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Wie Erwartungen unsere Realität beeinflussen Wie Selbstorganisation hilft, das eigene Leben aktiv zu gestalten Wissenschaftlich fundiert nach dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM®) Verständliche Vermittlung komplexer Inhalte durch das liebenswerte ORX Warum gelingt manchen Menschen scheinbar alles – und andere stolpern von einem Missgeschick ins nächste? Maja und Johannes Storch zeigen in diesem klugen und zugleich wunderbar zugänglichen Buch, dass Glück kein Zufall ist, sondern das Ergebnis innerer Prozesse. Der »Glückskind-Effekt« beschreibt, wie unsere Erwartungen als psychologische Randbedingungen wirken und die Realität mitgestalten. Mit Hilfe der Selbstorganisationstheorie und dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM®) lernen Leser:innen, wie sie neue mentale Muster entwickeln und sich aus alten Pechsträhnen befreien können. Begleitet vom liebenswerten Monster ORX wird klar: Wer seine inneren Attraktoren kennt und verändert, kann dem Leben eine neue Richtung geben.
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Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2026
Johannes Storch Maja Storch
Der Glückskind-Effekt
Wie Chaos dir helfen kann, die Realität zu gestalten
Klett-Cotta
Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe zum Zeitpunkt des Erwerbs.
Klett-Cotta
www.klett-cotta.de
J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH
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Cover: Jutta Herden, Stuttgart
Illustrationen (Umschlag und Innenteil): Claude Borer, Riehen (Schweiz)
Gesetzt in den Tropen Studios, Leipzig
Gedruckt und gebunden von Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg
Lektorat: Ulrike Albrecht
ISBN 978-3-608-98876-5
E-Book ISBN 978-3-608-12564-1
PDF-E-Book ISBN 978-3-608-20749-1
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Einführung
Selbstorganisation und Systemtheorie
Der Systembegriff
Der Mensch als chaotisches System
Erwartungen
Vom Pechvogel zum Glückskind
Eine Vision entwickeln mit Wunschelementen
Die eigene Erwartung festigen mit einem Motto-Ziel
Sehe ich die Wirklichkeit? Erkenntnistheorie und Konstruktivismus
Ein paar Wochen später: Was das ORX erlebt hat
Literatur
Dieses Buch widmet sich einem Phänomen, das auf den ersten Blick etwas unwirklich erscheint. Wir sprechen darüber, dass mentale Vorgänge – die eigenen Erwartungen – Einfluss auf die materielle Realität nehmen können: Erwartungen können sich tatsächlich ganz konkret auf die Außenwelt auswirken. Uns fasziniert dieses Thema deswegen so sehr, weil es für das eigene Selbstmanagement großartige Möglichkeiten eröffnet. Meine eigenen Erwartungen lassen sich mit Hilfe zuverlässiger Techniken von mir selbst beeinflussen. Und indem ich die eigenen Erwartungen beeinflusse, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass in der Außenwelt tatsächlich einige Dinge anders laufen.
Dieses Phänomen ist sehr verlockend, darum hat es auch in Esoterik-Kreisen starke Beachtung gefunden. Umso dringlicher erscheint uns das Anliegen, sich dem Thema aus einer seriösen Perspektive zu nähern, um zu sortieren, was man aus wissenschaftlicher Sicht an Zusammenhängen zwischen mentalen und materiellen Vorgängen erwarten kann und welche Vorstellungen in den Bereich der schönen Märchen verwiesen werden müssen.
Ob jemand ein Pechvogel oder ein Glückskind ist, hat die Person bis zu einem gewissen Grad selbst in der Hand. Niemand ist den äußeren Geschehnissen völlig hilflos ausgeliefert! Allerdings genügt es garantiert nicht, »das Universum einfach darum zu bitten« – und in der Folge fügt sich alles wie von selbst. Man muss schon ein wenig Arbeit investieren, und dann braucht man noch Geduld, Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz. Bei entsprechendem Einsatz jedoch lässt sich in der Tat einiges erreichen.
Wissenschaftlich gesehen handelt es sich bei dem Themenkreis, den man anschauen muss, um seriöse Aussagen treffen zu können, um den Bereich der so genannten Selbstorganisation. Damit sind Vorgänge gemeint, die außerhalb der Verstandeskontrolle stattfinden und eigenen Gesetzmäßigkeiten gehorchen. Die Theorie der Selbstorganisation ist momentan vielen Menschen noch völlig unbekannt. Ohne dass man es sich richtig klarmacht, geht man meistens noch von einem Menschenbild aus, das dem Verstand einen großen Einfluss auf die Handlungsfähigkeit zuschreibt. Dieses Menschenbild trifft jedoch nur bedingt zu. Man fährt wesentlich besser, wenn man sich der begrenzten Möglichkeiten des Verstandes bewusst ist und sich auch auf den Gebieten gut auskennt, die Ergebnisse außerhalb der Verstandeskontrolle hervorbringen.
Pechvogel oder Glückskind? Um zu dieser Frage substanzielle Antworten auf dem Boden der Wissenschaft liefern zu können, muss man sich zunächst in die Selbstorganisationstheorie einarbeiten. Keine Sorge, wir haben uns große Mühe gegeben, diese Thematik gut verständlich und anschaulich darzustellen, und zwar so, dass es auch das ORX versteht. Das was? Das ORX! Geduld … wir werden ihm gleich begegnen.
Sobald wir ein Basiswissen über selbstorganisierende Prozesse erlangt haben, betrachten wir in einem Praxisteil die Anwendung dieses Wissens auf den menschlichen Alltag. Was ist der Gewinn, wenn ich mit mir selbst und mit anderen »selbstorganisationstheoretisch« umgehe? Die Antwort ist einfach, aber folgenreich: Da ich mein Leben nicht länger mit fruchtlosen Verstandesbemühungen zubringen muss, die oft in Misserfolge münden, lebe ich wesentlich entspannter. Ich weiß, was ich tun kann, um Wahrscheinlichkeiten des Auftretens von erwünschten Ereignissen zu erhöhen, aber ich weiß auch, dass meine Einflussmöglichkeiten begrenzt sind. Weil ich das weiß, kann ich – nach einiger Übung und Erfahrung mit diesem neuen Lebensstil – in aller Ruhe abwarten, wie die Dinge sich entwickeln.
Es gibt einiges zu entdecken: Wir sprechen über den Systembegriff, über Nichtlinearität, chaotische Systeme, Phasenübergänge, kritische Instabilität, Attraktoren und Randbedingungen. Alles böhmische Dörfer? Noch nie etwas davon gehört? Umso neugieriger können Sie sein, denn es gilt wirklich, eine neue Welt zu betreten, die viel Ungewohntes bereithält. Und Sie sind nicht allein auf Ihrem Weg durch diese neue Welt. Das ORX wird Sie begleiten.
Das ORX ist ein liebenswertes Monster aus dem Monsterland, das eigentlich ein ganz normales Leben führt. Wir haben es in unser Buch eingeladen, weil es sich selbst als Pechvogel betrachtet. Darum ist es mit sich und der Welt nicht zufrieden. Wir haben das ORX um seine Hilfe gebeten, die Verständlichkeit unseres Buches zu gewährleisten. Dafür winkt ihm der Lohn, einen Weg kennenzulernen, ein angenehmeres Bild von sich selbst zu entwickeln, ja, sogar ein Glückskind zu werden. Auf diesen Deal hat es sich eingelassen, das freut uns sehr. Zunächst möchten wir das ORX bitten, uns seine aktuelle Befindlichkeit zu schildern.
»Dazu braucht es nicht viele Worte, das lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Immer trifft es mich!«, sagt das ORX. »Was ich anpacke, misslingt garantiert! Manchmal traue ich mich schon gar nicht mehr, mich auf etwas zu freuen, aus Angst vor der Enttäuschung, wenn es schiefgeht.«
ORX, dir kann geholfen werden. Niemand ist dazu verdammt, ein ewiger Pechvogel zu sein. Und damit aufzuhören, sich auf etwas zu freuen, ist gar keine gute Lösung. Man kann sich durch so eine Strategie zwar vor Enttäuschungen schützen, da hast du recht, aber dummerweise vermindert man dadurch auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein schöner Wunsch sich auch auf das tägliche Leben auswirkt und im Alltag Glücksspuren hinterlässt. Zum Pechvogel wird man nicht geboren, denn in gewisser Hinsicht hat man kräftige Einflussmöglichkeiten darauf, mitzubestimmen, ob man Pechvogel oder Glückskind sein möchte.
»Natürlich will ich auch gerne mal ein Glückskind sein, das ist doch klar«, brummelt das ORX leise vor sich hin. »Aber wenn das so einfach wäre, hätte ich das schon längst hingekriegt. Von leeren Versprechungen halte ich übrigens gar nichts, darauf falle ich nicht mehr herein!«
Wir können dich beruhigen, ORX, wir werden dich nicht mit leeren Versprechungen abspeisen. Und dass alles ganz einfach sei, sagen wir auch nicht. Man muss Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft mitbringen, wenn man das eigene Leben so gestalten möchte, dass man auch eine gute Portion Glück abbekommt. Also, ein wenig Anstrengung kostet das schon. Wärst du dazu bereit?
»Na ja, mal schauen, wieviel Anstrengung man braucht. Ich bin schon zäh im Nehmen, und wenn ich etwas will, kann ich durchhalten. Aber versprechen will ich nichts, sonst habt ihr mich wieder in der Falle!«
ORX, wir machen das am besten so: Wir fangen mit unseren Erklärungen an und immer, wenn du etwas nicht verstehst oder eine Pause brauchst, meldest du dich. Wäre das okay?
»Na gut, dann fangt halt mal an, wir werden ja sehen, wohin das führt.«
Okay, ORX, dann lass uns starten! Alles beginnt mit einer Begriffsklärung, denn wir müssen erst einmal ein paar Wörter einführen und sortieren. Als erstes lernst du etwas über Systemtheorie.
In der Systemtheorie gilt der Mensch als selbstorganisierendes System, da es im Gehirn keine zentrale Steuerzentrale gibt, die ihn lenkt und leitet. Die Theorie der Selbstorganisation erklärt, wie ganz von selbst Muster entstehen, wie sie sich verändern und wie Neues in die Welt kommt. Von was für Mustern sprechen wir? Von Mustern wie auf einer Tischdecke oder auf einer Badehose? Nein, von so etwas sprechen wir nicht. Mit dem Begriff Muster meinen wir natürliche Muster, wie zum Beispiel ein Fischschwarm oder ein Vogelschwarm. Auch beim Spaghetti-Kochen entstehen Muster: Wenn die Pasta fast gar ist, bilden sich wie von Zauberhand – selbstorganisierend – Rollen, achten Sie mal darauf! Ein Blumenkohl hat Muster, Trampelpfade durch Wiesen sind in diesem Sinne Muster und natürlich auch die Wolken. Menschliche Kommunikation lässt sich auch mit so einem Musterbegriff beschreiben. Oft verwendet man hier den Begriff sogar in der Alltagssprache: »Ach, wenn wir uns streiten, läuft das immer nach demselben Muster ab. Er wird immer stiller und redet immer weniger, und je weniger er redet, desto mehr rede ich. Und am Schluss schreie ich rum, dann verlässt er den Raum.« So viel zum Musterbegriff, jetzt wenden wir uns wieder der Selbstorganisationstheorie zu.
Mit der Selbstorganisationstheorie können wir nachvollziehen, warum manche Systeme sehr rigide, aber dadurch stabil funktionieren, und warum andere Systeme bei den kleinsten äußeren Veränderungen instabil werden und ihr Verhalten völlig ändern. Es gibt zwei wesentliche Voraussetzungen für Selbstorganisation:
In einem System, das selbstorganisierende Prozesse hervorbringen soll, müssen die inneren Komponenten dieses Systems eine ganz bestimmte Anforderung erfüllen. Sie müssen untereinander in einer so genannten nicht-linearen Wechselwirkung stehen. Wir werden den Begriff der Nichtlinearität noch genauer erklären, hier sei er schon einmal genannt, des Überblicks wegen.
Eine weitere Bedingung dafür, dass Selbstorganisation stattfinden kann, ist die Offenheit des Systems gegenüber seiner Umwelt, denn nur auf ein offenes System kann die Umwelt über so genannte Randbedingungen Einfluss ausüben (Schiepek et al. 2013; Haken & Schiepek 2006). Auch den Begriff Randbedingungen werden wir noch genauer erklären.
Das Verhalten eines Systems wird also sowohl durch seine inneren Komponenten als auch durch die jeweiligen Randbedingungen seiner Umwelt bestimmt. Allerdings sind die inneren Komponenten zumindest beim Menschen meistens nicht vollumfänglich bekannt, und die Randbedingungen aus der Umwelt nehmen keinen direkten Einfluss auf das System, sondern wirken nur indirekt. Darum sind Vorhersagen darüber, wie sich ein selbstorganisierendes menschliches System unter bestimmten Bedingungen verhält, sowohl theoretisch als auch praktisch schwer möglich. Wie wir trotzdem Einfluss auf das Verhalten unseres Systems ausüben können, wollen wir in diesem Buch klären.
»Moment! Verstehe ich das richtig? Man kann überhaupt nicht vorhersagen, wie Menschen sich unter bestimmten Bedingungen verhalten? Das ist aber komisch: Erst habt ihr von dem Streitmuster gesprochen, und jetzt sagt ihr genau das Gegenteil!«
Das hast du gut beobachtet, ORX! In manchen Fällen ähneln sich die inneren Komponenten und die Randbedingungen der Umwelt so stark, dass es uns gelingt, Muster zu identifizieren. In vielen Fällen aber haben wir es auch mit so vielen unbekannten Komponenten zu tun, dass es sehr schwer ist, Vorhersagen zu treffen. In diesem Spannungsfeld lebt jeder Mensch, und alle menschliche Interaktion findet ebenfalls in diesem Spannungsfeld statt.
Unser Tipp an dieser Stelle: Am besten man versucht, in aller Ruhe bei sich und bei anderen Muster zu identifizieren, weil Muster die Orientierung erleichtern können. Man sollte aber nicht beunruhigt sein, wenn das nicht auf Anhieb gelingt, denn das ist völlig normal. Also tiefenentspannt nach Mustern suchen – aber wenn keins zu finden ist, macht das auch nichts.
»Das ist ja lustig, was ihr da vorschlagt. Also tiefenentspannt sein, egal, was da kommt. Ob das so einfach ist?«
Das kann man lernen, ORX. Und wenn du alles weißt, was es über Selbstorganisation zu wissen gibt, wirst du die Welt sowieso mit anderen Augen sehen. Warte ruhig mal ab.
Im Verlauf dieses Buches werden wir immer wieder von Systemen sprechen. Da der Systembegriff höchst unterschiedlich benutzt wird, ist es sinnvoll, den Systembegriff, auf den wir uns beziehen, zum Einstieg herauszuarbeiten und zu erklären.
Die Definition dessen, was als System bezeichnet wird, ist einfach. Ein System ist ein aus mehreren Einzelteilen zusammengesetztes Ganzes. Da aber alles auf unserer Welt in irgendeiner Form zusammengesetzt ist, begegnen wir Systemen auf Schritt und Tritt. Es gibt unter anderem …
natürliche Systeme: Planetensystem, Ökosystem, lebendes System, psychisches System, Quantensystem
soziale Systeme: Gesellschaft, Arbeitswelt, Organisationen, Familie
technische Systeme: Maschinen, Computer, Internet
gedankliche Systeme: Begriffssystem, Koordinatensystem
… um nur einige zu nennen.
Systeme können durch unterschiedliche Charakteristika beschrieben werden. Eine wichtige Unterscheidung betrifft die Art und Weise, wie das System mit seiner Umgebung in Kontakt steht. Systeme müssen Grenzen gegenüber ihrer Umwelt haben, sonst wären sie nicht als eigenständiges System wahrnehmbar. Die Grenzen von Systemen müssen aber nicht unbedingt hermetisch abgeschlossen sein. Manche Systeme sind trotz ihrer Grenzen in der Lage, mit ihrer Umwelt zu interagieren. Sie haben offene Grenzen – ähnlich wie der Schengen-Raum. Wenn ein System mit der Umwelt interagiert, müssen die Systemgrenzen offen sein (Ludewig 2015). Hier begegnen wir bereits einer ersten wichtigen Unterscheidung, nach der Systeme betrachtet werden können. Es handelt sich um die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Systemen. Es gibt
offene Systeme: alle Systeme, die trotz ihrer Grenzen im Austausch mit ihrer Umgebung stehen, wie z. B. alle lebenden Systeme. Schon die Tatsache, dass sie zur Nahrungsaufnahme und zur Ausscheidung der unverdaulichen Reste in der Lage sind, macht sie definitionsgemäß zu offenen Systemen.
geschlossene Systeme: ein geschlossenes System ist materieundurchlässig, wie z. B. eine geschlossene Flasche.
»Moooment«, ruft das ORX. »Wenn ich euch richtig verstehe, sind alle
