6,49 €
Als der Kalif einen wundersamen Vogel, der täglich goldene Eier legt, geschenkt bekommt, ist er außer sich vor Freude. Aber als er versucht, das Gold noch schneller an sich zu reißen, hat der goldene Vogel andere Ideen und nimmt Reißaus. Nun fällt es ausgerechnet einem armen Bauernjungen zu, dem habgierigen Kalifen beizubringen, dass man nicht alles auf einmal haben kann, denn »gut Ding will schließlich Weile haben!« Ein klassisches Märchen im Stile der »Tausendundeinen Nacht« von Sigrid Wäß und mit Illustrationen von Ivar Arosenius. Für Kinder und Erwachsene ab 6 Jahren.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 17
Veröffentlichungsjahr: 2019
Es lebte einmal ein reicher und eitler Kalif, dessen größte Lust und Freude es war, Geschenke zu bekommen. Jedes Jahr zu seinem Geburtstag und an fast jedem anderen Tag auch erhielt er kostbare Geschenke aus aller Welt. Gold, Silber, Diamanten, edle Hölzer und Stoffe gehörten zu seinen Lieblingsdingen, ebenso die üppigen Gemälde und Schnitzereien, die sowohl die größten Könige dieser Erde als auch die einfachsten Untertanen seines Reiches ihm regelmäßig zukommen ließen. Manchmal erhielt er auch exotische Pflanzen und ungewöhnliche Tiere - Löwen, Leoparden, Beutelwölfe oder Faultiere - die er alle in seinem üppigen Palastgarten zur Schau stellte. Denn er hatte es sich zum Ziel gesetzt, der reichste und mächtigste Kalif aller Zeiten zu werden, und diese edlen Gaben halfen ihm, der Welt zu beweisen, dass er auf dem besten Wege dorthin war.
Aber das edelste Geschenk von allen war ein Paket, das er vom Kaiser von China erhielt - pünktlich zu seinem Geburtstag. Der Kalif packte es aus und entdeckte zu seinem Entzücken, dass es in einem Kasten aus Elfenbein einen seltenen Vogel enthielt. Dieser Vogel war, wie auf einer Schriftrolle zu lesen stand, kein gewöhnliches Federvieh. Er würde nämlich bei guter Behandlung jeden Tag einige Eier aus purem Gold legen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Und in der Tat: Dort, zu Füßen des Vogels, rollten einige glänzende goldene Eier hin und her. Auf dem Elfenbeinkasten waren in fünf Sprachen die Worte eingraviert: „Gut Ding will Weile haben.“ Aber diesen Spruch beachtete der Herrscher nicht weiter.
Der Kalif war außer sich vor Freude und ließ sofort mitten in seinem Wundergarten einen edlen Käfig aus purem Gold für den Neuankömmling errichten. „Um den Vogel zu ermuntern“, wie er seinen Freunden und Höflingen sagte. Und in der Tat: Der Vogel war genauso fleißig, wie es ihm der Kaiser von China geschildert hatte, und legte jeden Tag goldene Eier. Manchmal mehr, manchmal weniger.
