:04 UHR

ANTWERPEN: DONNERSTAG, 19. DEZEMBER, 19:57 UHR

ANTWERPEN: DONNERSTAG, 19. DEZEMBER, 22:30 UHR

ANTWERPEN: FREITAG, 20. DEZEMBER, 14:31 UHR

ANTWERPEN: FREITAG, 20. DEZEMBER, 14:48 UHR

ANTWERPEN: FREITAG, 20. DEZEMBER, 15:03 UHR

ANTWERPEN: FREITAG, 20. DEZEMBER, 15:07 UHR

ANTWERPEN: FREITAG, 20. DEZEMBER, 15:11 UHR

NÖRDLICH VON ANTWERPEN: FREITAG, 20. DEZEMBER, 17:14 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: FREITAG, 20. DEZEMBER, 19:17 UHR

DRESDEN: SAMSTAG, 21. DEZEMBER, 08:43 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SAMSTAG, 21. DEZEMBER, 09:03 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 22. DEZEMBER, 10:09 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 22. DEZEMBER, 09:31 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 22. DEZEMBER, 10:19 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 22. DEZEMBER, 10:22 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 22. DEZEMBER, 10:27 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 22. DEZEMBER, 10:29 UHR

NÖRDLICH VON LONDON: SONNTAG, 22. DEZEMBER, 10:33 UHR

DRESDEN: SAMSTAG, 4. JANUAR 2020, 14:00 UHR

NACHWORT

ÜBER DEN AUTOR

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 04:45 UHR

Der Plan war riskant – und die Spannung in dem Audi mit Händen zu greifen. Die vier Männer würden an diesem 25. November 2019 den größten Kunstraub der Nachkriegsgeschichte begehen.

Ihr Fluchtwagen stand in der Sophienstraße. In dem Residenzschloss rechts erwartete sie der größte barocke Juwelenschatz Europas. Der Theaterplatz vor ihnen war um 4:45 Uhr früh verwaist. Die Männer warteten ungeduldig, bis das Feuer den Stromkasten in den Katakomben unter der Augustusbrücke zerstört haben würde. Sie hatten vor ein paar Minuten einen brennenden Kochtopf, gefüllt mit Benzin und Diesel, unter den Stromkasten gestellt. Simpel, aber wirksam. Der Brandsatz würde die Stromleitungen zum Schmelzen bringen.

Sie waren nervös, denn in der Dresdner Altstadt mussten sie jederzeit mit Entdeckung rechnen. Voraus lag die Semperoper, links der Zwinger und hinter ihnen ein Hotel. Ein paar späte Hotelgäste oder Partygänger würden reichen, um ihren Plan zunichtezumachen. Das nächste Polizeirevier war nur sechshundert Meter entfernt. Ein Streifenwagen würde keine fünf Minuten bis hierher brauchen. Für einen Einbruch war das ein denkbar schlechter Ort. Aber die kostbaren Juwelen im Grünen Gewölbe des Residenzschlosses waren den riskanten Plan wert. Der Prachtbau wurde von außen angestrahlt. In seinem Inneren war es dunkel und ruhig. Zwei Männer in der Sicherheitszentrale bewachten den Staatsschatz.

Die Bande war ein eingespieltes Team. Es war nicht ihr erstes großes Ding zusammen. Der Driver hatte volle schwarze Haare, aus denen seine Ohren abstanden. In seinem Beruf als Kfz-Mechaniker hatte er schon ewig nicht mehr gearbeitet. Neben ihm auf dem Beifahrersitz saß der Boss, der sich durch seinen grau melierten Bart strich. Mit fünfundvierzig Jahren war er der älteste der Bande, die anderen drei waren unter fünfundzwanzig. Auf seinem Schoß lag eine entsicherte Pistole. Hinten saß der Terminator, ein Bodybuilder, der für das Grobe zuständig war. Kaum eine Haustür hielt lange stand, wenn der ein Meter neunzig große, muskelbepackte Mann den Vorschlaghammer schwang. Hart zuschlagen und schnell wieder verschwinden war auch das Motto der Bande. Der Vierte im Bunde, das Wiesel, rutschte unruhig auf der Rückbank hin und her. Trotz abgebrochener Ausbildung bei einem Schlüsseldienst war er ein Meister darin, Schlösser zu öffnen und Alarmanlagen auszuschalten. Und er zündelte gerne. Außerdem war er schnell und flink, was ihm seinen Spitznamen eingebracht hatte.

Plötzlich fielen um sie herum die Laternen aus. Der Brandsatz hatte seine Arbeit getan. Die Sophienstraße, der Theaterplatz und das Residenzschloss wurden in Dunkelheit gehüllt. Durch den Stromausfall würde gleichzeitig auf den Monitoren der Außenkameras nichts mehr zu sehen sein.

»Los! Los!«, raunte der Boss.

Terminator und Wiesel zogen ihre Sturmhauben über den Kopf, schnappten sich ihre Taschen und stürmten aus dem Wagen. Mit ein paar Sätzen waren sie am schmiedeeisernen Zaun, der das Residenzschloss umgab. Sie warfen ihre Ausrüstung darüber und kletterten hinterher. Im Schutz der Dunkelheit rannten sie über den Rasen zum ersten Fenster, das in Richtung Elbe zeigte, direkt gegenüber der Schinkelwache. Terminator baute sich breitbeinig vor dem schweren Fenstergitter auf, packte es mit beiden Händen und riss ein dreieckiges Stück heraus. Dazu hätte er sich nicht einmal Muskelberge antrainieren müssen, denn sie waren zwei Nächte zuvor schon einmal hier gewesen. Mit einer akkubetriebenen Hydraulikschere, wie sie die Feuerwehr zum Freischneiden von eingeklemmten Unfallopfern einsetzte, hatte er die Streben des Eisengitters mühelos durchtrennt. Für die Hydraulikschere hatten sie sich auch deshalb entschieden, weil sie kaum Lärm machte. Ein Summen, ein Knacken, und schon war die Strebe durchtrennt. Eine kreischende Flex dagegen wäre nachts Hunderte Meter weit zu hören gewesen. Auch das erste Fenster zur Elbe hin war strategisch günstig, da es im toten Winkel der Überwachungskameras lag. Anschließend hatten sie das Gitter wieder eingesetzt und mit Klebstoff fixiert. Das Fenster so präpariert, konnten sie schneller eindringen.

Der muskelbepackte Hüne holte einen Hydraulikzylinder aus der Sporttasche und setzte ihn am Fensterrahmen an.

Wiesel sah auf seine Smartwatch, die 4 Uhr und 56 Minuten zeigte. In dem Augenblick, als der Bodybuilder den linken Fensterflügel aufbrach, drückte er den Countdown von fünf Minuten auf seiner Uhr. Das Fenster war alarmgesichert. In fünf Minuten ab jetzt würde die Polizei eintreffen.

Beide warfen einen schnellen Blick hinter sich. Es waren keine Personen zu sehen, die ihren Einbruch bemerkt haben könnten.

Die beiden Männer stiegen ein.

Jetzt waren sie drin, in der Schatzkammer Dresdens, und es gab kein Zurück mehr. Sie schalteten ihre Stirnlampen an. Vor ihnen lag der Pretiosensaal mit seiner weißen Stuckdecke, den vergoldeten Spiegelwänden und dem edlen Marmorboden in Schachbrettoptik. Zeit war nun der entscheidende Faktor. Sie hatten die Ausstellung vor ein paar Tagen als harmlose Touristen getarnt ausspioniert und kannten den Weg. Sie liefen geradeaus durch den lang gestreckten Saal. Der Schein ihrer Taschenlampen wurde von den Spiegeln reflektiert.

Am Ende des Saals ging es scharf rechts in das Wappenzimmer. Seinen holzvertäfelten Wänden, an denen goldene und bronzene Wappen hingen, schenkten sie jedoch keine Beachtung. Das Wiesel sprintete als Erstes durch den Raum und erreichte das Juwelenzimmer. Dessen vergoldete Spiegelwände leuchteten auf. Zielgerichtet steuerten sie auf eine große, rot eingefasste Glasvitrine zu. Die Juwelen funkelten im Schein ihrer Stirnlampen.

Die beiden Männer sahen sich kurz um. Die Museumsräume waren dunkel, und es war nichts zu hören. Im dritten Obergeschoss lag die Sicherheitszentrale. Die Wachmänner würden weniger als zwei Minuten hierher brauchen, wenn sie sich überhaupt trauten. Besser für sie wäre, wenn sie es nicht täten, denn der Terminator und das Wiesel waren bewaffnet. Sie würden, ohne zu zögern, von ihren Pistolen Gebrauch machen.

Der Bodybuilder nahm eine Axt aus seiner Tasche. Was er nun vorhatte, würde zweifellos nicht unbemerkt bleiben.

Er visierte die Mitte der Glasscheibe an und holte aus.

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 04:55 UHR

René Strychowski war genervt vom Schnarchen seines Kollegen. Dietmar Burlitz lag mehr auf seinem Stuhl, als dass er saß. Er hatte die Augen geschlossen, sein Doppelkinn ruhte auf seiner Brust, und die Hände waren vor seinem massigen Bauch gefaltet. Burlitz würde Ende des Monats in Rente gehen. Der hatte es gut. Strychowski würde noch vierzig Jahre bis dahin brauchen. Er selbst hatte bis eben Videos auf seinem Smartphone angeschaut, wurde aber zunehmend müde. Dabei musste er noch drei Stunden durchhalten, bis seine Nachtschicht von Sonntag auf Montag endete. Bilder von dem bevorstehenden Urlaub auf Teneriffa mit seiner Freundin blitzten vor seinem inneren Auge auf. Wenn die Stühle in der Sicherheitszentrale des Grünen Gewölbes nur nicht so unbequem wären, könnte er jetzt auch einschlafen. Er schloss die Augen und stellte sich vor, er würde mit einem kühlen Bier in der Hand am Strand liegen. Das Schnarchen von Burlitz hörte sich mehr und mehr wie die Brandung an.

Plötzlich zerriss ein Alarm die nächtliche Stille. Strychowski schreckte hoch, mit ein paar Sekunden Verzögerung auch Burlitz neben ihm. Einen Moment waren sie orientierungslos, dann sahen sie auf die Monitorwand. Ein Sensor am Fenster des Grünen Gewölbes hatte Alarm geschlagen. Er pulsierte rot auf dem Bildschirm. Strychowski klickte hektisch die Kameras durch. Komisch, die Außenkameras zeigten alle kein Bild. Auf den Aufnahmen der dunklen Säle war nichts zu erkennen. Dann erschien das Juwelenzimmer.

Die Kamera zeigte links die Vitrine. Um 04:57 Uhr liefen von rechts zwei Männer ins Bild. Ein großer maskierter Mann begann mit einer Axt auf sie einzuschlagen. Dadurch wurde ein zweiter Alarm ausgelöst. Der zweite Mann wartete im Hintergrund.

»Was machen wir jetzt?«, fragte Strychowski aufgeregt.

»Gute Frage.« Burlitz schien nichts aus der Ruhe zu bringen.

Die Scheibe hielt stand. Die Hiebe gingen nicht durch.

»Das ist Hochsicherheitsglas, das kriegen die mit einer Axt nicht kaputt.«

Das beruhigte Strychowski etwas. »Gehen wir runter?«, fragte er unsicher.

Burlitz antwortete nicht sofort, sondern sah weiter auf den Monitor.

Der Mann mit der Axt wurde offenbar frustriert. Seine Schläge wurden schneller und energischer. Wie ein Verrückter hieb er immer wieder auf das Glas ein.

»Siehst du, wie brutal der auf die Vitrine einhackt? Und wir wissen nicht, ob die Einbrecher bewaffnet sind«, gab Burlitz zu bedenken.

Der Mann hatte nach einem Dutzend Mal ein Loch in das Glas geschlagen. Er steckte seine Axt hinein, verkantete sie und riss mit einem Ruck die ganze Scheibe aus der Vitrine. Sie fiel klirrend zu Boden.

Das Glas hatte keine dreißig Sekunden standgehalten.

Strychowski sah Burlitz fragend an. Sollten sie wirklich nur untätig zusehen?

»Die sind gefährlich. Außerdem steht in unserer Dienstanweisung, wir sollen nicht die Helden spielen«, schien Burlitz seine Gedanken zu lesen.

Strychowski überlegte zu widersprechen. Doch sein Kollege hatte als Dienstälterer das Sagen.

Jetzt kam auch der zweite Mann dazu. Gemeinsam räumten sie die Vitrine leer. Flink rissen sie die Juwelen aus den Auslagen und steckten sie in ihre Taschen. Anschließend nahm einer von ihnen einen Feuerlöscher aus der Halterung und versprühte seinen Inhalt.

Strychowski gab den Gedanken einzugreifen auf. Die Einbrecher würden ohnehin weg sein, bevor sie das Juwelenzimmer erreicht hätten.

»Wir rufen die Polizei«, sagte Burlitz und griff zum Telefon.

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:01 UHR

Die Zeit wurde langsam knapp.

Driver trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad und sah immer wieder auf seine Uhr. Die verabredeten fünf Minuten waren fast um. Hatte es etwa Probleme beim Aufbrechen der Vitrine gegeben? Der Boss saß dagegen ganz gelassen auf dem Beifahrersitz. Driver hatte die Seitenscheibe offen und lauschte. Noch waren keine Sirenen zu hören. Aber das würde nicht lange so bleiben. In Kürze würden Martinshörner die schlafenden Dresdner aus den Betten werfen und Blaulicht durch die Nacht zucken. Schon bald würde es von Streifenwagen nur so wimmeln. Und sie saßen hier wie auf dem Präsentierteller.

Zwei junge Männer und zwei Frauen gingen von der Elbe kommend direkt auf sie zu. Die Männer hatten Bierflaschen in der Hand, torkelten und grölten. Driver hoffte inständig, Terminator und Wiesel würden nicht gerade jetzt aus dem Fenster klettern. Er und der Boss duckten sich in dem Wagen. Die Gruppe diskutierte lautstark, bei wem sie weiterfeiern und wo sie um diese Uhrzeit noch Alkohol herbekommen könnten. Sie kamen näher. Würden sie ihn auf dem Fahrersitz kauernd entdecken? Driver machte sich so klein wie möglich und hielt unwillkürlich den Atem an. Doch fünf Meter vor dem Audi bogen sie nach rechts auf den Theaterplatz ab. Lärmend verschwanden sie in Richtung Semperoper.

Endlich! Er sah Terminator und Wiesel über den schmiedeeisernen Zaun klettern. Gleichzeitig hörte er leise die erste Sirene. Driver startete den Motor, der aufheulend zum Leben erwachte. Die beiden Männer rannten zu dem Wagen, warfen ihre Sporttaschen in den Kofferraum, rissen die Türen auf und ließen sich auf die Sitze fallen. Im selben Augenblick gab Driver Gas und schaute gleichzeitig auf seine Uhr. Sie zeigte 5:01 Uhr. Der ganze Coup hatte tatsächlich nur fünf Minuten gedauert. Er beschleunigte den Audi S6 auf 75 km/h. Schnell, aber unauffällig war die Devise. Über die eigentlich wegen Bauarbeiten gesperrte Augustusbrücke wechselte er auf die andere Elbseite. Im Rückspiegel sah er entfernt Blaulicht. Die Streifenwagen würden zu spät am Schloss eintreffen.

»Wie lief es?«, fragte Driver.

»Woo-hoo! Wir haben es geschafft! Scheiß auf sie!«, schrie Wiesel noch aufgeputscht von dem Adrenalin.

»Null problemo. Wir haben fette Beute gemacht!« Terminator streckte den Daumen nach oben.

Driver sah den Boss lächeln. Der riskante Plan war aufgegangen. Wenn sie die Beute an das Phantom ablieferten, würde jeder von ihnen um eine Viertelmillion Euro reicher sein. Sie mussten nur noch aus Dresden wegkommen. Er schaute immer wieder in den Rückspiegel. Niemand folgte ihnen. Das schloss aber nicht aus, dass jemand den Audi bemerkt hatte.

Driver fuhr am nördlichen Elbufer entlang. Nach neun Minuten erreichten sie einen Neubaublock. Er nahm den Fuß vom Gas. Alle Fenster in den vierstöckigen Häusern waren dunkel. Links, auf dem Fuß- und Radweg der Elbe, war niemand zu sehen. Ein einziger Frühaufsteher, der seinen Hund Gassi führte, könnte sie auffliegen lassen.

Er bog nach rechts in die Zufahrt der Tiefgarage ab. Es war eine private Anlage ohne Überwachungskameras. Er parkte neben einem Skoda Octavia Kombi ein. Schnell war die Beute umgeladen. Driver setzte mit dem Skoda zurück, fuhr bis zur Ausfahrt und hielt an. Wiesel stieg aus und lief mit einem Benzinkanister in der Hand zurück zum Audi. Er schüttete das Benzin hinein und zündete es an.

Viel Spaß bei der Spurensicherung, dachte Driver, als er die Flammen auflodern sah.

Driver schaute auf die Uhr, als er aus der Tiefgarage fuhr. Der Wechsel des Fluchtautos hatte nur zwei Minuten gedauert. Der Boss saß tiefenentspannt neben ihm und sagte nichts. Er hatte schon Dutzende Coups erfolgreich durchgeführt und war noch nie von der Polizei erwischt worden. Driver steuerte in Richtung Westen. Die Autobahn war nur zehn Kilometer entfernt. Der Skoda war unauffällig, aber hochmotorisiert. Bevor die Polizei überhaupt richtig begriffen hatte, was passiert war, wären sie längst über alle Berge.

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:25 UHR

Ein Geräusch weckte Julia.

Schlaftrunken streckte sie ihre Hand nach Jannick aus, aber tastete ins Leere. Die Betthälfte neben ihr war kalt, das Kissen unberührt.

Wo bist du?, war ihr erster müder Gedanke.

Doch Jannick verbrachte die Nächte nicht mehr bei ihr. Fünf Jahre lang war er der zuverlässige Ruhepol in ihrem Leben gewesen. Allerdings war das Feuer zwischen ihnen mit der Zeit erloschen. Sie hatte den Elektroingenieur zunehmend als langweilig empfunden. Dann kam das Jobangebot aus Dresden. Und als sie es annahm, wusste sie, dass es nicht nur ein Abschied von Hamburg, sondern auch von Jannick werden würde. Sie hatte sich eine Zweizimmerwohnung mit Elbblick am Rande der Altstadt gemietet.

Das Geräusch war das klingelnde Handy auf ihrem Nachttisch.

Julia war zu müde, um ranzugehen. Der Rotwein gestern Abend hatte ihr die nötige Bettschwere verschafft, ihr aber auch einen leichten Kater beschert. Benommen blinzelte sie zu ihrem Wecker, dessen rote Digitalziffern 5:25 Uhr anzeigten. Wer konnte das sein?

Das nervtötende Schrillen des Handys hörte auf, als die Mailbox ansprang. Julia ließ sich zurück aufs Kissen fallen. Jannick arbeitete bei Stromnetz Hamburg. Er hatte nicht mit ihr nach Dresden ziehen wollen. Und er würde sie sicher nicht um 5:25 Uhr anrufen.

Da ging das schrille Klingeln schon wieder los. Julia richtete sich auf, ging aber nicht ran. Sie knipste die Nachttischlampe an und blickte in den Spiegel des Kleiderschranks auf der anderen Seite des Schlafzimmers. Sie hatte dunkle Schatten unter den Augen. Ihr langes braunes Haar klebte an ihrem Kopf. Sie brauchte dringend eine Dusche und Make-up.

Das Handy fing ein drittes Mal an zu klingeln. Julia sah ein, dass der Anrufer keine Ruhe geben würde. Sie griff entnervt nach dem Telefon.

»Frau Graf, hier ist Burlitz. Es ist etwas passiert. Sie müssen sofort kommen!«, sagte der Wachmann atemlos.

Brennt das Museum? Bilder der in Flammen stehenden Kathedrale von Notre-Dame in Paris flackerten in ihrem Kopf auf. Wurde auch das Grüne Gewölbe gerade ein Opfer der Flammen?

»Was ist passiert?«, fragte Julia schlagartig hellwach.

»Das Juwelenzimmer wurde ausgeraubt.«

Julias Gehirn brauchte einen Augenblick, um diese Information zu verarbeiten. Sie konnte es kaum glauben. Ausgerechnet das Juwelenzimmer, das Highlight der Schatzkammer.

»Ich komme sofort.«

Sie riss ihre Decke beiseite, sprang auf und zog sich hastig an.

Fünf Minuten später saß sie schon in ihrem Wagen.

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:40 UHR

Ein Streifen- und ein Mannschaftswagen standen quer vor dem Eingang des Residenzschlosses. Ein Polizist war gerade dabei, ihn mit weiß-rotem Flatterband abzusperren.

Julia Graf wurde flau im Magen, als sie das Schloss betrat. Es war noch keinen Monat her, als sie zur Museumsdirektorin ernannt worden war. Nach dem Studium der Kunstgeschichte hatte sie ihren Doktortitel gemacht und anschließend zwölf Jahre gebraucht, um sich von einer kleinen Museumsassistentin zur Direktorin hochzuarbeiten. Und jetzt begann ihr Debüt als Direktorin mit einem spektakulären Kunstraub. Was für ein Fiasko.

Julia Graf ging zur Sicherheitszentrale. René Strychowski berichtete ihr aufgeregt von dem Einbruch. Dietmar Burlitz saß vor einem Becher Kaffee und nickte gelegentlich. Sie boten ihr einen Stuhl vor den Monitoren an. Sie zuckte bei den ersten Axtschlägen zusammen, als Strychowski ihr das Tatvideo zeigte.

»Herrje, sind die brutal.« Julia Graf hatte ihr ganzes Leben der Ausstellung von Kunst gewidmet. Es tat ihr in der Seele weh, zu sehen, wie die Vitrine eingeschlagen und die kostbaren Schmuckstücke geraubt wurden.

»Deswegen sind wir hier drinnen geblieben. So lautet auch unsere Dienstanweisung«, rechtfertigte sich Dietmar Burlitz sicherheitshalber.

»Es war gut, dass sie sich keiner Gefahr ausgesetzt und die Polizei gerufen haben.« Julia Graf hoffte inständig, dass sie damit richtiglag. Sie war noch nicht dazugekommen, sich mit der Dienstanweisung der Wachmänner zu beschäftigen.

Ein Streifenpolizist kam herein und fragte: »Sind Sie die Direktorin?«

»Ja.« Julia Graf sah zu dem schmächtigen, rotblonden Polizisten.

»Polizeihauptmeister Krause, ich bin der Einsatzleiter vor Ort.«

Julia Graf stand auf und schüttelte die ihr hingestreckte Hand. Sie schätzte Krause auf Ende zwanzig. Er erschien ihr ein wenig jung für einen Einsatzleiter.

»Kommen Sie bitte mit. Ich möchte gerne von Ihnen wissen, was fehlt.«

Julia Graf folgte dem Polizisten nach unten ins Juwelenzimmer.

Sie schlug die Hand vor den Mund, als sie die zertrümmerte Vitrine sah. Julia fühlte sich, als ob ein geliebter Mensch verletzt worden wäre. Mit ihrem dunkelroten Rahmen und dem vielen Gold drum herum war die Vitrine das Prunkstück der barocken Schatzkammer gewesen. Im Juwelenzimmer war alles mit weißem Pulver überzogen. Ein Feuerlöscher lag auf dem Boden.

Der Polizist nickte ihr zu, und sie trat näher an die Vitrine heran.

»Nichts anfassen. Die Spurensicherung muss da noch ran. Wobei die wegen dem Pulver nicht mehr viel finden werden.«

Julia beugte sich vor. Die Frontscheibe war eingeschlagen und die Auslage zerwühlt. Die Schätze im Grünem Gewölbe seien »gesichert wie in Fort Knox« hatte ihr Amtsvorgänger bei der Übergabe gesagt. Das war angesichts der zertrümmerten Vitrine eine maßlose Übertreibung. Zu ihren Füßen lagen unzählige Glassplitter.

Immerhin war die Vitrine nicht vollständig leer geräumt. Die meisten Juwelen waren auf der Auslage festgenäht gewesen. Es wäre zeitraubend gewesen, sie alle einzeln zu entfernen.

»Auf den ersten Blick fehlen etwa zwei Dutzend Schmuckstücke. Darunter die Brustschleife von Königin Amalie Auguste mit über sechshundert Brillanten. Dann der Degen aus dem 18. Jahrhundert mit neun großen und achthundert kleinen Diamanten.«

Der Polizist machte sich Notizen.

»Weiter fehlt ein untertassengroßer Orden, der mit zweihundert Edelsteinen besetzt war.«

»Was ist das wertvollste fehlende Stück?«

Der Polizist wollte offenbar keine komplette Auflistung hören.

»Die Epaulette mit dem Sächsischen Weißen.«

»Epau-was?«

»Eine Epaulette ist ein Schulterstück einer Uniform.« Das sollte man als uniformierter Polizist eigentlich wissen, dachte Julia genervt.

Ratlosigkeit stand Krause ins Gesicht geschrieben. »Können Sie das Schmuckstück für die Fahndung beschreiben?«

»In der oberen Schleife ist ein ungewöhnlich großer Diamant eingefasst. In der Mitte befindet sich eine Doppelschleife. Die beiden Schleifen sind durch zwei Bänder mit jeweils vier großen Diamantrosen verbunden. Zentrales Motiv ist die Doppelschleife mit dem Hauptstein. Es ist der größte Diamant im Rosenschliff, der sich je in der Garnitur befunden hat. Darunter hängen zwei Dreierreihen großer Diamanten.«

Simon Krause machte sich eifrig Notizen in sein kleines Buch.

»Wie groß ist das Stück, und wie viele Diamanten hat es insgesamt?«

»Die Epaulette ist zweiundzwanzig Zentimeter lang und sieben Zentimeter breit. In ihr sind zwanzig große und zweihundertsechzehn kleinere Diamanten eingearbeitet.«

»Sie sagten etwas von einem Hauptstein?«

»Ja, das ist der Sächsische Weiße Diamant. Er ist wegen seiner Größe von knapp 50 Karat und seiner Farblosigkeit weltberühmt.«

Julia Graf sah dem teilnahmslosen Gesicht des Polizisten an, dass er keine Ahnung von Juwelen hatte.

»Können Sie eine detaillierte Liste der entwendeten Schmuckstücke machen? Wir brauchen auch Fotos für die Sachfahndung.«

»Wird erledigt.«

»Danke. Sind es bedeutende Schmuckstücke?«

Julia Graf musste sich beherrschen, ruhig zu bleiben. Krause musste doch klar sein, dass sie hier nicht vor einer aufgebrochenen Vitrine in der Schmuckabteilung von Karstadt standen.

»Die Juwelen gehören zum Weltkulturerbe. Es gibt nirgendwo in Europa eine Juwelengarnitur in dieser Form und Qualität.«

»Aha«, sagte Krause stirnrunzelnd. »Können Sie den Wert der Diebesbeute in etwa beziffern?«

Dem Polizisten gingen die naiven Fragen nicht aus. Wenn er derjenige war, der die Ermittlungen leitete, sah Julia schwarz.

»Die Juwelen haben einen unschätzbaren Wert.«

»Wenigstens eine Größenordnung werden Sie doch nennen können.«

»Das ist schwierig, denn es sind unverkäufliche historische Juwelen. Sie werden nicht gehandelt, also gibt es auch keinen Preis für sie, den ich Ihnen nennen könnte.«

»Reden wir hier über eine Million?«

Julia, bleib ruhig, sagte sie zu sich selbst.

»Grob überschlagen fehlen rund zwanzig Schmuckstücke mit über viertausend Diamanten und Brillanten. Nehmen wir an, wir hätten die Juwelen in einer Auktion bei Sotheby’s angeboten, dann hätten wir mit einem Versteigerungserlös zwischen 150 und 200 Millionen Euro rechnen können.«

Jetzt wirkte auch Polizeihauptmeister Krause sprachlos.

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 05:55 UHR

Kommissar Steinkamp hatte sein Handy am Ohr. Seit zehn Minuten versuchte er seinen Assistenten Vogt aus dem Bett zu klingeln. Missmutig umrundete er das Residenzschloss auf der Suche nach Einsatzleiter Krause. Er fand ihn vor dem schmiedeeisernen Zaun, das angegriffene Fenster im Hintergrund, einem Fernsehteam ein Interview gebend. Steinkamp kannte ihn nicht persönlich, hatte sein jugendliches Gesicht und seine rotblonden Haare aber schon öfter im Fernsehen gesehen.

»Die Polizei war nur zwei Minuten zu spät«, schnappte Steinkamp auf. Als wenn das ein Erfolg wäre. Fast hätten wir sie geschnappt, reichte eben nicht. Ihm fielen mehrere Polizisten rund um den Tatort auf, die einfach nur herumstanden.

»Ich habe sofort eine Nahbereichsfahndung angeordnet. Dutzende Polizisten durchkämmen gerade die Umgebung. Und dort, unter der Augustusbrücke, hat es einen Brandanschlag auf einen Verteilerkasten gegeben, der im Zusammenhang mit dem Einbruch stehen könnte.«

Krause zeigt auf die Brücke, auf der noch immer die Feuerwehr stand und unter der Rauch emporquoll. Das Fernsehteam verabschiedete sich eilig und rannte dorthin.

»Guten Morgen, Steinkamp, Kripo Dresden«, sprach er Krause an.

Dessen Gesicht verfinsterte sich, als er sich zu ihm umdrehte.

»Sie hätten sich nicht hierherbemühen müssen. Wir haben auch ohne die hohen Herren von der Kripo alles unter Kontrolle.«

Steinkamp überging seine Spitze. »Ich würde vorschlagen, Sie beziehen die Bundespolizei in die Fahndung mit ein. Die Grenzübergänge zu Tschechien und Polen sollten informiert werden. Ebenso die angrenzenden Polizeidirektionen in Chemnitz und Görlitz, das Land Brandenburg sowie die entsprechenden Autobahnpolizeien.«

»Für was soll das gut sein?« Krause verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte, sich größer zu machen, als er war. Steinkamp fand das lächerlich, denn er überragte den Mann um zwei Handbreit.

»Zehn Minuten von hier ist in einer Tiefgarage ein ausgebranntes Auto gefunden worden, vermutlich das Fluchtfahrzeug. Einen Katzensprung weiter ist die Autobahn. Während wir hier so nett miteinander plaudern, entfernen sich die Diebe mit jeder Minute ein paar Kilometer weiter von Dresden.«

»Äh, ja. Also sollten wir die Fahndung ausdehnen?«

»Ganz genau. Haben Sie schon eine Liste der Wachmänner?«

»Nein, wozu sollten wir die brauchen?«

Steinkamp musste ein Kopfschütteln unterdrücken. Der junge Kollege hatte überhaupt noch nicht über den Einbruch nachgedacht.

»Das liegt doch auf der Hand. Woher konnten die Täter wissen, welchen Verteilerkasten sie lahmlegen müssen, um im Schutze der Dunkelheit einbrechen zu können? Woher konnten sie wissen, dass das Vitrinenglas einer Axt nicht lange standhalten würde? Woher kannten sie die Dienstanweisung der Wachleute, sich nicht selbst in Gefahr zu begeben, sondern die Polizei zu rufen? Auf alle diese Fragen gibt es nur eine Antwort: Ein Wachmann hat die Täter mit Insider-informationen versorgt.«

Krause runzelte die Stirn. »So weit war ich in meinen Gedanken noch nicht.«

Weil es dir wichtiger war, Interviews zu geben, anstatt den Fall zu lösen und die Einbrecher zu jagen, schoss es Steinkamp durch den Kopf.

»Genau deshalb werde ich die weiteren Ermittlungen übernehmen«, sprach er schließlich mit ruhiger Stimme weiter.

Simon Krause wirkte einen Moment verdutzt, fing sich aber schnell wieder.

»Hört zu, Leute, Sherlock Holmes ist hier, um den Fall aufzuklären.«

»Sehr witzig.«

Neugierig kamen mehrere herumstehende Polizisten näher.

»Meine Damen und Herren«, setzte Steinkamp an. »Unsere Täter sind seit einer Stunde auf der Flucht. Ich will sofort eine Befragung der Nachbarschaft der Tiefgarage. Vielleicht hat jemand gesehen, mit welchem Wagen sie weitergefahren sind. Checkt außerdem alle Überwachungskameras von der Tiefgarage bis zur Autobahn. Wenn wir das zweite Fluchtfahrzeug identifiziert haben, müssen wir in einem 250-Kilometer-Radius nach ihm suchen.«

Die Polizisten machten sich auf zu ihren Streifenwagen.

»Schnappt sie euch.«

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 06:15 UHR

Professor Adrian Falke schlug langsam die Augen auf.

Wo bin ich? Draußen war es noch dunkel. Er tastete nach dem Schalter der Nachttischlampe. Das Licht ging an. Er sah sich in dem Raum um. Er lag in einem Doppelbett. Gegenüber stand ein heller Schreibtisch auf rotbraunem Teppichboden. An der Wand hingen ein Fernseher und ein billiger Kunstdruck. Ein typisches Hotelzimmer, kaum unterscheidbar von den unzähligen anderen, in denen er schon übernachtet hatte.

Professor Falke richtete sich auf. Sein Blick fiel auf das Tagungsprogramm auf dem Nachttisch.

Sicherheit in Museen

Congress Center Dresden

23. – 27.11.2019

Er war im Maritim Hotel abgestiegen, das direkt neben dem Congress Center lag. Dort hatte er gestern Abend einen Vortrag zum Thema »Das Aufspüren geraubter Kunst« gehalten. Mit Grausen erinnerte er sich an seine Vorstellung durch die Moderatorin. Sie hatte ihn als »Indiana Jones der Kunstwelt« bezeichnet. So mochte man als Professor für Kunstgeschichte wirklich nicht genannt werden. Die Konferenzteilnehmer würden denken, er sei ein halbseidener Abenteurer, der mit Fedora und Peitsche um die Welt jagte, um verschwundene Kunstschätze aufzuspüren. Tatsächlich war er ein ernsthafter Wissenschaftler. Er hatte Dutzende Bücher und Hunderte Artikel über kunstgeschichtliche Themen geschrieben. Leider waren es allesamt Auflagenruinen gewesen. In Vorlesungen gab er sein enzyklopädisches Wissen an die Studenten der Universität der Künste Berlin weiter. Worauf die Moderatorin anspielte, war, dass er sich auch als Kunstdetektiv betätigte. Er hatte schon Dutzende in kriminelle Hände geratene Kunstwerke aufgespürt und in ihre Museen zurückgebracht. Diese Erfolge hatte er aber weder seinen Fäusten noch einer Peitsche zu verdanken, sondern seinen exzellenten Beziehungen zur Unterwelt.

Falke hatte sich erhoben. Er hatte der Moderatorin gesagt, dass sie die falschen Filme sehe. Er sei Kunstgeschichtler und kein Archäologe. Aber wenn sie noch mal mit diesem schiefen Vergleich käme, würde er sie vielleicht doch seine Peitsche spüren lassen.

Das Publikum hatte gelacht und Falke die Moderatorin vom Podium komplementiert.

In seinem Vortrag hatte er dargestellt, wie er bei der Suche nach geraubten Kunstwerken vorging. Prinzipiell konnte man zwei Arten von Kunstdieben unterscheiden. Es gab Diebe, die glaubten, sie könnten ihre Beute verkaufen. Aber sie würden keine Käufer finden. Denn niemand kaufte ein Kunstwerk, das er nicht seiner Familie und seinen Freunden zeigen konnte. Wenn die Diebe realisierten, dass sie das gute Stück nicht loswurden, traten sie an das Museum oder die Versicherung heran und verlangten Lösegeld. Bei der Übergabe klickten dann meist die Handschellen. Weitaus schwerer zu fassen waren professionelle Räuber. Sie wussten, dass Kunstwerke oder Schmuckstücke wegen ihres Wiedererkennungswertes als Ganzes unverkäuflich waren. Also wurden Gold und Silber eingeschmolzen, Diamanten entfernt und geschliffen, um sie einzeln in neuer Form zu verkaufen. Waren die Täter professionelle Räuber, war es ein Wettlauf gegen die Zeit. Man musste sie erwischen, bevor die Kunst für immer zerstört war.

Professor Falke hatte drei seiner Fälle geschildert. Er hatte Hitlers Pferde wieder aufgespürt, zwei meterhohe Pferdestatuen, die einst vor der Reichskanzlei standen. Genauso wie einen gestohlenen Picasso und den ebenfalls entwendeten Ring Oscar Wildes.

Die Zuschauer hatten am Ende auf die Tische geklopft. Seine Erfolgsbilanz als Kunstdetektiv konnte sich sehen lassen. Dabei nahm er nicht einmal Geld dafür. Ihm war wichtig, dass die einzigartigen Kunstwerke zurück in die Museen kamen und dort von vielen Menschen bewundert werden konnten.

Professor Falke nahm die Fernbedienung vom Nachttisch und schaltete den Fernseher ein. Er hatte bis zum Frühstück und der Fortsetzung der Tagung noch massig Zeit. Auf dem Bildschirm erschien eine Reporterin, die vor einem Streifenwagen stand. Hinter ihr war Absperrband und das Grüne Gewölbe zu erkennen.

Was, um Himmels willen, war da passiert? Erst gestern war er noch in dem Museum gewesen.

Ungläubig lauschte er der Reporterin, die atemlos von einem Einbruch ins Grüne Gewölbe berichtete.

DRESDEN

MONTAG, 25. NOVEMBER 2019, 06:25 UHR

Atemlos und mit unrasiertem Gesicht erreichte Kommissar Vogt den Tatort. Im spiegelnden Glas der Eingangstür des Residenzschlosses richtete er sein zerzaustes Haar. Eigentlich legte er Wert auf ein ordentliches Aussehen, aber sein Vorgesetzter Björn Steinkamp hatte am Telefon ungehalten sein sofortiges Erscheinen verlangt. Also hatte er sich nur rasch die Zähne geputzt, sich angezogen und war losgefahren. Die Woche fing ja gut an.

Kommissar Steinkamp stand mit einer Zigarette im Mund im überdachten Innenhof. Er hatte eine Stirnglatze, einen Henriquatre-Bart und war fast zwei Meter groß. Sein langer Trenchcoat konnte sein Übergewicht kaum verbergen. »Mensch, wo bleibst du denn? Hier ist die Hölle los, und du schläfst einfach.«

»Tut mir leid Chef.« Eigentlich musste er sich nicht entschuldigen, denn offizieller Dienstbeginn wäre erst in einer Stunde.

»Das war ein Anschlag auf unser Land. Ganz Sachsen erwartet von uns, dass wir den geraubten Kulturschatz finden und ins Museum zurückbringen.«

Steinkamp setzte ihn über den Coup des Jahrhunderts und die bisherigen Ermittlungen ins Bild. Die Suche der ausgeschwärmten Streifenwagen nach den Juwelendieben war bislang erfolglos geblieben. Auch die Bewohner über der Tiefgarage hatten keine Hinweise auf das zweite Fluchtfahrzeug geben können.

»Ich habe den Verdacht, ein Wachmann könnte den Tätern Insider-Informationen über das Sicherheitssystem verraten haben.«

»Wie beim Diebstahl im Berliner Bode-Museum?«, fragte Vogt.

»Ja, genau«, bestätigte Steinkamp.