Der Giraffengockel - Nik Schyra - E-Book

Der Giraffengockel E-Book

Nik Schyra

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Beschreibung

Hohenlohe- Franken der Landstrich im nördlichen Baden- Württemberg, das Land zwischen Kocher und Jagst, bietet die Kulisse für das Einsatzgebiet der Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna. Die beiden schwarzen Möpsinnen, die, gut versorgt von ihrem Hausschwein Roberta Sponti durch manchen skurrilen Mordfall an die Grenzen ihres kriminalistischen Spürsinns stossen. Aber sie dürften keine Möpsinnen sein...

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Seitenzahl: 187

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Nik Schyra wurde in Frankfurt/Main geboren. Seit 1979 lebt er in Hohenlohe- Franken.

Über die Fotografie kommt er zur Schriftstellerei. Mit den kriminalistischen Geschichten „Der Giraffengockel“ gibt er sein Debüt in diesem Fach.

Mit „Nik vor 12! Eine wöchentliche Sendung für und mit Frauen, die wissen, was die Stunde geschlagen hat“ bei Radio Sthörfunk, Schwäbisch- Hall, zeigt er eine andere Facette seiner vielseitigen Begabungen

Impressum

Copyright: © 2014 Nik Schyra

Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin,

www.epubli.de

ISBN 978-3-8442-7828-6

Mein tiefer Dank gilt meinen beiden wunderbaren schwarzen Möpsinnen Luzi und Bella. Ohne sie wäre mein Leben um sehr Vieles ärmer.

Frei nach Loriot: „ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Alisa Dürr habe ich die phantastischen Illustrationen zu verdanken.

Meinen allerherzlichsten Dank dafür, liebe Alisa.

Der Trotzmops lebe!

Für Irmgard und Alina

Die  Geschichten

1. Quittengelee

2. Anhäuser Mauer

3. Der Bunkerkönig

4. Der Giraffengockel

5. Der schöne Ludi

6. Das Teddyle

7. Toilettenpapier

Das sind Erzählungen. Sie erzählen die Wahrheit über Ereignisse, die so niemals stattgefunden haben. Alle Hunde und Personen sind ausnahmslos frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Hunden und Personen sind unbeabsichtigt und wären zufällig. Sollte sich jemand dennoch in der Rolle der Hunde oder der Menschen dieses Buches zu erkennen glauben, so irrt er. Vielleicht erkennt er sein Inneres, nicht sein Äußeres.

Die Handelnden

Hauptkommissarin

Luzi Buzi

Genannt das Krokodil

Die Meisterin der Beobachtung

Wird immer unterschätzt

Kommissarin

Bella Donna

Sprinterin gewinnt jede Verfolgungsjagd

Roberta Sponti

das Hausschwein

scherzhaft genannt die Kubanerin

und beste Köchin des gesamten Landkreises

Dr. Constanze Entlebucher

Gerichtsmedizinerin

eine echte Schönheit und ausgezeichnete Bloozbäckerin

Frau Staatsanwältin

Berger de Picare

Immer gestresst und genervt

Leo Bluthund

Polizeichef und Revierleiter

Der beste Kaffeekocher der Welt

Willi Rottweiler

Polizeiobermeister aus Schrozberg

Hobbykoch für große Mengen

Franz Schäferhund

Kollege von Willi Rottweiler

Quittengelee

Es war Sonntag, der 27. November. Einer jener Novembertage an denen oder welchen der Regen langsam in Schnee überzugehen scheint. Der Wind peitschte eiskalt die Schneeflocken mitsamt dem Regen über das Hohenloher Land. „Was für ein Sauwetter“, murmelte die Kommissarin Luzi Buzi, die auf dem Nachhauseweg von ihrem Büro im 19. Polizeirevier in Crailsheim war. Kommissarin Buzi eine schwarze Möpsin,  die im Laufe ihrer langen Dienstjahre einige graue Haare in ihr tiefschwarzes Fell bekommen hatte, genoss es in bestimmten Kreisen das Krokodil genannt zu werden. Sie war eine Meisterin der Beobachtung, um dann im richtigen Moment mit scharfem Biss den  Täter beim Kragen zu packen. Viele unterschätzten sie wegen ihres seltsamen Aussehens, sie war kleinwüchsig, wirkte etwas gedrungen, war jedoch durch und durch trainiert. Ein Muskelpaket von A – Z. Ihr zur Seite stand eine weitere schwarze noch recht junge Möpsin namens Bella Donna. Sie war bekannt für ihre schnellen Sprints und Spurts wenn es um Verfolgungsjagden ging. Bisher war ihr noch keiner der Ganoven entwischt. Sie besaß ebenfalls einen klaren Sachverstand und konnte sich, genau wie ihr großes Vorbild Kommissarin Buzi, bestens in den Täter hineinversetzen. Also denken wie ein Täter und ebenso handeln. Gerade bei einem Fluchtversuch,  der für jeden Ausreißer garantiert mit der Festnahme endete.

Es gab noch eine dritte im Bunde.  Roberta Sponti, das Hausschwein. Man nannte sie scherzhaft die „Kubanerin“ wegen ihres dunklen Teints. Ihre Mutter hatte  sich in einer lauschigen Maiennacht mit dem schlimmsten und stärksten aller Keiler eingelassen, der je in den Wäldern von Hohenlohe sein Unwesen getrieben hatte. Viele behaupteten er sei ein Unhold erster Güte gewesen. Aber die Weiber die ihm begegnet waren, bekamen auch nach langer Zeit immer noch glasige Augen und seufzten mächtig tief, wenn von ihm die Rede war. Roberta hatte ihren Vater als einen liebevollen Keiler in Erinnerung, der sich aber dann nach Frankreich abgesetzt hatte, weil er sich in eine kleine zierliche Trüffelschweinfrau verliebt hatte. Ihre Mutter schwärmte immer noch von ihm mit den Worten, „so eine Sau, so eine wilde Sau und eine so starke Sau, ein Keiler wie kein zweiter“.

Als die Kommissarinnen Buzi und Bella Donna nachhause kamen rochen sie schon im Eingangsbereich ihres Hauses den herrlichen Duft von frisch aufgebrühtem Früchtetee,von Lebkuchen, Spekulatius und gerade erst gebackenen Weihnachtsplätzchen. Roberta Sponti war eine ausgezeichnete Köchin, die Kuchen und Torten in den schönsten Formen zustande brachte.

Da alle drei zusammen in einem schönen alten Häuschen in Crailsheim wohnten, freuten sie sich auf das Heimkommen  um endlich diesen Abend gemütlich verbringen zu können. Frau Buzi rauchte wie gewöhnlich eine gute kubanische Zigarre. Die gab es nur in einem besonderen Laden in Crailsheim, nicht in New York, nicht in Paris oder London, nein nur in Crailsheim in der Farberstrasse. Es gab in diesem besonderen Laden nicht nur gute Zigarren sondern allerlei geheimnisvolle Dinge aus aller Welt.

Bella Donna, wie gewöhnlich ihre Pfeife rauchend, lehnte sich in ihrem Ohrensessel weit zurück und schaute Roberta Sponti zu, wie sie den Tee zelebrierte.

Was war das für ein schöner Sonntagabend, so in vertrautem Kreis, in einem gemütlichen warmen Wohnzimmer. Er lud förmlich dazu ein, ein kleines Kartenspielchen zu beginnen. Roberta schlug vor,  doch wieder einmal Skat zu spielen. Nicht um Geld, sondern um den nächsten Abwasch.  Luzi Buzi und Bella Donna verdrehten bei diesem Einsatz nur die Augen. War es nicht unter ihrer Würde solche niederen Hausarbeiten zu verrichten, wo sie doch mit schwerstkriminalistischen Fällen zu tun hatten? Die Spiellust war stärker und so ließen sich die beiden großen Kriminalistinnen schweren Herzens dazu überreden.

Roberta Sponti grinste insgeheim jedoch wie ein Honigkuchenpferd, da sie die beste Skatklopferin im Hause war. Die Karten waren schnell gemischt und ausgeteilt, „2-4-6 weg“ so lautete die Ansage. Frau Buzi strahlte. Sie hatte ein gutes Blatt und sagte überlegen „wir spielen Grandezza“ und fügte den Spruch hinzu: „bei Grand spielt man Ässe oder hält die Fresse“. Bella Donna meinte dazu nur lakonisch „Du könntest dir ruhig mal einen neuen Spruch dazu einfallen lassen, den hören wir jetzt schon seit bald dreißig Jahren“.

Buzi donnerte Kreuz-Ass mit einem breiten Grinsen auf den Tisch und sammelte anschließend den Stich mit einem arroganten „hhhmmmm“ ein. Die beiden anderen  verstummten und warfen ihr nur verächtliche Blicke zu.

 Da schrillte das Telefon. Ein Klingeln, das die Stille dieser Nacht in Fetzen riss, das sie alle zusammen zucken ließ. Es schien eine ewige Zeit zu verstreichen bis Kommissarin Buzi den Hörer abnahm und mit monotoner Stimme fragte: „Wer sthört?“ Die beiden anderen am Tisch konnten die Stimme am anderen Ende der Leitung hören, schrill und hysterisch.  Kommissarin Buzi sagte mit leiser Stimme: „Ok, wir kommen“.

Sie warf die Karten auf den Tisch und murmelte, „da hat man schon mal ein gutes Blatt und dann kommt mitten in der Nacht eine Leich daher“.

Die beiden Kommissarinnen setzten sich in ihren alten anthrazitgrauen VW-Käfer Baujahr 1964, bei dem die Heizung nur spärlich funktionierte und fuhren in die Dunkelheit, nach Schrozberg,  zum Tatort. Ein eiskalter starker Nord-Wind, verbunden mit einem wilden Schneetreiben begleitete sie. Anspielungen Bella Donnas auf den alten anthrazitgrauen Käfer und dessen Heizung prallten an Luzi Buzi ab, wie die Regentropfen auf dem hinteren pausbackigen leicht ramponierten Kotflügeln des in die Jahre gekommen Gefährts.

Am Tatort angekommen bot sich Ihnen ein schauriges Bild. Der Fundort der Leiche war weiträumig, mit rot weißen Bändern von den uniformierten Kollegen abgesperrt. Die Szene wurde durch mächtige Strahler der Feuerwehr in gleißendes Licht verwandelt. Der Tatort lag  an einer Wegkreuzung, dicht an einer Fichtenschonung. Jeder der hier vorbei kam musste unausweichlich die Leiche sofort sehen. Die Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna schälten sich schwerfällig aus ihrem Käfer. Buzi murmelte nur: „Scheißwetter, Sauwetter, da jagt man doch keinen Hund vor die Türe“ und trat in die tiefste Matschpfütze des Hohenloher Universums.  Lauthals schimpfte sie: „auch noch gefüllte“. Bella Donna sagte nur leise: „Mach die Glubschaugen auf, denn schließlich bist du gefahren und nicht ich“.

Ein großer dicker schon etwas älterer Polizist trat schnellen Schrittes auf sie zu und begrüßte beide mit kurzen knappen Worten: „So sieht man sich also mal wieder“. Er führte sie zur Leiche. Da hing sie nun, eine wunderschöne, getigerte Katze, mit weit aufgerissenen Augen, an einen dicken Buchenstamm gefesselt. Der Täter hatte ihr teilweise das Fell geschoren. Für beide Kommissarinnen ein fürchterlicher Anblick. Die Pathologin vom gerichtsmedizinischen Institut Frau Dr. Constanze Entlebucher aus Crailsheim erklärte dass der Fundort nicht der Tatort sei. Der Zeitpunkt des Todes könne höchstens sechs bis acht Stunden zurück liegen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sei das Opfer von hinten erwürgt worden, das zeigten die Male am Hals. Auffällig sei der Verlauf des Fingerabdrucks. Es sei davon  auszugehen, dass der Täter kleiner als das Opfer war oder es von unten hinten her erwürgt worden sei. Genaueres ergäbe erst die Obduktion. Buzi äußerte die Vermutung es könnte auch ein Ritualmord gewesen sein. Gewisse Anzeichen deuteten darauf hin und man dürfe nichts außer Acht lassen. Die Frage, ob es nicht auch eine Täterin gewesen sein könne, beantwortete Frau Doktor Entlebucher nachdenklich mit: „Durchaus möglich“.

Kommissarin Buzi war jedesmal von der Schönheit dieser Gerichtsmedizinerin angetan. Sie verfügte  außerdem über einen unglaublichen Charme und einen Blooz backen konnte sie- in den wollte man sich am liebsten hineinknien. Buzi und Frau Dr. Entlebucher mochten sich gut leiden und verabredeten sich erfolglos des Öfteren mal auf ein Bier. Na ja, irgendwann mal würde das sicher auch noch klappen. Davon waren sie beide überzeugt.

Bella Donna führte ihre Kollegin zu seltsamen Reifenspuren, die in dem Matsch zu sehen waren. Es waren nicht die üblichen Traktorspuren oder Spuren von Geländewagen. Sie waren  viel schmaler. Buzi sagte mehr zu sich selber „sehen aus wie Spuren von einem Leiterwagen oder vielleicht von einem Fahrrad“. Der Polizeifotograf machte gleich darauf mehrere Fotos. Nachdem die Spurensicherung alles aufgenommen und gesichert hatte, was es an eventuellen Spuren gab, verabschiedeten sich die in weiße Plastikoveralls gekleideten Männer und meinten “die Woche fängt ja gut an. Also dann bis später“.

Nachdem die Leiche ins gerichtsmedizinische Institut nach Crailsheim abtransportiert worden war blieben nur noch wenige Personen am Fundort zurück, die beiden Kommissarinnen, zwei Uniformierte und zwei Feuerwehrleute. Buzi versuchte sich vorzustellen warum  der Mörder die Tote gerade an dieser Stelle abgelegt hatte. Die Tote stammte nicht aus Schrozberg, soviel stand fest, denn keiner der ortsansässigen Feuerwehrmänner und Polizisten kannte sie.

Der Wind und das Schneetreiben nahmen an Heftigkeit zu und eine klamme ekelhafte Kälte bekroch alle Anwesenden. Jeder dachte nur, „nix wie weg hier, nachhause in die warme Stube oder gleich ins Bett“- außer Kommissarin Buzi. Sie suchte mit ihrem scharfen Mopsblick die Umgebung des Tatortes nochmals ab. Nur spärlich war in dem in dem Schneetreiben  die Landstraße von der sie abgebogen waren zu erkennen, schemenhaft der kleine Weiler, mit seinen drei Bauernhöfen, die sich nahe zusammen geduckt hatten, um sich gegenseitig gegen diesen scharfen, kalten Novemberwind zu schützen. Buzi fiel das alte Volkslied ein, das Hohenlohe beschreibt „ ...wo der Wind nie schlafen geht!“ „ So ist es in sibirisch Hohenlohe“ murmelte sie vor sich hin. Nie war das besser zu spüren als in dieser Nacht.

Buzi und Bella Donna stiegen in den Käfer, nachdem klar war, dass der Fundort bewacht werden würde.  Später bei Tageslicht würden sie ihn nochmals in Augenschein nehmen.

Beide Kommissarinnen schwiegen während der ganzen Fahrt von Schrozberg nach Crailsheim und hofften, dass der Käfer doch irgendwann anfinge ordentlich zu heizen, was sich jedoch als Trugschluss herausstellte.

Am nächsten Morgen bei  der Pressekonferenz im 19. Revier in Crailsheim teilte die leitende Staatsanwältin Berger de Picare mit, dass eine Sonderkommission „Miezekatze“ in Schrozberg im Gasthaus „Zur blauen Gans“ eingerichtet worden sei, besetzt mit zehn Beamten. Die Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna seien  mit der Leitung der Sonderkommission beauftragt. Sie erwarte, dass die Aufklärung dieses grausamen Mordes  in ein paar  Tagen erfolgt sei.

Die Kommissarinnen fuhren erneut mit einigen Männern und der Staatsanwältin zum Tatort. Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten hohenlohischen Seite. Es war kalt, der Boden gefroren und mit leichten Schneeresten bedeckt, die der Wind, der immer noch sehr stark blies,  nicht wegwehen konnte. Die Sonne schien stark und kräftig.  Ein ideales Wanderwetter, dachte Buzi.

Per Handy ließ sich Buzi den genauen Todeszeitpunkt geben. Sie erfuhr, dass die Tote schon nicht mehr gelebt hatte, als der Mörder sie hier an diese Buche angebunden hatte. Ferner, dass die Handabdrücke am Hals der Toten von einer kräftigen, kleinen Männerhand stammen mussten.  Unter den Krallen der Toten befanden sich Hautpartikel, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihrem Mörder stammten, als sie versuchte sich von der Umklammerung des Würgers zu befreien. DNA Spuren waren also vorhanden und könnten die Aufklärung vielleicht beschleunigen. Ein Vergleich mit in Frage kommenden Tätern, erwies sich jedoch vorerst als Sackgasse. Die Kommission begann routinemäßig ihre Arbeit.

Alle, die in unmittelbarer Umgebung des Tatortes wohnten wurden befragt. Aber keiner konnte irgendwelche brauchbaren Angaben machen.

Erst ein Bild der Toten in der Tageszeitung brachte Aufklärung, wer die Tote war und wo sie gelebt hatte. Es handelte sich um Kleopatra Kathäuser. Eine eher unauffällige, jedoch nicht minder wunderschöne Katze. Es stellte sich schnell heraus, dass die Tote ein sehr bewegtes Leben mit vielen Verehrern geführt hatte. Sie hatte genau Buch geführt, wann und wo sie sich mit ihnen traf. Ebenso schnell klar wurde es Kommissarin Buzi, dass die Lover nichts voneinander wussten. Jeder war der Überzeugung  er sei der Einzige. Es waren Herren die allesamt verheiratet waren. Sie stellten keine weiteren Ansprüche, sondern wollten nur  mit der schönen Kleopatra ihren Spaß haben. Einige davon legten dazu ihre Geschäftsreisen oder Termine so und waren heilfroh, sich ab und an mal aus der harten, realen, häuslichen, familiären Welt zurück ziehen zu können. Kleopatra war eine außergewöhnliche Liebhaberin die keine Männerwünsche offen ließ. Das bezeugten alle, die sie je erlebt hatten und den Mut hatten, dies zuzugeben. Die Befragung dieser Liebhaber war einfach, da Kleopatra alles fein säuberlich notiert hatte, mit Treffen, Telefonnummern privat und geschäftlich. Sozusagen als ihre Lebensversicherung, im Falle eines Falles. Der Speicheltest all  dieser Männer verlief jedoch negativ. Manche Ehe jedoch stand danach vor dem Aus, da alle durch die Bank ihre Scheinheiligkeit gut zu verschleiern wussten und im trauten Heim erfolgreich den treuen, treusorgenden, seriösen Ehemann und Vater gespielt hatten.

Die Hoffnung von Kommissarin Buzi einen enttäuschten Liebhaber als Mörder entlarven zu können, bewahrheitete sich leider nicht. Es wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein und so ein schnelles Ende des Falles zu erleben.

Die Begehung der Wohnung der Toten, durch die beiden Kommissarinnen, warf mehr Fragen auf  als sie sich wünschen konnten. Die ganz normale  Wohnung einer allein lebenden Katze. Sehr stilvoll, mit vielen kleinen Accessoires versehen, eine helle schnuckelige kleine Wohnung. Buzi versetzte sich in Kleopatras Lage und versuchte sich vorzustellen, wie es sich in so einer schönen Wohnung leben lässt, wie und wo Kleopatra ihre Liebhaber empfangen hatte und mit ihnen spielte. Aber so sehr sie sich darüber den Kopf zerbrach, sie kam keinen Schritt weiter. Alleine der Eintritt in die Speisekammer ließ Buzi ein klein wenig ins Lächeln kommen, denn  da gab es Selbstgemachtes: Marmelade, Gelees und große Einweckgläser mit sauren Gurken. Die Gläser waren fein säuberlich aufgereiht  und mit Jahreszahlen versehen. Was ihr dann noch auffiel, es gab auch Quittengelee, aber nur ein Glas. Von allen anderen Marmeladen und Gelees waren viel mehr  Gläser vorhanden. Der ging es wie mir, Quittengelee hab ich in meiner Kindheit genug gegessen und jetzt brauche ich keinen mehr, denn ich weiß ja wie er schmeckt! Vielleicht hatte sie ihn ja auch geschenkt bekommen und ihn hier in die Speisekammer gestellt, dachte sie. Sie verließ die Speisekammer und wandte sich zu Bella Donna . Die hatte sich am Schreibtisch vor dem PC breit gemacht. Die Frage: „Und“ ? beantwortete die Kollegin mit einem: „nix und, und du“? es war schon etwas frustrierend für Buzi, so gar keinen Anhaltspunkt  zu haben. Beide verließen die Wohnung und versiegelten die Eingangstüre.

Der Käfer sprang an und vermittelte mit seinem monotonen Boxergesang, dass auf ihn jederzeit Verlass war. Er würde immer wenn er gebraucht werden würde zur Verfügung stehen.  Schließlich diente er doch zwei weltberühmten Kommissarinnen, von denen die eine nur „das Krokodil“ genannt wurde.

Buzi war hungrig und wollte in einer Metzgerei zwei LKWs (Leberkäsweckle) essen oder zumindest mitnehmen. Zielstrebig steuerte sie einen kleinen Supermarkt an, indem sich eine Metzgerei und ein Bäckerladen befanden. Buzi marschierte in die Metzgerei und Bella Donna zur Bäckerei. Die Verkäuferinnen strahlten als sie die beiden Kommissarinnen erkannten. Die Frage und wie läuft`s, habt ihr den Kerl schon, konnten beide jedoch nur mit einem Achselzucken beantworten, „Wenn das mal so leicht sein könnte“. Durch das Betreten der Einkaufstätte kam Buzi auf den genialen Gedanken, in ihrer Vorgehensweise zweigleisig zu fahren. Bis jetzt ermittelten beide zusammen auf einem Weg. Besser wäre es vielleicht, sich gedanklich zu trennen, um zur Klärung des Falles schneller voran zu kommen. Bella Donna war diesem Gedanken nicht abgeneigt und spielte schon im Geiste damit, der großen Kollegin um eine Nasenlänge voraus zu sein oder vielleicht sogar….?! Verwarf aber diesen Gedanken sofort, weil sie genau wusste wie schwer es war, auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Denn sie hatte noch den Apell der Staatsanwältin im Ohr:  „Bringen sie mir Fakten, Fakten, Fakten- und das möglichst sofort“

In der “Blauen Gans” in Schrozberg, herrschte geschäftiges Treiben, Telefone und Handys klingelten ununterbrochen, eine heiße Spur war weit und breit nicht in Sicht. Es wurde eine Belohnung von  25 000 € zur Ergreifung des Täters ausgesetzt, aber davon versprach man sich nichts.

 Kommissarin Buzi überlegte in alle Richtungen. War es eine sehr lang geplante Tat oder ein  im Affekt ausgeführten  Mord?  Lag der Schlüssel darin, dass Kleopatra etwas wusste, das ihr nicht bekommen war? Oder hatte sie den Neid von jemandem erregt und musste deshalb sterben? Aber was könnte das sein? Die Frau schien nicht wohlhabend zu sein. Sie besaß scheinbar auch keine Dinge, die einen Mord erklären konnten. Obwohl ein Mord ist immer irrational, bleibt  folglich unberechenbar. Sie hatten es, soviel stand fest, mit einem gerissenen Mörder zu tun, der es verstand, alle Spuren seiner grausamen Tat zu verwischen. Dass es Spuren oder Hinweise geben musste, darüber waren sich alle einig. Nur welche waren es? Was hatten sie übersehen oder als achtlos betrachtet? Die Kommissarinnen fuhren erneut beide zum Fundort der Leiche. Der Täter musste bald und schnell gefunden werden. Die seltsame zur Schaustellung der Leiche verbunden mit der Tatsache Fundort ist nicht gleich Tatort gaben viele Rätsel auf. Bella Donna zog einen Radius von 30 km um Schrozberg um die Tätersuche auf dieses Gebiet zu konzentrieren. Sie war der festen Überzeugung, dass der Täter aus diesem Raum stamme, da er scheinbar gute Ortskenntnisse  hatte. Da keiner eine bessere Idee hatte, stimmten letztlich alle dem Vorschlag zu, ohne von dessen Erfolg überzeugt zu sein. Einzig Bella Donna war der festen Überzeugung einen Volltreffer gelandet zu haben. Dies gab ihr Auftrieb und bestärkte sie. Kommissarin Buzi schmunzelte verschmitzt über diesen Erfolg ihrer jungen Kollegin. Sie  hätte diesen Vorschlag sonst selbst gemacht.

Die Arbeitsgruppe fand mit akribischer Kleinarbeit heraus, mit wem Kleopatra alles in der letzten Zeit Kontakt hatte. Es waren viele Katzen, Kater und Hunde aller Rassen dabei.  Aus den unterschiedlichsten Berufen und Ständen, vom Landwirt bis zum Hochschuldirektor. Auffällig  oft stießen sie auf einen Namen: Lappi Rüterli, ein schweizer Labrador. Dieser Rüterli, so fand Buzi heraus, war bei einem großen Lebensmittelkonzern als Chemiker beschäftigt. Ein Anruf in seiner Firma war jedoch negativ. Herr Rüterli war schon seit ungefähr 14 Tagen nicht mehr im Betrieb gesehen worden. Man habe bereits die Kantonspolizei eingeschaltet. Bisher ohne Erfolg. Auf die Frage was Herr Rüterli mit Kleopatra zu tun gehabt haben könnte, wusste man dort keine Antwort oder wollte sie nicht geben. Buzi würde auf jeden Fall bis zur Aufklärung mit dem Konzern in Verbindung zu bleiben.

Mittlerweile schrieb die regionale Presse, dass der Mörder immer noch frei herum liefe und die Beamten sich ein wenig mehr bewegen könnten. Buzi ging dieses Geschreibsel gewaltig auf den Keks. Sie setzte sich ja Tag und Nacht mit diesem Fall auseinander. Sie hasste jegliche unfaire Kritik an sich und ihren Kollegen. Sie fuhr am gleichen  Abend noch einmal in die Wohnung von Kleopatra. Irgend etwas mussten sie übersehen haben. Vor dem Haus lag ein Papiertaschentuch. Buzi hob es auf und steckte es in eine Tüte zur Überprüfung im Labor. Als sie vor der Wohnungstür stand, sah sie mit Entsetzen, dass das Siegel gebrochen und die Türe nur leicht angelehnt war. Instinktiv griff sie nach ihrer 38er Magnum. Sie schaltete das Licht ein. Vorsichtig betrat sie die Wohnung. Ihren scharfen Ohren entging nichts. So sehr sie sich auch anstrengte, es blieb totenstill. Sie verständigte gleich die Spurensicherung um eventuelle Spuren zu sichern. Vor der Speisekammer fanden die Experten einen kleinen kaum sichtbaren Fußabdruck. Offensichtlich hatte jemand versucht ihn wegzuwischen. Buzi jubelte auf. Nach den kleinen kräftigen Händen wusste man jetzt, dass der Mörder auch kleine Füße hatte. Somit konnten sie auf die Körpergröße des vermeintlichen Täters schließen. Alles in allem war man nun  einen winzigen  Schritt weiter gekommen. Die Erkenntnisse wurden streng geheim gehalten, um den Täter nicht zu warnen. Buzi fiel in letzter Sekunde auf, das das Glas mit dem Quittengelee verschwunden war. Schweizer Lebensmittelkonzern und Quittengelee, dazu ein verschwundener Mitarbeiter Rüterli- irgendwie konnte das zusammenhängen. Nur Wie, Was und Warum. Mit dieser Frage die nach einer  Lösung drängte fuhren beide Kommissarinnen wieder nach Crailsheim zurück.  Roberta Sponti erwartete sie schon mit einem leckeren Abendessen. Nach dem Essen rauchte Buzi ihre Havanna und Bella Donna ihr Pfeifchen. Sie dachten angestrengt darüber nach, was es mit dem Quittengelee auf sich haben könnte. Sie kamen jedoch zu keinem Ergebnis.

Unbarmherzig riss der Wecker die Stille der Nacht in tausend Fetzen. Draußen war es noch stockdunkel und Buzi konnte es kaum fassen, das sie nicht träumte. Heute war der dritte Tag. Sie hoffte, die Sache heute weiter voran treiben zu können.

In Schrozberg in der „Blauen Gans“, herrschte schon geschäftiges Treiben. Einige Kollegen hatten Nachtschicht eingelegt. Sie hatten ein mögliches Bild des Täters entworfen. Buzi konnte nur bei der Körpergröße zustimmen.,  Alles andere war ihr zu gewagt und konnte leicht zu Irritationen führen. Den falschen Hund zu verhaften, war immer eine Problem, besonders für den zu unrecht Verdächtigten. Sie sah die Schlagzeile in der Presse „Polizei verhaftet den Falschen“ und sah dabei das hämische Grinsen der Reporter.