1,99 €
In "Der Hexenhammer" (Band 1-3) präsentiert Heinrich Kramer ein komplexes und erschreckendes Bild der gesellschaftlichen und theologischen Vorstellungen des 15. Jahrhunderts über Hexerei. Dieses bedeutende Werk der Inquisitionsliteratur vereint eine Vielzahl von Themen, darunter Aberglaube, Religion und Geschlechterrollen. Kramers prägnanter und zugleich eindringlicher Stil verleiht den historischen Erklärungen und den schockierenden Fallstudien eine verstörende Authentizität, die den Leser tief in die abgründige Logik der Hexenverfolgungen hineinzieht. Die detaillierte Analyse von Ritualen und angeblichen Vergehen bietet einen einzigartigen Einblick in die mentale Verfasstheit einer Gesellschaft, die von Angst und Misstrauen geprägt war. Heinrich Kramer, selbst Inquisitor und Theologe, war durch seine unmittelbare Erfahrung im Umgang mit beschuldigten Frauen und Männern motiviert, dieses Werk zu verfassen. Sein Ziel war es, eine umfassende Anleitung zum Aufspüren, Verurteilen und Bestrafen von Hexen zu schaffen. "Der Hexenhammer" spiegelt nicht nur Kramers persönlichen Glauben wider, sondern auch die religiösen und politischen Strömungen seiner Zeit, die mit brutalem Eifer gegen das, was als Häresie galt, mobil machten. Dieses Buch ist von unschätzbarem Wert für alle, die sich für die dunklen Kapitel der europäischen Geschichte interessieren. Es bietet nicht nur einen tiefen Einblick in die Mentalität einer vergangenen Epoche, sondern regt auch zur Reflexion über die zeitgenössischen Themen von Macht und Vorurteil an. Leserinnen und Leser werden herausgefordert, die überlieferten Dogmen ihrer eigenen Zeit zu hinterfragen und sich den ethischen Fragen zu stellen, die auch heute noch relevant sind. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
Zwischen religiöser Heilsgewissheit und abgründiger Angst vor dem Übernatürlichen spannt Der Hexenhammer den Bogen eines ganzen Zeitalters, indem er den Anspruch göttlich legitimierter Ordnung mit der Furcht vor dämonischer Zersetzung konfrontiert, daraus ein kompromissloses Programm der Erkenntnis, Erklärung und Bekämpfung vermeintlicher Hexerei ableitet, dessen innere Logik ebenso zwingend wie erschreckend wirken will und das bis heute als Dokument der Macht von Sprache, Autorität und institutionellem Wissen sichtbar macht, wie Glaubenssysteme soziale Wirklichkeit formen, rechtlich fixieren und im Extremfall in Verfolgung, Gewalt sowie kollektive Gewissheiten ummünzen können.
Der Hexenhammer (lateinisch Malleus Maleficarum) ist ein demonologisches, theologisch-juristisches Traktat in drei Teilen, verfasst vom Dominikaner Heinrich Kramer (Henricus Institor), erstmals um 1486/87 im Heiligen Römischen Reich im Druck verbreitet. Entstanden im Umfeld gelehrter Dispute über Hexerei, Teufelsbund und Zuständigkeiten geistlicher wie weltlicher Gerichte, markiert das Werk die Schwelle vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit. Frühdrucke geben häufig die päpstliche Bulle Summis desiderantes affectibus (1484) wieder, deren Kontext Kramers Beauftragungen berührt. Als Gattung verbindet der Text scholastische Disputation, moraltheologische Argumentation und prozessrechtliche Instruktion und richtet sich an gelehrte Leserschaften ebenso wie an Amtsträger.
Das Leseerlebnis ist von einer autoritativen, belehrenden Stimme geprägt, die Beweisführung durch Autoritäten, logische Ableitungen und Fallbehauptungen orchestriert. Stilistisch dominieren scholastische Frage-Antwort-Strukturen, knappe Definitionen, systematische Unterteilungen und der Rückgriff auf theologische, kanonistische und naturphilosophische Quellen. Der Ton ist entschieden, normsetzend und missionarisch, wodurch eine Mischung aus gelehrter Strenge und praktischer Handhabe entsteht. Wer das Werk heute liest, begegnet einem dichten, methodisch geschlossenen Argumentationsgebäude, das seinen Anspruch auf Wahrheit performativ behauptet und gerade dadurch Einblicke in Denkstile, Wissensordnungen und rhetorische Strategien der Zeit eröffnet.
Inhaltlich gliedern sich die drei Bände in eine theoretische Begründung des Hexereiverständnisses, eine systematische Darstellung vermeintlicher Erscheinungsformen und Wirkungen sowie eine anwendungsorientierte Anleitung für Untersuchung und Prozessführung. Die erste Abteilung entfaltet Voraussetzungen von Dämonologie und Sünde; die zweite katalogisiert Verdachtsmomente und Deutungsmuster; die dritte übersetzt diese in Verfahrensregeln, Beweisarten und Fragetechniken. Spoilerfrei bleibt festzuhalten: Das Werk zielt nicht auf Erzählung, sondern auf Normierung und Handlungsanweisung, und es setzt seine Prämissen so, dass Zweifel minimiert und praktische Konsequenzen maximiert werden sollen.
Zentrale Themen sind Autorität und Wissensmacht, die Konstruktion von Abweichung, das Verhältnis von Glaube, Recht und Politik sowie die Geschlechterordnung der Zeit. Der Text zeigt, wie sich metaphysische Annahmen in forensische Kategorien verwandeln und wie epistemische Sicherheit aus religiösen Prämissen, juristischer Systematik und sozialer Kontrolle generiert wird. Zugleich tritt eine ausgeprägte Misogynie zutage, die Frauen in spezifische Verdachtsprofile einschreibt. Für heutige Leserinnen und Leser wird damit sichtbar, wie Diskurse über Gefahr, Moral und Ordnung zu sozialen Tatsachen werden – eine Einsicht, die über den historischen Fall hinausweist.
Historisch wirkte der Hexenhammer weithin als Referenzschrift in Diskursen und Praktiken der Hexereibekämpfung und wurde über Jahrhunderte neu aufgelegt. Zugleich war er nie kirchliches Dogma und blieb umstritten: Theologen, Juristen und Obrigkeiten diskutierten Annahmen, Beweise und Verfahren. Diese doppelte Wirkung – breite Rezeption bei gleichzeitiger Kritik – macht das Buch zu einer Schlüsselfolie, um die Dynamik zwischen Druckkultur, institutioneller Autorität und lokaler Rechtspraxis zu verstehen. Wer das Werk in seinem Kontext betrachtet, erkennt nicht nur seine Rezeptionsmacht, sondern auch die Risse, Gegenstimmen und Grenzen seiner Geltung.
Heute fordert die Lektüre eine bewusste, historisch informierte Distanz: Der Text dokumentiert Verfolgungslogiken, die reale Gewalt begünstigten, und enthält herabsetzende, pauschalisierende Zuschreibungen. Moderne Ausgaben bieten oft Einleitungen, Anmerkungen und Register, die beim Kontextualisieren helfen. Sinnvoll ist, das Werk als Quelle für Wissensgeschichte, Rechts- und Religionsgeschichte, Medienwandel und Geschlechterdiskurse zu lesen. In dieser Perspektive wird Der Hexenhammer weniger als zeitloser Wahrheitsanspruch denn als machtvolles, folgenreiches Argumentationssystem erkennbar, dessen Mechanismen zu verstehen hilft, wie Gesellschaften Angst, Norm und Autorität verhandeln.
Der Hexenhammer ist ein lateinischer Traktat des Dominikaners und Inquisitors Heinrich Kramer aus dem späten 15. Jahrhundert. Das Werk ist in drei Bücher gegliedert, die nacheinander die dogmatische Grundlage, die beschriebenen Praktiken und die gerichtliche Verfolgung von Hexerei behandeln. Ziel ist es, die Realität der Hexerei theologisch zu beweisen, ihre Gefährdung für Kirche und Gesellschaft zu markieren und konkrete Anweisungen für Ermittler und Richter zu liefern. Kramer positioniert sich gegen Skepsis, will Zuständigkeiten klären und ein einheitliches Vorgehen erreichen. Der Text verbindet scholastische Autoritäten, Erfahrungsberichte und juristische Praxis zu einem umfassenden Handbuch.
Band I eröffnet mit der Grundbehauptung, dass Hexerei real, wirksam und als Häresie zu behandeln sei. Kramer stützt sich auf Bibelauslegung und kirchliche Autoritäten, um zu zeigen, dass Dämonen unter Zulassung Gottes wirken und Menschen durch Pakt, Verführung und Irrtum in schwere Sünde führen. Ein zentrales Anliegen ist die Zurückweisung von Skeptikern, die Hexerei für Einbildung oder Naturphänomene halten. Durch Definitionen, Unterscheidungen und Beispiele versucht er, den Rahmen festzulegen, in dem übernatürliche Einwirkungen von natürlichen Ursachen zu unterscheiden sind, und die geistliche Autorität zur Bekämpfung des vermeintlichen Übels zu verankern.
Im weiteren Verlauf von Band I behandelt Kramer Ursachen und Bedingungen, die nach seiner Auffassung Hexerei begünstigen. Er diskutiert die Rolle des menschlichen Willens, die Wirkungen teuflischer Einflüsse und die Grenzen dämonischer Macht, die er stets der göttlichen Vorsehung unterordnet. Wiederkehrend sind Ausführungen zu angeblich typischen Dispositionen bestimmter Personengruppen, mit besonderem Augenmerk auf Geschlechterrollen und soziale Spannungen, die er moralisch deutet. Diese Thesen bilden den Hintergrund für seine Klassifikation einschlägiger Vergehen als Glaubensverrat und öffentliche Gefahr. Die argumentative Stoßrichtung besteht darin, religiöse, moralische und rechtliche Imperative miteinander zu verschränken, untrennbar.
Band II dient als Katalog der von Kramer dargestellten Praktiken, Ziele und Wirkungen von Hexerei. Er ordnet Formen des Schadens an Leib, Besitz und Gemeinschaft, beschreibt Wetterzauber, Krankheitszufügung, vermeintliche Bündnisse mit Dämonen und kultische Verfehlungen. Dabei mischt er scholastische Erörterungen mit Fallberichten und Anekdoten, um Reichweite und Ernst der Bedrohung zu illustrieren. Der Paktgedanke und die bewusste Abkehr von kirchlichen Bindungen erscheinen als Kern der Vergehen. Kramer will anhand dieser Sammlung Kriterien bereitstellen, an denen Verdacht, Gefährdung und Schuldgrad bemessen werden können, um spätere Ermittlungen zu strukturieren und Prioritäten zu setzen.
Ein eigener Schwerpunkt in Band II liegt auf Erkennungsmerkmalen, Abwehrmaßnahmen und seelsorglichen Reaktionen. Kramer diskutiert, wie angebliche Verhexungen festgestellt und von natürlichen Ursachen unterschieden werden sollen, welche religiösen Mittel – Gebet, Sakramente, kirchliche Riten – zulässig sind und welche Praktiken als abergläubisch zu meiden seien. Er adressiert die Verantwortung von Geistlichen und Laien, warnt vor unautorisierten Gegenmitteln und versucht, die Grenze zwischen erlaubter Frömmigkeit und verbotener Magie zu ziehen. Damit bereitet er den Übergang zur gerichtlichen Ebene vor, indem er Anhaltspunkte und Vorsichtsregeln für den Weg vom Verdacht zur Anklage bereitstellt.
Band III fungiert als Prozesshandbuch und regelt das Vorgehen von Amtsträgern. Kramer beschreibt Zuständigkeiten von kirchlichen Richtern und weltlichen Behörden, die Einleitung von Verfahren, Vernehmungen, Zeugenschaft, Beweiswürdigung und Urteilsfindung. Viel Raum widmet er der Frage, wann und wie Zwangsmittel eingesetzt werden dürften, wie Geständnisse zu sichern seien und wie mit Widerrufen, Fürsprechern oder Einflussnahmen umzugehen ist. Er behandelt Konflikte zwischen Gerichtsständen, appelliert an Kooperation und drängt auf Konsequenz gegenüber Widerständen und vermeintlicher Begünstigung. Ziel ist ein standardisiertes, aus seiner Sicht wirksames Verfahren, das Abschreckung, Ordnung und religiöse Reinheit fördern soll.
In der Gesamtschau verbindet der Hexenhammer spekulative Theologie, Morallehre, Fallnarrative und Prozessrecht zu einem straffen Programm der Bekämpfung von als hexerisch gedeuteten Praktiken. Das Werk wurde in der Frühen Neuzeit breit rezipiert, diente vielfach als Referenz und trug zur Systematisierung von Ermittlungs- und Verfolgungspraktiken bei, auch wenn es keine offizielle Dogmensetzung darstellt. Heute gilt es als Schlüsselquelle für die Vorstellungen, Ängste und rechtlichen Instrumente seiner Zeit. Seine nachhaltige Wirkung liegt weniger in einzelnen Einzelfällen als in der Normierung eines Deutungsrahmens, der soziale Konflikte religiös-juristisch kanalisiert und damit weit über den Text hinauswirkte.
Der Hexenhammer (Malleus Maleficarum) entstand im ausgehenden 15. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich, angesiedelt im Geflecht kirchlicher und weltlicher Institutionen. Verfasser war der Dominikaner und Inquisitor Heinrich Kramer (latinisiert Institoris), tätig in oberdeutschen und alpinen Regionen; gedruckt wurde das Werk 1487 in Speyer bei Peter Drach. Prägend waren das Papsttum mit seiner Gerichtsbarkeit, die Ordensinquisition, theologische Fakultäten und die scholastische Universitätskultur, die autoritative Gutachten und kanonisches Recht bereitstellte. Das Werk steht damit an der Schnittstelle von Klosterorden, kirchlicher Rechtspflege, frühen Druckereien und territorialer Obrigkeit innerhalb des Reichs, dessen zersplitterte Rechtsräume unterschiedliche Verfahren beförderten.
Voraus lagen spätmittelalterliche Debatten über Dämonologie und Zauberei. Der ältere Canon Episcopi hatte nächtliche Hexenfahrten als Illusion bewertet, doch scholastische Theologen wie Thomas von Aquin bejahten die reale Einwirkung von Dämonen. 1484 veröffentlichte Papst Innozenz VIII. die Bulle Summis desiderantes affectibus, die Kramer und Jakob Sprenger zur Bekämpfung von Zauberei im Reich bevollmächtigte. Kramers Ermittlungen 1485 im Raum Innsbruck führten zu Konflikten mit dem Brixner Bischof Georg Golser, der seine Tätigkeit einschränkte. Der Hexenhammer antwortet auf diese Gemengelage, indem er die theologische Begründung und prozessuale Absicherung einer energischen Verfolgung systematisch entfaltet und mit kirchenrechtlichen Autoritäten unterlegt.
Band 1 des Werkes bündelt eine scholastisch aufgebaute Argumentation für die Realität von Hexerei. Kramer führt Autoritäten wie die Bibel, Kirchenväter und Thomas von Aquin an, um die Möglichkeit eines Teufelspakts, dämonischer Beeinflussung und wirksamer Schadenszauber zu begründen. Er widerlegt Einwände, die auf den Canon Episcopi rekurrieren, und deutet Skepsis als Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Die Darstellung folgt der Quaestio‑Methode mit Thesen, Gegenargumenten und Responsionen. Damit verortet der Band das Phänomen Hexerei fest innerhalb eines spätmittelalterlichen Weltbildes, das metaphysische Ursachen, göttliche Vorsehung und kirchliche Kompetenz zur Unterscheidung von Irrtum und Wahrheit miteinander verband.
Band 2 systematisiert Formen des angeblichen Schadenszaubers (maleficia) sowie die Rolle des Teufels in Pakt, Besprechung und Verführung. Beschreibungen umfassen Ernte‑ und Wetterzauber, Schaden an Leib und Vieh sowie den behaupteten Hexensabbat. Charakteristisch ist die markante Misogynie: Der Text deutet Frauen als besonders gefährdet und greift dafür Autoritäten, Topoi und Etymologien auf. Diese Aussagen sind belegbar im Wortlaut des Werkes und prägten seine Rezeption. Zugleich spiegelt der Band die spätmittelalterliche Sorge um soziale Stabilität, indem er Hexerei als erklärende Kategorie für Krisen, Krankheit und Konflikte heranzieht und in ein kohärentes Dämonologie‑System einordnet.
Band 3 legt prozessuale Schritte dar: Zuständigkeit, Denunziation, Beweisgrade, Verhör, Einsatz der Folter nach römisch‑kanonischem Muster und Urteilsfällung. Kramer mahnt Richter, Zweifler zu bestrafen und vermeintliche Umtriebe rasch zu unterbinden; er beschreibt Prüfungen, die Geständnisse hervorbringen sollen. Vorangestellt sind die Bulle Summis desiderantes affectibus und eine Kölner Fakultätsapprobation, die in frühen Drucken erscheint, deren Authentizität jedoch in der Forschung umstritten ist. Insgesamt fungiert der Band als Handbuch, das kirchliche und weltliche Amtsträgern eine rechtliche und theologische Anleitung zur Verfolgung bietet und damit die Verschmelzung von Glaubenslehre und Strafverfahren sichtbar macht.
Das Buch erschien 1487 in Speyer und wurde im späten 15. und 16. Jahrhundert vielfach neu aufgelegt; bis 1520 zirkulierten mindestens ein Dutzend Editionen, durch den lateinischen Druck europaweit verbreitet. Traditionell wurde Jakob Sprenger als Mitautor genannt; die Forschung schreibt den Text überwiegend Kramer zu und hält Sprengers Beteiligung für zweifelhaft. Zeitgenössische und spätere Gegenstimmen sind belegbar: Johannes Weyer kritisierte 1563 in De praestigiis daemonum die Hexenlehre und Justizpraxis, Friedrich Spee prangerte 1631 in Cautio Criminalis die Prozessführung an. Gleichwohl wurde der Hexenhammer lange als Autorität zitiert, kommentiert und in Juristen‑ und Theologenkreisen herangezogen.
Der weitere Kontext war von tiefgreifenden Umbrüchen geprägt: die Verbreitung des Buchdrucks, wachsende gelehrte Kommunikation, die Reformation ab 1517 und die Konfessionalisierung der Territorien. Strafrechtlich gewann im Reich die Constitutio Criminalis Carolina von 1532 Bedeutung; sie stellte Zauberei unter Strafe und etablierte Beweis‑ und Folterregeln, die in vielen Territorien rezipiert wurden. Die großen Hexenverfolgungen erreichten im 16. und 17. Jahrhundert regionale Höhepunkte, in katholischen wie protestantischen Gebieten. Der Hexenhammer gehörte zu den Texten, die diese Entwicklung theologisch und juristisch rahmten, ohne allein ursächlich dafür zu sein, und bot Argumentations‑ und Verfahrensmuster an.
Als Kommentar seiner Epoche zeigt der Hexenhammer die Verschränkung von spätmittelalterlicher Scholastik, kirchlicher Gerichtsbarkeit und frühneuzeitlicher Staatlichkeit. Er bündelt autoritative Texte, ordnet Erfahrungsberichte in ein demonologisches Schema und propagiert ein striktes Eingreifen von Obrigkeit und Klerus. Seine Misogynie, seine Betonung der richterlichen Pflicht und sein Vertrauen in Folter als Erkenntnismittel spiegeln Normen und Ängste einer Zeit, die abweichende Praxis als Bedrohung für Gemeinde und Heil verstand. Damit liefert das Werk eine verdichtete Quelle für Mentalitäten und Institutionen des 15. und 16. Jahrhunderts und erklärt, warum es über Generationen wirkmächtig und umstritten blieb.
Was sich bei der Zauberei zusammenfindet
1. Der Teufel
2. Der Hexer oder die Hexe
3. Die göttliche Zulassung
Aus dem Lateinischen übertragen und eingeleitet von J. W. R. Schmidt
1906
Deus neque vult mala fieri, neque vult mala non fieri; sed vult permittere mala fieri. Malleus maleficarum[1] I, XII[1q].
Von der vorliegenden erstmaligen Übersetzung des Hexenhammers gilt des Horatius Sprüchlein vom »nonum prematur in annum« in ganz besonderem Maße, indem sie – wenigstens die erste Hälfte – nicht bloß neun, sondern fast zwanzig Jahre in einer stillen Ecke meines Schreibtisches geschlummert hat. Als ganz junger Student hatte ich zu meiner eigenen Belehrung begonnen, das kulturgeschichtlich so überaus wichtige Werk zu übersetzen, mußte aber, von ganz anderen Arbeiten vollauf in Anspruch genommen, bald davon abstehen, ohne zu ahnen, daß zwei Lustren vergehen sollten, ehe ganz äußerliche Beweggründe mich bewogen, das inzwischen schier vergilbte Manuskript wieder zur Hand zu nehmen. Seitdem hat sich ja im Umschwunge der Jahre manches verändert: vielfach ist aus Freude Leid, spärlich aus Leid Freude geworden; aber was meine Ansicht über den Malleus maleficarum anlangt, so bin ich nach wie vor überzeugt, daß man im allgemeinen über seine Verfasser wie über seinen Inhalt zu hart, vor allen Dingen zu einseitig geurteilt hat. Indem man es für gewöhnlich verschmähte, der Entwicklung der Idee des Teufels-und Hexenglaubens, der Ausbildung des gesamten Lehrgebäudes der Dämonologie durch viele, viele Jahrhunderte hindurch nachzuspüren, gelangte man schnell zur bedingungslosen Verurteilung des Hexenhammers, ohne sich um die Frage nach etwaigen mildernden Umständen zu kümmern. Gehörten seine Richter der protestantischen oder aber gar keiner Kirche an, so geschah es überdies leicht, daß man der katholischen Kirche die ganze Verantwortung zuschob und sich nicht genug tun konnte im Schimpfen. Wir wollen gewiß nicht übersehen, daß die Eiferer gegen den Hexenwahn brave, ehrliche Männer waren, die um so mehr Anerkennung verdienen, einer je älteren Zeit sie angehören: denn dazumal war es oft ein lebensgefährliches Wagnis, nicht an die Hexen und ihre teuflischen Werke zu glauben. Immerhin berühren uns die Expektorationen eines Hauber oder Horst einfach komisch in ihrer kläglichen Einseitigkeit. Letzterer macht gelegentlich eines Inhaltsverzeichnisses des Malleus Randglossen, die sich in einer Bierzeitung vorzüglich ausnehmen müßten; und Haubers Urteil über den Verfasser ist eine solche Kapuzinade, daß es verdient, zitiert zu werden: »Alles was man von einem Inquisitore der Ketzerey und von den damaligen Zeiten, da das Reich der Finsterniß und Bosheit auf das Höchste gestiegen war, sich nur vorstellen kan, das findet man in diesem Buch mit einander verbunden; Bosheit, Tumheit, Unbarhertzigkeit, Heucheley, Arglist, Unreinigkeit, Fabelhafftigkeit, leeres Geschwätze, und falsche Schlüsse herrschen durch und durch in dem gantzen Buch, und muß es jemand sehr sauer ankommen, ein an Sachen und Worten so elendes und boshafftes Buch durchzulesen … So dumm, so boshafft, so arglistig der Autor dieses Buch schreibet, so hart und unbarmhertzig bezeuget er sich auch. Er schreibet von der Tortur, von Verbrennen, und andern Todes-Straffen, mit einem sang froid ohne ein einiges gelindes, und von Mitleiden und Erbarmen zeugendes Wort mit einfliessen zu lassen. Mehr wie ein Hencker, als wie ein Geistlicher. Dahin gehöret die zuvor angeführte Spitzfindigkeit desselben, daß man die Tortur, welche nach den Gesetzen nicht darff iteriret, wiederholet werden, nur continuiren oder fortsetzen wolle. Zu diesem kommt die Unreinigkeit unb Garstigkeit des Autors. Er führet nicht nur allerhand ohnanständige Schertze und Mönchs-Possen an, schreibet und redet als ein Pöckel-Heering; dahin das oben gemeldete gantze Capitel von den Fehlern und Bosheiten der Frauens-Personen gehöret, welches nicht anders lautet, als wann man einige ungezogene Leute in einer Sauff-Gesellschafft reden unb ohnverständig schertzen hörete, sondern er schreibt auch in anderen Stücken auf eine so unreine Weise, und von den Dingen, die einem Mönchen ohnbekannt seyn solten, so bekannt und familiar, als wann er kein Geistlicher, sondern eine Bade-Mutter gewesen wäre, oder ein Kerl, der etliche bordels ausgeheuret hat.«
Dies Urteil ist gewiß den edelsten Regungen entsprungen, aber es beweist doch nur die Einseitigkeit dessen, der es gefällt hat. Hauber muß keinen Sinn für Humor gehabt haben; sonst hätte er über die Tirade gegen die Weiber gelacht! Übrigens stammt gerade die fulminanteste Stelle darin aus den Schriften des H. Chrysostomus, der doch wohl ein hervorragend frommer Mann war? Aber gerade als solcher wußte er recht gut, daß gerade die Weiber für die Frommen die gefährlichsten Fallstricke wären, weshalb er so eindringlich vor ihnen warnt; wobei natürlich die Farben etwas dick aufgetragen werden, damit das Gemälde um so eher auffalle. So warnte mehr denn ein Jahrtausend früher Buddha seine Jünger in beweglichen Worten vor den Frauen: »Unergründlich verborgen, wie im Wasser des Fisches Weg, ist das Wesen der Weiber, der vielgewitzten Räuberinnen, bei denen Wahrheit schwer zu finden ist, denen die Lüge ist wie die Wahrheit und die Wahrheit wie die Lüge.« »Wie sollen wir, Herr, uns gegen ein Weib benehmen?« »Ihr sollt ihren Anblick vermeiden, Ananda«. »Wenn wir sie aber doch sehen, Herr, was sollen wir dann tun?«. »Nicht zu ihr reden, Ananda.« »Wenn wir aber doch mit ihr reden, Herr, was dann?« »Dann müßt ihr über Euch selbst wachsam sein. Ananda«. ( Oldenberg, Buddha, p. 187). – Und daß ein Mönch von sexuellen Dingen keine Kenntnis haben dürfe, ist doch eine abgeschmackte Behauptung! Ist nicht den Reinen alles rein? Was sollte denn mit unseren Geistlichen werden, die sich doch für gewöhnlich eines reichen Kindersegens erfreuen, ohne daß ihnen daraus ein schimpflicher Vorwurf gemacht wird?!
Nein! Wir sind jetzt über solche kurzsichtige Beurteilung geschichtlicher Tatsachen hinaus, zumal seit den grundlegenden Arbeiten von Joseph Hansen, der in seinen »Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns und der Hexenverfolgung im Mittelalter«, Bonn 1901, in höchst verdienstlicher Weise eine Fülle von Material in Form von Originaltexten zusammengetragen hat, aus dem man sich ein historisch richtiges Bild von der Entwicklung der Hexenidee machen kann, worauf es allein ankommt. Schon die Bemerkung in der Apologia zum Hexenhammer, der zufolge sich dieses Buch durchaus nur auf den Schriften der Kirchenväter, Scholastiker und anderer Autoren aufbaut und die Verfasser desselben aus ihrem eigenen Wissen so gut wie nichts dazugetan haben, hätte vor einem zu raschen Urteile bewahren sollen. In der Tat zeigt sich uns der Malleus nur als der Schlußstein eines Baus, an dem viele Jahrhunderte gearbeitet haben; und mag dieses Gebäude eine Schmach für die Menschheit und für das Christentum sein, was kein anständiger Mensch bezweifelt – die Tatsache, daß der Malleus maleficarum eben nur die letzten Konsequenzen aus den offen zu Tage liegenden Prämissen zieht, enthält die einzig richtige und zwanglose Erklärung der Existenz jenes »düsteren« Buches und, wenn es hier überhaupt gestattet ist, davon zu reden: auch die allein zulässige Entschuldigung! Es gibt hoffentlich heutzutage niemanden mehr, der der Inquisition oder den Hexenverfolgungen noch das Wort redet, so fest auch immer, trotz der unleugbaren Errungenschaften der Wissenschaft, selbst in unseren modernen Zeiten der Glaube an Hexenwerk und Teufelsspuk die Geister weiter Kreise gefangen hält. Aber man versetze sich nur einmal in die Läge der Menschheit gegen Ende des Mittelalters: man müßte sich wundern, wenn der Hexenhammer nicht erschienen wäre! Der Boden war ja aufs beste vorbereitet. Die Gelehrten, zuerst die Kirchenväter, hatten sattsame Gelegenheit gehabt, sich mit der Person des Versuchers zu befassen, der ja bekanntlich schon im Alten Testament, gleich auf den ersten Seiten, eine so verhängnisvolle Rolle gespielt hat und immer wieder, auch im Neuen Testamente, auftaucht. Seine Taten sind in aller Gedächtnis, so daß es überflüssig erscheint, darüber noch ein Wort zu verlieren. Aber die Theorien der Gelehrten, zunächst nur den Fachgenossen vertraut und von ihnen von Geschlecht zu Geschlecht vererbt, stetig vertieft und verallgemeinert, mußten doch bald in den breiteren Schichten des Volkes dringen, wozu die Prediger das meiste beitrugen, denen natürlich der Böse ein stets willkommenes, immer neu variiertes Thema für die Predigt bedeutete; dem Volke aber ist der Teufel immer verständlicher gewesen als der Herrgott in seiner erhabenen Majestät: der Teufel in seiner Leutseligkeit, den man auch gelegentlich einmal so recht gspaß‘g prellen und zum dummen Teufel machen kann, ist recht eigentlich der Gott der kleinen Leute. Der gemeine Mann schickt in Krankheitsfällen gewiß erst zum Quacksalber oder zur Streichfrau, die »büßen« und »besprechen« kann, ehe er sich an den »Doktor« wendet: dieser steht ihm eben zu hoch. Was für ein krasser Aberglaube hat aber vor sechshundert Jahren und noch früher geherrscht!! Wir verwöhnten Söhne einer »enorm fortgeschrittenen Zeit« können uns nur sehr schwer einen Begriff davon machen, wie die damaligen Menschen ohne Dampf, Gas und Elektrizität haben leben können; ohne Buchdruckereien! Vergegenwärtigen wir uns etwa die Leistungen eines Lessing z. B. immer in richtiger Weise? Nehmen wir nicht vielmehr die Errungenschaften, die wir diesem Manne und so vielen seiner Vorfahren, Zeitgenossen und Nachfahren verdanken, als etwas ganz Selbstverständliches hin, an dessen Herleitung niemand denkt? Es ist eben Allgemeingut geworden. So war aber auch der Hexenglaube damals ein Dogma, an dessen Wahrheit zu zweifeln ein böses Ding war. Freilich gab es auch in jenen schwarzen Zeiten noch hier und da Männer, die nicht an die Lehren des Hexenhammers glaubten, gerade so wie es heute auch noch »rückständige« Leute gibt, die sich nicht entschließen können, an den Dichter und Komponisten Richard Wagner zu glauben; aber die Narren waren doch immer in der weit überwiegenden Mehrheit; und selbst große und größte Geister konnten sich, als Söhne ihrer Zeit, aus den Anschauungen des Saeculum nicht befreien, sodaß z. B. Luther fest an die Existenz der »Wechselbälge« oder »Kilkröpfe« glaubte, die man aus dem Umgange der Dämonen mit den Hexen hervorgehen ließ. Item, der Hexenglaube war schließlich epidemisch geworden, nachdem Jahrhunderte auf die Gesundheit des Geistes losgewüstet hatten. Hansen führt aus der Zeit von 1258 bis 1526 siebenundvierzig päpstliche Erlasse auf, die sich gegen das Zauber-und Hexenwesen wenden, und aus den Jahren 1270-1540 sechsundvierzig Nummern aus der sonstigen Litteratur zur Geschichte des Hexenwahns. Darunter sind zu nennen: Arnaldus de Villanova, De maleficiis; Zanchinus Ugolini, Super materia haereticorum; Spicilegium daemonolatriae; Bertramus Teuto, De illusionibus daemonum; Raimundus Tarrega, De invocatione daemonum; Nicolaus von Jauer, Tractatus de superstitionibus; Johannes Nider, Formicarius; Johannes Wunschilburg, Tractatus de superstitionibus; Johannes de Mechlinia, Utrum perfecta dei Opera possint impediri daemonis malicia; Nicolaus Jacquerius, Flagellum haereticorum fascinariorum; Johann Tinctoris, Sermo de secta Vaudensium; Hieronymus Vicecomes, Lamiarum sive striarum opusculum; Flagellum maleficorum editum per … Petrum Mamoris; Marianus Socinus, Tractatus de sortilegiis; Ambrosius de Vignate, Tractatus de haereticis; Johann Vincentii, Liber adversus magicas artes …; Bernard Basin, Tractatus de artibus magicis ac magorum maleficiis; Angelus Politianus, Lamia. Die Verfasser des Hexenhammers berufen sich auf eine ganze Reihe von Gewährsmännern – abgesehen von der Bibel, die sehr häufig zitiert wird, um die Existenz von Dämonen, Hexen und Hexenwerk solemniter zu beweisen. – Die Frankfurter Ausgabe von 1588 nennt sie in dieser Reihenfolge: Dionysius Areopagita, Joannes Chrysostomus, Joannes Cassianus, Joannes Damascenus, Heraclides, Hilarius, Augustinus, Gregorius papa primus, Isidorus, Itinerarium Clementis, Remigius, Albertus Magnus, Thomas Aquinas, Bernardus Abbas, Bonaventura, Antonius, Petrus de Bonaventura, Petrus Damianus, Nicolaus de Lyra, Glossa ordinaria, Paulus Burgensis, Magister Historiarum, Magister Sententiarum, Vincentius Beluacensis, Guilelmus Parisiensis, Petrus de Palude, Petrus de Taranthasia, Scotus, Guido Carmelita, Alexander de Ales, Joannes Nider, Rabbi Moses, Compendium Theologicae veritatis, Vitae sanctorum patrum, Concilia, Jura Canonica, Boetius, Hostiensis, Gratianus, Thomas Brabantinus, Raymundus, Ubertinus, Goffredus, Caesareus, Bernardus. Schon diese Fülle von Vorgängern und Gewährsmännern des Hexenhammers, unter denen sich ja eine Reihe glänzender Namen findet, läßt den selbständigen Anteil seiner Verfasser als gering vermuten; eine genaue Vergleichung des Malleus aber mit seinen Quellen, Wort für Wort, würde wahrscheinlich das Verdienst des Heinrich Institoris und seines Kollegen noch um ein gut Stück herabdrücken. Haben sie doch nicht einmal den Titel als ihr Eigentum zu beanspruchen! Die Bezeichnung Malleus haereticorum war nach Hansen, Quellen 361, schon um das Jahr 400 dem heiligen Hieronymus beigelegt worden, und verschiedene, einer späteren Zeit angehörende Eiferer für den Glauben führten diesen Beinamen: der Bischof Hugo von Auxerre (um 1200), Robert le Bougre (um 1235), Bernhard von Caux (um 1320), Gerhard Groot (am Ende des 14. Jahrhunderts): als Titel eines Buches aber finden wir die drastische Bezeichnung »Malleus« um 1420, indem ein Inquisitor, Johann von Frankfurt, einem seiner Bücher den Titel Malleus iudaeorum gab.
Aber trotzdem Heinrich Institoris, den man jetzt als den Verfasser des Hexenhammers annehmen muß, sich aller Waffen bedient, die heilige und profane Überlieferung Scholastiker und Inquisitoren geliefert haben, wenn es auch im Einzelnen nicht ohne weiteres ganz klar ist, wie weit denn nun eine direkte oder bloß eine indirekte Benutzung vorliegt, d.h. wie viel reines Zitat ist und was einfach stillschweigendes Übernehmen, so hat er doch erfahren müssen, daß er auch zu seiner dunklen Zeit noch Leute gab, die sich vom Teufel nicht reiten ließen und an den Hexenwahn nicht bedingungslos glauben wollten. Das zeigte sich sehr deutlich, als es sich darum handelte, dem fertiggestellten Malleus maleficarum dadurch noch mehr Ansehen zu geben, daß man das Buch unter der Ägide eines Universitätsgutachtens in die Welt schickte. Man wandte sich also mit einem entsprechenden Gesuch an diejenige Alma Mater, die dazumal sich eines besonderen Rufes erfreute: Köln. Der zeitige Dekan, Lambertus de Monte[5], fällte denn auch ein Urteil, aber in ziemlich reservierter Weise: »in der Anerkennung des theoretischen Teils des Malleus ist es maßvoll, in der Beurteilung des praktischen Teils zieht es sich ganz hinter die sichere Schutzwand der kirchlichen Canones zurück, im allgemeinen endlich betont es nachdrücklich, daß der Inhalt des Buches nur für einen engen, nicht für einen allgemeinen Leserkreis passend sei. Es ist ein Gutachten, wie man es von Durchschnittstheologen jener Tage, deren geistiges Niveau in Sachen des Hexenwahns auf der Höhe ihrer Zeit lag, erwarten kann; ein Gutachten, das aber trotz seiner milden Fassung nur die Unterschrift von vier Professoren der Kölner Hochschule trägt, ein Gutachten, das in seiner verklausulierten Art den Verfassern des Hexenhammers, denen eine warme Empfehlung ihres Werkes von autoritativer Seite Bedürfnis war, keineswegs genügte.« ( Hansen, Westdeutsche Zeitschrift XVII, 152.) In der Tat sind die Autoren des Malleus nicht mit diesem für sie gar zu farblosen Zeugnis zufrieden gewesen. Sie brauchten eben etwas Zugkräftiges, nachdem Heinrich Institoris so zu sagen am eigenen Leibe hatte erfahren müssen, daß selbst die Bulle Innozenz[2]’ VIII. nicht imstande gewesen war, ihn vor einem bösen Fiasko zu bewahren, indem er bei dem Versuche, in Innsbruck die Vollmachten dieser Bulle ins Praktische umzusetzen und (Juli 1485) einen Hexenprozeß in Szene zu setzen, nur Spott und Hohn erntete und es nur dem verständigen Bischof von Brixen, Georg Golser, zu danken hatte, daß es ihm nicht noch schlimmer bei seinem ersten Debüt erging: Der gute Bischof bekomplimentierte ihn schließlich höflichst, aber ganz energisch zum Lande hinaus, wobei er die Äußerung tat: »er bedunkt mich propter senium ganz kindisch sein worden, als ich in hie zu Brixen (Juli 1485) gehört hab cum capitulo.«
Um sich gegen ähnliche böse Erfahrungen zu schützen, glaubten die Verfasser des Hexenhammers sich eben mit einem Gutachten der damals so berühmten Kölner theologischen Fakultät wappnen zu müssen; und da dies für ihre Zwecke nicht günstig genug ausfiel, fälschte man ein zweites und heftete es dem neu erscheinenden Buche als Talisman vor; klugerweise allerdings nur einem Teile der Auflage, die für Köln und Umgebung nicht berechnet war, um vorzeitige Entdeckung zu verhüten. (Alle Einzelheiten bei Hansen, l.c. 133 ff.) Da dieses Gutachten überaus interessant und wichtig ist, lasse ich es hier in Text und Übersetzung folgen.
Sequitur in sequentem tractatum Approbatio et subscriptio doctorum almae universitatis Coloniensis iuxta formam publici instrumenti.
In nomine domini nostri Jesu Christi amen. Noverint universi praesens publicum instrumentum lecturi, visuri et audituri, quod anno a nativitate eiusdem domini nostri 1487, indictione quinta, die vero Sabbati, decima nona mensis Maii, hora quinta post meridiem vel quasi, pontificatus sanctissimi in Christo patris et domini nostri, domini Innocentii divina Providentia papae octavi anno tertio, in mei notarii publici et testium infra scriptorum ad hoc specialiter vocatorum et rogatorum praesentia personaliter constitutus venerabilis et religiosus frater Henricus Institoris, sacrae theologiae Professor ordinis Praedicatorum, hereticae pravitatis inquisitor a sancta sede apostolica una cum venerabili et religioso fratre Jacobo Sprenger, etiam sacrae theologiae professore ac conventus Praedicatorum Coloniensium priore, collega suo specialiter deputatus, pro se et dicto collega suo proposuit et dixit, quod modernus summus pontifex, scilicet dominus Innocentius, papa praefatus, per unam patentem bullam commisit ipsis inquisitoribus Henrico et Jacobo, ordinis Praedicatorum et sacrae theologiae professoribus praedictis, facultatem inquirendi apostolica auctoritate super quascumque hereses, praecipue autem super heresim maleficarum modernis temporibus vigentem, et hoc per quinque ecclesias metropolitanas, videlicet Moguntinam, Coloniensem, Treverensem, Saltzburgensem et Bremensem, cum omni facultate contra tales procedendi usque ad ultimum exterminium, iuxta tenorem bullae apostolicae, quam suis habebat in manibus, sanam, integram, illaesam et non viciatam, sed omni prorsus suspicione carentem. Cuius quidem tenor bullae sic incipit: »Innocentius episcopus servus servorum Dei. Ad futuram rei memoriam. Summis desiderantes[3] affectibus, prout pastoralis sollicitudinis cura requirit, ut fides catholica nostris potissime temporibus ubique augeatur et floreat« etc.; finit autem sic: »Datum Romae apud sanctum Petrum anno incarnationis dominicae millesimo quadringentesimo octuagesimo quarto, nonis decembris, pontificatus nostri anno primo.«
Et quia nonnulli animarum rectores et verbi dei praedicatores publice in eorum sermonibus ad populum asserere et affirmare non verebantur, malificas non esse, aut quod nihil in nocumentumm creaturarum quacumque operatione efficere possent, ex quibus incautis sermonibus nonnunquam seculari brachio ad puniendum huiusmodi maleficas amputabatur facultas, et hoc in maximum augmentum maleficarum et confortationem illius heresis, ideo praefati inquisitores, totis eorum viribus cunctis periculis et insultibus obviare volentes, tractatum quendam non tantum Nach Hansens Vorschlag statt des tam der Ausgaben. studiose quantum et laboriose collegerunt, in quo non tantum Nach Hansens Vorschlag statt des tam der Ausgaben. huiusmodi praedicatorum ignorantiam pro catholica fidei conservatione repellere nisi sunt, quantum etiam in exsterminium maleficarum debitos modos sententiandi et easdem puniendi, iuxta dictae bulle tenorem et sacrorum canonem instituta, laborarunt. At quoniam consonum rationi est, ut ea quae pro communi utilitate fiunt, etiam communi approbatione doctorum roborentur, ideo ne praefati rectores discoli et praedicatores sacrarum literarum ignari estimarent, praedictum tractatum, sic ut praemititur collectum, mius bene doctorum determinationibus et sententiis fulcitum, eundem almae universitati Coloniensi seu nonnullis ibidem sacrae paginae professoribus ad discutiendum et collacionandum obtulerunt, ut si qua reprehensibilia et a catholica veritate dissona reperirentur, eorum iudicio Nach Hansens Vorschlag für das »iudice« der Ausgaben. sic refutarentur, quod tarnen consona catholicae veritati approbarentur. Quod et subscriptis modis factum fuit.
In primis egregius dominus Lambertus de Monte manu sua propria se subscripsit prout sequitur: »Ego Lambertus de Monte, sacrae theologiae humilis Professor, decanus pro tempore facultatis sacrae paginae eiusdem studii Coloniensis, fateor hac manu mea propria, istum tractatum tripartitum per me lustratum et deligenter collationatum quoad eius partes duas primas nihil continere, saltim meo humili iudicio, quod sit contrarium aut sententiis non errantium philosophorum aut contra veritatem sanctae catholicae et apostolicae fidei, aut contra doctorum determinationes a sancta ecclesia approbatorum aut admissorum. Tertia etiam pars utique sustinenda et approbanda, quoad illorum hereticorum punitiones, de quibus tractat, in quantum sacris canonibus non repugnat. Iterum propter experimenta in hoc tractatu narrata, quae utique propter famam tantorum virorum praecipuorum etiam inquisitorum creduntur esse vera, consulendum tamen videtur, quod iste tractatus doctis et viris zelosis, qui ex eo sana, varia et matura consilia in exterminium maleficarum conferre possunt, communicetur, simul et ecclesiarum rectoribus timoratis et conscientiosis dumtaxat, ad quorum doctrinam subditorum corda in odium tam pestifere heresis incitari poterunt, ad cautelam bonorum pariter et malorum inexcusabilitatem atque punitionem, ut sic misericordia in bonis et iustitia in malis luce clarius pateat, et in omnibus deus magnificetur, ipso praestante, cui laus et gloria«.
Deinde ad idem venerabilis magister Jacobus de Stralen etiam propria manu sua se subscripsit in hunc modum: »Ego Jacobus de Stralen, sacra theologiae Professor minimus, post visitationem tractatus memorati sentio conformiter per omnia his, quae per venerabilem magistrum nostrum Lambertum de Monte, decanum sacrae theologiae, superius annotata sunt, quod attestor hac scriptura manus meae, ad dei laudem«.
Pariformiter eximius magister Andreas de Ochsenfurt etiam propria manu se subscripsit ut infra: »Conformiter mihi Andreae de Ochsenfurt, sacrae theologiae professori novissimo, videtur censendum de materia oblati tractatus, quantum prima facie apparuit, quod contestor manus meae scriptura ad finem in eodem expressum promovendum.«
Consequenter autem egregius magister Thomas de Scotia similiter se propria manu sua subscripsit, prout sequitur: »Ego Thomas de Scotia, sacrae theologiae doctor licet immertius, conformiter sentio per omnia venerabilibus magistris nostris praecedentibus in materia praefati tractatus per me examinati, quod attestor manu propria mea.«
Subsequenter et secunda subscriptio contra praefatos praedicatores incautos sie acta fuit. In primis positi fuerunt articuli prout sequitur: Primo: inquisitores haereticae pravitatis deputatos auctoritate sedis apostolicae iuxta formam canonum commendant magistri sacrae theologiae subscripti et hortantur, quod dignentur prosequi cum zelo eorum officium.
Secundo: quod maleficia posse fieri permissione divina ex cooperatione diaboli per maleficos aut maleficas non est contrarium fidei catholicae, sed consonum dictis sacrae scripturae, immo necessarium est, iuxta sententias sanctorum doctorum illa quandoque posse fieri admittere.
Tertio: praedicare ergo, maleficia non posse fieri erroneum est, quia sic praedicantes impediunt quantum in eis est opus pium inquisitorum in praeiudicium salutis animarum. Secreta tarnen quae quandoque ab inquisitoribus audiuntur, non sunt omnibus revelanda.
Ultimo: exhortandi veniunt omnes principes et quicunque catholici, ut assistere dignentur tam piis votis inquisitorum pro defensione sanctae catholicae fidei.
Demum vero subscripti et suprascripti doctores praedictae facultatis theologiae manibus propriis se subscripserunt, prout ego Arnoldus notarius infrascriptus ex relatione honesti Johannis Vorda de Mechlinia, almae universitatis Coloniensis bedelli iurati, qui mihi hoc retulit, audivi, et (ut ex manibus etiam supra et infra scriptis apparuit) vidi, in hunc qui sequitur modum: »Ego, Lambertus de Monte, sacrae theologiae humilis Professor, ita sentio ut praescribitur, teste hac manu mea propria, pro tempore decanus. Ego, Jacobus de Stralen, sacrae theologiae professor minimus, ita sentio ut supra scribitur, quod testificor manu mea propria. – Ego, Udalricus Kridwiss de Esslingen, sacrae theologiae professor novissimus, ut praescriptum est, ita sentiendum, hac manus propriae scriptura censeo. – Et ego, Conradus de Campis, sacrae theologiae professor humillimus, prout supra cum maioribus meis in idem concurro iudicium. – Ego, Cornelius de Breda, minimus professor, ita sentio, ut praescriptum est, quod testificor manu mea propria. – Ego, Thomas de Scotia, sacrae theologiae professor licet immeritus, conformiter sentio venerabilibus professoribus praescriptis, teste manu mea propria. – Ego, Theodericus de Bummell, sacrae theologiae humillimus professor, ita sentio sicut praescriptum est per magistros meos praescriptos, quod testor manu mea propria. – In assertione articulorum praescriptorum conformis iudicii sum cum venerandis magistris nostris, praeceptoribus meis, ego, Andreas de Ochsenfurt, sacrae theologiae facultatis Professor ac theologorum universitatis Coloniensis collegii minimus.«
Novissime autem et finaliter iam dictus venerabilis et religiosus frater Henricus Institoris inquisitor habuit et tenuit in suis manibus quandam aliam literam pergameneam serenissimi regis Romanorum, sigillo suo rubeo rotundo in capsa cerae glaucae impressa impressula pergameni inferius impedente sigillatam, sanam et integram, non viciatam, non cancellatam neque in aliqua sui parte suspectam, sed omni prorsus vicio et suspicio carentem, ita quod in faciliorem expeditionem huius negotii fidei idem Serenissimus dominus Romanorum rex praefatus ipsam eandem bullam apostolicam supra tactam tanquam christianissimus princeps tueri et defendere voluit atque vult, et ipsos inquisitores in suam omnimodam protectionem suscipit, mandans et praecipiens omnibus et singulis Romano imperio subditis, ut in executione talium negociorum fidei ipsis inquisitoribus omnem favorem et assistentiam exhibeant ac alias faciant, prout in eadem litera plenius continetur et habetur. Cuius quidem literae regalis principium et finis hic infra annotantur in hunc modum: »Maximilianus divina favente dementia Romanorum rex semper augustus, archidux Austriae, dux Burgundiae, Lotharingae, Brabantiae, Limburgiae, Lutzenburgiae et Gelriae, comes Flandriae« etc. Finis vero: »Datum in oppido nostro Bruxellensi, nostro sub sigillo, mensis Novembris die sexta anno domini millesimo quadringentesimo octuagesimo sexto, regni nostri anno primo«.
De et super quibus praemissis omnibus et singulis iam dictus venerabilis et religiosus frater Henricus inquisitor pro se et collega suo antedicto ipsis a me notario publico supra et infra scriptio fieri et confici unum vel plura publicum seu publica instrumentum et instrumenta in meliori forma petiit. Acta sunt haec Coloniae in domo habitationis venerabilis magistri Lamberti de Monte praedicti infra emunitatem ecclesiae sancti Andreae Coloniensis sita, in camera negociorum et studii eiusdem magistri Lamberti inferius, sub anno domini, indictione, mense, die, horis et pontificatu quibus supra, presentibus ibidem praedictis magistro Lamberto et Johanne bedello, necnon honestis viris Nicolao Cuper de Venroide, venerabilis curiae Coloniensis notario iurato, et Christiano Wintzen de Eusskirchen clerico Coloniensis dioecesis, testibus ad praemissa fide dignis rogatis et requisitis.
Et ego Arnoldus Kolich de Eusskirchen, clericus Coloniensis iuratus, quia praemissis omnibus et singulis, dum sic ut praemittitur fierent et agerentur, una cum praenominatis testibus praesens fui eaque sic fieri vidi et, ut praefertur, ex relatione bedelli audivi, idcirco praesens publicum instrumentum manu mea propria scriptum et ingrossatum exinde confeci, subscripsi, publicavi et in hanc publicam formam redegi, signoque et nomine meis solitis et consuetis signavi rogatus et requisitus, in fidem et testimonium omnium et singulorum praemissorum.
»Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen! Wissen sollen alle, die das gegenwärtige öffentliche Instrument lesen, sehen und hören werden, daß im Jahre der Geburt ebendieses unseres Herrn 1487, in der fünften Indiktion, am Sabbathtage, am 19. Mai, um fünf Uhr Nachmittags oder so, im dritten Jahre des Pontifikates des in Christo geheiligtsten Vaters und Herrn, des Herrn Innozenz, durch die göttliche Vorsehung als Papst der achte, in meiner, als öffentlichen Notars, und der unterzeichneten, hierzu besonders gerufenen und gebetenen Zeugen Gegenwart der persönlich erschienene ehrwürdige und fromme Bruder Henricus Institoris, der heiligen Theologie Professor, vom Orden der Prediger, als Inquisitor der ketzerischen Verkehrtheit vom heiligen Stuhle zugleich mit dem ehrwürdigen und frommen Bruder Jacob Sprenger, ebenfalls der heiligen Theologie Professor und Prior des Kölnischen Prediger-Konvents, als seinem Kollegen besonders abgeordnet, für sich und seinen genannten Kollegen vorlegte und sagte, daß der gegenwärtige höchste Pontifex, nämlich Herr Innozenz, der vorerwähnte Papst, durch eine Patent-Bulle den Inquisitoren Henricus und Jakob, den vorgenannten (Mitgliedern) vom Predigerorden und der heiligen Theologie Professoren, aus apostolischer Hoheit die Befugnis übertragen habe, über alle beliebigen Ketzereien zu inquirieren, vornehmlich aber über die in jetzigen Zeiten gedeihende Ketzerei der Hexen, und zwar durch fünf Metropolitankirchen, nämlich von Mainz, Köln, Trier, Salzburg und Bremen, mit aller Befugnis, gegen solche bis zur letzten Vertilgung vorzugehen, nach dem Wortlaut der apostolischen Bulle, die er in seinen Händen hatte, richtig, vollständig, unbeschädigt und nicht fehlerhaft, sondern durchaus frei von aller Verdächtigkeit. Der Wortlaut dieser Bulle beginnt so: »Innozenz Bischof, ein Knecht der Knechte Gottes. Zu künftigem Gedächtnis der Sache. Indem wir mit der höchsten Begierde verlangen, wie es die Sorge unseres Hirtenamtes erfordert, daß der katholische Glaube vornehmlich zu unseren Zeiten allenthalben vermehrt werden und blühen möge« etc.; er schließt aber so: »Gegeben in Rom zu St. Peter, im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1484, den 5. Dezember, im ersten Jahre unseres Pontifikates«.
Und weil einige Seelsorger und Prediger des Wortes Gottes öffentlich in ihren Predigten an das Volk zu behaupten und zu versichern sich nicht scheuten, es gäbe keine Hexen, oder könnten durch keinerlei Betätigung etwas zum Schaden der Kreaturen ausrichten, infolge welcher unvorsichtigen Predigten bisweilen dem weltlichen Arme zur Bestrafung derartiger Hexen die Befugnis abgeschnitten wurde, und zwar zur größten Vermehrung der Hexen und Stärkung dieser Ketzerei, deshalb haben die vorerwähnten Inquisitoren, in dem Wunsche, mit ihren ganzen Kräften allen Gefahren und Anfällen zu begegnen, eine ebenso gelehrte, wie fleißige Abhandlung zusammengestellt, in welcher sie nicht nur bestrebt gewesen sind, zur Erhaltung des katholischen Glaubens die Unwissenheit solcher Prediger zurückzuweisen, sondern auch zur Vertilgung der Hexen die gebührenden Arten, sie abzuurteilen und zu bestrafen, nach dem Wortlaut der genannten Bullen und der heiligen Canones, ausgearbeitet haben. Da es aber der Vernunft entspricht, daß das, was zum allgemeinen Nutzen geschieht, auch durch eine allgemeine Billigung seitens der Gelehrten gestärkt werde, so haben sie deshalb, damit nicht die vorerwähnten morosen Seelsorger und der heiligen Schriften unkundigen Prediger meinten, die vorerwähnte, wie vorausgeschickt zusammengestellte, Abhandlung wäre zu wenig durch die Gutachten und Meinungen der Gelehrten wohlgestützt, sie der hohen Universität Köln resp. einigen der dortigen Professoren des heiligen Wortes zur Erörterung und Vergleichung vorgelegt, damit, wenn sich etwas Tadelnswertes und von der katholischen Wahrheit Abweichendes fände, es durch ihr Gutachten so widerlegt würde, daß dabei doch das mit der katholischen Wahrheit Übereinstimmende gebilligt würde. Das ist denn auch in der Art, wie unten steht, geschehen.
Zuerst hat sich der ausgezeichnete Herr Lampertus de Monte mit seiner eigenen Hand unterschrieben wie folgt: »Ich, Lampertus de Monte, der heiligen Theologie geringer Professor, zur Zeit Dekan der Fakultät des heiligen Wortes ebendesselben Studiums zu Köln, bekenne, mit dieser meiner eigenen Hand, daß dieser von mir durchgesehene und fleißig verglichene Traktat in drei Teilen bezüglich seiner beiden ersten Teile – wenigstens nach meinem bescheidenen Urteile – nichts enthält, was den Ansichten der Philosophen, soweit sie nicht irren, entgegen sei oder gegen die Wahrheit des heiligen katholischen und apostolischen Glaubens oder gegen die Entscheidungen der von der heiligen Kirche gebilligten oder zugelassenen Gelehrten sei. Auch der dritte Teil ist durchaus zu halten und zu billigen bezüglich der Bestrafungen jener Ketzer, worüber er handelt, sofern er den heiligen Canones nicht widerstreitet. Ferner scheint wegen der Erfahrungen, die in diesem Traktate erzählt werden, die um des Rufes so großer, hervorragender Männer, und auch Inquisitoren willen für wahr gehalten werden, doch der Rat gegeben werden zu müssen, daß dieser Traktat (nur) gelehrten und eifrigen Männern, die daraus gesunde, mannigfache und reife Ratschläge zur Vernichtung der Hexen beibringen können, mitgeteilt werde, ebenso auch den Rektoren der Kirchen, wenigstens den furchtsamen und gewissenhaften, auf deren Belehrung hin die Herzen der Unterstellten zum Hasse gegen eine so pestbringende Ketzerei entflammt werden können, zum Schutze der Guten gleichermaßen wie zur Unentschuldbarkeit und Bestrafung der Bösen, damit sich so die Barmherzigkeit an den Guten und die Gerechtigkeit an den Bösen heller wie der Tag ergebe und in allem Gott verherrlicht werde, dem Lob und Ruhm gebührt.« – Danach unterschrieb sich in demselben Sinne der ehrwürdige Magister Jacobus de Stralen, ebenfalls mit seiner eigenen Hand, in dieser Weise: »Ich, Jacobus de Stralen, der heiligen Theologie geringster Professor, denke nach Prüfung des erwähnten Traktates in allem übereinstimmend mit dem, was unser ehrwürdiger Magister Lambertus de Monte, Dekan der heiligen Theologie, oben angemerkt hat, was ich mit dieser Schrift meiner Hand bezeuge zum Lobe Gottes.« – Gleichermaßen unterschrieb sich der hervorragende Magister Andreas de Ochsenfurt, auch mit eigener Hand, wie unten: »Übereinstimmend scheint mir, Andreas de Ochsenfurt, jüngstem Professor der heiligen Theologie, über den Inhalt des vorgelegten Traktates zu urteilen zu sein, so weit es sich beim ersten Einblick ergeben hat; was ich mit der Schrift meiner Hand bekräftige zur Förderung des in jenem ausgedrückten Zieles.« – In der Folge aber unterschrieb sich auch der hervorragende Magister Thomas de Scotia ähnlich mit seiner eigenen Hand, wie folgt: »Ich, Thomas de Scotia, der heiligen Theologie obzwar unwürdiger Doctor, denke in allem übereinstimmend mit unseren vorstehenden ehrwürdigen Magistern bezüglich des Inhaltes des vorgenannten, durch mich geprüften Traktates, was ich mit meiner eigenen Hand bezeuge.«
Weiterhin ist noch eine zweite Unterschrift gegen die vorgenannten unvorsichtigen Prediger also verhandelt worden: Zuerst wurden, wie folgt, (vier) Artikel aufgestellt: Erstens, die unterzeichneten Magister der heiligen Theologie empfehlen die durch die Autorität des apostolischen Stuhles gemäß der Form der Canones abgeordneten Inquisitoren der ketzerischen Verkehrtheit und ermahnen sie, sie möchten belieben, ihr Amt mit Eifer zu verwalten. Zweitens, daß Behexungen geschehen können mit göttlicher Zulassung infolge der Mitwirkung des Teufels, durch Hexer oder Hexen, ist nicht dem katholischen Glauben zuwider, sondern stimmt zu den Aussagen der heiligen Schrift; im Gegenteil ist es nötig, auf Grund der Ansichten der heiligen Gelehrten zuzugeben, daß sie bisweilen geschehen können. Drittens, predigen also, daß Behexungen nicht geschehen können, ist irrig, weil auf diese Weise die Predigenden, so viel an ihnen ist, das fromme Wort der Inquisitoren zum Schaden des Heiles der Seelen hindern. Die Geheimnisse jedoch, die die Inquisitoren bisweilen hören, sind nicht allen zu enthüllen. Letztens, alle Fürsten und Katholiken allerlei sollen ermahnt werden, sie möchten belieben, den so frommen Wünschen der Inquisitoren für die Verteidigung des heiligen katholischen Glaubens beizustehen.
Demnächst haben sich die unterzeichneten und oben unterzeichneten Doktoren der vorerwähnten theologischen Fakultät mit eigener Hand unterschrieben, wie ich, Arnold, der unterzeichnete Notar, aus dem Berichte des ehrenwerten Johannes Vörde von Mecheln, vereidigten Pedellen der hohen Universität Köln, der mir dies berichtet hat, gehört und, wie es sich aus den oben und unten geschriebenen Handschriften ergeben hat, gesehen habe; in dieser Weise, wie folgt: »Ich, Lambertus de Monte, der heiligen Theologie bescheidener Professor, denke so, wie oben geschrieben steht, was diese meine eigene Hand bezeugt. Derzeit Dekan.« – »Ich, Jacobus de Stralen, der heiligen Theologie geringster Professor, denke so, wie oben geschrieben steht, was ich mit meiner eigenen Hand bezeuge.« – »Ich, Udalricus Kridwiss von Eßlingen, der heiligen Theologie jüngster Professor, erkenne mit dieser Schrift der eigenen Hand, daß man so denken müsse, wie oben geschrieben steht.« – »Und ich, Conrad von Campen, der heiligen Theologie demütigster Professor, stimme mit meinen größeren (Kollegen) wie oben in demselben Urteil überein.« – »Ich, Cornelius de Breda, der geringste Professor, denke so, wie oben steht, was ich mit meiner eigenen Hand bezeuge.« – »Ich, Thomas de Scotia, der heiligen Theologie ob zwar unwürdiger Professor, denke übereinstimmend mit den ehrwürdigen, vorher unterzeichneten Professoren, was meine eigene Hand bezeugt.« – »Ich, Theoderich de Bummel, der heiligen Theologie demütigster Professor, denke so, wie es durch meine vorher unterzeichneten Magister oben geschrieben steht; was ich mit meiner eigenen Hand bezeuge.« – »In der Bejahung der vorgeschriebenen Artikel bin ich im Urteil in Übereinstimmung mit unseren ehrwürdigen Magistern, meinen Lehrern, ich, Andreas de Ochsenfurt, der heiligen theologischen Fakultät Professor und geringster des Kollegiums der Theologen der Universität Köln.«
Neuestens aber und schließlich hatte und hielt der schon genannte ehrwürdige und fromme Bruder Heinrich Institoris, der Inquisitor, in seinen Händen noch einen anderen Pergamentbrief, vom allergnädigsten König der Römer, mit seinem roten runden Siegel, dessen Abdruck, in eine Kapsel von blauem Wachs gedrückt, unten am Pergament herabhing, gesiegelt, heil und unversehrt, nicht beschädigt, nicht kanzelliert, noch irgend in einem Teile verdächtig; sondern durchaus frei von jedem Fehler und Verdächtigkeit; daß zur leichteren Ausführung dieses Glaubensgeschäftes eben dieser allergnädigste Herr, der vorgenannte König der Römer, eben diese oben erwähnte apostolische Bulle als christlicher Fürst schützen und verteidigen wollte und wolle, und die Inquisitoren selbst in seinen allseitigen Schutz nimmt, indem er allen und jeden dem römischen Reiche Untergebenen aufträgt und vorschreibt, daß sie bei der Ausführung solcher Angelegenheiten des Glaubens den Inquisitoren selbst jede Begünstigung und Beihilfe leisten und auch sonst danach handeln, wie es in ebendem Briefe ausführlicher enthalten ist und steht. Anfang und Ende dieses königlichen Briefes werden hier unten angemerkt in folgender Weise: »Maximilian, durch Gunst der göttlichen Gnade König der Römer, allzeit Mehrer des Reichs, Erzherzog von Östreich, Herzog von Burgund, Lothringen, Brabant, Limburg, Luxemburg und Geldern, Graf von Flandern« etc. Das Ende aber: »Gegeben in unserer Stadt Brüssel, unter unserem Siegel am 6. November des Jahres des Herrn 1486, im ersten Jahre unserer Regierung.«
Betreffs und bezüglich aller und jeder dieser vorgemeldeten (Geschehnisse) bat der schon genannte ehrwürdige und fromme Bruder, der Inquisitor Heinrich für sich und seinen vorgenannten Kollegen, es sollten von mir, dem über-und unterzeichneten öffentlichen Notar, ein öffentliches Instrument in besserer Form gemacht und angefertigt werden. Verhandelt ist dies zu Köln im Wohnhause des vorerwähnten ehrwürdigen Magisters Lambertus de Monte, welches innerhalb des Sprengers der Kirche des heiligen Andreas von Köln liegt, im Geschäfts-und Studierzimmer desselbigen Magisters Lambertus, unter Jahr des Herrn, Indiktion, Monat, Tag, Stunde und Pontifikat wie oben, in Gegenwart der vorgenannten, des Magister Lambertus und des Pedellen Johannes, indem außerdem noch die ehrenhaften Männer Nicolaus Cuper von Venroid, beeidigter Notar der ehrwürdigen Kurie zu Köln, und Christian Wintzen von Eußkirchen, ein Kleriker der Diözese Köln, als glaubwürdige Zeugen für das Obgemeldete gebeten und ersucht worden waren.
Und weil ich, Arnold Kolich von Eußkirchen, beeidigter Kleriker von Köln, bei allem und jedem des Vorausgeschickten, während es so, wie vorausgeschickt wird, geschah und verhandelt wurde, zugleich mit den vorgenannten Zeugen gegenwärtig gewesen bin und es so habe geschehen sehen und, wie vorerwähnt ist, aus dem Berichte des Pedellen gehört habe, habe ich deshalb gegenwärtiges öffentliches Instrument, mit meiner eigenen Hand aufgezeichnet und stattlich geschrieben, danach vollendet, unterschrieben, vorgelesen und in diese öffentliche Form gebracht und mit meinem gewöhnlichen und gewohnten Siegel und Namen, gebeten und ersucht, unterzeichnet, zur Glaubwürdigkeit und Bezeugung aller und jeder vorerwähnten Punkte«.
So waren auch die letzten Schwierigkeiten glücklich überwunden, die dem Malleus bei seiner zerhämmernden Tätigkeit noch im Wege standen. Auch das einzig Neue oder doch wenigstens nicht allgemein Anerkannte, was der Hexenhammer als sicher hinstellte, war jetzt für die grosse Menge amtlich beglaubigt und sanktioniert! Es war dies erstens die Behauptung, daß die Hexen wirklich und wahrhaftig ausführen; eine Frage, die damals viel erörtert und je nachdem bejaht oder verneint wurde; die Bulle Innozenz’ VIII., die »Hexenbulle[4]«, sanktioniert diese Hexenfahrten etc. nicht! Der zweite Punkt, der sich in Gegensatz zum kanonischen Rechte setzte, demzufolge bußfertige, nicht rückfällige Ketzer zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurden, aber nicht verbrannt werden durften, bestand in der Lehre, daß die Inquisitoren selbst bußfertige, ihre Ketzerei abschwörende Hexen ihrer besonderen Boshaftigkeit willen unter allen Umständen dem Scheiterhaufen überliefern durften, was sonst nur verstockten oder rückfälligen Ketzern als Strafe winkte.
Es konnte nun also der Kampf mit dem Hexenheere begonnen werden: er ward gepredigt durch die berüchtigte Bulle Summis desiderantes Innozenz’ VIII. vom 5. Dezember 1484, die recht eigentlich den Ausgangspunkt jener schändlichen Raserei gegen vermeintliche Ketzer und Hexen bildet, der Hunderttausende, schmählich hingemordet, zum Opfer fielen. Der Hexenhammer bildet zu jenem verhängnisvollen Dokumente nur den Kommentar, weshalb es sich gewiß verlohnt, es hier in Text und Übersetzung wiederzugeben, zumal es auch eine stehende Zugabe der Ausgaben des Malleus zu bilden pflegt.
Tenor Bullae Apostolicae adversus haeresim maleficarum.
Innocentius episcopus, servus servorum dei, ad perpetuam rei memoriam. Summis desiderantes affectibus, prout pastoralis sollicitudinis cura requirit, ut fides catholica nostris potissime temporibus ubique augeatur et floreat ac omnis haeretica pravitas de finibus fidelium procul pellatur, ea libenter declaramus ac etiam de novo concedimus, per quae huiusmodi pium desiderium nostrum votivum sortiatur effectum, cunctisque propterea per nostrae operationis ministerium, quasi per providi operatoris sarculum erroribus extirpatis, eiusdem fidei zelus et observantia ipsorum cordia fidelium fortius imprimatur.
Sane nuper ad nostrum non sine ingenti molestia pervenit auditum, quod in nonnullis partibus Alemaniae superioris necnon in Maguntinensi, Coloniensi, Trevirensi, Saltzburgensi et Bremensi provinciis, civitatibus, terris, locis et dioecesibus quamplures utriusque sexus personae, propriae salutis immemores et a fide catholica deviantes, cum daemonibus incubis et succubis abuti ac suis incantationibus, carminibus et coniurationibus aliisque nefandis superstitiis et sortilegiis, excessibus, criminibus et delictis mulierum partus, animalium foetus, terrae fruges, vinearum uvas et arborum fructus necnon homines, mulieres, iumenta, pecora, pecudes et alia diversorum generum animalia, vineas quoque, pomeria, prata, pascua, blada, frumenta et alia terrae legumina perire, suffocari et extingui facere et procurare, ipsosque homines, mulieres, iumenta, pecora, pecudes et animalia diris tam intrisecis quam extrinsecis doloribus et tormentis afficere et excruciare, ac eosdem homines ne gignere, et mulieres ne concipere, virosque ne uxoribus, et mulieres ne viris actus coniugales reddere valeant, impedire; fidem praeterea ipsam, quam in sacri susceptione baptismi susceperunt, ore sacrilego abnegare, aliaque quamplurima nefanda, excessus et crimina, instigante humani generis inimico, committere et perpetrare non verentur, in animarum suarum periculum, divinae maiestatis offensam ac perniciosum exemplum ac scandalum plurimorum. Quodque licet dilecti filii Henricus Institoris, Dies ist die richtige Lesart, wie sie Hansen und Roskoff z. B. bieten. In den mir zu Gebote stehenden Ausgaben des Malleus maleficarum, darunter eine Inkunabel (= Hansen [WZ XVII] No. II) und die Nürnberger Ausgabe von 1494 (= Hansen I.c.No.VI), ja selbst im Bullarium magnum und z. B. auch bei Hauber steht Henrici Institoris; ein Fehler, der durch das voraufgehende, auf den ersten Blick als Genitiv erscheinende dilecti filii erklärt werden kann und jedenfalls verschuldet hat, daß Institoris in den verschiedenen Handbüchern über Hexenwesen und Hexenprozeß in der Form Institor erscheint, worunter man wohl gar einen »Krämer« oder »Kremer« hat suchen wollen. in praedictis partibus Alemaniae superioris, in quibus etiam provinciae, civitates, terae, dioeceses et alia loca huiusmodi comprehensa fore censentur, necnon Jacobus Sprenger, per certas partes lineae Rheni, ordinis fratrum Praedicatorum et theologiae professores, haereticae pravitatis inquisitores per literas apostolicas deputati fuerint, prout adhuc existunt, tamen nonnulli clerici et laici illarum partium, quaerentes plura sapere quam oporteat, pro es quod in literis deputationis huiusmodi provinciae, civitates, dioeceses, terrae et alia loca praedicta illarumque personae ac excessus huiusmodi nominatim et specifice expressa non fuerunt, illa sub eisdem partibus minime contineri et propterea praefatis inquisitoribus in provinciis, civitatibus, dioecesibus, terris et locis praedictis huiusmodi inquisitionis officium exequi non licere et ad personarum earundem super excessibus et criminibus antedictis punitionem, incarcerationem et correctionem admitti non debere, pertinaciter asserere non erubescunt. Propter quod in provinciis, civitatibus, dioecesibus, terris et locis praedictis excessus et crimina huiusmodi non sine animarum earundem evidenti iactura et aeternae salutis dispendio remament impunita.
Nos igitur impedimenta quaelibet, per quae ipsorum inquisitorum officii executio quomodolibet retardari posset, de medio submovere, et ne labes haereticae pravitatis aliorumque excessuum huiusmodi in perniciem aliorum innocentium sua venena diffundat, opportunis remediis, prout nostro incumbit officio, providere volentes, fidei zelo ad hoc maxime nos impellente, ne propterea contingat provincias, civitates, dioeceses, terras et loca praedicta sub eisdem partibus Alemaniae superioris debito inquisitionis officio carere, eisdem inquisitoribus in illi officium inquisitionis huiusmodi exequi licere et ad personarum earundem super excessibus et criminibus praedictis correctionem, incarcerationem et punitionem admitti debere, perinde in omnibus et per omnia acsi in literis praedictis provinciae, civitates, dioeceses, terrae et loca ac personae et excessus huiusmodi nominatim et specifice expressa forent, auctoritate apostolica tenore praesentium statuimus. Proque potiori cautela literas et deputationem praedictas ad provincias, civitates, dioeceses, terras et loca necnon personas et crimina huiusmodi extendentes, praefatis inquisitoribus, quod ipsi et alter eorum, accersito secum dilecto filio Joanne Gremper, clerico Constantiensis dioecesis, magistro in artibus, eorum moderno seu quovis alio notario publico, per ipsos et quemlibet eorum pro tempore deputando in provinciis, civitatibus, dioecesibus, terris et locis praedictis contra quascumque personas, cuiuscumque conditionis, et praeeminentiae fuerint, huiusmodi inquisitionis officium exequi ipsasque personas, quas in praemissis culpabiles reperierint, iuxta earum demerita corrigere, incarcerare, punire et mulctare, necnon in singulis provinciarum huiusmodi parochialibus ecclesiis verbum dei fideli populo quotiens expedierit ac eis visum fuerit, proponere et praedicare, omniaque alia et singula in praemissis et circa ea necessaria et opportuna facere et similiter exequi libere et licite valeant, plenam ac liberam eadem auctoritate de novo concedimus facultatem.
Et nihilominus venerabili fratri nostro episcopo Argentinensi per apostolica scripta mandamus, quatenus ipse per se vel alium seu alios praemissa, ubi, quando et quotiens expedire cognoverit fueritque pro parte inquisitorum huiusmodi seu alterius eorum legitime requisitus, solemniter publicans, non permittat eos per quoscumque super hoc contra praedictarum et praesentium literarum tenorem quavis auctoritate molestari seu alias quomodolibet impediri; molestatores et impedientes et contradictores quoslibet et rebelles, cuiuscumque dignitatis, status, gradus, praeeminentiae, nobilitatis et excellentiae aut conditionis fuerint et quocumque exemptionis privilegio sint muniti, per excommunicationis, suspensionis et interdicti ac alias etiam formidabiliores, de quibus sibi videbitur, sententias, censuras et poenas, omni appelatione postposita, compescendo, et etiam legitimis super his per cum servandis processibus, sententias ipsas, quotiens opus fuerit, aggravare et reaggravare auctoritate nostra procuret, invocato ad hoc, si opus fuerit, auxilio brachii saecularis. Non obstantibus praemissis et constitutionibus et ordinationibus apostolicis contrariis quibuscunque. Aut si aliquibus communiter vel divisim ab apostolica sit sede indultum, quod interdici, suspendi vel excommunicari non possint, per literas apostolicas non facientes plenam et expressam, ac de verbo ad verbum, de indultu huiusmodi mentionem, et qualibet alia dictae sedis indulgentia generali vel speciali, cuiuscumque tenoris existat, per quam praesentibus non expressam vel totaliter non insertam effectus huiusmodi gratiae impediri valeat, quomodo libet vel differri, et de quacumque, toto tenore habenda, sit in nostris literis mentio specialis. Nulli ergo omnino hominum liceat hanc paginam nostrae declarationis, extensionis, concessionis et mandati infringere, vel ei ausu temerario contraiare. Si quis autem hoc attentare praesumpserit, indignationem omnipotentis dei ac beatorum Petri et Pauli apostolorum eius se noverit incursurum Datum Romae apud S. Petrum, anno incarnationis dominicae millesimo quadringentesimo octuagesimo quarto, nonis Decembris, pontificatus nostri anno primo.
» Innocentz Bischoff, ein Knecht der Knechte GOttes. Zu künftigen, der Sache Gedächtniß. Indeme wir mit der höchsten Begierde verlangen, wie es die Sorge unsers Hirten Amtes erfordert, daß der Catholische Glaube fürnehmlich zu unseren Zeiten allenthalben vermehret werden und blühen möge, und alle Ketzerische Bosheit von denen Gräntzen der Gläubigen weit hinweg getrieben werde, so erklären wir gerne, dasjenige und setzen es auch von neuem, wordurch solches Unser Gottseliges Verlangen die erwünschte Würkung erlangen mag. Und dannenhero in deme, durch den Dienst unserer Arbeit, als durch die Reuthaue eines vorsichtigen Arbeiters alle Irrthümer gäntzlich ausgerottet werden, der Eyffer und die Beobachtung eben desselben Glaubens in die Hertzen der Gläubigen um so starker eingetrucket werde.
Gewißlich ist es neulich nicht ohne grosse Beschwehrung zu unsern Ohren gekommen, wie daß in einigen theilen des Oberteutschlands, wie auch in denen Meyntzischen, Cölnischen, Trierischen, Saltzburgischen (und Bremer) fehlt im Original. Ertzbistümer, Städten, Ländern, Orten und Bistümern sehr viele Personen beyderlei Geschlechts, ihrer eigenen Seligkeit vergessend, und von dem Catholischen Glauben abfallend, mit denen Teufeln, die sich als Männer oder Weiber mit ihnen vermischen, Mißbrauch machen, und mit ihren Bezauberungen, Liedern und Beschwehrungen, und anderen (abscheulichen Aberglauben und zauberischen Übertretungen, Lastern und Verbrechen, die Geburten der Weiber, die Jungen der Thiere, die Früchten der Erde, die Weintrauben und die Baumfrüchte, wie auch die Menschen, die Frauen, die Thiere, das Vieh, und andre unterschiedener Arten Thiere, auch die Weinberge, Obstgarten, Wiesen, Weyden, Getreide [ fehlt im Original.) Korn und andern Erdfrüchten, verderben, ersticken und umkommen machen und verursachen, und selbst die Menschen, die Weiber, allerhand groß und klein Vieh und Thiere mit grausamen sowohl innerlichen als äusserlichen Schmerzen und Plagen belegen und peinigen, und eben dieselbe Menschen, daß sie nicht zeugen, und die Frauen, daß sie nicht empfangen, und die Männer, daß sie denen Weibern, und die Weiber, daß sie denen Männern, die eheliche Werke nicht leisten können, verhindern. Über dieses den Glauben selbst, welchen sie bey Empfangung der heiligen Tauffe angenommen haben, mit Eydbrüchigen Munde verläugnen. Und andere überaus viele Leichtfertigkeiten, Sünden und Lastern, durch Anstifftung des Feindes des menschlichen Geschlechts zu begehen und zu vollbringen, sich nicht förchten, zu der Gefahr ihrer Seelen, der Beleidigung Göttlicher Majestät, und sehr vieler schädlicher Exempel und Ärgerniß. Und daß, obschon die geliebte Söhne Henricus Institoris in den obgenannten Theilen des Oberteutschlandes, in welchen auch solche Ertzbistümer, Städte, Länder, Bistümer und andere Orte begriffen zu seyn gehalten werden, wie auch Jacobus Sprenger durch gewisse Striche des Rheinstrohms, des Prediger-Ordens und Professores Theologiae, zu
