Der Fluch des Huan Ti - Leslie L. Lawrence - E-Book

Der Fluch des Huan Ti E-Book

Leslie L. Lawrence

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Beschreibung

Ein Glas Whisky, ein kleiner Flirt mit der Stewardess und ein kleines Schläfchen - so stellt sich Leslie L. Lawrence seinen Flug nach Peking vor. Doch zum Schlafen kommt er nicht mehr. Eine Stewardess baumelt tot an einem Strick, eine andere wird gefesselt aufgefunden. Schnell wird klar, dass dieser Flug Peking nicht erreichen wird. Die Entführer zwingen die Maschine zu einer Notlandung an der Grenze zu Laos. Immer tiefer wird Lawrence in ein tödliches Intrigenspiel rund um die sagenumwobene Armee des Huan-Ti verwickelt; und zusammen mit einer Expeditionsgruppe macht er sich auf den Weg ein längst vergessenes Rätsel zu lösen ... Alle Romane um Prof. Lawrences Abenteuer: Das Auge von Sindsche. Der Turm des Schweigens. Mutter Omoshis Pfeife. Der Fluch des Huan-Ti. Die Säulen des Narasinha.

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Inhalt

CoverProf. Lawrences Abenteuer Über diese FolgeÜber den AutorTitelImpressum Der Fluch des Huan-Ti12345678910111213141516171819202122232425262728293031323334353637383940414243444546474849505152535455565758596061626364656667686970717273747576777879808182

Prof. Lawrences Abenteuer

Leslie L. Lawrence ist eigentlich Professor für Insektenkunde und Spezialist für asiatische Kulturen an der Londoner Universität. Doch viel Zeit bleibt ihm dafür nicht, denn bevor er sich versieht, landet er Hals über Kopf in einem Abenteuer um Leben und Tod:

Verfolgt von zähnefletschenden Bestien, gekidnappt in der Fremde, von Göttern auf dem Himalaja verflucht – Lawrence weiß, wie man sich Freunde macht!

Auch wenn der Ausgang ungewiss ist, so steht doch fest:

»Wo Lawrence in Erscheinung tritt, steht mit hundertprozentiger Sicherheit kurze Zeit später alles auf dem Kopf. Er zieht Schwierigkeiten an, wie ein Magnet den Eisenstaub …«

Alle Romane um Prof. Lawrences Abenteuer:

Das Auge von Sindsche

Der Turm des Schweigens

Mutter Omoshis Pfeife

Der Fluch des Huan-Ti

Die Säulen des Narasinha

Über diese Folge

Ein Glas Whisky, ein kleiner Flirt mit der Stewardess und ein kleines Schläfchen - so stellt sich Leslie L. Lawrence seinen Flug nach Peking vor. Doch zum Schlafen kommt er nicht mehr. Eine Stewardess baumelt tot an einem Strick, eine andere wird gefesselt aufgefunden. Schnell wird klar, dass dieser Flug Peking nicht erreichen wird. Die Entführer zwingen die Maschine zu einer Notlandung an der Grenze zu Laos. Immer tiefer wird Lawrence in ein tödliches Intrigenspiel rund um die sagenumwobene Armee des Huan-Ti verwickelt; und zusammen mit einer Expeditionsgruppe macht er sich auf den Weg ein längst vergessenes Rätsel zu lösen …

Über den Autor

Leslie L. Lawrence ist das Pseudonym eines Professors für Orientalistik an der Universität von Budapest. Er hat zahlreiche Expeditionen in Asien durchgeführt und ist profunder Kenner der Kulturen Zentralasiens. Dieses Wissen fließt in seine Abenteuerromane mit ein und macht ihren besonderen Reiz aus.

Prof. Lawrences Abenteuer

Leslie L. Lawrence

Der Fluch des Huan-Ti

Aus dem Ungarischen von Roberto Kohlstedt

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe: © 1992 by Leslie L. Lawrence Titel der ungarischen Originalausgabe: »Huan-Ti Atka«

Für die deutsche Erstausgabe: © 1998 by Bastei Lübbe AG Textredaktion: Rainer Gladys / Stefan Bauer

Für diese Ausgabe: Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln Projektmanagement: Nils Neumeier / Stefan Dagge Titelbild: Miklós Tabák E-Book-Produktion: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-7325-1799-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Der Fluch des Huan-Ti

1

Ich legte das Buch zur Seite und starrte aus dem Fenster.

Hellgraue Wolkenfetzen zogen neben uns vorbei, dicke Regentropfen rollten über das Glas. Die Maschine brummte leise und zufrieden vor sich hin; eine ganze Zeit nun schon, seit wir in Bangkok abgehoben und via Peking Kurs in Richtung Nanking eingeschlagen hatten. Angenehmer Teeduft bereicherte die Luft der Kabine. Die in traditionelle thailändische Kleidung gehüllte Stewardess füllte mit einem freundlichen Lächeln die Tassen nach und bot dazu kleines, rundes Gebäck an.

Der Servierwagen verlor das Gleichgewicht, als das Flugzeug in eine besonders unfreundliche Wolke eintauchte, und machte sich auf seinen Rollen sofort selbstständig. Beherzt stellte ich ihm ein Bein in den Weg und beendete damit seine kurze Fahrt ins Heck.

Die Stewardess tippelte, mit dem Tablett gekonnt balancierend, hinterher und schenkte mir ein, wenn überhaupt möglich, noch strahlenderes Lächeln als zuvor. Sie drehte sich zu mir um, vielleicht flüsterte sie mir auch etwas zu, und berührte dabei wie aus Versehen mein Bein.

Ich lächelte zurück und hielt den Wagen fest, bis sie ihr Tablett darauf in Sicherheit gebracht hatte. Als sie schon fast hinter dem Vorhang zwischen den Abteilen der verschiedenen Klassen verschwunden war, schaute sie noch einmal zurück und zwinkerte mir zu. Nicht auffällig, aber sehr bestimmt. Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen. Gerade gab ich mich der stillen Hoffnung hin, dass uns Peking mit gutem Wetter beglücken würde, als mein Nachbar meinen Arm ergriff.

»Worauf warten Sie denn noch, Sie Hampelmann?«

In seinem Englisch schwang ein starker französischer Akzent mit, und jedes Wort ließ den ehemaligen Soldaten erkennen. Er presste die Vokale hart zwischen den Lippen hervor, als ob er neben einer Kanone stehen und seit vierundzwanzig Stunden ununterbrochen Feuerbefehle geben würde.

Was das betrifft, war auch seine Erscheinung militärisch. Das kurz geschnittene schneeweiße Haar, der riesige abstehende Schnurrbart erinnerten mich an die preußischen Befehlshaber des Ersten Weltkrieges. Lediglich seine beinahe schon an Eingeborene erinnernde braun gebrannte Haut zerstörte die dadurch gewonnene Illusion.

»Wie meinen Sie?«

Er schüttelte den Kopf und stieß einen lauten Seufzer aus.

»Irgendwas stimmt mit der heutigen Jugend nicht mehr, glauben Sie mir … Mein Guter, damals hätte ich vieles dafür gegeben, so ein Mädchen zu bekommen. Wenn ich jetzt dreißig Jahre jünger wäre … Wissen Sie, was wir Franzosen tun, wenn uns jemand so zuzwinkert?«

»Ich habe keine Ahnung …«, spielte ich den Dummen. »Allerdings sind wir Engländer auch nicht so unwissend, wie man meint.«

»Inwiefern?«

»Nun, wir halten uns zum Beispiel zurück, wenn wir bemerken, dass ein hübsches Mädchen mit unserem Nachbarn flirtet …«

Ein leichter Schatten flog über sein Gesicht, aber nur ganz kurz. Dann kratzte er sich am Haaransatz und zog eine Grimasse.

»Das hatte ich wohl verdient … Nun ja … Übrigens, mein Name ist Villalobos, General Adam Villalobos.«

Der Name kam mir bekannt vor, aber im Moment konnte ich ihn noch nicht einordnen. Ich war mir allerdings sicher, ihn schon einmal gehört oder sogar in Zeitungen gelesen zu haben.

Ich drückte seine Hand und dachte dabei angestrengt nach. Er war sicherlich Soldat, schließlich hatte er sich doch auch als General vorgestellt.

»Lawrence«, erwiderte ich. »Leslie L. Lawrence.«

Er zog seinen Arm zurück und zwirbelte seinen Schnurrbart.

»Oh, dann kenne ich Sie doch! Ich bin nicht zuletzt wegen des Treffens mit Ihnen auf dem Weg nach Nanking. Was für ein Glück! Wollen Sie ihr wirklich nicht hinterhergehen?«

»Bis Peking dauert es ja noch eine Weile«, antwortete ich. »Woher wissen Sie denn, wer ich bin?«

»Aus den Entomologischen Blättern. Ich selbst bin auch sehr an Käfern interessiert. Besonders an den Bambusschädlingen.«

»Äh … und warum gerade an denen?«

»Wenn sie den Bambus auffressen, bleiben keine Knospen für die Pandas übrig. Klar?«

»Nun … um ehrlich zu sein …«

»Also gut, noch mal von vorne. Wissen Sie noch, wie ich heiße?«

»General Villalobos.«

»Lassen Sie das mit dem General. Das liegt Jahrhunderte zurück.«

Plötzlich knipste jemand die Taschenlampe in meinem Kopf an, und mir fiel es wieder ein. Villalobos … natürlich!

»Sie sind der Vorsitzende der Pandakommission!?«

Er lächelte zufrieden und brüllte mir vergnügt in die Ohren:

»Na endlich, Mann! Schließlich hatten wir sogar mal einen kleinen Briefwechsel …«

»Vor drei Jahren …«

»Genau! Ich bat Sie um Hilfe.«

»Sie wollten wissen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Schädlinge auf biologische Weise zu bekämpfen, da Chemikalien auch die Pandas töten würden.«

»Na, das müssen wir aber feiern! Los, gehen Sie ihr nach, wenn schon nicht deswegen, dann wenigstens, um etwas Whisky zu besorgen!«

Ich wollte mich schon aus dem Sitz erheben, als sich hinter mir plötzlich jemand nach vorne beugte und mir ohne viele Worte eine volle Flasche des wertvollen Getränkes in den Schoß plumpsen ließ.

Villalobos starrte mit großen Augen auf meinen neuen Schatz.

»Sind Sie so etwas wie ein Hobbyzauberer?«

Ich stand auf und schaute in die nächste Reihe. Ein Riese, mindestens zwei Meter groß, grinste mich an. Seine Glatze glänzte wie eine Billardkugel, lediglich ein kleines lilafarbenes Haarbüschel in der Mitte unterbrach die Symmetrie. Ein geschickter Tätowierer hatte auf der mir entgegengestreckten Hand eine Trommel mit zwei Schlagstöcken verewigt – es erinnerte ein wenig an einen Totenschädel mit gekreuzten Schienbeinknochen.

Das Grinsen verwandelte sich in ein offenes Lächeln und offenbarte einige Goldzähne.

»Hey!«

Für einen Moment wusste ich nicht, ob er mich begrüßte oder sich nur über etwas freute. Noch während ich angestrengt darüber nachdachte, zerquetschte er mir beinahe die Finger.

»Hallo …«, erwiderte ich schwach. »Sind Sie unser Schutzengel oder so?«

»Oder so. Warum, Probleme damit?«

»Wer sind Sie?«

»Der Begleiter des Generals«, grinste er. »Hatte zufällig gelauscht. Sind Sie etwa Villalobos? Ich hab Sie mir aber anders vorgestellt …«

Villalobos errötete ein wenig, und die Hand auf der Lehne schien etwas zu zittern.

»Was heißt hier, mein Begleiter?! Ich habe keinen Begleiter! Wer zum Teufel …«

»Sie sind doch der Pandatyp, oder?«

»Der Vorsitzende der Pandakommission, wenn ich bitten darf!«

»Alles klaro. Ich bin der Leichenfresser.«

Da mir aus den Wortfetzen nicht ganz klar wurde, welche Muttersprache ihn ins Waisenhaus eingeliefert hatte, nahm ich einfach an, dass er Probleme mit dem englischen Wortschatz hatte. Villalobos eignete sich inzwischen die Whiskyflasche an und prüfte gerade das Etikett.

»Entschuldigen Sie, aber ich habe Ihren Namen nicht richtig verstanden …«

»Leichenfresser.«

»Leichenfresser? Sicher?«

»Sagen Sie mal«, blickte er mich misstrauisch von der Seite an, »lesen Sie denn überhaupt keine Popzeitschriften?«

Beschämt blickte ich zu Boden und stammelte etwas von hundertprozentiger Popzeitschriften-Abstinenz.

»Sie meinen, Sie haben noch nie etwas von den Leprakranken Leichenfressern gehört?!«

Villalobos blinzelte mich über die Flasche hinweg an und versuchte, seinen offenen Mund hinter ihr zu verbergen.

»Ahm, sehen Sie …«, fing ich vorsichtig an, »heutzutage gibt es ja so viele Gruppen …«

»Leprakranke Leichenfresser aber nur einmal. Kennen Sie denn das hier nicht?« Und damit fing er an, leise eine Melodie zu summen, um kurz darauf auch noch den Text zu singen. Ich vernahm irgendetwas mit Blut, das bei jedem Biss des Satans hervorquillt.

»Ich gratuliere«, sagte ich. »Ganz nettes Lied. Und danke für den Whisky. Den General scheinen Sie ja zu kennen.«

»Ich bin sein Begleiter.«

Villalobos seufzte und zwirbelte mit Märtyrergebärde seinen Schnurrbart.

»Das scheint sein Tick zu sein. Sagen Sie mal, wohin begleiten Sie mich denn nun?«

»Na zu den Pandas, Chef.«

»Wohin?«

»Sie halten doch diesen Vortrag, oder? So an neun oder zehn Orten. Angeblich soll da auch gesammelt werden.«

Der General sank leichenblass in seinen Sessel zurück und schien sich auf den Tod vorzubereiten. Ich nahm ihm vorsichtig die Whiskyflasche aus der Hand, damit ihr nichts passierte.

»Sie …? Sie sind das … Ensemble?« flüsterte er. »O mein Gott! Ich wollte doch ein Streichquartett! Ich hatte vor, extra ein Pandalied für diesen Anlass schreiben zu lassen …! O mein Gott!«

»Tja, Streichquartette gab’s zurzeit nicht. Ja, der Typ von der Agentur schwafelte was von einem Lied … Keine Angst, Major, wir kriegen das schon hin! Spätestens in Peking ist der Gassenhauer fertig. Pampapam, papa-panda! Sowas in der Art. Der Killerpanda … zum Beispiel. Kein schlechter Titel, was?«

Villalobos vergrub sein Gesicht in den Händen.

»Ich werde verrückt«, krächzte er mit einer Stimme, die keinen Zweifel über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage aufkommen ließ. Es klang, als hätte er gerade die Hälfte seiner Truppen verloren. »Man hat mir gesagt, ich soll eine Benefizveranstaltung machen, in zehn Ortschaften Geld sammeln … und mein Vortrag würde von einem Streichquartett untermalt werden, mit ein, zwei besonders schönen Pandaliedern … Das darf doch nicht wahr sein …! Welcher Idiot …«

Leichenfresser pflanzte sich neben meinem Stuhl auf den Teppichboden der Maschine und nahm mir die Flasche weg.

»Während sich der Feldwebel wieder einkriegt, mache ich sie schon mal auf, okay?«

Er biss in den Korken, zog ihn mit den Zähnen aus der Flasche und spuckte ihn zwei Reihen nach vorne.

»So, das hätten wir. Haben Sie Ihre Zahnbecher da?«

Der zusammengesackte Villalobos stocherte in seinen Sachen herum und förderte vier kleine zusammengesteckte Pappbecher zutage.

»Hier, geben Sie mir einen Schluck, oder ich weiß nicht, was passiert … Hören Sie, Mr … äh, Leichenfresser, das war doch nur ein Scherz, nicht wahr?«

»Inwiefern?«

»Na, diese Begleitung und so?«

»Warum? Was haben Sie an den Leprakranken Leichenfressern auszusetzen?« Seine Stimme überschlug sich vor Entrüstung, und die Trommelschläger erzitterten auf seiner Hand.

Ich blickte starr zu Boden, um nicht laut aufzulachen. Villalobos hingegen schloss die Augen und schüttelte den Kopf.

»Ach was. Gar nichts.«

»Na, dann runter damit, sonst wird es noch schlecht!«

Wir tranken gleichzeitig, obwohl es Villalobos wohl am meisten nötig gehabt hatte. Kaum war sein Becher leer, ließ er ihn nachfüllen.

»Wo sind die anderen?«, erkundigte er sich schlaff, nachdem auch die zweite Portion der Schwerkraft gehorcht hatte. »Die äh …«

»Leprakranken?«

»Ja.«

»Seitdem wir eingestiegen sind, habe ich sie nicht mehr gesehen. Sie sind wohl in den Frachtraum runtergegangen, schlafen. Sie müssen auf die Instrumente aufpassen, nicht dass die so ein Dummkopf mitgehen lässt. Sie wissen ja gar nicht, wozu Teenager heute fähig sind! Der totale Wahnsinn!«

»Wie groß ist denn Ihre Gruppe?«

»Sechs, mich mitgerechnet.«

»Um Himmels willen, warum denn so viele?«

»Wir sind halt kein Streichquartett.«

»Und … wie haben Sie es sich vorgestellt …?«

»Oh, das überlassen Sie ruhig uns, General! Sie halten Ihren Vortrag über die Pandas, irgendeinen Quatsch, Hauptsache, es dauert nicht länger als zehn Minuten, sonst gehen die ja alle nach Hause. Dann kommen wir. Der Gig dauert etwa anderthalb Stunden, und Sie gehen dann herum und sammeln die Moneten ein. Wir kriegen nur die freie Verpflegung, schließlich ist das ja so eine Benefizsache. Können wir von den Steuern absetzen. Sind Sie denn auch in Pandasachen unterwegs?«

Diese Frage galt allem Anschein nach mir.

»Nur zur Hälfte«, gab ich der Wahrheit entsprechend zu verstehen. »Ich bin eher in Käfersachen unterwegs …«

»Sind Sie Kammerjäger?«

»Weniger. Ich erforsche Käfer, so wie der General seine Pandas.«

Nachdenklich schüttelte er seine lilafarbene Minihaarpracht, und schluckte den Rest des Hochprozentigen runter.

»Junge, Junge, Idioten gibt es! Tschuldigung, damit meine ich nicht unbedingt Sie. Wie kann man sich bloß mit so einem Quatsch beschäftigen? Pandas sind ja noch okay, obwohl, ich hab gelesen, die hören nicht so gut … Na, aber Käfer!«

Ich hielt die Zeit für gekommen, die Stewardess zu suchen. Nicht, dass ich noch vor Peking unbedingt auf ein Abenteuer aus war. Aber mich ließ dieses Zwinkern nicht zur Ruhe kommen. Sie schien mich tatsächlich gerufen zu haben, allerdings überkam mich dabei das seltsame Gefühl, dass sie es dabei keineswegs auf ein amouröses Abenteuer angelegt hatte.

Ich kletterte über Leichenfresser hinweg, murmelte irgendetwas als Entschuldigung und machte mich auf den Weg in Richtung Vorhang, hinter dem sie kurz zuvor verschwunden war.

2

Ich durchquerte eine zweite, dann die dritte Kabine; lediglich vier, fünf Touristen schliefen in den Sesseln. Im Küchenabteil sortierten zwei thailändische Stewardessen das Geschirr. Als ich die offene Tür passierte, lächelten sie mich pflichtbewusst an. Keine der beiden war die gesuchte Schönheit. Ich ging bis zur Pilotenkanzel nach vorne, konnte das Mädchen aber nirgends finden.

Also kehrte ich zur Kombüse zurück und verstand die Fliegerwelt nicht mehr. Die Damen schauten wieder auf und lächelten erneut. Die goldverzierten Kostüme glitzerten im einfallenden Sonnenstrahl.

Beinahe wäre ich stehen geblieben und hätte dumm gefragt, ich zog es dann aber doch lieber vor, die Treppe zum Frachtraum zu nehmen.

Unten herrschte trübes Halbdunkel, nur ein paar kleine Notlampen an der Decke brannten zur Orientierung. Hinter den Packstücken schlief der Rest der Musikertruppe auf zusammengeschobenen Feldbetten; alle Leprakranken Leichenfresser friedlich beisammen. Leichter Whisky- und Gingeruch deuteten auf gewisse Ursachen hin.

Ich wollte mich gerade auf den Rückweg machen, als mir vor den aufgestapelten Koffern etwas Seltsames auffiel. Etwas, das mich im ersten Moment an eine Pendeluhr oder ein asiatisches Geduldsspiel erinnerte.

Ich trat näher, um es in Augenschein zu nehmen. Erst da bemerkte ich, dass der dunkle obere Teil, den ich zuerst für das Gehäuse der etwas übergroßen Pendeluhr gehalten hatte, in Wirklichkeit ein hastig zusammengefaltetes Feldbett war. Es sah aus, als ob sich jemand mit vollem Gewicht draufgeworfen hätte, um die Aluminiumteile ineinanderzubiegen. Das Wrack war mit dem abstehenden Fuß am Kopfteil des Bettes zwischen die oberen Koffer gesteckt worden und wackelte somit bei jedem größeren Luftlochkontakt des Flugzeuges mit entsprechender Frequenz.

Aber nicht das Bett weckte mein Interesse. Eher das kleine puppenförmige Objekt, das an einem Strick am unteren Ende baumelte. Ich nahm es in die Hand und hielt es ins spärliche Licht. Es war eine rot gebrannte Tonfigur, hart und kalt. Ich schauderte bei dem Anblick, und ein kalter Luftzug wehte just in diesem Augenblick durch den Frachtraum. Die kleine Skulptur lag in meiner offenen Hand, mit dem Kopf nach oben, und starrte mich an.

Es war eine Frau mit typisch asiatischen Zügen. Ein altmodisches, kaftanartiges Gewand verhüllte ihren Körper, ihre Haare waren mit Dutzenden von schmucken Nadeln hochgesteckt. Sie lächelte, überlegen, oder besser gesagt, rätselhaft. Ich hatte das Gefühl, irgendwo dieses Gesicht schon einmal gesehen zu haben … Je näher ich es betrachtete, desto bekannter kam es mir vor. Als ob sie die chinesische Nofretete wäre …

Die Tonfigur strömte eine spürbare Kälte aus, wie bei einer Bierdose aus dem Kühlschrank.

Die Leichenfresser schliefen den Schlaf der Gerechten und schienen selbst im Traum nicht daran zu denken, aufzuwachen. Wahrscheinlich war es ihr Geniestreich gewesen. Die Steinpuppe hatten sie wohl in Bangkok erstanden, um den ihrem Niveau entsprechenden Scherz damit durchzuziehen.

Ich ließ die Figur wieder los, und sie pendelte hin und her, mit dem Strick um den kleinen Hals. Als sich der Kopf wieder einmal in meine Richtung drehte, schien sie mich vorwurfsvoll anzuschauen.

Einer der Musiker stöhnte und ließ sein Bett gefährlich knacken. Ich zuckte mit den Schultern und machte die ersten Schritte auf die Treppe zu. Dabei ließ mich dieser Blick der stilisierten Frau einfach nicht in Ruhe. Immer noch beherrschte das Bild der Pendeluhr mein Gehirn, mit der Puppe als Pendel.

Und ihr Gesicht … Vielleicht hatte ich es einmal in einem Kunstgeschichtsbuch gesehen. Ming-Zeit, Chin … wer weiß? Sie war mir von irgendwoher bekannt; und das, obwohl man asiatische Gesichter ohne viel Erfahrung kaum auseinanderhalten kann.

Ich setzte den Fuß gerade auf die letzte Stufe, als ich plötzlich innehielt. Wobei ich beinahe auf die Nase gefallen wäre … Ich fuhr auf und lehnte mich an die Wand.

Zum Teufel, und wie ich sie kannte! Schließlich hatte sie mir erst vor knapp einer halben Stunde zugezwinkert. Wahrscheinlich irritierten mich ihr etwas altmodisches Äußeres und die hochgesteckten Haare. Aber ansonsten gab es keinen Zweifel: Es handelte sich bei der Figur um ein Abbild meiner gesuchten Stewardess!

Ich ging zu der kleinen Küche und spähte hinein. Die beiden Mädchen lächelten matt. Eine von ihnen rauchte, die andere feilte ihre Nägel.

»Entschuldigen Sie, meine Damen«, sprach ich sie höflich an, »sprechen Sie Englisch?«

»Selbstverständlich«, antwortete die mit der Zigarette und versteckte selbige sofort rücksichtsvoll hinter ihrem Rücken. »Was wünschen Sie?«

»Ich, äh … einen Whisky.«

Sie griff nach oben zu den Getränken, ließ dabei geschickt die Zigarette in den Abfluss fallen, füllte dann ein Glas und legte einige Eiswürfel mit hinein.

»Bitte sehr. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«

Während ich ihr Lächeln bewunderte, nahm ich auch das Getränk entgegen. Ich lehnte mich an die Tür, als ob ich ein ganz normaler, gelangweilter Fluggast wäre.

»Sie sind wunderschön, wissen Sie das?«

Die beiden lachten auf. Anscheinend freuten sie sich über mein Urteil.

»Sie alle drei.«

Wieder ein Lachen, dann meinte die andere Stewardess:

»Nur zwei. Sie und ich.«

»Nein«, behauptete ich, »drei. Sie beide und diese andere. Sie ist auch sehr hübsch.«

Sie lächelten immer noch, aber nicht mehr so ungezwungen.

»Welche dritte, mein Herr?«, erkundigte sich die, die mir den Whisky ausgeschenkt hatte. »Etwa die alte Dame?«

Vorsichtig nahm ich einen Schluck.

»Sind Sie hier nur zu dritt? Wo ist denn die dritte Stewardess?«

Sie wechselten einen kurzen Blick und lachten dann wieder gemeinsam auf. Offenbar waren sie jetzt doch überzeugt, dass ich scherzte.

»Nein, nein, mein Herr«, sagten sie gleichzeitig. »Wir sind hier nur zu zweit. Nur wir beide.«

Etwas Kaltes jagte mir über den Rücken, und es war keiner der Eiswürfel, denn die waren alle noch in meinem Glas.

»Hören Sie, meine Damen«, antwortete ich, nun schon mit etwas Nachdruck. »Sie beide sind hier, so weit, so gut. Aber gerade eben ist noch jemand da reingekommen«, und damit deutete ich auf unsere Kabine, »mit einem Wagen und Getränken. Eine dritte Stewardess. Verstehen Sie?«

»Oh ja«, meinte die kleinere, nicht ganz so hübsche. »Das war ich.«

»Nein, nicht Sie! Die Frau, von der ich spreche, war größer, und …« Ich wollte nicht sagen, hübscher.

»Dann war ich es vielleicht«, half ihr die andere aus. »Ich hatte den Tee rausgefahren. Mit dem Wagen.«

»Nein, auch nicht Sie! Und auf dem Wagen war nicht nur Tee, sondern auch Gebäck und Alkohol. Wo ist dieses dritte Mädchen?«

Sie schauten einander ungläubig an, und als die größere merkte, dass mein Whisky alle war, wollte sie nachfüllen.

Ich zog mein Glas zurück und forschte beharrlich weiter.

»Wo ist die dritte Stewardess?«

Wahrscheinlich wurde ihnen in diesem Moment klar, dass es kein Scherz war. Und dass ich mich nicht nur aus purer Langeweile mit ihnen unterhielt.

Auch sie wurden plötzlich ernst. Die kleinere schloss demonstrativ den Getränkeschrank.

»Es gibt kein drittes Mädchen. Wir sind hier zu zweit.«

»Aber es muss sie geben! So verstehen Sie doch, eben erst …«

»Es gibt kein drittes Mädchen!«

Ich drehte mich auf dem Absatz um und ließ sie stehen. Auf dem Rückweg in unseren Teil des Flugzeuges musste ich erneut feststellen, wie wenig Fluggäste an Bord waren. In einem Abteil schliefen zwei junge Mädchen in weißen Kleidern, mit Tennisschlägern in der Gepäckablage über ihren Köpfen. Im anderen war eine ältere Dame in ein schwarz umhülltes Buch vertieft, wahrscheinlich die Bibel.

Ich kletterte über Leichenfresser hinweg, der immer noch auf dem Boden hockte, allerdings hatte ich nicht vor, mich wieder hinzusetzen. Der Musiker ächzte dabei, als ob ich ihn als Klettergerüst missbraucht hätte.

Ich beugte mich zu Villalobos hinüber und blickte ihm ernst in die Augen.

»Könnten Sie mich kurz begleiten?«

»Ich?«, erkundigte er sich verwirrt mit großen Augen. »Wohin denn?«

»Zu den Stewardessen.«

»Ah, es hat also doch geklappt?! Aber … wissen Sie, in meinem Alter … Nehmen Sie doch lieber Mr Leichenfresser mit!«

»Nein, darum geht es nicht«, sagte ich. »Hatten Sie diese Stewardess beobachtet, die mir … zuzwinkerte?«

»Oh, und wie … Warum?«

»Kommen Sie doch bitte kurz mit!«

Er machte eine unwillige Miene, stand aber auf.

»Könnten Sie mir denn nicht verraten, weshalb? Was soll diese Heimlichtuerei?«

»Ich möchte Ihnen etwas zeigen.«

»Mir auch?«, erkundigte sich Leichenfresser und war im Begriff aufzustehen. »Ich habe sie auch gesehen. Gibt’s eine Romanze?«

»Weiß ich noch nicht«, gab ich zu. »Kommen Sie ruhig mit.«

Er rappelte sich hoch, sodass der General an ihm vorbei konnte. Ich ging vor, hinter mir Villalobos, und Leichenfresser machte das Triumvirat komplett. Beim Vorbeigehen bemerkte ich, wie eines der weiß gekleideten Mädchen aufwachte und die lilafarbenen Haare unserer Nachhut mit anerkennendem Blick musterte.

Die Tür zur Kombüse war verschlossen, die Klinke gab meinem Rütteln auch nicht nach. Ich glaubte, ein Flüstern aus dem Raum selbst zu vernehmen … aber wer kann das schon in einem Flugzeug hoch über den Wolken mit hundertprozentiger Sicherheit behaupten?

»Nun?«, erkundigte sich Villalobos und zwirbelte seinen Schnurrbart. »Was jetzt?«

»Wir werden sie suchen … einen Moment.«

Ich betrat das angrenzende Abteil und konnte auch prompt die hübschere der beiden Flugbegleiterinnen entdecken. Sie trug ein paar Wolldecken herum, sah auf, als sie uns entdeckte, und senkte auch gleich darauf erschrocken den Blick.

Ich drehte mich zu den beiden um.

»War sie das?«

Villalobos starrte sie eine unangenehm lange Zeit an, besonders in Höhe ihrer Brüste, als ob das zur Identifizierung unerlässlich wäre.

»Ja«, stellte er schließlich unumstößlich fest.

»Nein, nein«, schüttelte zu meiner Erleichterung Leichenfresser den Kopf. »Mit Sicherheit nicht!«

Villalobos schien ihn mit seinen Augen aufspießen zu wollen.

»Sie wollen mir sagen, dass dies nicht das Mädchen ist? Wissen Sie überhaupt, wen Sie vor sich haben?! Bei tausend indochinesischen Soldaten konnte ich mir auf Anhieb von 500 die Namen merken! Und die restlichen habe ich auch nie verwechselt! Außerdem …«

»Das ist sie trotzdem nicht«, warf Leichenfresser resolut dazwischen.

Ich wollte mich schon einmischen, als am anderen Ende die zweite Stewardess erschien.

Der Musiker sah sie und erstrahlte im vollen Glanz der bevorstehenden Genugtuung.

»Da, mein lieber General! Schauen Sie da hin! Das ist das Mädchen! Also wie war das noch mal mit diesen tausend Soldaten …?«

Villalobos stampfte vor Wut auf den Teppichboden.

»Halten Sie mich etwa für senil, Mann? Es ist doch ganz offensichtlich, dass unsere Stewardess die andere ist!«

»Sie haben ja gar keine Augen im Kopf, mein lieber Feldwebel … Welche war es denn Ihrer Meinung nach, Herr Käfersammler?«

»Vollkommen egal«, antwortete ich resigniert. »Welche auch immer Sie wollen.«

3

Wir kehrten zu unseren Plätzen zurück, wo ich wartete, bis sich der General wieder hingesetzt und Leichenfresser sich auf den Boden zurückgepflanzt hatte, entschuldigte mich und ließ sie dann allein. Mir war klar, dass sie mir verwunderte Blicke nachwarfen, doch der bloßen Gewissheit halber wollte ich mich nicht extra noch einmal umdrehen.

Die beiden Mädchen saßen sich in der Küche gegenüber. Beim Klang meiner Schritte blickten sie auf, als sie mich aber erkannten, muss der Schreck groß gewesen sein, zumindest nach dem schnellen Blick auf die Tischplatte zu urteilen. Die hübsche, große sagte dabei etwas zu der anderen, allerdings auf Thai, sodass ich nichts verstehen konnte.

Ich eilte die Treppe hinab zu den Leichenfressern. Die Musiker schnarchten weiterhin, als wäre nichts passiert. Der Duft nach Hochprozentigem schien sich sogar noch verstärkt zu haben. Die Tonfigur baumelte vor mir hin und her, mit dem Strick um den Hals. Erneut nahm ich sie in die Hand, und erneut spürte ich den kalten Schauer. Das Gesicht gehörte ohne jeden Zweifel der dritten, verschwundenen Stewardess.

Ich ließ die Puppe wieder los. Sie drehte und wand sich, als ob es eine richtige, erhängte menschliche Gestalt wäre.

Die Leprakranken waren mit sich und der Welt sichtlich zufrieden. Einige zogen sich die Decke sogar bis über den Kopf, als ob sie im angenehm warmen Gepäckraum der Maschine frieren würden. Mir kam zwar der Gedanke, unter die Plaids zu schauen, ich hielt mich aber noch rechtzeitig zurück. Ich dachte mir, warum sollte ich meine Nase in Angelegenheiten stecken, die mich wahrscheinlich nichts angingen?! Wenn sich die Stewardess dazu entschieden hatte, die verbleibende Zeit mit einem der Bandmitglieder unter einer Decke zu verbringen … nun denn! Aber warum stritten es die anderen zwei dann ab? Hatten sie etwa Angst, ich würde es der Fluggesellschaft melden?

Wie schon eben an selber Stelle zuckte ich mit den Schultern und entschied mich, die Suche aufzugeben. Ich wollte mich gerade abwenden, als ich plötzlich eine Tür hinter den Gepäckstücken entdeckte. Es war eine typische Flugzeugtür, in der Mitte geteilt. Nirgends sah ich an ihr Buchstaben oder Zeichen, die auf eine Toilette oder Küche hingedeutet hätten. Die Tonfigur beendete ihre Kreiselbewegungen und blieb mit dem Gesicht zur Tür still hängen.

Und schien mich somit dazu bewegen zu wollen, diese zu öffnen.

Was ich auch getan hätte, wenn nicht die Koffer im Weg gewesen wären. Lust, sie umzuschichten, hatte ich hingegen keine. Enerviert stieß ich die kleine Figur an, die kurz ausschlug und dann wieder in den Stillstand pendelte.

Mit dem Gesicht erneut zur Tür.

Also beugte ich mich nach vorne und fing seufzend an, das Gepäck zur Seite zu räumen.

Ich war etwa zur Hälfte fertig, als direkt neben mir auf der Treppe ein Geräusch erklang. Schnell verlagerte ich mein Gewicht und tastete mit der Rechten nach einer stabilen Handtasche. Als ich allerdings die Farbe Lila in Kopfhöhe erhaschte, ließ ich sie wieder fallen.

Der Neuankömmling war Leichenfresser.

Er blieb neben mir stehen und schaute sich interessiert an, was ich so anstellte. Erst als ich beinahe schon fertig war, meldete er sich zu Wort.

»Was soll das werden? Aerobic?«

»Ich möchte sehen, was hinter der Tür ist.«

Er begutachtete sie und strich sich über das spärliche Haar.

»Sagen Sie mal … wie sicher sind Sie sich eigentlich, dass Sie noch ganz richtig ticken?«

Ich gab ihm keine adäquate Antwort. Also bückte er sich ebenfalls und half, die restlichen Koffer auch noch beiseitezuräumen.

»Gehört die Ihrer Truppe?«, deutete ich auf die erhängte Figur.

»Die hier? Glaub ich nicht … Nein, so was haben wir nicht gekauft. Warum?«

»Weil sie vor Ihrer Band herumbaumelt. Dies ist nämlich die Frau, die ich suche.«

Er trat vorsichtig einen Schritt zurück und runzelte die Stirn.

»Welche Frau?«

»Die Stewardess.«

Sein Blick verriet inzwischen echte Sorge.

»Fühlen Sie sich auch wirklich wohl?«

Anstelle einer Antwort trat ich zur Tür und drückte den Knopf, der die Klinke ersetzen sollte.

Das Metall bewegte sich und rutschte nach innen, wo uns Dunkelheit erwartete. So weit ich es einsehen konnte, war der Raum dahinter nicht größer als die Kombüse über uns.

Leichenfresser hinter mir schlich sich vorsichtig heran. Er hatte wohl immer noch seine Zweifel bezüglich meiner geistigen Verfassung. Entschlossen drückte ich nun die Tür ganz nach innen und trat zur Seite, damit wenigstens das Halbdunkel des Frachtraumes etwas Licht ins Dunkle brachte.

Als dann diese schwachen Strahlen zumindest Umrisse erahnen ließen, wären wir fast in ein riesiges Etwas hineingerannt, das wie die kleine Tonfigur draußen an einem Strick von der Decke baumelte.

Leichenfresser stieß einen leisen Pfiff aus und meinte:

»Junge, Junge, noch ein Klingeling?«

In der Tat, es war noch ein Klingeling. Allerdings diesmal nicht aus Ton, es sei denn, man bezeichnete in Hinblick auf gewisse Termini der Schöpfung menschliches Fleisch ebenfalls als Ton.

Denn das, was dort oben vor uns hing, war mit Sicherheit ein erhängter Mensch.

Und als sich unsere Augen an die kaum gemäßigte Dunkelheit gewöhnten, wusste ich auch ganz genau, wer.

Selbstverständlich die Stewardess, die ich gesucht hatte.

4

Leichenfresser keuchte und starrte dabei mit aschfahlem Gesicht auf das Opfer.

»Heilige Mutter Gottes … Mir wird gleich schlecht!«

»Dann holen Sie sich von oben eine Tüte. Kennen Sie sie?«

»Ich traue mich noch nicht, genau hinzusehen.«

Er sank auf einen Koffer, mit dem Rücken zur Tür, und zitterte am ganzen Körper. Ich lehnte mich an die Wand und versuchte, nachzudenken. Mein Gott! Was soll ich jetzt bloß machen?

Vorerst widmete ich mich Leichenfresser und klopfte ihm auf die Schulter.

»Kopf hoch! Atmen Sie tief durch, dann vergeht es wieder! Sie haben noch nie einen Toten gesehen …?«

»Nein …«, stammelte er. »Und erst recht keinen Erhängten. Ich hätte nicht gedacht, dass es … so schrecklich ist. Muss ich mir das wirklich ansehen?«

»Nein.«

Der Tod verunstaltete ihre Züge. Die Augen traten aus den Höhlen, die Zungenspitze hing dunkelblau aus dem Mund, ihre Hände waren eiskalt. Ich bückte mich, fand aber nichts in ihrer Umgebung, das mir irgendeinen Hinweis gegeben hätte.

Also schloss ich die Tür wieder und schüttelte den Musiker.

»Könnten Sie hierbleiben, während ich …«

»Auf gar keinen Fall!«, unterbrach er mich hastig und sprang behänd auf. »Niemals! Im Gegenteil, ich werde sogar die Jungs aufwecken, damit die ebenfalls von hier verschwinden.«

»Es gibt keinen Grund zur Panik. Lassen Sie sie, kommen Sie lieber mit.«

»Wohin denn, Mann?«

»Wir müssen es jemandem sagen … dem Piloten wahrscheinlich. Damit er es per Funk durchgibt.«

»An wen?«

»Unwichtig. Kommen Sie!«

Wir gingen die Treppe wieder rauf, er voran, ich hinterher. Selbst so schaute er zweifelnd über die Schulter, ob ihn die Tote nicht doch verfolgen würde.

Die Kombüse der Stewardessen war leer.

Auch das erste Abteil war leer. Nur ein traurig vor sich hindösendes asiatisches Gesicht schaute auf, als wir seine Reihe passierten; dann sank es wieder in das Kopfkissen zurück.

Ich trat vor die Tür der Pilotenkabine und klopfte an.

Und erhielt keine Antwort.

Nach dem zweiten Versuch gab ich der Türklinke eine Chance, aber auch sie war wenig kooperativ. Sprich: verschlossen.

Der Asiate stand auf und blickte uns durch seine Brille neugierig an.

»Gibt es ein Problem?«

»Nein, nein«, beeilte ich mich, zu versichern, obwohl ich inzwischen glaubte, es besser zu wissen. »Haben Sie vielleicht die Stewardessen gesehen? Sind sie etwa hier drin?«

»Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht.«

Ich klopfte erneut an, auch diesmal ohne Reaktion. Der Fremde taxierte uns immer misstrauischer.

»Was wollen Sie denn von ihnen?«

Ich gab Leichenfresser einen Wink, und wir machten uns davon.

In der kleinen Küche war immer noch niemand. Also begaben wir uns zurück zu Villalobos, der wahrscheinlich am Text eines zukünftigen Pandavortrages saß, mit dem Kugelschreiber in der Rechten. Als er uns entdeckte, legte er das Manuskript zur Seite und zupfte wie immer seinen Schnurrbart zurecht.

»Wie geht es mit den Damen voran?«

Ich nahm seinen Arm.

»Kommen Sie, General!«

Er schnaubte und beugte sich über seine Papiere, schien sie mit seinem Körper beschützen zu wollen.

»Ich werde mich hüten! Wohin denn? Haben Sie schon wieder eine neue Stewardess entdeckt?«

»Man hat sie … erhängt!«, sagte Leichenfresser und schluckte.

»Erhängt? Wen?«

»Die Stewardess!«

»Welche?«

»Die … dritte.«

»Unsinn! Es waren doch nur zwei!«

Trotzdem folgte er uns auf dem Fuße, als wir uns wieder auf den Weg zur Treppe machten. In der kleinen Küche saß endlich eine unserer Flugbegleiterinnen, und zwar die weniger hübsche, kleinere. Ich packte sie unsanft am Handgelenk und schleifte sie, keinen Widerspruch duldend, mit.

»Kommen Sie! Ich muss Ihnen was zeigen!«

Sie rief etwas und biss dann plötzlich in meine Hand. Aus dem Handgelenk verabreichte ich ihr dafür eine Ohrfeige, woraufhin sie mir an die Schulter fiel und sich ausheulte.

Villalobos streckte sein Prachtstück von Bart kämpferisch vor.

»Was soll das?! Sind Sie verrückt geworden? Das ist jetzt aber wirklich zu viel des Guten! Sie reden vollkommen wirres Zeug und schlagen unschuldige Damen. Als ehemaliger Offizier der französischen Armee kann ich das nicht gutheißen, und ich sehe es als meine Pflicht an …«

Ich erfuhr nie, was er als seine Pflicht ansah, denn inzwischen war ich mit dem Mädchen im Schlepptau im Treppenabgang verschwunden.

»Ich möchte Ihnen einen blinden Passagier zeigen«, eröffnete ich der Stewardess und tätschelte ihr Gesicht. »Keine Angst!«

Sie hatte keine Angst, wollte mir aber wieder in die Hand beißen. Ich rettete meine Haut, bestrafte sie diesmal allerdings nicht mehr für den Versuch.

Villalobos räusperte sich hinter mir, mit Leichenfresser im Rücken.

Unten angekommen, deutete ich auf die kleine Tonfigur.

»Sehen Sie?«

Das Mädchen nickte. Sie versuchte, sich so weit wie möglich von mir fernzuhalten.

»Wissen Sie auch, was das ist?«

Sie schüttelte den Kopf.

Ich schob sie direkt vor das eingeklemmte Feldbett.

»Schauen Sie sich das Gesicht an. Erkennen Sie sie? Dies ist die dritte Stewardess. Die ich gesucht hatte.«

Sie beugte sich nach vorne, als ob sie die Züge des fremden Gesichtes unter die Lupe nehmen wollte, nutzte die Gelegenheit aber nur, um erneut meine Hand mit ihren schönen Zähnen zu attackieren.

Villalobos betrachtete entnervt die Figur.

»Aha! Und dieses … Ding … ist aus Ton?«

»Dies war die dritte Stewardess!«

»Die Tonfigur? Mann, Sie gehören wirklich ins Irrenhaus!«

Ich glaube, Letzteres brachte schließlich das Fass zum überlaufen. Ich konnte mich einfach nicht mehr zurückhalten.

»Ins Irrenhaus? Ich?«, schrie ich, und es kümmerte mich dabei nicht im Geringsten, ob die Leprakranken Leichenfresser aus ihrem Dauerschlaf gerissen wurden. »Dann sehen Sie sich das hier an, vielleicht ändert das ja Ihre Meinung!«

Ich schleppte das Mädchen zur Tür und ließ die Falttür aufschnappen. Sanftes Licht trat durch die Öffnung ein.

»Sehen Sie!«

Leichenfresser nahm seine gewohnte Position auf einem Koffer ein, mit dem Rücken zum Spektakel.

»Auf keinen Fall!«

Villalobos war hingegen nicht so zimperlich. Sein Gesicht verfinsterte sich, er holte ein Messer hervor, stürzte in den kleinen Raum und schrie mich dabei an.

»Sie Irrer! Abartiger! Perversling!«

Ich wollte ihm ein Bein stellen, wurde aber abgelenkt. Die Stewardess hatte die Gunst der Sekunde ausgenutzt, sich meinem Arm entrissen und war getürmt.

Ich ließ sie laufen. Dann öffnete ich den Rest der Tür, um etwas mehr sehen zu können.

Das erhängte Mädchen war nirgends zu sehen. Dafür aber Villalobos. Er kniete auf dem Boden und befreite mit seinem Messer gerade eine Frau von ihren Fesseln.

5

Ich wollte mich mit hineinzwängen, sein gezücktes Messer hielt mich aber vorerst ab.

»Sie bleiben, wo Sie sind! Einen Schritt, und ich steche Sie ab!«

Seine Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte. Also blieb ich draußen und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Ich war außer Atem, wie bei Konditionsübungen unter strahlender Sonne. Ich trottete zu dem Musiker hinüber, der sich immer noch an der gegenüberliegenden Wand ergötzte.

»Sie können sich wieder umdrehen. Die Gefahr ist gebannt.«

»Wieso?«

»Die Leiche ist verschwunden.«

Er sprang auf, als hätte ihn eine Kobra in den Allerwertesten gebissen.

»Was?!«

Erschrocken starrte er auf die Tür, in der jetzt Villalobos auftauchte, mit der weinenden Stewardess in den Armen, die sich an seinem Hals festkrampfte.

Sein Schnauzer stach uns genauso entgegen wie die Messerspitze.

»Jeder, der mir zu nahe kommt, wird von seinen Leiden erlöst! Auch Sie, mein junger Clown!«

Damit meinte er wohl den Musiker.

Er brachte die junge Frau ein paar Meter weg und legte sie behutsam auf den Boden, direkt neben die Tonfigur.

»Jetzt hören Sie mir mal gut zu, Sie Fieslinge! Ich habe schon so manchen Sexbesessenen erschießen lassen! Wenn wir gelandet sind, werde ich den Vorfall sofort den Behörden melden! Haben Sie sie so festgeschnürt?«

»Fragen Sie sie doch selbst!«, riet ich ihm.

»Das werde ich auch!« Er tätschelte sanft ihre Wange und lächelte ihr ermutigend zu. »Sprechen Sie Englisch, junge Dame?«

Sie schniefte und nickte schließlich.

»Wer hat Ihnen wehgetan? Der da?«

Sagte es und deutete auf mich.

Die Stewardess schüttelte den Kopf.

Villalobos schluckte unzufrieden und richtete dann den Finger auf Leichenfresser.

»Vielleicht er?«

Erneutes Verneinen.

Der General kratzte sich verzweifelt am Hinterkopf.

»Wer zum Teufel denn sonst?«

Das Mädchen beugte sich rüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Sein Gesicht veränderte sich, zeugte plötzlich von maßloser Überraschung; als ob sie gerade gesagt hätte, der französische Präsident persönlich wäre unter den Fluggästen und hätte sich als Buddhist verkleidet.

Ich wollte etwas sagen, aber Leichenfresser kam mir zuvor.

»Was denn nun?«

Erneut flüsterte sie dem General etwas zu, der nun, falls überhaupt, noch ratloser in die Welt schaute.

»Was denn nun?!«

Diesmal hatte ich es mit dem Musiker zugleich gesagt.

Mit der freien Hand zwirbelte Villalobos seinen Schnurrbart, richtete seine blicklosen Augen auf uns und ließ die Stewardess wieder zu Boden gleiten.

»Hier sind alle verrückt«, stellte er mit zittriger Stimme fest und lehnte sich an die Wand, die ich nach dem Kartenhaus-Prinzip aus Koffern geschaffen hatte. »Und offenbar greift das langsam auch auf mich über …«

»Was hat das Mädchen gesagt? Wer hat sie gefesselt?«

Villalobos breitete ratlos die Arme aus.

»Ein Pandabär«, antwortete er. »Ein richtiger, lebender Pandabär.«

Erschöpft lehnte er sich noch weiter zurück, als würde er irgendeinen Kampf innerlich aufgeben. Die provisorisch aufgetürmten Gepäckstücke sackten zur Seite und fielen dann mit großem Getöse zusammen. Villalobos schrie, die Stewardess kreischte, und Leichenfresser wurde unter den Koffern begraben.

Nur die Leprakranken schnarchten unbeirrt weiter.

6

Ich warf die Gepäckstücke achtlos beiseite und befreite Leichenfresser. Fluchend schüttelte er seinen lilafarbenen Kamm und schnaubte dann erleichtert.

»Ein Glück, dass es nur diese Koffer sind. Ich dachte schon, wir stürzen ab!«

»Keine Angst, Fräulein«, beruhigte ich die erneut vor Todesangst zitternde Stewardess. »Es ist nichts passiert. Ist mit Ihnen alles in Ordnung?«

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