Der Horror des Alltags - Harro Goerndt - E-Book

Der Horror des Alltags E-Book

Harro Goerndt

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Beschreibung

Der Horror des Alltags“ ist eine faszinierende Auseinandersetzung mit den Schrecken, die sich hinter den vertrautesten Momenten unseres täglichen Lebens verbergen. Harro Goerndt nimmt uns mit auf eine Reise, die weniger von äußeren Monstern als von den subtilen, aber unerbittlichen psychologischen Belastungen geprägt ist, die sich in der scheinbar normalen Routine ansammeln.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Ähnliche


Inhaltsverzeichnis

Das Flüstern der Geistersee

Der Schatten im Wald

Der letzte Biss

Das Echo der Schatten

Die Schatten des Verlieses

Die Uhr des Schicksals

Der Koffer

Der Fuchs im Schnee

Der Letzte Kunde

Der Greyhound nach Nirgendwo

Die Nacht der Taten

Neonfieber

Der Horror des alltags

Ein Mann, ein Cabrio, und der Rest des verdammten Landes.

Impressum

Der Horror des Alltags

Kurzgeschichten von Harro Goerndt

Inhaltsverzeichnis

Einführung in „Der Horror des Alltags“

Willkommen in einer Welt, in der der Horror nicht aus den Schatten kriecht, sondern mitten im Alltag wohnt. In der Sammlung „Der Horror des Alltags“ führt euch Harro Goerndt durch Geschichten, die das Gewöhnliche und das Ungewöhnliche auf verstörende Weise miteinander verweben. Die Geschichten sind keine reinen Erzählungen über Monster oder Geister – sie offenbaren die Dunkelheit, die sich in den kleinsten Momenten unseres täglichen Lebens verstecken kann.

Die Protagonisten dieser Geschichten bewegen sich durch Welten, die nur knapp am Rande des Verfalls existieren. Von gespenstischen Küsten, an denen alte Legenden wieder zum Leben erwachen, über heruntergekommene Motelzimmer in Neon-getränkten Städten, bis hin zu einsamen Fahrten durch endlose Wüsten – jeder Ort ist mehr als nur eine Kulisse. Er ist eine Figur für sich, die die tiefsten Ängste der Menschen widerspiegelt.

Im Zentrum dieser Geschichten steht nicht nur das Übernatürliche, sondern auch die verzweifelte Suche nach Bedeutung in einer zerfallenden Realität. Ob es die Einsamkeit ist, die langsam die Seele verschlingt, oder der Wahnsinn, der in den stillen Momenten zuschlägt – in diesen Erzählungen sind es oft die kleinen, psychologischen Abgründe, die das größte Unheil bringen.

„Der Horror des Alltags“ taucht tief in das menschliche Innenleben ein und zeigt, wie schnell der vertraute Boden unter unseren Füßen ins Nichts stürzen kann. Es ist eine Reise in die Finsternis der Existenz, bei der nichts so ist, wie es scheint, und jede Entscheidung zum Wendepunkt des Unheils werden kann.

In dieser Sammlung finden sich Themen wie Isolation, Verzweiflung, Wahnsinn und Illusion – Emotionen, die tief in uns allen schlummern und nur darauf warten, ans Licht zu kommen. Wenn du bereit bist, dem Horror der menschlichen Seele zu begegnen, dann schnall dich an und wage einen Blick in den Abgrund.

Dies ist keine Sammlung, die schnelle Antworten oder einfache Lösungen bietet – vielmehr fordert sie dich heraus, die Dunkelheit in den alltäglichen Dingen zu erkennen und den Horror dort zu finden, wo du ihn am wenigsten erwartest.

Das Flüstern der Geistersee

Es war wieder eine Nachte, in denen der Schlaf mir verwehrt blieb. Ruhelosigkeit trieb mich hinaus an die Küste, zum schimmernden Licht des Morgengrauens. Der salzige Wind der Nordsee kühlte mein erhitztes Gemüt, doch mein Kopf war noch immer schwer von den flüchtigen Träumen, die mich geplagt hatten. Der feuchte Sand unter meinen Füßen gab nach, während ich ziellos durch das Watt wanderte, in der Hoffnung, dass die frische Luft den Dämonen der Schlaflosigkeit in mir vertreiben würde.

Da bemerkte ich eine Bewegung in der Ferne. Schemenhaft zeichnete sich im ersten Licht des Morgens eine Gruppe von Männern ab. Sie waren seltsam still und doch zielgerichtet, ihre Schritte schwer und langsam. Auf ihren Schultern trugen sie ein großes Boot – massiv und dunkel, als wäre es aus der Tiefe des Meeres selbst hervorgezogen worden. Unfähig, mich abzuwenden, blieb ich stehen und beobachtete das merkwürdige Schauspiel. Meine Gedanken überschlugen sich. War das eine Halluzination, ein Trugbild, das mir meine übermüdeten Sinne vorgaukelten?

Doch je näher die Gestalten kamen, desto deutlicher konnte ich sie erkennen. Die Männer trugen Rüstungen, deren altertümlicher Stil in keinem Geschichtsbuch zu finden wäre. Ihre Gesichter blieben vage, als wären sie aus Nebel geformt, doch ihr Ziel schien klar: Sie marschierten durch das Watt, dem fernen Horizont entgegen, schweigend, als gehöre ihnen die Welt.

Und dann, als sie nur noch wenige Yards von mir entfernt waren, überkam mich die Erkenntnis: Es waren Wikinger. Doch nicht aus Fleisch und Blut – sie waren Geister, gespenstische Abbilder einer längst vergangenen Zeit. Das Boot, das sie trugen, schien schwer und greifbar, während sie selbst schemenhaft und durchscheinend waren. Mein Herz schlug heftig in meiner Brust, und trotz der lähmenden Angst konnte ich meinen Blick nicht abwenden.

Sie kamen so nah, dass ich fast ihren Atem auf meiner Haut spüren konnte – wenn sie denn Atem gehabt hätten. Kein Laut kam von ihnen, kein Flüstern, kein Rascheln des Sands. Als sie auf Armlänge an mir vorbeizogen, fühlte ich die Kälte, die von ihnen ausging, so tief wie die See, aus der sie kamen.

Da fiel mir eine alte Legende ein. Es wurde erzählt, dass ein Wikingerjunge in dieser Gegend einst entführt worden sei, und solange sein Schicksal ungeklärt bliebe, würden die Geister seiner Kameraden umherwandern – unstet und rachsüchtig. So lautete der Aberglaube, und ich hatte ihn immer als Märchen abgetan. Doch jetzt, da die unheimliche Stille mich umfing und die gespenstische Prozession vorüberzog, konnte ich nicht anders, als an diese Geschichte zu glauben.

Plötzlich erinnerte ich mich an eine andere Warnung: „Jene mit reinem Herzen haben von den Geistern nichts zu befürchten.“ Doch wer konnte in dieser Welt von sich behaupten, ohne Schuld, ohne Zweifel zu sein? Nicht ich, das wusste ich in diesem Moment nur allzu gut. Eine tiefe Beklommenheit packte mich. Die Geister hatten mich gesehen, hatten mich erkannt, und ich wusste: Sie würden wiederkehren.

Und als der Nebel sie verschluckte und das Boot im Grau des Morgens verschwand, legte sich eine schwere, düstere Ruhe über das Watt. Doch die Ruhe war trügerisch, das Unheil schlich sich mit der Dunkelheit in die Dörfer.

In den frühen Stunden begannen die Schreie. Erst in der Ferne, dann näher. Menschen erwachten schweißgebadet und verstört, und was sie fanden, war nur der Anfang eines Grauens, das sich über die ganze Küste legte. Ein junges Paar, starr vor Entsetzen, die Gesichter zu grotesken Masken verzerrt, lag tot in ihren Betten. Der alte Fischer, ertrunken in seinem eigenen Zimmer, in einer Lache aus salzigem Meerwasser, als hätte die See ihn geholt. Und dann die Spuren im Sand – tiefe, schwere Fußabdrücke, die vom Wasser zu den Hütten führten, doch niemals zurückkehrten.

Die Hunde der Stadt jaulten, bis ihre Stimmen versagten, und in der Morgendämmerung lagen sie tot auf den Straßen, als hätte der Nebel sie selbst erstickt. Kinder, die mitten in der Nacht still geworden waren, wurden leblos in ihren Betten gefunden. Es war, als hätte die kalte Hand der Geister alles berührt, was sich ihnen in den Weg stellte.

Und während das Grauen um mich herum wuchs, wusste ich mit unerschütterlicher Gewissheit: Ich war ihnen nicht entkommen. Die Wikinger hatten mich gesehen – und ihre Rückkehr würde furchtbarer sein, als ich es mir je hatte vorstellen können.

Der Schatten im Wald

Es war eine dieser Nächte, in denen die Dunkelheit wie ein lebendiges Wesen wirkte, das sich in die Gedanken der Menschen schlich und sie in Abgründe der Angst und des Vergessens stürzte. Dave wachte auf, seine Stirn klebrig vom Schweiß, der Geruch von Erbrochenem und alten Bierflaschen lag in der Luft. Um ihn herum war der Wald still, als hätte die Natur selbst den Atem angehalten. Ein schmaler, matschiger Weg zog sich vor ihm wie eine gefrorene Zunge, die in die Dunkelheit des Gehölzes hineinführte.

Er rieb sich die Schläfen, der Kopf pochte in einem gleichmäßigen Takt, der ihn an das Herz eines schlafenden Monsters erinnerte. Wo war er? Und wie war er hierher gekommen? Die Erinnerungen der letzten Stunden waren wie zerbrochene Glasstücke, die sich in seinem Kopf verstreut hatten. Ein Trinkspruch hier, ein Gelächter dort, und dann… nichts.

Dave stand auf, das Gras klebte an seinen Knöcheln. Er schlug einen Blick in die Nacht und versuchte, sich zu orientieren. Der Mond war eine schüchterne Scheibe hinter den Wolken, und der Wald schien ihn zu beobachten, als ob er ein Geheimnis hütete, das er nie erfahren sollte. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Er setzte sich in Bewegung, die Schritte knirschten auf dem feuchten Boden, und mit jedem Schritt spürte er, wie das Unbehagen in ihm wuchs.

Dann bemerkte er etwas im Dämmerlicht. Etwas, das nicht dorthin gehörte. Ein dunkler Fleck am Wegesrand. Dave näherte sich, das Herz schlug ihm bis zum Hals, und als er näher kam, hielt er den Atem an. Es war eine Jacke – blutige, zerfetzte Stofffetzen lagen in einem schaurigen Kontrast zum sanften Grün des Waldes.

Panisch wühlte er in seinen Erinnerungen, und eine flüchtige Vision schoss ihm durch den Kopf: ein Streit, die Gesichter seiner Freunde, deren Augen vor Angst weit aufgerissen waren – aber es waren keine normalen Augen. Sie waren schwarz, leer wie Höhlen, aus denen die Menschlichkeit gewichen war. Ihre Gesichter hatten sich verzerrt, die Haut hing an ihnen wie weiches Wachs, das unter einer unsichtbaren Hitze schmolz. Münder zu weit aufgerissen, als ob sie schreien wollten, doch kein Ton kam heraus, nur das Zittern, das in die Knochen kroch.

Ein schrilles Kreischen, das ihn erschauern ließ. Hatte er etwas getan? Etwas Unvorstellbares?

Sein Magen rebellierte, während er sich umdrehte und zurück auf den Weg hastete. Die Dunkelheit schien ihn zu verfolgen, und das Gefühl, dass er nicht allein war, schnürte ihm die Kehle zu. Plötzlich hörte er es: ein Geräusch, das wie das Rascheln von Blättern klang, als ob sich jemand zwischen den Bäumen bewegte. Dave blieb stehen, sein Herz hämmerte gegen die Rippen wie ein gefangener Vogel.

Er drehte sich hastig um, bereit zu fliehen, doch ein Schatten trat aus der Dunkelheit. Eine Gestalt, schattenhaft und unheimlich, mit einem Gesicht, das aus den Albträumen der Nacht entstanden war. Die Augen – tot, wie schwarze Löcher, in denen sich nichts spiegelte, als wäre jegliches Leben aus ihnen gesogen worden. Die Haut grau, fast durchscheinend, und die Lippen, tief gespalten, bluteten, als sie sich zum Sprechen öffneten. Es war, als hätte die Gestalt das Fleisch der Furcht selbst getragen.

Dave erkannte die schreckliche Wahrheit: Das, was er in der Nacht getan hatte, war nicht vergessen. Es war hier, in der Dunkelheit, mit Gesichtern, die ihm in Erinnerung bleiben würden. Und es war bereit, ihn zu holen.

„Du hättest nicht hierher kommen sollen“, murmelte die Gestalt, und Dave spürte, wie die Dunkelheit ihn ergriff.

Die Nacht hatte ihre Geschichte erzählt, und die Fratzen im Wald hatten ihre Zeugen.

Der letzte Biss

Die Nacht war finster, so finster, dass man glauben könnte, die Dunkelheit selbst würde sich um den schmalen Feldweg zusammenziehen und darauf warten, dass jemand vorbeikam. Henry zog seinen Angelausflug in die Länge, obwohl die Fische nicht beißen wollten. Er war allein, mit nur dem Geräusch seiner eigenen Schritte auf dem staubigen Weg. Das Rascheln der Blätter und das gelegentliche Rufen eines Käuzchens schienen ihm Gesellschaft zu leisten, aber in Wirklichkeit schien die Stille die Luft zu ersticken.

Als er die befestigte Straße erreichte, überkam ihn ein seltsames Gefühl. Ein unangenehmes Ziehen an seinem Hosenbein. Was war das? Ein Stein? Ein Ästchen? Er sah jedoch nichts und schob das Unbehagen beiseite. Doch als er weiterging, hörte er ein Klappern, das nicht zu seinem eigenen Schritt gehörte. Es war ein metallisches Geräusch, scharf und durchdringend, das in der Stille wie ein Schrei wirkte.

Henry stutzte und warf einen nervösen Blick über die Schulter. Aber die Straße hinter ihm war leer, und die Schatten der Bäume schienen sich zusammenzuziehen, als wollten sie ihn warnen. Das Klappern wurde lauter, als ob etwas unsichtbares ihm folgte, das mit jedem Schritt seine Präsenz verstärkte. Ein Instinkt, der aus einem alten, primitiven Teil seines Geistes kam, riet ihm, schneller zu gehen.

Er beschleunigte seine Schritte, der Asphalt unter seinen Füßen wurde zu einer endlosen Linie aus Schrecken. Sein Herz begann zu rasen, und die Dunkelheit um ihn herum schien sich zu verdichten. Erinnerungen an die Geschichten seiner Kindheit drängten sich auf: Die Frau, die in der Nacht verschwunden war, der alte Mann, der auf dem Weg umherstreifte und nie mehr gesehen wurde. Diese Legenden schienen ihn jetzt zu verfolgen, sich um ihn zu wickeln wie eine kühle Nebelwolke.

Plötzlich fühlte er sich, als wäre er nicht allein. Etwas war hinter ihm, etwas, das im Schatten lauerte. Henrys Atem wurde flach, und Panik überkam ihn. Der Friedhof tauchte vor ihm auf, die Silhouetten der Grabsteine ragten im Dunkeln wie die Zähne eines hungrigen Tieres. Das Klappern wurde zu einem schrecklichen Takt, der ihn unaufhörlich zur Eile trieb, und seine Schritte führten ihn, ohne dass er es wollte, direkt zu einem frischen Grab.

Der Grabstein war neu, glänzend und unberührt, als wäre er erst vor kurzem gesetzt worden. Als er näher trat, ließ ihm die Inschrift das Blut in den Adern gefrieren: „Henry Thompson.“ Der Anblick ließ ihn erstarren, als würde die Dunkelheit um ihn herum nach ihm greifen.

Ein panischer Schrei wollte sich in ihm regsam machen, aber er war gefangen, unfähig, sich zu bewegen. Sein Herz schlug wie ein wild gewordener Trommler in seiner Brust, und die kalte Realität schnitt durch seine Gedanken wie ein scharfes Messer. Es war nicht nur ein Name auf einem Stein – es war sein Name, und die Dunkelheit schloss sich um ihn wie ein alter Freund, der endlich wiedergefunden wurde.

Die Panik überkam ihn mit einer Welle von überwältigendem Grauen. Er fiel zu Boden, der Blick auf den Grabstein gerichtet, als ob er ihn mit seinen letzten Gedanken anflehen wollte, ihm eine Erklärung zu geben. Das Klappern war jetzt ein schrecklicher Lärm, der sich mit dem Tosen seines Herzens vermischte, und bevor er es sich versah, setzte sein Herz einen letzten verzweifelten Schlag aus Angst, und er war tot.

Am nächsten Morgen durchbrach das Licht der Sonne die Dunkelheit, und die Stille des Friedhofs wurde von den Schritten der Polizisten unterbrochen, die dem Bericht über eine vermisste Person nachgingen. Ihre Stimmen waren gedämpft, als sie den Bereich durchstreiften. Als sie Henrys leblosen Körper fanden, der wie eine leere Hülle am Boden lag, fiel der Blick eines Beamten auf etwas, das am Hosenbein des Toten festhing.

Der Anglerblinker. Es war ein grelles Stück Metall, das im Licht der Morgensonne schimmerte und seine Unschuld hinter dem Grauen verbarg, das er verursacht hatte. Es war das letzte Zeugnis eines Mannes, der in die Dunkelheit geriet und sein Leben für einen Fluss voller Schatten und Schrecken verlor. Der Blinker war ein stummer Zeuge der Tragödie, die sich in der Nacht ereignet hatte, und während die Polizisten sich austauschten, wusste jeder von ihnen, dass dies nicht der letzte Fall war, den sie an diesem finsteren Ort sehen würden.

Das Echo der Schatten

In den dunklen, vergessenen Winkeln der Welt, wo das Licht der Zivilisation nicht hinreicht, befindet sich das kleine, abgelegene Dorf Eldridge Hollow. Die schäbigen Hütten, aus einem verrotteten Holz, das seit Generationen nicht mehr gestrichen wurde, stehen eng beieinander und scheinen sich vor der beissenden Kälte der Nächte zu schützen. Der Nebel, der vom nahegelegenen See aufsteigt, schlingt sich um die Gebäude und schafft eine Atmosphäre des Unheimlichen, die selbst die mutigsten Seelen in Angst versetzt.

Ich kam nach Eldridge Hollow, auf der Suche nach Antworten auf die Mysterien, die mein Leben geprägt hatten. Mein Vorfahr, Elias Ward, war in dieser Gegend verschwunden, und die alten Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, sprachen von schrecklichen Geheimnissen, die in der Dunkelheit lauerten. Es wurde geflüstert, dass in der Nähe des Dorfes ein uraltes Wesen lebte, das aus den tiefsten Abgründen der Erde hervorgekrochen war, um den menschlichen Verstand zu vergiften.

Die Dorfbewohner waren misstrauisch und hielten sich von mir fern, als ob ich ein verfluchter Mensch wäre. In den Nächten, wenn der Nebel wie ein schleichendes Wesen über das Dorf kroch, hörte ich ihre gebrochenen Stimmen, die von einer drohenden Gefahr sprachen. „Hüte dich vor dem Echo der Schatten“, raunten sie, „denn es bringt das Unheil mit sich.“

Eines Nachts, als ich in der spärlichen Hütte saß, die mir als Unterkunft diente, hörte ich ein seltsames Geräusch, das durch den Nebel drang – ein sanftes, aber durchdringendes Echo, das aus der Richtung des Sees zu kommen schien. Es war ein Klang, der das Herz zum Stocken brachte, und gleichzeitig wurde ich von einem unerklärlichen Drang erfüllt, diesem Ruf zu folgen.

Ich wandte mich zur Tür und trat in die Nacht hinaus. Der Nebel umhüllte mich wie ein lebendiger Körper und verschlang die Welt um mich herum. Mit jedem Schritt in Richtung des Sees wurde das Echo lauter, als ob es mich rufen würde. Mein Verstand war ein Schlagloch, gefüllt mit dem Schmutz von Verzweiflung und Neugier.

Als ich schließlich das Ufer des Sees erreichte, durchzog das Mondlicht die dichte Nebelwand und enthüllte die ruhige Wasseroberfläche, die im Licht schimmerte. Doch das Echo verwandelte sich in ein ohrenbetäubendes Geschrei, das aus der Tiefe des Wassers zu kommen schien. Unvermittelt überkam mich die Gewissheit, dass ich nicht allein war.

Plötzlich tauchten aus dem Wasser groteske Schatten auf, kriechend und windend, wie die Tentakeln eines unbeschreiblichen Wesens. Ihre Formen waren fließend, amorph, und sie schienen mit dem Nebel verwoben zu sein. Das Grauen überkam mich, als ich erkannte, dass diese Kreaturen nicht von dieser Welt stammen konnten. Sie waren Überbleibsel einer älteren, vergessenen Zivilisation, die den menschlichen Verstand überwältigen und verschlingen wollte.

Ich wollte fliehen, aber meine Beine waren wie gelähmt. In diesem Moment spürte ich, wie sich eine unendliche Dunkelheit um mein Herz legte, während das Echo mich immer tiefer in den Abgrund zog. Inmitten des Chaos erblickte ich eine groteske Gestalt, die über dem Wasser schwebte – eine Kreatur mit unzähligen Augen und einem offenen Maul, das schien, als könnte es die gesamte Nacht verschlingen.

Die Schreie der Schatten wurden lauter, als ich das verheerende Wissen über die Natur dieser Wesen in mir aufsteigen fühlte – sie waren die vergessenen Götter der Erde, die in der Dunkelheit geduldig warteten und darauf lauerten, dass ihre Macht zurückkehrte. Sie wollten den menschlichen Verstand erobern und die Welt in das Chaos stürzen, aus dem sie entstanden waren.

Mit einem letzten verzweifelten Schrei wollte ich mich abwenden, aber es war zu spät. Das Wasser des Sees schlug über mir zusammen, und ich fühlte, wie die Dunkelheit in mein Bewusstsein eindrang, während ich in die Tiefen des Wassers gezogen wurde. Das Echo der Schatten umhüllte mich, und ich wurde Teil eines unendlichen Albtraums.

Am nächsten Morgen fand man meine leblosen Überreste am Ufer des Sees, meine Augen weit geöffnet und starr in das Nichts gerichtet. In der Nähe lag mein Tagebuch, das meine letzten Gedanken enthielt, die jetzt wie die flüsternden Stimmen der Dorfbewohner klangen.

Eldridge Hollow blieb, wie es immer war – ein Ort des Vergessens, umhüllt von Nebel und düsteren Geheimnissen. Und das Echo der Schatten, das aus den Tiefen des Sees drang, wurde niemals vergessen.

Die Schatten des Verlieses

In der einsamen Stadt Rivenbrook, wo die schattigen Gassen und moosbedeckten Straßen von unheimlichen Geheimnissen zeugten, gab es ein altes Herrenhaus, dessen Fassade dem Blick der neugierigen Passanten trotz ihrer jahrzehntelangen Verwitterung nichts von ihrer einstigen Pracht preisgab. Die Einheimischen mieden es, und die Kinder wagten es nicht, in die Nähe zu kommen, denn es hieß, dass in den dicken Mauern des Hauses das Echo eines tragischen Schicksals lebte.

Ich, Edgar Halloway, ein gebrochener Dichter und wahrhaft besessener Geisterfreund, konnte dem Reiz des Verlassens nicht widerstehen. Die Gerüchte über das Haus, über seinen früheren Bewohner, Lord Eustace Blackwood, zogen mich an wie ein Licht, das die Dunkelheit umhüllt. Lord Blackwood war einst ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft gewesen, doch sein Verstand war in den Abgrund des Wahnsinns gefallen, und schließlich starb er in dem Verlies, das die düstere Familie unter dem Herrenhaus angelegt hatte.

Die Legende besagte, dass die Seelen der Unglücklichen, die Lord Blackwood enttäuscht hatten, nun als Schatten in den Gewölben des Hauses umherirrten. Um den verfluchten Ort zu betreten, war ich von einer irrationalen Neugier getrieben, die mich in die Schatten der Nacht lockte. Ich schlich mich in die Stille der Dunkelheit und öffnete die knarrende Tür, deren Geräusch wie das Stöhnen der Verzweiflung klang.

---ENDE DER LESEPROBE---