Der neue Landdoktor 61 – Arztroman - Tessa Hofreiter - E-Book

Der neue Landdoktor 61 – Arztroman E-Book

Tessa Hofreiter

0,0

Beschreibung

"Der neue Landdoktor" zeichnet sich gegenüber dem Vorgänger durch ein völlig neues Konzept aus. Es wird noch größerer Wert auf Romantik, Spannung und sich weiterdichtende, zum Leben erwachende Romanfiguren, Charaktere und Typen gelegt. Eines darf verraten werden: Betörend schöne Frauen machen dem attraktiven Landdoktor schon bald den Hof. Und eine wirkliche Romanze beginnt... Tessa Hofreiter ist in vielen Romangenres mit großem Erfolg aktiv. Einen ihrer zahlreichen Höhepunkte bildete fraglos die Serie um "Das Chateau", die sich um ein französisches Weingut dreht. Immer populärer ist in jüngster Zeit "Der neue Landdoktor" geworden, der den Nerv einer wachsenden Lesergemeinde trifft. Der Stil dieser Schriftstellerin ist unverwechselbar.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 126

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Der neue Landdoktor – 61–

Nolan, der Held des Tages

Er war Paulas Retter in der Not

Tessa Hofreiter

»Geh, Nolan, nicht so hastig, du kommst schon noch rechtzeitig zum Training.« Traudel Bruckner schaute dem Berner Sennenhund der Seefelds überrascht nach. Die rundliche Frau in dem hellblauen Dirndl kümmerte sich schon seit beinahe vierzig Jahren um den Haushalt der Seefelds und war längst ein Teil der Familie.

Kaum hatte sie die Haustür geöffnet, stürmte Nolan in den Hof und hockte sich vor die Beifahrertür des dunkelroten Mercedes Cabriolet, eines Oldtimers aus den 60er Jahren, der vor der Garage stand.

»Mei, Benedikt, ich könnt fast glauben, er hat sich verliebt, so eilig, wie er es immer hat, wenn’s zum Trainingsplatz geht«, wandte sich Traudel mit einem amüsierten Lächeln dem attraktiven älteren Mann zu, der nach Nolan das Haus verließ.­

»Da könnte etwas Wahres dran sein«, stimmte Benedikt Seefeld ihr zu. »So führt er sich erst auf, seitdem Paula vor vier Wochen die Vertretung ihres Onkels übernommen hat.«

»Er hat einen Blick für schöne Frauen, da passt er sich den anderen Herren in dieser Familie an.«

»Muss ich eifersüchtig werden?«, wollte das Mädchen wissen, das aus einem Fenster im ersten Stock auf den Hof hinunterschaute. Das dichte Laub der prächtigen Ulme, die die Haustür und den Eingang der Praxis, die in einem Anbau untergebracht war, beschattete, nahm ihm die Sicht auf den Hund. Ihren Großvater und Traudel konnte Emilia Seefeld aber durch die Äste hindurch sehen.

»Keine Sorge, du wirst bei Nolan immer an erster Stelle stehen, aber das heißt nicht, dass er sich in der Welt nicht ein bisschen umsieht und neue Freundschaften schließt«, antwortete Benedikt schmunzelnd und schaute nach oben.

»Ich befürchte, wenn er sich irgendwann in eine Hundedame verliebt, dann werde ich schon erst einmal abgemeldet sein«, seufzte Emilia. »Andererseits würde ich es ihm von Herzen gönnen, sich zu verlieben. Wir müssten zumindest nicht befürchten, dass er planen würde, von zu Hause auszuziehen.«

»Nein, das würde er nicht tun«, antwortete Traudel mit einem tiefen Seufzer.

»Jetzt denkst du aber gerade nicht an Nolan, sondern an den Tag, an dem ich ausziehen werde«, entgegnete Emilia mit der unverblümten Offenheit eines Teenagers.

»Ich hoffe, er kommt nicht so bald«, gab Traudel gleich zu, dass Emilia sie durchschaut hatte. »Geh, Spatzl, wird es nicht Zeit für die Schule? Oder fallen heute noch mehr Stunden aus?«, wollte sie wissen, nachdem sie auf ihre Armbanduhr geschaut hatte.

»Nein, nur die beiden ersten. Unser Sportlehrer ist mal wieder krank«, seufzte Emilia. »Aber du hast recht, ich muss allmählich los. Viel Spaß, Opa, und wenn die Schule demnächst mal vormittags ganz ausfällt, komme ich mit zum Trainingsgelände. Ich würde Paula gern kennenlernen.«

»Das lässt sich bestimmt auch auf andere Weise arrangieren. Mal sehen, was mir dazu einfällt. Ich wünsche dir einen schönen Tag in der Schule.«

»Danke, bis heute Nachmittag«, entgegnete Emilia und schloss das Fenster.

»Wie geht es eigentlich dem Werner? Wird er weiter als Hundetrainer arbeiten? Ich meine, nach seiner Kur?«

»Paula hat vor ein paar Tagen mit ihm telefoniert. Er denkt wohl inzwischen darüber nach, in Zukunft ein wenig kürzer zu treten.«

»Sein Rücken wird es ihm danken, wenn er nicht mehr ständig mit den Hunden auf dem Trainingsgelände herumhopst. Obwohl, ganz ohne die Hunde wird er nicht können. So wie du nicht ganz ohne deine Patienten sein kannst.«

»Sollte Paula seine Nachfolge antreten, wird sie ihn sicher gern hin und wieder einspannen, so wie Sebastian auch hin und wieder gern ein wenig Hilfe annimmt. Worüber ich mich schon freue, das gebe ich zu.«

»Du weißt deine ehemaligen Patienten bei deinem Sohn in guten Händen und er kann, dank deines Einsatzes, dann und wann verreisen oder etwas unternehmen. Ihr ergänzt euch zu euer beider Vorteil.«

»Klingt nach einer guten Vereinbarung.«

»Wuff«, machte Nolan und drehte sich zu den beiden um.

»Er stimmt dir zu«, sagte Traudel lachend.

»Oder er will mich zur Eile antreiben.«

»Mir fällt da gerade etwas ein«, sagte Traudel, während sie nachdenklich über ihr Kinn strich. »Du hast mir doch erzählt, dass der Kilian schon einige Male das Hundetraining angeschaut hat, seitdem die Paula dabei ist.«

»Das ist richtig.«

»Er will vermutlich herausfinden, ob das Madl das Zeug dazu hat, auf Dauer die Hunde für die Bergwacht zu trainieren.«

»Ich bin sicher, die Voraussetzungen stimmen. Werner hat mir erzählt, dass sie schon während ihrer Ausbildung zur technischen Zeichnerin regelmäßig in einer Hundeklinik gearbeitet hat und dort auch in Notfallmedizin ausgebildet wurde.«

»Eine engagierte junge Dame. Ich hab gehört, dass sie demnächst mit zwei anderen jungen Damen eine Hundeschule in der Kreisstadt eröffnet.«

»Du bist wie immer bestens informiert.«

»So ist es«, stimmte Traudel Benedikt schmunzelnd zu. »Wegen der fachlichen Kompetenzen muss der Kilian gar nicht lange überlegen, ob sie sich für das Hundetraining eignet. Ich nehme an, es zieht ihn ohnehin nicht allein wegen ihrer Arbeit zum Trainingsplatz.«

»Richtig, der Grund ist wohl eher, dass er sich in dieselbe Frau wie Nolan verliebt hat«, erklärte Benedikt lächelnd. »Aber wie es aussieht, fehlt Kilian ein wenig der Mut, sich Paula zu offenbaren. Und sie geht ihm auch aus dem Weg, obwohl ich den Eindruck habe, dass sie ihn gern hat.«

»Vielleicht sollten wir ein bisserl nachhelfen.«

»Ich vermute, du hast auch schon eine Idee.«

»Richtig. Wir könnten doch mal wieder ein Essen für die Bergwacht ausrichten. Das letzte ist schon ein Vierteljahr her.«

»Und da Paula im Moment zur Bergwacht gehört, könnten wir sie dazu einladen.«

»Ganz genau, in ungezwungener Atmosphäre unter Freunden tut sich Kilian möglicherweise leichter, ihr seine Gefühle einzugestehen. Außerdem wäre es eine Gelegenheit für Emilia, Paula kennenzulernen.«

»Was hältst du davon, wenn wir sie gleich für den kommenden Freitag einladen? Oder wäre das zu kurzfristig?«

»Nein, kein Problem. Wir machen ein kleines Grillfest im Garten. Kümmere du dich um die Einladungen, ich übernehme die Vorbereitungen für das Essen.«

»Ich werde dir dabei helfen.«

»Wenn du das möchtest, sehr gern«, entgegnete Traudel lächelnd. »Was ist mit Ramona? Wirst du sie auch einladen?«

»Aber ja, sie gehört doch dazu. Sie kümmert sich seit über fünf Jahren um die Büroarbeiten der Bergwacht. Ehrenamtlich, wie alle bei der Bergwacht.«

»Du weißt es nicht«, stellte Traudel stirnrunzelnd fest.

»Was meinst du?«

»Ramona hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Kilian.«

»Stimmt, sie arbeitet auch hauptberuflich für ihn.«

»Das heißt, sie ist die Sekretärin von Kilian Reimer, dem Leiter der Bergwacht, und sie ist die Sekretärin des Elektromeisters Kilian Reimer. Sekretärinnen fühlen sich immer als Vertraute ihres Chefs. Ramona verbringt vermutlich mehr Zeit mit Kilian als jeder andere Mensch.«

»Mag sein.«

»Du liebe Güte, Benedikt, diese Nähe zu ihm wird sie mit keiner anderen Frau teilen wollen. Sie macht sich doch regelrecht unentbehrlich für ihn. Ich bin sicher, sie hofft darauf, dass aus ihnen irgendwann ein Paar wird.«

»Ich hatte noch nie den Eindruck, dass Kilian sich auf diese Weise für Ramona interessiert.«

»Aber sie interessiert sich für ihn.«

»Dann ist es doch umso besser, dass sie von Anfang an Bescheid weiß, sollte sich zwischen Paula und Kilian etwas ergeben. Dann wird sie von dieser für sie möglicherweise unangenehmen Entwicklung nicht überrascht.«

»Das hört sich nach einer einfachen Lösung an. Aber für Ramona wird das kein einfacher Abend werden. Auch wenn ich ihre überhebliche Art nicht mag und ich nicht so recht etwas mit ihr anfangen kann, kann ich mir doch recht gut ausmalen, wie es für sie sein wird, sollten die beiden zusammenkommen.«

»Wenn ich sie nicht einlade, dann fühlt sie sich ausgegrenzt. Das würde ihr sicher noch mehr wehtun.«

»Ja, vermutlich. Also dann, lade sie ein.«

»Das mache ich, bis später«, verabschiedete sich Benedikt von Traudel und winkte Emilia noch einmal zu, die mit wehendem Haar über die abschüssige Wiese zur Straße hinunterlief. Nicht einmal mehr vier Jahre, dann ist sie erwachsen, zumindest auf dem Papier, dachte er und schaute dem Mädchen in dem gelben Minikleid, das sie zu einer dunklen Leggins trug, wehmütig nach.

Nolan, der in Sebastians Geländewagen immer hinten im Kofferraum sitzen musste, kletterte stolz auf den Beifahrersitz in Benedikts Cabriolet. Er hockte sich auf die weiche Decke, die dort für ihn bereit lag, und ließ sich klaglos mit dem Hundegurt anschnallen, damit er während der Fahrt geschützt war.

»Mei, das gefällt dir, Buberl«, murmelte Traudel, als der Wagen mit Benedikt am Steuer gleich darauf zur Straße hinunterfuhr und Nolan sie mit seinen dunklen Knopfaugen durch das Beifahrerfenster hindurch anschaute.

»Alles in Ordnung, Traudel? Du siehst so nachdenklich aus.« Sebastian hatte das Fenster seines Sprechzimmers geöffnet, um kurz zu lüften.

»Dein Vater und ich haben gerade über einen Grillabend mit euren Kollegen von der Bergwacht nachgedacht.«

»Gute Idee. Wann?«

»Gleich am Freitag. Du und Anna, ihr habt doch Zeit?«

»Wir sind da, und wir helfen dir auch bei den Vorbereitungen.«

»Danke, ich komme darauf zurück.« Traudel betrachtete den jungen Arzt mit einem liebevollen Lächeln. Sebastian war ein außergewöhnlich attraktiver Mann, groß und schlank, mit dunklem Haar und hellen grauen Augen.

»Bis nachher, ich muss weitermachen«, sagte er und schloss das Fenster.

»Ja, bis nachher«, flüsterte Traudel und setzte sich für einen Moment auf die weiße Holzbank, die den Stamm der alten Ulme umrahmte.

Sie hatte keine eigenen Kinder, dazu war es nie gekommen, aber sie hätte einen eigenen Sohn auch nicht mehr lieben können als Sebastian, den Sohn ihrer Cousine, die bei seiner Geburt gestorben war. Sie hatte ihr versprochen, für den Jungen da zu sein, und als Benedikt sie bat, zu ihm zu ziehen, um sich um das Kind und den Haushalt zu kümmern, hatte sie nicht lange überlegt. Ihre Liebe schloss auch Emilia mit ein. Das Mädchen, das seine Mutter bei einem Autounfall verloren hatte, war ihr Sonnenschein. Sie war jedes Mal zu Tränen gerührt, wenn Emilia sie Omi nannte, weil ihre beiden Großmütter nicht mehr lebten und sie sich nach einer Großmutter sehnte. Und da war Benedikt, ihre heimliche große Liebe, die nie Wirklichkeit geworden war.

»Trotzdem bin ich glücklich«, murmelte Traudel und schaute lächelnd auf das Haus mit den lindgrünen Fensterläden – ihr Zuhause.

*

Das Trainingsgelände, eine hüglige Wiese, die der Bergwacht für ihre Hundeausbildung zur Verfügung stand, lag am Waldrand hinter dem Golfplatz. Das weitläufige Gelände erstreckte sich bis zum Fuß des Berges, auf dem sich die Burgruine der Grafen von Bergmoosbach erhob. Die beiden gut erhaltenen Wachtürme waren weithin sichtbar und lockten auch Tagestouristen an, die auf ihrem Weg in die Berge nur zufällig durch Bergmoosbach kamen.

Auf der Wiese gab es einen Hindernisparcours für die Hunde. Stangen, über die sie springen und andere, unter denen sie hindurch robben mussten. Wacklige Bretter mussten überquert und aufgeschüttete Sand- und Schotterhügel erklommen werden.

Der Bach, der mitten durch das Trainingsgelände rauschte, war ein natürliches Hindernis, das den Hunden Respekt abverlangte. Da sie im Notfall nicht vor dem Wasser zurückschrecken durften, gehörte die ständige Überquerung des Baches zu ihrem Ausbildungsprogramm.

Paula war wie immer eine halbe Stunde vor dem Eintreffen ihrer Schüler auf dem Platz. Sie lief das Gelände ab, überprüfte die Hindernisse und achtete darauf, dass nichts herumlag, das dort nicht hingehörte. Hin und wieder trafen sich Jugendliche nachts auf dem Trainingsgelände, um ausgelassen zu feiern. Nicht immer entsorgten sie danach Flaschen und Getränkedosen. An diesem Morgen aber war alles in Ordnung. Nichts lag herum und die Hindernisse standen fest verschraubt genau dort, wo sie hingehörten.

Ihr Herz schlug schneller, als sie aufschaute und den weißen Kleinbus sah, der auf den Parkplatz einbog. ›Kilian Reimer – Elektromeister‹, stand auf beiden Seiten des Autos in roten Buchstaben geschrieben. Ob er heute wohl das gesamte Training verfolgen wird?, fragte sie sich und betrachtete den jungen Mann, der aus dem Auto stieg.

Er hatte eine sportliche Figur und breite Schultern, die das graue langärmelige T-Shirt mit der Knopfleiste, das er zu seiner Jeans trug, noch betonte. Sie musste schlucken, als er gleich darauf in ihre Richtung blickte, sein braunes Haar aus der Stirn strich und lächelte. Seitdem sie Kilian das erste Mal begegnet war, träumte sie fast jede Nacht von ihm. In diesen Träumen ging sie Hand in Hand mit ihm spazieren oder saß einfach nur mit ihm auf der Wiese und versank in seinen dunklen Augen.

»Guten Morgen, Paula«, begrüßte er sie, als er näher kam.

»Hallo, Kilian, möchtest du dir heute das gesamte Training ansehen?« Sie versuchte, seinem Blick standzuhalten, schaute aber schließlich doch zur Seite, als sie spürte, dass ihre Augenlider flackerten.

So sehr sie sich auch dagegen wehrte, jede Begegnung mit ihm versetzte sie in Aufregung. Ihr Onkel hatte ihr schon vor einiger Zeit die Leute von der Bergwacht vorgestellt, und da sich dort bis auf wenige Ausnahmen alle duzten, hatte auch sie sich nicht mit dem förmlichen Sie aufgehalten.

»Nein, leider kann ich nicht bleiben. Ich bin auf dem Weg zu einer Großbaustelle nach Augsburg. Ich wollte dich nur fragen, ob es dabei bleibt, dass du die Prüfung in der nächsten Woche für den Anfängerkurs übernimmst?«

»So war es doch ausgemacht. Mein Onkel wird ja noch eine Weile fort sein.«

»Ich dachte nur, ich frage noch einmal nach, wegen der der Eröffnung eurer Hundeschule nächste Woche.«

»Das ist kein Problem. Die Termine für die Bergwacht sind fest eingeplant. Die Bergwacht hat immer Vorrang, auch bei uns.«

»Könnte ich daraus schließen, dass du möglicherweise die Nachfolge deines Onkels antreten würdest? Ich meine, sollte er sich entschließen, nicht mehr regelmäßig für das Training zur Verfügung zu stehen?«

»Du hältst mich für geeignet, eure Hunde auf Dauer zu trainieren?«

»Aber ja, auf jeden Fall. Ich müsste zwar erst mit dem Vorstand der Bergwacht sprechen, aber ich bin sicher, dass alle dafür sein werden. Zumal Benedikt Seefeld auch im Vorstand ist und nur lobende Worte für dich findet.«

»Danke, es freut mich, dass ihr mit meiner Arbeit zufrieden seid.«

»Sobald dein Onkel eine Entscheidung getroffen hat, setzen wir uns zusammen und reden über alles.«

»Ja, gern.«

»Gut, das wäre geklärt. Ich muss dann auch los. Ich wünsche dir einen schönen Tag«, verabschiedete sich Kilian.

»Den wünsche ich dir auch«, antwortete Paula und sah ihm nach, wie er eilig davonging. Er ist mit meiner Arbeit zufrieden, aber an mir persönlich hat er kein Interesse, dachte sie, sonst hätte er doch längst den Versuch unternommen, sie näher kennenzulernen. Vermutlich war es besser, ihn aus ihren Träumen zu verbannen. Sie würden sich wohl niemals erfüllen.

Gerade als Kilian in seinen Wagen steigen wollte, bog das rote Cabriolet mit Benedikt am Steuer auf den Parkplatz ein. Kilian wartete noch, bis Benedikt sein Auto abgestellt hatte und ausstieg. Die beiden Männer sprachen ein paar Worte miteinander, bevor Kilian sich schließlich in sein Auto setzte und den Parkplatz verließ. Danach ließ Benedikt Nolan aus dem Auto aussteigen, der gleich losstürmte, um Paula zu begrüßen.

Nolan war eindeutig ihr Lieblingsschüler. Bei ihrer ersten Begegnung hatte er seinen wuscheligen Kopf zur Seite geneigt und sie mit seinen dunklen Augen angesehen, ein Blick, mit dem er sie im Sturm erobert hatte. »Hallo, Nolan«, begrüßte sie den Hund, der sich vor sie hinhockte und brav darauf wartete, bis sie ihn streichelte.

»Guten Morgen, Paula, Nolan konnte es kaum abwarten, dich wiederzusehen«, sagte Benedikt, der dem Hund in einigem Abstand folgte.