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Wer tötete die Geistheilerin Patricia Bahran? Eine Frau, die so viel Gutes getan hat? Das fragen sich alle und keiner kann es begreifen. Nach "Mörderliebe" ermittelt das Duo Weinfeld und Albrecht endlich wieder gemeinsam in gewohnt spannender Weise in diesem komplizierten Mordfall. Ein unübersichtliches Kundenbuch, viele Verdächtige und eine Wunderheilerin, die anscheinend zu viel über ihre Kunden gewusst hat. Karla und Zacharias kämpfen nicht nur gegen das Schweigen der Verdächtigen an, sondern auch gegen die mörderische Hitze eines Jahrhundertsommers.
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Seitenzahl: 486
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Elke Maria Pape
Der Fall Bahran
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Impressum neobooks
Vor der Tat, Ende Februar
Unglaublich.
Da war doch tatsächlich ein Bericht über sie in der Zeitung!
Zwar nicht auf der ersten Seite, nein auf Seite fünf.
Aber immerhin.
Sie hatte gar nichts darüber erzählt.
Dass ein Reporter über sie berichten wollte, ganz offiziell.
Wo sie ihre Tätigkeit doch normalerweise nicht an die große Glocke hing, obwohl sie in der Stadt viele Leute kannten. Oder zumindest von ihr gehört hatten.
Die Person faltete die Zeitung ordentlich auseinander und fuhr mit den Fingern über die geknickten Stellen. Das muss ich lesen, dachte die Person.
Unbedingt.
Es war eigentlich Zufall, dass diese Person eine Ausgabe der Zeitung, die einmal im Monat erschien, gekauft hatte. Aber gab es wirklich Zufälle im Leben? War nicht alles irgendwie gelenkt, wie von einer unsichtbaren Hand, von Fäden, an denen gezogen wurde, nicht so fest, dass man es sofort spürte, aber doch entschieden. Wie ein Pendel, das sich immer in die Richtung bewegte, in der es der Geist eines jeden, der es bediente, befahl?
Wahrscheinlich war es so.
Also, was blieb einem anderes übrig, als den Bericht zu lesen?
Berichterstattung Ausgabe Februar
> Gesichter einer Stadt<
Vom 14. Februar
Das Interview begann mit dem üblichen Geplänkel. Kurze Vorstellung, einführende Worte, Erklärungen an die Leser. Am Anfang hatte man ein wenig das Gefühl, das Patricia Bahran nicht zu den eifrigsten Lesern der Serie über bekannte Persönlichkeiten dieser Stadt gehörte, was der Reporter zu überspielen versuchte. Gehört hatte sie davon, ja, aber sonst. Den Lesern gefiel es bestimmt, dass sie so ehrlich war. Warum auch nicht?
Sie erwähnte einen Bericht über einen Schlagerstar, der hier in der Stadt lebte, und der, zum großen Verdruss seiner doch recht konservativen Fans, in den Bordellen im Rotlichtbezirk ein und ausgegangen war. Man hatte ihn dort mehrfach gesehen. Patricia merkte an, dass die Zeitung jedoch nicht mit eben diesem Schlagerfuzzi gesprochen hatte, sondern mit einer Prostituierten, die sich wohl ausgiebig um den Herrn gekümmert hatte. Der Reporter antwortete daraufhin schlagfertig, dass es sich bei der besagten Dame ja schließlich auch um ein Gesicht dieser Stadt handelte, und da musste Patricia Bahran ihm wohl oder übel Recht geben.
Die nächsten Fragen und Antworten überflog die Person. Es ging um Allgemeines. Was Patricia genau machte, wie sie es machte und warum.
Uninteressant.
Jedenfalls für die Person.
Weil sie es wusste. Nur zu gut.
Dann kam der Reporter an einen Punkt, der ihm wohl am Herzen zu liegen schien.
Er schien einer der Menschen zu sein, die zwar nicht ausschließen wollten, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gab, die man nicht ohne weiteres erklären konnte, aber die sich doch noch eine große Spur Skepsis bewahrt hatten und auf Nummer Sicher gingen. Doch lieber das glaubten, was zu beweisen war.
„Das heißt, man muss schon ein großer Menschenfreund sein, um diesen Beruf auszuführen, richtig?“
„Ja, das stimmt. Und das bin ich auch. Ich liebe die Menschen.“
„Alle?“
„Vielleicht nicht alle. Aber die meisten. Wenn man sich Mühe gibt, kann man an jedem Menschen etwas Schönes entdecken.“
„Haben Sie gar keine Angst dass da mal irgendetwas schief geht?“
„Wie meinen Sie das denn? Was soll da schief gehen?“
„Dass zum Bespiel einer Ihrer Besucher das Ganze missverstehen könnte. Vielleicht verliebt sich jemand plötzlich in Sie.“
„Nein, jetzt muss ich aber lachen. Das ist noch nie passiert, glauben Sie mir.“
„Aber es könnte doch passieren. Oder Sie geraten an einen Psychopathen, der Sie um den Finger wickelt ohne dass Sie es sofort merken und es gar nicht gut mit Ihnen meint. Alles möglich.“
„Jetzt übertreiben Sie. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Tätigkeit. Sie erfüllt mich und macht mir große Freude. Ich habe vor, das noch mindestens vier bis fünf Jahre zu machen. Anschließend möchte ich reisen. Das ist in der Vergangenheit etwas zu kurz gekommen. Und in jungen Jahren fehlte mir einfach das Geld. Nicht, dass ich durch meine Arbeit reich werde. Ich tue das einfach, weil es mich als Mensch glücklich macht.“
„ Frau Bahran, erlauben Sie mir anzumerken, dass ich ein bisschen skeptisch bleibe. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich.“
„Machen Sie sich keine Sorgen um mich.“
„Trotzdem, tun Sie mir einen Gefallen und schauen Sie sich die Leute genau an, bevor Sie sie behandeln. Das Ganze macht mir ein bisschen Angst.“
„Das ist nett von Ihnen, dass Sie besorgt um mich sind, aber das ist unbegründet. Ich merke schon, wenn einer ernsthaft krank ist. Auch psychisch! Und den würde ich nicht behandeln und sofort an einen Facharzt verweisen.“
„Frau Bahran, ich danke Ihnen für dieses Interview. Geben Sie unseren Lesern doch noch ein paar kurze Stichpunkte zu Ihrem Leben.“
„Gern. Ich heiße Patricia Bahran.
Ich bin sechsundfünfzig Jahre alt.
Keine Kinder.
Geschieden.
Und mein Beruf ist Geistheilerin.“
„Vielen Dank. Und wie gesagt, passen Sie gut auf sich auf, Frau Bahran.“
Die Person legte nachdenklich die Zeitung zur Seite und war sich nun ganz sicher. Patricia Bahran würde helfen.
Die Person musste nur immer wieder fragen. Notfalls flehen, auch wenn das schwer war, aber die Zustände erforderten es nun einmal.
Unter Umständen musste Patricia Bahran auch gezwungen werden. Wenn es gar nicht anders ging. Aber darüber musste man im Moment noch nicht nachdenken. Noch war es zu früh für solche Pläne.
Oder nicht?
Montag, der 01. August
Konnte er nie dieses Nörgeln sein lassen?
„Gertrud!” Jetzt rief er schon wieder nach ihr. Irgendwo von draußen aus dem Garten kam die Stimme.
„Gertrud!”
Sie seufzte. „Ja, was ist denn? Ich muss zur Arbeit!” Leicht genervt ging sie durch das kleine Wohnzimmer und blieb an der offenen Terrassentür stehen.
Nach ein paar Minuten kam ihr Mann um die Hausecke und klopfte sich auf der Terrasse die schmutzige Hose ab. Endlos lange machte er das, anschließend zog er sich die Gartenhandschuhe aus, an denen noch kleine Ackerklumpen klebten.
„Wo willst du hin?”, fragte er atemlos.
„Arbeiten, hab ich doch gesagt. Ich gehe jeden Morgen arbeiten, falls du dich erinnerst.”, antwortete sie ungeduldig.
Ihr Mann kratzte sich verlegen an der Stirn. „Ja, aber doch nicht so spät. Es ist neun Uhr. Ich dachte, du hättest heute frei.”
„Nein, hab ich nicht. Frau Bahran braucht mich heute später. Wie gesagt, hab ich dir alles schon erzählt.”
Er lächelte gequält. Er merkte sehr wohl, wie sein Gedächtnis immer mehr nachließ.
„Es ist Suppe im Kühlschrank. Für heute Mittag. Also, ich muss jetzt wirklich los. Bis nachher.”
Gertrud Häberlein schloss die Terrassentür und öffnete sie sofort wieder.
„Hast du einen Schlüssel? Nicht, dass ich dich jetzt aussperre.”
Er lächelte immer noch und griff in die Tasche seiner ärmellosen Weste.
Ja, er hatte einen Schlüssel.
Was er sie noch fragen wollte, hatte er vergessen.
Sie blickte in den Spiegel im Flur und überprüfte kurz ihr Aussehen, dann ging sie los. Heute würde sie den Bus nehmen. Normalerweise ging sie immer zu Fuß. Aber heute hatte sie zwei Kilo sperrige Porree Stangen bei sich, die sie gestern für ihre Chefin auf dem Markt erstanden hatte. Eigentlich erledigte sie gerne Botengänge, dann durfte sie immer eine halbe Stunde eher gehen und konnte so auch noch für sich und ihren Mann etwas kaufen, meist für das gemeinsame Abendessen.
Um 9.15 Uhr stieg sie in die Linie 19 und ließ sich neben anderen Hausfrauen und Verkäuferinnen, die zur Arbeit fuhren, nieder.
Das Frau Bahran sie manchmal etwas später bestellte, war nicht ungewöhnlich. Im Allgemeinen empfing sie dann einen ihrer Gäste, jemand, der nicht gesehen werden wollte. Vielleicht jemand Prominentes. Ihr konnte es nur recht sein, sie bekam trotzdem die volle Stundenzahl abgerechnet. Immer von acht Uhr morgens bis ein oder zwei Uhr nachmittags. Je nachdem.
Gäste, so nannte ihre Chefin die Leute, die zu ihr kamen und diese sprachen sie immer mit „Madame Bahran” an. Gertrud Häberlein fand das ein bisschen affig. Aber was ging sie das an. Madame zahlte gut, und jetzt, da ihr Mann bereits in Rente war, konnten sie jeden Cent gebrauchen.
An der Haltestelle Birkenweg stieg sie aus. Jetzt war es nur noch einen Katzensprung bis zum Tannenweg. Vor der Hausnummer vierzig kramte sie in ihrer großen Handtasche nach dem Schlüssel, öffnete wie immer die knarrende Gartentür und ging über den Steinweg zum Haus. Die üppigen Blumen links und rechts des schmalen Weges waren jetzt in der flirrenden Hitze des Hochsommers so schwer, dass sie sich mit ihrer ganzen Pracht zur Seite bogen und man kaum noch die Steinplatten unter den Füßen erkennen konnte.
Frau Bahran war geradezu vernarrt in dieses unordentliche Blumenmeer. Gertrud Häberlein schüttelte den Kopf und schob bei jedem Schritt mit ihren Beinen die teilweise schon abgeknickte Blumen zur Seite.
Sie hatte es lieber ordentlicher.
Um punkt neun Uhr dreißig schloss sie die Haustür auf. Eine schwere alte Eichentür, deren Schloss immer ein wenig klemmte.
Historisch, nannte ihre Chefin die Tür. Sie hatte sie irgendwo teuer erstanden und extra einbauen lassen. Frau Häberlein hatte das nicht verstehen können. Zumal sich vorher dort eine sehr moderne, neue Haustür befunden hatte. Dass man die durch eine alte ersetzten wollte, leuchtete ihr nicht ein.
Der Flur mit den weißen Bodenfließen wirkte hell und freundlich und durch die halboffene Wohnzimmertür strömte zusätzliches Sonnenlicht herein.
Sie stellte wie immer ihre Handtasche unter dem Garderobenglastisch ab und trug die Leinentasche mit dem Porree Gemüse in die Küche. Wie jeden Morgen stapelte sich auf mehreren Arbeitsplatten das dreckige Geschirr des letzten Tages. Frau Bahran schaffte es nie, die Sachen in die Spülmaschine zu räumen. Wenigstens das hätte sie doch machen können, dachte Frau Häberlein jeden Morgen, wenigstens das.
Und so sortierte sie auch heute Tassen, Teller und jede Menge Gläser in die Spülmaschine, immer bedacht, möglichst wenig Lärm zu machen.
Deswegen hatte sie auch einen eigenen Schlüssel. Frau Bahran wollte nicht gestört werden, wenn sie Gäste hatte. Auf gar keinen Fall. Meistens hielt sie sich mit ihren Kunden in einem extra dafür vorgesehenen Raum im ersten Stock auf.
Kunden, so nannte Frau Häberlein diese Leute.
Heute Morgen schien allerdings niemand von diesen Leuten da zu sein. Alles war ruhig.
Vielleicht schlief sie noch.
Nichts Ungewöhnliches.
Frau Häberlein stellte die Spülmaschine an und wischte die Flächen der Einbauküche mit einem nassen Lappen ab. Frau Bahran mochte nicht, wenn man beim Hereinkommen in die Küche Fingerspuren an den Schränken erkennen konnte. Schon gar nicht am Kühlschrank.
Und Frau Bahran ging sehr oft an den Kühlschrank. Das vermutete Frau Häberlein jedenfalls, weil fast täglich die Sachen, die sich gestern noch im Kühlschrank befanden, weg waren und wieder neue Sahne- und Joghurtbecher dort standen. Auch Salami und fettige Käsesorten, Packungen mit Kartoffelsalat und diverse Fertiggerichte wurden ständig aufgefüllt.
Jeder hat wohl seine Schwächen, dachte Frau Häberlein. Und das war die Schwäche von Frau Bahran, was man ja auch an ihrem wohlgenährten Körper erkennen konnte.
Nachdem sie mit der Küche fertig war, und das dauerte meistens vierzig Minuten, ging sie zurück in den Flur und nahm sich den Kellerschlüssel, der an einem Haken an der Wand hing. Beim Blick, den sie durch die halboffene Wohnzimmertür warf, konnte sie einige rote Flecken auf dem Fußboden ausmachen. Frau Häberlein zuckte mit den Schultern. Da würde sie sich später drum kümmern.
Sie hatte immer ihren festgelegten Rhythmus. Sonst konnte man schnell etwas vergessen.
Und jetzt war zuerst das Obergeschoss dran.
Sie ging die Kellertreppe hinunter und griff sich ihre Putzutensilien, die dort unten neben einem Waschbecken standen.
Ein Eimer, ein Wischer mit mehreren, ordentlich zum Trocknen aufgehängten, passenden Bezügen, ein Fensterleder und einen Schwamm für den groben Schmutz, obwohl es den in diesem Haus eigentlich gar nicht gab.
Dazu noch einen Glasreiniger für Fenster und die vielen Spiegel, Scheuermilch und einen Allzweckreiniger. Fertig!
Sie packte alles in ein dafür vorgesehenes Körbchen und schleppte die Sachen mit samt Wischer und Eimer nach oben.
In der Küche ließ sie Wasser in den Eimer und auf dem Weg in den ersten Stock wischte sie schon einmal über das Treppengeländer.
Oben stand die Schlafzimmertür von Frau Bahran offen. Sie war also schon aufgestanden. Das Bett war ordentlich gemacht.
Seltsam.
Normalerweise kümmerte sich Frau Häberlein auch da drum. Sah nach, ob die Bettwäsche gewechselt werden musste, legte ansonsten die Bettdecke ordentlich zusammen und knickte das aufgeschlagene Kopfkissen, so dass es aussah wie in einem Luxushotel.
Wo war sie heute Morgen nur? Frau Häberlein sah auf ihre Uhr. Bereits kurz vor elf.
Die Tür zu dem so genannten Beratungszimmer war geschlossen. Aber dort schien niemand zu sein. Ansonsten konnte man bisweilen gemurmelte Stimmen aus dem Innern des Zimmers hören, manchmal sogar leises Schluchzen. Das kam auch vor.
Sollte sie hinein gehen und nachschauen? Sie legte ihre Hand auf die Türklinke und drückte sie herunter. Dann überlegte sie es sich anders. Lieber nicht.
Aber wo steckte sie nur? Oder war sie gar nicht zu Hause? Wenn sie heute einen Termin gehabt hätte, dann hätte sie doch etwas gesagt. Aber sie war ihr schließlich keine Rechenschaft schuldig.
Trotzdem, es wäre nicht zu viel verlangt, ihr Bescheid zu geben, dachte Frau Häberlein. Aber was sollte man machen? Sie putzte einfach in ihrem gewohnt ruhigen aber stetigen Tempo weiter. Zuerst das Bad, dann überall Staubwischen, dann die Teppiche saugen und das Fenster im Schlafzimmer war auch mal wieder dran.
Wo war sie bloß?
Viertel nach Zwölf! Jetzt musste sie sich aber beeilen. Schließlich hatte sie heute weniger Zeit, aber die Räume mussten trotzdem alle gemacht werden. Zum Bügeln würde sie wohl nicht mehr kommen. Aber im Wohnzimmer musste sie unbedingt nach den roten Flecken sehen, die ihr eben aufgefallen waren. Wahrscheinlich wieder von diesem klebrigen und dickflüssigen Kirschsaft, den ihre Chefin oft abends trank. Frau Häberlein hasste dieses Zeug. Und wenn das erst einmal eingetrocknet war, nicht nur am Boden, sondern auch in den ständig neuen Gläsern, die sich Frau Bahran aus der Vitrine nahm, hatte man seine liebe Mühe mit dem Zeug.
Schon im Flur spannte sie ein feuchtes Tuch auf den Wischer, fuhr sich mit der Hand über ihre schweißnasse Stirn, und ging anschließend ins Wohnzimmer.
Gegen Mittag wurde die Hitze unerträglich. Auch hier im Haus.
In dem großen Raum wischte sie zuerst über die unzähligen Kirschsaftflecken. Diesmal gingen sie überraschender Weise ganz leicht ab.
So, Frau Häberlein wischte sich ihre nassen Hände an ihrer alten Hose ab und überlegte. Wenn Madame noch nicht da ist, kann ich heute ja mal in Ruhe die Polster absaugen, nahm sie sich vor, kniff die Augen aufgrund den flutenden Sonnenlichts, das durch die großen Scheiben schien, leicht zusammen und sah sich um.
Sie lag neben dem wuchtigen Glastisch. Direkt hinter dem großen Sofa, das die Sicht versperrte.
Und hier war alles voll von roten Flecken.
Überall.
Sie waren überall.
Frau Häberlein presste in einem stummen Schrei völlig verkrampft die Hände an ihren Mund.
Überall dieses Rot.
Unten auf dem Boden.
An den Wänden.
Am Fenster.
Auf dem Sofa.
Sie sah hoch.
Auch an der Decke!
Der Kopf der toten Madame Bahran war umspült von Blut, so als hätte jemand ein fliesend rotes Seidentuch drapiert. Ihr Gesicht war nur noch eine blutige Masse. Sekundenlang, minutenlang starrte die Haushälterin regungslos auf ihre Chefin, sie kniff die Augen zusammen, riss sie wieder auf, und doch verschwand es nicht, das Grauen, dieser lähmende Schock.
Das hier war kein Film, nicht einer dieser Krimis, die sie immer sah. Keine Szene, die sich gleich auflöste. Hier lag Madame Bahran, fürchterlich zugerichtet, ja geradezu entstellt. Es war, als hörte man selber auf zu existieren, während man auf die Leiche starrte, als stände das eigene Herz still und die ganze Welt.
Später wird sich Frau Häberlein nicht mehr erinnern können, wie sie aus dieser Hölle nach draußen gekommen war.
Die thailändische Haushaltshilfe der Nachbarn sah sie gegen halb ein Uhr mittags, wie sie, die Hände erhoben, über die Terrasse lief.
Sie war gerade dabei, das Badezimmer ihrer Arbeitgeber zu putzen und hatte die große Badematte zum Lüften aus dem Fenster gehangen. Die Frau Häberlein ist aber heute spät dran, dachte sie noch, normalerweise bringt sie den Müll schon kurz nach acht raus. Sie winkte ihr und lächelte ihr freundlich zu in ihrer scheuen Art.
Aber Frau Häberlein lächelte nicht zurück, das war seltsam, nein, sie fuchtelte und ruderte geradezu panisch mit den Armen um sich.
Mülltüten hatte sie auch nicht dabei. Die Thailänderin beugte sich verwirrt aus dem Fenster, während Frau Häberlein im selben Augenblick der Dame des Hauses in die Arme lief.
Plötzlich hörte sie wie die Haushälterin von Frau Bahran anfing zu schreien und nicht mehr aufhörte. Also lief sie eilig die Treppe herunter und zusammen mit ihrer Chefin gelang es ihr irgendwann, die völlig verängstigte Frau zu beruhigen.
Was diese dann allerdings unter Tränen und am ganzen Leib zitternd berichtete, war so ungeheuerlich, dass beiden das Blut in den Adern gefror.
Montag, der 01. August
Er sah die Nummer auf dem Display seines Telefons. Reichte es nicht, dass sie ihn eine Woche zu früh aus dem wohlverdienten Urlaub geholt hatten? Seit Tagen schob er Überstunden ohne Ende. Es war schon schlimm genug dass nicht weniger als fünf Kollegen aus dem Kommissariat mit einer schweren Sommergrippe im Bett lagen.
Wenigstens das Mittagessen konnte man ihm doch gönnen, oder?
Zacharias Weinfeld seufzte laut und erhob sich von seinem Küchenstuhl. Gerade hatte er sich ein leckeres Steak in die Pfanne gehauen, das er jetzt erst zur Hälfte gegessen hatte. Er aß bei geschlossenen Jalousien um die Hitze draußen zu lassen.
„Weinfeld.”
„Chef, es gibt einen neuen Fall. Tut mir leid, aber ich..., ach Entschuldigung, hier ist Steffen Döber, ich…”
„Ich kenne deine Stimme, Steffen. Also, was gibt’s?”
„Ja, es wäre mir auch lieber wenn….” Steffen Döber hatte wohl den genervten Tonfall seines Vorgesetzen bemerkt.
„Nun rede schon. Du kannst ja nichts dafür. Oder hast du jemanden umgebracht?”„Sehr witzig, wirklich.”
„Also, ein Mord?”
„Ja. Sieht so aus.”
„Oder ist die Sache unklar? Kann nicht erst mal der Kriminaldauerdienst vorbei kommen?”
„Ist schon da. Es ist eindeutig Mord.”
„Wo soll ich hinkommen?” Zacharias Weinfeld hielt Block und einen Stift bereit, um sich Notizen zu machen.
Es raschelte. Sein Kollege Döber blätterte in irgendwelchen Zetteln:
„Tannenweg 40.”
„Oh, schicke Gegend. Hab Verwandte dort.”
„War ja klar.”
„Wie bitte?”
„Schon gut. Du kannst den Tatort nicht verfehlen. Da muss es schon vor Einsatzwagen wimmeln. Spurensicherung und Gerichtsmedizin sind auch schon da, beziehungsweise unterwegs.”
„Und du?”
„Ich? Ich bleibe hier. Einer muss ja die Stellung im Büro halten.”
„Also werde ich der einzige sein vor Ort?”
„So siehst momentan aus. Wir sind nur noch zu zweit. Jedenfalls so lange, bis mich die Grippe auch noch nieder streckt.”
Zacharias grummelte. „Mal bloß nicht den Teufel an die Wand. Wer ist denn der Tote?”
„Die Tote!”
„Eine Frau?”
„Ja, und eine sehr bekannte noch dazu.”
„Ich versteh nicht.”
„Fahr erst mal hin, dort werden sie dir alles Weitere erklären.”
„O.K.” Zacharias klemmte sich den Hörer unters Kinn, schleppte seinen halbvollen Teller zurück in die Küche und stellte ihn in den Kühlschrank. „Bin schon unterwegs!”
Er musste nicht lange suchen, bis er das Haus, eine eckige kleine Stadtvilla, fand. Zwar war das Wohnhaus durch einen mächtigen Bestand an alten Bäumen und großen Büschen und Sträuchern vor den Blicken der Passanten relativ gut geschützt, aber die noch immer eingeschalteten Blaulichter wiesen ihm den Weg.
Er parkte seinen Wagen zirka zehn Meter weiter am Straßenrand und ging an zahlreichen Schaulustigen, neugierigen Nachbarn in kurzen Hosen und den üblichen Vertretern der Presse, die wahrscheinlich wieder den Polizeifunk abgehört hatten, vorbei zu einem Streifenbeamten, der ihm bereitwillig das Absperrband hoch hielt.
„Die Spurensicherung ist hoffentlich schon da?”, fragte Zacharias.
Der Beamte nickte stumm.
Zacharias nestelte an einem Hemdknopf herum und lockerte seine Krawatte. Sein Hemdkragen war jetzt schon durchnässt. Die Temperatur änderte sich kaum, als er durch die geöffnete Haustür ging. Hier drinnen war es genauso stickig wie draußen.
Leute der Spurensicherung kamen ihm entgegen und nickten ihm mit ihren schweißnassen Gesichtern zu.
„Wie lange seid ihr schon hier?”, fragte Zacharias.
„Schon über eine Stunde.”, sagte einer.
Die blonde Inge Braukmann hatte ihre langen Haare zu einem raffinierten Knoten hochgesteckt und beugte sich gerade konzentriert über den Körper der Ermordeten. Zacharias mochte die junge Rechtsmedizinerin, die es mit Fleiß und Ehrgeiz recht schnell geschafft hatte, sich auf der Karriereleiter nach oben zu kämpfen, trotz einiger Widerstände ihrer männlichen Kollegen.
Ihrer verbindlichen Art und der fachlichen Kompetenz konnte man recht schnell vertrauen.
„Tag, Herr Weinfeld!” Sie strich sich mit dem Unterarm eine verschwitzte Haarsträhne aus dem Gesicht, peinlich darauf bedacht, nicht mit den Händen ihren Kopf zu berühren.
Die medizinischen Handschuhe waren voller Blut.
„Verdammt heiß heute, nicht wahr?”
Sie nickte gequält.
„Weiß man schon wer die Tote ist.” Zacharias stand jetzt in unmittelbarer Nähe der Leiche. Ein fürchterlicher Anblick, dachte er. Die arme Frau war von einer riesigen Lache Blut umgeben, ihr Gesicht war kaum zu erkennen. Auch der Oberkörper wies zahlreiche Wunden auf, die stark geblutet hatten. Hier hatte jemand mit äußerst brutaler Gewalt agiert.
Sie hatte keinen leichten Tod gehabt.
Inge Braukmann hatte nicht auf seine Frage geantwortet, so konzentriert war sie bei der Sache.
„Es ist wohl die Dame des Hauses.”, kam ihr ein Mann der Spurensicherung zur Hilfe. „Patricia Bahran. 56 Jahre alt. Ihre Haushälterin hat sie gegen Mittag gefunden.”
„Ist sonst noch jemand im Haus gewesen?”
„Nein, die Frau lebte alleine hier.”
Er sah sich um. Die Wohnung war hell und freundlich eingerichtet. Insgesamt überwiegten zarte Pastelltöne, Farben, die sich nicht zu sehr dem Auge aufdrängten aber trotzdem eine heimelige Gemütlichkeit zauberten. Wäre da nicht das viele Blut gewesen.
„Und die Haushälterin?”
„Wohnt in einem anderen Viertel. Sie kommt jeden Morgen hier hin und hat einen eigenen Schlüssel.”
Zacharias kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Aha, und wo ist sie jetzt?”
„Im Krankenhaus. Sie steht unter Schock. Kein Wunder bei dem Anblick.” Der Mann von der Spurensicherung nickte in Richtung der Leiche. „Nachbarn haben sich um sie gekümmert und die haben auch die Polizei gerufen. Zuerst war der Kriminaldauerdienst da, aber die sind schon wieder weg. Sie wurden zu einem neuen Fall gerufen. Ein Rentner, der schon mehrere Wochen tot in seiner Wohnung lag. Das hier ist eindeutig ein Fall für die Mordkommission.”
Einer seiner Kollegen kam mit einer Plastiktüte auf sie zu. „Hier.”, sagte er und hielt die Tüte direkt vor Zacharias Gesicht. „Das sollten Sie sich ansehen!”
„Was ist das?” Zacharias Weinfeld betrachtete neugierig die zwei blutverschmierten großen Gegenstände, die aussahen wie unförmige schwere Steine.
„Vielleicht die Tatwaffe. Eine Skulptur, wahrscheinlich aus Sandstein. Der Täter hat wohl so fest zugeschlagen, dass sie in zwei Teile gebrochen ist. Sieht nach einer Menge Hass aus. Bei dem vielen Blut kann man nicht viel erkennen, aber es scheint so, als wenn es sich dabei um eine Darstellung eines Paares handelt, wenn man die Steine zusammensetzt. Aber fragen Sie mich nicht.“ Er hob seine linke Hand und machte eine abwehrende Bewegung. „Ich habe keine Ahnung von Kunst.”
„Ja, o.k. Das ist ja schon ziemlich viel.”, lobte Zacharias ihn. Er wandte sich wieder der Gerichtsmedizinerin zu. „Glauben Sie auch, dass eine schwere Steinskulptur das Tatwerkzeug gewesen sein könnte?”
Dr. Inge Braukmann schaute kurz hoch. „Schon möglich. Bei den Wunden. Der Kollege von der Spurensicherung hat sie unter dem Sofa gefunden. Da hat sich jemand keine besondere Mühe gemacht, das Ding verschwinden zu lassen, wenn Sie mich fragen.”
„Was können Sie sonst zur Leiche sagen?”
„Todesursache sind mit Sicherheit die schweren Schläge auf den Kopf und auf den Brustbereich. Sie sehen ja das viele Blut. Aber wir müssen die Leiche im Institut zuerst säubern, vorher kann ich nichts Genaues sagen. Eins ist klar, der Täter muss wie in Raserei immer wieder zugeschlagen haben.” Sie schüttelte sich, so als würde sie erst in diesem Moment bemerken, an welch grausigem Tatort sie sich gerade befand.
Zacharias gab ihr Recht. „Ja, es immer wieder unvorstellbar, was Menschen anderen Menschen antun. Man gewöhnt sich nie an diesen Anblick.”„Chef!”
Zacharias blickte sich um. „Ach, der Klaus, hallo, hast du noch etwas für mich?” Er kannte Klaus Bültmann schon einige Jahre. Er war der Dienstälteste im Team der Spurensicherung. „Wir haben den Fotografen gesagt, dass er sich besonders die Blutflecken vornimmt, so dass man hinterher genau…” Er wurde unterbrochen von einem lauten und schrillen Gekreische einer Frauenstimme, die von draußen kam. Die Beamten verstanden nichts von dem, was die Frau von sich gab, aber es klang völlig verzweifelt, fast panisch.
„Moment!”, sagte Zacharias. „Merk dir, was du mir sagen wolltest. Ich schaue mal kurz draußen nach.” Mit schnellen Schritten ging er zur Haustür.
Draußen klammerte sich eine weinende Frau in einem weiß-geblümten Sommerkleid an den Arm eines Streifenpolizisten, die Schaulustigen verfolgten die Szene mit schweißroten und gierigen Gesichtern. Zacharias ging zu ihr und versuchte vorsichtig, sie anzusprechen. „Wer sind Sie, so hören Sie doch!” Sein Kollege von der Streife hatte seine liebe Not, die Frau davon abzuhalten, ins Haus zu stürmen.
„Sie können da jetzt nicht rein. Es geht nicht.” Zacharias fasste die Frau am Arm und übte leichten Druck aus. „Sie können jetzt nicht hinein.” wiederholte er immer wieder gebetsmühlenartig Wort für Wort, so lange, bis die Frau es endlich zu kapieren schien. „Frau Bahran!”, murmelte sie immer wieder, als sie sich nur langsam beruhigte. „Frau Bahran!” Und: „Was mach ich bloß? Was mach ich jetzt bloß?”
„Ist Frau Bahran eine Verwandte von Ihnen?” Zacharias hielt nach wie vor den Arm der Frau fest. Der Schweiß rann ihm in Strömen von der Stirn.
Sie schüttelte kaum merklich mit dem Kopf. „Nein, nein!”
„Woher kannten Sie sie?”
„Nein, nein, ich verstehe es nicht.”
„Was verstehen Sie nicht?”
„Sie ist tot, nicht wahr, tot?”
Zacharias nickte betroffen. „Ja.”
„Ich habe es gehört, von den Nachbarn.”, flüsterte sie.
„Wohnen Sie auch hier? Wie ist Ihr Name?”
„Wer macht so etwas? Wer bringt so eine Frau um? Wer?”, weinte sie.
„Wohnen Sie auch hier?”, fragte Zacharias noch einmal.
„Wer, wer macht so etwas?”, stammelte sie. Ihre Beine knickten weg und sie fiel mit den Knien auf die Steinplatten.
„Haben wir einen psychologischen Betreuer vor Ort?” Zacharias ließ die Frau keine Sekunde aus den Augen.
„Es ist ein Seelsorger hier, aus der hiesigen Pfarrei.”, antwortete der Beamte der Streifenpolizei.
„Gut, holen Sie ihn. Es soll sich um die Frau kümmern.”
Der Beamte stimmte zu, wohl auch froh, dass er das Problem bald los war.
„Und wenn sich der Zustand der Frau nicht bessert, rufen Sie einen Krankenwagen. Der Pfarrer soll mal versuchen rauszubekommen, wer sie ist, und wie sie heißt. Vergessen Sie nicht, sich dann die Adresse der Frau aufzuschreiben.”
Der Beamte gab sich Mühe gewissenhaft zu nicken. Der Kommissar hielt ihn wohl für dumm.
Zacharias ging zurück zur Haustür. Aus den Augenwinkeln sah er einen älteren Mann heraneilen, der trotz der Hitze einen schwarzen Anzug trug mit einem weißen Hemd und steifem Stehkragen darunter.
Eindeutig der Pfarrer. Liebevoll nahm er sich der auf den Steinen hockenden Frau an, die immer noch vor sich hin wimmerte. Er half ihr hoch, legte schützend einen Arm um sie und führte sie fort, um sie vor den Blicken der Neugierigen abzuschirmen.
Die Frau hatte sich auf den Steinplatten die Knie aufgeschlagen, sie schien den Schmerz der aufgeschürften Haut noch nicht einmal zu bemerken.
Im Haus suchte Zacharias Weinfeld nach Klaus Bültmann. Er fand ihn im ersten Stock, wo er einem Kollegen zusah, der versuchte, Fingerabdrücke von dem Treppengeländer zu sichern.
„Eins steht fest.”, nuschelte er in seiner weißen Montur. „So eine Putzfrau, wie die von Frau Bahran kann sich nur jeder wünschen.”
Zacharias blickte ihn fragend an.
„Sie war ja mit dem Putzen fast fertig, als sie die Tote fand. Die Frau hat ganze Arbeit geleistet, das kann ich dir sagen.”Zacharias zog die Krawatte endgültig von seinem Hals und stopfte sie in die Hosentasche. „Ihr habt keine Fingerabdrücke gefunden?”
„Bis jetzt keinen einzigen. Wie gesagt, die Haushälterin hat keinen Winkel ausgelassen, alles blitzblank.”
„Hatte die Tote ein Handy?”
„Keine Ahnung, wir haben keins gefunden! Aber jeder hat doch heute ein Handy.”
Ungeduldig fuhr sich Zacharias mit der Hand durch sein, von der Hitze, mittlerweile angeklatschtes Haar. „Irgendetwas wird sich doch wohl finden lassen!”
„Lass uns Zeit. Noch sind wir nicht fertig. Das Haus ist groß.”, bat Klaus Bültmann ihn.
„Was wolltest du mir eben über den Fotografen sagen?”, fragte Zacharias nach.
„Ach ja, richtig. Er hat genügend Fotos gemacht von den Blutspuren, so dass ihr die Sache gut auswerten könnt.”
„Ja, das ist super, danke. Ich werde jetzt noch einmal nach unten gehen, also bis gleich!”
Klaus Bültmann nickte ihm zu.
Vor dem erfahrenen Kollegen der Spurensicherung wollte Zacharias es nicht zugeben, aber er musste sich eingestehen, dass diese verzweifelte Frau ihn eben ein wenig aus dem Konzept gerissen hatte und davon abgehalten hatte, sich das Muster der Blutflecke noch einmal genau anzusehen. Inge Braukmann kam ihm mit ihrem großen Metallkoffer in der Tür zum Wohnzimmer entgegen.
Ihr Gesicht war vor lauter Anspannung und Hitze puterrot.
„Fertig, Frau Doktor?”, fragte Zacharias sie und lächelte.
Sie gab sich nicht die Mühe zurück zu lächeln. „Ja, endlich!”, antwortete sie erschöpft. „Den Bericht haben Sie frühestens übermorgen. Wir sind auch unterbesetzt. Es ist Urlaubszeit.”
Er seufzte. „Ja, Urlaub. Musste ich schon abbrechen!”
„Sie Ärmster!”
„Bei uns ist es eine Grippewelle!”„Jetzt, bei dieser Hitze?”
„Fragen Sie mich nicht, wie das kommt. Ich vermute, ein Virus.”
Jetzt lächelte sie. „Na, dann wollen wir hoffen, dass wir verschont bleiben. Die Mörder machen ja leider auch keinen Urlaub.”
Sie nickte ihm aufmunternd zu und ging an ihm vorbei nach draußen. Zacharias hörte, wie zahlreiche Kameras klickten, als sie raus kam und wie ein paar Reporter sie mit Fragen bestürmten. Allerdings war sie klug genug, nicht zu antworten.
Schon die ganze Zeit hatte sich Zacharias über das übermäßige Interesse der Menschen, die draußen standen, gewundert. Als Klaus Bültmann erneut das Wohnzimmer betrat, sprach er seine Verwunderung darüber aus und erntete erstaunte Blicke.
„Du weißt nicht, wer die Frau ist?”
„Natürlich weiß ich das. Die Frau heißt Patricia Bahran und wohnte hier alleine.”
Herr Bültmann schwieg.
„Nun sag schon. Du weißt doch etwas. Ehrlich gesagt, der Name des Opfers kam mir schon etwas bekannt vor. Irgendwo habe ich ihn schon mal gehört.”
„Meine Mutter war auch schon mal bei ihr!”
„Wo, hier?”
Er nickte.
„Klaus, wir kennen uns doch schon lange. Willst du, dass ich hier der einzige bin, der nicht über die Frau Bescheid weiß? Was machen die ganzen Leute da draußen? Warum sind so viele von der Presse da? Und dann diese weinende Frau. Ich hoffe, es wird sich um sie gekümmert.”„Ja, ja, die wird versorgt. So viel ich mitbekommen habe, hat sie der Pfarrer zu einem Arzt gefahren.”
„Gut! Also, ich höre!”
„Na, ja, Madame Bahran hat vielen geholfen.”
„Madame Bahran?”
„So nannten sie alle”
„Wer alle?”
„Die Menschen, die sie aufsuchten.”
„Klaus!”
„Ja, schon gut. Menschen suchten bei ihr Hilfe. In gesundheitlichen Fragen, oder Trost.”
„Aber sie war doch keine Ärztin?”
„Sie war eine Geistheilerin!”
„Eine Geistheilerin?”
„Ja, jemand, der seine heilende Energie an die Menschen abgibt. Erst kürzlich war ein Bericht über sie in der Zeitung.”
„Also eine von diesen so genannten Wunderheilern?” Zacharias sah ihn skeptisch an.
„Sie hat vielen Menschen geholfen, auch meiner Mutter.”, antwortete er mit ein wenig Trotz in der Stimme.
Dass Zacharias solche Geschichten grundsätzlich für Hokuspokus hielt und dass er der Meinung war, das so genannte Wunderheiler meist durch das Wunder reich wurden, dass sie den Menschen das Geld aus der Tasche schwatzten, behielt er in diesem Moment für sich.
„Gut danke, Klaus. Ich will euch nicht weiter stören.”
Zacharias ging zu Sofa des hellen Wohnzimmers, wo gerade die Leiche der Madame Bahran, jetzt nannte er sie schon selber so, abtransportiert wurde. Die Frau war zwar klein aber sehr füllig, so dass die zwei Männer vom gerichtsmedizinischen Institut ihre Mühe hatten, den schweren, schlaffen Körper in den Zinksarg zu legen.
Als sie den Sarg aus dem Raum trugen, blieb eine riesige Menge Blut auf dem Boden zurück.
Zacharias betrachtete die Blutspuren an den Wänden. In kleinen Flüssen war das Blut herunter gelaufen und zum Teil in der Tapete versickert.
Auch an der Decke befanden sie nicht wenige dicke Spritzer.
Mit welch unvorstellbarer Wut musste der Täter den Schädel der Frau zertrümmert haben, dachte er.
Trotz der Hitze lief es Zacharias plötzlich eiskalt den Rücken herunter.
Einer der Leute der Spurensicherung kauerte hinter dem Sessel, der vor der blutverschmierten Wand stand. Mit einem Male streckte er seinen rechten Arm nach oben und machte sich bemerkbar.
Zacharias war sofort bei ihm. „Was gefunden?”, fragte er. Der Kollege hob vorsichtig einen blutigen Stift hoch, den er hinter dem Sessel gefunden hatte. Vielleicht ein Bleistift oder ein Kugelschreiber.
Klaus Bültmann kam wieder dazu. Die drei Männer musterten den blutverschmierten Stift. Bei genauerem Betrachten eindeutig als Bleistift zu erkennen.
„Wo hast du den gefunden?” fragte Klaus seinen Kollegen.
Dieser sah aus einem verschwitzen Gesicht zu ihnen hoch. „Hier, hinter dem Sessel. Und da ist noch was! Etwas, was ihr euch unbedingt ansehen müsst.”, fügte er keuchend hinzu.
Herr Bültmann und Zacharias Weinfeld zogen den schweren Sessel nach vorne, begaben sich beide in die Hocke und schauten angestrengt auf die mit Blutspritzern übersäte Wand.
„Was meinst du?”, fragte Klaus.
Auch Zacharias konnte beim besten Willen nichts Ungewöhnliches erkennen.
„Ihr müsst euch tiefer runterbeugen. Es ist unten, direkt über der Fußleiste.” Er hatte den Stift in eine Plastiktüte gelegt und deutete mit seinem Zeigefinger auf eine blutige Stelle ganz unten an der Wand. Die Blutflecke vermischten sich mit dem zarten Muster der Tapete.
Zacharias gab sich alle Mühe. „Ich sehe nichts.”
„Ihr müsst euch noch mehr nach unten beugen. Es ist nicht gleich zu erkennen.”
Erneut beugten sie ihre Rücken in Richtung Fußboden, obwohl hinter dem Sessel die Luft noch stickiger erschien, und dann hatten sie plötzlich das Gefühl, es beide gleichzeitig zu entdecken.
„Scheiße. Was ist das?” Zacharias Oberkörper schnellte nach oben. Durch die hektische Bewegung wurde ihm fast schwarz vor Augen. „Scheiße!” wiederholte er aufgeregt, obwohl das sonst gar nicht zu seinem Wortschatz gehörte, während die beiden Herren der Spurensicherung noch angestrengt an die Wand starrten.
Klaus Bültmann sprach es aus. „Da steht was geschrieben.”, sagte er nur.
Hektisch fuhr sich Zacharias durchs Haar. Er überlegte kurz, was zu tun sei, dann beugte er sich wieder zum Boden.
„Wer auch immer dieser Scheißmörder war, der die arme Frau umgebracht hat, er hat uns eine Nachricht hinterlassen.” Klaus Gesicht war rot vor Wut oder vor Hitze, den Unterschied konnte man nicht mehr genau erkennen. Schließlich hatte er die Frau gekannt, zumindest seine Mutter.
Zacharias erkannte ein paar undeutliche Buchstaben, von denen Blut in feinen Äderchen herunter gelaufen war und in den Ritzen der Fußleiste verschwand.
Der andere Kollege der Spurensicherung zeigte aufgeregt auf die Plastiktüte mit dem blutigen Bleistift, die noch neben ihm auf dem Fußboden lag. „Der Bleistift ist mit Blut getränkt. Der Täter muss den Stift in das Blut getaucht haben, das sich um die Leiche gebildet hat. Und dann hat er das hier geschrieben.”
„Echt pervers!”, sagte Klaus Bültmann.
„Könnt ihr es genau erkennen?” Zacharias wischte sich zum wiederholten Mal den Schweiß von der Stirn. „Was steht denn dort genau?”
Klaus rückte zur Seite und machte ihm Platz. „Sehe selbst nach!”, forderte er ihn auf.
Zacharias kroch auf dem Boden ganz nah an die Wand und beugte sich noch tiefer herunter, so dass er fast mit der Nase den Boden berührte. In sauberer Handschrift hatte der Täter sein blutiges Werk hinterlassen.
Mit dem Blut der Madame Bahran hat er nur ein einziges Wort an die Wand geschrieben:
N E I N
Dienstag, der 02. August
Die Nachricht hatte ihn schlicht umgehauen. Peter Brüggemann saß mit nachdenklicher Miene an seinem Schreibtisch und schob planlos einige Schriftstücke hin und her.
Zuerst hatte er diese Botschaft wie nebenbei aufgeschnappt. Kurz bevor heute Morgen das dritte Meeting an diesem Tag begann, so zirka gegen halb elf, hatte er sich noch auf die Schnelle einen Kaffee in der Kantine holen wollen. Bis auf einen besetzten Tisch, an dem vier schwatzende Kolleginnen aus einem anderen Büro saßen, die er nur flüchtig kannte, waren die Tische um diese Uhrzeit noch leer. Die eine der vier hatte wohl heute ihren letzten Tag vor ihrem beginnenden Mutterschutz. Ihr Bauch war kugelrund und die Damen stießen lachend mit ihren Gläsern an. Die Schwangere mit Wasser, die drei anderen hatten sich ein Gläschen Sekt gegönnt. Neben ihrem Tisch stand ein offenes Regal, in dem sich neben Zuckerdosen, den üblichen Würzmitteln und Großpackungen mit Servietten auch ein Radio befand, das ziemlich laut und plärrend lief. Wahrscheinlich angestellt von den Mitarbeiterinnen der Kantine, denen dann die Arbeit zur Vorbereitung des Mittagessens ein wenig schneller und lockerer von der Hand ging.
„Kann ich einen Kaffee haben?”, fragte er eine der Damen, die eine gängige Melodie des gerade laufenden Liedes mitsummte und den Tresen der Essensausgabe abwischte.
„Klar!”, sagte sie und lächelte.
Er wollte gerade etwas sagen, als er es hörte. Die Musik im Radio hatte aufgehört und die sonore Stimme eines Mannes berichtete über das gestrige Auffinden einer toten Frau in einem der besseren Stadtviertel, 56 Jahre alt, und so eine Art Heilpraktikerin. Genauso drückte sich der Sprecher aus.
Mit dem Kaffee in der Hand, für den er wortlos das Geld auf den Tresen gelegt hatte, lauschte Peter Brüggemann angestrengt den Worten des Mannes, obwohl er eigentlich spät dran war und wahrscheinlich schon alle auf ihn warten würden. Er kannte die Gegend, in der die Frau gefunden wurde, sogar gut. Viele seiner Freunde lebten dort und er hatte schon selbst des Öfteren mit der einen oder anderen Immobilie geliebäugelt.
Konnte es die Frau sein, die…?
Er grübelte.
War sie 56 Jahre alt? Konnte das hinkommen?
Er hatte sie immer älter geschätzt. Aber das konnte auch an ihrer gedrungen Figur und an ihrer Größe liegen.
Andererseits, eine Heilpraktikerin? Das ist bestimmt jemand anderes, mutmaßte er. Bestimmt.
Sie ist ja keine ausgebildete Heilpraktikerin, so gesehen.
Nein, nein, das war sie nicht.
Die vier Frauen am Tisch lachten laut. Sie hatten den Bericht im Radio nicht mitbekommen.
Und doch hatten sie sich eingeschlichen, die zweifelnden Gedanken und ließen ihn nicht mehr los. Er konnte nur hoffen, dass seine Kollegen nicht bemerkt hatten, wie fahrig und unkonzentriert er ab einer gewissen Urzeit gewesen war. Der Sprecher im Radio hatte von einem Mord geredet. Vom Auffinden einer Leiche. Von einem grauenvollem Fund einer Leiche.
Grauenvoll.
Er stellte die Klimaanlage in seinem Büro noch etwas höher. Gleich fünf. Normalerweise noch nicht die Uhrzeit, zu der er nach Hause ging. Das war nie vor sieben oder acht Uhr abends. Es kam sogar mehr als häufig vor, dass er bis tief in der Nacht hier saß, um Unterlagen und Mails aufzuarbeiten, zu denen er im Laufe des Tages nicht gekommen war. Er genoss dann immer die Stille des verlassenen Büros und die Dunkelheit um ihn herum, nur unterbrochen von dem Surren des Staubsaugers der Putzfrau, die aber auch kurz nach acht verschwunden war und den Besuchen des Wachdienstes, dessen Männer alle zwei Stunden durch den Betrieb gingen, ihn aber ansonsten in Ruhe ließen.
Er fröstelte und doch schwitzte er gleichzeitig und der kalte Schweiß legte sich wie ein nasses Tuch über seine Haut.
Diese verdammte Hitze.
Er stand auf, nahm seinen Blazer und seinen Aktenkoffer aus feinstem Leder und ging ins Vorzimmer.
Seiner erstaunten Sekretärin schmiss er die restlichen Unterlagen auf den Schreibtisch.
Ihre leicht säuerlichen Blicke ärgerten ihn zwar, aber heute ließ er das unkommentiert. Den ganzen Tag war er neben der Spur gewesen, wie seine Exfrau das nennen würde.
„Das muss heute noch bearbeitet werden, Frau Neumann.”, sagte er nur kurz und knapp. „Ich gehe jetzt nach Hause.”
Sie machte den Mund auf, wollte wohl etwas sagen oder nachfragen, warum er denn ausgerechnet heute so früh ging, überlegte es sich aber dann anders, nahm die Schriftstücke an sich und nickte nur verwirrt.
Da war Peter Brüggemann schon an der Tür des Aufzugs und drückte den Knopf.
Was, wenn sie es ist? Seine Gedanken drehten sich erneut um diese Frage. Was, wenn es Frau Bahran ist?
Sein Herz begann schneller zu schlagen und er spürte wieder dieses besorgniserregende Holpern in seinem Brustkorb. Mist, dachte er und legte zur Beruhigung seine rechte Hand auf sein Herz.
Das sollte helfen, hatte sie gesagt. Als er im Parkhaus ausstieg konnte er jedoch keine Besserung bemerken. Sein Herz raste immer noch wild.
Jetzt mal langsam, beruhigte er sich. Da wird schon nichts passiert sein. Vielleicht würde er nachher mal einen seiner Freunde anrufen und nachfragen. Der war schließlich auch schon mal bei ihr gewesen. Allerdings nur ein einziges Mal.
Ja, das könnte er machen. Er sah auf seine Uhr, als er in seinen fabrikneuen BWW stieg, sofort die Klimaanlage anstellte und los fuhr.
Es war noch zu früh, ihn anzurufen, er musste sich noch ein paar Stunden gedulden. Schließlich war sein Freund genauso ein Arbeitstier wie er.
Ihm fiel plötzlich auf, dass er eigentlich nur solche Freunde hatte.
Dass er sich in das jetzt schon beginnende tägliche Chaos des Feierabendverkehrs einreihen musste, machte seine Herzbeschwerden nicht besser.
Was ändert sich für mich, wenn sie nicht mehr da ist, dieser schmerzenden Frage konnte er nicht entkommen, während er sich mühsam auf die anderen Autofahrer konzentrierte und mit seinem schnellen Auto durch mehrfachen Spurwechsel der Fahrbahnen versuchte, schneller vorwärts zu kommen. Er hupte wütend hinter lahmen Fahrern dieser fürchterlichen Minikleinwagen, die genau so langsam wie ihre Autos zu reagieren schienen.
Frau Bahran wusste so vieles über ihn. Zu viel, dachte er oft.
Sogar einige Sachen, die er selber nicht wusste, oder nicht wissen wollte.
Hatte sie das eigentlich aufgeschrieben? Gab es darüber Unterlagen?
Wie hatte sie in dieser Hinsicht genau gearbeitet?
Er wusste es nicht.
Nicht auszudenken, wenn alle Welt….
Er wollte den Gedanken nicht zu Ende denken.
Nicht jetzt. Zuerst musste er Klarheit haben.
Wenn die Tote tatsächlich Madame Bahran war, dann hatte er jetzt niemanden mehr auf der Welt, dem er vertrauen konnte.
Zu Hause schlug er irgendwie die Zeit tot, machte sich etwas zu essen und stellte den Fernseher an. Er schaltete auf einen der Regionalsender, aber eine ermordete Frau aus einem der teureren Stadtviertel war wohl kein Bericht wert. Oder hatten sie schon heute Morgen darüber berichtet? Sein Handy gab auch nichts an Informationen her. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die hiesige Presse sich das entgehen ließ. Frau Bahran war schließlich in der Stadt bekannt. Man gab ihren Namen unter der Hand weiter, wenn man zufrieden war, Mund zu Mund Propaganda sozusagen.
Die meisten würden nie zugeben, dass sie da waren.
Hatte sie eine Kartei?
Um neunzehn Uhr hielt er es nicht mehr aus und rief seinen Freund an.
Er war schon zu Hause.
„Hör mal, hier ist Peter, das wird dich vielleicht überraschen, aber ich habe heute Morgen im Radio diesen Bericht gehört über eine Frau mittleren Alters, die…”
„Sie ist es!”, antwortete sein Freund.
Mittwoch, der 03. August
Zuerst gab die Klimaanlage ein brummendes Geräusch von sich, dann folgte ein seltsames Zischen, so als könnte sich das Gerät noch nicht endgültig entscheiden, wie es weiter ging.
Nach langen Stunden, in denen dieses Nerv tötende Gezwitscher einem die Konzentration raubte, gab die Klimaanlage schließlich ganz den Geist auf.
Steffen Döber und Zacharias Weinfeld hatten es kommen sehen. Das Ding machte schon seit geraumer Zeit Zicken, aber trotz mehrfacher Beanstandung hatte sich noch niemand darum gekümmert.
Bei dem Wetter waren die entsprechenden Handwerker wahrscheinlich im Dauereinsatz.
Die beiden Kollegen stöhnten und schwitzten um die Wette. Sie gaben trotzdem ihr Bestes, die vorliegenden Ergebnisse zu sichten und zu ordnen. Zacharias Kollege Steffen sah zu ihm herüber. Heute war sein Chef sogar in einem T-Shirt zur Arbeit gekommen und das war, soweit er zurückdenken konnte, noch nie vorgekommen. Er selber hatte auch einen sehr lässigen Look gewählt, sogar mit halblanger Hose.
„Was haben wir denn bis jetzt?”, fragte er Zacharias.
„So gesehen schon eine ganze Menge. Aber zu zweit können wir das unmöglich schaffen, das ist jetzt schon klar. Die Frau hatte ja unzählige Patienten. Oder sollte ich sie besser als Kunden bezeichnen?”
Steffen zuckte mit den Schultern: „Ich weiß nicht.”
„Aber du hattest schon einmal etwas über die Frau gehört, stimmst?”
„Ja, ihr Name ist hier in der Stadt bekannt. Also, ich war noch nicht bei ihr, wenn du das meinst. Aber die Schwester einer guten Freundin, die ist schon mal dort gewesen, wegen einer Allergie oder so was.”
Zacharias kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. „Ja, mir scheint es fast so, dass jeder, den ich frage, einen Bekannten oder Verwandten hat, der Frau Bahran schon einmal aufgesucht hat. Wahrscheinlich gibt es so schnell keiner zu, dass er selber da war.”
„Ich war wirklich noch nicht da!” Steffens Blick war verärgert und seine Stimme wurde laut. „Meinst du, wenn ich diese Geistheilerin schon mal aufgesucht hätte, würde ich dir das verschweigen?” Seine Augen blitzen kampflustig. Die Hitze setzte ihm schwer zu.
„Nein, schon gut. So war das nicht gemeint. Entschuldigung.” Mit einer Klarsichtmappe versuchte Zacharias sich etwas Luft ins Gesicht zu fächeln, aber er verspürte noch nicht einmal ein laues Lüftchen.
„Hast du um Amtshilfe gebeten?”, fragte Steffen ihn.
„Ja, das wird sich heute Morgen entscheiden, ich warte auf den Anruf.”
Steffen nickte. „Wenigstens etwas. Tut mir leid, dass ich eben so reagiert habe, aber die Hitze, das ist doch kaum zum Aushalten. Jetzt ist auch noch die Klimaanlage kaputt. Zigmal habe ich das dem Hausmeister gesagt, aber glaubst du, da passiert mal was? Und dann kommt man nach Hause und da ist es genauso stickig und heiß. Die Luft ist abgestanden und selbst nachts bekommt man seinen verdienten Schlaf nicht. Ich meine, die paar Stunden, die uns angesichts der Überstunden überhaupt noch bleiben.”
„Schon gut. Geht mir auch so!” Zacharias nahm beim ersten Läuten des Telefons ab.
Er meldete sich und lauschte eine Weile in den Hörer. Dann erhellte sich sein Gesicht zum ersten Mal an diesem Tag.
„Wir bekommen Hilfe!”, sagte er, als er aufgelegt hatte.
„Und wen?”
„Das wissen die da oben noch nicht. Da muss man sich zuerst umhören. Wir haben ja hoffentlich auch ein Wörtchen mitzureden. Jetzt lass uns erstmal alles zusammen fassen, was wir haben.”
Zacharias stand auf und ging zu dem Magnetboard, an dem die Tatortfotos hingen. Er hängte noch mehrere große Papierbögen dazu und schrieb alles nieder, was sie schon wussten.
„Also, das Opfer hieß Patricia Bahran, 56 Jahre alt, geschieden, keine Kinder. Außer einer Schwester keine Verwandte, richtig?”
„Stimmt. Sie wohnt etwas weiter weg, aber sie müsste bereits in der Stadt sein. Die Polizei vor Ort hat ihr die schlimme Nachricht mitgeteilt. Ich nehme an, dass sie sich entweder im Laufe des Tages oder morgen bei uns meldet. Ansonsten hat es im konkreten Umfeld von Frau Bahran nur die Frau Häberlein gegeben.”
Zacharias nickte. „Ja, die Haushälterin. Wir müssen sie unbedingt noch einmal herbestellen. Sie kann uns sicher Wichtiges aus dem Leben des Opfers erzählen.”
„Dann der Todeszeitpunkt!”, fuhr Steffen fort. „Laut der Gerichtsmedizinerin ist der Tod der Frau so ungefähr zwischen dreiundzwanzig Uhr und vierundzwanzig Uhr dreißig in der Nacht von Sonntag auf Montag eingetreten. Einen genaueren Zeitpunkt kann man wohl nicht festlegen. Wegen der Hitze.”
„Mist, mitten in der Nacht, da hat wahrscheinlich niemand den Täter kommen oder gehen sehen. Oder die Täterin. Es käme schließlich auch eine Frau für die Tat in Betracht. Wurde fremde DNA gefunden?”
„Ja, Mischspuren in den Blutflecken. Das muss zuerst isoliert werden. Heute ist ja erst Mittwoch. Außerdem ein winziges Haar. Aber das ist eine Sackgasse.”
„Warum?”
„Synthetisches Material.”
„Eine Perücke?”
„Genau.”
Zacharias seufzte laut und nahm den Obduktionsbericht von seinem Schreibtisch. „Wäre ja auch zu schön gewesen. Kommen wir zum Bericht der Gerichtsmedizin. Frau Bahran war sehr klein, nur ein Meter achtundfünfzig, aber wohl genährt und sie war kerngesund. Ihre Organe zeigten alle einen normalen Befund. Irgendwann muss sie mal einen Schienbeinbruch gehabt haben, ansonsten alles ganz normal, ihrem Alter entsprechend. Im Magen der Toten wurden Reste von Schokolade gefunden, wahrscheinlich hat sie am Tatabend abends vor dem Fernseher genascht, sonst nichts Auffälliges. Keine Spuren von Medikamenten oder sonstigen Drogen. Todesursache war eindeutig eine Schädelfraktur mit anschließender Gehirnblutung. Die Schläge am Kopf erfolgten zuerst, sodass sie wahrscheinlich bewusstlos wurde und in Folge der schnell aufeinander folgenden Schläge im Brustbereich das Bewusstsein nicht wieder erlangt hat. Sie hat nicht mehr lange gelebt, wahrscheinlich nur Minuten.”
„Mann, welches Schwein tut so etwas?” Steffen Döber fasste sich an die Stirn, als könnte er es immer noch nicht glauben. „Die Frau hat doch keinem etwas getan, im Gegenteil. Ich meine, sieh dir doch mal ihre Kundenkartei an, die ist voll von Leuten, die immer wieder zu ihr gingen.” Er zeigte auf die braune, abgewetzte Lederkladde, die sie in einer Schublade im Schlafzimmer gefunden hatten, und die, so wie es aussah, alle Namen und Telefonnummern ihrer Kunden enthielt.
„Ja.”, sagte Zacharias. „Ich habe sie mir gestern schon mal angesehen. Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu. Außerdem fehlt immer noch das Handy der Toten. Ein Prepaid Handy, also keine Chance an die Daten zu kommen. Einen Festnetzanschluss hatte sie auch, aber laut der Haushälterin hat sie mit ihren Kunden nur über Handy kommuniziert. Vielleicht waren ja doch nicht alle mit ihr zufrieden. Einer jedenfalls nicht. Ist dir aufgefallen, dass nirgendwo in diesem Notizbuch Zahlen aufgeführt sind?”
„Ja, ist mir auch komisch vorgekommen.”
„Ich meine, sie hat das ja nicht umsonst gemacht. Sicher nicht. Also, was haben die Kunden für diese Dienste bezahlt und wie genau ist Frau Bahran dabei vorgegangen? Hat sie von diesen Geldern gelebt, das ist auch eine wichtige Frage!”
„Und sie hat nicht schlecht gelebt, wenn man sich mal das Haus und die Gegend ansieht.”, fügte Steffen hinzu.
„Das Haus hat sie geerbt.”„Woher weißt du das?”
„Hat mir die Nachbarin erzählt. Ist wohl ihr Elternhaus. Aber sie ist keiner geregelten Tätigkeit nachgegangen. Das haben auch die Nachbarn gesagt.”
„Ja, ja, die lieben Nachbarn.”
„Früher, einmal, da hat sie als Verkäuferin gearbeitet. In einer Parfümerie. Ist aber schon Jahre her”
Steffen Döber hob erstaunt die Augenbrauen. „Tatsächlich? Na, das hat ihr wahrscheinlich bei der Tätigkeit als Geistheilerin geholfen. Da musste sie ja auch gut reden können, um die Leute zu überzeugen.”
Zacharias schüttelte den Kopf. „Manchmal kannst du ein richtiger Zyniker sein.”
„Was denn, hab ich nicht Recht? Die muss doch total überzeugend gewesen sein, bei so etwas kann man doch nicht schüchtern rüber kommen. Was hat sie eigentlich genau gemacht, da komme ich noch nicht so ganz hinter?”
„Soweit ich weiß, hat sie den Menschen die Hand aufgelegt.”
„Mehr nicht?”„Es war bestimmt noch mehr, das müssen wir halt rausfinden, wenn wir die Leute alle hier haben. Aber jetzt lass uns zuerst noch einmal zu den Spuren am Tatort kommen. Fingerabdrücke wurden ja leider nicht gefunden, oder?”
„Nein. Die gute Frau Häberlein ist eben eine erstklassige Perle. Aber wer weiß, vielleicht trug der Täter oder die Täterin Handschuhe. An der Tatwaffe waren ja auch keine Fingerabdrücke zu finden. Ebenso wenig im Bereich des Sofas, sowie im gesamten Wohnzimmer. Und da hatte die Haushälterin ja bekanntlich noch nicht geputzt.”
„Stimmt, Steffen. Der Täter muss mit voller Wucht zugeschlagen haben. Das beweisen die Wunden und das viele Blut. Aber auch die Tatsache, dass die Skulptur, dabei entzwei gegangen ist. Und diese zerbrochene Figur ist mit absoluter Sicherheit das Tatwerkzeug. Die scharfen Kanten passen exakt zu den Wunden. Mit größter Wahrscheinlichkeit stammt das Teil aus dem Besitz Frau Bahran. Man hat nämlich zwei weitere, fast ähnliche Skulpturen auf der Fensterbank gefunden. Alle sind aus dem gleichen Sandstein und zeigen Paare, Mann und Frau, die auf verschiedenste Art und Weise ihre Körper fest umschlungen halten.”
„Wertvoll?”, fragte Steffen.
„Glaub ich nicht. Die ganze Wohnung war zwar sehr schön und gemütlich eingerichtet, aber nicht übermäßig teuer. Aber das werden wir noch herausfinden. Ich glaub, das war’s fürs erste.”
Steffen stand auf, holte sich seine Wasserflasche und trank gierig. „Kannst du dir auch vorstellen, dass der Täter eine Täterin war?”, fragte er.
„Durchaus möglich. Darauf würden die Perückenhaare hinweisen. Ich nehme sowieso an, dass es eine Affekttat war. Etwas, was Frau Bahran gesagt oder getan hat muss jemanden so in Rage gebracht haben, dass demjenigen die Sicherrungen durchgebrannt sind.”
Plötzlich kam ihm ein Gedanken. „Ich weiß, wo wir mal nachfragen können.”
Steffen hatte sich schon wieder in seine Akten vertieft. Er sah auf. „Was? Was willst du nachfragen?”
„Du weißt schon, wegen unserer Verstärkung hier im Büro.”
„Du hast doch an jemand Bestimmtes gedacht, nicht wahr?”
„Nein, eigentlich fiel es mir erst gerade ein. Ich rufe Karla an.”
„Wer ist Karla?”
„Die Beamtin der Kripo, du weißt schon, die Mordfälle von vor zwei Jahren.”„Ach die, die toughe Frau vom Lande!”
„Lästere nicht über sie. Sie hat seinerzeit hervorragende Arbeit geleistet und war mir oft einen entscheidenden Schritt voraus.”
„Ja, in ihrem Revier. Aber was wollen wir hier mit ihr, in der Stadt gehen die Uhren etwas anders, das ist dir doch wohl klar. Außerdem hat sie nicht genug Erfahrung in Mordfällen.”
„Sie kann wirklich etwas, Steffen, unterschätz sie nicht.”„Du hast dich schon entschieden, stimmst? Es ist eigentlich schon klar, dass sie es wird.”
„Wäre dir Herr Fuchs aus unserer Nachbarstadt lieber.” Zacharias grinste. „Ich kann ihn anrufen, wenn du willst, er hat bestimmt Zeit”
Steffen stöhnte auf. Er dachte mit Schrecken an den furchtbaren Kripobeamten, der ihnen im vergangenen Jahr, auch bei einem Engpass, ausgeholfen hatte, oder besser gesagt, geschickt wurde. Ein Spießer und Besserwisser wie er im Buche steht, der alle mit seinen schulmeisterhaften Belehrungen den letzten Nerv geraubt hatte.
„Gott bewahre, nicht den! Dass der Zeit hat, kann ich mir vorstellen. Die Kollegen dort sind doch froh, wenn sie ihn mal für eine Weile los sind. Dann doch lieber diese Karla, wie heißt die noch?”
„Albrecht. Du wirst sehen, ihr werdet euch gut verstehen. Du wirst sie mögen, da bin ich mir sicher.”
„Ja, klar. Ich kann nur hoffen, dass sie hier zurechtkommt.”
„Zuerst muss ich sie ja noch fragen, Aber ich werde mich da mal nach oben absichern und sie heute Nachmittag anrufen.”
Drei Uhr nachmittags.
Er kannte ihre Durchwahl.
„Ja?” War sie das?
„Karla?”
„Ja?”
„Hier ist Zacharias?”
„Wer?”
Ein kurzer Stich der Enttäuschung zuckte in seinem Kopf.
Das konnte doch nicht wahr sein, dass sie ihn nicht mehr kannte. War es überhaupt richtig gewesen, sie anzurufen?
„Zacharias Weinfeld!”
„Ach Zacharias! Das ist ja super, dass du anrufst.” Ihre Stimme bekam augenblicklich einen anderen Tonfall registrierte Zacharias erleichtert.
„Entschuldige, aber ich habe dich zuerst nicht verstanden. Bei dieser Hitze läuft hier ununterbrochen der Ventilator auf Hochtouren.”
„Dann habt ihr schon mehr wie wir?”„Wieso?”
„Unsere Klimaanlage ist kaputt.”
„Ach du Scheiße. So was haben wir hier gar nicht.“ Zacharias konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „ Aber bei euch in der Stadt ist die Hitze wahrscheinlich noch schlimmer zu ertragen durch die vielen Hochhäuser.”
„Wem sagst du das. Wie geht’s dir, Karla? Lange nichts mehr von dir gehört.”
„Gut!”, sagte sie laut, dann druckste sie ein wenig herum. „Na, ja. Ich hatte ein bisschen Ärger, wenn man so will.”
„Beruflich?”
„Nein, privat.”
„Du musst nichts erzählen, wenn du nicht willst.” Das funktionierte meistens. Die Menschen erzählten dann erst recht von ihren Problemen, dachte Zacharias und er bemerkte, dass er neugierig wurde. Aber so leicht würde sich Karla wahrscheinlich nicht zum Plaudern hinleiten lassen.
„Stefan hat sich von mir getrennt.”
„Oh!” Wer war noch mal Stefan?„Das lief schon eine ganze Weile schief, weißt du.”
„Das war doch dieser Kunstlehrer, oder?”
Jetzt lachte sie leise. „Nein, das ist Frank.”
Zacharias hielt sich die Hand vor den Mund. Jetzt bloß nicht das Falsche sagen.
„Und das war schlimm für dich?”, fragte er vorsichtig.
„Na, ja. Schön war’s nicht. Aber ich bin auch selber schuld. Was mache auch für Sachen.”
Kann man wohl sagen, dachte Zacharias bei sich.
„Wenn ich mich recht erinnere, so ist dieser Frank doch ein ziemlich offener Typ?”, fragte er.
„Ja, Gott sei Dank.”
„Ich will dir nicht zu nahe treten, aber ich habe immer gedacht, die beiden Männer wüssten voneinander.”
„Frank weiß Bescheid, dass es noch jemanden gibt. Gab!” verbesserte sie sich.
„Aber der gute Stefan wusste es nicht?”
Sie schwieg ein paar Sekunden.
„Jetzt schon!”
„Mist!”
„Durch einen dummen Zufall ist es raus gekommen.”
„Das tut mir leid.”
„Nur kein falsches Mitleid. Auf Mitleid kann ich wohl kaum hoffen bei dieser Geschichte.”„Nein, es meine es ehrlich, Karla. Aber ein anderes Thema. Wie läufst beruflich bei euch da draußen?”
„Da draußen! Das klingt, als säßen wir auf einem der letzten bewohnten Außenposten.”, lachte sie. Sie schien doch noch ganz die Alte zu sein. „Nein, ehrlich gesagt, ist hier im Moment nichts los. Ich hatte schon daran gedacht, mir Urlaub zu nehmen, bis die Nachricht kam.”
„Welche Nachricht?” Zacharias war enttäuscht. Dann wurde sie also schon wo anders eingesetzt. Zu schade.
Karla schien etwas verwirrt zu sein. „Deshalb rufst du doch an, oder nicht?”
„Na, ja, ich hatte vor, dich zu fragen, ob du es dir vorstellen kannst, uns eine Zeitlang, wahrscheinlich nur ein paar Wochen, auszuhelfen. Grünes Licht von oben habe ich schon. Aber du hast wahrscheinlich andere Aufgaben, das sehe ich ein.”
„Oh Mann, Zacharias. Die Hitze scheint dir aber wirklich zu Kopf zu steigen.”
„Warum? Ist denn der Vorschlag so schlimm?”
„Heute Mittag habe ich einen Anruf von eurem obersten Chef erhalten.”
„Ich verstehe nicht!”
„Er hat alles schon geklärt, Zacharias. Ab Montag bin ich ganz die Eure.”, antwortete sie kess.
„Nein, wirklich?”
„Ja!”
„Er hat mir nichts davon gesagt, dass er längst mit dir telefoniert hat, das schwöre ich. Mensch, Karla, ich bin begeistert. Wir sind hier nur zur zweit und brauchen dringend Hilfe. Alle anderen hat ein tückischer Sommergrippevirus erwischt.”
„Hab ich schon gehört. Ist denn dein noch verbleibender Kollege damit einverstanden, dass ich zu euch komme?”
Auf der anderen Seite des Büros hockte Steffen Döber über einem Berg von Akten und sah mit grimmiger Miene kurz auf.
