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Eine mysteriöse Mordserie stellt die Ermittler vor ein Rätsel. Jedes der Opfer wurde auf eine andere grausame Art getötet. Gibt es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen ihnen? Für das ländliche Kommissariat eine Herausforderung. Also holt man sich den erfahrenen Ermittler Zacharias Weinfeld aus der Stadt. Gemeinsam mit seiner Kollegin Karla Albrecht versuchen sie verzweifelt, den Mörder zu stoppen, der ihnen immer einen Schritt voraus ist.
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Seitenzahl: 536
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Elke Maria Pape
Mörderliebe
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Kapitel 56
Kapitel 57
Epilog
Impressum neobooks
Es ist an der Zeit zu handeln.
Jetzt.
Es gibt keinen Grund mehr zu warten.
Im Gegenteil.
Die Zeit drängt!
Warum, werden Sie mich fragen, und ich habe keine Antwort darauf.
Warum gerade jetzt?
Irgendwie habe ich das Gefühl, meine Zeit ist begrenzt. Was diese Zeit begrenzt, weiß ich nicht genau. Wie gesagt, ein Gefühl.
Und die Sehnsucht vielleicht. Die Sehnsucht nach ihr, die ich nicht mehr aushalte. Ich beobachte sie jetzt fast täglich. Wann immer es meine Zeit erlaubt. Jede Faser meines Körpers verzehrt sich nach ihr. So stark und intensiv, dass es schmerzt.
Haben Sie schon einmal eine solche Sehnsucht verspürt, die Ihnen körperliche Qualen bereitet?
Ja?
Dann wissen Sie, wovon ich spreche.
Sie ist einfach das schönste Geschöpf, das Gott je erschaffen hat.
Ob ich an Gott glaube, wollen Sie wissen?
Ja, wenn ich sie sehe, weiß ich, dass es ihn geben muss.
In meinen Träumen habe ich alles genau geplant. Allerdings mehr in den Tagträumen. Nachts kann man das nicht so genau steuern. Da scheinen die Ereignisse, die ja noch keine Ereignisse sind, einen regelrecht zu überrennen. Gutes und Böses, alles miteinander in beliebiger Reihenfolge vermischt.
Aber am Tag, da kann ich planen. Obwohl ich wütend darüber bin, dass alles so lange dauert. Ich fühle mich zuweilen wie ein Leistungssportler, der monate- oder jahrelang für einen Wettkampf trainiert, und der jetzt heiß ist, absolut heiß auf das Spiel der Spiele.
Nur dass das, was kommt, kein Spiel ist. Sondern grausame Realität. Wenn überhaupt, dann ein Spiel um Leben und Tod.
Ein Spiel, in dem der Sieger schon fest steht.
Ich!
Ich bin der Sieger.
Und sie natürlich, die Frau, die ich so sehr liebe. Ich würde sogar sagen, dass sie auf dem Siegertreppchen ganz oben steht. Da gebe ich mich gerne mit dem zweiten Platz zufrieden.
Bronze wird es in diesem Fall nicht geben.
Nur sie und ich, nur wir beide.
Die Vorbereitungen sind weitestgehend abgeschlossen. Es fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten.
Aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail, das weiß jeder, der je vor so einer schwierigen Aufgabe stand. Da gibt es einiges zu beachten, dass sich im Laufe der Zeit oder auch spontan noch ergibt.
Weil es mehr als ein Mensch ist!
Ein paar, die das Zeitliche segnen.
Die Reihenfolge steht schon fest. Aber ich brauche natürlich auch ein bisschen Glück auf meiner Seite. Im Großen und Ganzen bin ich aber optimistisch, dass alles gut klappt.
Sie fragen nach der Überwindung?
Sicher, aus Ihrer Sicht durchaus eine berechtigte Frage.
Aber ich habe schon einmal getötet.
Ja, nur einmal und Sie werden zweifelnd anmerken, dass das ja keine wirkliche Routine darstellt.
Einmal ist kein Mal, wie man so schön sagt, nicht wahr?
Aber für mich gilt das nicht, glauben Sie mir.
In Gedanken hat jeder von Ihnen schon einmal gemordet, geben Sie es zu!
Den Chef, den meist als aller erstes.
Die Ehefrau oder den Ehemann.
Oder irgendeinen Konkurrenten, jemand der einem im Wege steht.
Und da ist die Grenze, verstehen Sie?
Es geht über die Gedankenwelt nicht hinaus.
Es verlässt den Kopf nicht.
Jedenfalls bei den meisten.
Und ich überschreite genau diese unsichtbare Grenze.
Wie gesagt, ich habe sie bereits überschritten.
Also kommen Sie mir nicht mit Überwindung.
Das Einzige, das ich wirklich beachten muss ist, dass ich, während ich die Dinge tue, die getan werden müssen, meine Gefühle einigermaßen unter Kontrolle habe.
Hass ist kein guter Ratgeber!
Und ich muss genau an die Vorbereitungen denken, das ist wichtig. Das Wetter spielt auch eine Rolle, deshalb habe ich den Winter gewählt. Da wird es früh dunkel. Ein nicht zu verachtender Punkt. Wer nimmt schon Notiz von dunklen Gestalten, die durch die Straßen ziehen?
Hat Jack The Ripper auch schon für sich genutzt.
Lachen Sie gerade?
Ja, ich bin ganz Ihrer Meinung, der Vergleich ist wohl ein bisschen zu weit hergeholt.
Und so viele andere Dinge sind noch wichtig. Man kann das Verhalten von Menschen nur bedingt voraussehen.
Sind sie an dem Tag wirklich dort, wo man sie vermutet, oder haben sie plötzlich andere Pläne?
Wenn es endlich so weit ist, machen sie Probleme?
Wehren sie sich?
Rufen sie um Hilfe?
Oder werden sie einsehen, dass sie keine Chance mehr haben?
Dass sie sterben werden, sterben müssen.
Dass sie die Quittung für das bekommen, was sie getan haben. Die Endabrechnung!
Also, so gesehen ist das hier wirklich ein Prolog, eine einführende Szene vor dem ersten Akt.
Und damit ist alles gesagt.
Und wenn Sie über mich in der Zeitung lesen, denken Sie daran, dass diese Dinge nicht ohne Grund geschehen.
Es gibt immer einen Grund. Und das ist sie. Für sie tue ich das alles und deshalb fällt es mir nicht schwer. Sie ist der Anfang und das Ende all meiner Träume und Hoffnungen, all meiner Liebe und Treue.
Ob sie es zu schätzen weiß, ich vermute, dass Sie das anmerken wollen.
Diese Frage macht Ihnen zu schaffen, hab ich Recht?
Ob sie es überhaupt will?
Ich könnte jetzt sagen, ja, ich bin mir sicher, dass sie es will.
Aber bin es das wirklich?
Auch ich bin ein Mensch, der zweifelt. Ich bin kein Monster, mir gehen die gleichen Gedanken durch den Kopf, zermürbende Grübeleien, ob das Ganze auch richtig ist.
Aber dann sehe ich sie und dann ist sie da, die Sicherheit.
An diese Augenblicke erinnere ich mich dann und weiß, dass es kein Zurück mehr gibt.
Es hat nie einen anderen Menschen für mich gegeben. Das ganze Leben nur einen Menschen zu lieben, was kann man sich anderes wünschen, da stimmen Sie mir doch zu?
Na also, wusste ich es doch.
So verschieden, wie Sie denken, sind wir gar nicht.
Und wenn ich genau darüber nachdenke, ich werde doch schon jetzt anfangen. Trotz der Hitze!
Ich könnte gesehen werden, warnen Sie mich eindringlich!
Das ist nett gemeint.
Aber machen Sie sich keine Sorgen.
Ich werde gesehen und bin doch unsichtbar.
Morgen, schon morgen werde ich zuschlagen!
Was bleibt mir noch zu sagen?
Außer vielleicht, dass ich auf ein bisschen Unterstützung von Ihnen hoffe, sei es auch nur in Gedanken.
Wünschen Sie mir Glück!
Er schätzte, es waren mindestens dreißig Grad! Hier im Auto geschätzte fünfzig.
Lässig hielt er beide Hände am Lenkrad und fuhr in die scharfe Rechtskurve. Schweiß rann ihm von der Stirn. Verdammt, dachte er, die letzten heißen Sommertage im August! Das Wetter kann einem noch mal richtig zusetzen. Mehrmals versuchte er seinen massigen Körper in dem Autositz hin und her zu schieben um an seine Hosentasche heranzukommen. Endlich zog er das Taschentuch heraus und wischte seine schweißnasse Stirn ab. Diese letzte Sommerhitze war mörderisch.
Sein Blick fiel auf seinen Ehering. Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet er heiraten würde, dachte er amüsiert. Wahrscheinlich nicht einmal er selbst . Keine Ahnung, warum ihm das in diesem Moment durch den Kopf ging. Aber mit Gaby hatte er es einigermaßen gut getroffen, das musste er zugeben. Gut, sie war nicht die Schlaueste aber sie hatte doch gute Hausfrauen - und Mutterqualitäten, wenn man nicht zu hohe Ansprüche stellte. Es taugte sowieso nichts, wenn eine Frau zu schlau war. Diese sogenannten Emanzen mit ihrem intellektuellen Gequatsche, das hielt doch kein Mann auf Dauer aus. Seine Frau wusste wenigstens, wo ihr Platz war.
Zufrieden reckte er seinen fetten Bauch nach vorne in Richtung Lenkrad.
Vor allen Dingen konnte sie gut kochen. Eine Frau, die nicht kochen konnte hätte er sowieso nicht geheiratet, Schwangerschaft hin oder her. Als Gaby damals ungeplant schwanger wurde, hatte er sich überhaupt nicht mit dem Gedanken anfreunden können, Vater zu werden. Aber es war halt passiert, was sollte man machen.
Doch letztendlich konnte er nicht klagen. Er hatte nicht mehr den Stress mit den Weibern und konnte sich nebenher ein wenig unverbindlich umsehen. Ein paar, die willig waren, gab es schließlich immer. Bei dem Gedanken grinste er vor sich hin. Als er den Wald erreichte wischte er sich erneut mit dem nassen Taschentuch übers Gesicht. Die Hitze war einfach unerträglich, aber Gott sei Dank war er ja in fünf Minuten zu Hause. Er hoffte, dass ihm sein Chef endlich ein Firmenauto mit Klimaanlage zu Verfügung stellen würde. Wenigstens ab nächsten Sommer. Doch dieses Arschloch hatte ihm unmissverständlich klargemacht, dass er dafür noch einige Abschlüsse an Land ziehen müsste.
Er schnaubte wütend. Vielleicht sollte ihm dieser Idiot mal erklären, wie er das anstellen sollte. Die Leute waren heutzutage vorsichtig geworden. Sie kauften nicht mehr einfach so teure Landmaschinen. Die Bauern in seinem Bezirk mussten mit jedem Euro rechnen. Wenn er daran dachte, wie viele Verkaufsgespräche er in letzter Zeit vergeblich geführt hatte, kein Wunder, wenn er mit diesem Schrottauto vorfahren musste.
Alles sinnlos. Sein Chef wollte es einfach nicht kapieren.
Er gab Gas und raste durch den Wald. Um diese Zeit war hier nicht viel los. Da konnte er noch mal austesten, was die alte Mühle noch hergab.
Die engen Kurven schlängelten sich einige Kilometer durch den Wald. Dort hinten, wenn man genau hinsah, konnte man durch eine Lichtung schon die ersten Häuser des Dorfes sehen, in dem er zuhause war.
Jetzt wollte er einfach nur noch abschalten! Hoffentlich hatte Gaby sich um den Garten gekümmert. Wenn man ihr nicht alles dreimal sagte, dann kapierte diese Frau es nicht. Sie konnte so verdammt faul sein. Er dachte an das gekühlte Feierabendbier, das ihn hoffentlich erwartete und an den Schweinebraten, den er heute Morgen extra seiner Frau in Auftrag gegeben hatte. Bei dem Gedanken lief ihm das Wasser im Mund zusammen.
Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass seine Gedanken wieder abschweiften zu den roten Zahlen, in denen der Betrieb zweifelsohne steckte. Er schlug mit der Hand aufs Lenkrad. Verdammter Mist, er hatte Feierabend. Schließlich war er mehr als zwanzig Jahre in der Firma. Sie würden schon nicht wagen, ihn raus zuwerfen. Er musste diesen Druck loswerden, am besten sofort. Er grinste. Wofür war eine Ehefrau schließlich da? Das Essen konnte noch ein bisschen warten. Hinterher hatte er umso mehr Hunger, das war klar.
Die nächste Kurve war die letzte vor dem Dorf. Lang gezogen und dunkel. Der Wald war an dieser Stelle dicht bewachsen. Er erinnerte sich, wie sie als Kinder hier immer im dichten Unterholz Verstecken gespielt hatten, zugegeben ein bisschen unheimlich war es schon, aber das war ja gerade das Spannende gewesen. Ein paar Jungen hatten richtig Schiss gehabt, die hatten sie besonders tief in den Wald geschickt und sie manchmal zurückgelassen, einfach so! Er musste grölend lachen, als er sich an die zitternden, vor Angst schlotternden Gestalten erinnerte, die irgendwann nach Hause geschlichen waren, als sie endlich aus dem Wald herausgefunden hatten.
Diese blöden Schwächlinge!
Er musste so lachen, dass er fast heulen musste. Na also, dachte er. Meine gute Laune ist wieder da. Wird schon werden mit der scheiß Arbeit, schließlich würde er immer wieder auf die Beine fallen, egal was passierte. Ihm konnte keiner so schnell was anhaben.
Verdammter Mist, was sollte das denn?
Er presste hektisch den Fuß auf die Bremse und hatte Mühe, den Wagen bei der hohen Geschwindigkeit unter Kontrolle zu bringen. Kurz nach der Kurve bekam er den alten Mercedes durch eine Vollbremsung mit quietschenden Reifen zum Stehen. Der Ruck war so gewaltig, dass seine Arbeitstasche vom Beifahrersitz in den Fußraum knallte.
Der Mann kam mit schnellen Schritten auf ihn zu.
Ach so, dachte er erleichtert.
Er wollte gerade seine Scheibe herunterdrehen, um zu fragen, was los war.
Da sah er die Waffe!
Was um alles in der Welt…..?
Er tastete mit der Hand über den Beifahrersitz, in der Hoffnung, dass der Mann es nicht sah, suchte sein Handy, bis im einfiel, dass es in seiner Tasche war.
Und die lag auf dem Boden.
Er starrte wieder nach vorne, seine Augen weiteten sich vor Panik.
Der Mann kam immer näher und trotzdem schien sein Gesicht immer unklarer zu werden.
Es stimmte, es stimmte, was alle sagen.
Was er schon mehrmals gelesen hatte und sich, zugegeben, darüber lustig gemacht hatte, das Leben spielt sich noch einmal vor dem Auge ab. In einem Bruchteil von Zehntelsekunden konnte er alles ganz genau erkennen, seine eigene Kindheit im Dorf, wie er spielend mit kurzen Hosen nach der Schule nach Hause rannte, die Hochzeitsfeier mit seiner Frau und die Geburt seines Kindes. Alles, einfach alles rauschte in rasender Geschwindigkeit an ihm vorbei.
Mein Kind, oh mein Gott, er sah das zarte Gesichtchen des Mädchens vor sich und dann der Schuss, wahnsinnig laut, wie ein Urknall, ohrenbetäubend und gleichzeitig der gigantisches Schmerz.
Und dann kam nur noch die Dunkelheit.
Endlich allein! Aber ist allein wirklich gut? Bedeutet allein Angst oder bedeutet zu zweit noch mehr Angst?
Rosemarie war nicht mehr in der Lage, Unterschiede festzustellen.
Sie hatte immer Angst.
Sie weinte wieder, obwohl sie gar nicht weinen wollte. Sie lag zusammengerollt wie eine kleine Katze auf dem dunkelrot geblümten Sofa in der Küche. Soweit zusammengerollt möglich war. Die Verletzung am Oberschenkel schmerzte höllisch und sie hoffte inbrünstig, dass die Wunde sich diesmal nicht infizieren würde und sie einen Arzt aufsuchen musste. Wie beim letzten Mal, als der Arzt ihr unangenehme Fragen gestellt hatte, sie seine mitleidigen Blicke aushalten musste und sich erneut eine ihrer vielen, haarsträubenden Ausreden hatte einfallen lassen. Bloß das nicht.
Diesmal hatte er mit einer Eisenstange zugeschlagen. Härter als je zuvor. Seine gezischten Laute schwebten noch im Raum: „Wage es morgen bloß nicht zu humpeln! Du weißt, wie ich das hasse, wenn meine Frau krank spielt.” Sein Adamsapfel hatte sich dabei hoch und runter bewegt. Ein untrügliches Zeichen, dass er es ernst meinte. Aber in seinen Augen hatte Rosemarie dieses verräterische Funkeln entdeckt.
Die pure Freude am Quälen!
Die Eisenstange hatte er als kleines Mitbringsel von der Arbeit mitgebracht. Also genau genommen geklaut. Rosemarie quälte sich Muskel für Muskel vom Sofa. Langsam, ganz langsam, dann war der Schmerz nicht ganz so schlimm. Sie schleppte sich in Richtung Badezimmer. Nicht humpeln, um Himmels Willen nicht humpeln. Bis morgen musst du das üben! Niemand darf es merken! Sie schwitzte. Sie schwitzte immer, wenn sie unter Druck stand. Ein kalter Waschlappen würde jetzt gut tun. Rosemarie ließ das Wasser laufen und benetzte ihre heiße Stirn. Mach das Wasser aus! Nicht so viel Wasser benutzen. Sie erschrak vor ihrer eigenen inneren Stimme. Der Druck, der von ihr kommt war allerdings zu ertragen, das Schwitzen zu kontrollieren. Das andere Schwitzen war schlimmer.
Das Angstschwitzen!
Es kriecht den Rücken hoch. Unten fängt es an, knapp über dem Po. Dann bewegt es sich langsam aber stetig höher, bis es am Haaransatz angekommen ist. Dort bleibt es sitzen. Kein nasser Waschlappen, kein tiefes Durchatmen, kein Zählen irgendwelcher Dinge um sich abzulenken bekommt es da wieder weg. Es gibt auch noch die andere Angst, die Schockangst. Die so plötzlich über einen kommt, dass der Körper keine Zeit hat, auf die Schnelle die Schweißattacken zu bilden. Dann fühlte sich die gesamte Haut an, als wäre sie von tausenden Nadelstichen befallen, die sich alle gleichzeitig erbarmunsgslos einbrennen.
Nur für Sekunden. Danach erfolgte eine Art Lähmung, die es einem unmöglich machte, zu handeln. Man glaubte, nicht mehr richtig atmen zu können, als würde man gleich unweigerlich ersticken. Rosemarie kannte alle Formen der Angst. Es gab Dinge, die sie auslösten. Blicke wie Eis, Worte wie Pfeile, Gesten der Demütigung und das Umdrehen des Schlüssels in der Wohnungstür, wenn er heimkommt.
Wenn es nicht so wehtun würde hätte sie beinahe gelacht bei dem Wort „Heim”.
Die Uhr zeigte 5 Minuten vor Acht, als Karla Albrecht an diesem Morgen zu ihrem Arbeitsplatz kam. Das Gebäude der Polizei lag am Ende der kleinen Fußgängerzone. Eine alt ehrwürdige Immobilie aus den 20iger Jahren. Zigmal renoviert hatte es einen sehr eigenen Charme, da aus jedem Jahrzehnt etwas dazugekommen war. Karla schimpfte leise vor sich hin, als sie bemerkte, dass einige der ohnehin schon wenigen Angestelltenparkplätze durch eine Baustelle blockiert waren.
Die war doch gestern noch nicht da! Wahrscheinlich wieder irgendein Rohrbruch oder ähnliches. Sie war jetzt 20 Jahre bei der Truppe und hatte sich inzwischen zwar schon an die ewigen Bau- und Renovierungsmaßnahmen gewöhnt, aber wenn sie morgens keinen Parkplatz fand, konnte sich ihre Laune doch schon mal nach unten bewegen. Gott sei Dank konnte sie mit ihrem kleinen Auto in einer Minilücke parken. Sie quetschte sich durch den schmalen Platz, den sie noch zum Aussteigen zu Verfügung hatte und schloss ab. Die Kühle des Morgens tat gut nach der Hitze der letzten Tage. So langsam konnte man den herannahenden Herbst erahnen und Karla war froh darüber. Dieses Herumwälzen und Wachliegen in verschwitzen Laken hatte sie satt und die kalte Luft tat den Gedanken gut und machte den Kopf frei. Die vergangene Nacht, oder das von ihr übrig blieb, hatte sie bei Stefan verbracht und er hatte großes Verständnis gezeigt wie immer, hatte keine Fragen gestellt, denn er wusste oder ahnte zumindest die Anstrengungen, die ihr Job bei der Kripo mit sich brachte.
Und doch ertappte sie sich immer öfter bei dem Gedanken, dass seine Bemühungen, sich für ihre Arbeit zu interessieren oft aufgesetzt und ein wenig geheuchelt rüber kamen. Vielleicht war sie auch einfach nur überarbeitet, dachte sie.
Sie war jetzt schon 3 Minuten zu spät dran und hetzte zur Eingangstür. Einer der Arbeiter von der Baustelle pfiff anerkennend hinter ihr her. Karla lächelte gequält. Aber irgendwie freute sie sich auch darüber, schließlich war sie nach dem Vorfall gestern Nacht erst um ein Uhr ins Bett gekommen, und sie fühlte sich schrecklich mit ihren Augenringen und den etwas zerzausten Haaren an diesem Morgen. Also was soll’s, dachte sie sich und lächelte dem Arbeiter mit dem schönst möglichen Lächeln zu, das sie an diesem Morgen aufbringen konnte.
Dann verschwand sie in der Eingangstür und lief die zwei Etagen hoch, wo sich die Räume der Kriminalpolizei befanden. Oben angekommen, atmete sie tief durch und ging, einen Morgengruß murmelnd, an ihren Kollegen vorbei in Richtung Schreibtisch. Ihre Büroecke war durch eine Glaswand und eine Tür von den anderen Büroplätzen abgetrennt. So war sie immer über alles im Bilde, konnte sich aber auch zurückziehen, wenn sie es wollte oder wenn Personen zum Verhör kamen. Verhörräume wie in den Großstädten gab es hier leider nicht.
Am Schreibtisch angekommen knallte sie ihre große Beuteltasche auf den Tisch, zog ihre Jacke aus und ließ sich auf den Schreibtischstuhl plumpsen. Durch die Scheibe konnte sie sehen, wie ihr Kollege Reinhard Köhler demonstrativ auf seine Uhr schaute. Auch er war gestern Nacht erst spät nach Hause gekommen, er schaffte es aber immer wieder trotz solcher Einsätze am nächsten Morgen jugendlich frisch auszusehen. Das lag wahrscheinlich an dem vielen Sport den er so trieb! Karla winkte ihn zu sich herüber. „ Reinhard.”, rief sie. „Gehen wir doch noch einmal die Sache von gestern Abend im Detail durch.” Reinhard Köhler kam forschen Schrittes in ihr Büro und zog sich einen Stuhl an ihren Schreibtisch. Er musterte Karla mit seinen hellgrauen Augen: „Na, ausgeschlafen?“, fragte er und grinste, sodass sich sein rechter Mundwinkel und die linke Augenbraue gleichzeitig hoben, was seinem Gesicht jedes Mal einen seltsamen Ausdruck verlieh. Karla hatte mal mit einigen Kollegen auf einer bierseligen Weihnachtsfeier versucht das nachzuahmen. Es war ihnen nicht gelungen. Sie winkte ab: „Frag nicht, lass uns arbeiten!“
Gemeinsam studierten sie die Unterlagen des Unfalls, der sich gestern Abend gegen 19.00 Uhr auf einer Landstraße rund 4 km von hier ereignet hatte. Der Notruf kam so gegen 19.15 bei der hiesigen Polizeiwache an.
Eine ältere Dame hatte aufgeregt in den Hörer gerufen, dass sie einen Toten gefunden hatte. In ihrer Aufregung und ihrem Schock hatte sie sich zunächst endlos darüber ausgelassen, von wo sie kam, dass sie mit ihren Hunden im Wald spazieren war, wo doch so schönes Wetter war, wo sie nun hinwollte und das ihr Mann zu Hause wartete, usw. Der Beamter in der Notrufzentrale hatte mit einer geschulten Geduld immer wieder auf sie eingeredet, dass sie sich doch beruhigen möge und genau sagen soll, wer sie ist, wo sie ist und wen sie denn gefunden hatte. Sie hieß Irene Müller war 78 Jahre alt, wohnte in einem benachbarten Dorf und hatte auf der Rückfahrt mit ihrem Auto plötzlich mitten auf der Fahrbahn kurz hinter ein paar Kurven einen Mercedes stehen sehen. Um ein Haar wäre sie aufgefahren, sie konnte im letzten Moment bremsen und kam hinter dem Wagen zu stehen. Sie dachte noch, wer ist so blöd, die Unfallstelle nicht abzusichern in einer solch kurvenreichen Strecke. Irene Müller überlegte nicht lange, fuhr ihren alten Toyota rechts ran, schaltete die Warnblinkanlage an und stieg aus. Ihre zwei Schäferhunde hinten im Auto spürten wohl, dass etwas nicht in Ordnung war und krochen hinten auf dem Rücksitz an die Scheibe und begannen lauthals zu bellen. Sie sah jetzt, da sie von hinten an den Mercedes heranging, dass am Steuer des Wagens jemand zusammengekrümmt saß.
Unruhe machte sich in ihr breit und ihr Herz begann bis zum Hals zu hämmern. Sie blieb stehen. Was mach ich jetzt, überlegte sie noch, während sie zögernd zu dem Wagen ging. Soll ich zuerst meinen Verbandskoffer aus dem Auto holen? Und was erwartet mich? Liegt dort jemand blutüberströmt und schwer verletzt? Oder hatte dieser jemand vielleicht einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, röchelt vielleicht, stöhnt um Hilfe?
Sie merkte, dass sie flüsternd mit sich selbst sprach. Hunderte Gedanken schossen ihr in Sekundenschnelle durch den Kopf, während ihre beiden Hunde, die ihre Anspannung sicherlich bemerkten, pausenlos, mittlerweile fast hysterisch, bellten.
Langsam mit fast bedächtigen Schritten bewegte sie sich um das Auto herum. „Hallo?”, rief sie. „Hallo, sind Sie verletzt? Kann ich Ihnen helfen? Hallo!” Das Rufen half ihr, sich ein wenig zu beruhigen, so wie bei einem Kind, das laut ruft und lärmt, wenn es einen dunklen unheimlichen Keller betritt. Nun sah sie den Mann.
Er war extrem dick. Das fiel ihr komischerweise zuerst auf. Und er war definitiv tot.
Starke Kopfschmerzen setzten schlagartig ein und das Bellen ihrer Hunde wurde plötzlich zu einem alles über tönendem Geräusch. Sie überwand sich, den Mann, der seitlich etwas zusammen gesackt hinter dem Lenkrad saß, mit der Hand ein wenig anzufassen, seinen Kopf etwas gerade zu schieben, um zu sehen, ob nicht doch noch etwas zu machen war, ob sie nicht irgendwas helfen konnte, obwohl ihr Verstand ihr schon lange gesagt hatte, dass nichts aber auch gar nichts diesem Menschen noch helfen würde.
Auf dem Hemd des Mannes hatte sich ein großer Blutfleck gebildet. Mit aller Kraft schob sie seinen großen schweren Kopf in eine gerade Position -- und blickte in starre, weit aufgerissene tote Augen.
Auf diesen Anblick war sie trotz allem nicht vorbereitet gewesen. Irene Müller stolperte zwei Schritte zurück, schnappte hechelnd nach Luft und beugte sich vornüber, bis sie einigermaßen atmen konnte. Ihre Hunde bellten unaufhörlich. Aber sie sah es als ihre Pflicht an, sich in einem Notfall wie diesem zusammen zu reißen. Als sie sich wieder aufrichtete und sich zwang noch einmal hinzuschauen, bemerkte sie, dass in der Windschutzscheibe ein Loch war, von wo aus sich kleine Risse in alle Richtungen der Scheibe verteilten. Vielleicht ein Steinschlag, überlegte sie. Aber mit so gravierenden Folgen? Ich muss Hilfe holen! Sie stolperte zurück zu ihrem Toyota, riss die Tür auf und kramte wild in ihrer Handtasche. Schließlich hatte sie ihr Handy in der Hand. Die Hunde bellten immer noch. „Ruhig!”, herrschte sie ihre Schäferhunde an. „Seit endlich ruhig!” Überrascht über die plötzliche Lautstärke ihres sonst so sanftmütigen Frauchens verstummten die Hunde augenblicklich und legten sich mit reumütigen Blicken auf die Rückbank. Irene Müller wählte mit zittrigen Händen die Notrufnummer.
„Tja.“, sagte Reinhard Köhler. „Das muss ziemlich heftig für die alte Dame gewesen sein. Sie hat mir gestanden, dass sie trotz ihres hohen Alters noch nie einen Toten gesehen hat.” Karla dachte an gestern Abend zurück, wie sie und Reinhard an diesen Ort mitten im Wald gerufen wurden. Es war schon 19.30 und sie wollten gerade Feierabend machen, als der Anruf kam. Zwei Beamte von der Polizeistreife, die aufgrund des Anrufes von Irene Müller zur Unfallstelle gefahren waren, hatten ziemlich schnell gemerkt, dass es sich eben nicht um einen normalen Unfall handelte. Ihnen waren sofort das Loch in der Scheibe und das seltsame Verletzungsmuster des Mannes aufgefallen und sie hatten die Kriminalpolizei informiert.
Als Reinhard und Karla in dem Waldgebiet ankamen hatten ihre Kollegen bereits den Rest der Landstraße gesperrt. Einer der Streifenbeamten, ein stattlich wirkender älterer Beamter, den Karla von anderen Einsätzen kannte, kam auf sie zu. Er begrüßte sie mit einem kräftigen Händedruck. „Das müsst ihr euch mal anschauen.”, sagte er. „ Das ist kein normaler Unfall. Die Scheibe, die Verletzung des Mannes! Sieht eher wie ein Schuss aus!” „ Okay.” Karla zog sich ein Paar Handschuhe über. „Wir werden sehen. Sie haben hoffentlich nichts angefasst?” „Ich nicht.”, antwortete der Beamte. „Aber die Dame dort drüben.” Er zeigte auf Irene Müller, die in einiger Entfernung noch immer stark zitternd an ihr Auto gelehnt stand. „Na ja, sie hat halt gedacht, dass sie ihm noch helfen konnte. Daher hat sie seinen Kopf bewegt.” „Ja, ja...”, erwiderte Karla. „Wir werden uns die Sache erst mal ansehen.” Zusammen mit Reinhard ging sie zu dem Mercedes herüber.
Karla schluckte. Es kostete doch immer wieder Überwindung, sich einen Toten genau anzusehen.
Gott sei Dank kam das nicht zu häufig vor. Schweigend untersuchten sie den Mann. Sein Kopf lag zurückgebeugt im Nacken und es schien, als starrten seine Augen zur Wagendecke. Karla knöpfte vorsichtig die oberen Knöpfe von seinem Hemd auf. Durch das viele, bereits geronnene Blut fühlte sich das Hemd an, als wäre es aus Pappe und würde jeden Augenblick zerbrechen.
„Unser Kollege hat Recht. Informiere bitte den Rechtsmediziner.“ Karla wandte sich Reinhard zu, der die Scheibe untersuchte. Er nickte: „ Ja, dies hier ist eindeutig ein Einschussloch!”
Kurze Zeit später waren bereits die angeforderte Spurensicherung und der zuständiger Kollege von der Gerichtsmedizin eingetroffen. Karla und Reinhard überließen ihnen das Feld und gingen auf Irene Müller zu, um sie noch einmal genau zu den Geschehnissen zu befragen. Viel bekamen sie nicht aus ihr heraus. Eine junge Polizeibeamtin mit einem langen blonden Zopf, der geflochten unter ihrer Polizeikappe hervorlugte stand ihr zur Seite und tätschelte beruhigend den Arm der Frau. Behutsam sprach sie auf die alte Dame ein, die noch immer unter Schock stand. Da sie nicht mehr in der Lage war, ihr Auto zu fahren, wurde ein Kollege damit beauftragt, sie und ihre beiden Hunde nach Hause zu bringen, wo sie von ihrem Mann bereits erwartet wurde. Mehr konnte man im Moment nicht tun.
Reinhard und Karla wandten sich wieder den Kollegen der Kriminaltechnik zu. Einer der vermummten Männer in den weißen Schutzanzügen kam auf sie zu. In der Hand hielt er den Führerschein des Toten, den er im Handschuhfach gefunden hatte. Karla sah ihn sich genau an. „Hier.”, sagte sie zu Reinhard Köhler. „Der Mann wohnte hier ganz in der Nähe. Nur ein Dorf weiter. In fünf Minuten wäre er zu Hause gewesen. Er heißt Fritz Olischewski und ist 41 Jahre alt. War 41 Jahre alt.“, verbesserte sie sich.
„41?” Reinhard wunderte sich. „Ich hätte ihn bedeutend älter geschätzt. Mein, Gott! Ich kann mir jetzt schon denken, was uns gleich erwartet, wenn wir die Adresse aufsuchen. Eine in Tränen aufgelöste Ehefrau und wahrscheinlich noch ein paar kleine Kinder, die auf ihren Papa warten.” Karla nickte. In solchen Momenten hasste auch sie ihren Job.
Es dämmerte schon, als sie später in Richtung des nächsten Dorfes fuhren, wo Fritz Olischewski gelebt hatte. Die Spurensicherung war abgeschlossen, der Wagen des Mannes zur Untersuchung abgeholt und die Leiche in das nächste Gerichtsmedizinische Institut transportiert worden. Karla merkte, dass Reinhard, wahrscheinlich unbewusst, sehr langsam fuhr, um möglicherweise die Zeit bis zur Überbringung der schrecklichen Nachricht noch ein bisschen hinauszuzögern. In dem kleinen Dorf mit rund fünfhundert Einwohnern war es nicht schwer, die Adresse zu finden, obwohl mittlerweile fast schon die Dunkelheit eingesetzt hatte.
Bei dem Haus handelte es sich um ein Reihenhaus, welches in der Mitte einer Dreiergruppe stand. Alle drei Häuser hatten kleine, aber pedantisch gepflegte Vorgärten, so als wollten sich die Besitzer gegenseitig übertrumpfen in der Auswahl der Sträucher und Blumen. Bei dem Haus der Olischewskis kamen noch unzählige, etwas kitschig angehauchte Tonfiguren dazu, die überall auf dem Beet und am Treppenabsatz herumstanden. Karla schellte und sah schemenhaft durch das dunkle Glas der Haustür einen Kinderbuggy im Flur stehen. Ihr wurde ganz mulmig ums Herz. Zunächst hörten sie nichts, aber nach nochmaligem Schellen ging im Haus eine Tür auf und man konnte eine zierliche Frauengestalt erkennen, die sich zögerlich Richtung Haustür bewegte.
„Ja bitte?” Eine Frau, dunkelhaarig, Anfang 30, hatte die Haustür einen Spalt breit geöffnet und schaute erstaunt auf Karla Albrecht und Reinhard Köhler. „Frau Olischewski?”, fragte Karla. Die Frau nickte. „Mein Name ist Karla Albrecht und das ist mein Kollege Reinhard Köhler. Wir sind von der Kriminalpolizei.” Beide zeigten ihre Ausweise, die Frau Olischewski sorgfältig betrachtete. „ Können wir hereinkommen? Wir müssen mit Ihnen reden.” Frau Olischewski gab ihnen die Ausweise zurück, machte jedoch keine Anstalten die Haustür weiter zu öffnen.
„Mein Mann ist noch nicht da!”, sagte sie. „Muss wahrscheinlich wieder länger arbeiten. Ich weiß nicht, ob ihm das recht wäre, wenn ich Sie hereinlasse.” „Das geht schon in Ordnung.”, sprach Karla in einem sanften Tonfall. „Bitte, wir müssen mit Ihnen reden!” Jetzt öffnete sie die Tür und Karla und Reinhard folgten ihr in das Haus. Frau Olischewski ging voran in Richtung Wohnzimmer. Reinhard blickte sich um. Das Haus war genauso penibel sauber und aufgeräumt wie der Vorgarten. Er fühlte sich in solchen Häusern äußerst unwohl und er hatte außerdem Angst vor der Reaktion der Frau. Ein Blick auf seine Kollegin sagte ihm, dass es ihr genauso ging. Beide hatten schon öfters Todesnachrichten überbracht, und doch war es jedes Mal anders. Manche Angehörigen brachen völlig zusammen, weinten oder schrien hysterisch, andere wurden unnatürlich ruhig und starrten an die Wand, schienen die Nachricht nicht wahrnehmen zu wollen. Es gab sogar welche, die schienen erleichtert zu sein oder im schlimmsten Falle sogar froh.
Frau Olischewski zeigte keine von diesen Reaktionen. Im Grunde genommen reagierte sie überhaupt nicht. Sie blieb auf ihrem Sofa sitzen, schaute die beiden Kriminalbeamten mit genau demselben neutralen Blick an, den sie schon vorher aufgesetzt hatte, bevor Karla ihr behutsam den Tod ihres Ehemannes mitgeteilt hatte. Die Schusswunde hatten sie erst mal nicht erwähnt. „Kann ich Ihnen denn etwas zu trinken anbieten, einen Tee vielleicht. Für Kaffee ist es ja schon ein bisschen spät. Ich muss leise sein in der Küche. Unsere Tochter Pia schläft schon, wissen Sie, aber einen Tee kann ich Ihnen schnell machen.” Sie stand auf und wollte zur Küche gehen. Karla sprang auf und nahm ihre Hand. „Frau Olischewski, haben Sie verstanden, was wir Ihnen mitteilen wollten? Ihr Mann ist tot. Bitte bleiben Sie doch sitzen. Sie müssen sich jetzt erstmal um sich selbst kümmern. Bitte sagen Sie uns die Telefonnummer eines Verwandten oder Nachbarn, den wir benachrichtigen können!”
Die Frau gab ihnen ein wenig zögerlich den Namen einer Nachbarin, und Reinhard Köhler ging aus dem Haus, um bei der genannten Frau zu klingeln. Eigentlich war er sogar froh, dass er kurz aus der Situation heraus kam.
Am Nachbarhaus öffnete ihm eine resolut wirkende, zirka sechzigjährige Frau im Jogginganzug, die, als sie die schlimme Nachricht hörte, sofort bereit war, mitzukommen. „Oh Gott, die arme Frau!”, murmelte sie vor sich hin, wobei sie forschen Schrittes vor Reinhard Köhler zum Nachbarhaus ging: „Was soll sie jetzt nur machen, das Kind ist ja noch so klein. Und Frau Olischewski ist doch so unselbstständig. Ihr Mann hat immer alles geregelt, müssen Sie wissen!” Reinhard Köhler ging mit ihr zusammen zurück zum Haus der Olischewskis, öffnete die angelehnte Haustür und führte die Nachbarin in das Wohnzimmer, wo Frau Olischewski immer noch völlig regungslos auf dem Sofa saß, während Karla Albrecht ihre Hand hielt. Die beiden Kriminalbeamten versuchten noch, ein paar Fragen loszuwerden, und fanden so heraus, dass der Familienvater bei einer Firma für Landmaschinen als Vertreter gearbeitet hatte und viel unterwegs war, ansonsten aber, so sah es aus, ein völlig normales und ruhiges Leben geführt hatte. Schließlich mussten sie ihr, auch wenn es ihnen unsagbar schwer fiel, mitteilen, dass ihr Mann erschossen wurde und nicht durch einen Unfall ums Leben kam.
Während die Nachbarin schreckensbleich die Hand an ihren Mund presste, blieb Frau Olischewski stumm und zeigte erneut keinerlei Reaktion.
Ihre zarten Hände lagen gefaltet in ihrem Schoß. Ihre schmale Gestalt bot einen zerbrechlichen Eindruck und sie tat Karla aus tiefster Seele leid.
Das Angebot, einen Arzt zu rufen oder sonstige professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, lehnte sie kategorisch ab. Allerdings war sie einverstanden, dass sich die Nachbarin in der kommenden Nacht um sie kümmern würde, bis ihre Eltern am darauf folgenden Tag eintrafen.
Reinhard und Karla hatten die Frau schweren Herzens allein gelassen und waren noch bis Nachts um ein Uhr im Präsidium gewesen, um Berichte zu schreiben und die ersten Spuren auszuwerten.
„Ja.“, bemerkte Reinhard und reckte sich in seinem Schreibtischstuhl nach hinten. „Das ist der Stand der Dinge. Zunächst müssen wir erstmal das Ergebnis der Spurensicherung abwarten und die Obduktion der Leiche. Vorher können wir nicht viel machen.”
„Ich begreife das nicht. Ich meine, warum wird ein ganz normaler Familienvater mit einem ganz normalen Job mitten auf der Landstraße in seinem Auto erschossen? Das macht keinen Sinn!”, grübelte Karla und rieb sich mit den Fingerspitzen ihre Schläfen. „Und ist dir das komische Verhalten der Ehefrau aufgefallen? Im Grunde genommen hat sie sich gar nicht „verhalten“. Sie hat keinerlei Regungen gezeigt. Alles sehr seltsam! Ich nehme an, der Schock! O.K. Heute Nachmittag ist die Obduktion abgeschlossen, dann wissen wir vielleicht mehr. Und dann müssen wir Frau Olischewski erneut befragen”
„Und die Nachbarn.”, ergänzte Reinhard.
Rosemarie versuchte Schritt zu halten und sie versuchte zu lächeln, wie sie es immer tat um möglichst unauffällig zu sein und keine Angriffsfläche zu bieten. Ihr Mann Roland schritt voran und griff zielsicher zu den Haushaltswaren in den Regalen. Der Supermarkt war um diese Zeit immer gut gefüllt, was ihr zusätzlich Panik bereitete. Ihre Haut fühlte sich heiß an, trotz der Kälte die draußen und auch hier drin herrschte. Manchmal, so wie auch heute quälten sie Sorgen, was diese Daueranspannung langfristig mit ihrem Körper machte. Sie hatte davon gelesen, dass sich Stress sehr negativ auswirkte, ähnlich wie Rauchen. Diese ständigen Stimmen, die sie drangsalierten, nicht gut genug zu sein, nicht zu genügen in dieser Welt. Rosemaries Angst verstärkte sich immer mehr und sie versuchte an etwas anderes zu denken.
„Du könntest heute mal Medaillons braten, mit frischen Möhren und einer schönen Sauce! Was hältst du davon Schatz?”, fragte Roland und strich ihr mit kalten Fingern über die Wange. Sie zuckte zusammen, lächelte aber und nickte heftig. Er mochte es nicht, wenn sie seinen Aufforderungen nicht klare Signale der Zustimmung entgegen brachte. Sie versuchte gerade zu stehen, ihre Wunde am Bein schmerzte fürchterlich. „Geh in den nächsten Gang, dort sind die Saucen. Und hol nicht wieder die falschen!”, befahl er ihr. „Ich stelle mich schon mal an der Fleischtheke an.”
Ohne ihre Antwort abzuwarten drehte er sich blitzartig um und verschwand in Richtung Fleischtheke. Rosemarie fuhr sofort mit ihrem Einkaufswagen in den nächsten Gang. Sie betete, dass diesmal die von ihm gewünschten Saucenpackungen im Regal standen. Jetzt konnte er sie nicht mehr sehen, jetzt durfte sie für einen Moment ihre Schmerzen zulassen und humpeln. Mühsam hatte sie schon den ganzen Nachmittag, seit er von der Arbeit gekommen war, versucht die Fassade aufrechtzuerhalten. Umso mehr kam jetzt der Schmerz zurück und der Schwindel.
Doch, da waren sie!
Gott sei Dank! Die richtigen Saucen! Sie hatte sie gefunden und spürte so wenigstens eine kleine Erleichterung. Sie stellte sich, soweit das möglich war, auf die Zehenspitzen und fingerte mit zittrigen Händen am oberen Regal herum. Schließlich bekam sie eine Packung zu fassen und ließ sie in den Wagen fallen. Aber sie brauchte zwei! Unruhig schaute sie sich um. Sie reckte sich hoch und bekam auch die zweite Packung in die Hände, aber leider purzelten danach noch vier weitere Saucenpackungen auf die Erde. Warum bloß war sie immer so ungeschickt?
Schnell, schnell, bloß alles schnell aufheben!
Du musst dich beeilen!
Er war heute nicht gut drauf, wer weiß, was noch alles passieren konnte.
Rosemarie bückte sich und versuchte das verletzte Bein möglichst gerade zu halten. Aber es schmerzte so sehr, dass sie sich fast auf den Boden hocken musste. Sie schwitzte schon wieder und aus ihrem Pferdeschwanz löste sich eine Strähne. Tränen rannen ihr übers Gesicht. Sie merkte es erst, als eine Haarsträhne auf ihrer Wange kleben blieb. Der Schwindel war kaum zu ertragen.
Sie versuchte, den Schmerz irgendwie auszuschalten und wollte nach den Saucenpackungen auf der Erde greifen, als sie plötzlich wie aus dem Nichts eine Hand vorschnellen sah. Die Hand griff nach einer der Saucenpackungen und reichte sie ihr. Rosemarie fuhr erschrocken zusammen. Jetzt hatte das Zittern ihren ganzen Körper ergriffen.
Neben ihr hockte Roland. Sie hatte etwas falsch gemacht, verdammt.
Sie wagte nicht, zur Seite zu schauen.
Roland hatte sie erwischt, schoss es ihr durch den Kopf. Er war Zeuge ihrer Ungeschicklichkeit geworden. Wieder einmal.
Aber alles blieb ruhig. Verdächtig ruhig.
Er war es gar nicht.
Es war gar nicht Roland, der ihr half.
Der Mann hatte kräftige Hände und eine sehr helle Haut. Weiß und kräftig! Sie riskierte einen scheuen Blick auf den Arm des Mannes und sah einen dichten Flaum feiner blonder Härchen. Außerdem nahm sie den schwachen Geruch eines würzigen Herrnduftes wahr.
Rosemarie traute sich immer noch nicht, dem Mann, der ihr geholfen hatte, direkt ins Gesicht zu schauen oder gar sich zu bedanken. Als er wieder aufstand, hockte sie immer noch dort wie versteinert, unfähig zu handeln, so wie es immer war, wenn Menschen in irgendeiner Form nett zu ihr waren.
Das kam schließlich selten vor. Ihr Körper fror dann förmlich ein und ihr Blick wurde starr, was von anderen fälschlicherweise als unhöflich angesehen wurde.
Aber diese Situation war trotzdem anders. Der Mann stand immer noch neben ihr und sagte kein Wort. Warum nicht?
Denk nach, zwang sie sich, der Mann will dir sicher nur helfen.
Aber warum sagte er dann nichts?
Während sie die ganze Zeit verlegen auf den Boden starrte bekamen ihre verwirrten Gedanken plötzlich eine Ahnung von dem Aussehen des Mannes. Sie stellte sich vor, wie er wohl sein könnte, der Fremde. Blond wahrscheinlich, darauf ließen die dichten, hellen Haare auf seinem Unterarm schließen. Und blaue Augen, vielleicht.
Er wartete. Sprach immer noch nicht.
Langsam wagte sie es endlich aufzustehen. Wirbel für Wirbel bog sie ihren Rücken gerade und achtete peinlich genau darauf, ihr verletztes Bein nicht zu belasten. Man wusste nie genau, von wem man angesprochen wurde. Im schlimmsten Fall einer von Rolands sogenannten Bekannten. Was, wenn er ihren Mann ausfragen würde, nach dem Humpeln seiner Frau?
Rosemarie schaute vorsichtig durch ihre angeklatschte Haarsträhne zur Seite. Es half nichts, sie musste ihn ansehen, er ging einfach nicht weg!
Die Augen des Mannes hatten tatsächlich eine durchdringende Farbe. Sie hatte solche Augen noch nie gesehen. Eine Farbe irgendwo zwischen einem stechenden Stahlblau und einem sanften Grün. Wie ein tiefer Bergsee in Aquamarin, dachte sie.
Die Augen fixierten sie die ganze Zeit, so als würde er abwarten, was sie tun würde. Aber Rosemarie war zu keiner Regung fähig. Eigentlich hätte sie nervös sein müssen. Normalerweise fand sie es grauenvoll, so angestarrt zu werden. Aber nichts war hier wie sonst. Ihr fiel die Geschichte von dem Kaninchen ein, das von den Blicken einer Schlange hypnotisiert ist, und nicht wegläuft, obwohl es eigentlich panische Angst hat.
Aber, und das beunruhigte sie fast noch mehr, sie verspürte keinerlei Angst.
Denn seine Augen schauten trotz des stechenden Blicks freundlich, fast warmherzig zu ihr herüber, so empfand sie es jedenfalls.
Rosemarie wollte Danke sagen, sie wollte lächeln, doch sie starrte nur in sein Gesicht!
Das Ganze ist verrückt, dachte sie. Litt sie jetzt schon unter Wahnvorstellungen? Schließlich kannte sie den Mann nicht. Hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Und doch war da etwas, was ihr vertraut vorkam, ein ganz flüchtiges Gefühl, nicht wirklich greifbar, als hätte sie ihn doch schon einmal irgendwo gesehen.
Es war, als stände in diesen Augen eine Botschaft für sie, nur für sie allein. War sie jetzt komplett verrückt geworden? Kannte sie ihn vielleicht von früher?
Während sie in ihrem Gedächtnis kramte und sich beim besten Willen nicht erinnern konnte, stand er ganz nahe bei ihr und lächelte. Ich muss schleunigst hier weg, erschrak Rosemarie. Jetzt sofort! Wenn Roland sieht, dass ich hier mit einem anderen Mann stehe, sie stellte sich vor, wie er reagieren würde und ihr Körper fing erneut an zu zittern. Zuerst würde er noch freundlich fragen, würde wissen wollen, wer denn der junge Mann sei, Rosemarie, willst du uns nicht vorstellen. Dann würden Hände geschüttelt und freundliche Floskel ausgetauscht und hinterher, zuhause, würde er heftiger schreien und schlagen als je zuvor.
Als hätte der Fremde gespürt, dass sie weg wollte, hob er plötzlich ganz langsam seinen rechten Arm und berührte vorsichtig ihre Schulter. Rosemarie spürte nur einen kurzen Hauch seiner Bewegung. Trotzdem war es, als würde ihr ganzer Körper wie unter einem elektrischen Schlag zusammenzucken. Die Panik hatte sie nun wieder voll im Griff. Jeden Moment konnte Roland in den Gang kommen. Wie sollte sie ihm die Situation erklären?
„Ich komme wieder!” Jetzt sprach der Mann, wenn auch nur ganz leise, mit einer tiefen und rauchigen Stimme. „Ich helfe dir!“ Dann drehte er sich um und verschwand ganz einfach.
Rosemarie stand wie angewurzelt vor dem Regal. Was? Was hatte er gesagt? Ich helfe dir? Wer war der Mann? Was wollte er von ihr. Hastig tastete sie ihre Jackentaschen ab. Geldbörse, Ihr kleines Täschchen mit Ausweis und Handcreme, alles noch da. Er war also kein Dieb, aber wer war er dann? Nach ein paar Minuten der Regungslosigkeit fiel ihr auf, dass sie nicht mehr zitterte. Eine eigenartige Ruhe hatte sie erfasst. Eine Ruhe, die ihr unbekannt war, von der sie nicht wusste, ob sie gut war oder schlecht. Wann sie eine solche Empfindung das letzte Mal gespürt hatte, sie konnte sich nicht erinnern. Aber sie war nicht unangenehm, glich fast einer Art Betäubung und war doch anders. Rosemarie sah sich um.
Noch immer war Roland nirgendwo zu sehen. Was bedeutete das alles? Und bedeutete es überhaupt irgendetwas? Die Saucenpackungen, die noch auf der Erde lagen, ließ sie einfach liegen und ging schließlich wie unter Trance weiter.
Was wollte ihr ein fremder Mann helfen, und wobei eigentlich. War er nur charmant oder kannte er sie, überlegte sie erneut. Sicherlich hatte er nur Blödsinn gemacht, wollte sie ein bisschen ärgern und als er ihre Reaktion bemerkt hatte, war er weggegangen, würde wahrscheinlich keinen Gedanken mehr an sie verschwenden.
Und doch, ohne, dass sie es hätte verhindern können, schlichen sich andere Überlegungen ein. Solche, die sie sich eigentlich nicht zu denken traute. Konnte er es ernst gemeint haben, diese Worte?
Vielleicht.
Das konnte man nicht wissen oder?
Obwohl es ihr jetzt bereits ihr Unterbewusstsein zuraunte. Sein Blick, seine Gesten, er hatte es so gemeint, wie er es gesagt hatte.
Sie hatte es in seinen Augen gelesen und verstanden.
Endlich!
Sie hat mich kennen gelernt.
Oder sollte ich besser sagen, ich durfte sie kennen lernen?
Wie viele Jahre, Monate, Tage, Stunden und Sekunden habe ich darauf gewartet.
Im Supermarkt war die passende Gelegenheit dazu. Letztendlich war es doch einfacher, als ich es mir vorgestellt habe. Das erste Mal, dass ich sie, Rosemarie, ansprechen durfte. Rosemarie, dieser Name, der an so viel erinnert. An Blumen, an Duft, an Musik! Lange habe ich nachgedacht, wie es wohl ist, ihren Geruch zu riechen, ganz in ihrer Nähe zu sein, ihr feines Haar zu bestaunen, ihr so nah zu sein, dass ich sogar ihre feinen, roten Äderchen auf ihren Wangen sehen konnte, die sie manchmal bekam, wenn sie aufgeregt war.
Immer diese Träume, die ich gehabt habe! In letzter Zeit traten sie gehäuft auf und ich musste etwas unternehmen. Alle erdenkliche Situationen, die ich phantasiert habe, wie ich sie anspreche und wo! Das alles ist nun vorbei.
Endlich sind die Träume in der Wirklichkeit angekommen. Und es ist noch viel schöner und aufregender, als ich gedacht habe.
Als ich je zu hoffen gewagt habe.
Der Traum ist wahr geworden. Mein Traum. Unser Traum.
Sie hatte wieder geweint, nein nicht richtig geweint, aber ich habe es gesehen. Mir entgeht so etwas nicht! Rosemarie weint nicht laut, ihre Tränen fließen leise und rinnen in feinen Fäden über ihr wundervolles Gesicht und ich befürchte, sie bemerkt es nicht einmal mehr. Alles ist so schlimm für sie, dass sie es sogar verlernt hat, richtig zu weinen.
Ich verstehe das, aber aushalten kann ich es nicht. Aber vielleicht waren diese lautlosen Tränen im Supermarkt ja ein Zeichen für mich, ein von einer höheren Macht geschicktes Zeichen endlich zu handeln.
Ja, so muss es gewesen sein! Sie wurde ruhiger, als ich ihr mit diesen dämlichen Saucenpackungen geholfen habe, die sie für ihren noch dämlicheren, so genannten Ehemann holen sollte. Beim bloßen Gedanken an ihn wird mir schlecht.
Alles nur eine Frage der Zeit, und meine Zeit, mich mit ihm zu befassen wird ganz sicher kommen.
Ich darf nicht ungeduldig werden, muss vorsichtig sein mit ihr.
Zuerst wird sie wahrscheinlich noch erstaunt sein, wird vielleicht denken, ich habe sie verwechselt.
Aber ich habe dich nicht verwechselt, mein Herz. Wie könnte ich?
Schließlich gibt es eine Frau wie dich nur ein einziges Mal auf der ganzen Welt.
Sie wird es zunächst nicht glauben können, weil sie es nicht gewohnt ist zu glauben.
Das dort jemand ist, der sie wunderschön findet.
Aber eines Tages, so hoffe ich von ganzem Herzen, da wird sie mir vertrauen.
Zuerst werde ich die anderen Sachen ausführen.
Die Vorbereitungen!
Nicht immer würde es so einfach laufen wie bei dem Fettsack! Mein Gott, einfach mein Auto an die Straße stellen, die Motorhaube auf und warten. Irgendwann musste er ja nach Hause fahren. Ich gebe zu, dass ich etwas aufgeregt war, vielleicht eine Art Vorfreude. Schließlich würde es nur noch Minuten dauern, bis der Scheißkerl endlich krepierte und niemand mehr wehtun konnte.
Dann war es soweit und ich wurde ganz ruhig.
Ich habe ihn kommen sehen. Hat der dämliche Idiot nicht mein Fernrohr gesehen, das ich um den Hals hängen hatte, als ich ihn zu Anhalten zwang. Kam ihm das nicht komisch vor? Ach, nein, ich hab es ja ganz vergessen! Ich habe ihm keine Zeit zum Nachdenken gegeben.
Karla blickte nachdenklich aus ihrem Bürofenster im zweiten Stock. Der Sommer war vorbei. Bald würde der Herbst in schnellen Schritten heraneilen. Die ersten Blätter begannen bereits sich von den Bäumen zu lösen. Tagsüber war es in der Sonne noch recht warm, aber abends hatte es sich empfindlich abgekühlt.
Drei Wochen war es jetzt her, seit Fritz Olischewski einem Tötungsdelikt zum Opfer fiel. Drei Wochen, in denen sie keinen Schritt weiter gekommen waren. Die Obduktion war einen Tag nach dem Vorfall in der nächst größeren Stadt durchgeführt worden. Sie war dabei gewesen, obwohl die Anwesenheit bei einer Leichenöffnung zu ihren unliebsamen Aufgaben gehörte. Schon mehrmals, vorzugsweise während ihrer Ausbildung, hatte sie dies mitgemacht, aber man konnte wohl nicht erwarten, dass sich in irgendeiner Weise eine Gewöhnung einstellte und das war sicher auch gut so.
Schon wenn sie das Gebäude der Rechtsmedizin betrat, beschlich sie ein mulmiges Gefühl. Sie meinte jedes Mal, diesen eigenartigen Geruch schon in der Eingangshalle wahrnehmen zu können, auch wenn das natürlich Blödsinn war. Dr. Jacobs war in diesem Fall der leitende Rechtsmediziner. Karla kannte ihn schon einige Jahre. Er war ungefähr Mitte fünfzig, aber immer noch sportlich, drahtig, hatte eine Halbglatze und trug eine Brille. Karla hatte den Eindruck, dass er gar nicht alterte. Immer wenn sie ihm über die Jahre hinweg begegnete, sah er gleich aus. So empfing er sie auch diesmal wieder mit seinem gewohnt distanzierten Lächeln und beantwortete jede ihrer Fragen mit großer Kompetenz und routiniertem Fachwissen.
Karla nahm sich noch einmal den Obduktionsbericht vor. Irgendjemand musste Fritz Olischewski dort draußen auf der Landstraße zum Anhalten gezwungen haben, ja regelrecht auf ihn gewartet haben. Sie hatten fremde Reifenspuren in dem Acker am Straßenrand gefunden, deren Profil auf einen Kleinwagen hinwies. Aber Herr Olischewski war nicht ausgestiegen, oder er hatte keine Chance zum Aussteigen bekommen. Der Schuss war von seitlich vorne abgegeben worden, ging durch die Frontscheibe, bohrte sich bei dem Opfer durch Herz und Lunge und blieb in der rechten Schultermuskulatur stecken.
Hatte Fritz Olischewski in der letzten Sekunde seines Lebens geahnt, was ihm blüht, oder war er völlig ahnungslos gewesen? Noch immer grübelte Karla über das mögliche Motiv. Wer könnte diesen Mann so gehasst haben?
Von seiner Frau und ihren angereisten Eltern hatten sie nicht viel erfahren, und doch hatte Karla ein eigenartiges Gefühl gehabt, was die Frau betraf. Trotz der Tatsache, dass ihr Ehemann erschossen wurde, und dabei handelte es sich schließlich um keine sanfte Methode um aus dem Leben zu scheiden, blieb sie erstaunlich ruhig und ganz weit weg mit ihren Gedanken. Vielleicht der Schock, überlegte Karla, vielleicht war aber die Ehe der Olischewskis auch nur eine saubere Fassade, ähnlich wie die sterile Wohnung oder der Vorgarten. Wer blickte schon hinter so manches augenscheinliche Familienidyll?
Das Klingeln des Telefons riss Karla aus ihren Gedanken. Dr. Schiller, der Leiter ihrer Polizeibehörde war am Apparat. Forsch wie immer dröhnte seine laute Stimme durch den Hörer: „Frau Albrecht!”, rief er und Karla hielt den Hörer automatisch weiter von ihrem Ohr entfernt. „Das ist ja eine seltsame Sache, die dort draußen im Wald passiert ist. Wie denken Sie darüber?” „Ja.”, setzte Karla zum Reden an. „Ich hab mich gleich dafür eingesetzt, dass sie uns einen fähigen Kollegen aus der Stadt schicken.”, polterte er dazwischen und ließ sie erst gar nicht zu Wort kommen. „Schließlich kommen wir so nicht weiter. Die Presse macht uns auch Druck. Es wird übrigens der Herr Weinfeld sein, ein noch junger Kollege bei der Mordkommission, aber sehr clever, hab ich mir sagen lassen. Er wird morgen mit dem Zug anreisen. Also sorgen Sie dafür, dass er eine gute Unterkunft bekommt, na ja natürlich eine bezahlbare, kleiner Scherz, und schauen Sie, dass alle Kollegen gut mit ihm zusammenarbeiten. Wir wollen uns ja nicht blamieren. Also, ich verlass mich auf Sie, Frau Albrecht. Und viel Erfolg!” „Ja, geht klar!”, konnte sie gerade noch antworten, als sie bereits das Klicken auf der anderen Seite der Leitung hörte. Aufgelegt! Super!
Der Herr Weinfeld also! Auch sie hatte schon von ihm gehört. Es handelte sich um einen Kollegen der Mordkommission aus der Stadt, Anfang dreißig, arrogant und so eine Art Emporkömmling. Muss ich mir das gefallen lassen, dachte sie wütend. Ihr Chef hatte sie mit der Nachricht völlig überrumpelt. Und jetzt sollte sie auch noch eine Unterkunft für diesen Kerl besorgen.
Aber sie hatte sich wohl damit abzufinden. Wann kam hier mal ein Mord vor? Da war es doch selbstverständlich, dass man einen Kollegen aus der Stadt mit dem Fall vertraut machte, oder?
Karla nahm den Obduktionsbericht und warf ihn enttäuscht auf einen Stapel Unterlagen.
„Mist!“, schimpfte sie laut.
Die Kollegen sahen erstaunt zu ihr herüber.
„Wann kommt er denn? Schon morgen?“ Reinhard Köhler tat geschäftig als er mit einer Akte in der Hand an ihrer offenen Tür vorbeikam.
„Ach, du weißt es also auch schon?“
Er druckste herum: „Aber erst seit eben, Ehrenwort! Vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm, schau ihn dir erst mal an, dann kannst du immer noch urteilen.”, versuchte er sie zu trösten.
Karla nickte mürrisch. Er hatte ja Recht. Aber das Ganze nagte schon sehr an ihrem Selbstbewusstsein, das musste sie zugeben.
Der nächste Morgen!
Als Karla die Büroetage betrat, wusste sie sofort, dass er es war, der dort kerzengerade auf einem der Bürostühle saß. Zacharias Weinfeld, ihr Vorgesetzter für die nächsten Tage und Wochen.
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er noch vor acht Uhr da sein würde. Schließlich war sie heute Morgen extra früher aufgestanden, um unbedingt vor ihm da zu sein.
Karla Albrecht blieb in einiger Entfernung stehen und musterte ihn. Er saß dort mit einer lässigen Arroganz, die viele Menschen in oberen Positionen oft an sich haben und besah sich seine manikürten Fingernägel. Seine glatten, schwarzen Haare waren streng nach hinten gekämmt mit genau der richtigen Menge an Haar Gel. Karla atmete tief durch und ging auf ihn zu. Noch ehe sie bei ihm angekommen war, kam Dr. Schiller von der anderen Seite des Büros mit großen Schritten auf sie zu.
„Frau Albrecht!” Er bemühte sich besonders dynamisch zu wirken. „Da sind Sie ja endlich! Kommen Sie, ich möchte Ihnen jemand vorstellen.” In dem Moment drehte sich der manikürte Mann auf dem Bürostuhl nach ihr um und stand formvollendet auf. Den Kopf neigte er ein wenig nach vorne, fast so als wolle er einen Diener machen: „Zacharias Weinfeld.” Seine Stimme klang genauso kontrolliert wie er aussah. „Sie müssen Frau Albrecht sein! Ja, dann würde ich sagen, auf gute Zusammenarbeit.”
Er lächelte charmant und Karla versuchte auch zu lächeln. Sein Händedruck war fest und kühl und er blickte sie mit dunkelblauen, tief liegenden Augen an. Was für ein Lackaffe, dachte sie.
Anschließend ging sie mit ihm durch das gesamte Büro und stellte Herrn Weinfeld den Rest ihrer Kollegen vor. Da Dr. Schiller nach einer kurzen Einführung über den Mordfall Olischewski es Gott sei Dank vorgezogen hatte, das Büro eilig wieder zu verlassen. „Die vielen Termine, Sie wissen ja, wie das ist, Herr Weinfeld!”, ging Karla mit ihrem neuen Kollegen der Mordkommission an ihren Schreibtisch, um ihm die Akte des Falls zu zeigen. Sie schlossen die Tür des kleinen separaten Raums hinter sich und der neue Kollege vertiefte sich schweigend in die Unterlagen des Mordfalles.
Genau zwanzig Minuten, nicht eine Minute länger, schafften sie es, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Dann sah Karla ihren Kollegen Reinhard Köhler durch das Glasfenster, wie er zuerst aufgeregt am Telefon gestikulierte und dann schnellen Schrittes, ohne anzuklopfen in ihr Büro stürmte. „Wir haben die nächste Leiche.”, er klang etwas außer Atem. „Eine Rentnerin, 68 Jahre alt, liegt schon seit einigen Tagen tot in ihrer Wohnung in der Rosenstraße. Wahrscheinlich erdrosselt! Der Hausmeister hat sie gefunden.” Oh nein, nicht das noch, dachte Karla und schaute zur Seite auf Zacharias Weinfeld. Aber der hatte sich schon seine Anzugjacke geschnappt und war aufgesprungen. „Dann los.”, sagte er nur und war schon aus dem Büro, als Karla reagierte, ihre Tasche nahm und hinter ihm her durch das Treppenhaus lief. Er war so schnell, dass sie ihm kaum folgen konnte.
Als Karla auf dem Hof der Polizeidienststelle ankam, stand Zacharias Weinfeld schon auf der Beifahrerseite ihres Dienstwagens und wartete auf sie. Na, der scheint sich ja hier wie zu Hause zu fühlen, dachte sie und schloss auf.
Die Fahrt bis zur Rosenstraße dauerte nur eine Viertelstunde. Während der Fahrt schaute Karla Albrecht immer wieder rüber zu ihrem neuen Kollegen. „Na, haben Sie schon ein Quartier für die nächsten Tage gefunden? Wir können Ihnen da gerne behilflich sein.”, Sie hatte völlig vergessen, sich darum zu kümmern.
„Nein, nein, schon gut. Ich habe mir bereits von zu Hause aus ein Zimmer in einer kleinen Pension ganz in der Nähe gebucht. Meine Koffer sind auch bereits da.”, sagte er zum Glück und schaute wieder in sein Notizbuch.
Koffer, dachte Karla, er hatte mehrere Koffer mitgebracht? Wie lange gedenkt er zu bleiben. „Sie haben hier wohl nicht oft mit Gewaltverbrechen zu tun?”, unterbrach er ihre Gedanken. „Nein, Gott sei Dank nicht. Ein paar unbekannte Todesursachen, die sich dann aber bei näherer Untersuchung geklärt haben. Das einzige Verbrechen, das wir hier in der letzten Zeit hatten, stammt aus den Anfängen der neunziger Jahre. Damals wurde zunächst in einem Waldstück ein Schädelknochen gefunden, später dann noch andere menschliche Knochen. Die Knochen wurden einem jungen Mann zugeordnet, der seit 1990 vermisst war. Die Obduktion ergab, dass er erschlagen wurde. Diese Mord Akte haben wir bis heute in unserem Archiv. Der Fall ist unaufgeklärt. Wir hatten damals auch Hilfe von der Mordkommission, Herr Wälter, ein Kollege von Ihnen, der schon in Pension ist.” Karla schaute zur Seite. Herr Weinfeld hatte aufmerksam zugehört, gab aber nicht zu erkennen, ob er den Kollegen kannte.
Mittlerweile waren sie bei der Nummer sieben in der Rosenstraße angekommen. Ein altes Mietshaus aus den fünfziger Jahren. Vor dem Haus standen die Autos der Spurensicherung und der Gerichtmedizin. Die beiden Kommissare bahnten sich ein Weg durch die, trotz des frühen Morgens, schon zahlreichen schaulustigen Nachbarn.
Ein Polizist in Uniform hielt ihnen die Haustür auf: „Zweiter Stock, links!”, sagte er nur, und man konnte ihm ansehen, dass er aufgrund des Geruchs, der bereits durch das Treppenhaus strömte, froh war, dass ihm der Posten auf der Straße zugeteilt worden war. Karla legte schon auf der ersten Treppenstufe ihren Mundschutz an. Sie wunderte sich immer wieder, wie es passieren konnte, dass tote Menschen so lange unbemerkt in ihren Wohnungen lagen. Dieser Gestank musste doch auffallen! Oben angekommen stellten sie fest, dass die Spurensicherung noch bei ihrer Arbeit war. Auch der Gerichtsmediziner, ein noch recht junger Mann namens Doktor Gruß saß auf der Treppe und wartete geduldig auf seinen Einsatz. Karla und Zacharias Weinfeld nutzten die Gelegenheit, sich in ihre weißen Schutzanzüge zu zwängen. Wobei Zwängen nur für Karla galt. Etwas neidisch beobachtete sie ihren neuen Kollegen, der offensichtlich nicht mit einigen überflüssigen Kilos zu kämpfen hatte wie sie selbst, und sich lässig und routiniert den weißen Anzug überstreifte, als machte er das jeden Tag.
Als sie grünes Licht von der Spurensicherung bekamen, gingen sie rein.
Der Gestank war unbeschreiblich!
Überall Fliegen! Die Fenster waren geschlossen. Einer der Männer von der Spurensicherung kam auf sie zu: „Die Frau heißt Carola Schmidt, Anfang sechzig, sie lebte alleine in der Wohnung. Sie liegt dort drüben im Wohnzimmer, kein schöner Anblick.” Karla ging zögernd voran, und bei jedem Schritt in Richtung der Leiche wurde der Gestank schlimmer. Nun konnte sie die Frau sehen. So sollte niemand sterben, dachte sie, während sie sich zwang, die Leiche der alten Frau genau zu betrachten. Der tote Körper von Carola Schmidt war nach unten in den großen Fernsehsessel gerutscht. Ihre blondierten Haare, die mit grauen Strähnen durchzogen waren klebten an ihrem Kopf und bildeten einen bizarren Kontrast zu ihrer bläulich-schwarzen, mit Leichenflecken überzogenen Haut.
Überall am Körper konnte man bereits die beginnende Verwesung beobachten. Dr. Gruß hockte vor dem Fernsehstuhl und untersuchte die Frau. „Sie muss mindestens eine Woche hier gelegen haben! Deutliche Madenbildung!” Er schaute zu Karla hoch. „In der Wohnung waren es so um die 28 Grad Raumtemperatur. Alte Leute haben es ja gerne warm. Aber genaueres erst nach der Obduktion. Wie immer!“ „Was denken Sie über die Todesursache? Ist sie erdrosselt worden?” Karla zeigte auf den Schal, der um den Hals der Toten gewickelt war. Ein langer, breiter Schal in modischen Farben, wie ihn Jugendliche in letzter Zeit häufig trugen. Er passte überhaupt nicht zu der sonst eher biederen Kleidung des Opfers.
Sie sah sich um. Auch sonst sah in der kleinen Zweizimmerwohnung alles alt und funktionell aus, so als würden Decken, Gardinen und die ganzen Nippessachen, die auf den Schränken standen aus einer längst vergangenen Zeit stammen. Carola Schmidt hatte in den letzten Jahren wohl eher nicht viel Geld zur Verfügung gehabt. „Ja, ich denke, sie ist mit diesem Schal erdrosselt worden. Und wie gesagt, wir müssen die Ergebnisse der Obduktion abwarten, Sie kennen das ja.”, antwortete er ungeduldig.
