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Der "Kosmos Tierführer" stellt mehr als 1.000 Tierarten Mitteleuropas auf über 1.200 Abbildungen vor. Die Bestimmungsmerkmale und viel Wissenswertes zu jeder Art werden kompakt beschrieben. Zusätzliche Abbildungen zeigen Details wie Larvenstadien bei Insekten oder die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen. Der KOSMOS-Farbcode garantiert einen schnellen Zugriff auf die Tiergruppen. Dieses einmalig umfassende und praktische Bestimmungsbuch ist ein unentbehrlicher Begleiter für die ganze Familie.
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Seitenzahl: 483
Veröffentlichungsjahr: 2020
Inhalt
Wie ist das Buch aufgebaut?
Der Kosmos-Farbcode
Tiere entdecken
Tiere in Mitteleuropa
Wirbeltiere und Wirbellose
Säugetiere
Vögel
Reptilien
Amphibien
Fische
Wirbellose
Die Tierarten
Säugetiere
Vögel
Reptilien und Amphibien
Reptilien
Amphibien
Fische und andere
Insekten und sonstige Wirbellose
Insekten
Tausendfüßler & Co.
Krebse
Spinnen & Co.
Tintenfische & Co.
Muscheln
Schnecken
Seestern & Co.
Würmer & Co.
Quallen
Spuren und Fährten
Tierspuren (Trittsiegel von Säugetieren)
Welches Ei ist das?
Die wichtigsten Gruppen der Insekten, Spinnen, Krebse & Co.
Zum Weiterlesen
Adressen
Impressum
Wie ist das Buch aufgebaut?
Tiere bestimmen mit dem Kosmos-Farbcode
SÄUGETIERE
siehe ab hier
Alpensteinbock© Gartenschatz/Bajohr
Seehund© Gartenschatz GmbH/Moning
Feldmaus© Gartenschatz/Bajohr
Abendsegler© Alfred Limbrunner
Igel© Frank Hecker
VÖGEL
siehe ab hier
Löffelente© Frank Hecker
Seeadler© Dr. Peter Wernicke
Dreizehenmöwe© Klaus Vernicke
Buntspecht© Alfred Limbrunner
Alpensteinbock© Peter Zeininger
REPTILIEN UND AMPHIBIEN
siehe ab hier
Ringelnatter© Gregor Faller
Zauneidechse© Frank Hecker
Grasfrosch© Gregor Faller
Wechselkröte© Torsten Bittner
Bergmolch© Gregor Faller
FISCHE
siehe ab hier
Steinbutt© Frank Hecker
Makrele© Frank Hecker
Karpfen© Frank Hecker
Hecht© Herbert Frei
Bachforelle© Herbert Frei
INSEKTEN UND SONSTIGE WIRBELLOSE
siehe ab hier
Insekten© Gregor Faller
Tausendfüßler & Co© Heiko Bellmann/Kosmos
Krebse© Frank Hecker
Spinnen & Co© Gregor Faller
Tintenfische & Co© Frank Hecker
Muscheln© Frank Hecker
Schnecken© Heiko Bellmann/Kosmos
Seesterne & Co© Frank Hecker
Würmer & Co© Frank Hecker
Quallen© Frank Hecker
Tiere entdecken
Tiere in Mitteleuropa, das waren einst vor allem Waldbewohner, die sich in einer überwiegend von Buchen bestandenen Landschaft tummelten. Heute prägen Ackerflächen, Weideland, Wälder, Dörfer, Städte und Industrieansiedlungen das Bild – und viele Tiere haben sich angepasst. Die Vielfalt an Lebensräumen in der Kulturlandschaft führte auch zu einer Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Doch die modernen Monokulturen haben diesen Trend umgekehrt und drängen die Artenfülle drastisch zurück.
In Laubwäldern und großen Gärten ist der Siebenschläfer zu Hause. Tagsüber schläft er in Baumhöhlen oder Nist© Frank Hecker
Kein Platz mehr für wilde Tiere? Man staunt, wie manche Arten sich neue Nischen suchen, beobachtet Eichhörnchen, Kaninchen und mancherorts sogar Wildschweine im Vorgarten, erlebt brütende Rotkehlchen, hämmernde Spechte und äsende Rehe, die wenig Scheu vor Menschen zeigen; und wer genauer hinsieht, erfreut sich an Käfern, Schmetterlingen, Libellen und unzähligen anderen Insekten. Einige wie die Ameisen kommen sogar zu uns ins Haus und können dort eine wahre Plage sein, wohingegen Spinnen als Untermieter zu Unrecht einen schlechten Ruf haben, vertilgen sie doch vielerlei Schädlinge und die nervigen Stechmücken.
Das Geweih des Rothirschs wächst jeden Sommer.© Frank Hecker
Tiere vor der Haustür zu beobachten macht Spaß, und wer auf Entdeckungstour geht, der wird fast überall fündig: im Gebüsch am Wegesrand, in Parks und Gärten, in Teichen und Seen, auf Äckern und Wiesen, auf Brachflächen, in Wäldern und Forsten, an der Küste ebenso wie im Bergland. In großen Naturschutzgebieten und Nationalparks finden auch seltene Arten, die nicht zu den erfolgreichen Kulturfolgern gehören, ihr Refugium und gewähren faszinierende Einblicke in ihr wildes Leben.
Igel sind hauptsächlich nachtaktiv, aber auch tagsüber anzutreffen.© Frank Hecker
Dieses Buch hilft Ihnen dabei, schnell und übersichtlich die Tiergruppen und -arten zu bestimmen, und verweist neben den wichtigsten Kennzeichen und dem Vorkommen vor allem auf Wissenswertes, Spannendes oder Kurioses zu den einzelnen Arten. Die wichtigsten Tierspuren runden die Übersicht ab.
Man kann nur schützen, was man kennt – dieses Buch möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass mehr Menschen die Natur und die Tiere um uns herum kennen- und schätzen lernen und sich für ihren Schutz einsetzen.
Zwergfledermäuse wohnen gerne in Spalten an Scheunen, Speichern oder Kirchtürmen.© Frank Hecker
Tiere in Mitteleuropa
Wenn der Mensch nicht kräftig mitmischen würde, wäre Mitteleuropa noch heute großflächig von Wäldern bewachsen. Vor allem die wuchskräftige Rot-Buche würde dominieren und Eichen, Birken und Kiefern auf die Standorte verbannen, die ihr nicht zusagen. Moore, Flüsse, Seen, Berge oberhalb der Baumgrenze und Küsten wären ohne den Menschen die einzigen Lebensräume, die nicht von Bäumen bestanden sind. Lebensräume ohne Bäume wären also Mangelware gegenüber solchen mit Bäumen.
Über Jahrtausende haben Menschen die Landschaften in Mitteleuropa geprägt und geschaffen. Sie haben Wälder gerodet, Äcker und Weiden angelegt, Vieh gezüchtet, Dörfer, Städte und Straßen gebaut, Kohle und Erz aus dem Boden geschürft. So entstanden neue Lebensräume und die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen nahm zu. Über viele Jahrhunderte bildete ganz Mitteleuropa ein Mosaik aus Wiesen und Weiden, Wäldern und offenen Landschaften. Natürliche und kultivierte Flächen waren vernetzt und bargen eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt.
Heute verschwindet diese Vielfalt allerdings in beängstigendem Tempo. Großen Anteil daran hat die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren großflächigen Monokulturen in Feld und Wald nebst Massentierhaltung und großzügigem Gebrauch von Dünger und Gift gegen unerwünschte Pflanzen- und Tierarten. Hinzu kommt die Versiegelung der Landschaft durch immer mehr Straßen, Siedlungen, Industrie- und Gewerbegebiete. Viele Tier- und Pflanzenarten sind heute bedroht oder ganz verschwunden.
Von der Nordsee bis zu den Alpen erstrecken sich die Lebensräume von Mitteleuropa. Über Deutschland hinaus werden der Süden Dänemarks, die Niederlande, Belgien und Luxemburg, Österreich sowie Teile Frankreichs und der Schweiz, Tschechiens und Polens einbezogen.
Mit einem Netzwerk aus Schutzgebieten versucht man diesem zerstörerischen Trend Einhalt zu gebieten. Zahlreiche faszinierende Landschaften stehen heute unter Schutz und bieten viele Möglichkeiten, die Natur zu erleben oder sich einfach nur zu erholen. Auch einstmals bewirtschaftete Flächen werden wieder sich selbst überlassen: brachliegende Äcker und Wiesen, stillgelegte Sand- und Kiesgruben, Steinbrüche, Schutthalden und verlassene Industrieflächen sind der ideale Platz für Pioniere – Lebewesen, die auch auf unwirtlichen Standorten siedeln können und den Boden bereiten für weitere Tier- und Pflanzenarten.
Neuland: Die renaturierte Kiesgrube wird schnell besiedelt.© Frank Hecker
Nicht immer eine Bereicherung sind die eingeschleppten Arten – Tiere und Pflanzen, die in ganz anderen Regionen der Welt zu Hause sind und in einer immer globaler werdenden Welt mit den Menschen- und Güterströmen mitreisen und sich andernorts niederlassen oder bewusst eingeführt werden. Waschbären, Bisamratten und Flusskrebse aus Amerika, Felsenaustern aus Japan, Wollhandkrabben aus China sind nur einige Vertreter der Invasion von Exoten, die mancherorts den heimischen Arten ganz schön zusetzen können.
Für die Tiere in Mitteleuropa bedeutet dies steten Wandel und eine echte Herausforderung. Wer kann, passt sich an und behauptet seinen Platz in einer von Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Städten geprägten Kulturlandschaft. Andere finden neue Lebensräume dort, wo sich der Mensch wieder zurückzieht und Platz für Wildnis lässt, oder überleben in Schutzgebieten, die vielfältige Landschaften erhalten und auch Arten mit speziellen Ansprüchen beherbergen.
Buchenwälder dominierten einst das Landschaftsbild.© Frank Hecker
Wirbeltiere und Wirbellose
Hunde, Katzen und andere Wirbeltiere stehen uns Menschen naturgemäß näher als Schnecken, Würmer oder Insekten. Daher hat es sich eingebürgert, der großen Gruppe der Wirbeltiere, zu der neben den Säugetieren auch Fische, Amphibien, Reptilien und Vögel gehören, den sehr viel größeren Sammeltopf der wirbellosen Tiere gegenüberzustellen. Darin tummeln sich vollkommen unterschiedliche Tierstämme, die weitaus weniger miteinander verwandt sind als wir mit den Fischen oder den kleinen knubbeligen Seescheiden, die am Meeresgrund sitzen. Jeder, der kein Wirbeltier ist, bekommt das Etikett »Wirbelloser«: Spinnen, Insekten, Würmer, Krebse ebenso wie Quallen, Seesterne, Schnecken oder Tintenfische.
Wildkaninchen© Frank Hecker
Laubfrosch© Frank Hecker
Karpfen© Herbert Frei
Doch letztlich haben alle denselben Ursprung: Simpel gebaute Einzeller, Vorläufer der heutigen Bakterien, die vor etwa 3 Milliarden Jahren im Ur-Ozean entstanden. Über 2 Milliarden Jahre lang gehörte ihnen die Erde. Dann erst begann sich das Leben zu entfalten. Die ersten vielzelligen Tiere treten als Fossilien in etwa 600 Millionen Jahre alten Gesteinen auf. Auch der Ursprung der Wirbeltiere lässt sich unter den versteinerten Urzeitbewohnern ermitteln: fischähnliche, kopflose Wesen, die den noch heute lebenden Lanzettfischchen oder »Schädellosen« ähnelten. Von vorn nach hinten durchzieht ein langer, biegsamer Stützstab ihren Körper. Aus diesem Stützstab ist im Laufe der Evolution die Wirbelsäule hervorgegangen, die uns heute aufrecht hält. Auch das Rückenmark – ein wichtiger Teil unseres Nervensystems – ist in einer einfachen Version bei den Schädellosen schon vorhanden.
© Frank Hecker
© Frank Hecker
© Frank Hecker
Einige Vertreter aus dem Club der wirbellosen Tiere, von oben: Seestern, Napfschnecke, Taschenkrebs und Feuerwanzen.© Frank Hecker
Fische bevölkern seit über 400 Millionen Jahren das Wasser. Und sie taten als erste Wirbeltiere den entscheidenden Schritt an Land. Dazu stützten sie sich auf verknöcherte Flossen und besaßen neben ihren Kiemen auch einfache Lungen – also Hohlräume, an deren dünnen Wänden Atemgase zwischen Luft und Blut ausgetauscht werden. Der Schritt an Land ist einer der bedeutendsten Entwicklungsschritte in der Evolution. Danach ging es unaufhaltsam weiter. Die Flossen der Fische verwandelten sich in schnelle Laufbeine, auch Flügel entstanden. Statt Schuppen bedeckten Haut, Haare oder Federn die Körper. Alle Lebensfunktionen passten sich immer vollkommener an das Leben an der Luft an. Auch der Nachwuchs entwickelte sich allmählich auf dem Trockenen. Während Frösche und andere Amphibien ihren Laich noch ins Wasser legen und Kaulquappen umherschwimmen, bevor ihnen kleine Beinchen wachsen, legen Reptilien und Vögel ihre Brut bereits in dickschaligen Eiern an Land ab und die Säugetiere schützen ihre Jungen im Mutterleib.
Im Sammeltopf der Wirbellosen hingegen gibt es ganze Tierstämme, deren Angehörige noch immer fast ausschließlich im Meer leben – die Stachelhäuter beispielsweise, zu denen unter anderem Seeigel und Seesterne gehören. Auch Schirmquallen, Blumentiere, Tintenfische und verschiedenste wurmartige Wesen findet man nur im Meer.
Die Artengruppen hingegen, die vor etwa 400 Millionen Jahren das Festland eroberten und dort eine unglaubliche Artenvielfalt entwickelten, lassen sich an einer Hand abzählen: Insekten, Spinnen- und Wirbeltiere.
Säugetiere
Säugetiere versorgen ihren Nachwuchs mit Milch, die in den Milchdrüsen der Weibchen produziert wird. So erhalten Neugeborene ohne viel Aufwand eine fett- und nährstoffreiche Nahrung und können schnell wachsen, sind aber im Gegenzug auf die Fürsorge der Mutter angewiesen.
Der Rotfuchs ist weit verbreitet und auch in Siedlungsgebieten anzutreffen.© Frank Hecker
Säugetiere tragen in der Regel ein Fell aus Haaren und halten ihre Körpertemperatur konstant, sodass sie relativ unabhängig von der Umgebungstemperatur sind. Das Fell isoliert bei Kälte, kann aber auch vor Hitze schützen; häufig tarnt es seinen Träger oder ist wie bei den Igeln zu Stacheln umgewandelt, die Fressfeinde abwehren.
Der Waschbär wurde aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt.© Frank Hecker
Das Gebiss der Säugetiere besteht aus verschiedenen spezialisierten Zahntypen und unterscheidet sich dadurch von den gleichförmigen Gebissen der Reptilien. Sowohl die Anzahl als auch der Bau der Zähne spiegeln die Ernährungsweise der Säugetiere wider: Sie zeigen, ob sie Pflanzenfresser, Fleischfresser oder Allesfresser sind. Besonderheiten sind beispielsweise beständig nachwachsende Nagezähne oder imposante Stoßzähne.
Die meisten Säugetier-Arten leben an Land, doch die Fledermäuse haben die Luft erobert und die Wale das Wasser. Als Anpassung haben die Wale ihr Haarkleid zurückgebildet, die Vordergliedmaßen sind zu Flossen umgestaltet, die Hintergliedmaßen reduziert und der Schwanz wurde zur Fluke. Fledermäuse wiederum haben stark verlängerte Finger, die die Flughaut spannen.
Steinmarder schlüpfen auch auf Dachböden und in Autos.© Frank Hecker
Wechselbeziehungen
Schon seit jeher haben Menschen das Fleisch von Säugetieren gegessen und Fell und Knochen verarbeitet. Wildlebende Säugetiere zähmte und züchtete man zu Reit- und Arbeitstieren, zu Milch- und Fleischlieferanten, zu Wach- und Haustieren. Diese Nutztiere sind heute in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft reichlich vertreten, doch viele Wildtierarten sind drastisch zurückgegangen, weil sie bejagt wurden oder ihr Lebensraum zerstört wurde. Wolf, Braunbär oder Luchs kehren erst langsam zurück, während Hausmäuse, Wanderratten, Wildkaninchen, Eichhörnchen und Steinmarder gut im menschlichen Siedlungsraum zurechtkommen.
Wölfe – ehemals stark bejagt – kehren erst langsam wieder in unsere Landschaften zurück.© Gartenschatz/Bajohr
Vögel
Auch wenn nicht alle Vögel fliegen können, sind sie doch durch ihre Flügel und die Federn gekennzeichnet, die ihren Körper bedecken. Auch der Schnabel ist ein gemeinsames Merkmal. Wie alle Landwirbeltiere haben die Vögel je ein Paar vordere und hintere Gliedmaßen, wobei die vorderen zu Flügeln umgewandelt sind. Die Federn fungieren beim Fliegen als Trag- und Steuerfläche und umhüllen den Körper aerodynamisch günstig, zusätzlich isolieren sie ihn. Das Gefieder ist entweder unauffällig gefärbt zur Tarnung oder – vor allem zur Paarungszeit – bunt und auffällig. Es wird regelmäßig während der Mauser gewechselt. Die meisten Vogelarten pflegen ihr Gefieder mit Fett aus einer besonderen Drüse, der Bürzeldrüse. Bei Wasservögeln ist dieses Einfetten besonders wichtig, um das Gefieder wasserabweisend zu machen.
Bezeichnung des Vogelkörpers
Wie die Säugetiere halten auch die Vögel ihre Körpertemperatur konstant. Im Vergleich zu anderen Wirbeltiergruppen ist das Vogelskelett leicht gebaut und enthält hohle Knochen, um das Fliegen zu erleichtern. Das Brustbein ist sehr groß und hat einen vorspringenden Kiel, an dem die Flugmuskeln ansetzen.
Der Bienenfresser brütet seit den 1960er-Jahren auch in Deutschland.© Hans Fürst
Die Blaumeise ist häufig in Gärten und Parks anzutreffen.© Hans Fürst
Sanderlinge (im Schlichtkleid) suchen ihre Nahrung bevorzugt an Sandstränden.© Dietmar Nill
Alle Vögel legen Eier, die durch eine einheitliche Ausführungsöffnung – die Kloake – gemeinsam mit Urin und Kot ins Freie gelangen. Im Gegensatz zu den weichschaligen Eiern der Reptilien sind die Schalen von Vogeleiern stark verkalkt, dennoch können Atemgase für die Sauerstoffversorgung des Embryos ausgetauscht werden. Vogeleier enthalten alle Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente, die der Embryo zu seiner Entwicklung braucht. Die Eier von Nestflüchtern enthalten mehr Dotter als Eier von gleich großen, als Nesthocker schlüpfenden Vogelarten. In dem ersten Fall sind die Küken schon kurz nach dem Schlüpfen weitgehend selbstständig, während Nesthocker völlig hilflos, unbefiedert und meist blind aus dem Ei kriechen und von den Eltern lange gefüttert werden.
Ebenso wie die Reptilien stammen die Vögel von den Dinosauriern ab und werden daher auch als eine gemeinsame Gruppe, die Sauropsiden, neben die übrigen Wirbeltiergruppen, die Säugetiere, Amphibien und Fische, gestellt.
Reptilien
Zu den einheimischen Reptilien oder Kriechtieren zählen Schildkröten, Eidechsen und Schlangen. Die Haut der Reptilien besteht aus Hornschuppen oder Hornplatten. Sie schützt den Körper vor Verdunstung und ermöglicht ein vom Wasser weitgehend unabhängiges Leben. Reptilien wachsen bis an ihr Lebensende und müssen sich regelmäßig häuten.
© Frank Hecker
Im Gegensatz zu Säugetieren und Vögeln sind Schlangen, Echsen und Co. wechselwarme Tiere, haben also keine gleichbleibende Körpertemperatur. Wenn ihre Umgebung zu heiß oder zu kalt ist, verlangsamen sich ihre Bewegungen und ihr Stoffwechsel. Ebenso wie die Vögel entwickeln sich die Reptilien aus Eiern, die eine pergamentartige Schale besitzen. Die Eier werden von den Elterntieren nicht ausgebrütet, sondern vergraben. Mithilfe der Sonnenwärme entwickeln sich die Jungen und schlüpfen dann.
Smaragdeidechse© Frank Hecker
Reptilien besiedeln die unterschiedlichsten Lebensräume – sofern geeignete Sonnenplätze vorhanden sind. Die Zerstörung von Kleinstrukturen wie Hecken und Steinhaufen in der Landschaft sowie die Aufforstung von brachliegenden Flächen macht den Reptilien zu schaffen, ebenso der Einsatz von Insektiziden.
Amphibien
Die Amphibien oder Lurche sind die stammesgeschichtlich älteste Gruppe der Landwirbeltiere. Wie ihre wasserlebenden Vorfahren, die Fische, schwimmen viele Arten zunächst als Larve im Wasser und leben anschließend an Land. Die Kaulquappe, die zum Frosch wird, ist das bekannteste Beispiel für diese Metamorphose. Die Kaulquappen bilden ihre Kiemen zurück und verlagern die Atmung zur Lunge und zur Hautoberfläche. Zwei Beinpaare entwickeln sich. Aber auch das Leben der erwachsenen Tiere ist eng an das Wasser gebunden und im Frühjahr wandern sie zu ihren Laichgewässern und legen dort ihre Eier ab.
Die bekanntesten heimischen Amphibien sind Frösche, Kröten und Salamander, aber auch Molche und Unken gehören dazu. Wie die Reptilien sind auch die Amphibien wechselwarm, ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebungswärme an. Ihre Lebensräume, Teiche, Tümpel, feuchte Wiesen und Wälder, Auen und Moore, sind vielerorts verschwunden, sodass ihre Bestände teilweise dramatisch zurückgegangen sind. Naturnahe Teiche in Gärten ohne Kunstdünger und Gifteinsatz sind Refugien für diese faszinierenden Tiere.
© Frank Hecker
Fische
Fische sind die älteste und artenreichste Wirbeltiergruppe. Schon vor 450 Millionen Jahren besiedelten die ersten Exemplare die Urmeere. Heute schwimmen Fische in Süß- und in Salzwasser – in Tümpeln, Bächen, Seen, Flüssen und in den Meeren.
Körperteile eines Fischs
Fische atmen durch Kiemen und ihre Körperoberfläche ist – mit wenigen Ausnahmen wie etwa beim Aal – von Schuppen bedeckt. Anders als die meisten Landwirbeltiere bewegen sich Fische durch seitliche Schlängelbewegungen ihrer Wirbelsäule fort. Den Knorpelfischen, zu denen die Haie und Rochen gehören, wird die große und artenreiche Gruppe der Knochenfische gegenübergestellt. Ihr Skelett ist im Gegensatz zu den Knorpelfischen durch die Einlagerung von Kalzium verknöchert. Außerdem können sie mithilfe ihrer Schwimmblase im Wasser ihren Auftrieb regeln. Haie und Rochen hingegen müssen ständig schwimmen, um nicht auf den Grund zu sinken. Über 90 Prozent der heute lebenden Fischarten gehören zu den Knochenfischen.
Die meisten Fische legen Eier, um sich fortzupflanzen. Die Weibchen geben dazu oft mehrere Millionen Eier (Rogen) ins Wasser ab, die dann vom männlichen Sperma, der Milch, befruchtet werden. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich in den ersten Lebensstadien von einem sie umgebenden Dottersack ernähren.
Meeresfische verfügen über spezielle Mechanismen, um sich dem Salzgehalt des Wassers anzupassen. Die Salzkonzentration des Meerwassers ist wesentlich höher als die im Gewebe und Blut des Fisches. Durch spezielle Vorrichtungen in den Kiemen kann er das Meerwasser so stark entsalzen, dass es der Konzentration seiner Körperflüssigkeit entspricht.
Süßwasserfische haben das umgekehrte Problem: Ihre Körperflüssigkeit enthält mehr Salze als das sie umgebende Wasser. Um den Konzentrationsunterschied auszugleichen, strömt über die Hautoberfläche laufend Wasser in sie hinein. Um nicht zu platzen, scheidet ein Süßwasserfisch das Wasser über die Nieren wieder aus.
Die Bestände vieler Fischarten sind stark überfischt und dadurch bedroht. Auch Ausbau und Begradigung von Flüssen und Bächen zerstören den Lebensraum vieler Fischarten. Dagegen hat sich die Wasserqualität vielerorts in den letzten Jahrzehnten wieder verbessert.
Wirbellose
Wer keine Wirbelsäule hat, der gehört zu den Wirbellosen. Aber das ist auch schon fast das einzige Merkmal, das so grundverschiedene Gruppen wie Seeigel, Insekten, Quallen oder Schnecken miteinander teilen. Die ersten Tierarten, die die Erde besiedelten, besaßen weder Knochen noch Knorpel. Aber auch heute noch gehören über 95 Prozent aller bekannten Tierarten zu den Wirbellosen. Die beiden größten und artenreichsten Gruppen sind die Gliederfüßer und die Weichtiere.
Körperteile eines Schmetterlings
Körperteile eines Insekts (hier eines Käfers)
Gliederfüßer
Zu den Gliederfüßern zählen drei Viertel aller Tierarten, darunter die Heerscharen der Insekten, Spinnen- und Krebstiere. Sie besitzen ein Außenskelett aus Chitin und eine unterschiedliche Anzahl gegliederter Beinpaare, die auch reduziert oder stark abgewandelt sein können.
Insekten
In Sachen Artenvielfalt sind die Insekten die absoluten Spitzenreiter im Tierreich: Über die Hälfte aller bekannten Tierarten sind Insekten und fast täglich werden neue Arten entdeckt. Die meisten Arten sind in den tropischen Regenwäldern zu finden. Aber auch in fast allen anderen Lebensräumen auf der Erde krabbeln, kriechen oder fliegen Insekten, nur in den Ozeanen sucht man sie vergebens.
Viele Insekten leben auf oder im Boden und sind wichtig für die Zersetzung organischer Substanzen. Andere leben an oder in Pflanzen; die Nektar- und Pollensammler sind unentbehrlich für die Pflanzenbestäubung. Eine große Gruppe lebt räuberisch. Lästig sind die Arten, die in Haaren oder Fell von größeren Tieren hausen wie Läuse und Flöhe. Staatenbildende Insekten wie Ameisen, Bienen oder Termiten bauen große komplexe Nester und praktizieren Arbeitsteilung.
Ein Insekt erkennt man in der Regel daran, dass 6 Beine vorhanden sind und der Körper deutlich in 3 Abschnitte gegliedert ist: Kopf, Brust, Hinterleib (siehe Abb. oben). Der Insektenkopf trägt die auffälligen Facettenaugen, die Mundwerkzeuge (siehe Abb. Seite 23 oben) und ein Paar Fühler (Antennen) zum Tasten und Riechen. An dem Brustsegment sitzen die 6 Laufbeine und bei den urtümlich gebauten geflügelten Insekten die beiden Flügelpaare, bei den Fliegen (Dipteren) nur 1 Flügelpaar. Bei ihnen ist das zweite Paar zu Schwingkölbchen reduziert. Ein Panzer aus Chitin umhüllt den Insektenkörper. Auf diesem Panzer können aber auch noch Dornen, Haare, Borsten, Schuppen oder Höcker sitzen.
Zugang zu den wichtigsten Gruppen der Wirbellosen (nur erwachsene Tiere)
Zum Atmen nutzen die Insekten ein System von Röhren (Tracheen), die den gesamten Körper durchziehen und in immer feineren Röhren bis an die einzelnen Organe und Zellen reichen. Nach außen öffnen sich die Tracheen in kleinen Atmungsöffnungen. Die Luft strömt durch das Röhrensystem hindurch und versorgt den Körper mit Sauerstoff. Diese Methode der Atmung funktioniert aber nur bei vergleichsweise kleinen Tieren, weil sonst die Luftzirkulation in den inneren Tracheen zu gering ist.
Insektenkopf mit Mundwerkzeugen
Insekten schlüpfen aus Eiern und durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien (siehe Abb. unten). Bei der vollkommenen Entwicklung schlüpft aus dem Ei die Larve, die sich später verpuppt. Aus der Puppe schlüpft dann das erwachsene Insekt. So entwickeln sich beispielsweise Käfer, Schmetterlinge, Bienen und Ameisen. Bei der unvollkommenen Entwicklung fehlt das Puppenstadium, etwa bei Heuschrecken, Wanzen und Libellen.
Vom Ei zum Vollinsekt (Metamorphose). Oben: Larvenstadien ähnlich wie voll entwickeltes Insekt (Imago). Unten: Über Larvenstadien und Puppe zum Vollinsekt.
Krebse
Krebse sind bis auf wenige Ausnahmen im Wasser zu finden und haben fast alle Lebensräume im Meer und im Süßwasser besiedelt. Dementsprechend atmen sie durch Kiemen. Nur die Land-asseln können dauerhaft an Land leben. Das Auffälligste an den großen Krebsen ist ihr harter Panzer, der ihnen den Namen Krustentiere eingebracht hat. Je nach Lebensweise haben die Krebstiere ihren Körperbau stark abgewandelt, beispielsweise die festsitzenden Seepocken, die mit Rankenfüßen Plankton aus dem Wasser fangen.
Körperteile eines Krebses
Spinnentiere
Zu den Spinnentieren gehören die Webspinnen, aber auch Weberknechte, Skorpione, Pseudoskorpione und Milben – inklusive Zecken. Ihr Körper ist in Vorder- und Hinterleib gegliedert und sie haben 4 Paar Laufbeine. Viele Spinnentiere sind Jäger, die ihre Beute mit Gift töten. Statt Facettenaugen wie die Insekten haben sie mehrere Punktaugen, die sehr leistungsstark sein können.
Körperteile einer Spinne
Weichtiere
Zu den Weichtieren zählen Schnecken, Muscheln sowie Tintenfische. Ihr Körper gliedert sich in einen vorderen Kopf, einen Eingeweidesack und einen Mantel, der etwa bei Muscheln und Schnecken eine feste Kalkschale bilden kann. Viele verfügen über einen muskulösen Fuß, der Schleim absondern kann. Tintenfische wiederum besitzen nur Reste einer Schale im Körperinneren, die von den Weichteilen umschlossen sind.
Kopffüßer
Kopffüßer sind hochentwickelte Weichtiere, zu denen Tintenfische und Kraken gehören. Sie kommen nur im Meer vor. Die Schale ist bei den meisten Arten zurückgebildet. Ihre beweglichen Arme nutzen sie, um Beute zu ergreifen oder sich fortzubewegen. Am Kopf haben sie einen papageienartigen Schnabel und leistungsstarke Augen.
Muscheln
Die meisten Muscheln sind von 2 Schalenklappen umgeben und haben ihren Kopf zurückgebildet. Muscheln ernähren sich vor allem von Schwebstoffen. Dazu pumpen sie Wasser durch ihren Körper und fangen die Futterteilchen in ihren Kiemen auf. Muscheln sind in Salz-, Brack- und Süßwasser zu finden.
Schnecken
Schnecken sind die einzigen Weichtiere, die auch an Land vorkommen. Der weiche Körper einer Schnecke besteht aus einem Kopf, der direkt auf einem muskulösen Kriechfuß sitzt, sowie einem Eingeweidesack, der von der Schneckenschale geschützt wird. Bei den Nacktschnecken fehlt dieses Gehäuse. Die landlebenden Schnecken haben ihre Kiemen zurückgebildet und atmen Luft durch eine Lunge.
Körperteile einer Gehäuseschnecke
Stachelhäuter
Alle Stachelhäuter leben im Meer. Diese Gruppe umfasst unter anderem die Seeigel, Seesterne, Schlangensterne und Seegurken. Allen gemeinsam ist die 5-strahlige Symmetrie, die es sonst nirgendwo im Tierreich gibt. Besonders deutlich zeigen diesen Bauplan die Seesterne, die typischerweise 5 Arme haben. Der Name »Stachelhäuter« ist beim Seeigel selbsterklärend: Der kalkhaltige Panzer ist mit vielen Stacheln bedeckt. Durch feine Löcher in der Schale ragen die kleinen Wasserfüßchen, auf denen die Tiere laufen.
Ringelwürmer
Zu den Ringelwürmern gehören neben den allbekannten Regenwürmern und ihren Verwandten auch die Egel sowie die vielborstigen Würmer, die im Meer leben. Ringelwürmer haben einen Kopf, einen Rumpf aus mehr oder weniger gleichförmigen Segmenten und ein Hinterende.
Nesseltiere
Zu den Nesseltieren gehören ganz unterschiedliche Tiere, die alle im Wasser und fast alle im Meer leben. Beispiele für die Vertreter der Nesseltiere sind Quallen, Korallen und Seeanemonen. Allen gemeinsam ist der Besitz von kompliziert gebauten, mit Gift gefüllten Nesselzellen, die meist an Fangarmen sitzen. Mit ihrer Hilfe werden Beutetiere gelähmt und Angreifer abgeschreckt.
Schwämme
Schwämme sind einfach organisierte Tiere, die im Wasser leben. Die meisten sitzen am Meeresboden fest und strudeln. Mit Millionen von Flimmerhärchen erzeugen sie einen Wasserstrom durch ihren Körper und filtern Nahrungspartikel heraus. Statt Knochen stützen Strukturen aus Kalk, Silikat oder Proteinen den porösen Körper der Schwämme.
SÄUGETIERE
Gämse
Rupicapra rupicapra
(Rinderartige)
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Sehr gute Kletterer Gämsen klettern und springen sehr gewandt. Die weiblichen Tiere leben mit den Jungen in Herden. Die männlichen Tiere sind Einzelgänger und nur zur Brunftzeit zwischen August und Oktober bei den Herden. Die Jungen kommen nach einer Tragzeit von 170 Tagen im Mai oder Juni zur Welt. Der Gamsbart am Trachtenhut wird aus den langen Rückenhaaren des Winterfells gebunden, ist also gar kein Bart.
Merkmale Schulterhöhe 75–80 cm, 17–50 kg. Weibliche Tiere kleiner und leichter als männliche, beide mit kleinen, hakenförmig nach hinten gebogenen Hörnern. Ziegenähnliche Gestalt, schwarz-weiß gezeichnetes Gesicht. Fell braun mit schwarzem Rückenstreifen (Aalstrich).
Stimme Lang gezogener Warnpfiff, Meckern.
Vorkommen Hochgebirge, v. a. in den oberen Waldregionen. Im Sommer auch oberhalb der Baumgrenze, im Winter in den Wäldern.
SÄUGETIERE
Steinbock
Capra ibex
(Rinderartige)
© Gregor Faller
Spezialisten der Steilwände Steinböcke können hervorragend klettern und vollführen akrobatische Sprünge an Steilwänden und Schluchten. Männliche und weibliche Tiere leben in getrennten Rudeln. Nur zur Paarungszeit treffen sie sich und die Böcke kämpfen heftig um die Weibchen. Jungböcke leben 2 Jahre in den Mutterrudeln, bevor sie zu den männlichen Tieren wechseln. Steinböcke waren fast ausgerottet, heute sind sie wieder vielerorts zu bewundern.
Merkmale Schulterhöhe 70–95 cm, 50–100 kg. Männliche Tiere mit mächtigen, rückwärts gebogenen, bis zu 1 m langen Hörnern. Weibliche Tiere deutlich kleiner und leichter, mit kurzen Hörnern. Graubraunes Fell.
Stimme Meckern, Blöken und bei Gefahr ein scharfer, kurzer Pfiff.
Vorkommen In den Alpen oberhalb der Baumgrenze in 2500–3500 m Höhe, zwischen Felsen.
SÄUGETIERE
Mufflon
Ovis gmelini musimon
(Rinderartige)
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Haustier seit der Steinzeit Mufflons sind Wildschafe, die schon in der Jungsteinzeit von Menschen als Haustiere gehalten wurden. Die heute lebenden Tiere wurden als Park- und Jagdwild ausgesetzt. Vermutlich stammen sie aus Kreuzungen von Wild- und Zuchtschafen. Mufflons leben in Rudeln unter der Führung eines erfahrenen Weibchens.
Merkmale Schulterhöhe 65–75 cm, 25–50 kg. Männliche Tiere mit auffälligen, stark gekrümmten Hörnern. Fell braun mit hellem Sattelfleck.
Stimme Meckern, Blöken, scharfer Warnpfiff
Vorkommen Laub- und Mischwälder der Mittel- und Hochgebirge, vom Menschen eingeführt.
SÄUGETIERE
Rothirsch
Cervus elaphus
(Hirsche)
© Frank Hecker
Röhren lautstark im Herbst Die nach dem Elch größte europäische Hirsch-Art beschert uns im Herbst ein besonderes Spektakel: Durch den Wald röhren die Brunftschreie der männlichen Rothirsche. Sie werben um die Weibchen und versuchen ihre Gegner einzuschüchtern. Hilft alles Röhren nicht, kommt es zu heftigen Kämpfen. Außerhalb der Brunftzeit leben die Hirschkühe mit den Jungtieren in Rudeln getrennt von den Hirschen. Die Kälber kommen mit weißen Flecken zur Welt und leben mit den Müttern vorübergehend abseits vom Rudel. Tagsüber bleiben sie gut versteckt im hohen Gras liegen. Erst im Schutz der Dämmerung werden sie gesäugt.
Merkmale Schulterhöhe 115–130 cm, 160–210 kg. Männliche Hirsche (Bild oben) mit 12–14-endigem Stangengeweih, das jeden Sommer neu nachwächst. Hirschkühe (Bild unten) ohne Geweih. Sommerfell rotbraun, Winterfell graubraun.
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Stimme Zur Brunft lautes Röhren der Männchen. Sonst Bellen, Grunzen, Brummen oder Blöken.
Vorkommen In Laub- und Mischwäldern. Brauchen große zusammenhängende Gebiete, sind durch die Zersiedelung der Landschaft gefährdet.
SÄUGETIERE
Damhirsch
Dama dama
(Hirsche)
© Frank Hecker
Wird zahm und zutraulich Damwild eignet sich besser als andere Hirscharten zur Haltung in Gehegen, die Tiere sind verträglich und werden schnell zutraulich. Damwild stammt aus Kleinasien und wurde bereits in antiker Zeit nach Mitteleuropa eingeführt. Damhirsche leben im Winter in gemeinsamen Rudeln aus bis zu 150 Tieren. Im Frühjahr und Sommer trennen sich die Geschlechter. Im Herbst versuchen die starken Hirsche, möglichst viele Weibchen zu erobern. Der Brunftruf ist höher als der des Rothirsches. Die Rivalen liefern sich heftige Geweihkämpfe. Im Mai und Juni werfen die Hirschkühe 1–3 Jungtiere. Diese werden bis in den Spätsommer gesäugt und sind nach etwa einem Jahr selbstständig.
Merkmale Schulterhöhe 80–100 cm, Männchen 35–110 kg, manchmal bis zu 200 kg, Weibchen kleiner als Männchen. Kleiner als der Rothirsch. Männchen mit schaufelartigem Geweih, das erst ab dem 4. Lebensjahr ganz ausgebildet ist. Alljährlich im Frühsommer wird es abgeworfen und wächst dann wieder nach. Sommerfell beider Geschlechter kräftig rotbraun, weiß gefleckt. Winterfell graubraun, undeutlich gefleckt.
Stimme Bei der Herbstbrunft rülpsendes Röhren der Männchen. Weibchen bellen, Jungtiere fiepen.
Vorkommen Waldgebiete, auch in Wald-Feld-Mosaiklandschaften verbreitet, zum Teil isolierte, eng begrenzte Vorkommen.
SÄUGETIERE
Reh
Capreolus capreolus
(Hirsche)
© Frank Hecker
Kleinste europäische Hirsch-Art Rehe sind eine besonders schlanke und grazile Hirsch-Art. V. a. die weiß gepunkteten Rehkitze mit ihren großen »Rehaugen« sind echte Sympathieträger. Die Kitze werden zum Schutz vor Feinden in dichter Vegetation versteckt. Rehe sind sehr anpassungsfähig, ihre Hauptfeinde sind streunende Hunde und Autos. Die Weibchen leben mit den Jungen im Familienverband, die Männchen sind meist Einzelgänger. Rehe sind ausgezeichnete Läufer und Springer und sogar gute Schwimmer.
Merkmale Schulterhöhe 75 cm, 18–25 kg. Männchen (Böcke, 2a) mit kurzem Geweih, meist mit 6 Enden, wird im Spätherbst abgeworfen. Weibchen (Geißen) ohne Kopfschmuck. Typisch: weißer Kinnfleck, schwarze Nase. Sommerkleid glänzend fuchsrot, matter gelblicher Fleck am Hinterteil (Spiegel). Winterkleid graubraun mit leuchtend weißem Spiegel. Kitze (Bild unten) rotbraun mit weißer Punktierung auf Rücken und Flanken.
© Frank Hecker
Stimme Kurzes Bellen, v. a. bei Erschrecken.
Vorkommen Abwechslungsreich gegliederte Landschaften mit Hecken, Waldrändern, Flussauen oder Teichgebieten. Auch in Kulturlandschaften weit verbreitet.
SÄUGETIERE
Wildschwein
Sus scrofa
(Schweine)
© Frank Hecker
Stammform aller Hausschweinrassen Wildschweine leben gern in feuchten Laubmischwäldern, wo sie mit ihrer Rüsselscheibe den Waldboden nach Würmern, Wurzeln und Früchten durchwühlen. Im Herbst fressen sie Eicheln und Bucheckern. Weil sie in der Kulturlandschaft reichlich Nahrung finden, nehmen die Bestände zu. Wildschweine können auf Mais-, Kartoffel- oder Getreidefeldern erhebliche Schäden anrichten. Sie leben in Familienverbänden aus Bachen und Jungtieren. Die Keiler streifen als Einzelgänger umher. Paarungszeit ist der Winter, die Jungen (Frischlinge) kommen im April und Mai zur Welt.
Merkmale Schulterhöhe 80–95 cm, 70–200 kg. Weibchen (Bache) etwa ein Viertel kleiner und leichter als Männchen (Keiler). Körper gedrungen, massig. Kopf keilförmig gestreckt mit kräftigem Rüssel, Männchen mit hervorstehenden Eckzähnen im Unterkiefer. Fell borstig, schwarz bis graubraun.
Stimme Grunzen, Schnauben, Quieken.
Vorkommen Laub- und Mischwälder mit morastigen Gebieten, die Suhlen für ihr Schlammbad bereithalten (Haut- und Fellpflege).
SÄUGETIERE
Schweinswal
Phocoena phocoena
(Delfine)
© Solvin Zankl
Kleinste Wal-Art Schweinswale sind die häufigsten Wale in der Nord- und Ostsee. Eine tödliche Gefahr für sie sind Fischernetze, in denen sie sich verfangen und qualvoll ersticken. Auch Umweltgifte und die zunehmende Lärmbelastung der Meere gefährden die Tiere, die sich mit einem Sonarsystem orientieren und jagen. Eine wichtige »Kinderstube« der Schweinswale liegt in der Nordsee vor Sylt. Schweinswale haben bis zu 120 Zähne. Sie jagen Heringe, Makrelen, Dorsche, Schollen und Krebse und tauchen dabei bis zu 100 m tief. Im Sommer ist Paarungszeit. Die Kälber werden nach 10–11 Monaten Tragzeit geboren. Schweinswale werden etwa 14 Jahre alt.
Merkmale Bis zu 1,9 m, 40–65 kg. Rückenflosse (Finne) niedrig, 3-eckig, aber mit deutlich abgerundeter Spitze. Brustflosse (Flipper) klein, oval. Schwanzflosse (Fluke) gekerbt, mit spitzen Enden. Rücken braungrau bis schwarz, Unterseite weiß, Flanken von dunkel in hell übergehend.
Vorkommen Gewässer der Nordhalbkugel mit gemäßigten und subarktischen Temperaturen.
SÄUGETIERE
Großer Tümmler
Tursiops truncatus
(Delfine)
© R. Dirscherl/Blickwinkel über Hecker
Intelligente Säuger Die kräftigen Schwimmer reiten oft auf den Bugwellen großer Schiffe und können hoch über die Wasseroberfläche springen. Große Tümmler leben in engen sozialen Verbänden (Schulen). Im Durchschnitt schwimmen sie täglich 60–100 km und tauchen bis zu 500 m tief. Sie jagen Fische, Krebse oder Kopffüßer, die sie mit etwa je 40 Zähnen im Ober- und Unterkiefer gut festhalten können. Die Jungen kommen nach 1 Jahr Tragzeit auf die Welt und sind etwa 120 cm lang. Die Geburt kann sich bis zu 2 Stunden hinziehen. Die Lebensdauer der Tiere beträgt etwa 25 Jahre. Leider werden diese faszinierenden Säugetiere immer noch in Delfinarien gehalten.
Merkmale 2–4 m, 90–650 kg. Typischer Delfin. Rückenflosse (Finne) groß, breit, sichelförmig. Schwanzflosse (Fluke) breit, in der Mitte gekerbt und mit spitz zulaufenden Enden. Oberseite dunkelgrau, Bauch heller. Gut ausgebildeter Schnabel, Schnabelspitze meist weiß. Mundspalte verläuft nach oben (»Delfinlächeln«).
Vorkommen In allen europäischen Meeren, nordwärts bis zur Nordsee, nur selten in der Ostsee.
SÄUGETIERE
Seehund
Phoca vitulina
(Hundsrobben)
© Frank Hecker
Wappentier des Wattenmeeres Seehunde sind gesellige Tiere, bei Ebbe ruhen sie sich gruppenweise auf Sandbänken aus und tanken Sonne. Hier kann man sie auf den beliebten Seehundsfahrten im Wattenmeer vom Schiff aus beobachten. Unter Wasser jagen Seehunde nach Fischen, fressen aber auch Muscheln und Krabben. Im Hochsommer paaren sie sich, nach etwa 10 Monaten Tragzeit bringt die Mutter 1, selten 2 Junge auf einer Sandbank zur Welt. Wenn junge, bis zu 5 Wochen alte Seehunde die Mutter verloren haben, heulen sie laut, um den Kontakt zur Mutter wieder herzustellen. Diese »Heuler« sollten nicht berührt werden. Seehunde werden bis zu 30 Jahre alt. Die großen, runden Augen, die feuchte »Stupsnase«, das raue Bellen und das hundeähnliche Gesicht dürften dem Seehund seinen Namen gegeben haben.
Merkmale 175–200 cm, 50–150 kg. Robbe mit rundem Kopf, v-förmigen Nasenöffnungen und kurzen Schnurrhaaren. Die ähnliche Kegelrobbe hat senkrechte, parallel verlaufende Nasenöffnungen. Pelzfarbe variiert von gelbgrau bis dunkelbraun, die Sprenkelung auf der Oberseite mit dunklen Flecken ist unterschiedlich stark ausgeprägt.
Vorkommen Küstengewässer, Buchten und Wattenmeere mit flachen Sandbänken in der nördlichen Hemisphäre, verbreitet in der Deutschen Bucht, selten in der Ostsee.
SÄUGETIERE
Wolf
Canis lupus
(Hunde)
© David und Micha Sheldon/BWüHecker
Bei uns wieder heimisch Der Wolf ist der bedeutendste Stammvater der Haushundrassen. Er war früher über die gesamte nördliche Halbkugel der Erde verbreitet, wurde aber über weite Strecken ausgerottet. In Deutschland werden seit dem Jahr 2000 wieder frei lebende Wölfe beobachtet. Mittlerweile gibt es mehrere Rudel, die regelmäßig Welpen aufziehen. Wölfe sind für ihre langen Wanderungen bekannt, die sie über 1000 km weit durch verschiedene Länder führen können.
Wölfe leben im Familienverband bestehend aus den Eltern und den Jungtieren der letzten beiden Würfe. Der Rüde hilft bei der Aufzucht der 3–6 Welpen (Bild oben). Wölfe beanspruchen große Reviere, mühelos legen die ausdauernden Läufer täglich 30 km und mehr zurück. Sie jagen v. a. Hirsche, Rehe und Wildschweine. Gebiete mit hohen Wildbeständen bieten den Wölfen eine günstige Nahrungsgrundlage und geeignete Lebensräume. Da Wölfe bei ihrer Nahrungssuche jedoch nicht zwischen Nutztieren und Wildtieren unterscheiden können, reißen sie auch Schafe. Um dies zu verhindern, reichen in aller Regel Elektrozäune oder Herdenschutzhunde aus.
Zu Unrecht haben Wölfe vielfach einen schlechten Ruf und spielen im Märchen immer die Rolle des Bösen. In der Natur sind Wölfe sehr vorsichtig und meiden die Menschen normalerweise. Daher bekommen Spaziergänger im Wald einen Wolf nur extrem selten zu Gesicht. Kommt es doch mal vor, helfen ein paar einfache Tipps: Nicht weglaufen, sondern ruhig stehen bleiben oder sich langsam zurückziehen. Man kann das faszinierende Tier beobachten, sollte es jedoch weder anfassen noch füttern. Vertreiben lässt sich ein Wolf, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt.
Merkmale Schulterhöhe 65–80 cm, 25–50 kg. Ähnlich wie Schäferhund, aber kräftiger und hochbeiniger (Bild unten). Felloberseite gelbgrau mit schwärzlicher Marmorierung, Unterseite weißlich grau. Sehr buschiger, hängender Schwanz.
© Frank Hecker
Stimme Zur Paarungszeit im Winter lang gezogenes Heulen, sonst Knurren, Jaulen, Verbellen.
Vorkommen In Deutschland Wiedereinwanderung v. a. in den östlichen Bundesländern, inzwischen auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Weitere Ausbreitung zu erwarten.
SÄUGETIERE
Rotfuchs
Vulpes vulpes
(Hunde)
© Frank Hecker
Schlau und anpassungsfähig Der sprichwörtlich schlaue und sehr anpassungsfähige Rotfuchs ist erfolgreich allen intensiven Nachstellungen entkommen. Im Schutz der Dunkelheit durchstreift er nicht nur Wälder, um Mäuse und andere Kleinsäuger zu jagen, sondern auch Parks mitten in der Großstadt, um Mülltonnen zu inspizieren. Als relativ anspruchsloser Allesfresser nimmt er auch Beeren und Früchte, Regenwürmer und Insekten. Für Hühner, Enten und Gänse kann es v. a. in der Zeit der Jungenaufzucht gefährlich werden, wenn die Fuchsfamilie einen hohen Nahrungsbedarf hat. Tagsüber und zur Aufzucht der Jungen zieht sich der Fuchs in seinen unterirdischen Bau zurück. Dazu nutzt er gern auch Dachsbauten (Bild oben). Füchse leben in einem losen Familienverband. In der Paarungszeit im Januar umwerben mehrere Rüden ein Weibchen. Zur Wurfzeit gräbt die Füchsin einen Bau. Der Rüde hilft bei der Aufzucht der 4–6 Jungtiere, die nach einem Monat erstmals den Bau verlassen (erstes Bild unten). Der Fuchs war früher Überträger des Tollwuterregers. Deshalb wurden in seinen Lebensräumen Impfstoffe in Ködern ausgelegt. Heute gilt Deutschland als tollwutfrei.
© Frank Hecker
© Gartenschatz GmbH/Moning
Merkmale Schulterhöhe 30–40 cm, 4–10 kg. Ähnlich schlankem Hund mit spitzem Kopf (drittes Bild oben). Rücken rotbraun, Kehle, Brust, Bauch weißlich. Viele Farbvarianten. Bernsteinfarbene Augen, buschiger Schwanz (Lunte) mit weißer Spitze.
Stimme Diverse Laute, heiseres Bellen, lang gezogenes, einsilbiges Schreien oder »Jammern«.
Vorkommen Wälder und Parklandschaften. Sehr anpassungsfähig, nutzt viele verschiedene Lebensräume.
SÄUGETIERE
Braunbär
Ursus arctos
(Bären)
© Frank Hecker
Beerensammler und Einzelgänger Bis vor 1000 Jahren waren Braunbären fast überall in Mitteleuropa zu finden. Doch die ausgedehnten nahrungsreichen Wälder, in denen sie leben, wurden zunehmend abgeholzt und die Bären selbst intensiv gejagt. Daher war der Braunbär im 19. Jahrhundert bis auf Restbestände in Osteuropa fast ausgerottet. Heute haben sich dank diverser Hilfsmaßnahmen in verschiedenen Ländern Mitteleuropas wieder Bären angesiedelt. Die Rückkehr der Braunbären klappt nur dort, wo sie ausreichend Nahrung und ungestörte Gebiete vorfinden. Die meisten Braunbären gibt es im Osten Europas, v. a. in Russland, Rumänien, Slowenien und der Slowakei. Während die Bären in der Slowakei sowie in Slowenien und Rumänien relativ gut geschützt sind, werden sie in Russland weiterhin stark bejagt.
Der Braunbär ist ein Einzelgänger, der ein großes Territorium für sich beansprucht. Er lebt im Wald und frisst v. a. Beeren, Früchte, Eicheln und Nüsse. Der Herbst ist die beste Sammelzeit für die Braunbären. Sie fressen sich ein dickes Fettpolster an, von dem sie während ihres Winterschlafs zehren. Beim Schlafen drosseln sie ihre Körperfunktionen, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Mit ihrem Fettvorrat kommen sie gut 4,5 Monate ohne Nahrung aus.
Europäische Braunbären paaren sich im Mai oder Juni. Mit den ersten Schneefällen ziehen sich die trächtigen Weibchen in Felshöhlen oder selbst gegrabene Lager an Berghängen zurück, um Winterschlaf zu halten. Von Januar bis März, noch während der Winterruhe, bringen sie 1–4 Junge zur Welt. Die Jungen bleiben bei ihrer Mutter, bis sie mit etwa 2 Jahren selbstständig sind.
Merkmale 170–230 cm, Schulterhöhe 90–110 cm, 100–250 kg, massig. Fell meist einfarbig dunkelbraun. Hals und Nacken sehr kräftig. Kopf breit, lange Schnauze. Augen klein. Ohren kurz, pelzig. Tatzen flächig. Schwanz nicht sichtbar.
Stimme Brummen, Niesen, in Stresssituationen auch Schreien.
Vorkommen Nahrungsreiche Mischwälder im Gebirge und im Flachland, fast ausgerottet, Restbestände v. a. im Osten Europas.
SÄUGETIERE
Waschbär
Procyon lotor
(Kleinbären)
© Frank Hecker
Kulturfolger und Allesfresser Der Waschbär war ursprünglich in Nordamerika beheimatet und wurde Ende der 1920er-Jahre als Pelztier nach Deutschland geholt und 1934 am hessischen Edersee ausgesetzt. Sein dichtes, langhaariges Fell galt als begehrte Jagdbeute. Auch aus Pelztierzuchtfarmen konnten die Kleinbären immer wieder entwischen. In den Wäldern fanden sie Futter sowie Wohnhöhlen und konnten sich durch das Fehlen natürlicher Feinde ungestört vermehren. Die anpassungsfähigen Tiere breiteten sich schnell und erfolgreich aus. Auf der Suche nach geeigneten Lebensräumen wandern sie weite Strecken, die sie mehrere Kilometer vom Geburtsort wegführen können. Waschbären können ausgezeichnet klettern und gut schwimmen. Sie sind Allesfresser und nehmen Beeren, Nüsse, Insekten, Würmer, Frösche und gelegentlich auch Vögel oder Kleinsäuger zu sich. Als Kulturfolger lebt der Waschbär auch in Dörfern und Städten (Bild oben), sucht seine Nahrung in Mülltonnen und nutzt Dachböden oder Scheunen als Schlafquartier.
Seinen Namen trägt der Waschbär, weil er seine Nahrung, die er auch im Wasser sucht, gern mit den Vorderpfoten bewegt und prüft. Es scheint, als würde er seine Nahrung waschen (Bild unten).
© Frank Hecker
Merkmale 50–70 cm, Schwanz 20–30 cm, 4–9 kg. Weibchen etwas kleiner als Männchen. Ungefähr Fuchsgröße. Fell grau bis graubraun. Buschiger Schwanz mit hellen und dunklen Ringen. Gesicht mit schwarzer Maske durch die Augen, darüber weißes »Stirnband«.
Stimme Trillernde Laute, Zischen, Kreischen.
Vorkommen In Europa eingeschleppte Art, in Ausbreitung. Laub- und Mischwälder, Parklandschaften mit langsam fließenden Gewässern.
SÄUGETIERE
Steinmarder
Martes foina
(Marder)
© Frank Hecker
Zerbeißt Autokabel Der Steinmarder (Bild oben) ist ein Kulturfolger und oft in Städten, Parks und Gärten anzutreffen. Nachts jagt er Kleinsäuger und Vögel bis Hühnergröße. Seine besondere Vorliebe sind Vogeleier aller Art. Steinmarder begegnen uns als Poltergeist auf dem Dachboden, sie zerbeißen auch Kabel und legen damit Autos lahm. Der seltenere Baummarder (Martes martes), siehe Bild unten, dagegen ist eher scheu.
© Frank Hecker
Merkmale 30–45 cm, Schwanz 11–18 cm. Fell graubraun. Schwanz lang, buschig. Körper schlank, gestreckt. Beine kurz. Sehr typisch: weißer Kehlfleck bis zur Brust. Baummarder kleiner, mehr braun als grau, meist gelblicher Kehlfleck.
Stimme Fauchen, Knurren.
Vorkommen Weitgehend offenes Gelände mit vielen Schlupfwinkeln, auch Parks und Gärten.
SÄUGETIERE
Hermelin
Mustela erminea
(Marder)
© Frank Hecker
Flinke Mäusejäger Hermeline sind v. a. wegen ihres weißen Winterfells bekannt, aus dem auch Pelzmäntel für Könige gefertigt wurden. Sie jagen Mäuse, Kaninchen, Ratten, aber auch Reptilien und Vögel. Die Lebenserwartung eines Hermelins beträgt nur 1–2 Jahre. Dafür sorgen viele Fressfeinde wie Greifvögel, Füchse und Dachse.
Merkmale 20–30 cm, Schwanz 5–12 cm. Im Sommer Oberseite braun, Unterseite hell, beide scharf voneinander getrennt. Im Winter bis auf die schwarze Schwanzspitze vollkommen weiß.
Stimme Keckern und Schreien bei Angst.
Vorkommen Wälder, Parklandschaften, Gärten.
SÄUGETIERE
Mauswiesel
Mustela nivalis
(Marder)
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Kleinstes Raubtier Europas Das kleine Mauswiesel ist sehr anpassungsfähigund agil. Es jagt vorwiegend Wühlmäuse, frisst aber auch Vögel und deren Eier. In guten Mäusejahren können Mauswiesel in schneller Folge Junge werfen und der Bestand schnellt in die Höhe. Natürliche Feinde sind andere Marder, Greifvögel, Eulen und Füchse.
Merkmale 15–25 cm, Schwanz 3–9 cm. Felloberseite rot- bis graubraun, Unterseite weiß bis gelblich weiß. Sehr typisch: Trennlinie zwischen Ober- und Unterseite gewellt.
Stimme Piepen oder Pfeifen.
Vorkommen Offene Wälder, Gärten und Felder.
SÄUGETIERE
Iltis
Mustela putorius
(Marder)
© Blickwinkel McPhoto über Hecker
Stinkdrüse zur Abwehr Der Iltis ist nachtaktiv und jagt Mäuse, Frösche und Vögel. Nur in der Paarungszeit tun sich die sonst einzelgängerischen Tiere zusammen. Ihr Revier markieren sie mit einem übel riechenden Sekret aus ihrer Analdrüse, das sie auch zur Verteidigung einsetzen.
Merkmale 30–45 cm, Schwanz 11–18 cm. Fell dunkelbraun bis schwarz mit cremegelber, an den Flanken durchscheinender Unterwolle. Gelblich weiße Gesichtsmaske. Buschiger Schwanz.
Stimme Meist still, bei Angst: Knurren, Kreischen.
Vorkommen Wälder und Wiesen in Feuchtgebieten.
SÄUGETIERE
Mink
Neovison vison
(Marder)
© Stephan Meyer Blickwinkel über Hecker
Eingeschleppter »Pelz-Nerz« Der amerikanische Nerz (Mink) ist als Flüchtling aus Pelztierfarmen in Europa heimisch geworden. Der Europäische Nerz (Mustela lutreola) ist in ganz Mitteleuropa ausgestorben, unter anderem weil ihm intensiv nachgestellt und durch die Begradigung der Flüsse sein Lebensraum zerstört wurde. Heute besetzt der robustere Mink seinen Platz.
Merkmale 30–43 cm, Schwanz 13–23 cm. Fell dunkelbraun, weich, dicht, Kinn weiß gefärbt. Zehen teilweise mit Schwimmhäuten.
Vorkommen An Flüssen und Seen mit dichter Vegetation am Ufer, v. a. in Ostdeutschland.
SÄUGETIERE
Dachs
Meles meles
(Marder)
© Frank Hecker
Baut »Dachsburgen« Der Dachs kommt erst in der Dämmerung aus seinem unterirdischen Bau heraus und ist v. a. nachts aktiv. Er frisst alles von Baumsamen, Obst und Pilzen bis hin zu Insekten, Würmern und Mäusen. Die »Dachsburgen« sind weit verzweigte Gangsysteme mit mehreren Ein- und Ausgängen und geräumigen Höhlen auf mehreren Etagen. Sie werden über Generationen weitervererbt und bieten sogar noch dem Fuchs als Untermieter Platz.
Merkmale 60–85 cm, Schwanz 15–20 cm. Gesicht auffallend schwarz-weiß gezeichnet, plumpe Gestalt, kräftige Vorderpfoten mit langen Krallen (Grabschaufeln).
Stimme Quiekende, fauchende, schnaufende und seufzende Laute.
Vorkommen Laub- und Mischwälder in Wassernähe, gern mit viel Unterholz, heute wieder weit verbreitet.
SÄUGETIERE
Fischotter
Lutra lutra
(Marder)
© Frank Hecker
Ausgezeichneter Schwimmer Der Fischotter nutzt seinen Schwanz als Antrieb und steuert mit den Hinterbeinen. Im Wasser ist er äußerst wendig und erbeutet Fische, Frösche und Muscheln. Die 2–3 Jungtiere kommen in einem gepolsterten Kessel zur Welt und können schon im Alter von 6 Wochen schwimmen. In Westeuropa ist der Fischotter extrem bedroht. Viele Tiere werden Opfer des Straßenverkehrs. Die Art wurde jedoch erfolgreich wieder ausgewildert.
Merkmale 60–85 cm, Schwanz 30–55 cm. Stromlinienförmiger Körper mit dickem, spitz zulaufendem Schwanz. Zehen mit Schwimmhäuten verbunden. Fell kurz und dicht, oberseits braun, Kehle und Bauchpartie hell bis silbrig weiß. Ohren klein und abstehend.
Stimme Helles Pfeifen und Quieken. Weitere variable Laute.
Vorkommen Flache Flüsse mit zugewachsenen Ufern und Auen.
SÄUGETIERE
Wildkatze
Felis silvestris
(Katzen)
© Frank Hecker
Seltener Waldbewohner Nachdem die europäische Wildkatze schon fast ausgestorben war, erholen sich die Bestände heute wieder. Wildkatzen brauchen vom Menschen ungestörte Wälder und werden v. a. durch die Vermischung mit verwilderten Hauskatzen bedroht. Wildkatzen sind Einzelgänger und extrem scheu. Sie kratzen an Bäumen, um ihre Krallen zu schärfen und um ihr Revier mit Duftstoffen aus Fußdrüsen zu markieren.
Merkmale 50–80 cm, Schwanz 25–40 cm. Deutlich kräftiger als Hauskatze. Fell länger und weicher als das der Hauskatze, oben stets graubraun bis grau mit dunkler Tigerung, an der Unterseite hell. Schwanz endet stumpf, trägt als typisches Kennzeichen 3–5 dunkle Ringe.
Stimme Laute wie Hauskatze.
Vorkommen Laub- und Mischwälder.
SÄUGETIERE
Luchs
Lynx lynx
(Katzen)
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Auffällige Pinselohren Früher war der Luchs in fast ganz Europa verbreitet. Wegen seines kostbaren Pelzes und weil er als »Schädling und Konkurrent« galt, wurde er stark verfolgt und in weiten Gebieten ausgerottet. Kleine Bestände gibt es in Osteuropa, Skandinavien und Spanien. In Deutschland wurden Luchse erfolgreich ausgewildert. Luchse sind Einzelgänger und bevorzugen große einsame Wälder. Sie hören und sehen ausgezeichnet und schleichen sich leise an ihre Beute wie Hasen, Rehe und Nagetiere an. Luchse sind für den Menschen völlig ungefährlich.
Merkmale 80–130 cm, Schwanz 11–25 cm. Hochbeinige Katze mit rundlichem Kopf und deutlichem, hellem Backenbart. Auffällige, große, braune bis schwarze Flecken im braungrauen Fell. Ohren spitz zulaufend, mit langen dunklen Ohrpinseln.
Stimme Ähnlich wie Hauskatze.
Vorkommen Luchse brauchen große und naturnahe sowie wald- und wildreiche Gebiete.
SÄUGETIERE
Wildkaninchen
Oryctolagus cuniculus
(Hasen)
© Frank Hecker
Stammform der Hauskaninchen Wildkaninchen (Bild oben) leben in Familienkolonien aus 20–25 Tieren. Sie legen unterirdische Baue in sandigem Boden an. Die Gänge reichen bis zu 3 m tief in die Erde und sind bis zu 45 m lang. In der Nähe findet man oft die Losung (Bild unten), mit der die Tiere auch ihr Revier markieren. Kaninchen sind dämmerungsaktiv, in Städten sieht man sie auch tagsüber. Die Tiere fressen Gräser, Kräuter und Wurzeln. Wildkaninchen werfen mehrmals im Jahr 4–5 Junge. Hoch sind allerdings auch die Verluste durch die tödliche Kaninchenkrankheit Myxomatose.
© Frank Hecker
Merkmale 35–45 cm. Graubraun oder schwarz, im Nackenbereich oft rostrot. Ohren aufgerichtet und lang, aber deutlich kürzer als bei Feldhasen. Schwanz kurz, oben schwarz, unten weiß.
Stimme Lautes Pfeifen bei Gefahr.
Vorkommen Überall in Mitteleuropa in Gebieten mit leichten, sandigen Böden.
SÄUGETIERE
Feldhase
Lepus europaeus
(Hasen)
© Wolfgang Buchhorn über Hecker
Spitzensportler Feldhasen bevorzugen offene Flächen mit guter Rundumsicht. Dort scharren sie Mulden (Sassen) in den Boden, in denen sie ruhen. Weil ihre Hinterläufe sehr lang sind, »hoppeln« Hasen. Bei Gefahr können sie mehrere Meter weit springen und mit bis zu 80 km pro Stunde laufen. Ihre Verfolger verwirren sie, indem sie Haken schlagen. Die Häsin kann mehrere Würfe von 2–4 Jungen in kurzen Abständen produzieren. Feldhasen haben viele Feinde: Wildschweine, Füchse, Greif- und Rabenvögel sowie wildernde Hunde. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft verlieren die Tiere ihren Lebensraum.
Merkmale 50–70 cm. Deutlich größer als Kaninchen. Ohren sehr lang und beweglich, häufig angelegt. Schwanz oben dunkel. Hinterbeine auffällig lang. Augen sehr groß. Fell gelblich braun bis braungrau, an Hals und Flanken oft orangefarben getönt.
Stimme Meist ruhig, doch gelegentlich schrilles Angstgeschrei oder Fiepen.
Vorkommen Warme, trockene, offene Flächen, Äcker, Felder, Brachland, auch in Laubwäldern.
SÄUGETIERE
Schneehase
Lepus timidus
(Hasen)
© Limbrunner über Hecker
An extremen alpinen Lebensraum angepasst Schneehasen leben nicht nur in Tundra und Taiga, sondern auch in den Hochalpen. Mit ihren stark behaarten Pfoten können sie besonders gut auf Schnee laufen und sinken kaum ein. Sie überleben Temperaturen bis –40 °C und lassen sich zum Schutz vor extremer Kälte einschneien (»Iglueffekt«). Schneehasen wechseln zweimal im Jahr das Fell, um immer gut getarnt zu sein. Im Sommer fressen sie Gräser, Kräuter und Beeren, im Winter Rinde und Wurzeln sowie Flechten.
Merkmale 45–60 cm. Sommerfell braun mit blaugrauem Glanz, Winterfell weiß, Übergangsfell fleckig. Ohren kleiner als beim Feldhasen.
Stimme Schreien, Zischen und Fauchen.
Vorkommen Krummholzzone der Alpen, in Höhen von 1200–3400 m.
SÄUGETIERE
Bisamratte
Ondatra zibethicus
(Wühlmäuse)
© Limbrunner über Hecker
Größte Wühlmaus Die Bisamratte (Bild oben) ist keine Ratte, sondern eine Wühlmaus. Sie stammt aus Nordamerika. Um 1900 wurde sie wegen ihres weichen Fells bei uns eingeführt und bewohnt heute fast ganz Mitteleuropa. Bisamratten können sehr gut schwimmen und tauchen. Am Ufer graben sie Erdbaue (Bild unten) oder legen Burgen an, deren Eingänge unter Wasser liegen.
© Frank Hecker
Merkmale 25–35 cm, Schwanz 20–25 cm. Gedrungene, rattenartige Gestalt, kurzer, dicker Kopf. Schwanz seitlich abgeplattet. Felloberseite dunkelbraun, Unterseite heller.
Stimme Kurzes Pfeifen.
Vorkommen Fließ- und Stillgewässer mit reicher Verlandungszone.
SÄUGETIERE
Rötelmaus
Myodes glareolus
(Wühlmäuse)
© Frank Hecker
Häufiger Waldbewohner Auch am Tage lässt sich die wenig scheue Rötelmaus beobachten. Sie legt ein Netzwerk aus ober- und unterirdischen Gängen und Tunneln an, kann aber auch gut klettern. Die Rötelmaus sammelt Haselnüsse, Samen, Beeren und Pilze. Ein Weibchen bringt 4–5-mal im Jahr je 3–7 Junge zur Welt. Daher kann sich die Art stark vermehren, wenn es genug zu fressen gibt, z. B. in sogenannten Mastjahren, wenn Eiche oder Buche sehr viele Samen produzieren.
Merkmale 9–11 cm, Schwanz 4,5–6,5 cm. Schnauze stumpf. Ohren und Schwanz kurz. Felloberseite rötlich braun bis fuchsrot, Unterseite grauweiß. Füße weiß.
Stimme Vogelartiges Zwitschern.
Vorkommen Unterholzreiche Mischwälder, Feldgehölze, Hecken, Gärten und Parks. Im Winter auch in Gebäuden.
SÄUGETIERE
Feldmaus
Microtus arvalis
(Wühlmäuse)
© Frank Hecker
Gehört zu den häufigsten Säugetiere Mitteleuropas Schmale Rennwege, Schlupflöcher im Boden und Erdhäufchen verraten die Feldmaus. Etwa alle 4 Jahre kommt es zur Massenvermehrung, von der andere Tiere profitieren. In »Mäusejahren« ziehen Bussarde und Eulen mehr Jungtiere groß. Feldmäuse sind mit 3 Wochen selbstständig und geschlechtsreif. Sie werden 1–3 Jahre alt.
Merkmale 8,5–12 cm, Schwanz 2,5–4 cm. Stumpfschnäuzige Maus mit auffallend kur-zem Schwanz. Fell kurzhaarig und glatt, oben rötlich braun, unten grau bis gelblich. Sehr ähnlich ist die etwas größere Erdmaus (Microtus agrestis), siehe Bild unten, deren Fell etwas dunkler, lockerer und langhaariger ist.
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Stimme Schrill und hoch quiekend wie »jip-jip«.
Vorkommen Wiesen und Weiden, Getreide-, Klee- und Rapsfelder.
SÄUGETIERE
Feldhamster
Cricetus cricetus
(Hamsterartige)
© Frank Hecker
Typische »Hamsterbacken« Feldhamster futtern Getreide, Klee, Kartoffeln, Kohl, Zuckerrüben und Wildkräuter, aber auch Regenwürmer und Käfer. Die Nahrung »hamstern« sie in den Backentaschen und legen Vorräte in ihren Bauten an. In der Dämmerung und nachts werden die Tiere aktiv. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die industrielle Feldbewirtschaftung ist der Feldhamster sehr selten geworden.
Merkmale 20–27 cm, Schwanz 3–6 cm. Größe und Gestalt wie Meerschweinchen. Fell 3-farbig und gescheckt, oft Oberseite gelbbraun-rötlich und Bauch dunkel.
Stimme Sehr vielfältig: Zischen, Fauchen, Knurren, Fiepen, Quieken, Brummen.
Vorkommen Offene Ackerlandschaft auf Löss- und Lehmböden, auf Feldern, auch in Kleingärten und auf Randstreifen.
SÄUGETIERE
Waldmaus
Apodemus sylvaticus
(Echte Mäuse)
© Frank Hecker
Scheuer Einzelgänger Die Waldmaus meidet die Menschen und ist hauptsächlich nachts aktiv. Sie ist sehr agil, klettert gern und springt bis zu 80 cm weit. Sie frisst Samen, Früchte, Insekten und Würmer. Im Herbst sammelt sie Vorräte, die sie in tiefen Gängen und Vorratskammern speichert. Sie hält keinen Winterschlaf und ist sogar bei Schnee unterwegs. Ihre Jungen bringt sie in unterirdischen Höhlen zur Welt. In Mitteleuropa gibt es meist 3 Würfe pro Jahr mit 5–6 Jungen.
Merkmale 8–11 cm, Schwanz 7–11 cm. Oberseite gelbbraun, Unterseite weiß. Augen und Ohren sehr groß. Schwanz fast körperlang. Sehr ähnlich ist die ebenfalls häufige Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), siehe Bild unten. Sie hat ein deutliches gelbes Halsband.
© H. Duty/Blickwinkel über Hecker
Stimme Helles Piepen.
Vorkommen Waldränder, Feldgehölze, Hecken, Gärten und Parks. Im Winter auch in Gebäuden.
SÄUGETIERE
Brandmaus
Apodemus agrarius
(Echte Mäuse)
© Frank Hecker
Auffälliger schwarzer Rückenstreifen Die Brandmaus wird zunehmend auch in städtischen Grünanlagen gesichtet, im Sommer siedelt sie auch in Getreidefeldern, im Winter in Scheunen. Brandmäuse sind überwiegend tagaktiv und suchen Samen und Früchte, aber auch Insekten, Larven, Schnecken und Würmer. Fortpflanzungszeit ist April bis September, nach 18–21 Tagen kommen 6–7 Junge zur Welt. Nach 8 Wochen sind die Jungtiere geschlechtsreif.
Merkmale 7,5–11,5 cm, Schwanz 6–9 cm. Fell oberseits warm rotbraun, schmaler schwarzer Streifen über der Rückenmitte, Unterseite grauweiß.
Vorkommen Waldränder, Gebüsch, feuchte Wiesen und Röhricht, in Mitteleuropa auch in Parks und Gärten häufig. In Mitteleuropa nur den Osten besiedelnd.
SÄUGETIERE
Zwergmaus
Micromys minutus
(Echte Mäuse)
© Frank Hecker
Kleinstes Nagetier Europas Am sichersten fühlt sich die Zwergmaus zwischen den hohen Halmen eines Getreidefeldes oder Schilfbestandes. Dort klettert sie geschickt umher, indem sie ihr Schwanzende um die Halme wickelt. Zwergmäuse haben viele Feinde, v. a. Greifvögel, Eulen und Marder, und müssen deshalb viele Nachkommen großziehen. Dazu bauen beide Partner kugelförmige Nester hoch in die hohen Gräser und polstern sie mit zersplissenen Grashalmen aus. Schon mit 16 Tagen werden die jungen Zwergmäuse selbstständig.
Merkmale 6–8 cm, Schwanz 5–8 cm. Fell oben gelblich braun, unten weiß, manchmal grau. Kleine, kaum aus dem Fell ragende Ohren. Stumpfe Schnauze. Körperlanger Schwanz.
Stimme Vielfältiges Zirpen und Zwitschern.
Vorkommen Feuchtgebiete, Felder und Grasfluren entlang von Hecken.
SÄUGETIERE
Hausmaus
Mus musculus
(Echte Mäuse)
© Frank Hecker
Ungebetene Hausgäste Wo Menschen leben, ist die Hausmaus nicht weit. Sie wohnt in Vorratslagern, Scheunen und Kellern. Sogar Kühlhäuser haben die Nager für sich entdeckt. Gegen die Kälte wächst ihnen dort ein längerer und dichterer Pelz. Hausmäuse können Krankheiten auf Menschen übertragen. Als gezüchtete Labormäuse dienen sie zur Entwicklung von Medikamenten und Therapien. Bei gutem Futterangebot sind sie das ganze Jahr fortpflanzungsfähig. Feinde sind Katzen, Wanderratten, Steinmarder und Schleiereulen.
Merkmale 7,5–9 cm, Schwanz 7–9,5 cm. Lange Ohren, spitze Schnauze, relativ dicker Schwanz. Fell oben grauschwarz bis hellgrau, wirkt leicht fettig, Bauch nur wenig heller.
Stimme Lautes Quieken.
Vorkommen Weit verbreitet, häufig in menschlichen Siedlungen.
SÄUGETIERE
Wanderratte
Rattus norvegicus
(Echte Mäuse)
© Frank Hecker
Erfolgreichster Kulturfolger Die Wanderratte ist ein Kulturfolger mit großer Erfolgsgeschichte. In den letzten 300 Jahren hat sie sich fast überall dort verbreitet, wo Menschen wohnen. Ratten können sehr gut schwimmen und leben häufig in der Kanalisation. Als Allesfresser finden sie dort genügend Nahrung. Wanderratten übertragen verschiedene Krankheiten. Sie sind intelligent und lernfähig und für die medizinische Forschung als Versuchstiere im Einsatz.
Merkmale 18–25 cm, Schwanz 15–22 cm. Fell oben grau bis schwarzbraun, unten grauweiß. Schnauze stumpf, Ohren und Augen relativ klein. Schwanz dick, schuppig. Die sehr ähnliche, aber seltenere Hausratte (Rattus rattus), siehe Bild unten, hat eine spitze Schnauze und größere Augen und Ohren.
© Frank Hecker
Stimme Quieken, Fiepen, Fauchen.
Vorkommen Stammt aus Kleinasien, bewohnt Abwasserkanäle, Keller, Schutt- und Müllplätze.
SÄUGETIERE
Siebenschläfer
Glis glis
(Schläfer)
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Schläft länger als 7 Monate Der Siebenschläfer ist nachtaktiv und verbringt den Tag zumeist schlafend in seiner Baumhöhle. Er klettert gewandt auf hohen Laubbäumen herum und nutzt seinen buschigen Schwanz, um das Gleichgewicht zu halten. Winterschlaf hält der Nager von Oktober bis Ende Mai. Mit fettreichen Samen und Nüssen frisst er sich dafür Fettreserven an. Zu seinen Feinden gehören Mauswiesel, Baum- und Steinmarder, Waldkäuze und Hauskatzen. Bedroht wird der Siebenschläfer aber v. a. durch den Rückgang von Wäldern mit alten Laubbäumen, in denen er seine überlebenswichtigen Schlafhöhlen findet. In eintönigen Nutzwäldern findet er keinen Unterschlupf.
Merkmale 12–18 cm, Schwanz 11–15 cm. Ähnelt Eichhörnchen. Silbrig glänzende, graue Felloberseite, weißer Bauch, langer buschiger Schwanz. Augen auffallend groß, schwarz umrandet.
Stimme Lautes Summen, Quieken und Fiepen.
Vorkommen Großflächige Laub- und Mischwälder mit alten Eichen und Buchen.
SÄUGETIERE
Gartenschläfer
Eliomys quercinus
(Schläfer)
© Frank Hecker
Mit schwarzer Gesichtsmaske Der Gartenschläfer lebt im Wald, aber auch in Weinbergen und Obstgärten. Hauptsache, er findet ein Versteck für sein Nest: alte Spechthöhlen, Verstecke in Gebäuden, verlassene Mäuse- oder Vogelnester, gelegentlich auch Nistkästen. Dort zieht er im Hochsommer 2–9 Junge groß. Diese werden im Alter von 2 Monaten im »Gänsemarsch« ausgeführt oder bilden aneinandergeklammert Karawanen unter Führung des Muttertiers.
Merkmale 10–15 cm, Schwanz 8–14 cm. Auffällige schwarze Gesichtsmaske. Fell kontrastreich graubraun und weiß gefärbt.
Stimme Häufig laut keckernd und pfeifend.
Vorkommen Buschreiche Waldränder, gern mit Felsen und Steinen.
SÄUGETIERE
Haselmaus
Muscardinus avellanarius
(Schläfer)
© Frank Hecker
Mag Haselnüsse Da Haselmäuse nachtaktiv sind, nur in geringer Dichte vorkommen und dichtes Gestrüpp – gern mit Brombeeren und Hasel – besiedeln, bekommt man sie fast nie zu Gesicht. Als geschickte Kletterer meiden sie Bodenkontakt. Auch ihre Nester liegen in dornigem Gebüsch, gelegentlich besiedeln sie Nistkästen. Die 2–7 Jungtiere eines Wurfs sind Nesthocker, sie entwickeln sich sehr langsam. Haselmäuse fressen Knospen, Blüten, Samen, Früchte, Insekten, Schnecken und im Herbst am liebsten Haselnüsse.
Merkmale 6,5–8,5 cm, Schwanz 5,5–8 cm, 15–35 g. Kleinster Schläfer Europas. Rostrote bis orangegelbe Oberseite, hellgelblicher Bauch, weiße Brust und Kehle.
Vorkommen Mischwälder mit reichem Buschbestand, besonders mit Haselsträuchern.
SÄUGETIERE
Biber
Castor fiber
(Biberartige)
© Frank Hecker
Größtes Nagetier Europas Biber bauen Burgen und Dämme und regulieren so den Wasserstand, damit der Eingang zu ihrem Bau immer unter Wasser liegt. Im nördlichen Europa waren sie einst weit verbreitet und wurden vielerorts ausgerottet. Jetzt erobern sie sich ihren ursprünglichen Lebensraum zurück. Sie fressen Rinde, Blätter und Äste von Weichhölzern. Dazu und zum Bau ihrer Dämme und Burgen fällen sie Bäume, die man an den typischen Nagespuren erkennt (Bild oben). Biberpaare bleiben lebenslang zusammen. Im Frühling zieht jedes Paar 1–2 Junge in einer Uferhöhle mit Wohnkessel auf.
Merkmale 75–100 cm, Schwanz 30–40 cm. Wirkt gedrungen. Fell braun, dicht, wasserabweisend. Schwanz breit und abgeplattet (Kelle, 4b).
© S. Meyers/Blickwinkel über Hecker
Stimme Fauchen, Knurren, Zischen.
Vorkommen An der Elbe hatte der Biber überlebt, anderswo wurde er wieder angesiedelt. Flüsse, Auwälder, langsam fließende oder stehende Gewässer.
SÄUGETIERE
Eichhörnchen
Sciurus vulgaris
(Hörnchen)
© Frank Hecker
Häufig in Gärten und Parks Auffällig ist der buschige Schwanz. Er fungiert beim Springen als Steuerruder und beim Klettern als Gegengewicht. Eichhörnchen bauen kugelige Nester (Kobel) in Baumkronen. Dort bringt das Weibchen 3–5 Junge zur Welt. Die Tiere halten keinen Winterschlaf, sondern vergraben im Herbst Vorräte, die sie dank ihres ausgezeichneten Geruchssinns wiederfinden. Verdrängt wird die Art in Großbritannien und Italien vom amerikanischen Grauhörnchen(Sciurus carolinensis), siehe Bild unten.
© M.Woike/Blickwinkel über Hecker
Merkmale 20–25 cm, Schwanz 15–20 cm. Kopf rund, Augen groß, seitlich, Schwanz buschig, lange Ohrbüschel. Rote und braunschwarze Farbvarianten. Die Farbe bleibt im Sommer und Winter gleich, nur die Felldichte ändert sich.
Stimme Bei Erregung häufig »tjuk-tjuk-tjuk«.
Vorkommen Nadel- und Mischwälder, Gärten und Parkanlagen.
SÄUGETIERE
Alpenmurmeltier
Marmota marmota
(Hörnchen)
© Gartenschatz GmbH/Bajohr
Warnpfiffe Murmeltiere leben in der Felsregion (Bild oben
